Das kuriose Indonesien-Buch - Marjory Linardy - E-Book

Das kuriose Indonesien-Buch E-Book

Marjory Linardy

0,0
9,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

*** Das kleinste Buch über das Land der 17.508 Inseln *** •Wo kann man in Indonesien am besten Ski fahren? •Warum erledigen die Indonesier nichts mit links? •Was sind ihre beliebtesten Weihnachtslieder? Marjory Linardy, in Indonesien geboren und aufgewachsen, versammelt Wissenswertes und Kurioses über ihre Heimat. Ein sehr unterhaltsamer Einblick in ein Land, das nur aus Inseln besteht.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 218

Veröffentlichungsjahr: 2015

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Marjory Linardy

Das kuriose Indonesien-Buch

Was Reiseführer verschweigen

 

 

Über dieses Buch

 

 

Marjory Linardy ist in Indonesien geboren und aufgewachsen. Sie ist Journalistin und lebt seit vielen Jahren in Deutschland.

 

 

Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de

Impressum

 

 

 

Originalausgabe

Erschienen bei FISCHER E-Books

Frankfurt am Main, September 2015

 

© S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2015

 

Umschlaggestaltung: Geviert – Büro für Kommunikationsdesign, München

Umschlaggabbildung: Shutterstock

Printed in Germany

 

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.

ISBN 978-3-10-403230-6

 

Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.

 

Die Nutzung unserer Werke für Text- und Data-Mining im Sinne von § 44b UrhG behalten wir uns explizit vor.

Hinweise des Verlags

 

 

Abhängig vom eingesetzten Lesegerät kann es zu unterschiedlichen Darstellungen des vom Verlag freigegebenen Textes kommen.

 

Im Text enthaltene externe Links begründen keine inhaltliche Verantwortung des Verlages, sondern sind allein von dem jeweiligen Dienstanbieter zu verantworten. Der Verlag hat die verlinkten externen Seiten zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung sorgfältig überprüft, mögliche Rechtsverstöße waren zum Zeitpunkt der Verlinkung nicht erkennbar. Auf spätere Veränderungen besteht keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.

 

 

Dieses E-Book enthält möglicherweise Abbildungen. Der Verlag kann die korrekte Darstellung auf den unterschiedlichen E-Book-Readern nicht gewährleisten.

 

Wir empfehlen Ihnen, bei Bedarf das Format Ihres E-Book-Readers von Hoch- auf Querformat zu ändern. So werden insbesondere Abbildungen im Querformat optimal dargestellt.

Anleitungen finden sich i.d.R. auf den Hilfeseiten der Anbieter.

Inhalt

Für meine Eltern und [...]

Einleitung

Wo liegt Indonesien?

Was hat Indonesien mit den Deutschen zu tun?

Der deutsche Generalgouverneur

»Der Humboldt von Java«

Der deutsche Apostel der Batak

Ein Schriftsteller in »Gefangenschaft im Paradies«

Ein Deutscher Musiker auf der »Insel der Götter«

Wie sehen die Inseln aus?

Borneo oder Kalimantan

Sumatera

Sulawesi

Papua

Jawa

Wie ist es in der Hauptstadt?

Jakarta kulinarisch genießen

Robin Hood aus Batavia

Gier, Leidenschaft und Mord in Batavia

Wie spät ist es in Indonesien?

Wie ist das Leben in einem tropischen Land?

Was blüht auf den Inseln?

Die Nationalblumen

Wie zeigt sich die Fauna?

Welche Tiere repräsentieren das Land?

Wie wohnt man in Indonesien?

Was isst und trinkt man?

Die indonesische Ernährungsphilosophie

Kopi Luwak: Der Kaffee, der durch den Magen geht

Spekulatius genießen, wo der Pfeffer wächst

Rebung oder wie isst man Bambus richtig?

Wie kocht man am Natürlichsten?

Wie wird gegessen?

Von den indonesischen »Kleinigkeiten«

Indonesisch Kochen, einfach und interessant!

Rezept für vier Portionen

Zutaten

Gewürze

Zubereitung

Zutaten

Gewürze (alle zerkleinern)

Zubereitung

Zutaten

Für die »Soße«

Zubereitung

Was spricht man auf den Inseln?

Bahasa Indonesia – die Sprache Indonesiens

Aus welchen Sprachen gibt es Lehnwörter?

Ist das ein deutsches Wort?

Ein Flug durch die indonesische Grammatik

Möchten Sie Bahasa Indonesia lernen?

Was auch interessant ist

Was ist schick?

Was bedeutet der lange Daumennagel?

Hauptsache: Handy

Ulos: Ein Tuch als Symbol

Was ist schön?

Ist »weiß« schön?

Schön schwarz

Was ist angebracht?

Einladen mit »Tradition«

Eine Einladung, die keine ist

Manyiriah – Einladung mit Betelpfeffer

Die mit Mehrwert verbundenen Einladungen

Pemamanen – eingeladen zum »Helfen«

Pecotan – Einladung oder Peitsche?

Mentraktir – ein Dilemma

Wie besucht man, wie empfängt man Besuch richtig?

Ein Gästeraum ist kein Gästezimmer

Tamiang – Besuchen und Empfangen entsprechend der Religion

Sasak – andere Gegenden, ähnliche Sitten

Potong Pantan – eine spezielle Tradition für spezielle Gäste

Gäste empfangen mit Tänzen und Betelpfeffer

Was ist üblich?

Man wohnt in der Regel im Haus der Eltern, bis man verheiratet ist

Eltern bleiben bei ihren Kindern, bis sie sterben

Alle werden »eingemeindet«

Verheiratet oder noch nicht verheiratet?

Was singt man auf den Inseln?

Glauben oder nicht glauben? Es wird nicht gefragt!

Heilige Opfergaben

Heilige Bäume

Magische Dinge

Magische Personen

Magische Tiere

Die bekanntesten indonesischen Geister

Schöpfung und Natur: Am Anfang war nicht das Wort

Die »kleinen« Aberglauben

Für meine Eltern und meinen Bruder

Einleitung

Woran denken Sie als erstes, wenn Sie Indonesien hören? Vielleicht an Indien oder Polynesien? Oder vielleicht auch an Bali? So richtig falsch ist das alles nicht. Alle diese Orte haben etwas mit Indonesien zu tun – einige mehr, andere weniger.

Die indische Kultur hat sehr starken Einfluss auf das Leben in Indonesien. Die Beziehung zwischen Indien und der Region, die jetzt Indonesien heißt, begann schon in der Zeit vor Christus. Daher finden sich viele Aspekte aus der indischen Kultur in der indonesischen, vor allem aus dem Sanskrit. Beispielsweise in Personennamen, Saraswati etwa ist eine Hindu-Göttin, oder im Motto des Staates Indonesien Bhinneka Tunggal Ika, was »Einheit in Vielfalt« (wörtlich: »viel, aber eins«) bedeutet.

Der Name Indonesia setzt sich aus dem lateinischen Wort Indus (»Indien«) und dem griechischen Begriff für »Insel«, nesos, zusammen. Vermutlich wurde die Region ursprünglich wegen der vielen Ähnlichkeiten so genannt. Den Namen Indonesia kennt man schon im 18. Jahrhundert, lange vor der Unabhängigkeitserklärung des Inselstaates Indonesien im Jahr 1945.

Polynesien ist nicht weit von Indonesien entfernt. Genauer gesagt liegen die Polynesischen Inseln im Pazifischen Ozean, östlich von Indonesien. Bali ist ein beliebter Urlaubsort und damit wohl die bekannteste Insel Indonesiens – auch, wenn viele gar nicht wissen, zu welchem Land die Insel gehört …

Wo liegt Indonesien?

Indonesien ist der größte Inselstaat der Welt. Wenn man fragt, wie viele Inseln zu Indonesien gehören, findet man unterschiedliche Antworten – ganz einfach deshalb, weil zum einen die Region, in der sich Indonesien befindet, sehr groß ist, und Inseln – außer den größeren – sich neu bilden oder auch wieder verschwinden können. Je nachdem also, wann man zählt, kommt man auf unterschiedliche Ergebnisse; der Einfachheit halber kann man sagen, Indonesien besteht aus circa 17000 Inseln.

Ist Indonesien ein asiatisches Land? Die Antwort ist: Ja. Mit Abstand die meisten Inseln befinden sich im Bereich des asiatischen Kontinents; nur der östlichste Teil Indonesiens, der auf der Insel Neuguinea liegt, gehört zum australischen Kontinent. Im Norden grenzt Indonesien an Malaysia, Singapur und die Philippinen. Westlich von Indonesien liegt der Indische Ozean, der sich bis zur Region südlich von Indonesien erstreckt. Südöstlich befinden sich Australien und Osttimor. Im Osten grenzt Indonesien an Papua-Neuguinea. Indonesien teilt sich die Insel Borneo mit Malaysia und Brunei Darussalam, und die Insel Neuguinea mit dem Nachbarland Papua-Neuguinea.

Die folgende Karte zeigt die Lage Indonesiens zwischen dem asiatischen und australischen Kontinent. Von Deutschland aus betrachtet, liegt Indonesien auf der anderen Seite der Erde.

Da Indonesien an der Grenze zwischen Asien und Australien liegt, ähneln Indonesier, die aus dem westlichen Teil des Landes kommen, den Menschen aus anderen asiatischen Ländern. Je weiter man nach Osten kommt, umso dunkler wird die Hautfarbe und lockiger sind die Haare, wie die der Aborigines, der Ureinwohner Australiens. Durch den langen Kontakt mit Menschen aus anderen Gegenden der Welt sind natürlich auch andere Einflüsse erkennbar. Man kann also sagen, dass in Indonesien Menschen mit unterschiedlichsten Hautfarben und physischen Merkmalen zu finden sind – die wohl einzige Ausnahme sind blonde Haare und blaue Augen. Betrachtet man die vielfältigen kulturellen Einflüsse auf Indonesien über die Jahrhunderte, erklärt sich die Verbindung von Einheimischem und Fremdem, das Zusammenleben unterschiedlicher und vielfältiger Volksgruppen. Trotz mancher Unterschiede sehen sich alle Bewohner als Indonesier. Auch hier zeigt sich das Motto des Staates: Einheit in Vielfalt.

Was hat Indonesien mit den Deutschen zu tun?

Wie weit ist Indonesien – kulturell oder historisch – von Deutschland entfernt? Welche Art von Beziehung gibt es zwischen dem Inselstaat und Deutschland – abgesehen von Medien und Globalisierung in der modernen Zeit? Die Antwort: Es gab Deutsche, die Spuren in Indonesien hinterließen, und zwar schon seit dem 16. Jahrhundert.

Der deutsche Generalgouverneur

Die »Niederländische Ostindien-Kompanie« (Vereenigde Oostindische Compagnie – VOC) war ein Zusammenschluss niederländischer Händler, deren Zweck es war, die gegenseitige Konkurrenz kleinzuhalten; dadurch war sie im 17. und 18. Jahrhundert weltweit eine der stärksten Handelsunternehmungen. Sitz der Gesellschaft war in Amsterdam und Middelburg, das Hauptquartier der Handelsschifffahrt war in Batavia, heute Jakarta, Indonesiens Hauptstadt.

Von Anfang an ließen sich auch viele deutschstämmige Männer von der VOC anwerben. Gustav Wilhelm Freiherr von Imhoff (1705–1750) ging 1725 im Auftrag der VOC nach Batavia. 1740, nach nur 15 Jahren, wurde er Generalgouverneur von Batavia. 1747 erweiterte von Imhoff das Einflussgebiet der Kompanie um weite Teile. Im darauffolgenden Jahr wurde er General der Infanterie, und 1749 erweiterte er nochmals das Territorium der Kompanie. Allerdings hatte von Imhoff unter dem Klima und daraus folgenden tropischen Krankheiten zu leiden. Er setzte sich für eine Erneuerung der VOC ein, verstarb aber am 1. November 1750. Bestattet ist er in der Alten Holländischen Kirche in Batavia. An deren Stelle steht heute ein Museum, in dem die Grabplatte zu sehen ist.

»Der Humboldt von Java«

Ein deutscher Naturforscher und Arzt arbeitete im 19. Jahrhundert in Indonesien: Franz Wilhelm Junghuhn (1809–1864), der bereits zu Lebzeiten als der »Humboldt von Java« in ehrenvoller Anerkennung seiner Arbeit bezeichnet wurde. Am 13. Oktober 1835 betrat Junghuhn den Landungsplatz in Batavia in einer Zeit des Umbruchs: Die Niederländische Ostindien-Kompanie war seit 1799 aufgelöst, und der niederländische Staat übernahm als ihr Rechtsnachfolger die Konkursverwaltung sowie die Administration der niederländisch-ostindischen Besitzungen. Damit vollzog sich der Wechsel von einer privatwirtschaftlichen Intervention in Indonesien zu einer staatlichen Kolonie.

Im Jahr 1825 löste Prinz Diponegoro aus Yogyakarta einen Volksaufstand gegen die holländische Kolonialherrschaft aus, die das Herrschaftssystem stärker als andere lokale Revolten zuvor erschütterte. Der Krieg war ein großes Thema in Batavia, als Junghuhn ankam.

Es herrschte Mangel an Fachkräften im Kolonial- und Militärdienst. Gerade Deutsche mit speziellen Kenntnissen sind willkommen, etwa Wissenschaftler, Vermessungsingenieure und Ärzte. Die Arbeit im Lazarett gefiel Junghuhn nicht, er war eher vom Forscherdrang besessen. Als erster Wissenschaftler durchwanderte er die Insel Java und erforschte ihre Natur, und er fertigte die erste topographische Karte Javas an. Generationen von Wissenschaftlern, Kolonialbeamten und Wirtschaftsinvestoren profitierten von den Ergebnissen der Junghuhn’schen Forschung. Allerdings war er nicht so bekannt wie seine Zeitgenossen Alexander von Humboldt oder Charles Darwin.

Der deutsche Apostel der Batak

Ein evangelischer Missionar aus Deutschland wanderte ebenfalls im 19. Jahrhundert nach Indonesien aus. Ludwig Ingwer Nommensen (1834–1918) erreichte am 14. Mai 1862 die Nordwestküste Sumatras. Nach einigen Wochen Aufenthalt in Padang reiste er nach Sibolga weiter, ins Land der Batak. Diese Volksgruppe wird alles andere als freundlich beschrieben: Es gab schon früher Versuche, die Batak zu christianisieren: 1834 zogen zwei Amerikaner in Richtung Tobasee in Nordsumatra; gleich nach ihrer Ankunft wurden sie umgebracht. In den Publikationen der Missionsgesellschaften wurde darauf hingewiesen, dass die Batak gegen Freunde gütig seien, aber gegen Feinde blutdurstig und grausam.

All das hielt Nommensen nicht von seinen Plänen ab. Er stieß auf Ablehnung und Unverständnis der Einheimischen: Sie verstanden nicht, warum sie sich auf die Botschaft des »weißen Mannes« einlassen sollten. So hatte er in den ersten Jahren auch keinen Erfolg; erst später fand Nommensen in einem der regionalen Fürsten, in Raja Pontas Lumbantobing, einen Fürsprecher seiner Missionsarbeit. Danach festigte sich seine Stellung, und die ersten Batak ließen sich taufen.

Von Anfang an verband Nommensen die Mission mit dem Bildungs- und Gesundheitswesen und arbeitete dabei auch mit anderen Missionaren zusammen. Mit den Einheimischen baute er nicht nur Kirchen und Missionsstationen, sondern auch Schulen und Krankenstationen. Und auch Frauen wurden sehr früh in die Arbeit einbezogen und zu Krankenschwestern oder Gemeindehelferinnen ausgebildet. Für seinen Einsatz in Indonesien beförderte die holländische Königin Nommensen 1911 zum »Offizier des Ordens von Oranje-Nassau«.

Am 23. Mai 1918 starb Nommensen in Sigumpar am Südufer des Tobasees. Sein Nachfolger und Biograph, Johannes Warneck, hält über Nommensens Lebenswerk fest: Bei Nommensens Tod zählte die Batak-Mission etwa 180000 Getaufte, in 510 Schulen wurden 32700 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Wenn man heutzutage das Land der Batak bereist, sieht man überall Kirchen und christliche Symbole. Nommensen wird »Apostel der Batak« genannt und in der Gegend weiterhin hochverehrt. Für die Batak ist Nommensen kein Deutscher, sondern ein Batak.

Ein Schriftsteller in »Gefangenschaft im Paradies«

Deutsche Künstler besuchten das Insulinde, wie Indonesien im 19. Jahrhundert genannt wurde, auch schon sehr früh. Der Dichter und Maler Max Dauthendey (1867–1918) landete 1914, und der Musiker und Maler Walter Spies (1895–1942) im Jahr 1923 auf Java.

Max Dauthendey wuchs in Würzburg auf, fand aber die bürgerliche Welt seiner Heimatstadt zu eng – und lief immer wieder davon. Schon als Jugendlicher wünschte er sich ein Buch über Java zu Weihnachten. Bis er Java tatsächlich erreichte, war er bereits 47 Jahre alt, und hatte als Schriftsteller und Dichter einige Bücher in Deutschland veröffentlicht. Seine zweite Weltreise, die ihn auch nach Indonesien brachte, war zugleich seine letzte Reise, von der er nicht mehr nach Europa zurückkam.

1914 begann der Erste Weltkrieg. Die Niederlande als Gegner des Deutschen Reiches internierten alle deutschen Staatsangehörigen auf ihrem Gebiet, auch in der Kolonie Niederländisch-Indien. Während der ersten Jahre seiner Gefangenschaft konnte Dauthendey das Leben in dem exotischen Land und die Leute auf Java kennen- und genießenlernen. Die fremde und interessante Umgebung lieferte ihm Inspiration für seine Werke; seine Erlebnisse schrieb er in seinem Tagebuch nieder. Teile davon wurden posthum veröffentlicht. Umgeben von freundlichen Menschen fühlte er sich geborgen und nennt Java ein Paradies. Er wusste, nicht zurück nach Deutschland gehen zu können, war aber dankbar, an einem paradiesischen Ort wie Java und nicht an einem weniger schönen Platz die Zeit bis zum Kriegsende verbringen zu können.

Als Europäer gehörte er während der vier Jahre der Verbannung zur privilegierten Oberschicht der Kolonialgesellschaft. Ein gesellschaftlicher Höhepunkt war beispielsweise die Einladung zur prachtvollen Hochzeit des Sultans von Solo, in Zentraljava. Das Fest brachte sowohl javanische als auch koloniale Prominenz zusammen. Dauthendey hält die exotische Welt nicht nur in Worten, sondern auch in Aquarellen fest.

Trotz aller Privilegien war er ein Gefangener in der exotisch-fremden Welt. Er hatte Heimweh und Sehnsucht nach seiner Familie, besonders nach seiner Frau. Der erzwungene Aufenthalt war zu lang und wurde ihm zur Qual. Er beklagte, dass Tag und Nacht in dem tropischen Land immer gleich seien: Die Sonne gehe täglich zur gleichen Zeit auf und unter. Außerdem vermisste er den Wechsel der Jahreszeiten und die Veränderungen in der Natur, wie er sie aus Europa kannte. Alles, was er am Anfang interessant und aufregend fand, wurde zur immer größeren psychischen Belastung.

Am 29. August 1918 starb Dauthendey in Malang, Ostjava, an Malaria und psychischer Erschöpfung. Nachdem er in Malang beigesetzt worden war, sorgte seine Frau Annie 1930 für die Überführung seiner sterblichen Überreste in die Heimat.

Ein Deutscher Musiker auf der »Insel der Götter«

So wie Dauthendey genoss der Maler und Musiker Walter Spies das Leben in Insulinde. Und auch sein Leben nahm ein tragisches Ende. Man kann sagen, Spies erreichte den Höhepunkt seines Schaffens auf der Insel Bali, die in Indonesien oft als Pulau Dewata genannt wird. Pulau ist das indonesische Wort für »Insel«, und Dewata bedeutet »Götter«.

Walter Spies kam aus einer wohlhabenden deutschen Kaufmannsfamilie, die in Russland lebte. Am 15. September 1895 in Moskau geboren, nahm die schöne Kindheit mit dem Beginn der Russischen Revolution und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges ein abruptes Ende. Als Deutsche wurden sein Vater und er in einem kleinen Ort im Ural festgesetzt. Dort lernte der vielbegabte Walter Spies die Landessprachen und begeisterte sich für die Musik der Region.

Nach der Flucht aus Russland reiste der junge Spies nach Berlin und Dresden und traf dort auf bekannte zeitgenössische Künstler. Erstmals konnte er in Dresden seine Bilder öffentlich präsentieren, und 1923 konnte er in Amsterdam ausstellen. Im Europa der 1920er Jahren fand er jedoch weder Orientierung noch Identität. So heuerte er 1923 als Matrose in Hamburg an und reiste nach Java.

Am 1. September 1923 landete Spies in Batavia – und konnte dort wieder als Künstler tätig werden. In Bandung, circa 180 Kilometer südöstlich von Jakarta, verdingte er sich als Klavierspieler im Stummfilm-Kino. Die folgenden zwei Jahre lebte er in Kraton im Palast des Sultans und leitete dort das Orchester für europäische Musik. Von seinen Erlebnissen berichtete er seiner Mutter in Briefen, etwa wie begeistert er von seinem Orchester war. Es gab dreißig oder vierzig Musiker in seinem Orchester, alle Javaner, die Streich- und Blasinstrumente spielten. Vor allem war er von deren Musikalität begeistert, ungefähr die Hälfte der Musiker hatte ein absolutes Gehör. Er studierte mit dem Orchester die europäische Klassik, noch wichtiger waren ihm allerdings das Zuhören und das Lernen: So übertrug er etwa das Gamelan, ein traditionelles javanisches Musikinstrument, in die europäische Notenschrift und lernte selbst es zu spielen.

1925 besuchte Walter Spies zum ersten Mal die Insel Bali. Und 1927 übersiedelte er ganz nach Ubud in Zentralbali und konnte von da an seine schöpferische Begabung im großen Stil ausleben – etwa als Fotograf, Sprachtalent, Naturliebhaber und Mitautor mehrerer Bücher über Bali. Bald war er selbst über die Insel hinaus sehr bekannt und vermittelte seine Leidenschaft für Bali auch anderen Prominenten. Sein berühmtester Gast war Charlie Chaplin. So notierte Spies im Mai 1939, dass Chaplin ganz inoffiziell nach Bali kam, um auszuruhen.

Wenn man heutzutage als Tourist nach Bali reist, bekommt man den Kecak zu sehen, einen traditionellen balinesischen Tanz aus der Zeit, bevor der Hinduismus nach Insulinde kam. Ursprünglich beschworen damit balinesische Männer in nächtlichen Ritualen die Kräfte des Jenseits: Die Ahnen wurden in den gemeinsamen Anrufungen um Beistand gebeten, die Nachfahren sprachen sich im Diesseits gegenseitig Mut für das Bestehen des Alltags zu.

Heute ist auf Bali der Hinduismus die vorherrschende Religion. Der Tanz gehört zum »Vermarktungskonzept« von Bali, an dem Walter Spies wesentlichen Anteil trägt: Victor Baron von Plessen inszenierte 1931 den Film Die Insel der Dämonen. Spies war landeskundlicher und künstlerischer Berater bei den Dreharbeiten. Dabei wurde der Kecak »umgestaltet«, um ihm einen dramaturgischen Effekt zu geben.

Die schöne Zeit auf Bali war mit Beginn des Zweiten Weltkrieges 1940 zu Ende. Walter Spies und andere Deutsche, die in der niederländischen Kolonie lebten, wurden interniert; insgesamt 2436 Deutsche wurden auf Schiffen von Sibolga, Nordsumatra, nach Ceylon, jetzt Sri Lanka, deportiert. Am 19. Januar 1942 sank das Schiff »van Imhoff« auf der Fahrt nach Ceylon nach einem Angriff japanischer Jagdflieger. 473 Deutsche, unter ihnen Walter Spies, starben im Indischen Ozean.

 

Diese fünf Männer sind nur einige Beispiele dafür, wie vielfältig Deutsche in den vergangenen Jahrhunderten ihre Spuren in Indonesien hinterließen. Heute gibt es weiteren Austausch und vielfältige Zusammenarbeit in unterschiedlichen Bereichen zwischen Indonesien und Deutschland. Diese Kooperationen und Beziehungen, die die zwei Länder enger verbinden, beruhen oftmals auf der Arbeit der Vorfahren, die schon begann, längst bevor Indonesien in der jetzigen Staatsform gegründet wurde.

Wie sehen die Inseln aus?

Aus den Lebensgeschichten der Deutschen, die einen Teil ihres Lebens in Indonesien verbrachten, kann man Einblicke in den Alltag des Inselstaates bekommen. So wissen wir beispielsweise schon, dass es viele Inseln gibt und unterschiedliche Kulturen, man lebt anders als in Deutschland am »anderen Ende der Welt«, es ist immer warm und so weiter. Schauen wir uns einzelne geographische Merkmale einmal genauer an:

Mit circa 17000 Inseln ist Indonesien der größte Inselstaat der Welt. Die fünf größten Inseln sind: Borneo oder Kalimantan, Sumatera, Sulawesi oder Celebes, Java und Papua. Jede Insel hat ihre eigenen Besonderheiten, sowohl kulturell als auch historisch.

Borneo oder Kalimantan

Die Größte ist die Insel (indonesisch Pulau) Borneo, die man in Indonesien Kalimantan nennt. Kalimantan ist mit 743330 Quadratkilometern die drittgrößte Insel der Welt – nach Grönland und Neuguinea. Zum Vergleich: Die Grundfläche Deutschlands beträgt 357340 Quadratkilometer.

Kalimantan liegt nördlich von Java und westlich von Sulawesi. Circa zwei Drittel der Insel gehören zu Indonesien, während der nördliche Teil zwischen Malaysia und Brunei Darussalam geteilt ist. Ursprünglich gab es auf Kalimantan drei große Königreiche; zwei davon liegen auf indonesischem Gebiet. In der Vergangenheit war die Beziehung zwischen Indonesien und Malaysia nicht immer freundschaftlich. Noch in den 1960er Jahren gab es Auseinandersetzungen zwischen den beiden Ländern. Damals wollte Malaysia sein Gebiet mit dem von Brunei Darussalam vereinen. Indonesiens erster Präsident Sukarno protestierte gegen diese Maßnahme, weil sie dem Manila-Abkommen von 1963 widersprach und letztendlich von Indonesien als Bedrohung aufgefasst wurde. Soekarno sah Malaysia als »Marionette« Englands. Durch einen internen Konflikt in Indonesien im Jahr 1965 lockerten sich die Auseinandersetzungen mit Malaysia, und ein Jahr später erklärten beide Parteien den Konflikt auf einer Konferenz in Bangkok für beendet.

Einige Experten leiten den Namen Kalimantan vom Sanskrit her: Kalamanthan, die »Insel mit dem heißen Klima«. Andere Forscher meinen, der Name sei den Stammesnamen der Ureinwohner entlehnt. Es sind noch weitere Namen für die Insel im Laufe der Geschichte überliefert. Im Javanischen bedeutet Kalimantan »Diamantenfluss«.

Die älteste Aufzeichnung über die Insel stammt aus dem Jahr 400 – allerdings finden kulturelle und gesellschaftliche Entwicklungen aufgrund der geographischen Lage langsamer als auf den anderen Inseln statt. Zudem ist Kalimantan dünn besiedelt. Im 14. Jahrhundert besuchte Odorico da Pordenone, ein katholischer Priester, die Insel auf seiner Missionsreise in Asien. Leider ist kein ausführlicher Bericht über sein Unterfangen auf Kalimantan überliefert.

Die kulturellen Traditionen auf Kalimantan entstammen den fünf großen ethnischen Gruppen auf der Insel: Melayu, Dayak, Banjar, Kutai und Paser; Kultur und Brauchtum der Dayak werden wir später noch betrachten.

Der längste Fluss Indonesiens ist der 1143 Kilometer lange Kapuas in Westkalimantan. Auf der Insel gibt es (noch) viele tropische Wälder, die durch Abholzung und Einrichtung von Palmöl-Plantagen immer weniger werden. Die Wälder Kalimantans sind die natürlichen Lebensräume der Orang Utans, Borneo Elefanten, Nashörner, Tapire und anderer bedrohter Tierarten.

Sumatera

Mit 423065 Quadratkilometern ist Sumatera die zweitgrößte Insel Indonesiens und die sechstgrößte Insel der Welt. Um Sumatera herum gibt es viele kleinere Inseln – weitere circa 50000 Quadratkilometer Land.

Die Insel wurde früher Pulau Percha oder Andalas und auf Sanskrit Suwarnadwipa, »Goldinsel« genannt. Die Bezeichnung Chin-Chou, »Goldland«, nutzte schon Yì Jìng (634–713), ein buddhistischer Mönch zur Zeit der Tang-Dynastie. Er verbrachte einige Zeit im Königreich Sriwijaya (heute Palembang in Südsumatera) zum Studium. Auf einer Inschrift aus dem Jahr 1286 wurde die Insel als Swarnnabhūmi (»Golderde«) und Bhūmi Mālayu (»Melayu-Land«) betitelt.

Eigene Namen der Insel sowohl auf Chinesisch als auch auf Sanskrit belegen die engen Beziehungen zwischen der Insel und anderen Gegenden in Asien. Die Bezeichnungen finden sich bereits in indischen Manuskripten aus der Zeit vor Christus, nämlich in den »Jataka-Erzählungen«; es handelt sich dabei um mit die ältesten schriftlichen Überlieferungen des Buddhismus. Ursprünglich war ein Jataka eine moralisch lehrreiche Geschichte im Sinne eines Märchens aus dem Leben des historischen Buddha, Siddhartha Gautama; später wurden jedoch mehr und mehr moralische Lehrgeschichten eingefügt. Eine dieser Geschichten erzählt von indischen Seeleuten, die den Golf von Bengalen nach Suwarnabhumi überquerten. Im »Ramayana«, einem der indischen Nationalepen, wird die Suche nach Shinta, der von Rahwana entführten Frau von Rama, bis Suwarnadwipa erzählt.

Woher stammt nun der Name Sumatera? Er kam wohl ursprünglich aus dem Königreich Samudera, das im heutigen Ostaceh lag. 1345 besuchte Ibnu Batutah, ein muslimischer Forschungsreisender des 14. Jahrhunderts, die Insel. Er sprach den Namen Samudera aber Samatrah aus, und die weitere sprachliche Entwicklung machte daraus Sumatera. Dieser Name verbreitete sich, wurde von den Portugiesen im 16. Jahrhundert in ihre Landkarten übernommen und gilt bis heute.

Claudius Ptolemäus (ca. 100–160) war ein griechischer Mathematiker, Geograph, Astronom, Astrologe, Musiktheoretiker und Philosoph. In einigen Schriften benutzte er den Namen Taprobana Insula, um eine Insel östlich von Indien zu benennen. Einige Wissenschaftler meinen, dass Ptolemäus damit Sri Lanka bezeichnet. Andere vermuten, es handele sich dabei um Sumatera, weil Ptolemäus in seinem Atlas »Geographike Hyphegesis« aus dem Jahr 150 erklärte, dass es auf Taprobana Insula eine Gegend gebe, die Barousai heiße. Vermutlich war damit die Stadt Barus gemeint, die an der Westküste Sumateras liegt, und seit langem für ihren Kampfer bekannt ist. Auf Indonesisch heißt Kampfer Kapur Barus, also »Kalk« oder »Kreide aus Barus«.

Gaius Plinius Secundus (23/24 nach Christus bis 25. August 79) erwähnte in seinem Werk Naturalis Historia (um 77 nach Christus), dass Kaufleute aus den Mittelmeergegenden nach Sumatera gingen, um Gold, Weihrauch (Styrax Sumatrana) und Kampfer (Dryobalanops aromatica) zu kaufen. Auf der anderen Seite boten Kaufleute aus Sumatera ihre Produkte auch bis Westasien und Ostafrika an.

Die Bevölkerung ist mehrheitlich malaiischen Ursprungs. Die Minangkabau, die Lampung und die Batak sind die Ethnien, die auf Sumatra stark vertreten sind. In den Städten leben auch Indonesier mit chinesischem, arabischem und indischem Ursprung.

Etwa 80 % der Bevölkerung bekennt sich zum Islam sowie 18 % zum Christentum. Der Rest verteilt sich mit 0,7 % auf buddhistische, 0,2 % auf hinduistische sowie animistische Gemeinden. Im nördlichen Teil der Insel, im Land der Batak, war der deutsche Missionar Ludwig Ingwer Nommensen tätig. Heute sind circa 85 % der Batak Christen; die meisten gehören der evangelischen Kirche an. 2007 wurde in Aceh, Nordsumatera das islamische Rechtssystem Scharia eingeführt.

Sulawesi

Die Insel wurde früher Celebes genannt, und die Bezeichnung wird international teilweise auch heute noch verwendet. Mit 174600 Quadratkilometern ist Sulawesi die viertgrößte Insel Indonesiens und die elftgrößte weltweit.

Sulawesi setzt sich aus vier Inselteilen zusammen, die durch drei Golfe getrennt sind: der Golf von Tomini zwischen der nördlichen Minahasa- und der Osthalbinsel, der Golf von Tolo zwischen den Landzungen im Osten und Südosten sowie der Golf von Bone zwischen der Süd- und Südosthalbinsel.

Die Form, die einer Orchidee oder einer Spinne ähnelt, ist nicht das einzig Interessante an der Insel. Sulawesi ist auf jeden Fall der richtige Ort für kulturinteressierte Touristen und Sportbegeisterte, vor allem Taucher und Schnorchler.

Besonders bekannt für ihren Wassertourismus sind die Gegenden nordöstlich von Sulawesi, unter anderem der Unterwassernationalpark um die Insel Bunaken – circa drei Kilometer von Sulawesi und von der Stadt Manado entfernt gelegen. Das Gewässer von Bunaken ist eines der schönsten indonesischen Tauchgebiete. Außerdem bieten die Wakatobi- und die Tongian-Inseln wunderbare Alternativen. Wakatobi ist eine kleine Inselgruppe südöstlich von Sulawesi. Der Name Wakatobi ist ein Akronym von vier Inselnamen: Wangiwangi, Kaledupa, Tomea und Binongko. Flora, Fauna und Tierwelt – besonders die bedrohten Tierarten – der Inseln lassen sich hervorragend in den Nationalparks erleben.

Die Bevölkerung Sulawesis besteht aus vielen Ethnien: 67 Sprachen sind vertreten; teilweise waren die Volksgruppen durch das hohe Gebirge völlig in ihren jeweiligen Gegenden isoliert. Die größere und bekanntere Gruppe sind die Minahasa in Nordsulawesi, die Toraja im zentralen Hochland und die Makassar und Bugis in Südwestsulawesi.