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Dinosaurier sind die Protagonisten in Martina Gertrud Schäfers neuestem Kriminalroman, einer Genre-Satire. Tyrannosaura, Ehefrau von König Tyr, wurde ermordet, während sie ihre soeben erst abgelegten Eier bewacht. Dieser Mord an der Königin ist mehr als rätselhaft. Ein Motiv ist nicht erkennbar, und kaum ein anderer Dinosaurier hätte es mit ihrer Größe und Kraft aufnehmen können. König Tyr ist ausser sich vor Trauer und Wut, und neben der Frage nach dem "Töter" sorgt er sich auch, was jetzt aus seinem noch nicht geschlüpften Nachwuchs wird. Schritt für Schritt wird der Fall von den anwesenden Dinosauriern analysiert. Da gibt es den Aufklärer Stag, intelligent, empathisch, ein Stegosaurus, der faucht und seine Waffen einzusetzen weiß und dessen scharfer Verstand jede Spur interpretiert, oder Triz und Co, die Triceratops-Truppe, deren Hilfsdienste unentbehrlich sind. Aber reichen diese Fähigkeiten, den Mörder zu finden? Sprachlich virtuos gelingt es Martina Gertrud Schäfer, die beiden Ebenen, menschliches Handeln und tierische Verhaltensweisen, zu verbinden.
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Seitenzahl: 150
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Krimi
©Martina Schäfer 2025
Cover gestaltet von Regina Kühne
Tyr – der König aller Zwei- und Vierbeinigen (Tyrannosaurus Rex, 13 Meter), seine Königin – die leider ermordet aufgefunden wird, und 13 Geschlüpfte
Tyrs Freunde
VeloDeiTyrs bester Freund und Nahrungskonkurrent, aber mit seiner im Vergleich mickrigen Körpergrösse nicht wirklich; jagt deshalb auch am liebsten im Rudel. (Deononychos, 3 ½ Meter, ein entfernter Velociraptorenvetter)
Alloals echter Raubraptor hat er natürlich, wie er immer sagt, seinen linken Arm in einem Kampf verloren. Er ist entfernt, über viele Millionen Jahre und Generationen hinweg, ein Vetter von Tyr, trotzdem würde der diesem einarmigen, feigen Ganoven nicht unbedingt immer über die vielfältigen Wege seiner Raubzüge trauen. (Utahraptor, 7 Meter lang)
KonRadDas Besondere an KonRad ist, dass noch nirgendwo auf der ganzen, weiten Welt der zukünftigen Kontinentaldriften und Jahrmillionen Einer oder Eine seiner oder ihrer Art ausgegraben wurde. So weiss man auch nicht und wird es, Stand Anfangsviertel zweiten Jahrtausends, auch nicht wissen, wie seine Stammes-, Clan- oder Gelegegeschwister ausschauten oder ausschauen werden. Doch vermutlich waren sie eher Pflanzenfresser, bedenkt man ihre Dienstleistungen, mit vermutlich besser ausgestatteten Armen und Greifhänden, wie das z.B. bei den Raptoren der Fall war.Ist Elas (siehe weiter unten) mehr für das geistig-seelische Wohlbefinden seiner Zeitgenossen verantwortlich und als neutrale Absenkungskraft jenseits aller Fress- und Paarungsfeindschaften gefragt, kümmern sich KonRad, seine Kollegen und Kolleginnen um das körperliche Wohl, insbesondere der Knochen. Diese leiden sehr unter den derzeitigen, zeitweiligen Verdunkelungen der Sonne und somit Abkühlung des Klimas. Je nach Grösse der PatientInnen müssen vermutlich drei (Allo) bis sogar sieben (Tyr) Osteosaurier Hilfe, Streckung und Entspannung leisten. Für VeloDei würde Einer reichen, so VeloDei ein wenig Streckung benötigte, was er nicht tut. (Osteosaurier, Länge unbekannt)
Die Aufklärer
Andere
Elaseher sanftmütiger Seesaurier und meist für geistige Begleitungen zuständig. (Elasmossaurier, zu den kreidezeitlichen, langhalsigen Plesiosauriern gehörig, 11-12 Meter)
Drei CraniosacralasKolleginnen von KonRad und schwer in den fleissigen Osteosaurier, den sie gemeinsam anschwärmen, verliebt
GodWinder über Allem schwebt (Quetzalcoatlus northropi, zu den kreidezeitlichen Pterosaurias gehörig, Grösse/Länge mit gerecktem Hals 8 Meter, Flügelspannweite 11-13 Meter)
Mehr oder minder rassistische Bezeichnungen für die Säugetiere:
Bauchlutscher, Bauchsauger, Spitzsäuger, schuppenlose Schleimer, Bauchschleimer, Stinkschleimer, Haarekriecher, Haarsauger, Haardings, Höhlensaugern, Schleimsauger, Schleimbeutler, Schleimhaarer, Hautsuckler, Haarsuckler, Zappelnasen (auch als Diminutiv)
Tyr, der König von allem, was zwei oder vier Beine hatte …
(Die mit den Flügeln gehörten nicht in sein Reich, schliesslich konnte er selbst kaum höher springen, als zwei seiner Füsse breit waren. Zudem befürchtete er bei jedem Sprung, mit seinem Kopf am Himmel anzuschlagen. Immerhin war er der König und weit und breit das grösste fleischfressende Lebewesen überhaupt.)
Also, noch einmal:
Tyr, der König von allem, was zwei oder vier Beine hatte, war brüllend und singend und schmachtend durch Koniferenwälder und Schachtelhalmgehölze gestürmt, über Felsengeröllhalden gejagt, hatte sich durch gemächlich grasende Iguanodonherden gedrängelt und war durch flache Lagunen geplanscht, von deren Moorrändern her ihm die kleinköpfigen Elasmos mit ihren langen, dünnen Überwasserhälsen verblüfft nachstarrten.
Zwar wuchsen etliche unter ihnen sogar noch grösser als er und seine Artgenossen, waren aber sehr viel sanftmütiger, was vermutlich vom Leben im Wasser herrührte und dem fahlen Fisch, der ihnen zur Nahrung diente, wenn sie ihn denn erwischten. Sie konnten sich nicht mal als Revierbewahrer bewähren, sondern waren angewiesen auf seinen Schutz und den all der anderen kleineren Kämpfernaturen am Uferrand mit ihren spitzigen Reisszähnen, wenn sie einmal ihre Hälse zur See heraus reckten. So mild und friedfertig gebärdeten sie sich, dass kein Tyrannosaurus, Deononychos, verspäteter Allosaurus oder wer sich sonst noch auf die zweibeinige Jagd zu begeben pflegte, sie jemals angreifen würde, zumal ihr Fleisch nach Sumpf und faulem Fisch schmeckte, wie ein schon sonnentagelang im Dschungel verloren, gammelndes Jagdopfer.
Tyr, sein bester Freund VeloDei, der ihm nur bis an den Bauch reichte, und andere Raptoren ihrer Art, bevorzugten die Weidetiere der freien Ebenen und Baumsavannen, deren Fleisch durch häufiges Bewegen und Umherwandern kräftig rot und kaulich schmeckte, oft mit einem Touch Farnsamengeschmack oder Blütenduft durchsetzt.
König Tyr folgte dem Gesang seiner Königin, die ihm so über Berge und Wälder hinweg mitgeteilt hatte, dass nun das gesamte Gelege beisammen sei und sie sich gemeinsam daran machen sollten, das Nest mit den nur leicht verscharrten Eiern zu bewachen. Mehrere Mondumgänge lang würden sie sich nicht allzu weit vom Gelege entfernen können, das die Königin am Fusse einer riesigen Konifere in deren weit auslaufendem Wurzelwerk versteckt hatte, ein zu kleines Areal, um zwei Tyrannosaurier zu ernähren, weshalb sich das Paar in den letzten Monden kräftige Fettschichten angefressen hatte, um für einige Zeit von ihren körpereigenen Vorräten leben zu können.
Tyr näherte sich zwitschernd dem Baum mit seiner weit ausladenden Krone am Rande des kleinen Waldes und versuchte, seine Königin im Schattenspiel der Äste und Blätter zu erkennen. Aber alles, was er sah, war der kleine, unauffällige Erdhaufen zu seinen Füssen, der sich zwischen die Wurzeln der Konifere schmiegte und die Eier darunter verbarg.
Tyr pfiff ein paar Mal durchdringend, dass es weit über die Ebene und durch das Wäldchen schallte, doch keine Königin kam angestürmt. Er schüttelte verwirrt den mächtigen Kopf. Auch wenn sie durch die Anstrengung des Legens hungrig geworden war, hätte sie sich doch sicherlich nicht auf die Jagd begeben, ehe er die Wache am Nest übernehmen konnte.
Verwundert umkreiste er den mächtigen Baum mit dem Gelege darunter und drängte sich dann tiefer in das Unterholz hinein – und da lag sie, stumm, still, die Augen geöffnet, den Blick starr in Richtung des Nestes, als ob sie es immer noch, wie in letzter Agonie, beschützen wollte.
Ganz gewiss war sie tot, denn an einer offenen Bauchwunde hatten sich schon allerlei Aasfresser versammelt, die nun quiekend davonhuschten. Auch die aufgerissene Kehle und die zerschmetterte Schädeldecke waren bereits zur Futterquelle für kleine kriechende Insekten, Würmer und Käfer aller Art geworden.
Tyr heulte auf, dass Himmel und Erde bebten.
Dieser heimtückische Mord war vermutlich noch nicht so lange her, hatte er doch erst vor kurzem den Siegesgesang seiner Königin, der ihn hierher rief, vernommen.
Es musste hinterrücks geschehen sein, denn nicht nur waren die Tyrs Könige und Königinnen ihrer Reviere, sie standen zudem ausserhalb und am Ende jeglicher Nahrungsketten, zu gross, zu mächtig, zu stark, um selbst gejagt zu werden, zu grausam, um auch nur den kleinsten Rempler gegen ihre riesigen Körper straflos zu gestatten.
Die Erde bebte, der Himmel schrie gellend, und die Nachricht raste schneller als ein Sturm über die Ebenen hinweg. Die grossen Herden verharrten unruhig, hoben die Köpfe, liessen das Weiden und starrten Triz und Co. hinterher, die donnernd, ihren Pflichten folgend, in Richtung des Wäldchens stampften, wo Tyr wieder und wieder ein schreckliches Geheul erschallen liess: «Die Königin ist tot! Sie wurde getötet!»
Triz schüttelte im Laufen seinen mächtigen Kopf, dass die grosse Krause im Sturmwind wankte: Die Königin tot? Umgebracht, wie er Tyrs Geheul entnehmen konnte? Ermordet, zerbissen, verblutet? Wie konnte das sein? Noch nie war dergleichen geschehen, so lange er denken konnte und den Dienst als Ordnungsmacht der Savanne versah – was für ihn und seinesgleichen auf Grund ihrer Körpergrösse, ihrer drei kampfbereiten Hörner und dem mörderisch scharfen Maulschnabel, der beinahe jeden Knochen dieser kreidigen Welt knacken könnte, die natürlichste Aufgabe war; ganz abgesehen davon, dass sie als Pflanzenfresser objektiv und neutral und distanziert von allen Streitereien waren, die meistens sowieso von den Fleischfressern ausging.
Tyrs Königin ermordet? Ein Tyrannus, eine Tyranna war noch nie, solange es ihresgleichen in den Wäldern und auf den Savannen gab, von irgendwem oder irgendeiner Kreatur getötet worden. Tyranni töteten, klar, als ultimative Fleischfressser gehörte das zu ihrer Art, aber getötet wurden sie nie. Was also war da geschehen? Wer konnte das getan haben? Und warum? Und vor allen Dingen, wie?
Triz bellte seinen Kollegen einen scharfen Befehl zu, und sie verdoppelten ihr Tempo, rasten bodenbebend dahin, ein Erdgewitter, dass die Schollen fliegen liess, um so rasch wie möglich den Tatort mit dem trauernden Witwer zu erreichen; nicht nur, um diesen zu trösten und zu helfen, das Gelege zu schützen, sondern auch, um noch eventuelle Fussabdrücke oder sonstige Spuren rings um die getötete Königin aufnehmen zu können.
Wie immer folgte in einiger Entfernung Anky, die doch so gerne in Trizs Wächtergruppe mitgemacht hätte – aber als Weibchen, ohne mindestens drei Hörner im Gesicht und noch dazu aus einem anderen Stamm? Da nützte ihr wohl auf absehbare Zeit nicht mal der prächtige Keulenschwanz etwas oder die Tatsache, dass sie doch auch rein pflanzlich lebte und also die Voraussetzungen absoluter Neutralität erfüllte, wie sich das für ein Mitglied der Wächtergruppe ziemte.
Der Trost in Gestalt von Tyrs bestem Freund kam rascher am Tatort an als Triz und Co. und stand plötzlich vor Tyr im Gebüsch. VeloDei, knapp ein Viertel so hoch wie Tyr, tupfte ihm sanft an die Unterschenkel und blickte mitfühlend zum Haupt des Trauernden hoch.
«Das waren sicher diese Neuen, die keine Schuppen haben und keine Eier legen und ihre Jungen so unanständig am Bauch suckeln lassen, meinst du nicht?»
Er warf einen schrägen Blick auf die tote Tyranna und wandte sich dann wieder Tyr zu.
«Vielleicht hast du sie sogar noch gesehen?»
Der Tyrannus schüttelte seinen schweren Kopf. «Da huschte etwas davon, aber wie sollte ich erkennen, was das war?»
«Die sind dazu ohnehin viel zu klein», grunzte Triz, der sich soeben schwer atmend mit seiner Truppe durchs Unterholz drängte. «Und kriechen am Boden herum. Wie sollen sie denn an den Hals oder gar den Kopf der Königin gelangt sein?»
Mit einigen unwirschen Bewegungen seines mächtigen Hauptes, das von einer ebenso mächtigen Halskrause überragt wurde, bedeutete er den anderen Triceratrops, den Tatort abzugrenzen und den Boden nach Fussabdrücken abzusuchen.
Natürlich und unvermeidlich kam jetzt auch Stag, im typisch schwankenden Gang der Stegos, durch das hohe Gras auf das Wäldchen zu, der schönste Saurier aller Zeiten, was nicht nur seine eigene Meinung war, sondern auch die vieler anderer Saurier, egal aus welchem Stamm, egal sogar ob Männchen oder Weibchen, Fleisch- oder Pflanzenfresser oder beides.
Stag kam über die Ebene in Richtung Wäldchen geschlenkert. Seine farbigen Rückenzacken schimmerten so smaragden regenbogenfarbig, dass die Halskrausen von Triz und seiner ganzen Kompanie gelb aufleuchteten vor Neid, die bedrohlichen Scheinaugen sich darauf bissig zusammenzogen.
«Ein eitler Geck!», grunzte Triz, und seine Männer quarzten zustimmend. «Soll er doch erst einmal Ergebnisse bringen, dieser Soloschnüffler, als hier so albern aufzutrumpfen!» Triz begann, rund um die Leiche der Königin, den Boden zu beschnüffeln und raunzte nach einer Weile: «Nichts!»
«Nichts!» echote sein Wächterteam.
«Nur hier –», er hatte sich dem toten, selbst im zerfetzten Zustand immer noch majestätischen Körper genähert, «rieche ich etwas – ha!»
«Ha!», echote sein Team.
«Habe ich es doch gleich gesagt: Die kleinen Bauchlutscher waren da, ich rieche sie an der Halswunde.»
«Spuren – Boss», einer aus dem Trizteam drängte sich heran, «unter Ihrer Majestät linkem Hinterbein.»
«Eindeutig, Bauchlutscherkrallen!», ergänzte eilfertig ein weiterer Wächter.
«Habe ich es doch gleich gesagt – die waren’s!», verkündete Triz stolz, aber VeloDei mischte sich vom Fusse seines mächtigen Freundes her ein: «Ich habe das zuerst gesagt, du hast es nur aufgeschnappt!»
VeloDei pfiff triumphierend und Triz wiegte peinlich berührt das schwere Haupt hin und her.
«Das waren wohl doch die kleinen Schatten, die ich davonhuschen sah.» Tyr schluckte schwer und starrte auf das Gelege herab, dass er nun in der nächsten Zeit alleine bewachen musste. «Keinen Schritt gehe ich hier weg», schniefte er, «wenn diese Bauchsauger in der Nähe sind.» Grosse Tränen tropften herab und zerplatzten haarscharf neben dem Gelege.
«Du wirst bald nichts mehr zu bewachen haben, wenn du weiterhin so tropfst.» Stag war nun ganz durchs Unterholz gekrochen, wobei er sorgsam darauf geachtet hatte, dass kein Zweig seine jetzt silbern schimmernden Rückenschilde zerkratzte. Vorsichtig pustete er einige Spritzer Tränenwasser von dem kleinen Erdhügel herunter und wetzte sein hellblaues, schnabelartiges Maul an einem nahebei liegenden Stein.
«Zuerst müssen wir uns doch fragen, warum dieser mörderische Überfall überhaupt stattgefunden hat und wem er galt. Der Königin oder vielleicht eher ihrem Gelege?» Stag schaute sich fragend in der Runde von Triz und Co. um.
«Na, ihr doch!», graunzte Triz.
«Sie war die Schönste von allen.» Tyrs Tränen benetzten nun seinen Freund, der unwillig das salzige Wasser abschüttelte.
«Reiss dich zusammen!», pfiff VeloDei nach oben, «die kleinen schuppenlosen Schleimer stehlen oft genug Eier, die in den Boden gelegt werden oder gar die ganze Brut.»
«Wir lassen meine Königin auf keinen Fall hier liegen!», brüllte Tyr. «Noch nie ist eine Tyranna Opfer all der mickrigen Aasfresser geworden. Immer haben wir uns zum Sterben selbst in die Sümpfe zurückgezogen, um dort unversehrt zu versinken.»
«Genau!» VeloDei hüpfte bestätigend um Tyr herum.
«Das taten wir», fiel eine weitere Stimme ein. Allo, ein weitläufiger Vetter Tyrs vom Stamme der Utahraptoren, hatte mit seiner einen verbliebenen Hand das Gebüsch beiseitegeschoben und sich zur Gruppe der Trauernden und Investigierenden gesellt, von der er sowieso und unauffällig nie besonders weit entfernt gewesen war.
«Wir bringen sie in die Sümpfe und senken sie in Ehren ab.» Allo lächelte VeloDei aufmunternd zu, der auf den königlichen Körper gehüpft war, um mit schräg geneigtem Kopf die Ausmasse ihrer Grösse abzuschätzen. «Aber wie willst du sie dorthin bringen, Tyr? Du bist nun der einzige Tyranno weit und breit. Wer soll sie tragen? Und wie?» Allo wedelte mit seinem ihm verbliebenen Arm. Dieses Handicap war wohl einer der Gründe, dass er sich so treu meist in der Nähe seines fast doppelt so hohen Vetters aufhielt. Fielen doch von dessen Raubzügen immer mal wieder kräftige Brocken, schlampig zernagte Knochen oder fort gespritzte Innereiteile ab, um auch einen einarmigen Raptor wie ihn, am Leben und in der Freundschaft zu erhalten.
«Na, die doch.» Stag wies mit einem blauschnäbeligen Grinsen auf Triz und Co.. «Ihr formt mit euren Hörnern eine Bahre und transportiert Ihrer Ladyschaft Überreste zur Lagune.»
«Aber nicht, ehe wir hier am Tatort alles gründlich aufgenommen haben!», zischte Triz, und seine soeben noch neidisch flimmernde Halskrause fiel schlaff und welk zusammen angesichts der Mühe, die vor ihnen lag. «Und du hör’ auf, so um die Tote herumzuzappeln», fuhr Triz VeloDei missmutig an.
«Ist ja schon gut.» Tyrs bester Freund hüpfte wieder auf den Boden. «Ich laufe voraus und sage Elas Bescheid, damit er alle Vorbereitungen für eine würdige Versenkung der Königin treffen kann.» Und schon rannte VeloDei davon.
«Ich helfe euch tragen und mache den Weg frei.» Anky war mittlerweile auch angekommen und begann sogleich, mit ihrer Schwanzkeule einen Weg durch das Unterholz hinaus in die Savanne freizuschlagen.
«Hadrian soll für sie singen.» Tyr straffte sich und liess einen melodischen Ruf durch die Luft schallen, auf den sogleich, wie aus weiter Ferne, eine Antwort herüberklang.
«Er ist schon unterwegs.» Allo spähte in die Richtung, aus der der Ruf ertönt war.
Die Stimmblase mächtig vergrössert, tauchte der Hadro aus dem hohen Gras auf. Er hatte gerade mit seiner Herde in einiger Entfernung gegrast, als ein paar der bunten Federflieger über sie hinweg geschossen waren und die traurige Nachricht vom Tod der Königin hinabgeschmettert hatten. Schnellstens hatte sich da Hadrian von seiner Herde getrennt, um seinem riesigen Freund wenigstens mit seinem Singen ein Trost zu sein.
Nun schritt er summend die bereits von Anky freigeschlagene Trasse herab. Dann liess er den Singsack auf seinem Kopf langsam schrumpfen und hörte sich still, gesenkten Hauptes, von den Anwesenden das Geschehen und Triz’ Theorie an, wer es gewesen sein könnte.
«Natürlich singe ich auf ihrer Versenkung», summte Hadrian und warf einen kummervollen Blick in Richtung des zerfetzten, ehemals so mächtigen, königlichen Körpers.
«Wir wären dann soweit.» Triz und Co. verliessen den abgetrennten Tatort um die hingemordete Königin. Triz warf Stag noch einen fragenden Blick zu, doch der nickte zustimmend und half ihm sogar, als die Co.’s anfingen, die Tatortabschirmung wieder herunterzureissen und die Trasse bis an den toten Tyranna-Körper heran zu verlängern.
Triz und Co. stellten sich seitlich der grossen Toten in zwei Reihen gegenüber auf. Triz, als der Grösste des Teams, war so solidarisch, sich vor den schweren Kopf der Königin zu stellen, die kleineren Nachwuchs-Wächter ordneten sich mehr zum Schwanz der Königin hin ein.
