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Das Leiden des fränkischen Sebber beleuchtet den fränkischen Alltag mit all seinen großen und kleinen Problemen in Form von Kurzgeschichten. Der Sebber trägt es mit Humor und lacht auch mal über sich selbst. Typisch fränkisch eben. Auch geschmunzelt wird hier in Mundart.
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Seitenzahl: 104
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Alle Geschichten sind frei erfunden.
Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und Ereignissen sind wie immer beabsichtigt.
Joachim Engel, geboren 1961 in Haßfurt, aufgewachsen in Unterschleichach, lebt in Schweinfurt.
Veröffentlicht bisher:
Es hät fei schlimmer zum könn (fränkischer Alltag in Kurzgeschichten)
Rossmarkt (Episodenroman)
Das Leben ist nichts für Feiglinge - auch nicht in Franken
Kurzes Glück
Vom ewichen Kreislauf
Abstoßend, hilfreich, verräterisch
Andere Zeiten
Ansteckungsgefahr
Beim Urologen
Ein Kompliment
Begegnungen
Gänsebratenspitze
Großer Hund - kleiner Hund
Hellhörig
In Gefahr
Jedem das Seine
Kehraus
Sebber an seinen Grenzen
Körnerlehrgang
Kündigung leicht gemacht
Sebber auf Reisen
Sebber Bankrott
Privatpatient
Sebber beim Chef
Net so wie’s aussieht
Recht oder Unrecht
Nix mehr hör und nix mehr seh
Vo Schwertfisch und annera Leut
Södda Draacksäu
Zweitgrößter Depp
Vom Sinn des Lebens
Sebber gecher Windmühlen
Verschunkelt
Sebber wo er hieghört
Treffpunkt
Das Leiden wird schlimmer
Sebber ganz allee
Was mit „Es hät fei schlimmer kum könn“ begann, findet nun seine Fortsetzung. Allerdings werden hier ausschließlich Geschichten aus dem Leben unseres Sebbers erzählt.
Auch wenn das Leben des Sebbers nicht zum laut Lachen anregt, ist ein nachdenkliches Schmunzeln am Ende jeder Geschichte doch erlaubt und angestrebt. Humor ist oft das Einzige was bleibt. Schließlich ist auch oder ganz besonders in Franken das Leben nix für Feiglinge.
So begleiten wir nun unseren Sebber ein Stück seines Weges.
„Ich lieb dich fei arch, Sebber.“
„Und ich dich erscht, ich kanns gar net beschreib.“
„Ja des is scho a groß Glück, dass mir zwää uns gfunna ham.“
„Des kannsta laut sooch. Ich tät ja fast sooch, dass ich mit dir alt wer möchte, wemmer net scho so alt wern, mir zwää.“
„Ja, des is scho arch schö mit uns. Obber ehns mecht mir bisle Sorgen.“
„Soo? Was denn mei Zuckerschnäuzle?“
„Naja, es läuft so harmonisch mit uns. Obber was is, wemmer uns mal streit täten?“
„Wieso söllert des passier, mei Sahnetörtle?“
„Des wäs ich doch net. Obber was is wemmer uns wirklich mal streiten? Wer gibt dann z.B. nach?“
„Mir brauchng überhaupt net zu streiten. Wächer wos denn? Ich jedenfalls net.“
„Ja ich ah net. Obber wenn’s doch mal passiert. Vielleicht kriech mer uns ja dann gleich so arch in die Haar, dass unner junges Pflänzle dran eigeht, wo s doch noch net soo stark is.“
„Ach was du redst! Jungs Pflänzla! Mir kenna uns doch scho a ganza Weil. Du wässt doch, dass ich so a guter Kerl bin und dir gar kenn Anlass zum Streit gäb, niemals net.“
„Wieso du? Des klingt ja fast so, als wär ich a Kratzbürschten und du müssest alles mach was ich sooch.“
„Nee, des bist net, eichentlich, obber ich bin scho a gutmüticher Kerl und mer muss in ahner guten Beziehung amal wiss, wemmer den Mund zu halten hat.“
„Was hässt da: eichentlich net? Und wieso musst du den Mund halt? Pass fei auf was du segst. Du stellst mich ja hie, als wär ich ah richtiger Hausdrachen.“
„Näh, so meen ich des doch net. Ich kumm scho zurecht mit deiner Art. Des passt scho. Kenner is perfekt und du gibst dir ja Mühe, zumindest solang mer nuch net verheiert sin.“
„Ich gläb du spinnst. Als ob ich der leibhaftiche Teifel wär. Hau doch ab, wenn’s dir net passt. Kannst gleich dei siehm Sachen pack und zur Tür naus. Des muss ich mir fei net länger anhör. Du blöder Aff!“
„Jetzt rech dich wieder ab. Des war doch gor net so gemeent. Ich wollt mich doch wirklich net streit. Du hast damit angfanga und bist garstich worn. Bist ja ganz rot im Gsicht. Und dann die Händ in der Hüften. Du söllerst dich mal im Spiegel betracht.“
„Raaauuus!“
Endlich vorn. Die Schlanga Leut hinter sich gelassen. Der Sebber will scho nach dem Bügel greif, als noch Ehner aus dem Pulk hinter ihm nach vorn drängt, schnell mit ewig lange Ski nähm hie rutscht.
Ke Problem. Bei so viel Andrang wärs eh unverschämt allee im Lift zu fahren. Blos die langa Ski ham ihm Angst gemacht. Der Sebber hat sich gar net getraut nach links zu schauen. Ausm Augenwinkel hat er blos an Ellbogen gsänn. Seltsam war blos, dass der Ellbogen auf seiner Augenhöh war. Der Kerl is bestimmt 3 Meter groß. Na bravo, des werd was gähm.
Den Bügel hat der Sebber gar net in Empfang genumma. So weit hinter hät sei Arm eh net gelangt. Des hat der Auslechkran vo seim Nachbarn scho gemacht. Erstaunlicherweis is der Bügel ihm net im Kreuz geland. Ne am Hintern hat er na gspürt, da wo er hie ghört.
Mit ahm Ruck is losganga. Erscht ganz normal. Aber schnell war klar, dass dem Sebber net viel Platz bleibt an dem Bügel. Die Skier vo seim Nachbarn warn fachmännisch mindestens ehn Meter auseinander gstanden. So is dem Sebber nix annersch übrig gebliehm, als auf seiner Hälften ganz weit nach außen zu rutschen. Mit der linken Gesäßhälfte am Bügel is er so dem Hang nauf gezogen worn.
Was heißt gezogen? Der Bügel hat ihn weniger nach vorn als nach oben anghoben. Des Seil war fast senkrecht nach oben. Sei linkes Bee wollt gar nimmer am Boden bleib. Sei ganzer Oberkörper war schräg verdreht. Die linke Schulter wollt scheints unbedingt als erschter am Ziel ankomm. Die Zentrale, also die Hüften hät des vielleicht kurzzeitig ausghalten. Aber der Arnsberglift I in der Rhön war scho schmerzhaft lang.
Was warn des vor Höllenqualen den Berg nauf. Also fürn Sebber. Der Anner hat scheints nix gemerkt davo. Endlich oben hat der so als wär nix passiert den Bügel genumma und weg gschmissen.
Der Sebber hat zu dem Zeitpunkt aber bereits a ernstes Problem ghabt. Der Bügel hat in seiner Gesäßhälfte scheints doch net den nötigen Halt ghabt und war nach oben gerutscht, unterm Anorak drunter und war dort im Träger der Skihosen eingerastet.
In dem Moment wo der Ries den Bügel fortgschmissen hat, hat er ah den Sebber mit fortschmissen. Der Sebber war waachrecht in der Luft gelächen und wär fast strecks der längs im Schnee geland, wenn sich in dem Moment net des Bügelseil aufgerollt und den Sebber nach oben gerissen hät.
So is der Sebber in luftiger Höhe im Kreis gfahren und in Richtung Tal wieder davo gebraust. Der Wachposten im oberen Lifthäusle war grad in seim Roman vertieft und hat den wild strampelnden und schreienden Sebber net wahrgenumma. So is es mit Hurra dem Berch nunter ganga.
An der Talstation ham sie alle große Augen gemacht. Dort hat aber doch jemand Erbarmen ghabt, den roten Knopf gedrückt und den Lift anghalten.
Vo kräftiga Arm is der jämmerlich bewegungslos am Bügel hängend Sebber dann aus der luftigen Höh befreit worn. Ewig lang waren die Arm, richticha Auslegkrähn. Auf lange Ski waren sie gstanden, mindestens ehn Meter breit auseinander.
Aus mindestens drei Meter Höh hat a Stimm gfrecht: „Woll mers nochma probier? Fahrn mer numal zam?“
„Iiihhh, lass die Tür auf, du stinkst ja wie a Bock! Wieviel Knoblauch war den des? Is ja fürchterlich! Da kummst zwä Stund später zum Nachtdienst und haust dir vorher nochmal so was nei! Du spinnst wohl! Wo warst denn?“
Kaum hat der Harry die Tür vom Streifenwagen zugemacht, is der Sebber ausgerasst. Aber so a Streifenpolizist is scho a harter Hund, den haut so schnell nix um. Also Beifahrerfenster auf und los geht’s.
„Des geht dich gar nix ah, wu ich war. Bisle Knoblauch gässen halt. Sei net so empfindlich.“
So fahren sie in die Nacht nei und der erscht Einsatz lässt net lang auf sich wart.
„Kugel 11/15, fahren sie zum Rossmarkt. Im Geronimo will ein Gast des Lokal net verlassen.“
Des Geronimo als Lokal zu bezeichnen is ja scho bisle gewagt, da gäbs wirklich treffendere Bezeichnunga, die mer aber da net sooch dürfen, net dass mer noch a Klage aufm Hals bekäm. Jedenfalls hat da kaum ehner unter zwä Promille und wenicher als fünf Seiten Polizeibericht aufm Buckel.
„Oh je“, denkt sich der Sebber, wie er den Kerl sicht.“ Des is a Schrank, des wird was gähm.“
Er probierts versöhnlich: „Es wär besser, wenn Sie eefach gengerten. Der Wirt hat da herin Hausrecht und kann Sie ausm Wirtshaus nausschmeis.“ Der Sebber hält sei Pfefferspray griffbereit und frecht sich, ob des bei so an drümmer Kerl überhaupt wirkt.
„Is mir wurscht. Ich trink mei Bier fertich. Der kann mich mal.“
„Hör mal zu, Freund“, der Harry geht ganz na ran, schaut ihm tief in die Augen, dass sich fast die Nasenspitzen berühren. „Wenn mir des soochen, dann schleichst dich, hast mich verstanna.“
Dem Kerl sei Gsicht verfärbt sich. Aber net rot vor Wut, net schwarz vor Ärger, näh, grün läuft er an, grün vor Ekel, vor Atemnot, vor Knoblauchgstank. Er springt auf und rennt zur Tür naus, schnappt wie a Erstickender nach Luft. Gsänn hat na an dem Abend kenner mehr. Da sieht mer mal, dass es net immer Chemische Waffen braucht.
„Hey cool. Ich geh nie mehr ohne Knoblauchbeifahrer auf Streife“, der Sebber grinst im Auto.
„Kugel 11/15, in der Bauerngasse, vorm Zweirad Steger liegt eine Person aufm Gehweg. Rettungswagen kommt auch.“ So is weiter ganga. Der Harry hät lieber a ruhiche Nachtschicht verlebt. Der Tag war scho anstrengend genuch gewässt.
„Scheiße, die Sanis sin noch net da.“ Tatsächlich liegt da Ehner, oder vielmehr Ehna. Die zwä Gendarmen steigen aus und wärn gleich vo zwä aufgeregte Passanten empfangen.
„Mir ham sie so gfunna. Die reecht sich nimmer.“
Der Sebber und der Harry knien sich rechts und links vo ihr hie, sin bisle angenehm überrascht. Ausnahmsweis is es ke alter Mann, ke amtsbekannte Alkoholikerin, ke Stammkunde in der Ausnüchterungszellen. Näh es is ah junge Fraa, net hässlich, gor net schlambert.
„Da müss mer Mund zu Mundbeatmung mach.“ Der Harry hats eilich.
„Woll mer net erscht mal die Atmung kontrollier?“ Der Sebber guckt unsicher.
„Näh, dazu is ke Zeit mehr.“
„Soll ich die Beatmungsmasken im Auto such?“
„Näh, des passt scho.“
Fachmännisch nimmt der Harry den Kopf vo der Blondine in die Händ. Überstreckt wie ers gelernt hat und setzt oh.
„Soll ich dann Herzdruckmassage mach?“ Der Sebber durchläuft den letzten Erste-Hilfe-Kurs vor seim geistigen Auge.
„Wennst mehnst.“ Der Harry drückt sei Lippen fest auf den geöffneten Mund der Dame und bläst kräftich nei.
Der Brustkorb hebt sich. Der Harry holt Luft.
„Wart amal. Ich gläb die lebt noch.“
Der Harry will grad nochma ansetz, als die Fraa des Husten und Würgen anfängt und die Augen aufmecht. Panisches Entsetzen im Gsicht. Schnell wie der Blitz springt sie auf, lehnt sich an die Hauswänd, beugt den Oberkörper nach vorn und göggt.
„Ich gläb, jetzt muss sie kotz.“ Der Sebber is besorcht. Der Harry net: „Näh, des passt scho. Des hat ra scheints gut getan.“
„Bäh, was war denn des? Des is ja eklich. Boah eyh!“ Die Blondine is widder ganz sie selber als die Sanis daher kommen. „Braucht ihr uns noch?“
„Näh, um Himmels willen. Net nochamal. Ich brauch ke Hilf mehr.“,sechts und geht sicher und aufrecht in Richtung Kornmarkt davo.
Der Sebber grinst: „Die wird sichs in Zukunft zwämal überlechen, ob sie sich nochmal auf die Straß leecht.“
So geht die Nachtschicht dann doch irgendwenn zu end. Die Polizisten ziehen ihr Uniform aus und gen hemm.
„Wie war die Nachtschicht?“, wird der Harry am Frühstückstisch empfangen. „Stell dir vor: Ich war gestern nochmal bei der Bettina. Aber da hab ichs net lang ausghalten. Die hat vorher was mit Knoblauch gekocht ghabt. Die ganze Bettina und die ganze Wohnung ham soo gstunken. Des war fürchterlich. Ich mooch doch überhaupt kenn Knoblauch.“
Der Harry hat scho sein Schlafanzuch an und will gleich nein Bett, als na sei Fra nochmal erwischt. „Sag mal, du stinkst ja genauso. Ich denk du hast gestern den ganzen Dooch schaff müss.“
Ehm Harry seiner Fraa fällts wie Schuppen vo die Augen. „ Du warst bei der Bettina! Du Scheißkerl. Betrügst mich mit meiner besten Freundin. Ich hab euch scho lang in Verdacht. Aber ich wollts nie wahr hab. Und red dich net raus, des is doch eindeutich. Du Drecksagg!“
Da söll nuchma ehner sooch, dass Knoblauch ke reinichenda Wirkung hat. Obber an der Stell brech mer die Erzählung lieber ab. Mir wollen ja ken Roman schreib.
