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Der Protagonist ist Polizeibeamter, Mensch und natürlich auch Franke. Die Geschichten beleuchten alle Bereiche und sind in leicht lesbarer Mundart geschrieben.
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Seitenzahl: 93
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Joachim Engel, geboren 1961 in Haßfurt, aufgewachsen in Unterschleichach, lebt in Schweinfurt.
bisher veröffentlich:
Es hät fei schlimmer kum könn
Das Leiden des fränkischen Sebber (beides fränkischer Alltag in Kurzgeschichten)
Rossmarkt (Episodenroman)
2 - 3 Geschichten täglich morgens nach dem Aufstehen.
Bei Überdosierung hilft kein Arzt oder Apotheker.
Unterversichert
Sebber zieht um
Todesfall
Verflogen
Drei Ätsch
Um jeden Preis
Scheiß auf den Akkusativ
Selbstverteidigung
Therapie
Der Untergang
Dem Pudel sei Kern
Stimmung wechsel dich
Sebber net ganz sauber
Mei Moo wäs des
Beziehung
Nei die Hölln dermit
Erlebnisklohwagen
vertauschte Welt
Handgepäck
Father and son
Wartelisten
Der Faust im Sebber
Ein Hoch auf die Technik
Platzhirsch
Uniform
Mein Freund, ich helf dir
Warteschleifen
Corona-Test
Corona-Haft
Einkaufsbummel
Verwechselt
Deppengewänder
Polizeiarbeit bürgernah
net mit mir
Vorfahrt
Hinterlassenschaft
Lebendfalle
Mord- und Totschlag
Ernährungsumstellung
Sprachlos
Spässle gemacht
Vorschrift
Sebber denkt
„Sebber was hast denn du angstellt? Was is denn mit dir passiert? Des sieht ja schlimm aus.“
„Ach ich hab mir die Schulter gebrochen und den glenna Finger dazu.“
„Na Sebber, wie hast den des gschafft?“
„Naja, bei der Darmspiegelung halt. Es war a ganz normale Darmspiegelung bloß.“
„Hä? Jetzt willst mich verarsch, odder?“
„Nä. Ich bin ausm Bett gebollert. Hab mich anscheinend am Anfang vo dera Narkosen nuch bisle beweecht. Und da is es dann passiert. Am Bett waren ka Gitter dran. Erscht hab ich gedacht, die hamsa vergessen und ich könnert a gscheits Schmerzensgeld kassier. Aber nix da, die ham gsocht, weil ich ka Zusatzversicherung hab, als bloß des Basicpaket, da wären ka Gitter am Krankenbett beinhaltet. Ich soll froh sei, dass ich mir net des Genick gebrochen hab, hamsa gsocht.“
„Des glääb ich net. Die spinna doch.“
„Ach hör auf. Des is echt schlimm, ohne dera Zusatzversicherung. Ich kann mir net ermal mehr mei Zähn mach lass. Ich kann scho vor lauter Zahnlücken gor nimmer beiß. Obber grad beim Zahnersatz müssert ich 80% selber draufbezahl. Des kann ich mir net leist. Ohne die Zusatzversicherung machen sa sogar die Prostata-Überprüfung ohna Handschuh. Ich könnert dir Gschichten erzähl.“
Und wos mechst etzert?“
„Naja, wos will ich denn mach? Zum Versicherungsvertreter geh ich. Die Zusatzversicherung brauch ich unbedingt, hamsa gsocht, wenn ich in Zukunft überlääb will.“
Schließlich hat dem Sebber wieder mal des Schicksal ereilt und nach anfänglichen Weigern hat er sich doch willenlos ergähm.
Mit Schicksal mehn ich, was jeden Menschen im Lauf seines Lebens drei bis viermal ereilt, manche öfter, manch Glückliche net so öft.
Ich mehn etzert net, dass er sich verliebt hat, näh, da hat der Sebber die zwämal, die wu sich der durchschnittliche Mensch in stürmische Umlaufbahnen verirrt scho lang übertroffen ghabt.
Näh, ich mehn des Umziehen
Die alte Wohnung war dunkel, klee, muffig und die Nachbarn alla blöda Maulaffen. Also hat sich der Sebber erweich lass, sei ruhigs Plätzla aufm Sofa verlassen und sich und sei besten Freunde aufm Umzuch vorbereitet. Viel warn da eh net übrich gebliehm. Also besta Freund mehn ich. Weil durch die ständiche Umziecherei, des immer aufs Neua schwera Möbel schleppen, vo der Waschmaschin ganz zu schweigen, dezimiert sich die Besta-Freunde-Anzahl mit der Zeit scho auf a überschaubare Menge.
Obber nachdem der Sebber bei jedem Telefonat an heiligen Eid gschworen hat, dass des desmal wirklich und mit absoluter Sicherheit des letzte Mal wär und a rauschende Einweihungsparty in Aussicht gstellt hat, waren am alles entscheidenden Tag tatsächlich noch drei kräftige Mannsbilder beim Sebber eigetroffen.
Ah ä bor Weibsbilder waren anwesend, ham verpackt, die leichteren Sachen gedroong, Widder ausgepackt und die Stimmung war gut gewässt. Die schweren Drümmer ham die vier Männer gestemmt und ruckzuck waren Sofa, Fernseh, Bett und Kleiderschrank am neuen Platz gstanna.
Ja, die Männer ham sogar Spass ghabt dabei. Beim Tragen hat mer sich widder mal so richtich unterhalt könn. Alte Gschichten sin erzählt worn und so is der Wääch nauf nein dritten Stock gor net so lang gewässt. Die Brotzeit war gut und der Kasten Bier hat zur guten Laune sei übrigs getan. Ach würd mer doch öfter umzieh. So erhält mer die Freundschaft.
Die Küchen ham Profis neigebaut, so dass des Ganza abends scho fast fertich war.
Es hat kaum a Wochen gedauert, Küchen und Schlafzimmer ham funktioniert, Handtuch im Bad war ghängt. Da hat der Sebber lautstark verkünnd: „Unner Umzuch is fertich“.
Obber der Selber hat halt immer nuch ke Ahnung ghabt, vom Lähm im Allgemeinen und vo Frauen im Besonderen. Die Evolutiongeschichte hat sich bemerkbar gemacht. Der Mann, der Jäger zielgerichtet den Blick und sei Arbeit aufs Wesentliche, also auf Kühlschrank und Bett ausgericht. Die Fraa mit Rundumblick die Verschönerung vom ganzen Nest im Auge.
Ah halbs Jahr später isser nuch vom Sofa aufgejaacht worn, musst Bilder aufhäng und abnämm, Blummakübel drei Stockwerk nauftrach, Vorhangschiene kürz, montier, abmontier und wegschmeiss. Der Kerl vom Wertstoffhof war scho sei bester Kumpel, hat scho Mitleid ghabt und die Aachen verdreht: „Gell Sebber, die gibt immer noch ke Ruh…“
Der Sebber hat bloß nuch schnauft: „Hör mer auf. Morng muss i widder zu Ikea. Ich wääs net, wie lang ich des noch durchhalt. Ich bin bahl reif für die Klapsmühl, also ich find, die dürfferten überhaupt ke Ikea mehr bau, ohne danehm a Auffanglager für psychisch angschlagene Männer hiezustellen.
Ums vorwegzunämma: Der Sebber hat überläbt. Ah die Beziehung hats überläbt. Am End waren alla zwää glücklich und zufrieden in ihrer perfekten Wohnung mit ihrer Umzugsfreund ghockt und ham auf des Gschaffte angstoßen.
So war doch alles gut. Für die Männer im Allgemeinen und dem Sebber im Besonderen. Vielleicht net ganz für die Frau im Speziellen.
„Ghört Ihnen des Auto? Sachen sie mal, wie kammer sich blos so blöd da herstell. Die ganz Strass is zugeparkt und die Leut ham sich beschwert, und des mit Recht.“
„Ja, mir ham halt net so genau hiegeguckt. Obber da vorn, zwä Strassen weiter, da parken sa ölla falsch.“
„Ja Dunnerkeil, was interessieren mich die Leut, die irgendwo falsch parken. Mir senn jetzt da und genau da kummt kenner mehr durch.“
„Ja, obber mei Freundin ist halt heut so durchernanner, ganz aufgelöst war sa, wie sa zu mir kumma is. Sie hat nämlich heut früh an Todesfall im Haus ghabt. Ach die hat mir so leid getan. Da hat sa des halt net so genau gsänn, in der Aufrechung.“
„Hm, is ja gut, obber 25,-Euro müssmer jetzt scho verlang. Ihr Freundin hat nuch Glück ghabt, wenn der Rettungswagen vorbeigewöllt hät, hät mer des Auto sogar abschlepp müss, und des wär teuer worn.“
„Naja, dann bezahl mer halt die 25,-Euro, wenns sei muss. Obber sie war wirklich ganz durchernanner, ich hab sa erschtmal beruhich müss.“
„Ja, was wars denn für a Todesfall bei ihrer Freundin? Wer ist den gstorm?“
„Ach Gott, ich derf gor net drüber nachdenk. Die Katz is gstorm, nach siebza Johr is heut früh plötzlich die Katz gstorm….“
Beim Selber is es wie im Lehm im Allgemeinen und beim gemeinen Franken im Besonderen net soo gradlinig dahie ganga. Es war a ständichs auf und ab und genau wie in am guten Film war des End net zu erahna. Im Gechenteil, obs Lehm a Komödie oder a Drama is, zeicht sich ja immer erscht am Ende, also am Schluss. Der Abgang entscheidet alles. Obber bis dahie wars ja noch weng Zeit und dem Selber war des End grad mal wurscht.
Er war nämlich aufm Wääch nein Urlaub.
Strahlend sitzt er im Zuuch zum Flughafen. Endlich geht’s los, der Rucksack is scho seit letzter Wochen gepackt. Viel braucht er desmal ja net, weils nein Süden geht, in die Wärm.
Kurz vor Frankfurt kontrolliert er nochmal sei Fluuchticket, wächer der genauen Abflugzeit und ob da vielleicht scho was vom Terminal draufsteh tät, als ihm plötzlich der Schweiß ausbricht. „Näh, des glääb ich jetz net, odder.“ Er liest 16.06., 14:35 h. Der Sebber guckt zwämal hie, und dann nuchermal. „Des gibt’s doch net, heit is doch erscht der 14. Ich glääbs net.“
Was der Sebber in dem Moment nimmer gewisst hat: Des „U“ im Kalänner war net für Urlaub sondern vielmehr für Urologe gstanna. Kenner wääs warum, obber der Sebber hat den Urologen wohl verdrängt und gern gegläbt, dass er des „U“ für Urlaub eigetrachen hat.
Was mach ich denn etzert, hat er sich gedacht. Ich fahr doch net widder hem und laaf mit meim Rucksack den Deutschhof nauf. Ich hab mich doch scho vo alla verabschied und jeder hat mir an schönna Urlaub gewünscht. Die lachen sich alle freggt, wenn ich mit dem Rucksack widder hemgeloffen kumm.
Also der Sebber war vielleicht weng schusslich und verpeilt gewässt, hat sich obber immer an den Spruch vo seim Vatter ghalten, der wu da hässt: Dumm dürf mer sei, obber zu helfen muss mer sich wiss.
Also hatter sich am Fluuchhafen an den erschtbesten Lastminit Schalter gstellt, des junga Mädla agegrinnst und gsocht dass er sofort und heut nuch to Mykonos fly möchert.
Die junge Dame mit osteuropäischem Akzent hat, obwohl sie kaum deutsch und überhaupt ka fränkisch verstanna hat, sich gfreut, dass sie an ihrem erschten Arbeitsdooch gleich so an netten Kunden bedien gekönnt hat, hat weng an ihrm Computer rumgspielt, irgendwos vo yes of course gsocht und dem Sebber a ticket nei die Händ gedrückt.
Froh, dass alles doch noch gut ausganga is, hat der Sebber gor net gemerkt, dass im Fliecher kaum deutsch, aber viel mehr russisch und nuch weiter drühm gered worn is. Sei fröhlich fränkischer Smaltalk: „Wo kumma etzert sie nacherd her?“, hat die mächtige Fraa neber ihm mit ahm strengen Blick vo ohm und ahm nuch strengerem „Stoi“ beantwort, dass dem Sebber schier des Blut in die Adern gforn und er nuch tiefer in sein Sitz gerutscht is. Der Fluuch hat sich hiegezong, wollt gor ke End mehr nehm und der Sebber is immer unruhicher worn, bis dann doch endlich zur Landung angsetzt worn is.
Wos war des für a Überraschung wie der Sebber aus dem Fliecher rausgeguckt und ihm fast die Nasen derbei erfroren is. Des Mädle vom Fluuchhafen hat den Sebber nämlich net nach Mykonos als vielmehr, weil sa ke fränkisch verstanna hat, nach Murmansk geschickt ghabt.
Was war des für a Bild, wie der Selber mit kurzer Hosen, T-shirt, Badelatschen und Taucherbrillen mutterseelenallee auf der Landebahn in Sibirien gstanna is. Die Leut wu na gsänn ham, ham net gewisst, ob sa lach oder heul sollen, so unwirklich hat der Allinclusiv Franke in dera „es gibt höchstens Brotsuppen-Welt“ ausgschaut.
Gottseidank war im Fluuchhafengebäude a Hotel gewässt, des enzicha im Umkreis vo Zwähunnert Kilometer, und der Sebber konnt sich dort eiquartier. Da hat alles schreien und schimpfen nix genützt, wie er erfahren hat, dass der näxt Fliecher erscht vier Wochen später zurück ganga is. Der Franke hat blos mitleidige und unverständige Blicke abkriecht. Dank seiner Minimalausrüstung, ah im Koffer waren nur Badeshorts, T-shirts und Bermudas, hat er des Hotel sowieso nimmer verlass gekönnt und is der einheimischen Bevölkerung weitgehend verborgen gebliehm.
