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Menopause im Job – Warum niemand darüber redet (und weshalb sich das ändern muss)
Frauen sind »on fire« und die Wechseljahre gelten als Neustart, nur in der Arbeitswelt wird das Thema immer noch ausgeklammert. »Das Menopower-Buch« enttabuisiert die Wechseljahre im Beruf und unterstützt Frauen mit konkreten Tipps und Strategien für den Arbeitsalltag und gegen einen ungerechten Karriereknick. Ein Viertel der Frauen reduziert Arbeitsstunden, ein Drittel wird wegen typischer Symptome krankgeschrieben und fast jede fünfte möchte früher in den Ruhestand gehen. Darf das so sein? Ute Brambrink und Claudia Rieß finden: Nein! Sie lassen betroffene Frauen zu Wort kommen und zeigen Wege auf, wie Frauen Gehör finden, ihre Bedürfnisse im Job endlich ernst genommen werden und sie sogar den Karriereturbo zünden. Denn sie sind hochmotiviert, erfahren und die hormonellen Veränderungen machen sie oft sogar noch durchsetzungsstärker.
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Veröffentlichungsjahr: 2026
Über das Buch:
Menopause im Job – Warum niemand darüber redet (und weshalb sich das ändern muss)
Frauen sind »on fire« und die Wechseljahre angeblich ein Neustart, nur in der Arbeitswelt wird das Thema immer noch ausgeklammert. Das Menopower-Buch enttabuisiert die Wechseljahre im Beruf und unterstützt Frauen mit konkreten Tipps und Strategien für den Arbeitsalltag und gegen einen ungerechten Karriereknick. Ein Viertel der Frauen reduziert Arbeitsstunden, ein Drittel wird wegen typischer Symptome krankgeschrieben und fast jede fünfte möchte früher in den Ruhestand gehen. Darf das so sein? Ute Brambrink und Claudia Rieß finden: Nein! Sie lassen betroffene Frauen zu Wort kommen und zeigen Wege auf, wie Frauen Gehör finden, ihre Bedürfnisse im Job endlich ernst genommen werden und sie sogar den Karriereturbo zünden. Denn sie sind hochmotiviert, erfahren und die hormonellen Veränderungen machen sie oft sogar noch durchsetzungsstärker.
Über die Autorinnen:
Dr. Ute Brambrink ist Pressesprecherin bei einem großen Konzern und hat über die Jahre tiefe interne wie externe Einblicke in das Thema Wechseljahre im Job gewonnen. Hierzu ist sie viel zitierte Fachfrau in Medien wie der Apotheken Umschau, Handelsblatt, Stuttgarter Zeitung, SWR, tagesschau.deund vielen mehr. Sie steht in engem Austausch mit Vertreter:innen aus Medizin, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Im November 2024 war sie zum »runden
Tisch« in den Bundestag eingeladen, um über eine gesamtpolitische Wechseljahresstrategie für Deutschland zu diskutieren.
Claudia Rieß hat sich als Journalistin und Buchautorin auf gesundheitliche und gesellschaftliche Themen spezialisiert. Sie berät Mitarbeitende und Führungskräfte umfassend über die physischen und psychischen Auswirkungen der Wechseljahre und beschreibt, wie Arbeitgeber gezielt ein unterstützendes Arbeitsumfeld schaffen. So wird nicht nur die Gesundheit der Mitarbeiterinnen gefördert, sondern auch die Unternehmenskultur gestärkt. Claudia Rieß möchte Tabus brechen und den Dialog über die Wechseljahre in der Arbeitswelt verbessern.
Dr. Ute Brambrink & Claudia Rieß
DasMeno-power-Buch
Wechseljahre & Job – was Frauen hilft, stark zu bleiben
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Alle Rechte vorbehalten.
Redaktion: Anne Büntig
Umschlaggestaltung: Nele Schütz Design unter Verwendung einer Illustration von Shutterstock/bondan-marshall
Satz und E-Book Produktion: Satzwerk Huber, Germering
ISBN 978-3-641-34064-3V001
Inhalt
Vorwort
Ihr habt eine Stimme verdient – weil ihr wichtig seid!
1 Menopause im Job – warum keiner darüber redet (und das ein Problem ist)
»Das wird schon wieder!« – Spoiler: Nicht ohne Unterstützung
Warum Unternehmen sich das nicht mehr leisten können
Wie sieht es mit der gesetzlichen Rückendeckung für uns Frauen aus?
Ein Blick über die Landesgrenzen – wo läuft es besser, wo ist Nachholbedarf?
Das Tabu brechen – für uns selbst und für die nächste Generation
Das Tor zur Veränderung, wenn man möchte
Wechseljahre: Kein Hindernis, sondern ein Teil des Frauseins
Dein Wohlbefinden ist nicht verhandelbar
2 Die Wechseljahre – kurz erklärt
Mission completed: Die Eizelle sagt Tschüss
Warum kommen wir überhaupt in die Wechseljahre?
Wann geht’s los?
Und wie lange dauert das Ganze?
Die vier Phasen der Wechseljahre – ein hormoneller Roadtrip
Symptome – bekannte und weniger bekannte
Was jetzt hilft
3 Mit 50 noch mal durchstarten – oder auch nicht?!
Und was, wenn man eigentlich gar keine Veränderung möchte?
Plötzlich raus – und jetzt?
Die Lebensmitte als Entwicklungskrise
Die Würde des Wandels
Zwischen Selbstbestimmung und Systemfalle
Die Teilzeitfalle – eine gut getarnte Sackgasse
Der Gender Pay Gap geht weiter – mit Nebenwirkungen
Die stille Superkraft
Mentoring in der Lebensmitte – jenseits von Karriereleitern
Ein Aufbruch – gemeinsam
4 Stark durch die Wechseljahre
Wer oder was hilft mir weiter?
Anhalten, innehalten, orientieren – mitten in Mailand
Sweet 43 – wie alles begann
Neustart ohne Reue
Ziele, Werte, Wünsche erkennen
5 Die unterschiedlichen Anlaufstellen im Job
Personalabteilung – die Möglichmacher
Bildungsurlaub neu gedacht
Medizinische Betreuung und Gesundheitsangebote
Betriebsärztin – der Joker im Ärmel
Betriebsrat
Netzwerke mit anderen Frauen
6 Strategien für den Joballtag: Kleine Veränderungen mit großer Wirkung
Vorbereitet – nicht verunsichert
Teamgeist – die beste Unterstützung
Wäschekammer, Kühlpads und »Kurzurlaub im Arbeitstag«
Ich lasse einkaufen
Atmende Kleidung statt Kunstfasern
Frischluft, Toilette und Ruheraum – was im Arbeitsalltag hilft
Der höhenverstellbare Schreibtisch – mehr als Luxus
Sagen wir, wie es ist: Wir brauchen eine Toilette in der Nähe
Ruheräume – Erholung ohne Rechtfertigung
Kleine Fluchten, große Wirkung – Entspannungsübungen im Büroalltag
Gut essen – auch im Job gibt es Möglichkeiten
7 Das wünschen sich Frauen: Flexible Arbeitszeiten, Verständnis und Information
Wann, wo, wie lange? Wir hätten’s gern flexibel!
Empathie statt dummer Sprüche
Wenn das Verständnis ausbleibt – die Rolle der Resilienz
Wissen ist Macht
8 Wie kommuniziere ich über die Wechseljahre?
Warum ist es so schwer, über die Menopause zu sprechen?
Wenn Schweigen zu viel kostet
Eine neue Herausforderung
Laut, leise, introvertiert, offen? Es muss für dich passen
Trällernde Töne auf dem Büroflur
Vom Aufräumen und neuer Gelassenheit
Jede Frau hat das verdient
Die Basics der Kommunikation
Frauen reden anders als Männer
Wie sag ich’s im Job?
Austausch mit den Kolleginnen und dem Team
Kommunikation mit den Vorgesetzten
Wie gehe ich mit ablehnenden Vorgesetzten um?
Strategien bei Widerstand
9 Männer – wir brauchen euch!
Die Grundhaltung macht’s
Männliche Role Models – her damit!
»Töpfe fliegen, Tränen rollen. Die Stimmung: wechselhaft!«
Ausblick: Wie sehen junge Frauen die Wechseljahre?
Mehr Wissen, mehr Verständnis – Wechseljahre in Schule und Uni bringen
Offenheit statt Augenrollen – wie die junge Generation Tabus bricht
Was wir heute tun, prägt das Morgen
Danksagung
Weiterführende Adressen
Informationen, Anlaufstellen und Angebote für Frauengesundheit und Wechseljahre
Initiativen, Unternehmen und Netzwerke
Podcasts
Links und Newsletter
Adressen für Österreich
Adressen für die Schweiz
Vorwort
Wer hätte noch vor ein paar Jahren gedacht, dass die Wechseljahre zu einem wichtigen Thema werden – unter Frauen und sogar in Unternehmen? Ich selbst jedenfalls nicht. Meine eigenen, ziemlich beschwerdereichen Wechseljahre, in denen mich kein Arzt und keine Ärztin darüber aufklärte, was in meinem Körper passierte und was man zur Linderung der Symptome tun könnte, waren weitgehend ausgestanden. Da hörte ich von einer Studienfreundin, dass sie eine App für Frauen in den Wechseljahren mit ins Leben gerufen habe. Obwohl beide Gründerinnen langjährig erfolgreiche Geschäftsfrauen waren, schafften sie es nicht, Startkapital für ihr Unternehmen zu erhalten. »Die jungen Männer, die über das Geld entscheiden, wissen einfach nicht, was die Wechseljahre sind«, erklärte mir meine Freundin. »Und die wenigen jungen Frauen, die in der Venture-Capital-Branche arbeiten, auch nicht.«
Das fand ich so faszinierend, dass ich eine Fallstudie über das Start-up Mimeno schrieb und darüber, dass Frauen es in einer männerdominierten Finanzwelt besonders schwer haben, für ihre Geschäftsideen ausreichendes Startkapital zu erhalten. Wussten Sie, dass nur 2 Prozent des Gründungskapitals in Europa an von Frauen gegründete Start-ups gehen? Und weniger als ein Fünftel an gemischte Teams?
Zurück zu den Wechseljahren: Mein Interesse am Thema war geweckt. Und als mich kurz danach eine weitere Gründerin kontaktierte, die ebenfalls rund um die Wechseljahre aktiv geworden war, ging es richtig los. Diese zweite Unternehmerin war Peggy Reichelt, die ich über Freunde schon lange kannte. Sie schlug vor, gemeinsam eine Studie zu den Auswirkungen der Wechseljahre auf die Arbeitsfähigkeit von Frauen zu machen. In Großbritannien, so Peggy weiter, sei gerade eine Untersuchung des britischen Unterhauses zu diesem Thema veröffentlicht worden, die große Wellen schlug. Denn man hatte festgestellt, dass die Arbeitsfähigkeit der britischen Frauen durch die Wechseljahre zeitweise erheblich eingeschränkt war und sie am Arbeitsplatz kaum Unterstützung fanden.
Der Idee der gemeinsamen Studie stimmte ich spontan zu. Allerdings war ich der Meinung, dass wir dazu Forschungsgelder benötigten und es nicht »nebenbei« machen sollten. Gesagt, getan: Wir schrieben einen Antrag und das IFAF-Institut des Landes Berlin bewilligte Geld. Und so starteten wir im Herbst 2022 mit der Untersuchung der Wechseljahre am Arbeitsplatz, gemeinsam mit weiteren Forschungspartnerinnen. Im Zentrum des Projekts, das wir MenoSupport getauft hatten, stand eine Onlinebefragung berufstätiger Frauen in Deutschland. Wir wollten herausfinden, wie Frauen die Wechseljahre am Arbeitsplatz erleben, ob sie sich von ihren Arbeitgebern unterstützt fühlten und welche Maßnahmen im Job sie als hilfreich empfinden würden. Im Frühjahr 2023 stellten wir die Befragung online und konnten zu unserer Begeisterung über 2000 Frauen zur Teilnahme bewegen. Zum Welt-Menopause-Tag am 18. Oktober 2023 waren die Ergebnisse dann ausgewertet und wurden der Öffentlichkeit vorgestellt.
Über 50 Prozent der befragten Frauen berichteten, dass die Wechseljahre an ihrem Arbeitsplatz definitiv ein Tabuthema seien. Ein weiteres Viertel war sich nicht sicher. Gleichzeitig wünschten sich aber zwei Drittel aller Frauen eine offene Kommunikation darüber am Arbeitsplatz. Wow! Hier gab es für die Unternehmen definitiv Handlungsbedarf. Wie in Großbritannien, mit verblüffend ähnlichen Ergebnissen, stellte sich heraus, dass sich die Frauen in ihrer Arbeitsfähigkeit zeitweise stark eingeschränkt fühlten. Von Konzentrationsproblemen, verursacht vor allem durch Schlafstörungen, einem erhöhten Stressempfinden und höherer Reizbarkeit berichteten drei Viertel der Frauen und von Reizbarkeit die Hälfte. Über 40 Prozent fühlten depressive Verstimmungen. Hitzewallungen – im Volksmund als das wichtigste Symptom der Wechseljahre bekannt – waren auf Platz fünf der Beschwerden.
Rund 45 Prozent der Befragten gaben an, dass das Erleben der Wechseljahre ihre Karriereentscheidungen beeinflusst hätte. Die Arbeitsstelle hatten bereits 18 Prozent wegen ihrer Beschwerden gewechselt, ihre Arbeitsstunden reduziert hatte knapp ein Viertel der Befragten. Gut 5 Prozent hatten deswegen eine Beförderung ausgeschlagen. Besonders beeindruckend war aber die Zahl von 20 Prozent der über 55-Jährigen, die davon berichteten, wegen der Wechseljahre in den vorzeitigen Ruhestand gegangen zu sein oder das erwogen zu haben. In der gesamten Befragung gaben das immerhin 10 Prozent an.
Letztendlich stimmten nur gut 4 Prozent der Aussage zu, dass ihre Führungskräfte für das Thema sensibilisiert wären. Besser sah es bei der Möglichkeit aus, im Homeoffice zu arbeiten beziehungsweise die Arbeitszeit flexibel einzuteilen. Davon berichteten 50 beziehungsweise gut 40 Prozent der Frauen. Als wichtigste Unterstützungsmaßnahmen wünschten sich die Frauen eine Sensibilisierung von Führungskräften und Mitarbeitenden sowie eine »wechseljahresfreundliche Arbeitskultur«.
Kurz nach der Veröffentlichung der Ergebnisse wurde ich vom ZDF für Mona Lisa und für WISOinterviewt. Es folgten unzählige Berichte, Radiointerviews, Podcasts und dann Titelstorys zu den Wechseljahren unter anderem in der Apotheken Umschau, der Freundin und dem Spiegel. Von der FAZüber die Neue Zürcher Zeitung bis hin zur Bild-Zeitung wurde ausführlich darüber berichtet. Mehrmals durfte ich vor Bundestagsmitgliedern über die Studienergebnisse sprechen. Ein Höhepunkt war der Antrag der CSU-Abgeordneten Emmi Zeulner an den Bundestag, eine Nationale Menopause-Strategie zu entwickeln, in dem auch unsere Studie angeführt wurde. Außerdem meldeten sich Gleichstellungsbeauftragte, Personalverantwortliche, Betriebsärztinnen und Mitarbeitende im Betrieblichen Gesundheitsmanagement bei uns und fragten nach. Auch wenn – so die Zahlen vom Herbst 2024 – erst 7 Prozent der deutschen Unternehmen Maßnahmen für Frauen in den Wechseljahren in ihr Gesundheitsprogramm aufgenommen haben, sind es doch schon sehr viel mehr, die verstanden haben, dass man die Mitarbeiterinnen mit den Wechseljahren am Arbeitsplatz nicht alleinlassen sollte.
Bei meiner Reise durch die Welt der Wechseljahre am Arbeitsplatz habe ich Ute Brambrink, eine der beiden Autorinnen dieses Buches, immer wieder bei Veranstaltungen getroffen und wir haben uns richtig gut verstanden. Ihr Arbeitgeber hat als britisches Unternehmen einen Informationsvorsprung zum Thema dank der erwähnten Studie des britischen Unterhauses. Ute spielt eine zentrale Rolle bei der Kommunikation von Maßnahmen, die Frauen im Berufsleben unterstützen – und sie zeigt, dass deren Umsetzung für Arbeitgeber kein Hexenwerk ist.
Das Buch von ihr und Claudia Rieß, das Sie heute in Händen halten oder auf dem Bildschirm lesen, markiert einen weiteren wichtigen Schritt hin zu einem unaufgeregten und selbstverständlichen Umgang mit den Wechseljahren am Arbeitsplatz. Es trägt dazu bei, Frauen in der Lebensmitte zu unterstützen – damit sie die hormonellen Veränderungen gut bewältigen und beruflich leistungsfähig bleiben oder rasch wieder werden können.
Ich wünsche diesem Buch deswegen viele Leserinnen und Leser! Denn es hilft enorm dabei, das Noch-Tabu Wechseljahre am Arbeitsplatz endgültig aufzubrechen. Es ist so wertvoll, endlich Berichte »aus erster Hand« zu haben, damit auch Männer und jüngere Frauen nachvollziehen können, wie es sich anfühlt, in den Wechseljahren zu sein. Die Führungskräfte von Frauen vor, in und nach den Wechseljahren werden nach der Lektüre sicher viel besser verstehen, weshalb sie ihre Mitarbeiterinnen unterstützen sollten und wie das am besten gelingen kann.
Andrea Rumler
Professorin für allgemeine BWL und Marketing an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Ihr habt eine Stimme verdient – weil ihr wichtig seid!
Rund 11,3 Millionen Frauen1sind in Deutschland aktuell in den Wechseljahren. Von diesen 40- bis 59-Jährigen sind rund 8,8 Millionen2erwerbstätig. Das sind viele – sehr viele.
Wenn im Arbeitsalltag überhaupt über sie gesprochen wird, überwiegt nach unserem Empfinden viel zu oft eine negative Darstellung von schwitzenden, unkonzentrierten und gereizten Frauen, die sowieso bald in den Ruhestand verschwinden. Doch ist das wirklich so? Wir wollten es wissen und haben mit vielen Frauen im besten Wechseljahresalter gesprochen, ihnen gelauscht, Ratschläge bekommen und gemerkt: Die Wechseljahre bringen zwar durchaus Herausforderungen mit sich, aber sie sind oft auch eine großartige Chance, das Navi für die zweite Lebenshälfte neu zu programmieren, um selbstbestimmter und zufriedener durchs Leben zu gehen.
Wir wollten in diesem Buch möglichst viele Lebenssituationen und Perspektiven abbilden, uns ist aber bewusst, dass wir nicht alle Erfahrungen einfangen konnten. Wir hoffen dennoch, dass sich viele von euch in den Geschichten und Porträts wiederfinden oder Neues entdecken, das sie inspiriert.
In diesem Buch zeigen wir euch ein ungeschöntes Bild, wie es in Büros, Callcentern, Klassenzimmern, Physiopraxen und Co mit den Wechseljahren aussehen kann. Schaut mal rein, macht euch euer eigenes Bild und erkennt hoffentlich: Ihr seid nicht allein. Ihr seid wichtig und wertvoll. Die Wechseljahre sind nicht der Beginn des Verfalls und Abschieds aus der Arbeitswelt, sondern sie bieten neue Chancen, die ihr ergreifen könnt – wenn ihr denn wollt.
Wir sind davon überzeugt, dass jeder Arbeitgeber, der schlau ist und rechnen kann, euch unterstützt und euren Wert erkennt. Denn ohne euch geht es nicht.
Seid stolz auf euch! Wir jedenfalls sind es.
Eure Claudia und Ute
1Menopause im Job – warum keiner darüber redet (und das ein Problem ist)
»Ich werde nicht unsichtbar sein. Ich werde nicht schweigen. Ich werde einfach noch großartiger sein!«
– Oprah Winfrey über die Wechseljahre
Schlaflose Nächte vor Präsentationen, Hitzewallungen im Klassenzimmer, Konzentrationslöcher mitten im Projekt – die Wechseljahre machen auch vorm Job nicht halt. Doch während es völlig normal ist, über Rückenschmerzen oder Migräne zu sprechen, herrscht bei hormonellen Umstellungen oft betretenes Schweigen. Warum eigentlich?
Vielleicht, weil die Wechseljahre immer noch als Randnotiz der Biologie behandelt werden statt als das, was sie sind: eine natürliche Phase im Leben jeder Frau, die aber auch teils massive Veränderungen mit sich bringen kann. Und Millionen von Frauen mitten im Berufsleben sind davon betroffen! In Deutschland sind aktuell rund 11,3 Millionen Frauen zwischen 40 und 59 Jahre alt. Rechnet man das hoch, arbeitet in so ziemlich jedem Büro, jeder Krankenhausstation, jeder Behörde, in jedem Geschäft und an vielen weiteren Orten mindestens eine Frau, die gerade versucht, zwischen Konzentrationsproblemen und Hitze-Flashs ihren Berufsalltag nicht entgleisen zu lassen. Und trotzdem ist das Thema tabu.
Dabei sind Frauen in den Wechseljahren oft genau an dem Punkt, an dem sie beruflich durchstarten könnten: Die Kinder brauchen – sofern vorhanden – weniger Betreuung, Erfahrung und Expertise sind auf dem Höhepunkt, eigentlich könnte es jetzt richtig losgehen – wenn da nicht Schlafmangel, Erschöpfung, Vergesslichkeit oder unerklärliche Stimmungsschwankungen wären. Plötzlich fühlt sich das eigene Gehirn an wie ein überhitzter Laptop: langsam, überfordert, kurz vorm Absturz. Und das Fatale daran? Viele wissen nicht einmal, dass die Wechseljahre dahinterstecken. Das wurde uns während der vielen Gespräche, die wir für dieses Buch geführt haben, immer wieder bewusst. Die meisten Frauen sind nicht ausreichend informiert – und viele Ärzte, Partner oder Ehemänner, Kolleginnen, Kollegen und Chefs leider auch nicht. In vielen Köpfen geistert immer noch das Bild herum, dass die Wechseljahre nur aus Hitzewallungen und dem Ausbleiben der Periode bestehen. Dabei gibt es so viel mehr Symptome, die damit zusammenhängen und Beschwerden verursachen können. Im Joballtag können sie Frauen teilweise sehr stark einschränken. Dazu zählen Gelenkschmerzen, Herz-Kreislauf-Probleme, trockene Augen, depressive Verstimmungen – und ganz besonders Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit und Erschöpfung.
Hand aufs Herz, hättest du das alles mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht? Wahrscheinlich eher nicht. Das ist ein großes Problem, gerade für Frauen im Berufsleben – egal ob angestellt oder selbstständig. Denn wer häufig das Gefühl hat, dass der eigene Körper, besonders das Gehirn, nicht mehr richtig funktioniert, verliert irgendwann das Selbstvertrauen. Und genau hier beginnt die Spirale, die viele Frauen dazu bringt, sich zurückzuziehen, beruflich kürzerzutreten oder sogar zu kündigen – einfach, weil sie sich selbst für »nicht mehr leistungsfähig« oder »zu sensibel« halten.
»Das wird schon wieder!« – Spoiler: Nicht ohne Unterstützung
Das Resultat? Nahezu ein Viertel aller befragten Frauen mit Wechseljahressymptomen gibt an, ihre Arbeitszeit aufgrund der Beschwerden bereits reduziert zu haben. Fast ein Drittel war deswegen krankgeschrieben oder hat unbezahlten Urlaub genommen. Und mehr als jede sechste Frau hat infolge von Wechseljahresbeschwerden sogar den Arbeitsplatz gewechselt. Diese Zahlen, die aus der großen MenoSupport-Studie von Prof. Andrea Rumler stammen3, zeigen eindrucksvoll, wie sehr die Wechseljahre nicht nur das Leben der betroffenen Frauen, sondern auch die Arbeitswelt negativ beeinflussen. Das ist längst kein individuelles Problem mehr, sondern ein strukturelles. Und trotzdem bleibt es ein blinder Fleck in unserer Arbeitswelt.
Die Studie deckt sich auch mit dem, was uns zahlreiche Frauen offen und ungeschminkt erzählt haben: Am meisten leiden sie unter erhöhtem Stress, körperlicher und mentaler Erschöpfung, Schlafstörungen, Reizbarkeit, depressiven Verstimmungen sowie Hitzewallungen. Was wir besonders gravierend fanden: Die hormonellen Schwankungen führen häufig zu Konzentrationsproblemen, einem Gefühl innerer Leere oder verminderter Energie – und damit zum Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit. Viele Frauen fürchten, im beruflichen Kontext stigmatisiert oder benachteiligt zu werden, sollten ihre Beschwerden bekannt werden. Das ist verständlich, denn genau dieses Narrativ, Frauen seien »weniger belastbar«, will niemand mehr hören. Dabei sind die Frauen gar nicht das Problem, sondern eine Arbeitswelt, die noch immer männliche Biografien und Körper als Maßstab nimmt. Symptome zu ignorieren, hilft niemandem. Es braucht Aufklärung, die Verständnis schafft, statt Schwäche zu unterstellen. Es braucht keine neuen Vorurteile, sondern Strukturen, in denen alle – unabhängig von hormonellen Phasen – gut und gesund arbeiten können.
Volkswirtschaftlich ist das Thema hochrelevant: Zwei Drittel aller deutschen Unternehmen kämpfen bereits heute mit Fachkräftemangel. Und Frauen in den Wechseljahren – erfahren, engagiert, kompetent – stellen dabei in vielen Betrieben eine zentrale Säule der Belegschaft dar. Man denke nur an den Frauenüberschuss in sozialen Berufen, auf Pflegestationen und in Kitas. Umso erstaunlicher ist es, dass es bislang kaum gezielte Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung für diese Lebensphase gibt. Dabei wäre genau das jetzt nötig: mehr Information, mehr Offenheit, mehr Unterstützung, mehr Verständnis und mehr Empathie. Mit passenden Maßnahmen könnten Frauen in der Lebensmitte nicht nur entlastet, sondern auch gestärkt werden – und ihre berufliche Reise selbstbestimmt fortsetzen.
Doch während Führungskräfte Diversity-Programme und Frauenförderung auf PowerPoint-Folien präsentieren, bleiben Wechseljahre ein Flüsterthema, obwohl Frauen 40+ die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe in der Arbeitswelt sind. Forschende schätzen die volkswirtschaftlichen Kosten in Zusammenhang mit Wechseljahresbeschwerden in Deutschland auf rund 9,4 Milliarden Euro pro Jahr4. Aber, hey, es besteht keine Eile, darüber zu sprechen!
Warum Unternehmen sich das nicht mehr leisten können
Die Realität ist: Firmen, die dieses Thema ignorieren, verlieren wertvolle Fachkräfte. Wenn es keine Unterstützung gibt, kann es passieren, dass eine gestandene Mitarbeiterin mit 20, 30 Jahren Berufserfahrung das Unternehmen verlässt, weil sie sich morgens um drei Uhr schlaflos im Bett wälzt, tagsüber vor Erschöpfung kaum geradeaus gucken kann und trotzdem funktionieren soll. Das ist nicht nur menschlich fatal, sondern auch wirtschaftlich dumm.
Große Unternehmen in den USA und Großbritannien haben es längst erkannt: Sie bieten Menopauseprogramme an, unkomplizierte Maßnahmen wie flexible Arbeitszeiten oder einfach einen Raum, um sich mal für ein paar Minuten aus der Hitzewallung zu retten. In der französischen Stadt Straßburg im Elsass haben arbeitende Frauen die Möglichkeit, insgesamt bis zu 13 Tage im Jahr wegen gynäkologischer Beschwerden nicht arbeiten zu müssen. Darin sind ausdrücklich nicht nur Menstruationsschmerzen, sondern auch Symptome der Wechseljahre enthalten.5Und was passiert? Die Frauen bleiben ihrer Firma treu. Sie leisten weiterhin vollen Einsatz, bringen Erfahrung, Gelassenheit und neue Perspektiven ein. Sie bringen Unternehmen voran, wenn man sie denn lässt. Denn sie wollen keine »Sonderlocke« oder belächelt werden, sondern echte Unterstützung, Verständnis für ihre Situation – und vor allem: wollen sie ernst genommen werden.
Wie sieht es mit der gesetzlichen Rückendeckung für uns Frauen aus?
Wenn wir Frauen in Deutschland nach einer gesetzlichen Regelung schauen, die uns rund um das Thema Wechseljahre unterstützt und schützt, sieht es leider mau aus. Bis heute gibt es kein entsprechendes Gesetz, das sich ausschließlich mit den Wechseljahren befasst. Es besteht also dringender Nachholbedarf, und anders als wir es beispielsweise von arbeitsrechtlichen Schutzvorschriften wie dem Mutterschutz kennen, stehen die Frauen noch allein da.
Dennoch – es gibt Hoffnung. Die Wechseljahre werden in Deutschland zunehmend auch politisch diskutiert, insbesondere im Kontext von Frauengesundheit, Gleichstellung und Arbeitswelt. Maßgeblich dazu beigetragen hat die Initiative »Wir sind 9 Millionen« (wirsindneunmillionen.de), ein loser Verbund von Ärztinnen, Wechseljahresberaterinnen, Journalistinnen, Apothekerinnen, Unternehmerinnen, Aktivistinnen und Influencerinnen. Sie beleuchten die Wechseljahre erstmals gesamthaft und aus verschiedensten Blickwinkeln, um auf die am schnellsten wachsende Frauengruppe – die Frauen in der Lebensmitte – hinzuweisen. Sie fordern eine breite Aufklärung für alle Frauen, die Aufnahme von Frauengesundheit mit Schwerpunkt auf den Wechseljahren in den Präventionskatalog des Gesundheitsministeriums, Unterstützung für Frauen in den Wechseljahren am Arbeitsplatz, umfangreiche Forschung, Aufklärungskampagnen und vieles mehr. Ihr Engagement kann in Deutschland als Startschuss gewertet werden, um auf die Wechseljahre ein Spotlight zu richten. Ziel ist es, das Thema in die Gesellschaft und in den deutschen Bundestag zu tragen, es partei- und generationsübergreifend zu betrachten und sich von der alten Denkweise zu verabschieden »Da muss Frau durch«, hin zu »Jeder Frau kann geholfen werden«.
Mittlerweile ist der Stein ins Rollen gekommen. Die Bundesregierung hat bereits eingeräumt, dass die Wechseljahre in der Gesellschaft und Arbeitswelt mehr Beachtung finden sollten. Ein Antrag der CDU/CSU-Fraktion mit dem Titel »Gesamtgesellschaftliches Bewusstsein für die Wechseljahre der Frau – Für eine nationale Menopausen-Strategie nach internationalem Vorbild« wurde am 18. Oktober 2024 erstmals im Bundestag beraten. Die Koalition zerbrach zwar wenig später, aber mit dem Antrag war das Thema gesetzt. Und so hat es der Begriff Wechseljahre auch in den Koalitionsvertrag der neuen CDU-SPD-geführten Bundesregierung »geschafft«.
Es gibt zunehmend Forderungen von Politikerinnen und Politikern, aber auch von Verbänden und Fachgesellschaften, die Wechseljahre stärker zu berücksichtigen – etwa durch betriebliche Gesundheitsförderung, Aufklärung und Sensibilisierung am Arbeitsplatz. Und es ist erfreulich, dass immer mehr Unternehmen und Organisationen sich über die Wechseljahre informieren, freiwillige Leitlinien einführen und ihren Mitarbeiterinnen Unterstützungsangebote machen. Dennoch: Ein Gesetz gibt es in Deutschland (bisher) nicht.6
Ein Blick über die Landesgrenzen – wo läuft es besser, wo ist Nachholbedarf?
Während in Großbritannien und den Niederlanden bereits konkrete Strategien und Programme entwickelt wurden, um Frauen in der Menopause am Arbeitsplatz zu unterstützen, steht das Thema in den deutschsprachigen Nachbarländern ebenso wie bei uns noch am Anfang. Zwar gibt es in Österreich und der Schweiz erste Erhebungen und Forschungsprojekte, die die Bedeutung der Wechseljahre im beruflichen Kontext aufzeigen, doch fehlen bislang flächendeckende Maßnahmen und verbindliche Konzepte in Unternehmen.
Österreich und Schweiz – zaghaftes Umdenken
In der Schweiz befinden sich über 1,5 Millionen Frauen im Alter zwischen 40 und 65 Jahren potenziell in der Peri- oder Postmenopause – und damit in einer Lebensphase, die nicht nur medizinische, sondern ebenso wirtschaftliche, gesellschaftliche und gleichstellungspolitische Bedeutung hat. Trotz der Tatsache, dass Frauen in den Wechseljahren einen erheblichen Teil der Belegschaft stellen und mit ihrer Berufserfahrung wie auch ihrer fachlichen Expertise wertvolles Humankapital darstellen, spielt das Thema in Unternehmen bislang kaum eine Rolle. Unterstützungsangebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung in dieser Phase der hormonellen Umstellung fehlen weitgehend.
Mit dem Forschungsprojekt MenoSupport Suisse liegt nun erstmals eine wissenschaftliche Untersuchung vor, die die persönlichen Erfahrungen von Frauen in den Wechseljahren im Arbeitskontext erfasst. Die Studie wird von einem Forscherinnenteam der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin in Kooperation mit dem Menopausenzentrum des Inselspitals Bern und Projektpartnern wie The Women Circle durchgeführt. Ziel ist es, den Einfluss der Wechseljahre auf Arbeitsfähigkeit und Karriereentscheidungen zu beleuchten und Unternehmen datenbasierte Handlungsempfehlungen für ein nachhaltiges Gesundheitsmanagement an die Hand zu geben.
Auch in Österreich zeichnet sich ein ähnliches Bild. Dort führte das Wiener Onlineportal Wechselweise gemeinsam mit dem MenoSupport-Team von Januar bis März 2024 eine Befragung von 1 720 Arbeitnehmerinnen durch. Die Ergebnisse gleichen in vielerlei Hinsicht den deutschen Erfahrungen: Mehr als zwei Drittel der befragten Frauen gaben an, dass ihre Arbeitsleistung durch Wechseljahresbeschwerden beeinträchtigt sei. Dennoch spielt das Thema in der betrieblichen Gesundheitsförderung weiterhin eine untergeordnete Rolle. Lediglich 6,5 Prozent der Frauen erhielten betriebsärztliche Betreuung zu ihren Beschwerden. Rund 20 Prozent reduzierten ihre Arbeitszeit und 14,4 Prozent der über 55-Jährigen erwägen aufgrund der Symptome einen frühzeitigen Pensionsantritt.
Insgesamt betrifft die Thematik rund eine Million Frauen in Österreich – doch bislang existieren kaum Strategien, um sie am Arbeitsplatz gezielt zu unterstützen. Die Initiative »Wir sind eine Million« der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe fordert daher mehr Sichtbarkeit und Maßnahmen. Erste Schritte sind zu erkennen: Einige Unternehmen haben bereits Fachvorträge und Workshops für Mitarbeiterinnen in den Wechseljahren angeboten, andere befinden sich in der Planungsphase. Auch die Umsetzung betriebsärztlicher Empfehlungen, etwa eine bewusstere Pausen- und Belüftungskultur oder spezifische Beratungsangebote zu Wechseljahrsymptomen, zeigt, dass ein zartes Umdenken begonnen hat – wenn auch noch sehr vereinzelt.
Großbritannien hat starke Signale gesetzt
Das Vereinigte Königreich gilt immer wieder als Vorreiter, wenn es um das Thema Wechseljahre am Arbeitsplatz geht. Tatsächlich sind dort bereits zentrale Handlungsfelder der Frauengesundheitspolitik definiert, zu denen auch die Menopause zählt. Zudem gibt es eine wachsende Zahl von Unternehmen, die das Thema aktiv aufgreifen. Ein Beispiel ist der britische Telekommunikationskonzern Vodafone, der schon 2021 eine von Opinium durchgeführte Studie zu diesem Thema in Auftrag gab und veröffentlichte. Darin berichteten zwei Drittel der befragten Frauen, dass Wechseljahressymptome ihre Arbeit beeinträchtigen, und mehr als die Hälfte sprach sich für eine gezielte Unterstützung am Arbeitsplatz aus. Diese Ergebnisse ähneln jenen, die Professorin Andrea Rumler drei Jahre später im Rahmen von MenoSupport für Deutschland feststellen konnte. Für Vodafone waren die Zahlen Anlass, konkrete Unterstützungsmaßnahmen einzuführen – ein Schritt, der das Thema früh in den betrieblichen Diskurs brachte.
Diese ermutigenden Entwicklungen werden seit Sommer 2025 nun auch durch eine gesetzliche Anpassung im Vereinigten Königreich untermauert. So wird in das Gesetz zu den Rechten von Arbeitnehmern (Employment Rights Bill) die Menopause direkt in die rechtlichen Verpflichtungen von Arbeitgebern eingebunden – den sogenannten Implementation Plan. Er wird Auswirkungen für die dortigen Unternehmen haben. Gemäß dem neuen Rahmen müssen alle Arbeitgeber mit mehr als 250 Mitarbeitenden ab April 2026 – zunächst noch auf freiwilliger Basis – einen Aktionsplan zur Geschlechtergleichstellung erarbeiten und veröffentlichen. In diesem Plan muss unter anderem dargelegt werden, wie ein Unternehmen Frauen während der Menopause unterstützt, zum Beispiel durch entsprechende Firmenrichtlinien, Aufklärungsveranstaltungen, Schulungen oder angepasste Arbeitsbedingungen. Ein Jahr später, also ab April 2027, heißt es dann: Schluss mit der Freiwilligkeit. Diese Anforderungen werden für die Unternehmen verpflichtend.
Doch diese gesetzlichen Regelungen fielen auch im Vereinigten Königreich nicht vom Himmel. Dem ging ein längerer Prozess voraus, bei dem die politische und gesellschaftliche Aufmerksamkeit in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Mehrere Debatten und Initiativen im Parlament verdeutlichten, dass die Situation von Frauen in dieser Lebensphase zunehmend ernst genommen wurde. Ein wichtiger Meilenstein war die Veröffentlichung der »Women’s Health Strategy« im Jahr 2022, die für die kommenden zehn Jahre klare Ziele vorgibt – darunter auch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Frauen in den Wechseljahren. Erste Maßnahmen7wurden bereits umgesetzt. Konkret bedeutet dies, dass Arbeitgeber verpflichtet sind, ein sicheres und diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld zu schaffen, das auch die Bedürfnisse von Frauen in der Menopause berücksichtigt. Ein ausdrücklicher Anspruch auf Freistellung bei Beschwerden ergibt sich daraus allerdings nicht. Frauen, deren Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt ist, können sich weiterhin – wie zuvor – krankschreiben lassen....Ende der Leseprobe
