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Das Nonplusultra der emotionalen Intelligenz. 100 Fragen, Antworten und Tipps.
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Veröffentlichungsjahr: 2020
Zu dem Buch:
Emotionen sind wichtig, jedoch außer Kontrolle geraten, können sie uns einige Chancen im Leben ruinieren. Sind Gene, die Herkunft oder ein gutes Studium entscheidend für den Erfolg, unser Glück im Leben? Was ist die EI (EQ) überhaupt? Wie kann sie uns zum beruflichen und privaten Weiterkommen verhelfen?
In diesem Buch erlernen und testen wir ein paar einfache und wirkungsvolle Techniken auf dem Gebiet der Erkennung und Kontrolle von eigenen und fremden Emotionen. Die neuesten Entdeckungen aus den Bereichen der Gehirnforschung und der Sozialpsychologie verhelfen uns zu überraschenden Erkenntnissen und Aha-Erlebnissen. Eine humorvolle Art und mehrere praktische Übungen unterstützen Sie in Ihrem Vorhaben und verleihen wertvolle Impulse zur baldigen Realisierung von Ihren konkreten bedeutenden Zielen.
Zu der Autorin:
Karina Lehmann ist Linguistin von Beruf und eine unverbesserliche Optimistin. Sie wohnt im Süden Deutschlands und hält als freie Trainerin und Dozentin Seminare zum Thema Kommunikation.
Einleitung
100 Fragen, Antworten und Tipps
I. Begriffe und Tests
II. Wie geht`s, wie steht`s?
III. Freund oder Feind?
IV. Kopf oder Herz?
V. Erkenne dich selbst!
VI. Wissen macht glücklich
VII. Das Gedächtnis
VIII.Die Intuition
IX. Die Stressbewältigung
X. Die Motivation
XI. Die Manipulation
XII. Das Streben nach Glück
Das 21-Tage-Coaching-Programm
Tag 1. Wahrnehmen von Emotionen
Tag 2. Wahrnehmen von Emotionen. Fortsetzung
Tag 3. Emotionen anderer nachempfinden
Tag 4. Von Schauspielern lernen
Tag 5. Sich selbst erkennen. Bilderabgleich
Tag 6. Der Selbst-TÜV
Tag 7. Andere erkennen
Tag 8. Sich und andere erkennen. Fortsetzung
Tag 9. Motive anderer ermitteln
Tag 10. Dem Impuls widerstehen
Tag 11. SOS bei Stress
Tag 12. Was ist Ihre Achillesferse?
Tag 13. Provokationen registrieren
Tag 14. Perspektive wechseln. Reframing
Tag 15. Um den heißen Brei herumreden
Tag 16. Das Gedächtnis trainieren
Tag 17. Drei Rätsel für Sie.
Tag 18. Körper und Seele verbinden
Tag 19. Beziehungen pflegen
Tag 20. Wer rastet, der rostet
Tag 21. Ihre Oskar-Verleihung
Schlussbemerkung
Lösungsvorschläge zum Praxisteil
Anmerkungen
Literaturempfehlungen
Ein heißer Schnee,
ein lebendiger Toter,
ein rundes Viereck,
eine emotionale Intelligenz
…
Zu dieser Wortgruppe konnte ich die letzte Wortverbindung hinzufügen, als ich sie zum ersten Mal zu Ohren bekam. Es klang wie ein Oxymoron, eine Verbindung von zwei sich widersprechenden Begriffen. Emotionen und Intelligenz … Wie können diese miteinander „befreundet“ sein?
Je mehr ich mich jedoch mit der Materie befasste, je mehr wissenschaftliche Erkenntnisse ich zu dem Thema für mich entdeckte, desto größer wurde meine Überzeugung, dass diese wertvollen Entdeckungen (für welche sogar Nobelpreise verliehen wurden) nicht nur ein Privileg von einigen wenigen sind, die sich mit dem Fach von Beruf aus beschäftigen (Kommunikationstrainer, Psychologen, Sozialwissenschaftler, Neurowissenschaftler, Ärzte), sondern auch zum Eigentum und täglichen Instrumentarium von uns allen im beruflichen sowie im privaten Kontext werden sollten.
Auf der Basis dieser theoretischen Forschungen und praktischer Anwendungen sowie von Erfahrungen aus der Wirtschaft entstand das Konzept zum Training „Emotionale Intelligenz als Erfolgsfaktor im Leben“, welches ich seit einigen Jahren bei Firmen, Akademien und Universitäten im süddeutschen Raum durchführe. Hunderte von Teilnehmern haben schon an diesem Seminar teilgenommen und ihr Feedback dazu abgegeben:
was dabei praktisch und hilfreich, was weniger gut gelungen war,
welche Impulse sie dadurch erhalten haben,
welche Änderungen sie im Anschluss vollzogen haben und
welche Ziele sie dadurch erreichen konnten.
Diese Rückmeldungen geben mir Grund, zu behaupten, dass die konzipierten Inhalte nützlich, wirkungsvoll und praktikabel sind. Sie helfen Menschen dabei, ihr Leben zu verändern, zu bereichern und zu verbessern.
So beschloss ich, ein Buch dazu zu verfassen, um die wichtigsten Grundelemente zum Thema „Emotionale Intelligenz“ festzuhalten, welche Sie im weiteren Text kennenlernen werden. Sie können die konzipierten Inhalte gleich anwenden und ein für Sie zufriedenstellendes Ergebnis erzielen!
„Wie sollte ein gelungenes Buch zu diesem Thema Ihrer Meinung nach aussehen?“, fragte ich einmal meine Teilnehmer.
Sie zögerten zuerst, jedoch schon nach kurzer Zeit tauten sie auf und versorgten mich mit ihren äußerst aufrichtigen Empfehlungen und Wünschen:
Es muss einen starken Realitätsbezug haben.
Bitte mit vielen erklärenden Grafiken und Bildern.
Die wissenschaftliche Basis ist dabei ausgesprochen wichtig, bitte mit Belegen und Beweisen (Experimenten).
Humor darf dabei auf keinen Fall fehlen!
Die Inhalte sollen mich auf meine berufliche Praxis vorbereiten.
Es muss zum Nachdenken und Umdenken motivieren.
Und bitte kompakt! Das Wichtigste in Kürze, ohne langatmige Überlegungen von der Autorin.
Bitte schreiben Sie in einer klaren und verständlichen Sprache, ohne das Fachchinesisch!
Es muss Spaß machen! … Und Lust auf mehr erwecken!
Es wäre sinnvoll, konkrete Übungen anzubieten, um das Gelernte gleich auszuprobieren.
Es muss mein Leben bereichern und die Kommunikation in schwierigen Situationen erleichtern.
Die erste Zeit nach der Befragung war ich etwas verdattert und nachdenklich:
„Wird es überhaupt möglich sein, einen so komplexen Inhalt auf die gewünschte Weise (konzentriert, praktikabel, unterhaltsam und leicht verständlich) anzubieten?“ Das erinnerte mich an eine scheinbar unlösbare Aufgabe vom König aus „der klugen Bauerntochter“ von den Brüdern Grimm. „Komme zu mir nicht gekleidet, jedoch auch nicht nackt; geritten, jedoch auch nicht zu Fuß.“ Warum auch nicht? Wickeln wir uns in ein Fischernetz ein; setzen uns auf einen Esel und schleifen mit einem Fuß über den Boden. Das Unmögliche wird somit möglich!
Unter Berücksichtigung all dieser Vorstellungen und Anleitungen wurde das Skript des vorliegenden Buches erstellt.
Es besteht aus zwei Teilen:
aus einer
theoretischen Komponente
in Form von hundert Fragen, Antworten und Praxistipps (zum besseren Navigieren) und
aus einer
praktischen Einheit
in Form eines 21-tägigen Coaching-Programms.
Im ersten Bereich lernen Sie die wichtigsten Säulen der emotionalen Intelligenz kennen, welche Sie im Anschluss, im zweiten Teil des Buchs, dann Stück für Stück anhand von Übungen, Tests und Aufgaben ausprobieren und bezogen auf Ihre persönliche Situation anwenden können.
Der Autorin ist bewusst, dass, ähnlich wie in der Geschichte vom „Alten Mann, dem Jungen und dem Esel“, es nicht möglich sein wird, den Geschmack von JEDEM Leser oder JEDER Leserin zu treffen:
Falls Sie mehr Details, Hintergründe und Überlegungen zu den beschriebenen Experimenten, Begriffen und Vorgehensweisen zu erkunden wünschen, können Sie gerne die in den Anmerkungen und Literaturempfehlungen vorgeschlagenen Quellen (Erklärungen, Bücher, Videos auf dem YouTube-Kanal) studieren, um so Ihr Wissen über die Materie zu erweitern und zu vertiefen.
Das oberste Ziel der Verfasserin des vorliegenden Buches bleibt, Ihnen einen umfangreichen Überblick von Erkenntnissen zur vorgeschlagenen Thematik zu verschaffen, praktische Einsatzmöglichkeiten im privaten und beruflichen Leben anzubieten sowie Sie mit Motivationstipps zu versorgen, damit Sie am Ball bleiben und Ihre konkreten Ziele bald realisieren.
Praktische Übungen im zweiten Teil unterstützen Sie dabei. Jedoch gibt es nichts, was den persönlichen Kontakt, das Üben und die Diskussionen in einer Gruppe ersetzen kann! Daher empfehlen sich Live-Seminare oder ähnliche Veranstaltungen von Kommunikations- und Businesstrainern. Besuchen Sie diese im Anschluss!
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!
IhreKarina Lehmann
* * *
Ein äußerst emotional intelligenter Mann wurde eines Tages von einem wissbegierigen Journalisten interviewt.
„Was ist Ihr Geheimnis? Wie sind Sie derart erfahren auf dem Gebiet geworden?“, wollte dieser wissen.
„Ganz einfach, man muss nur das Richtige in der richtigen Situation sagen und tun“, kommentierte der Mann.
„Und was braucht man dazu?“, bohrte der Interviewer weiter.
„Natürlich, man braucht Erfahrung“, erklärte der Befragte gelassen.
„Und diese Erfahrung, wie erlangt man sie?“, ließ der Reporter nicht locker.
„Um die Erfahrung zu sammeln, muss man eine gewisse Zeit das Falsche zum falschen Zeitpunkt tun und sagen“, offenbarte der Erleuchtete.
* * *
Sagen und tun Sie des Öfteren das Falsche?
Sie sammeln auf diese Weise wertvolle Erfahrungen und sind auf dem richtigen Wege zu Ihrem Ziel!
Wollen wir den Weg ein Stück gemeinsam gehen und dabei klären, welche Schritte Sie Ihren Veränderungen näherbringen würden?
Die wichtigsten Begriffe, Fragen und Tests:
Als Erstes schlage ich vor, dass wir uns über Definitionen und Begriffe einig werden, denn wie es sich herausstellt, leben wir oft in einer Illusion von Klarheit, welche uns schlussendlich zu allerlei Missverständnissen und Irrtümern manövriert.
Um dies zu verdeutlichen, möchte ich Sie zuerst bitten, sich vor Ihrem geistigen Auge einen Stuhl auszumalen. Haben Sie es getan?
Nun wollen wir unsere Bilder abgleichen.
Einige von Ihnen haben sich ein konventionelles Möbelstück mit vier Beinen oder einen Drehstuhl, einen eleganten Thron oder sogar einen Baumstumpf vor Augen geführt – einfach etwas, worauf man sitzen kann. Es ist selten, dass unsere Bilder eins zu eins übereinstimmen.
Nun probieren wir es noch einmal. Dieses Mal bitte ich Sie, an einen Hund zu denken. Malen sie ihn sich möglichst detailliert aus. Fertig? Ich bin gespannt: Wie sieht dieses Geschöpf bei Ihnen aus?
Ein kleines süßes Hündchen, welches Sie bei Ihren Nachbarn und Freunden schon einmal gesehen haben (ein Chihuahua, ein Mops oder ein Terrier), oder eher ein großer Beschützer, der einem kleinen Pony ähnelt (ein Bernhardiner, ein Schäferhund, ein Rottweiler oder Dobermann)?
Einer meiner Teilnehmer hat berichtet, dass er dabei an einen „heißen Hund“ bzw. an ein heißes Würstchen im aufgeschnittenen Brötchen (Hot Dog) dachte.
Faszinierend, wie unterschiedlich unsere Vorstellungen bei auf den ersten Blick so eindeutigen Begriffen ausfallen, nicht wahr?
* * *
„Wie soll man einen Menschen definieren?“, zerbrachen sich schon die Philosophen der Antike ihre Köpfe.
Es sei ein „federloser Zweibeiner“, folgte eine scherzhafte Erklärung von Platon. Daraufhin holte Diogenes ein Huhn, rupfte es und warf es in die Akademie seines Kontrahenten. „Hier kommt Platons Mensch“, kommentierte er höhnisch.
„Ich bin Platons Mensch“.
* * *
Was soll man nun bei allerlei abstrakten Begriffen wie Liebe, Mut, Traumfrau, Traummann, anständige Bezahlung, emotionale Intelligenz erwarten?!
„Emotionale Intelligenz“ ist ein Terminus, welcher von zwei Wissenschaftlern, John D. Mayer und Peter Salovey, im Jahre 1990 eingeführt wurde. Darunter wird eine Art von emotionsbezogenen mentalen Fähigkeiten verstanden, ein Konstrukt, welches grob in vier wichtige Bereiche zu unterteilen ist:
Wahrnehmen und Ausdrücken,
Kenntnis,
Nutzen und
Beeinflussen von Emotionen.
Später wurde dieser Begriff von dem amerikanischen Psychologen und Journalisten Daniel Goleman popularisiert und einem breiten Publikum bekanntgemacht. In seinem gleichnamigen Buch unterscheidet er folgende Grundbereiche der EI:
Selbstwahrnehmung
(self awareness)
Selbstmanagement
: Kontrolle der eigenen Gefühle und Handlungen (self management)
Einfühlungsvermögen
(social awareness, empathy)
Beziehungsmanagement
(relationship management)
Zusammengefasst kann man die emotionale Intelligenz definieren als
eine mentale Fähigkeit zum Wahrnehmen, Erkennen und Regulieren (Kontrolle) von eigenen und fremden emotionalen Zuständen mit dem Ziel, eigene Absichten effektiv durchzusetzen.
Abbildung 1. Die emotionale Intelligenz (EI), nach J. D. Mayer und P. Salovey (eigene Darstellung)
Einige Wissenschaftler bestreiten, dass die emotionale Intelligenz überhaupt als ein eigenständiges Konzept dargestellt werden kann. Sie vertreten die Meinung, dass die EI vielmehr als eine Schnittstelle zwischen dem klassischen Intelligenz- (IQ) und dem Persönlichkeitstest (z. B. dem Big-Five-Test) zu definieren sei.
Nichtdestotrotz hat dieser Begriff in der Wirtschaft und in breiten Bevölkerungsschichten einen festen Platz eingenommen. Bei der Personalauswahl stehen heute, insbesondere bei einer großen Auswahl von hoch qualifizierten Bewerbern, nicht mehr die fachlichen, sondern die persönlichen Qualitäten im Fokus. Dazu gehören vor allem solche Eigenschaften wie die Stressbeständigkeit, die Selbstregulierung, das Einfühlungsvermögen, die Teamfähigkeit und die Durchsetzungsfähigkeit.
„Bestimmte fachliche Kompetenzen (z. B. Fremdsprachen, Maschinen-, Programmkenntnisse wie SAP, Microsoft-Anwendungen) können wir den Bewerbern später problemlos vermitteln. Schwieriger sieht es mit ihren Führungsqualitäten, ihrer Empathie und Resilienz aus, denn diese lassen sich nicht so einfach im Nachhinein aneignen. Und die Letzteren zählen bei uns im Betrieb doppelt oder dreimal so viel wie die Sachkenntnisse und Diplome“, so hört man es von der Mehrheit der heutigen Arbeitgeber.
Es handelt sich um eine einfache, jedoch bei näherer Betrachtung, ziemlich komplexe Frage.
Wen bezeichnen wir als „intelligent“?
Eine Person, die schnelle und kluge Entscheidungen in Entsprechung zur jeweiligen, oft unbekannten Situation trifft.
Wenn man viele Quellen und Definitionsversuche von diesem abstrakten Begriff summiert, lässt sich die Intelligenz als
eine kognitive Fähigkeit definieren, die ihren Besitzer zu folgenden Prozessen und Handlungen befähigt:
schnelle und effektive Informationsverarbeitung;
Problemlösung;
abstraktes Denken;
ein gutes Gedächtnis;
effiziente Handlung in einer ungewohnten Umgebung;
Erarbeitung von komplexen Ideen;
Lernen aus Erfahrungen.
Diese Fähigkeit kann mithilfe verschiedener Intelligenztests gemessen und in der entsprechenden Referenzgruppe als eine Messgröße (IQ) dargestellt werden.
In unserem Alltagsgebrauch verstehen wir unter der Intelligenz (dem IQ) jene Fertigkeiten, welche in Bildungseinrichtungen aller Art (Kindergärten, Schulen, Universitäten) vermittelt und ausgebaut werden:
Lesen,
Schreiben,
Rechnen,
Logisches und abstraktes Denken,
räumliches Verständnis.
Die heutige Wissenschaft geht auf die Tradition der Antike zurück und unterscheidet zwei sogenannte Gruppen der Intelligenz:
die
kristalline
Intelligenz (eine Sammlung von Wissen und Erfahrungen, welche ein Individuum im Verlaufe seines Lebens erlernt und sammelt) und
die
fluide
Intelligenz (die Fähigkeit, sich dieses Wissen anzueignen)
Abbildung 2. Intelligenzfaktoren, nach R. B. Cattel (eigene Darstellung)
Diese Begriffe wurden vom amerikanischen Persönlichkeitspsychologen Raymond Bernard Cattel (1971) eingeführt und haben seitdem einen festen Bestandteil in der Intelligenz-Lehre eingenommen.
Metaphorisch lassen sich diese Teile als
ein Meisterwerk – 1 (ein Bild, ein Haus, ein Diplom)
und seine Werkzeuge – 2 (Pinsel, Instrumente, Gedanken im Kopf etc.) darstellen.
Somit sind es zwei wichtige Bausteine, die sich im Verlaufe unseres Lebens ständig proportional und größenmäßig verändern (anwachsen, schrumpfen, sich ausdehnen). Der ältere Mensch hat zum Beispiel einen beträchtlichen Umfang an der kristallinen Intelligenz (Wissen, Erfahrungen), verfügt jedoch im Vergleich zu einem jüngeren Individuum über eine „schwächere“ fluide Intelligenz (Leistungsfähigkeit, geistige Fitness).
Abbildung 3. Die emotionale Intelligenz bei Kindern (eigene Darstellung)
Abbildung 4. Die emotionale Intelligenz bei jüngeren Erwachsenen (eigene Darstellung)
Abbildung 5. Die emotionale Intelligenz bei älteren Erwachsenen (eigene Darstellung)
Gehirnforscher haben entdeckt, dass Kleinkinder oft mehr Neuronen als die Erwachsenen besitzen.
„Use it or lose it“, nach diesem Prinzip baut unser Gehirn Zellen ab, welche innerhalb eines bestimmten „Zeitfensters“ nicht benötigt/entwickelt wurden. Stattdessen baut es beim Heranwachsen ständig neue Verbindungen (Synapsen – Kontaktstellen) zwischen den Neuronen (den Axonen und Dendriten) auf: am Anfang lokal, später dann global, also zwischen verschiedenen Gehirnregionen.
Je öfter sie benutzt und trainiert wird, desto stärker und effizienter erfolgt die Informationsverarbeitung, bis es zu anatomischen Veränderungen in unserem Gehirn kommt:
Trampelwege werden zu Waldwegen, diese später zu Landstraßen und schlussendlich zu Autobahnen von Prozessen der Reiz- und Impulsverarbeitung. Für diese Entdeckungen hat der Neurowissenschaftler, Psychiater und Physiologe Eric Richard Kandel einen Nobelpreis erhalten.
Wir kommen auf die Welt mit einem bestimmten Potenzial an fluider emotionaler Intelligenz (Instrumenten) und einem kleinen Päckchen an kristalliner emotionaler Intelligenz (Reflexen und Instinkten).
Mit der Zeit bauen wir diese Pakete aus und sammeln unser Wissen und unsere Erfahrungen. Die Werkzeuge (die fluide emotionale Intelligenz) werden dabei von uns bis zu einem bestimmten Alter entwickelt und bauen dann im hohen Alter langsam ab (sie werden „stumpf und gehen kaputt“).
Der zweite Teil der emotionalen Intelligenz (Wissen und Erfahrungen) steigt im Verlauf unseres Lebens jedoch stetig an und ist (geistige und physische Gesundheit und aktive soziale Kontakte vorausgesetzt) bis ins hohe Alter erweiterungsfähig.
Wie bei den meisten abstrakten Bezeichnungen herrscht auch bei der Definition von dem Begriff „Emotion“ keine Einigkeit.
Vom Lateinischen emovere – herausbewegen, emporwühlen ausgehend finden wir bei Duden die folgende Beschreibung:
Emotion - psychische Erregung, Gemütsbewegung; Gefühl, Gefühlsregung.
Als Synonyme sind angegeben:
Affekt, Aufregung, Empfinden, Empfindung, Erregung, Gefühl, Gefühlsregung, Gefühlswallung, Gemütsbewegung, Leidenschaft, Seelenregung, (seelische) Regung, Stimmung.
Philosophen (Kant, Freud) haben dabei von „Lust“ und „Unlust“ gesprochen.
Psychologen und Wissenschaftler jedoch machen deutliche Abgrenzungen zwischen diesen Bezeichnungen:
Emotion – Gefühl – Affekt
Bei dem Ersten (Emotion) spricht man von einer körperlichen Reaktion auf innere und äußere Reize (Liebe, Hass, Angst, Freude etc.); es ist eine Art unbewusster Reaktion.
Unter einem Gefühl wird das Bewusstwerden einer vorangegangenen Emotion verstanden: die Verarbeitung des Gehirns von Körperreaktionen.
Unter dem Affekt versteht man ein sehr intensives, relativ kurz dauerndes Gefühl, welches durch äußere oder innere Anlässe (tiefgreifende Bewusstseinsstörungen) ausgelöst werden kann.
Dieser Zustand kann vom Individuum gar nicht oder kaum bewusst beeinflusst werden. Aus diesem Grunde werden kriminelle Taten im Affekt strafrechtlich gesondert behandelt (was zur Strafmilderung oder sogar zur Feststellung der Schuldunfähigkeit führen kann).
Als „emotional“ bezeichnet man eine Person, welche sich hauptsächlich von Emotionen/Gefühlen leiten lassen und weniger vom Verstand.
Emotionen/Gefühle werden oft äußerlich sichtbar (Erröten, Erblassen etc.) und innerlich messbar (die Veränderung der Menge von Neurotransmittern: Serotonin, Oxytocin, Adrenalin etc.).
Antike Philosophen sowie Psychologen der Neuzeit (z. B. Freud und Kant) haben das Lust- und-Unlust-Prinzip von den Emotionen unterschieden. Dabei hat man diese in drei Kategorien eingeteilt:
positive Emotionen,
negative Emotionen,
neutrale Emotionen.
René Descartes, der französische Universalgelehrte des 17. Jahrhunderts (Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler), hat aus der großen Vielfalt sechs Grundemotionen herausgefiltert:
Liebe,
Hass,
Verlangen,
Freude,
Traurigkeit,
Bewunderung.
Und schlussendlich hat Paul Ekman, US-amerikanischer Anthropologe und Psychologe, empirisch sieben Basisemotionen nachgewiesen und dokumentiert. Dabei entdeckte er ihre Universalität; sie waren unabhängig von der jeweiligen Kultur, Umgebung oder Erziehung:
Freude,
Wut,
Traurigkeit,
Ekel,
Verachtung,
Furcht,
Überraschung.
Zusammen mit seinem Kollegen W. V. Friesen entwickelte Ekman das „Gesichtsbewegungs-Kodierungssystem“ (engl.: Facial Action Coding System – FACS, 1978) – ein verbreitetes Verfahren zur Beschreibung von Emotionen.
Andere Quellen unterscheiden zusätzlich noch einige andere Grundemotionen: z. B. Neugierde (Interesse) und Vertrauen (Liebe). Zusammen mit anderen Basisemotionen bilden die Grundemotionen das Gerüst für die gesamte Palette, welche je nach Ausprägung weitere „Schattierungen“ (Verstärkungen und Abschwächungen) von „Grundnoten“ darstellen (vgl. Robert Plutchik, Rad der Emotionen).
Z. B. Ärger, Wut, Rage;
Besorgnis, Angst, Panik;
Akzeptanz, Vertrauen, Bewunderung etc.
Abbildung 6. Grundemotionen in Anlehnung an P. Ekman (eigene Darstellung)
Von den „Gründern der EI“ wurde ein komplexer und umfangreicher Test zur EQ-Messung namens
MSCEIT(Mayer Salovey Caruso Emotional Intelligence Test)
entwickelt. Ähnlich wie ein klassischer IQ-Test umfasst er über hundert Fragen zu den verschiedensten Bereichen dieses Konstruktes (z. B. zur Erkennung von Emotionen, Problemlösungskompetenzen etc.), welche in einem Zeitraum von 30-40 Minuten gelöst werden können.
Zu den Vorteilen dieses Testverfahrens zählen Forscher seine außerordentlich hohe Verlässlichkeit und eine sehr geringfügige Verfälschbarkeit.
https://www.testzentrale.de/shop/mayer-salovey-caruso-test-zur-emotionalen-intelligenz-69909.html
Als Nachteile des Testes sind vor allem sein hoher Preis, die unzureichende Transparenz und fehlende Interpretationshinweise von den Entwicklern zu erwähnen.
Im deutschsprachigen Raum hat sich ein Alternativtest zur Messung der emotionalen Kompetenz durchgesetzt,
das Emotional Intelligence Inventar (IE4)von Dr. Lars Satow.
Privatpersonen können online, kostenlos und in kurzer Zeit (10-15 Minuten) ihre Fähigkeiten in den wichtigsten Bereichen testen:
Empathie,
Menschenkenntnis,
Überzeugungskraft und
emotionale Selbstkontrolle.
https://www.drsatow.de/tests/emotional-intelligence-inventar/
Als einer der Nachteile dieses Verfahrens ist in erster Linie seine Subjektivität zu nennen. Die Ergebnisse sind stark von der Selbsteinschätzung und der Wahrhaftigkeit der Testperson abhängig.
Und wie schon erwähnt, kann der traditionelle Big-Five-Test (OCEAN-Test) eine gute Ergänzung zur EQ-Messung im privaten sowie dem beruflichen Umfeld anbieten.
Abbildung 7. Der Big-Five-Persönlichkeitstest (eigene Darstellung)
Dabei werden jedoch in erster Linie verschiedene Ausprägungen von Persönlichkeitseigenschaften der Kandidaten gemessen. Dazu gehören:
Offenheit (Aufgeschlossenheit –
O
penness)
Gewissenhaftigkeit (Perfektionismus –
C
onscientiousness)
Extraversion (Geselligkeit –
E
xtraversion)
Verträglichkeit / Empathie, (Kooperationsbereitschaft –
A
chievability)
Neurotizismus (emotionale Labilität –
N
euroticism)
IQ und EQ sind Quotienten, Maßeinheiten zur Einordnung eines Wertes in einen Gesamtmaßstab.
Beim ersten (IQ) geht es oft um die „klassische Intelligenz“, unter dem zweiten (EQ) versteht man primär intrapersonale (Selbstregulierung, Selbstwahrnehmung etc.) und interpersonale (zwischenmenschliche, soziale etc.) Intelligenz.
Es gibt Berührungspunkte, gegenseitige Ergänzungen (z. B. ein gutes Gedächtnis, unterstützt in der Wissensansammlung von akademischen und auch emotionalen Belangen; das Erkennen von Beziehungen in Strukturen und auch Teams etc.).
Beide werden von ihrer „Zentrale“ (unserem Gehirn) gesteuert, entwickelt und koordiniert.
Sowohl der IQ als auch der EQ haben ihre „Voreinstellungen“, welche beim Erwachsenwerden durch die Umgebung und die Erziehung (Kultur, Familie, Schulen, Freunde, Kollegen) entwickelt, ausgebaut oder abgeschwächt werden.
Es gibt jedoch auch Unterschiede, denn diese beiden Konstrukte sind nicht identisch.
Abbildung 8. Der IQ und der EQ (eigene Darstellung)
Der erste Begriff (IQ) wird oft in Verbindung mit der herkömmlichen Intelligenz gebracht:
verbale und mathematische Fähigkeiten;
das logische Denkvermögen;
die Fähigkeit, Aufgaben schnell zu lösen;
die Begabung, Muster in Strukturen und Beziehungen zu erkennen;
die Fähigkeit, in unbekannten Situationen sich zügig zurechtzufinden.
Die emotionale Intelligenz ist auch eine Intelligenz, bestehend aus der Gabe (einem Potenzial) und Fähigkeiten (erlernte Muster und Algorithmen). Im Vergleich zu der „klassischen“ Intelligenz (IQ) geht es uns jedoch bei dem EQ in erster Linie um Emotionen:
um einen adäquaten Umgang mit eigenen und fremden Emotionen zu finden, um diese realitätsgetreu einzuschätzen, zu beeinflussen und schlussendlich effektiv unsere Ziele zu erreichen.
Somit sprechen wir bei der emotionalen Intelligenz primär von folgenden Fähigkeiten und Kompetenzen:
Empathie (mit emotionalen und kognitiven Elementen)
Motivationsfähigkeit (sich selbst motivieren und andere)
ein emotionales Selbstmanagement (Steh-auf-Männchen/-Weibchen-Mentalität, Resilienz)
Taktgefühl
Konflikt- und Beziehungsmanagement-Kompetenzen
Emotionale Intelligenz ist, wie wir oben besprochen haben, keine einzelne Eigenschaft oder Fähigkeit, sondern ein ganzes Konstrukt aus einer Reihe von Bestandteilen. Zu einem dieser Bereiche gehören unser genetisches Erbe, unsere Veranlagungen, das „emotionale Haus“, unsere Erstausstattung (die fluide emotionale Intelligenz). Der genetische Anteil ist laut Experten etwa 20-25 % unseres endgültigen EQs. Was und wie wir damit umgehen, hängt schlussendlich ab von:
der pränatalen Entwicklung (der Entwicklung im Mutterleib),
der Umgebung (Kultur, Erziehung, Schulen),
der individuellen Erfahrung und
dem persönlichen Willen (oder Dominanten, s.
Frage 73
).
Abbildung 9. Einflussfaktoren der emotionalen Intelligenz (eigene Darstellung)
Fassen wir noch einmal zusammen, was allgemein zur emotionalen Intelligenz dazugehört:
unsere Fähigkeit, eigene Emotionen wahrzunehmen und korrekt zu identifizieren;
unsere Begabung, fremde Emotionen wahrzunehmen und passend einzuordnen;
unsere Bereitschaft, eigene Emotionen zu beherrschen;
unser Wille und die Kunst, fremde Emotionen zu beeinflussen;
um schlussendlich eigene Ziele effektiv und situationsentsprechend zu erreichen.
Am besten ist dies mithilfe eines Gleichnisses zu verdeutlichen:
Sind wir alle in der Lage, einen Bestseller zu verfassen?
Allem Anschein nach wird sich dies für die meisten von uns als ein äußerst problematisches Unterfangen entpuppen. Eine gewisse Begabung und der „Gottesfunke“ wären bei dieser Unternehmung sicherlich unerlässlich.
Jedoch – wären wir nicht imstande, ein fundiertes, überzeugendes, gut strukturiertes und ausgereiftes Sachbuch zu Papier zu bringen?
Das wäre durchaus realisierbar. Nicht wahr?
Dazu existiert eine Reihe von Techniken, Algorithmen, Kursen und Empfehlungen.
