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Eduard Häfliger

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Beschreibung

Lassen Sie sich meine dritte Kurzgeschichtensammlung nicht entgehen! Ich schildere Ihnen zum Beispiel den erschütternden Fall eines Kammerjägers: Der Bedauernswerte versuchte, sich von seinen achtbeinigen Plagegeistern zu befreien. Oder lesen Sie die Sage vom lärmigen Heer der Wiedergänger, das in Vollmondnächten um eine Burgruine tobt - wahrscheinlich bis auf den heutigen Tag. Auch Wolfsgeheul habe ich eine Erzählung gewidmet - zugegeben eine ziemlich gruselige. Vielleicht interessiert es Sie, wie zwei Reha-Patienten den Austritt aus der Klinik selbst an die Hand nehmen - recht unkonventionell. Was kann schon passieren, wenn Sie einen exotischen Sämling sprossen lassen? Einiges, ob Sie es glauben oder nicht. Wollten Sie schon immer erfahren, ob Sisyphos seinen schweren Stein nach wie vor den Berg hinauf stemmt? Steht bei Ihnen demnächst ein Geburtstagfest an? Dann empfehle ich Ihnen dringend, vorher meine Reportage zu lesen. Und zu guter Letzt serviere ich Ihnen merkwürdige Kriminalfälle. Wie schon in meinen früheren Sammlungen »Ara« und »Soll ihn der Teufel holen« begegnen Ihnen auch diesmal eigenartige Menschen. Mit unsereins haben sie nichts gemeinsam. Oder doch? Stehen sie uns nicht näher, als es zunächst den Anschein macht, wenn wir selbstkritisch sind?

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Seitenzahl: 105

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Eduard Häfliger

Das Paket

und andere merkwürdige Begebenheiten

Zu diesem Buch

Lassen Sie sich meine dritte Kurzgeschichtensammlung nicht entgehen! Ich schildere Ihnen zum Beispiel den erschütternden Fall eines Kammerjägers: Der Bedauernswerte versuchte, sich von seinen achtbeinigen Plagegeistern zu befreien. Oder lesen Sie die Sage vom lärmigen Heer der Wiedergänger, das in Vollmondnächten um eine Burgruine tobt – wahrscheinlich bis auf den heutigen Tag. Auch Wolfsgeheul habe ich eine Erzählung gewidmet – zugegeben eine ziemlich gruselige. Vielleicht interessiert es Sie, wie zwei Reha-Patienten den Austritt aus der Klinik selbst an die Hand genommen haben – recht unkonventionell. Was kann schon passieren, wenn Sie einen exotischen Sämling sprossen lassen? Einiges, ob Sie es glauben oder nicht. Wollten Sie schon immer erfahren, ob Sisyphos seinen schweren Stein nach wie vor den Berg hinauf stemmt? Steht bei Ihnen demnächst ein Geburtstagsfest an? Dann empfehle ich Ihnen dringend, vorher meine Reportage zu lesen. Und zu guter Letzt serviere ich Ihnen merkwürdige Kriminalfälle.

Wie schon in meinen früheren Sammlungen »Ara« und »Soll ihn der Teufel holen« begegnen Ihnen auch diesmal eigenartige Menschen. Mit unsereins haben sie nichts gemeinsam. Oder doch? Stehen sie uns nicht näher, als es zunächst den Anschein macht, wenn wir selbstkritisch sind?

Eduard Häfliger, geboren 1941, hat an der ETH Zürich als Elektroingenieur diplomiert und das Erlernte in schweizerischen und internationalen Konzernen genützt und weiterentwickelt. 1990 hat er sich als Consultant selbstständig gemacht. 2000 hat ihn die Schriftstellerei gepackt. Das Werkverzeichnis befindet sich am Buchende.

Eduard Häfliger

Das Paket

und andere merkwürdige Begebenheiten

Impressum

© 2016 Eduard Häfliger

Umschlag, Illustrationen: Théo Müller

Lektorat: Verena Schneider Müller

Korrektorat: Théo Müller

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback

978-3-7323-5827-4

Hardcover

978-3-7323-5828-1

e-Book

978-3-7323-5829-8

Printed in Germany

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Erkenne selber dich.

Wer sich erkennen kann,

trifft inner sich oft mehr

als einen Menschen an.

Angelus Silesius

Sagenhaft

Die Nacht der Untoten

Eigentlich gab es keinen Grund zum Feiern, schon gar nicht wenn man seine langjährige Angebetete an den besten Freund verloren hatte. Aber dem Polterabend im Ägerital konnte Klaus trotzdem nicht ausweichen.

Dort angekommen, beginnt er seine Enttäuschung ungehemmt in reichlich Bier zu ertränken, etwas das man vom eher Verschlossenen eigentlich nicht kannte. Je mehr er bechert – und das tut er im Übermaß –, umso mehr lässt er sich ins Gelächter und in die Albernheiten seiner Freunde hineinziehen. Als sein Magen mit einem Mal zu revoltieren beginnt, flüchtet er aus der Runde, stürzt hinaus an die frische Luft und übergibt sich. Sogleich stellt sich das Elend über den Verlust seiner Angebeteten wieder ein. Er verzichtet auf die Rückkehr zum Gelage, entscheidet sich für einen französischen Abgang und macht sich zu Fuß auf den langen, einsamen Nachhauseweg durch das Lorzentobel in Richtung Baar. Denn in seinem Vollrausch kann er sich kaum auf den Beinen halten, geschweige denn sein Auto fahren. Und für ein öffentliches Verkehrsmittel ist es schon zu spät.

Unterwegs torkelt er an einer schemenhaften Gestalt vorbei, einem weißhaarigen Greis, dessen Blick ihn noch lange im Rücken sticht. Auch wenn ihm vom sternenklaren Himmel der Vollmond den Weg beleuchtet, so stolpert er dennoch ein übers andere Mal, fällt hin und kommt nur mit Mühe wieder auf die Beine. Die entlaubten Bäume übersieht er, die sich ihm von links und rechts zuneigen, als ob sie ihn stützen wollten. Nicht einmal das ungewöhnlich laute Rauschen der Lorze hört er. Nur das seltsame Aufblitzen von grünem Licht am Nachthimmel nimmt er ab und zu wahr, schiebt aber die Erscheinung seinem Alkoholpegel zu. Vor den Höllgrotten übermannt ihn schließlich die Müdigkeit so sehr, dass er sich gerade noch an einer Sitzbank festklammern kann, auf ihr zusammensinkt und augenblicklich in einen tiefen Schlaf fällt.

Er träumt, dass die Erde um ihn in Bewegung gerät. Eigenartige Geräusche schwellen an und ab. Am Himmel erscheinen Lichtschwaden, die sich wie Vorhänge im Wind bewegen; ihre Farben wechseln zwischen Grün und Blau. Plötzlich entdeckt er, wie sich in unmittelbarer Nähe das Skelett einer ruhelosen Seele aus der Erde löst, dann noch eines und immer mehr. Auch der weißhaarige Alte erscheint wieder. Um ihn herum beginnen die Gerippe einen vertrackten Tanz. Sie winden sich in einer Spirale zum Himmel und ziehen den Greis mit sich hinauf. Dort oben sind die Geräusche inzwischen zu einem grauenhaften Lärm angeschwollen. Denn aus dem Nirgendwo haben sich die bösen Seelen der sagenumwobenen Herren der Wildenburg samt ihrem Gesinde und dem üblen Pack von Rittern zu einem nicht enden wollenden Geisterzug zusammengerottet. Manche galoppieren auf glutroten Pferden, lange Feuerschweife hinter sich herziehend. Das Rasseln von Rüstungen und Klirren der Waffen mischt sich mit Fanfarenstößen und mit dem wüsten Geschrei von Hexen und Teufeln. Das wilde Auf und Ab des Zugs der Untoten lässt im Tobel die Bäume biegen und ächzen, einige drohen zu brechen. Die Lorze ist mittlerweile zu einem reißenden Fluss angeschwollen.

Mit einem Mal bohrt sich der wilde Tross hinein in den Berg und lässt die Felsen wanken. Klaus hört die Geister durch die Gänge der Tropfsteinhöhlen wüten. Als die Horde mit ohrenbetäubendem Getöse wieder herausbricht, schießt sie hinauf zu den Ruinen der Wildenburg, kurvt darum herum, um sich gleich darauf hinunter zu den tosenden Wassern der Lorze zu stürzen. Die Geisterbande rast durch die Bogen und Pfeiler der Tobelbrücken, als ob diese Bauwerke nicht existieren würden.

Unvermittelt geht eine Wandlung durch den Zug. Aus Pferden werden zwei- und vierrädrige Rennkarossen und gepanzerte Vehikel, alles immer noch von höllischem Feuer umgeben. Aus den Wildenburgern ist neuzeitliches Gesindel geworden, korrupte Politiker vielleicht oder verbrecherische Wirtschaftsbosse und Kriegsherren mit grausamen Fratzen. Ordinäres und aufgetakeltes Frauenpack begleitet sie. Schwerter, Hellebarden und Morgensterne haben sie gegen die unterschiedlichsten Feuerwaffen getauscht, mit denen sie wild um sich ballern. Bassgetriebener Hardrocksound begleitet das höllische Spektakel. Mit irrem Lärm jagt die Geisterbande kreuz und quer durch das Lorzentobel und schwängert die Luft mit bestialischem Gestank von Verbranntem und von Schwefel.

Da löst sich wie ein Todesengel eine Frauengestalt aus dem Zug, stößt hinunter zu dem auf der Bank Liegenden und brennt ihm mit einem glühenden Eisen unbarmherzig ein Feuerzeichen auf die linke Hand. Klaus schreit auf vor Schmerz, aber auch, weil er in der Gestalt seine verlorene Angebetete wiederzuerkennen glaubt. Im selben Augenblick erwacht er und der teuflische Spuk ist vorbei. Er sinkt in einen traumlosen Schlaf, der ihn vom Albdruck erlöst.

Am frühen Morgen wecken die ersten Sonnenstrahlen den Trunkenbold auf. Klaus fühlt sich, als ob er gerädert worden wäre. Immer noch liegt Brand- und Schwefelgeruch in der Luft. Das höllisch schmerzende Brandzeichen auf seiner Linken sagt ihm, dass das Erlebte wohl mehr als nur ein Spuk war. Mühsam rappelt er sich auf und macht sich auf das letzte Stück Nachhauseweg.

Tage und Wochen dauert es, bis Klaus vom Erlebten zu erzählen wagt. Das Brandmal an seiner Hand verbirgt er mit einem unauffälligen Verband. Er traut sich nicht, es zu zeigen. Stets ernten seine Erzählungen schadenfrohes Gelächter. Nur Trunkenbolden wie ihm können so irre Träume widerfahren, frotzeln seine Freunde.

Als man ihn in einer Wirtshausrunde wieder einmal auslacht, klopft ihm unversehens ein greiser Mann auf die Schulter. Klaus dreht sich zu ihm um. Der Alte, der ihm irgendwie bekannt vorkommt, bittet ihn, ihm zu einem freien Tisch zu folgen. Eine Weile mustert er Klaus schweigend. Schließlich fordert er Klaus auf, den Albtraum in allen Einzelheiten zu schildern. Am Ende will er auch das Feuerzeichen sehen. Dann blickt er dem jungen Mann ernst in die Augen und beginnt zu erzählen:

»Von meinen Urahnen ist überliefert, dass sich – selten genug – in gewissen Nächten Unheimliches begibt, besonders wenn bei außerordentlichem Spätherbst- oder Winterwetter das Nordlicht bis in unsere Breitengrade vordringt. Man sagt, dass dies nichts Gutes verheiße, ja sogar auf bevorstehende Katastrophen, wie zum Beispiel Krieg, hindeute.

Es ereigne sich bei Vollmond und wolkenlosem Himmel. Auf unerklärliche Weise würden sich aus dem Nichts plötzlich unbändige Stürme entfachen und in Tal und Tobel wüten. Der Wind fege Bäume und Tannen kahl und peitsche so heftig auf sie ein, dass manche unter der Gewalt knickten. Gleichzeitig zögen lichterloh brennende Züge von Untoten mit so fürchterlichem Getöse und Gestank durch die Lüfte, dass längst Verblichene aus der Grabesruhe erwachten und sich den Reitern, Hexen und Vampiren anschlössen.

Was also er, Klaus, im Lorzentobel erlebt habe, sei nicht ungewöhnlich, ereigne sich aber alle ein bis zwei Jahrhunderte höchstens einmal. Das eigenartige Brandzeichen trügen übrigens alle davon, die Zeugen eines solchen Ereignisses geworden waren. Ihr Leben nehme darauf eine unerwartete Wende und mache sie oft zu ruhelosen Einzelgängern.« Nach diesen Worten löst sich der Greis in nichts auf und Klaus findet sich allein am Tisch.

Die Waldsage

Der Reckensteiner Wald ist ein vielfältiges Erholungsgebiet. Ein weit gespanntes Netz von Pfaden bietet abwechslungsreiche Routen für Spaziergänge und für Rundwanderungen. Auch Sportler kommen nicht zu kurz, weder zu Fuß noch auf Bikes. Pfadfinder und andere Jugendgruppen können spannende Abenteuer in Szene setzen. Und für Schulen sind Waldlehrpfade angelegt.

In einem abgeschiedenen Winkel des Waldes lebt eine Greisin. Nur wenige haben sie je zu Gesicht bekommen. Weil sie in Lumpen gekleidet ist und an einem knorrigen Stab geht, glauben einige, dass sie eine Hexe ist, Zauberkräfte besitzt und in Vollmondnächten ein schauerliches Unwesen treibt. Andere aber, die ihr wirklich schon einmal begegnet sind und sogar ein paar Worte mit ihr gewechselt haben, achten sie als eine weise alte Frau. Sie habe eine hohe Achtung vor der Natur, vor allem Lebenden ebenso wie vor lebloser Materie, erzählt man. Sie sehe im Wald ein Heiligtum und fühle sich als dessen Hüterin. Deshalb verwundere es nicht, dass sie plötzlich dort auftauche, wo Bäume gefällt werden oder Jäger dem Wild nachspüren und mit wüsten Flüchen und Bannsprüchen die Frevler verfluche und sich ihnen so in den Weg stelle, dass sie ihr Handwerk nicht mehr ausüben können.

In einer der städtischen Schulen gibt es einen Lehrer, der großen Respekt vor der Waldfrau hat. Er weiß längst, dass sie eine außergewöhnliche Erzählerin ist. Desalb führt er ab und zu seine Schüler auf die große Lichtung mitten im Wald, wo sie mit der Alten zusammentreffen. Das Merkwürdige an diesen Treffen ist, dass er sich mit ihr nicht abzusprechen braucht, weder über den Tag noch über die Stunde. Immer auf dem gleichen Baumstrunk sitzend, erwartet sie den Lehrer und seine Schar zur richtigen Zeit. Haben die Schüler auf dem Weg noch munter geplappert, so verstummen sie stets beim Anblick der Gestalt mit den langen weißen Haaren. Die Alte ist zwar nur in braungraue Lumpen gekleidet – aber dennoch strahlt ihr faltiges Gesicht eine große natürliche Würde aus. Unaufgefordert setzen sich die Kinder im Halbkreis um die Waldfrau und blicken stumm, aber voller Erwartung in zwei gütige Augen. Nur das Frühlingskonzert der Vögel und das Rauschen des Waldes ist noch zu hören. Nach einer Weile hebt die Waldfrau mit magischer Stimme an, zu erzählen.

»Da, wo sich heute Reckensteins Wald wie ein Teppich über die Ebene und Hügel legt, hatten die Gletscher nach der Schmelze eine trostlose Öde hinterlassen. Nur nach und nach vermochten sich zwischen dornigen Sträuchern wenige essbare Gräser und Pflanzen anzusiedeln. In dieser geizigen Natur fristeten zwei junge Menschen ihr karges Leben. Beide waren geächtet und vertrieben worden, weil sie sich den überaus strengen Regeln des Zusammenlebens ihrer Stämme nicht länger beugen mochten.

Tagelang waren sie im Ödland herumgezogen und hatten mit dem Wenigen, das ihnen die Natur bot, Hunger und Durst gestillt. Es war Pamo, der Jäger, der Lesa beim Sammeln von Beeren und Kräutern zuerst entdeckte. Als sie den heranschleichenden Mann plötzlich hinter sich gewahrte, floh sie zu Tode erschrocken. Pamo, sehnig und kraftvoll, holte sie rasch ein und zwang sie zu Boden. Der wütende Kampf zwischen den beiden dauerte so lange, bis die beiden erschöpft aufgaben. Nur langsam wichen Lesas wild flackernden Augen misstrauischen und dennoch neugierigen Blicken. Und da sie schließlich gegenseitig keine Gefahr sehen konnten, ließen sie voneinander ab und nahmen Distanz.

Es war Respekt, der die zum Alleinsein Verurteilten zusammenhielt. Mit der Zeit lernten sie das zu teilen, was sie der Natur an Essbarem abringen konnten. Lesa sammelte Pilze, Beeren, Kräuter und Wurzeln, während Pamo tagsüber mit Pfeil und Bogen