Das Prinzip Waldgarten - Sandra Skala - E-Book

Das Prinzip Waldgarten E-Book

Sandra Skala

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Beschreibung

Dieses Buch wird klimapositiv hergestellt, cradle-to-cradle gedruckt und bleibt plastikfrei unverpackt. Waldgarten klingt nach einem Riesenprojekt? Don't worry, think small: Die Größe spielt dabei keine Rolle, selbst auf deinem Balkon ist ein Mini-Waldgarten möglich. Nimm dir die Kreisläufe der Natur zum Vorbild und gärtnere dich in 7 Schichten zu deinem eigenen Food Forest. Das Beste daran? Mit der Zeit wächst und versorgt sich dein Garten fast von allein. Dann heißt es nur noch: ernten, naschen und die unglaubliche Vielfalt bewundern, die du da geschaffen hast – let's go, Permakultur! Sandra und Michael Skala liefern praktische Schritt-für-Schritt-Anleitungen und geniale Tipps für dein Waldgarten-Projekt: von der Vision über die Planung und Ausführung bis hin zu Umsetzung, Equipment und Pflege deiner Pflanzen. Also los, Plan aushecken, Fläche designen, Apfelbäume, Himbeersträucher, Thymian und Karotten pflanzen und dabei von der Natur lernen. Von den Baumkronen bis tief in die Erde verwurzelt: Multifunktionaler Lebensraum für alle In deinem Waldgarten tummelt sich bald die ganze Crowd und rockt als eingespieltes Ökosystem den Garten. Denn: Dein Waldgarten stellt nicht nur ein Catering aus knackigem Gemüse, Obst, Beeren, frischen Salaten, Kräutern und Nüssen – sondern ist gleichzeitig Schattenspender, Nützlingsparadies und Entspannungsort. Doch es wird noch besser: Herabfallendes Laub wird zum Mulch und die vielen Bodendeckerpflanzen halten den Boden feucht. Das bedeutet: wenig Arbeit, satte Ernte. Und obendrauf speichern die Pflanzen massig CO2, lassen die Vielfalt aufblühen und dienen als Windschutz. Genial, oder? Hier geht's ab – all year long! Damit du dabei noch den Überblick behältst, haben die beiden Autor*innen einen umfassenden Monatskalender zusammengestellt. Ein Konzept für die Zukunft? Definitiv! Das Ökosystem Wald ist ein richtig geniales Vorbild – unglaublich fruchtbar und resilient. Eigenschaften, von denen die industrielle Landwirtschaft nur träumen kann. In diesem Buch entdeckst du eine permakulturelle Gestaltungsmethode, mit der du die Zukunft des Gärtnerns gleich an der Wurzel packst und in dein Stück Erde pflanzt. Also Schaufel raus und losbuddeln! Michael und Sandra Skala halten das nötige Know-how bereit – einfach und für jede*n umsetzbar. Denn egal, ob in deinem Garten, auf dem Balkon oder in der Stadt: Waldgärten tragen zum Schutz des Klimas bei und sind ein regeneratives Konzept für eine lebenswertere Zukunft – im Kleinen und Großen. Schicht für Schicht zum Waldgartenglück Pflanz dich in 7 Schichten zum essbaren Wald-Eldorado: von den Baumkronen bis zu den Wurzelgemüsen in der Erde. Fläche spielt dabei keine Rolle, denn mit den genialen Tipps und Anleitungen der beiden Autor*innen kannst du nach dem Prinzip des Waldes losgärtnern – egal, wo! Mach's dir einfach Denn dein Waldgarten ist ausgeklügelt bis ins Detail … und zwar nach dem Vorbild der Natur. Und: er versorgt sich mit der Zeit quasi selbst. Erschaffe ein perfekt aufeinander abgestimmtes Ökosystem. Und einen Lebensraum für dich und zahlreiche Tiere. Permakultur for future Monokulturen waren gestern. In einem Waldgarten geht es rund, jedes kleinste Fleckchen wird genutzt, vertikal und horizontal. Das bedeutet: Vielfalt deluxe, Biodiversitätsboost, Schatten an heißen Sommertagen – und allerbeste Lebensmittel.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 363

Veröffentlichungsjahr: 2023

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WAS DU IN DIESEM BUCH FINDEST: INHALTSVERZEICHNIS

WILLKOMMEN IM WALDGARTEN: DAS ERWARTET DICH IN DIESEM BUCH

WAS IST DENN EIGENTLICH EIN WALDGARTEN?

Wie ist ein Wald aufgebaut?

Ein ganz normaler Tag in deinem Waldgarten

Wälder: Die beste Filteranlage der Welt

Warum tut Waldbaden so gut?

Wo lässt sich ein Waldgarten umsetzen, und was bringt das?

Eine kleine Zeitreise durch die Waldgarten-Welt

ZEHN FANTASTISCHE GRÜNDE, UM BEI DIR ZU HAUSE EINEN WALDGARTEN ANZULEGEN

1. Deine Umwelt atmet auf

2. Du erntest die allerbesten Lebensmittel

3. Tür auf, Korb dabei, raus in die Naturapotheke

4. Du schaffst Lebensraum für viele Tiere

5. Große Ernten, kleiner Zeitaufwand

6. Vermehre deine Pflanzen und ernte dein eigenes Saatgut

7. Mach’s dir gemütlich mit deinem eigenen Brennholz

8. Dein Waldgarten ist die Quelle für deine eigene Pflanzenkohle

9. Klimaschutz rund um die Uhr

10. Gutes Essen für alle

ALL YOU NEED IS … PERMAKULTUR: DIE GRUNDLAGEN FÜR DEINEN WALDGARTEN

Zurück zum Anfang: Unser erster Waldgarten

Was es zum Loslegen braucht? Mut und Energie

Immer mit der Ruhe: Was du wirklich brauchst – und was nicht

Was heißt eigentlich Permakultur?

Die drei ethischen Prinzipien der Permakultur

Und was heißt „im Einklang mit der Permakultur“?

JETZT GEHT’S LOS: ANALYSIEREN, WAS DAS ZEUG HÄLT

Manchmal hilft nur eins: Ausprobieren

Die Ausgangssituation: Ort und Fläche

Wo, wie, was? Die ersten Schritte in Portugal

Ticktack, die Uhr läuft: Das Zeitmanagement

Wenn Bewegung in den Waldgarten kommt: Ein paar Worte zu Erträgen

Money, money, money: Eine kurze Kostenanalyse

Heiß oder kalt? Die unterschiedlichen Klimazonen

Eins, zwei, drei, vier, fünf: Die Zonenplanung

Sieben Tage Regenwetter? Niederschlag, Temperaturen und Bodenbeschaffenheit

Der Boden der Tatsachen: Die Bodenanalyse bzw. der Bodentest

Back to black? Ein paar Missverständnisse über den Boden

Andere Länder, andere Böden

Waldgarten ohne Tiere? No way

Big Business – oder? Selbstversorgung und Verkauf von eigenem Obst und Gemüse

Alles selbst machen? Unsere Erfahrung mit der Selbstversorgung

Komplett unabhängig – ein kurzer Einblick in unsere Autarkie in Portugal

Von Anfang an dabei: Vorhandene Bäume und Pflanzen

DIE BASICS: ALLES, WAS DU SONST NOCH ZUM START WISSEN MUSST

Safety first: Kein Zaun ist auch keine Lösung

Wenn wir keinen Weg finden, machen wir uns einen: Wege anlegen

Einfach mal frei machen: Lichtungen im Waldgarten

Wasser marsch: Ohne geht’s nicht im Waldgarten

Unser Teichprojekt

Ein Blick in den Werkzeugkasten: Was brauchst du – und was nicht?

Ausnahmen bestätigen die Regel: Nicht alles geht mit Handarbeit

Ein Hochbeet steht im Walde

Aus alt mach neu: Unsere Upcycling-Terrasse

Ein paar einfache DIY-Ideen

Let’s talk about: Obstbaumschnitt, Bokashi, Mulchschichten und Gießränder

Chemie raus – Natur rein: DIY-Dünger

Abfall? Nie gehört, oder: Wie dein Waldgarten einfach alles verwertet

Von oben nach unten: Unsere Kompostkammern

Da ist der Wurm drin – aber welcher eigentlich?

Bock auf Bokashi? Der Fermentations-prozess kurz erklärt

Das ist auf unserem Mist gewachsen: Unsere Bokashi-Toilette

Deine neue beste Freundin: Pflanzenkohle

Bodenaufbereitung: Das kleine Humus-aufbau- und Mulch-ABC

Wer rein darf und wer nicht: Nützlinge fördern und Ernteabstauber raushalten

Lebensräume für tierische Gäste schaffen

DEIN WALDGARTEN: IN SIEBEN SCHICHTEN GEMÜSE, OBST, KRÄUTER, NÜSSE UND BEEREN WACHSEN LASSEN

Die größte WG überhaupt: Der Wald

Schicht 1 | Die großen Bäume: Schau mal rauf in den Himmel

Unser DIY-Nistkastenprojekt

Na, die trauen sich was: Pionierbäume

Schicht 2 | Die Obstbäume: Freche Früchtchen all around

Komm, wir pflanzen einen Baum ... oder sogar einen ganzen Wald

Schicht 3 | Büsche und Sträucher: Jetzt wird’s buschig, beerig, krautig

Ein bisschen tricky: Stickstoffsammler im Waldgarten

Schicht 4 | Kräuter: Gegen alles ist ein Waldgartenkraut gewachsen

Waldgarten auf dem Balkon: Warum nicht?

Ganz schön schön – und nützlich: Warum Blumen unbedingt in den Waldgarten gehören

Schicht 5 | Die Rhizom- und Humusschicht: Back to the roots

Unsere Erfahrungen mit eigenen Kartoffeln

Hamstern, Horten, Haltbarmachen: So hast du lange was von deiner Ernte

Schicht 6 | Die Bodendecker: Zugedeckt und eingepackt

Ready für die Rasen-Revolution?

Schicht 7 | Rank- und Kletterpflanzen: Hoch hinaus, zurück nach oben

Wie läuft das eigentlich mit der Fruchtfolge?

Wer mit wem? Von guter und schlechter Nachbarschaft

Ein paar Pflanzbeispiele: Was passt zu …

Das große Gackern, Brummen, Summen: Tiere in deinem Waldgarten

Mit Vorsicht zu genießen … oder?

Richtig gut vernetzt: Pilze aka die Internetleitung des Waldes

Sie werden so schnell groß: Saatgut und Pflanzenvermehrung

Wie wir unsere Feigen und Johannisbeeren vermehren

Das schwarze Gold: Terra Preta

Mini-Aufwand, Maxi-Wirkung: Microgreens

EINFACH IMMER ERNTEN – DEIN WALDGARTEN MONAT FÜR MONAT

Januar und Februar

März und April

Mai

Juni und Juli

August

September

Oktober und November

Dezember

Erst planen, dann machen

WAS UNS ANTREIBT

SCHNELLE HILFE IM WALDGARTEN-DSCHUNGEL: DIE WICHTIGSTEN BEGRIFFE

WER UNS INSPIRIERT UND WO WIR UNS INFORMIEREN

WILLKOMMEN IM WALDGARTEN: DAS ERWARTET DICH IN DIESEM BUCH

Wie schön, dass du zu unserem Buch gefunden hast – hier erwartet dich unsere geballte Ladung an Wissen und Erfahrungen rund um das Thema Waldgarten.

Was das ist, so ein Waldgarten? Das erklären wir zu Beginn gleich einmal genauer, damit es gar nicht erst zu Missverständnissen kommt. Denn oft werden wir gefragt, ob es hierbei um einen Garten im Wald geht (den man ja eher selten zur Verfügung hat). Nein, die Sache ist schon ein wenig komplexer – und gleichzeitig wieder ganz einfach, denn am Ende geht es vor allem darum, die Natur genau zu beobachten.

Des Weiteren erfährst du, was du alles an Ausrüstung benötigst, damit dein eigener Waldgarten den bestmöglichen Start hinlegen kann. Natürlich nehmen wir dich zusätzlich komplett in die Umsetzung, Gestaltung und Planung mit und gehen Schritt für Schritt die einzelnen Schichten eines Waldgartens mit dir durch.

Was darfst du noch erwarten? Unter anderem jede Menge vielfältige Pflanzbeispiele, interessante Baumvorstellungen und einen konkreten Plan, was du in deinem Waldgarten Monat für Monat erledigen kannst. Auch jede Menge „How-to“-Anleitungen findest du in unserem Buch. Du wirst sehen: Eine Bodenanalyse ist flott umgesetzt, und Jauche zum Düngen herzustellen, ist gar nicht so kompliziert, wie du vielleicht gerade denkst. Das Gleiche gilt für den Obstbaumschnitt, Mulchschichten und die Förderung der einzelnen Nützlinge – all das gehört in einem Waldgarten natürlich auch dazu.

Irgendwann braucht man aber auch mal eine Pause von der Arbeit. Genau für solche Momente haben wir dir zu guter Letzt zahlreiche Anekdoten aus unserem allerersten Waldgarten in Portugal mitgebracht – und darüber, wie wir überhaupt zu all unserem Wissen gekommen sind.

WAS IST DENN EIGENTLICH EIN WALDGARTEN?

Manchmal braucht es einfach Mut. Mut, etwas Neues zu beginnen. Ganz egal, wie schwierig dir die Umstände auch erscheinen. Diese Lektion haben wir jedenfalls auf unserer ganz persönlichen Reise bisher gelernt und können dir fest versprechen: Du kannst noch heute damit anfangen, deinen eigenen Waldgarten zu gestalten.

Aber mal ganz von vorn: Was ist ein Waldgarten? Ganz einfach: Waldgärten – im Englischen auch als „Food Forest“ bekannt – sind eine hocheffiziente, hochproduktive und nachhaltige Art des Lebensmittelanbaus. Sie sind den Prinzipien eines natürlich gewachsenen Waldes nachempfunden. Du brauchst nicht mal ein großes Grundstück, um loszulegen. Dein ganz persönlicher Waldgarten kann schon direkt hinter deiner Balkontür beginnen. Genau deshalb werden Waldgärten auch zunehmend beliebter: Sie lassen selbst auf kleinstem Raum Fülle entstehen, ohne dabei die Natur zu schädigen oder auszubeuten.

WIE IST EIN WALD AUFGEBAUT?

Sehen wir uns einen natürlich wachsenden Wald einmal genauer an: Er besteht aus verschiedenen vertikalen Pflanzenschichten, und kein Fleckchen bleibt ungenutzt. Auf dem Boden finden wir Blätter, Torf, unterschiedliche Pilze, Moos und einige Bodendecker. In der Mitte, auf Brusthöhe, entdecken wir Büsche und Sträucher. Über unseren Köpfen thronen die Baumkronen, durchwachsen von Efeu. Der Aufbau in diese vertikalen Schichten macht eine unglaubliche Vielfalt möglich, die sich gegenseitig ergänzt und beflügelt. In einem Waldgarten legst du genau diese Schichten selbst an und gewinnst ein Stück Autarkie zurück – mit Lebensmitteln, die du magst und gern erntest. Indem du viele unterschiedliche Bäumen und Pflanzen auswählst, legst du ein Ökosystem an, das besser mit extremer Hitze und Kälteperioden zurechtkommt, eine Menge Wasser speichern und einen lebendigen Boden aufbauen kann. Das Beste daran: Je länger dein Waldgarten besteht, desto weniger Arbeit musst du hineinstecken – dank der Prozesse, die die Natur bis ins kleinste Detail selbst ausgetüftelt hat.

Einer deiner wichtigsten Begleiter im Waldgarten? Definitiv ein großer Erntekorb!

EIN GANZ NORMALER TAG IN DEINEM WALDGARTEN

Stell dir einfach mal vor, du gehst vor die Tür und betrittst einen Ort, an dem frisches Obst, reife Beeren, gesunde Pilze, dein eigenes Gemüse und duftende Kräuter nur darauf warten, von dir geerntet zu werden. Alles ist nach deinem individuellen Geschmack angelegt. Das kräftige Grün unterschiedlicher Fruchtbäume, die bunte Wildblumenwiese und das knackige Gemüse lassen deine Sinne schärfer werden. Die glänzenden Pflaumen, die dich noch vor Sonnenaufgang anlachen, sind bald erntereif. Oder? Du pflückst dir schnell eine Frucht zum Probieren. Langsam erwacht der Tag, um dich herum summt und zwitschert es schon.

Du beobachtest eine Biene, die gerade in den Kelch einer Blüte eintaucht, und im Hintergrund ertönt der Weckruf des Hahnes. Fürs Mittagessen gehst du mit einem noch leeren Korb durch deinen Waldgarten, der die besten Nahrungsmittel für dich sprießen lässt und dabei ganz nebenbei noch einen Lebensraum für eine Vielzahl an Tieren schafft, Schatten und einen Platz zum Durchatmen spendet. Ganz nach Lust und Laune packst du frische, knackige und gesunde Lebensmittel in deinen Korb, und on top noch ein paar essbare Blüten – das Auge isst schließlich mit. Nach dem Mittagessen legst du eine Pause in der Hängematte am Teich ein und atmest einfach mal tief durch. Apropos Atmung …

WÄLDER: DIE BESTE FILTERANLAGE DER WELT

Komplett ungefiltert? Unter den Bäumen ist die Luft tatsächlich reiner, denn die Blätter und Nadeln stehen im ständigen Luftstrom und filtern große und kleine Schwebepartikel heraus. Einmal kurz entspannen, die Füße ins weiche Moos oder in den kühlen Bach stecken: Das Eintauchen in dieses Ökosystem senkt das Stresslevel, den Blutdruck, kurbelt das Immunsystem an oder lässt uns noch tiefer durchatmen.

WARUM TUT WALDBADEN SO GUT?

Forscher*innen haben mittlerweile bestätigt, dass wir bei jedem Schritt durch den Wald ein Konzentrat an sogenannten Terpenen einatmen. (Viele Quellen zum Weiterlesen findest du im Anhang auf S. 277.) Terpene sind Pflanzenstoffe, die von den Bäumen abstammen. Sie schwirren in der Luft und kommen von Baumstämmen, Blättern, Flechten und aus dem Boden. Schon ein kurzer Spaziergang im Grünen wirkt sich positiv auf den Körper aus.

Wäre es nicht grandios, wenn du dir dieses Feeling dauerhaft mit nach Hause nehmen könntest? Dir einen Ort schaffst, der dich aufleben lässt, in dem das ganze Jahr Gemüse, Obst, Kräuter, Pilze, Blumen in allen Farben und Formen wachsen, sich Tiere tummeln und du mit jedem Schritt spürst, dass es einfach richtig ist, so wie es ist?

Mit einem Waldgarten holst du dir das Prinzip des Waldes in deinen Garten oder sogar auf deinen Balkon. Es geht darum, ein von der Natur inspiriertes Ökosystem anzulegen – und das funktioniert auch, wenn nur wenig Platz ist.

WO LÄSST SICH EIN WALDGARTEN UMSETZEN, UND WAS BRINGT DAS?

Im Grunde genommen ist das überall dort möglich, wo es eine passende Fläche gibt – und Neugierde.

Diese Art von Permakultur-Nahrungsmittelsystem lässt sich in Gärten von jeder Größe integrieren und kann sich zu einem unglaublich lebendigen Ökosystem entwickeln.

Die einzige Voraussetzung ist gute Planung – wenn du Gemüse, Beeren, Nüsse, Bodendecker etc. richtig auswählst, ist ein erfolgreicher Waldgarten sogar auf dem Balkon möglich. Dahinter steckt die Idee, durch minimales Eingreifen mit der Natur zu arbeiten. Wenn du also Pflanzen auswählst, die natürlich zu deinem Standort und den klimatischen Bedingungen passen – und zu deinen kulinarischen Vorlieben –, kann ein gesunder Waldgarten extrem produktiv sein und dir große Ernten einbringen.

In deinem persönlichen Waldgarten kannst du nicht nur deine Hände in lebendige, krümelig-weiche Erde tauchen und üppige Ernten mit nach Hause nehmen. Er ist zusätzlich ein Platz zum Wohlfühlen – für dich, aber auch als Lebensraum für diverse Tiere und Kleinstlebewesen. Insekten übernehmen die Bestäubung, Frösche geben abends ein Quak-Konzert, Vögel halten unliebsamen krabbelnden Besuch fern, Igel machen es sich in herbstlichen Laubhaufen gemütlich …

Dein Waldgarten bietet dir die Gelegenheit, die Natur zu beobachten und von ihr zu lernen. Und: Er kann verbinden, denn Freund*innen und Bekannte kommen sicher gern mal vorbei. Vielleicht lassen sich ja auch die einen oder anderen Samen und Überschüsse miteinander teilen?

EINE KLEINE ZEITREISE DURCH DIE WALDGARTEN-WELT

So oder so ähnlich könnte er aussehen: dein eigener Waldgarten. Bist du bereit, loszulegen?

Und wer hat’s erfunden, die Sache mit den Waldgärten? Das dürften vor Tausenden von Jahren die Jäger*innen und Sammler*innen gewesen sein. Der Wald stellte uns Menschen schon damals Nahrung zur Verfügung, auch Holz war ein wichtiger Rohstoff. Als die Kontinente Afrika, Asien und Amerika kolonisiert wurden, wussten zum Beispiel viele der ersten Kolonist*innen und Anthropolog*innen nicht, dass sie sich mit Waldgärten befassten, die von Menschen geschaffen worden waren. Für die Kolonist*innen sah der Wald aus wie unberührter Urwald.

Heute wissen wir, dass diese frühen, einheimischen Gesellschaften nicht ziellos auf der Suche nach Nahrung umherirrten. Sie wussten ganz genau, welche Gebiete zu welcher Jahreszeit die begehrenswerten Früchte, Knollen und Heilpflanzen produzierten und legten dementsprechend ihre Wanderrouten fest. Während sie sich durch Wald- und Präriegebiete bewegten, förderten sie essbare Pflanzenarten, indem sie ihnen mehr Platz zum Wachsen verschafften und Beikraut entfernten – eine frühe Form der Waldgärtnerei.

Diese Art des Gärtnerns war nachhaltig und gleichzeitig nicht sehr arbeitsintensiv.

Dennoch hatten die gewünschten Pflanzen einen Vorteil gegenüber jenen, die für uns Menschen weniger geeignet waren. Mit anderen Worten, unsere Vorfahren haben schon früh angefangen, das System Wald, welches seit Millionen von Jahren perfekt funktioniert, zu ihrem Vorteil zu nutzen. Das bestehende System wurde weder zerstört noch radikal verändert – es wurden nur einzelne Komponenten ausgetauscht.

Anders als in der modernen Landwirtschaft, wo extreme Abholzung, großflächige Monokulturen, Vergiftungen etc. leider an der Tagesordnung sind.

Dabei wird der Preis, den wir früher und später dafür zahlen müssen, immer offensichtlicher.

Waldgärten rund um die Welt zeigen uns, dass es auch anders geht. Geoff Lawton, ein Permakulturberater, -Designer und -Lehrer, fand etwa in Marokko einen 2000 Jahre alten Waldgarten. Heute bewirtschaften 800 Menschen diese Wüstenoase, die unter anderem Dattelpalmen, Bananen, Oliven, Feigen, Granatäpfel, Guaven, Zitrusfrüchte und Maulbeeren umfasst. In Vietnam wiederum entdeckte Lawton einen 300 Jahre alten Waldgarten, der seit 28 Generationen von derselben Familie bewirtschaftet wird.

Mit diesem alten Wissen können wir also auch heute lebendige, üppige, essbare Waldgärten schaffen, die wenig Pflege benötigen und die wir als Erbe unseren Kindern hinterlassen können.

ZEHN FANTASTISCHE GRÜNDE, UM BEI DIR ZU HAUSE EINEN WALDGARTEN ANZULEGEN

1. DEINE UMWELT ATMET AUF

Die moderne Landwirtschaft hält keine Antwort auf die Frage bereit, wie wir alle Menschen ernähren können. Eine Fläche mit Monokultur zu bepflanzen und sie mit Maschinen, Herbiziden, Pestiziden und Düngemitteln zu bearbeiten, ist sehr ineffizient. Denn: Der Boden ist dadurch der Witterung schutzlos ausgeliefert und anfällig für Erosion. Zusätzlich wird er durch Wind und Regen immer mehr abgetragen.

Durch die intensive Nutzung der Äcker sinkt der Humusanteil im Boden und er wird weniger fruchtbar. Damit trotzdem Pflanzen wachsen, kommt Kunstdünger zum Einsatz. Darunter leiden wiederum Mikroorganismen, die dem Boden helfen, sich zu regenerieren.

Schwere Maschinen und intensive Bearbeitung verdichten die Böden zudem. Sie können kaum noch Wasser aufnehmen und filtern. Stattdessen verschlammt der Boden unter den Wassermengen oder wird abgetragen.

Das Ergebnis:

— Böden verlieren an Fruchtbarkeit und erodieren.

— Wasser und Luft werden verschmutzt.

— Die Artenvielfalt schwindet.

— Der Verbrauch von Energie und Ressourcen steigt.

In einem Waldgarten wird auf gleicher Fläche eine weitaus größere Menge an Lebensmitteln produziert. Denn: Das Prinzip des Waldgartens ist die Produktion nicht nur in der Horizontalen, sondern auch in der Vertikalen. Dadurch wird die Fläche zum Raum.

In einem Waldgarten baust du fruchtbaren Boden auf und sorgst ganz ohne Chemie für mehr Vielfalt. Zusätzlich kann ein Waldgarten die Klimazone im eigenen Garten verändern. Gärten, die nach dem Prinzip des Waldes aufgebaut sind, halten kalte Winde ab und speichern mehr Wärme über Nacht, sodass du es auch mal mit Pflanzen versuchen kannst, die sonst nur in wärmeren Klimazonen wachsen.

2. DU ERNTEST DIE ALLERBESTEN LEBENSMITTEL

Der Waldgarten düngt und erhält sich von selbst. Durch diesen intakten Kreislauf haben die Pflanzen und Bäume, die du dort ansiedelst, die besten Voraussetzungen.

Sie können somit unglaublich viele Mineralien und Nährstoffen aufnehmen. Das bedeutet, dass du nicht nur viele, sondern auch qualitativ sehr hochwertige, geschmacksintensive Lebensmittel ernten kannst.

Alles frisch aus deinem Waldgarten – mehr Geschmack geht einfach nicht.

3. TÜR AUF, KORB DABEI, RAUS IN DIE NATURAPOTHEKE

Schnapp dir deinen Erntekorb und sammle darin alles, was dich gerade anspricht und reif ist. Heilende Kräuter, aromatische Pilze, Nüsse, knackiges Obst und frisches Gemüse warten mit zahlreichen Pflanzeninhaltsstoffen auf und du kannst dir daraus die leckersten Smoothies, Gerichte und Bowls zaubern.

Und das Beste? Du gehst mit den Jahreszeiten, erntest saisonale Produkte und kannst dir deinen eigenen Vorrat an Marmeladen, Chutneys und Saucen anlegen. Das spart weite Transportwege und zusätzlich lange Lieferketten.

4. DU SCHAFFST LEBENSRAUM FÜR VIELE TIERE

In dem Bereich, wo du den Waldgarten anlegst, erhöhst du die Biodiversität und trägst somit sehr viel zum Naturschutz und der Artenvielfalt bei. Du gestaltest unzählige Lebensräume für Insekten, Vogelarten, Amphibien und diverse andere Tiere wie Igel, Eichhörnchen, Marienkäfer und Co.

Diese ganz bunte Truppe spielt im Waldgarten eine entscheidende und wichtige Rolle, indem sie Samen vermehrt, Bereiche säubert, Pflanzen zurückschneidet und für die Bestäubung von Blüten sorgt. Du kannst natürlich auch Nutztiere halten und gewinnst dadurch zusätzliche Lebensmittel wie Eier, Fleisch, Milch und Wolle. Mehr dazu findest du ab Seite 40.

Vom kleinsten Käfer bis zur Hühnertruppe und Co.: Im Waldgarten fühlen sich alle wohl.

5. GROSSE ERNTEN, KLEINER ZEITAUFWAND

Sobald ein Waldgarten seine eigenen Kreisläufe geschaffen hat, muss er nicht jedes Jahr aufs Neue gemulcht und gedüngt werden. Ein etablierter Waldgarten sammelt Sonnenlicht und Stickstoff in seinen Blättern, die dann einmal im Jahr zu Boden fallen und sowohl die Bäume als auch die umliegenden Pflanzen mulchen. Jedes Jahr im Herbst kannst du dieses Schauspiel beobachten.

Das Prinzip folgt wieder jenem des Waldes: Auch dort ist der Boden reich an Humus und Mineralien, ohne dass jemals jemand Kompost oder Mulch aufgetragen hat. Dafür sorgen zahlreiche Tiere mit ihrem Kot. Dieser Prozess kann nach einer Weile auch in deinem Waldgarten stattfinden, je mehr Vielfalt es dort gibt.

Und noch mehr Kreisläufe minimieren deinen Zeitaufwand: Zum Beispiel kannst du in den Baumscheiben nach der Gemüseernte den anfallenden Kompost direkt als Mulch nutzen. Ständiges Umgraben ist damit Geschichte.

Mehrjährige Kräuter, Blumen und Nutzpflanzen vermehren sich zum Teil selbst und du kannst beobachten, wie sich dein Waldgarten jedes Jahr weiterentwickelt.

6. VERMEHRE DEINE PFLANZEN UND ERNTE DEIN EIGENES SAATGUT

Es gibt im Internet tolle Anbieter, und mittlerweile finden auch immer mehr Tauschbörsen statt. Dein eigenes Saatgut zu vermehren, bedeutet Unabhängigkeit: von großen Saatgutherstellern und hybriden Sorten.

Achte beim Kauf von Saatgut schon darauf, dass es sich um samenechtes Biosaatgut handelt. Die Auswahl ist riesig, du kannst spannende neue Sorten entdecken und diese Pflanzen dann selbst vermehren. Wirf dazu einen Blick in die Bezugsquellen auf Seite 278 oder erkundige dich nach Tauschbörsen in deiner Umgebung.

7. MACH’S DIR GEMÜTLICH MIT DEINEM EIGENEN BRENNHOLZ

Ahoi Autarkie: Ein älterer Waldgarten mit einem guten Baumbestand oder mit speziell angepflanztem Nutzholz liefert Holz, mit dem du durch die kalten Wintertage kommst oder etwas gestalten kannst.

Ein Waldgarten darf sich auch verändern, und so kannst du Bäume, die von Stürmen umgeworfen wurden oder die du gezielt aus deinem Waldgarten herausnimmst, um wieder Licht und Platz für andere Pflanzen und Bäume zu schaffen, direkt als Bau- oder Brennholz verarbeiten.

Das kommt dann gleich bei deiner eigens angelegten Feuerstelle zum Einsatz. In der gemütlichen Runde am Lagerfeuer sitzen und ganz nebenbei noch deine eigene Pflanzenkohle herstellen? Immer eine gute Idee, denn die Pflanzenkohle spielt im Waldgarten eine ziemlich wichtige Rolle.

8. DEIN WALDGARTEN IST DIE QUELLE FÜR DEINE EIGENE PFLANZENKOHLE

Überschüssiges Holz, Äste und Schnittgut aller Art kannst du aufsammeln und daraus Pflanzenkohle herstellen.

Sie ist eine tolle Möglichkeit, die Natur noch weiter zu unterstützen. Holzkohle ist nämlich ein Speichermedium und lässt sich als Nährstoffträger in den Boden einbringen. Bist du neugierig geworden? Ab Seite 254 findest du dazu viele Informationen.

9. KLIMASCHUTZ RUND UM DIE UHR

Der Wald speichert sehr viel Kohlenstoff aus der Luft in den Blättern, den Wurzeln und im Holz. Dieser wird nach und nach in den Boden eingearbeitet und somit eingelagert. Der Wald ist ein hervorragender Kohlenstoffspeicher, der die Atmosphäre entlastet. Außerdem bietet der Waldboden den Vorteil, Regenwasser viel leichter zu absorbieren und in tiefer gelegene Schichten ins Grundwasser abzuführen. Der Boden in einem Wald ist sehr durchlässig und offenporig, da die Humusschicht ein schnelles Versickern des Wassers ermöglicht.

Der Wald beeinflusst somit das Klima positiv. Diese Prinzipien kannst du hervorragend übernehmen, um zum Schutz der Umwelt beizutragen.

10. GUTES ESSEN FÜR ALLE

Durch die Fülle an Leben, bunten Farben, verschiedenen Formen, angenehmen Gerüchen und verschiedenen Sinneseindrücken ist der Waldgarten ein Ort zum Leben und Feiern. Dein Waldgarten wird auf Dauer außerdem so viel produzieren, dass du kaum alles selbst essen und verarbeiten kannst. Also, raus damit an Freund*innen und Familie.

Überschüsse kannst du auch an einem Stand an deinem Gartenzaun verteilen, zu Einladungen bringst du selbst gemachte Konfitüre mit, und an warmen Sommerabenden gibt es Backkartoffeln direkt aus dem Lagerfeuer mit Stockbrot und einem Selfmade-Dip aus deinem Garten.

Eines der schönsten Dinge im Waldgarten? Das gute Essen mit allen deinen Lieben teilen!

ALL YOU NEED IS … PERMAKULTUR: DIE GRUNDLAGEN FÜR DEINEN WALDGARTEN

Morgens von der Sonne statt vom Wecker geweckt werden, nur für die eigenen Bedürfnisse arbeiten müssen, Naturgeräusche statt Stadtlärm in den Ohren – wie viele andere Menschen auch wünschten wir uns lange Zeit ein freies, selbstbestimmtes Leben.

Bis wir eines Tages Nägel mit Köpfen machten und in ein Abenteuer aufbrachen, das uns bis heute nachhaltig geprägt hat: unser erster Waldgarten.

Auch, wenn wir das damals noch gar nicht wussten, denn eigentlich fand eher der Waldgarten zu uns als wir zu ihm. Wir: Das sind Sandra und Michael und unsere Kinder, Marvin und Leyla. Aus irgendeinem unserer Waldgärten winken wir dir einmal freundlich mit schmutzigen Händen zu.

Michael und ich, Sandra, sind zwar grundverschieden, aber wir teilen eine Leidenschaft: die Arbeit an unseren Projekten in der Natur. Aus dieser Verbundenheit ist unser kleines Business entstanden. Denn wir gestalten nicht nur für uns Waldgärten. Wir helfen auch anderen interessierten Menschen dabei, ihren ganz persönlichen Waldgarten zu planen.

Neugierig geworden? Dann begleite uns gern ein wenig in unsere Vergangenheit – vielleicht fühlst du dich von uns motiviert und inspiriert. Und dann? Kann es auch schon losgehen mit deinem ganz persönlichen Waldgarten-Projekt.

Wir lieben Waldgärtnern – aber für ein bisschen Spaß muss immer mal Zeit sein!

Zurück zum Anfang: Unser erster Waldgarten

Am Anfang unserer Waldgarten-Reise stand … ein ganz gewöhnlicher Familienurlaub an der Algarve. Endlich hatten wir es geschafft und das Geld zusammengespart.

Wobei: So gewöhnlich war der Urlaub dann doch nicht. Denn schon am zweiten Tag war uns klar, dass wir nicht an das Hotel gebunden sein, sondern Portugal entdecken wollten. Also fuhren wir mit dem Auto los und entdeckten jeden Tag etwas Neues: einsame Buchten, wilde Küsten, malerische Orte …

Es waren zwei Wochen pure Freiheit, in denen uns die Natur komplett in ihren Bann zog.

Bei unserem zweiten Portugal-Urlaub waren wir dann schon ein ganzes Stück schlauer und buchten uns statt eines Hotels direkt eine Unterkunft in einer Ruine, mitten in der Natur.

Dort gab es eine Outdoor-Dusche, eine Komposttoilette unter freiem Himmel und auch sonst fand unser Alltag fast nur draußen statt alles sehr minimalistisch also.

Genau diese Erfahrung war der Wendepunkt für uns:

Wir wollten uns nicht nur im Urlaub so mit der Natur verbunden fühlen, sondern rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr.

Bevor das tatsächlich passieren würde, kam aber, wie so oft, noch mal das Leben dazwischen: Wir zogen mit unserem Sohn Marvin um mitten in ein Häuschen im Wald und machten mit der Geburt unserer Tochter unsere Family komplett.

Der Alltag lenkte uns ab und schließlich fühlten wir uns dort, wo wir lebten, sehr wohl – die Natur war direkt vor unserer Haustür und wir hatten das große Glück, aus einem Stückchen Acker einen Permakulturgarten machen zu können. Doch nach einer Weile wollte sich Michael im Garten mehr ausprobieren, ganzjährig Gemüse pflanzen, mehr Vielfalt … ja, irgendwie war es noch nicht genug Natur für uns. Uns reizte der Gedanke, wie es wohl wäre, komplett bei Null zu beginnen. Ohne Strom. Ohne Wasser. Ohne sicheres Dach über dem Kopf. Ohne Toilette. Dafür aber: ganz viel wir und die Natur.

Was es zum Loslegen braucht? Mut und Energie

Alltag hin oder her – plötzlich war da dieser eine große Gedanke. Er ließ sich zwar nicht wirklich erklären, aber wir wussten, dass es Zeit für den Schritt war: ein Grundstück in Portugal. Und zwar am besten schon gestern.

Gesagt, getan: Unser Grundstück war verhältnismäßig schnell gefunden, auch der Kauf im Januar 2015 verlief reibungslos. Wir verkauften das meiste von unserem Besitz in Deutschland, sparten, wo wir konnten, kündigten alle typischen Sicherheiten, die wir uns bisher so aufgebaut hatten … und flogen Ende Juli 2015 mit einem One-Way-Ticket in Richtung Unabhängigkeit.

Einfach war der Abschied nicht, speziell für unseren Sohn, und die erste Zeit in Portugal das reinste Gefühlschaos: Große Euphorie mischte sich mit der Angst, ob vielleicht alles schiefgehen würde. Immerhin befanden wir uns inmitten von vier Hektar Land voller Staub, ungewohnter Hitze und Gestrüpp. Ohne Haus, ohne Strom, ohne Wasser.

Wir starteten bei null am ersten Tag gab es nicht mal einen freien Fleck Erde, wo wir eine Decke ausbreiten hätten können. Und sagen wir so: Erholsam war die erste Nacht im Zelt nicht gerade …

Doch genau diese Erfahrungen kamen uns später bei der Gestaltung der beiden weiteren Waldgärten in Deutschland und an der Algarve wieder zugute: Wir konnten mit viel mehr Gelassenheit an die Sache herangehen.

Rückblickend können wir sagen: Eine so intensive Zeit mitten in der Natur erleben zu dürfen, hat Marvin, Leyla und auch uns bis heute geprägt.

Knapp sechs Jahre lang lebten wir in Portugal, bis wir uns entschieden, weiterzuziehen und unseren Waldgarten in andere Hände zu übergeben. So ging es im November 2020 für uns gemeinsam als Familie wieder zurück nach Deutschland.

Hier bot sich die tolle Möglichkeit, auf einem Gartengrundstück mit 2400 m2 einen neuen Waldgarten entstehen zu lassen. Diesmal war die ganze Familie mit an Bord: Unsere Eltern, die Großeltern und unsere Kinder machten alle fleißig mit.

Aber tief in unseren Herzen schlug weiterhin die Begeisterung für Portugal … und so wiederholte sich die Geschichte genau sieben Jahre später. Diesmal verliebten wir uns in ein Grundstück an der Algarve und kauften es ziemlich zügig im Dezember 2021.

Heute dürfen wir also bereits zwei Waldgärten in unterschiedlichen Klimazonen begleiten beide werden dir in unserem Buch immer wieder begegnen.

IMMER MIT DER RUHE: WAS DU WIRKLICH BRAUCHST – UND WAS NICHT

Was genau brauchst du jetzt für deinen eigenen Waldgarten? Müssen es gleich vier Hektar sein oder reicht auch ein Balkon aus? Kannst du sofort damit loslegen, mit deinen Händen in der Erde zu wühlen, Pflanzen einzusetzen und vielleicht schon von jetzt auf gleich etwas für die Bienen tun? Welche Geräte oder sogar Maschinen sind nötig? Gibt es überhaupt genug Wasser? Puh – einmal tief durchatmen, beobachten und innehalten.

Gerade am Anfang ist der Jetzt-gleichund-sofort-loslegen-Impuls manchmal sehr groß. Der soll dir natürlich auch auf gar keinen Fall verloren gehen, aber es ist sehr wichtig, kurz die Fakten zu checken und Informationen zu sammeln, um die typischen Anfänger*innenfehler zu vermeiden.

Einen Balkon oder ein Fleckchen Erde braucht es schon, das ist klar. Die Größe ist jedoch nicht ausschlaggebend für Produktivität und Vielfalt. Ob auf einer Wiese, in einem Schrebergarten, in einem Vorgarten, auf einem Feld oder Acker oder im großzügigen Garten rund ums Haus – die Prinzipien des Waldes lassen sich überall anwenden.

Große Maschinen oder gar eine kleine Farm? Alles gar nicht nötig.

Deine wichtigsten Begleiter und die einzige Basis, die du wirklich unbedingt brauchst: Freude am Beobachten, die Neugier, auch mal was auszuprobieren und Vertrauen, sich von der Natur leiten zu lassen.

Gemeinsam gehen wir es Schritt für Schritt an – brechen wir auf zu deinem eigenen Waldgarten und in Richtung Permakultur.

Wir würden uns immer wieder für unsere Waldgärten entscheiden – und helfen dir gerne dabei, deine eigene Waldgarten-Reise zu starten!

WAS HEISST EIGENTLICH PERMAKULTUR?

Die Permakultur ist ein ganzheitliches Gestaltungssystem, mit dem nachhaltige menschliche Siedlungen und Lebensmittelproduktionssysteme möglich werden.

Es ist eine Bewegung, die sich mit umweltbewusster Landnutzung und dem Aufbau stabiler Gemeinschaften durch das harmonische Zusammenspiel von Menschen, Pflanzen, Tieren und der Erde beschäftigt. Nach dieser Definition erfordert das System Permakultur, dass unser Verhalten auf das Wohl des Planeten, der Natur und der Menschen ausgerichtet ist. Vielleicht hast du schon mal die englischen Ausdrücke dafür gehört: Earth Care, People Care und Fair Share.

DIE DREI ETHISCHEN PRINZIPIEN DER PERMAKULTUR

Earth Care: Sorge für die Erde

Die Erde versorgt uns mit allem, was uns am Leben erhält – Luft, Wasser, Nahrung, Unterkunft – und ist die einzige Quelle für diese lebensnotwendigen Dinge. Unser Überleben ist von der Erde und allen lebenden Systemen auf diesem Planeten abhängig.

Es bleibt also logischerweise gar keine andere Wahl, als das Richtige zu tun: sich um das Wohlbefinden der Erde zu kümmern. Denn egal, ob lebendiges oder nicht llebendiges System, ob Tier, Pflanze oder Organismus: Wenn ein Element betroffen ist, hängen wir alle mit drin. Das Leben hängt vom Leben ab.

Wir dürfen die Luft, die wir atmen, nicht verschmutzen, das Wasser, das wir trinken, nicht vergiften und den Boden nicht zerstören, der uns Lebensmittel liefert.

Die Sorge für die Erde bedeutet somit unter anderem, den Boden zu pflegen.

Er ist ein sehr komplexes, lebendiges Ökosystem, das Pflanzenleben fördert. Dieses wiederum unterstützt höhere Organismen und versorgt uns direkt oder indirekt mit Nahrung.

Über die Nahrungsmittelproduktion hinaus sollten wir uns auch um unsere Wälder kümmern, wenn uns etwas an der Versorgung mit sauberer Luft liegt – sie sind die Lunge des Planeten. (Nur mal so nebenbei: Ein Baum speichert pro Jahr ca. 10 kg CO2 in seinem Holz).

Wälder sind zudem untrennbar mit dem Prozess der Regenbildung und dem Wasserkreislauf verbunden. Die Bäume nehmen über ihre Wurzeln Wasser aus dem Boden auf und transportieren es in die Baumkrone, wo es über Spaltöffnungen verdunstet. Auf diese Weise kann ein Baum bis zu 150 l Wasser pro Tag an die Atmosphäre abgeben. Der Wasserdampf steigt mit der warmen Luft hoch in den Himmel. In den höheren Luftschichten kühlt er dann ab, kondensiert – und kommt in Form von Regen wieder runter.

Ganz klar, Wälder spielen also eine Schlüsselrolle bei der Sicherstellung unserer Süßwasserversorgung. Apropos Süßwasser: Sorge für die Erde schließt nicht zuletzt mit ein, sich um unsere Flüsse zu kümmern. Sie lassen das Wasser zirkulieren.

People Care: Sorge für den Menschen

Alle Lebewesen, auch wir Menschen, sind voneinander abhängig und von Natur aus sozial veranlagt. Deswegen ist die „Selbstversorgung“ eigentlich ein Mythos. Bei „People Care“ geht es vielmehr darum, Eigenständigkeit und Verantwortung gegenüber der größeren Gemeinschaft zu fördern – also nicht nur an die eigene Zukunft zu denken.

Aber mal ganz konkret: Was heißt denn nun „Förderung der Eigenständigkeit“?

Der springende Punkt ist es, sich gegenseitig zu unterstützen, indem Wissen und Erfahrungen ausgetauscht werden.

Damit sind wir zurück beim Stichwort „Selbstversorgung“, allerdings mit einer ganz anderen Bedeutung: Es ist schwer, für andere zu sorgen, wenn wir nicht für uns selbst sorgen können. Und es macht keinen Sinn, sich um andere zu kümmern, während man die eigenen Bedürfnisse vernachlässigt. Die Sorge für den Menschen muss also vor allem bei uns selbst beginnen.

Über das individuelle Selbst hinaus erstreckt sich „People Care“ auf den nächsten Kreis von Menschen in unserem Leben: unsere Familien, unsere Nachbar*innen, unsere (lokale) Gemeinschaft – und letztendlich die gesamte Menschheit.

Fair Share: Das Teilen von Überschüssen

Fakt ist: Wir werden mit einer „Ausbeutungsmentalität“ erzogen. Als Beweis reicht schon ein kurzer Blick auf die weltweiten Verbrauchsstatistiken.

Oder in unserem Fall in Portugal auf die unmittelbare Umgebung, wo wir immer wieder die verheerenden Folgen des Anbaus von Monokultur-Plantagen beobachten. Oft handelt es sich nämlich um Monokulturen mit Bäumen, die sehr viel Wasser benötigen. Wasser, das in diesem immer trockener werdenden Land ohnehin ein knappes Gut ist. Und so wird illegal nach Wasser gebohrt – tatsächlich kalkuliert man die Strafen von vornherein schon mit ein. Als wäre das noch nicht genug, werden die entstandenen Arbeitsplätze auf billige Arbeitskräfte aus anderen Ländern abgewälzt. Ein Prinzip, das sich so oder ähnlich leider auf der ganzen Welt findet.

Ungleichheit bei der weltweiten Ressourcenverteilung, Ressourcenverschwendung durch die Industrieländer, ein absolut nicht nachhaltiger Energieverbrauch … keine rosigen Aussichten.

Aber: Diese Mentalität kommt eben nicht automatisch, sondern ist erlernt – das heißt, wir können sie auch wieder verlernen. Wir können nachhaltig leben und vermeiden, die lebendigen Systeme der Erde mit aller Gewalt zu zerstören.

Und wie? Indem wir alles teilen: unsere überschüssigen Produkte, unsere Fähigkeiten, unser Wissen und unsere Erfahrung. Solche Verbindungen zwischen den Menschen tragen zu dem Gefühl einer stabilen, kollaborativen Gemeinschaft bei. Das Stichwort lautet „Fair Share“: Wenn wir nur unseren Anteil nehmen, dann ist genug für alle da – auch in Zukunft. Die Ethik der Permakultur zwingt uns also, persönliche Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen.

Wasser und Wald: das perfekte Team.

UND WAS HEISST „IM EINKLANG MIT DER PERMAKULTUR“?

Die Permakultur basiert auf dem Zusammenspiel des Bodens mit seinen vielen Mikroorganismen. Eine permanente Bodenkultur mit gesundem Humus entsteht, daher der Name.

In der industriellen Landwirtschaft sieht es ganz anders aus – hier werden die wichtigen Bodenorganismen durch Monokulturen und Bodenarbeiten weitgehend zerstört. Die Folgen: Nur noch intensives Düngen und zerstörerische Chemikalien können das Überleben der Pflanzen sichern.

Ein gesunder Boden hingegen erledigt all das von ganz allein. Die Entstehung eines natürlichen Ökosystems macht den Garten widerstandsfähiger gegenüber Insektenbefall, Krankheiten und Veränderungen des Wetters. Einmal angelegt, muss im Prinzip nur noch geerntet und neu gepflanzt werden. Das ist mit viel Handarbeit verbunden, aber der Aufwand wird mit der Zeit weniger. Trotzdem: Dass die Permakultur „Gärtnern für Faule“ ist, können wir nicht unterschreiben.

Immer wieder erreichen uns auch Fragen, ob dieses oder jenes, was wir da machen, denn auch wirklich Permakultur-getreu ist. So war es zum Beispiel, als wir für unsere Hühner Legenester aus gebrauchten Plastikkisten bauten. Auf Social Media hieß es, die Kisten seien aus Plastik, also keine Permakultur.

Unsere Antwort? Oh doch, schließlich geht es in der Permakultur auch darum, ressourcensparend zu handeln. Diese Kisten wurden schon produziert und sollten eigentlich auf den Müll. Da ist es doch sinnvoller, einem bereits existierenden Produkt noch mal die Möglichkeit zu geben, genutzt zu werden. Somit fließt es wieder in einen Kreislauf.

Re-use und DIY-Projekte sind demnach erlaubt, ja sogar erwünscht – und vielleicht ist es eher hinderlich, alles perfekt machen zu wollen. Allzu großer Perfektionismus kann nämlich davon abhalten, überhaupt erst anzufangen.

Mal anpacken, mal ausruhen: Permakultur-Gärtnern ist eine bunte Mischung aus beidem.

JETZT GEHT'S LOS: ANALYSIEREN, WAS DAS ZEUG HÄLT

Zu Beginn ist es ganz wichtig, einen ehrlichen Faktencheck zu machen. Stell dir Fragen wie:

— Wie viel Fläche steht dir zur Bepflanzung zur Verfügung?

— Wie sieht es derzeit am Ort des Geschehens aus?

— Wie viel Zeit möchtest du investieren?

— Wie steht es um Niederschlagsmenge, Begebenheiten der Region und die Bodenbeschaffenheit?

— Ist es möglich, Tiere artgerecht zu halten, und möchtest du überhaupt Tiere haben?

— Hast du vor, dich selbst zu versorgen oder sogar Gemüse zu verkaufen?

Das Grandiose an einem Waldgarten ist, dass er zu Beginn mehr Zeit in Anspruch nimmt, dann aber immer weniger Input von dir braucht – sofern du im Vorfeld gut planst.

Manchmal hilft nur eins: Ausprobieren

Heute ist die gründliche Planung für uns selbstverständlich. 2015 in Portugal war es das allerdings definitiv nicht. Damals ließen wir uns in erster Linie von unserer Intuition leiten und hatten dadurch manchmal doppelte Arbeit. „Learning by doing“ war die Devise – wir mussten keinen Zeitplan einhalten und es war uns gar nicht wirklich bewusst, dass wir da gerade einen Waldgarten gestalteten. Wir hatten den Begriff noch nie gehört.

Ich kann mich noch an einen kurzen, aber sehr lehrreichen Moment erinnern, als wir uns plötzlich komplett überfordert fühlten. Da standen wir, umgeben von vier Hektar Land, und fragten uns: „Wo fangen wir hier nur an?“

Wo finden wir auf einem Grundstück, das die letzten 50 Jahre unbewohnt gewesen war, überhaupt einen geeigneten Platz für unser Haus? Um uns herum ragten Eukalyptusbäume meterhoch in die Luft, Kork- und Steineichen bildeten ein dichtes Blätterdach, Dornen wuchsen bis in die Baumkronen, Steine schmückten überall den Boden …

Ja, in diesem Augenblick hätten wir in den nächsten Flieger steigen und in unsere sichere Komfortzone zurückkrabbeln können. Aber gleichzeitig war es einfach zu faszinierend: So fühlt sich also die Natur an, wenn sie das Einzige ist, was man hört und sieht.

Und dann legten wir einfach los: In Michaels Händen kribbelte es so gewaltig, dass er wie verrückt Löcher buddelte, Wege und Beete anlegte, und sich ständig Gedanken machte, wie, wo, was er pflanzen wollte.

Ein Haufen Erde? Yes, rein mit den Händen!

Michael hatte schon in seiner Kindheit das große Glück gehabt, auf einem Hof in Polen die Natur und ihre Systeme unter die Lupe nehmen zu können. So waren wir in Portugal immer geleitet von seiner Beobachtungsgabe, die ihm sagte, wie unser Garten in Zukunft aussehen sollte. Abends nach getaner Arbeit recherchierte Michael noch viel im Internet über Pflanzbeispiele, wobei er schließlich den Begriff „food forest“ entdeckte.

Auf Youtube erfuhren wir mehr über dieses Prinzip der Lebensmittelproduktion … und auf einmal ergab alles einen Sinn. Eine Kiwi, die an einem Baum hochrankt, darunter Gemüse, bunte Blumen und verschiedene Kräuter – das war Musik in unseren Ohren. „Auf engstem Raum pflanzen? Wasser sparen? Genial, gerade hier im trockenen Alentejo“, dachten wir. Unser Garten war zwar erst ganz frisch angelegt, aber uns fielen schnell schon einige der Waldgarten-Prinzipien auf – und das war erst der Anfang.

Anhand der ganzen Videos konnten wir nur erahnen, was für eine Schatzkiste aus diesem Stück Land in ein paar Jahren werden würde.

Klar, du hast es vermutlich nicht gleich mit vier Hektar Land zu tun. Trotzdem – damit die Überforderung nicht die Oberhand gewinnt, empfehlen wir: Beobachte. Nimm alle Eindrücke auf, die du kriegen kannst. Analysiere, was das Zeug hält. Nimm dir ein Ziel vor – und halte das alles am besten gleich schriftlich fest.

DIE AUSGANGSSITUATION: ORT UND FLÄCHE

Die Orts- und Flächenanalyse ist sehr zeitintensiv und variiert natürlich je nach Größe, die dir zur Verfügung steht. Wir haben deshalb ein paar Punkte zusammengestellt, die dir einen guten Überblick verschaffen, worauf es zu achten gilt:

— Lass die Fläche in Ruhe auf dich wirken. Schließe die Augen und nimm die Geräusche und Gerüche war.

— Schau dir die Höhen, Tiefen, Kurven, Gefälle, Grenzen und Böschungen genau an.

— Bedenke die Lage der Zufahrten, Wege und Tore, ebenso wie eventuell schon vorhandene Zäune und Mauern.

— Ist ein Brunnen mit Wasser, ein Bohrloch, ein Wasseranschluss vorhanden? Gibt es Teiche, Seen, Bachläufe oder sonstige Wasserspeicher?

— Welche Bäume, Sträucher, Pflanzen, Büsche oder vorhandenen Beete, Ackerflächen, Lichtungen gibt es schon vor Ort, und wie ist ihr Zustand?

— Beobachte den Lauf der Sonne – wo geht sie am Morgen auf, wo steht sie am Mittag und wo geht sie abends unter?

— Bestimme die Himmelsrichtungen.

— Überlege dir die Sonneneinstrahlung in den verschiedenen Jahreszeiten.

— Pass genau auf, woher der Wind kommt.

— Welche Gebäude, Wohngebäude, Terrassen oder sonstige überdachten Bereiche gibt es?

— Welche Ressourcen stehen dir zur Verfügung: Steine, Holz, Sand, Kies, organisches Material, Kompost und Dünger?

Notiere dir all deine Beobachtungen, Fakten und Begebenheiten – das erleichtert dir die Planung gleich deutlich.

Achte dabei speziell auf den Maßstab und die Himmelsrichtungen. Du kannst auch viele Fotos und eventuell Drohnenaufnahmen machen. Für uns war das bei jeder Planung sehr hilfreich.

Schadet nie: die ganze Sache mal von oben zu betrachten. Hier siehst du einen Teil unseres Waldgarten-Grundstücks in Deutschland.

Wo, wie, was? Die ersten Schritte in Portugal

Drohnenaufnahmen waren für uns unglaublich hilfreich, um einen Überblick zu bekommen.

Nachdem wir unser Grundstück im Alentejo auf uns hatten wirken lassen, mussten wir irgendwo anfangen. Es war Zeit, sich erst mal mit den örtlichen Gegebenheiten auseinanderzusetzen.

Als Erstes wurden die Grundstücksgrenzen klar von einem Topographen festgelegt.

In Deutschland waren sie für die Fläche des Grundstückes schon im Vorfeld gegeben und auch unser aktuelles Grundstück an der Algarve war vor dem Kauf vermessen worden.

Im Alentejo bestand unser Grundstück aus unterschiedlichen Höhenlagen.

Es gab ein Tal, welches im Winter eher feucht und kalt war – ein optimaler Spot für Apfel-, Kirsch- und Birnbäume, da einige dieser Baumarten Kältestunden benötigen, um zu blühen. Dann wiederum war da ein Südhang, der sich im Sommer ziemlich aufheizte – dank direkter Sonneneinstrahlung und Temperaturen von über 40 Grad.

Dort haben wir dann sogenannte Swales angelegt: kleine Gräben entlang der Keylines, um das Regenwasser im Winter abzubremsen. So konnte das Regenwasser, gerade bei Starkregen, langsam in den Boden einsickern und wurde nicht direkt ins Tal geschwemmt.

Den Südhang bepflanzten wir erst mal nur mit heimischen Pflanzen, denn wir wussten, dass Lavendel, Rosmarin und die heimische Zistrose die Trockenheit gewohnt sind. Später mähten wir diesen Hang dann und ließen das abgemähte Material als Mulch liegen. Nach dem Mähen blieb nur noch der natürliche Bewuchs – alle 5 m – als Hecke stehen.

Nachdem sich die heimischen Pflanzen etwas etabliert hatten, konnten wir in der Hecke weitere heimische Bäume ansiedeln: Kork- und Steineiche sowie Medronho (der heimische Erdbeerbaum). So hatten die Hecken auch die Funktion, das Regenwasser abzubremsen und organisches Material zu produzieren.

Die Wurzeln der Pflanzen bewirkten, dass sich der Boden öffnete und selbst der Morgentau in den Sommermonaten am Stamm runterlaufen und bis zu den Wurzeln fließen konnte.

Wir beschleunigten den Prozess der Humusbildung, indem wir die Hecken regelmäßig stutzten und zwischen den Hecken das mittlerweile aufkommende Gras – ebenfalls als Mulch – an Ort und Stelle einsetzten.

Der Nordhang hingegen war in den Wintermonaten oft kühl und überwiegend schattig. In den Sommermonaten erreichte die Sonne zwar diesen Hang, doch sie stand in einem sehr flachen Winkel zum Boden. Dadurch heizte sich die Erde nicht so stark auf und das Wasser verdunstete nicht so schnell. An diesem Nordhang konnten wir Bäume pflanzen, die schattentolerant waren und keine hohe Sonnenbelastung vertrugen. Wir entschieden uns also für Baumgemeinschaften aus Feigen und Weintrauben.

Es war die perfekte Lösung: Im Winter brauchten die Feigen und Weintrauben kein direktes Sonnenlicht und im Sommer hatten sie gerade genug Sonne für einen guten Fruchtertrag.

So konnten wir auch diesen vermeintlich „komplizierten" Nordhang bepflanzen, indem wir die passenden Baumgemeinschaften nutzten.

Good to know

Feigen haben eine empfindliche Rinde, die bei zu starker Sonneneinstrahlung verbrennen kann. Sie sammeln in den Wintermonaten Wasser und speichern es in den Wurzeln und dem Stamm, um über den heißen Sommer hinweg zu überleben und Früchte zu tragen.

Die Weintrauben pflanzten wir so, dass sie an den Feigen hochranken konnten. Diese Baumgemeinschaft kannst du auch in Deutschland übernehmen, allerdings muss sie dort Richtung Süden gepflanzt werden.

TICKTACK, DIE UHR LÄUFT: DAS ZEITMANAGEMENT

Wie viel Zeit du in und mit deinem Waldgarten verbringen möchtest, hängt ganz klar davon ab, was du von ihm erwartest.

Zu Beginn, in der Pflanz- und Umsetzungsphase, wirst du mehr Zeit investieren müssen.

EIN PAAR WORTE ZUM ZEITAUFWAND …

Vielleicht fragst du dich jetzt, was unter „mehr Zeit“ zu verstehen ist. Sekunden, Minuten, Stunden – geht das nicht genauer? Ehrlicherweise: nein, nicht wirklich, jedenfalls aus unserer Perspektive. Denn natürlich kann man einen Baum in 10 Minuten gießen, schneiden, mulchen oder abernten. Aber wirklich etwas von der Natur gelernt hat man in diesem kurzen Moment nicht.