Das Risiko, du selbst zu sein - Bahar Yilmaz - E-Book
SONDERANGEBOT

Das Risiko, du selbst zu sein E-Book

Bahar Yilmaz

0,0
16,99 €
Niedrigster Preis in 30 Tagen: 16,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.
Mehr erfahren.
  • Herausgeber: Integral
  • Kategorie: Ratgeber
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2022
Beschreibung

Wir wünschen uns wohl alle, dem Ruf unseres Herzens zu folgen, selbstbewusst unsere Wahrheit zu leben und unser inneres Licht zum Strahlen zu bringen – doch dieser Weg birgt viele Risiken. Und so sabotieren wir uns selbst, passen uns lieber an, um von anderen gemocht zu werden, und entschuldigen uns für so vieles, was wir in unserem Innersten sind.
Machen wir endlich Schluss damit! Bahar Yilmaz führt uns heraus aus alten Mustern, Selbstlügen und Abhängigkeiten, hin zu unserem geheimnisvollen innersten Kern. Anhand ihrer eigenen Lebenserfahrungen, kleiner Übungen und Selbstreflexionen zeigt die Bestseller-Autorin, wie wir uns endlich von dem lösen, was uns an unserer Selbstentfaltung hindert – um alle Aspekte unseres ureigenen Wesens zum Erblühen und in die Welt zu bringen.
Ehrlich, aufrüttelnd und berührend: Für alle, die den Mut finden wollen, sich aus Selbstsabotage-Zyklen zu befreien und ihr Leben zu einem wundervollen Abenteuer zu machen!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 293

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Das Buch

Wir wünschen uns wohl alle, dem Ruf unseres Herzens zu folgen, selbstbewusst unsere Wahrheit zu leben und unser inneres Licht zum Strahlen zu bringen. Doch dieser Weg birgt viele Risiken. Und so sabotieren wir uns selbst, passen uns lieber an und entschuldigen uns für so vieles, was wir in unserem Innersten sind. Machen wir endlich Schluss damit!

Bahar Yilmaz führt dich heraus aus alten Mustern, Selbstlügen und Abhängigkeiten, hin zu deinem geheimnisvollen innersten Kern. Ehrlich, aufrüttelnd und berührend zeigt sie, wie du dich endlich von dem löst, was dich an deiner Selbstentfaltung hindert – um alle Aspekte deines ureigenen Wesens zum Erblühen und in die Welt zu bringen.

Der Wegweiser für alle, die sich aus Selbstsabotage-Zyklen befreien und ihr Leben zu einem wundervollen Abenteuer machen wollen!

Bahar Yilmaz

Das Risiko, du selbst zu sein

Wie du wagst, wofür dein Herz sich längst entschieden hat

Der Verlag behält sich die Verwertung der urheberrechtlich geschützten Inhalte dieses Werkes für Zwecke des Text- und Data-Minings nach § 44 b UrhG ausdrücklich vor. Jegliche unbefugte Nutzung ist hiermit ausgeschlossen.

Der Inhalt dieses E-Books ist urheberrechtlich geschützt und enthält technische Sicherungsmaßnahmen gegen unbefugte Nutzung. Die Entfernung dieser Sicherung sowie die Nutzung durch unbefugte Verarbeitung, Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentliche Zugänglichmachung, insbesondere in elektronischer Form, ist untersagt und kann straf- und zivilrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.

Copyright © 2022 by Integral Verlag, München,

in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Straße 28, 81673 München

Alle Rechte sind vorbehalten. Printed in Germany.

Redaktion: Dr. Diane Zilliges

Covergestaltung: Guter Punkt, München, nach einem Konzept von Jeffrey Kastenmüller

Coverfoto: © Anna Heupel

Satz und E-Book Produktion: Satzwerk Huber, Germering

ISBN 978-3-641-29681-0V002

www.Integral-Lotos-Ansata.de

www.facebook.com/Integral.Lotos.Ansata

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Das Risiko, niemals zu finden, wonach du suchst

Unverbunden zu sein kann auch eine Chance darstellen

Der nächste Schritt ist immer ein Risiko

Du willst dich verändern, weil du weißt, dass du es nicht kannst

Das Risiko der Verwundbarkeit

»Ich liebe dich« zu sagen ist riskant

Kreativer Wahnsinn. Das Risiko von Manifestation, Macht und Verantwortung

Leg dein Schicksal in die Hände deines Herzens

Das spirituelle Risiko

Es ist riskant, eine Seele zu besitzen oder sie sich zurückzuholen

Das Risiko, einzigartig und außergewöhnlich zu sein

Du bist mehr … Der vielleicht wichtigste Satz in deinem Leben

Das Risiko der Heilung

Alten Schmerz zu verlieren ist riskant

Das Risiko, sich selbst zu lieben

Wie uns der Wahn der Selbstliebe den Sinn unseres Daseins verfehlen lässt

Das Risiko, »nicht gut genug« zu bleiben

Doch auch »gut genug« zu sein ist riskant

Das Risiko, zu fühlen

Zu viel fühlen oder zu wenig, die emotionale Welt ist gefährlich

Das Risiko, angstfrei zu sein

Warum du das Ziel, ohne Angst zu sein, nicht anstreben solltest

Du musst zu einer Gefahr werden

Liebe das Risiko und zeig einer immer grauer werdenden Welt deine Farben

Der Anfang vom Ende

Über die Autorin

Vorwort

Du leuchtest am hellsten, wenn es dunkel ist. Wenn alles um dich herum zusammenzubrechen droht, wird eine Kraft in dir aktiv, die dem standhalten kann. Etwas längst Vergessenes in dir wird wachgeküsst. Kannst du das glauben? Willst du das glauben?

Ich bin vom Leben an so vielen Stellen enttäuscht worden. Ich hatte den Glauben an etwas Gutes in der Welt und an die Menschen verloren. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich aufgehört hatte, mich dem Wagnis des Lebens zu öffnen. Ich war stumpf geworden, ohne Freude. Eine Totenstille hatte sich in mir ausgebreitet. Und ich will diese Tiefen nicht schönreden. Ich will dich hier, ganz am Anfang unserer gemeinsamen Reise, nicht positiv stimmen. Es tut mir leid, wenn du dir das erhofft hattest. Doch dieses Buch verfolgt eine andere Mission.

Es soll dich nicht motivieren. Es soll dich tiefer bringen. Wenn du es erlaubst, wirst du mithilfe der folgenden Kapitel in deinem Innersten das Geheimnis hinter deinem Wesen finden. Es wird etappenweise dunkel und dann wieder hell werden und manchmal auch beides zugleich. Du wirst aber weder deine lichtvolle noch deine dunkle Seite so wahrnehmen, wie dir die Welt beibrachte, dass sie zu sein haben. Es kursieren so viele perfekt getarnte Lügen über dich, über mich und über uns alle in der Welt. Doch nichts an dir ist »typisch« oder einfach nur hell oder dunkel. Du solltest nichts, was in dir lebt, fürchten, dir aber den Respekt vor dem, was du bist, zurückerobern. Es gab keinen Zeitpunkt in der Menschheitsgeschichte, der mehr danach verlangte, dass du dich der Welt offenbarst und damit aufhörst zurückzuhalten, was mit ihr geteilt werden muss: dein Sein, deine Potenziale, deine Geschichte, dein Herz.

In dir liegt ein Sodalith verborgen: ein Stein, der selbst am dunkelsten Ort unserer Erde, in den Tiefen des Meeres, leuchtet, obwohl niemand solch ein Licht dort erwartet. Er leuchtet nur im Dunklen. Er repräsentiert ein Licht, das zum Vorschein kommt, wenn niemand damit rechnet. Ein tiefes Gefühl von Ankommen und Erfüllt-Sein, das du niemals in den Sternen finden könntest, sondern nur am tiefsten Punkt von dem, was du bist. Wenn du diesen Punkt erreichst, wirst du zu einer Gefahr für alle alten, überholten Konstrukte dieser Welt, die uns unserer grenzenlosen Möglichkeiten berauben wollen. An diesen tiefsten Punkt will dich dieses Buch führen. Es wird keine bequeme Reise, doch vielleicht die wichtigste, die du je unternommen hast.

Wir waren viel zu lange verliebt in die Gedanken an Sicherheit und Schutz und haben unsere Liebe zur Freiheit und zum Abenteuer vergessen. Aber sie lebt noch in uns. Etwas zu wagen, ein Risiko einzugehen, das Gefährliche als Durchbruch zu sehen, das liegt in unserer spirituellen Natur verborgen. Und genau das möchte ich dir beweisen und es dich fühlen lassen.

Wir werden tief tauchen, um hoch fliegen zu können, und das Mysterium, das du bist, offenlegen. Ich kann dir nicht versprechen, dass dir alles, was du in den Tiefen deines Wesens finden wirst, gefallen wird. Es wird nicht deine Probleme lösen und dich oberflächlich gesehen nicht glücklich machen. Es wird eine Tiefe in alles, was du bist und lebst, bringen. Ich glaube, du weißt es noch nicht. Aber ich denke, dass das deine größte Sehnsucht im Leben ist: Tiefe finden.

Unsere Leben sind von Langeweile durchzogen und jede weitere Absicherung, die wir zu erschaffen versuchen, jede Sicherheit, die wir uns versprechen, sorgt nur dafür, dass sich die Wüste unerfüllter Sehnsüchte weiter ausdehnt. Verödend und ausgezehrt vom fehlenden Fluss der Lebensenergie in uns fallen wir früher oder später in ein tiefes Loch und erkennen: Unsere größte Angst ist nicht die vor dem Tod oder vor dem Unbekannten. Es ist die Angst davor, irgendwann feststellen zu müssen, niemals etwas gewagt und den Sinn der eigenen Existenz verfehlt zu haben.

Der Sinn liegt darin verborgen, um jeden noch so hohen Preis sich selbst zu leben.

Zu keinem Zeitpunkt erschien es uns schwerer, wir selbst zu sein. Wir haben uns in die Vorstellung verliebt, ein starkes Mindset zu haben, hoch zu schwingen und inmitten der Stürme des Lebens zum Ruhepol zu werden. Gleichzeitig scheitern wir alle daran. Je mehr wir versuchen, diesen Maßstäben gerecht zu werden, umso schmerzvoller wird die Erfahrung, es nicht zu schaffen. Wir vergleichen uns mit anderen, die es scheinbar gemeistert haben, und wir sabotieren unseren Weg, unsere Gesundheit und unsere Freude. Wir stecken andere mit unserer unkontrollierten Angstenergie an und unsere Zweifel breiten sich wie ein Lauffeuer in unserem gesamten Leben aus. Ich will das nicht. Du auch nicht, oder? Wir müssen die gängigen Wege der Selbstoptimierung infrage stellen. Sie haben nie funktioniert.

An einem Punkt, an dem das Leben wie eine Qualle nicht eingefangen werden kann, an dem es unserer Kontrolle entgleitet, müssen wir selbst zur Dunkelheit des Ozeans werden, indem wir das Risiko des Tiefgangs eingehen. Das Risiko, wir selbst zu sein.

Wir sind alle mit einer spirituellen Intelligenz ausgestattet, die uns exakt aufzeigen kann, was wir brauchen, um aus dem Albtraum der Selbstunterdrückung aufwachen zu können. Dieses Buch soll diese Intelligenz wieder in Kraft setzen. Sie wird dir helfen, all die Zeit und Energie einzusparen, die du für Dinge vergeudet hast, mit denen du nur gefallen wolltest – dir selbst oder anderen. Du ahnst gar nicht, wie viel Gefahr und Risiko darin verborgen liegt, nicht mehr gefallen zu wollen. Daneben wartet darin aber eine mächtige Chance auf dich. Die Chance, keine weitere Sekunde deines Lebens darauf zu verschwenden, nicht du selbst zu sein.

Vielleicht fühlt es sich so an, als müsstest du Ozeane überqueren, um an deinem rohesten Punkt anzukommen. Und vielleicht möchtest du auch, dass es sich so anfühlt. Du fürchtest diesen Weg und schiebst Angst vor, um ihn nicht gehen zu müssen. Du sagst »Ich habe Angst«, obwohl du eigentlich sagen könntest »Ich will nicht«. Wir sind in unseren Leben sehr bequem geworden und diese Bequemlichkeit fordert einen hohen Preis. Den Preis, sich selbst aufzugeben.

Ich will dir sagen: Hol dich wieder zurück. Fordere dich selbst wieder ein. Lande wieder in dir. Die Suche nach etwas, das dich retten soll, wird dann augenblicklich enden. Dein Lebensweg wird gefährlich und riskant werden und nichts könnte dich mehr erfüllen. Du bist gelangweilt davon, den berechenbaren und sicheren Weg zu gehen. Das darfst du dir jetzt eingestehen. Das vorgeschriebene Einmaleins vom Glück und die Floskeln aus Ratgebern fruchten nicht in deinem Leben – und das liegt nicht an dir. Nicht du bist schuld daran, dass all das für dich nicht funktioniert. Es liegt an deiner Essenz: Sie sehnt sich nach dem Ungewissen. Und genau dorthin will dich dieses Buch bringen und vielleicht der Anfang eines der schönsten Abenteuer in deinem Leben werden. Des Abenteuers, von dir selbst ergriffen zu sein und nicht mehr anders zu können, als dich zu leben.

Wo bin ich?

Existiere ich überhaupt?

Welche Rolle spiele ich im Universum?

Den größten Teil meines Lebens bin ich vor diesen Fragen weggerannt.

Die Antworten, die mich hätten erreichen können, haben Panik in mir ausgelöst, obwohl ich sie nicht einmal kannte.

Und jetzt stehe ich da. So sehr überfragt wie nie zuvor.

Nichts, was ich bis heute auf meinem Weg gesehen oder gelernt habe, hat mich ruhiggestellt. Ganz im Gegenteil. Eine Frage wirft die nächste auf.

Ich bin rastlos, ungeduldig und immer auf der Suche.

Ich bin eine universelle Nomadin. Und vielleicht ist das die Antwort auf all meine Fragen. Und das, was dich und mich verbindet.

Danke.

Bahar

Das Risiko, niemals zu finden, wonach du suchst

Unverbunden zu sein kann auch eine Chance darstellen

Als kleines Mädchen hab ich mich immer wieder gefragt, wer ich sein würde, wenn ich groß bin. Wie würde ich aussehen? Wo würde ich arbeiten, wie würde ich sprechen, mich bewegen? Beantworten wollte ich mir diese Fragen lieber nicht. Viele Menschen in meinem Umfeld machten mir Angst, sie machten mir Angst vor der Zukunft. Sie waren so erwachsen, so ernst, so traurig, oft wie ferngesteuert und einfach irgendwie nicht da – und all das wollte ich nicht sein. Mich quälte die Frage: Würde ich auch irgendwann zu so jemandem werden? Ich wollte wie Peter Pan niemals erwachsen werden, weil ich Angst hatte, meine Unberührtheit zu verlieren und mich selbst irgendwann nicht mehr wiederzuerkennen, wenn sich die Welt in den Adern meiner Seele ausgebreitet hätte.

In einer Welt, die schleichend jemanden aus dir machen könnte, der du nicht sein willst, könnte es sicherer sein, immer derselbe Mensch bleiben zu wollen.

Meine größte Angst war die, zu jemandem zu werden, der ich nicht sein wollte. Und exakt das geschah. Das, was wir am meisten fürchten, kann sehr schnell zur Realität werden. Ich weiß nicht, ob es dieses Buch gäbe, wenn ich es nicht geschafft hätte, diese Realität, in der ich mich eines Tages wiederfand, zu durchbrechen und dem Leben ein Stoppschild hinzustellen. Oder vielleicht ist meine jahrelange schmerzvolle Angepasstheit der Grund dafür, dass ich diese Zeilen schreibe. Vielleicht schreibe ich auch aus einem alten Restschmerz heraus, der nur entstehen konnte, weil ich zu lange zögerte, Grenzen zu ziehen.

Wie ist das bei dir? Wo ist dein Stoppschild? Wo sind deine Grenzen? Was tust du für die Unversehrtheit deines Seins und Potenzials? Hast du es schon geschafft, zu einer oder einem »Abtrünnigen« zu werden und dich von all dem abzusondern, was sich zwischen dich und den ungefilterten Ausdruck deines Wesens stellen will? Vielleicht ist die Antwort ja, vielleicht nein. Vielleicht warst du bisher eher darum bemüht, Verbundenheit herzustellen, statt weitere Grenzen zu ziehen. Ich glaube, dass das eine das andere nicht ausschließt.

Wir lesen immer wieder davon, dass wir verbunden sind, eins mit allem auf dieser Erde. Aber vielleicht reden wir uns das auch nur ein, weil wir ernsthaft Mühe haben, es uns selbst zu glauben. In einer Welt, die so viel Spaltung offenbart, scheint die globale Einheit zu einer versteckten Lüge geworden zu sein. Und wir können sie uns nicht eingestehen, weil das schlichtweg zu schmerzvoll wäre. Es zerreißt uns das Herz im Brustkorb, wenn wir erkennen müssten, dass wir getrennt, einsam und manchmal sogar verloren sind. Vielleicht verbirgt sich aber genau dahinter die Chance, zu unserem echten Kern vorzudringen.

Wenn du weißt, dass du in der Welt verloren bist und es dort keinen echten Halt gibt, machst du dich auf die Suche nach einem echten Halt in deinem Inneren. Du musst durch den Schmerz der Einsamkeit hindurchgehen, um zu erkennen, dass du nie wirklich einsam sein kannst.

Der Geschmack von unendlicher kosmischer Verbundenheit liegt uns allen auf der Zunge. Wir werden damit geboren. Er ist lieblich, vertraut und auffangend. Er lässt allerdings im Laufe des Lebens immer mehr nach und wir sind nicht bereit, ihn gehen zu lassen. Wir wollen ihn festhalten, mit weltlichen Dingen reproduzieren und verlieren uns dabei in Gewohnheiten, Gefühlen und Gedanken, die uns in der Vergangenheit festhalten und verhindern sollen, dass wir uns verändern. Wir wollen diesem ursprünglichen Zustand nicht entwachsen. So flüchten wir in die Welt kurzfristiger Bedürfnisbefriedigung, nur um festzustellen, dass wir immer unbefriedigt bleiben werden.

Das Gefühl von seelischer Heimat, das wir aus unserer Zeit vor dem menschlichen Dasein kennen, existiert nicht auf unserer Erde. Das ist keine Bestrafung, sondern eine Aufforderung an uns, in unserem Innersten nach dem Ort zu suchen, an dem wir alles finden können, was unserer tiefsten Sehnsucht entspricht. Lass das mal für einen Moment in dir sacken:

»Das, was ich auf dieser Erde, in anderen und allgemein im Außen suche, existiert dort nicht. Und genau das ist meine Chance.«

Mir diese Wahrheit einzugestehen tat unendlich weh. Ich suchte an so vielen Orten nach diesem Gefühl von Verbundenheit. In toxischen Beziehungen, die mich von außen betrachtet an einen anderen Menschen schweißten, während ich mich so einsam wie noch nie fühlte. Ich suchte in zerstörerischen Essgewohnheiten nach einer Befriedigung der Leere, die unaufhaltsam in mir wuchs, je voller mein Bauch war. Ich flüchtete mich in exzessive spirituelle Praktiken, die mich fast das Leben kosteten, nur damit ich mich für einen kleinen Augenblick in meiner Ganzheit als Mensch fühlen und echte Verbundenheit mit dem Leben spüren konnte. Ich ging auf Reisen in fremde Länder, um vielleicht dort etwas zu finden, das zumindest annähernd so atemberaubend schön und unschuldig war wie dieses Allverbundenheitsgefühl aus meiner Kindheit, das Tag für Tag mehr dahingeschwunden war, ohne dass ich es hatte festhalten können. Wie Sand war es mir durch die Finger geronnen. Ich konnte nichts dagegen tun und mich selbst nicht davor schützen, die Realität zu sehen. Die Realität war: Ich wollte etwas, was es hier nicht gab. Als ich diese Realität viele Jahre später zu akzeptieren begann, ließ ich mich auf das Leben ein. Was blieb mir auch anderes übrig? Ich war nun mal am Leben und irgendetwas dort draußen hatte entschieden, dass ich existieren muss und darf.

Und genauso ist es bei dir.

Ich will dich, wenn du es mir erlaubst, von dieser Suche befreien, von der du tief in dir weißt, dass sie zu keinem Ziel führen wird. Du ahnst wahrscheinlich nicht, wie viel Gelassenheit und Befreiung das in dir auslösen wird. Du bist vielleicht, so wie ich vor einiger Zeit, am Ende mit deiner Energie und kannst nicht mehr vor der Welt und ihren Herausforderungen flüchten. Was du aber tatsächlich beenden musst, ist die Flucht vor dir selbst. Es gibt keinen Ort, an dem du nicht immer wieder auf dich selbst treffen wirst. Also warum noch weiter rennen? Lass uns einen Stopp machen, tief durchatmen und alles einfrieren. Nur für einen Moment. Die Zeit stillstehen lassen und der Flucht ein Ende setzen. Das ist der Ausgangspunkt unserer gemeinsamen Reise. Von hier aus treten wir in ein ganz neues Territorium spiritueller und persönlicher Entfaltung ein. Ich weiß, manchmal wird dir dieses Territorium wie ein emotionales Mienenfeld vorkommen, manchmal wie Treibsand, der dich verschlucken will. Manchmal wie ein Wüstensturm, der dir den Atem und die Sicht raubt. Aber wisse: Auf dieser Reise wird es immer eine Hand geben, die nach deiner greift und dich nicht loslässt. Beispielsweise meine Hand.

Es gibt ein Risiko im Leben. Das Risiko, niemals das zu finden, wonach du suchst.

Vielleicht ist das, was du suchst, echte Verbindung zu dir selbst und anderen. Es besteht ein Risiko, dass du dein Leben lang, obwohl du von Menschen umgeben bist, einsam und unverbunden bleiben wirst. Wir wollen dieser Wahrheit nicht in die Augen blicken. Wir wollen nur die Chancen und die Wunder im Leben sehen und missverstehen dabei etwas Grundsätzliches. Wenn du voll und ganz dieses Risiko akzeptierst, siehst und als Teil des irdischen Spiels betrachtest, entstehen von allein Chancen, Wunder und Segnungen.

Risiko akzeptieren – wie geht das?

Auf diese Frage kann ich dir gleich fünf Antworten geben.

Erstens: Du weißt, wie es geht. Der Beweis dafür ist deine Existenz. Vielleicht ist dir das heute nicht bewusst, aber auf einer seelisch-spirituellen Ebene hast du dich vor deiner Geburt für das Risiko Leben voll und ganz entschieden. Nicht halbherzig und erzwungen, sondern aus einem großen freiwilligen Ja heraus. Du wusstest, dass das Leben auf der Erde eine kostbare Chance für dich sein wird, über dich hinauszuwachsen, und trotz aller Unsicherheit, die dich hier erwartet, hast du dich in dieses Abenteuer gestürzt. Auf bewusster Ebene kannst du das heute nicht mehr greifen. Ganz im Gegenteil: Du hast von deinem Umfeld gelernt, risikoscheu zu leben. Das ist uns allen passiert, weil unsere Gesellschaft Mut und Abenteuerlust vergessen hat. Du bist davon sehr wahrscheinlich nicht verschont geblieben. Mit jedem der folgenden Kapitel möchte ich dir etwas mehr diese Lust auf Gefahr und Risiko zurückgeben. Es wird dir dann sehr leichtfallen, deinem Herzen zu folgen. Denn dein Herz hat sich längst für das Abenteuer entschieden.

Zweitens: Ein Risiko zu akzeptieren verlangt eine Vorauszahlung von deiner Seite. Du musst auf das Konto »Vertrauen in mich und das Leben« etwas einzahlen, um im Nachhinein die Beweise zu erschaffen, dass das Leben immer auf deiner Seite sein wird. Du musst bereits jetzt vertrauen, obwohl du es nicht kannst. Ich bin damals das Risiko eingegangen, auf der Straße zu landen, nachdem ich meinen geregelten Job gekündigt hatte und in die Schweiz ausgewandert war. Ich habe mit diesem Schritt eine Einzahlung getätigt und ein Signal ins Universum ausgesendet: »Trotz meiner Zweifel, Unsicherheiten und Ängste gehe ich das Wagnis ein zu scheitern.« Ein solches Signal ist befreiend. Es ist vor allem auch eine Ansage an dich selbst. Du nimmst vorab das Scheitern und Fallen in Kauf. Was auch immer passieren kann, wird passieren. Whatever it takes. Du stürzt dich mitten ins tosende Meer und gibst dich hin.

Du kannst das Leben nicht dazu zwingen, dir zu beweisen, dass du sicher und geschützt bist.

Vielleicht möchtest du das aber und bleibst einfach so lange in der Warteposition, bis du grünes Licht bekommst. Möglicherweise wirst du irgendwann eine Situation als grünes Licht interpretieren, aber es könnte zu spät sein. Du hast schlichtweg zu lange gewartet, deine Willenskraft ist verblasst und dein Entscheidungsfeuer verglüht.

Vielleicht befindest du dich aktuell genau dort. Das ist aber nicht das Ende deiner Reise. Du stehst jetzt an der Schwelle. An der Schwelle zu einer ganz neuen Erfahrung deiner Existenz. Also lass uns das mal festhalten. Du kannst das Leben nicht erpressen und von ihm fordern: »Zeige mir, dass ich dir vertrauen kann, und dann gehe ich das Risiko des nächsten Schrittes ein.« Es läuft genau andersrum: »Ich gehe das Risiko ein, bevor du mir grünes Licht gibst. Ich zahle jetzt ein, auch wenn ich nicht weiß, welches Ergebnis auf mich wartet und ob mein Weg fruchten wird.«

Drittens: Je schneller du damit beginnst, kleine Risiken im Leben einzugehen, umso besser. So lädst du auf der einen Seite dieses Vertrauenskonto auf und auf der anderen Seite lernst du, Risiken zu wagen. Du gehst immer dann ein Risiko ein, wenn du nicht weißt, ob etwas gut ausgeht oder nicht, ob die Sache deinen Erwartungen entsprechen wird oder nicht. Und noch viel wichtiger: wenn du nicht weißt, ob dieser mutige und riskante Schritt deinerseits auf Ablehnung und Gegenwind stoßen wird.

Aber wir fangen erst einmal klein an. Kleine Risiken könnten sein, morgens mal das Frühstück ausfallen zu lassen und stattdessen zu meditieren. Alltägliche Routinen zu durchbrechen. Die Möbel umzustellen. Einen anderen Weg in die Arbeit zu nehmen. Dich bei einer Freundin zu melden, die du zu lange vertröstet hast, obwohl du Angst hast, dass sie böse auf dich sein könnte. Statt Kaffee Tee zu trinken. Wenn du Lust hast, mach dir eine Liste von Risiken, die du eingehen möchtest, und nimm dir vor, jeden Tag mindestens drei Dinge zu riskieren. Es muss wirklich nichts Weltbewegendes sein. Wir starten klein, um uns selbst auf den Geschmack des Risikos zu bringen.

Eine kleine Warnung vorab: Sei nicht erschrocken darüber, wenn sogar ganz kleine Dinge, die du änderst, von deinem engsten Umfeld kritisiert werden und es zum Beispiel deinem Partner nicht passt, dass du auf einmal dein Frühstück auslässt. Es kann Menschen in deinem Umfeld Angst machen, dich in deiner mutigen und risikofreudigen Version zu erleben oder schlichtweg auch »nur« in einer veränderten Version. Verlustängste und Selbstvorwürfe könnten in dem anderen wach werden – dazu aber später mehr. Für den Moment ist es wichtig, dass du diese kleinen Änderungen durchziehst, auch wenn Kritik oder Ablehnung aufleuchten. Erkläre den anderen deinen inneren Beweggrund und bitte um Unterstützung. Es geht um deine Selbstentfaltung. Du machst deine Schritte – und was von dort aus dann geschieht, ist nicht dein Business.

Dieses Buch hält bereits jetzt auf diesen ersten Seiten eine starke Botschaft für dich bereit: Wenn du das Risiko eingehen willst, du selbst zu sein, geht es nicht darum, aus übertriebener Rücksicht auf andere dein Feuer und deine Lebenslust einzudämmen. Du kannst den »Schongang« in deinen Beziehungen auf Pause setzen, was nicht heißt, dass du nicht mehr fürsorglich sein darfst.

In diesem Moment der Rückeroberung deines Mutes und deiner Risikofreude muss in deinem Leben etwas anderes als die anderen Priorität haben. Und zwar du.

Ich weiß, für ein tendenziell spirituelles Buch ist so eine Aussage eher ungewöhnlich. Vielleicht ist es aber genau das, was es so spirituell macht. Ich werde auch in den weiteren Kapiteln an keiner Stelle von dir Aufopferung fordern, auch wenn du sie vielleicht immer noch von dir selbst verlangst. Ich bin der absoluten Überzeugung, dass du, ich, wir alle dieses Spiel schon zu lange gespielt haben. Dich in die zweite, dritte oder vielleicht sogar letzte Reihe deines Lebens zu stellen hat dir rein gar nichts gebracht, wenn du ehrlich zu dir selbst bist. Du hast es vielleicht gar nicht wegen der anderen gemacht, sondern wegen dir. Du hast dir unbewusst versprochen, dass die anderen dich mehr lieben und anerkennen würden, wenn du demütig im Hintergrund bleibst. Ist das eingetroffen? Meistens nein oder nur kurzfristig, richtig? Und falls doch, wusstest du tief in deinem Inneren, dass du diese Form von Anerkennung auf eine gewisse Art und Weise erpresst hattest. Die anderen standen in deiner Schuld, weil du dich und dein Leben für ihr Glück aufgeopfert hast.

Lass uns jetzt einen anderen Weg einschlagen. Und auch wenn du diesen Satz vielleicht schon häufiger gelesen hast und er dir wie eine Floskel vorkommt – lass ihn heute tiefer landen: Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben. Und du holst dir verloren gegangene Aspekte deines Wesens zurück, indem du deinen neuen Weg der Risikofreude priorisierst. Dich als den wichtigsten Menschen in deinem Leben anzuerkennen bedeutet vor allem auch, dem Teil in dir gegenüber Rücksicht zu nehmen, der sehnsüchtigst nach Gefahr und Abenteuer Ausschau hält und von deinen Selbstgesprächen zu Tode gelangweilt ist. Diesem Teil wirst du es zu verdanken haben, wenn dich wieder Lebensenergie durchströmt. Wie ein wilder Fluss.

Viertens: In der spirituellen Blase, in der ich unterwegs bin und du vielleicht auch, haben wir die Tendenz, Unangenehmes rosa zu färben oder in ein spirituelles Kostüm zu packen. Dann wird Scheitern zu »Erfahrung«, Abhängigkeit zu »Verbindung«, Stagnation zu »Frieden«. Alles erhält einen netten Deckel, damit wir uns ja nicht mal im Ansatz unwohl oder überfordert fühlen oder auf die Idee kommen, genauer hinzuschauen. Diese Tendenz kann uns sehr viel kosten und jemanden aus uns machen, der wir eigentlich tief im Herzen nicht sein wollen. Aus mir beispielsweise hat es einen schreckhaften und gelangweilten Menschen gemacht. Spirituelles Abpuffern der Kanten unseres Wesens und des Lebens macht uns nicht glücklicher. Es macht uns schlichtweg leer, unlebendig, raubt uns Energie und lässt uns träge werden. Alles, worauf unser Herz keine Lust hat, denn es liebt Abenteuer und das Unberechenbare.

Unser Herz will vom Leben gefordert werden, damit es beweisen kann, dass es unzerstörbar ist.

Bist du dabei? Dann lass uns jetzt eine Vereinbarung treffen: Wir versuchen nicht mehr, die Gefahrenkomponente hinter dem Wort »Risiko« zu entfernen. Risiko muss gefährlich sein und bleiben, sonst ist es kein Risiko und bringt in dir rein gar nichts in die Gänge. Es erfüllt ohne die Komponente der Gefahr nicht seinen Zweck. Das Risiko holt aus dir das heraus, was du nie freiwillig aus seinem Versteck lassen würdest. Nicht weil du es nicht willst, sondern weil es Überwindung kosten und dann mit einer intensiven Schubenergie daherkommen würde – und das ist dir schlichtweg zu fremd geworden. Das Risiko wird dich in deine energiegeladene Essenz, deinen rohen und echten Kern katapultieren. In das, wonach du schon dein Leben lang auf der Suche bist.

Fünftens, der vorerst letzte Schritt, wenn es um die Akzeptanz von Risiken geht. Warum denkst du, dass Risiko Schmerz bedeuten könnte? Vielleicht weil du davon ausgehst, dass Risiken Scheitern und Fehler provozieren könnten? Gehst du vielleicht heute keine Risiken mehr ein, weil dir vergangene Erlebnisse beigebracht haben, lieber die Füße stillzuhalten? Meidest du das Risiko, um keinen Scherbenhaufen zu hinterlassen, nur weil du mal mutig und verrückt sein wolltest? Aber: Ist es wirklich so erstrebenswert, wie du denkst, keine Scherben zu riskieren? Hast du schon einmal daran gedacht, auf welch einzigartige Weise sich Licht in Scherben spiegeln kann?

Das sind Fragen, die ich mir immer wieder stelle. Ich ertappe mich bis heute dabei, wie ich versuche, dem Schmerz in mir zu entfliehen. Wir alle tragen schmerzende Stellen in uns, es spielt keine Rolle, woher sie kommen. Sie sind da und Teil unserer menschlichen Erfahrung. Aber warum fällt es uns so schwer, hinter den Schmerz zu blicken und vielleicht eine ganz neue Welt zu betreten, in der Schmerz nicht mehr nur schmerzvoll ist, sondern beispielsweise auch aufweichend und öffnend?

Wie war das bei mir vor vielen Jahren? Der Hunger schmerzte und ich hielt ihn aus. Über Monate hinweg gab es so gut wie nichts zum Essen und es tat weh. Hunger zu erleiden, das durchzog meinen ganzen Körper und mein Bewusstsein. Alles in meinem Kopf drehte sich um das Thema Essen, oder besser gesagt: Nichtessen. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass mein Herz stehen bleibt, weil es einfach keine Kraft mehr hatte und dieser exzessiven Selbstbestrafung nicht mehr standhalten konnte. Dieser Hungerschmerz war mir mehr als willkommen und eine Ablenkung von einem Schmerz, der darunterlag. Dieser Schmerz war wie eine Lawine. Er drohte mich komplett zu verschlingen. Solange ich Hunger litt, spürte ich diesen anderen mächtigen Schmerz in mir nicht, der aus einer einzigen Tatsache resultierte: Einsamkeit und innere Leere. Ich hatte damals das Gefühl, keinen Ort im Leben zu kennen, an dem ich existieren darf. Ich fühlte mich in meiner Beziehung ungesehen, in meiner Tätigkeit als Yoga-Lehrerin unterfordert, in Kontakten zu anderen untergeordnet und schlichtweg unwichtig und ungewollt in der Welt. Das tat weh. Verdammt weh. Ich wollte das nicht spüren, weil ich auch keine Lösung hatte. Die Magersucht und der permanente Hunger schenkten mir eine falsche »Heilung«, eine Ablenkung. Meinen Hunger konnte ich kontrollieren und er war immer für mich da. Der Schmerz der Einsamkeit hingegen war riskant und gefährlich. Ich war nicht bereit, das Risiko einzugehen, meinen Hungerschmerz zu verlieren und mich mit meiner inneren Wunde auseinanderzusetzen. Bis zu dem Tag, als alles zusammenbrach und ich gezwungen war, das Wagnis unsicherer Schritte einzugehen. Dazu später mehr.

Wie ist es bei dir? Was ist deine Fluchtstrategie? Was tust du, um dich von einem alten Schmerz, einer unbequemen Wahrheit oder deiner inneren Rastlosigkeit abzulenken? Wohin flüchtest du, um den Lärm in deinem Kopf nicht hören zu müssen? Stell dir diese Fragen und reflektiere gern einen Moment darüber.

Frage dich auch: Haben diese Strategien funktioniert? Bist du in deine Arbeit geflüchtet und hast dich ins Burn-out manövriert? Hast du dich für andere aufgeopfert, das Zentrum deines Lebens auf deine Familie ausgerichtet und dich selbst dabei vergessen? Vielleicht bist du vor lauter Ablenkungen mit Essen, Shoppen und künstlichen Alltagsdramen in die Falle der Stresssucht getappt. Stress ist das Einzige, was wie ein Beruhigungsmittel für deine Qualen funktioniert. Der daraus erwachsende neue Schmerz muss täglich durch Stress genährt werden, damit er immer dafür herhalten kann, deinen alten Schmerz zu unterdrücken.

Der Schmerz, den wir alle in uns tragen

Ich kenne dich nicht, aber es gibt einen Schmerz, den wir alle in uns tragen und der anderes inneres Leiden nach sich zieht. Das ist der Schmerz der inneren Zerrissenheit und des Selbstverlustes in einer Welt, die sich keine Sekunde für uns zu interessieren scheint. Es tut weh zu wissen, sich selbst auf dem Lebensweg verpasst zu haben. Es tut weh zu spüren, dass man so viele Gelegenheiten gehabt hätte, mutig zu sein, aber dennoch zaghaft geblieben ist. Es tut weh zu fühlen, dass man innerlich hin- und hergerissen ist und dass sich in diese inneren Lücken die Welt eingenistet hat, die uns permanent einredet, wer wir zu sein haben.

Ich kann dir nicht helfen, diesen Schmerz endgültig aufzulösen. Ich verspreche dir auch nicht, dass dieses Buch deine Erlösung sein wird. Aber eins liegt mir vor allem am Herzen: Ich möchte dir helfen, eine ganz neue innere Haltung gegenüber dir selbst und dem Leben einzunehmen, sodass du dich erschreckend intensiv auf den Weg machst und mutiger denn je dein Herz dein Sein regieren lässt. Dein Herz war zu lange auf Stand-by. Das weißt du und du kannst es ändern. Dort setzt dieses Buch an.

Risiko ist vom Aussterben bedroht.

Für alles gibt es mittlerweile eine Versicherung. Für alles im Leben wollen wir eine Garantie. Wir wollen uns festnageln. Wir unterschreiben Verträge, untermauern Liebe mit einem Ehevertrag, kaufen Sachen auf Vorrat, um auf Nummer sicher zu gehen. Wir wollen alles gesetzlich korrekt und schriftlich festhalten, um ja nicht übers Ohr gehauen zu werden. Aber wehe, irgendjemand nimmt uns nur im Ansatz unsere Freiheit weg. Was geschieht denn? Wir nehmen uns selbst permanent die Freiheit weg, indem wir jede noch so kleine unsichere Komponente ausklammern wollen. Ich sage nicht: Schließ keine Versicherungen mehr ab. Ich sage: Hinterfrage die Sucht nach Sicherheit und frage dich, wo sie dich, dein Umfeld und unsere Gesellschaft hingebracht hat.

Du buchst vielleicht eine Abenteuerreise und erhältst vom Reisebüro die perfekte Taktung der Urlaubstage. Schließlich willst du ja wissen, worauf du dich einlässt. Doch wo bleibt dabei das Abenteuer? Ist ein geplantes Abenteuer noch ein Abenteuer? Wenn du weißt, was dich Tag für Tag erwarten wird, auch wenn es nur grob ist, lässt du dich dann wirklich in den Fluss des Lebens hineinfallen? Zu viel Vorbestimmung und Planung nehmen dir die Chance, zum Hauptdarsteller in deinem Lebensfilm zu werden. Stattdessen bleibst du außen vor und siehst dir selbst zu, wie du durch geregelte Bahnen läufst.

Viele Menschen fragen sich, warum sie ihr Leben lang das Gefühl hatten, nicht gelebt zu haben. Vielleicht lag es daran, dass sie ihren Lebensfilm viel mehr gesehen als gelebt haben. Ich habe darauf keine Lust. Und ich weiß, du auch nicht. Aber wir wissen nicht, wie wir einen anderen Weg einschlagen können, weil Risiko in unserer Welt vom Aussterben bedroht ist. Es soll vielleicht auch aussterben, damit wir von uns selbst, aber auch von der Welt »da draußen« leichter zu lenken und zu kontrollieren sind. Wir wollen lieber alles unter Kontrolle haben, als zusehen zu müssen, wie uns Situationen aus den Händen entgleiten, obwohl wir das insgeheim verlockend fänden.

Risiko ist geil

Vielleicht findest du das Wort »geil« an dieser Stelle unpassend und denkst dir, dass es sich hierher verirrt hat. Doch keineswegs. Riskant und unberechenbar zu leben aktiviert deine Lust aufs Leben und die ist auch mit deinen sinnlichen Bedürfnissen verknüpft. Meine langjährige Arbeit am Energiesystem des Menschen hat mir gezeigt, dass sexuelle Energien niemals nur auf den sexuellen Akt an sich limitiert werden dürfen. Wir lassen diese Energien immer dann aktiv werden, wenn wir komplett mit dem Leben verschmelzen und Kontrolle abgeben. Das kann beim Sport sein, beim leidenschaftlichen Kochen, bei kreativer Arbeit, bei spiritueller Arbeit, in Meditationen, durch Atemtechniken oder einfach nur im Kontakt mit Freunden und Familie. Überall dort ist Lebenslust zu finden.

Und genau dort treffen wir jetzt auch den wunden Punkt: So unfassbar viele Menschen spüren keine Lust, keine Freude und keine prickelnde Spannung mehr. Wie viele von uns benötigen immer mehr Input, um überhaupt irgendwas spüren zu können? Diese Wüste der sinnlichen Austrocknung unserer Leben breitet sich Tag für Tag mehr aus und darunter leidet nicht nur unser Herz, sondern auch das triebvoll Menschliche in uns, das ein Bedürfnis hat, sich »auszutoben« und sich sinnlich zu entladen. Wir sind alle zu brav, zu gut erzogen und trauen uns nicht mal mehr, das Natürlichste, was es für uns gibt, zu leben: das Fühlen und das Empfinden von Lust.

Während du diese Zeilen liest, empfindest du vielleicht eine innere Gänsehaut. Ein längst vergrabenes Gefühl, das plötzlich wach wird. Kennst du diese Momente, wo dir ein Geruch aus alten Zeiten in die Nase steigt und du augenblicklich in nostalgische Gefühle zurückfällst, die dann auch alte Bilder aus dem Erinnerungstempel hervorholen? Du wusstest gar nicht mehr, dass du dich daran erinnern kannst. Aber dieser eine Geruch hat etwas Uraltes wieder offengelegt. Vielleicht passiert jetzt exakt das Gleiche. Du erinnerst dich. Der Teil in dir, der lebensintensiv, lustvoll aufgeladen und unberechenbar gefährlich ist, spricht zu dir. Vielleicht noch ganz leise. Aber glaub mir, er wird lauter werden. Lies einfach weiter.

Bitte sperr mich nicht aus deinem Herzen aus.

Versuch für nur einen einzigen Moment, ein anderes Du in mir zu sehen. Eins, das genauso wie du gelacht und geliebt hat. Eins, das genauso wie du geweint und gelitten hat.

Nur für einen einzigen Moment …

Lass uns vergessen, was die Welt uns übereinander glauben lassen will.

Nur für einen einzigen Moment …

Lass uns an diesem Ort treffen, wo es nur dich und mich gibt und wir uns erschöpft und glücklich in die Arme fallen.

Bitte sperr mich nicht aus deinem Herzen aus.

Versuch nur für einen einzigen Moment, mich mit all meiner Menschlichkeit und Unvollkommenheit zu sehen.