Das Schicksal bestimmt unser Sein - Jack M. Cilian - E-Book

Das Schicksal bestimmt unser Sein E-Book

Jack M. Cilian

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Beschreibung

"Ich habe verlernt zu lieben" Penelope hat ihr Herz nach dem Tod ihres Zwillingsbruders Bo zu Stein werden lassen. Jede Nacht teilt sie ihr Bett mit einem anderen Mann, bis eines Tages Bos Tagesbuch auftaucht und ihre Welt damit ins Chaos reißt. Nun ist sie gezwungen der Wahrheit ins Auge zu sehen und begibt sich auf eine ungewisse Reise. nach Australien. Luisa, die jüngste der drei Geschwister führt ein beschauliches Leben mit Mann und Tochter, bis ihre Schwester ihr von Bos Tagebuch erzählt und ihr Leben damit aus allen Fugen gerissen wird. Eine Reise nach der Wahrheit beginnt, in der beide Schwestern einsehen müssen, dass ihr beider Leben auf L+gen erbaut worden ist. Was ist wirklich mit Bo geschehen und hätten sie ihren Bruder womöglich retten könne?

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Seitenzahl: 356

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Jack M. Cilian

Das Schicksal bestimmt unser Sein

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Das Schicksal bestimmt unser Sein

Vorwort

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

5 Jahre zuvor, Irland

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Gegenwart, Bath

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Gegenwart, Australien

Kapitel 21

Gegenwart, Bath

Gegenwart, Australien

Kapitel 22

Gegenwart, York

Kapitel 23

Kapitel 24

Gegenwart, Bath

Kapitel 25

Kapitel 26

Gegenwart, Australien

Gegenwart, Bath

Kapitel 27

Gegenwart, Australien

Vier Jahre zuvor, York

Kapitel 28

Gegenwart, Australien

Fünf Jahre zuvor, Australien

Kapitel 29

Zur selben Zeit, Bath

Zur selben Zeit, Australien

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Fünf Jahre zuvor, Australien

Einige Tage später

Gegenwart, Australien

Kapitel 33

Kapitel 34

Eine Woche später, Australien

Epilog

Gegenwart, Australien

Gegenwart, Australien

Einen Monat später, Bath

Einen Monat später, Australien

Impressum neobooks

Das Schicksal bestimmt unser Sein

Neuauflage: April 2024

Erstauflage Titel: Das Schicksal bestimmt unser Sein

Erstauflage Pseudonym: Jaqueline Mercedes

Copyright Text: © Jack M. Cilian

Cover: Jack M. Cilian

Bildmaterial: www.pixabay.de

Schriftarten: www.1001fonts.com (Zeit Light und 

Vorwort

Das Leben ist zu kurz, um es mit Menschen zu verbringen die wir nicht lieben. Wir sollten jede Sekunde voll auskosten, lachen, leben und die Menschen lieben, die uns guttun.

Dennoch macht jeder von uns genau das Gegenteil. Wir lieben jene, die uns verletzten. Wir verstoßen jene die uns guttun.

Wir lachen weniger. Wir lieben weniger. Wir sind starr, kühl und leblos.

Vielleicht ist es an der Zeit anders zu werden.

Lebe und Liebe, als wäre es dein letzter Tag, denn das Schicksal lauert womöglich schon an der nächsten Ecke und wird alles verändern.

Prolog

Fünf Jahre zuvor

Penelope strich sich das Mehl von der Stirn und versuchte den Teigklumpen, der vor ihr auf der Küchentheke lag, noch zu retten. Immer wieder knetete sie ihre perfekt manikürten Nägel in den Teig und widmete sich mit aller Kraft ihrem Projekt. Ihre Schwester Luisa würde nun lachend neben ihr stehen und die Augen über ihren schwächlichen Versuch verdrehen, aber der Kuchen war schließlich für sie gedacht- als Geburtstagsgeschenk, weshalb ihre Schwester aus ihrem Elternhaus verband, worden war. Lächelnd betrachtete Penelope den Teig und war sich sicher, dass sie ihr Vorhaben mit Bravour meistern würde. Heute war schließlich Luisas einundzwanzigster Geburtstag und ihre Mutter hatte ihre kleine Schwester zum Shoppen mit in die kleine Innenstadt genommen. Heute wurde ihre kleine Schwester volljährig. Penelope hatte alles genaustens geplant, sie hatte Luisas Freunde eingeladen, den Garten mit aberhundert Lichterketten geschmückt, das Buffet für den Abend war in Auftrag gegeben und würde pünktlich geliefert werden. Nun musste sie sich nur noch um den Geburtstagskuchen kümmern, diesen wollte sie aus Prinzip selbst backen und ihn mit Luisas Lieblingsfarbe Rosa dekorieren. Soeben war Penelope sicher, dass der Teig die richtige Konsistenz besaß, als es an der Haustür klingelte. Verwirrt warf sie einen schnellen Blick auf Ihre Armbanduhr, ihre Mutter hatte ihr versprochen erst am späten Nachmittag zurück zu sei, um ihr etwas mehr Zeit für die Vorbereitungen zu geben. Schnell klopfte sie ihre mehligen Hände an ihrer Kochschürze ab, auf der mit großen Buchstaben Cooking Queen stand und eilte eine Etage nach unten, zur Eingangstüre. Kurz warf sie einen Blick durch den Spion und stellte erleichtert fest, dass es sich nicht um ihre Mutter und Schwester handelte. Mit einem freundlichen Lächeln öffnete sie die Tür und sah die beiden fremden Männer höflich an. Auf den ersten Blick wirkten sie wie nette Vertreter, die einen neuen Staubsauger an die Kunden bringen wollten.

„Was kann ich für Sie tun meine Herren?“

Ihre Mutter hatte stets darauf geachtet, dass ihre Töchter die besten Schulen in ganz Main besuchten, sie sagte stets das eine richtige Umgangssprache der Schlüssel zum Erfolg wäre. Penelope gab ihr in gewissen Maße Recht.

Beide Männer zwangen sich zu einem höflichen Nicken, dann holte einer von ihnen eine Visitenkarte aus seiner rechten Hosentasche.

„Ich bin Offizier Malak und das ist mein Kollege Offizier Brain, sind Sie Miss Jones?“

Penelopes freundliche Maske bekam Risse und sie schaffte es lediglich knapp zu nicken. Offizier Malak steckte seine Karte wieder in seine Hosentasche ohne, dass Penelope diese genauer betrachten konnte.

„Wäre es möglich, dass wir einen Moment reinkommen können? Wir müssen ihnen etwas mitteilen und dies würden wir nur ungern zwischen Tür und Angel tun.“ Seine Stimme klang fest und beherrscht, dennoch wich er ihrem Blick gekonnt aus so als würde ihn das schlechte Gewissen plagen. Sein Kollege Brain dagegen schwieg wie ein Grab und hatte die Hände tief in die Hosentaschen seiner ausgebleichten Jeans vergraben. Penelope trat einen Schritt zurück und geleitete die Polizisten dann in den Salon, dort ließ sie sich ganz damenhaft auf die Couch sinken und faltete ihre Hände im Schoß. Die beiden Polizisten blieben stehen und wiesen auch jegliche Nachfragen bezüglich eines Getränks ab.

„Wir müssen ihnen eine traurige Nachricht überbringen. Gestern Nachmittag wurde ihr Bruder Bo tot aufgefunden. Wie es scheint, hat er Selbstmord begangen, was die Kollegen in Australien aber noch genauer ermitteln werden. Wir möchten Ihnen unser aufrichtiges Beileid aussprechen Miss Jones. Wenn sie oder ihre Familie Hilfe bei der Trauerbewältigung brauchen, werden ihnen unsere Kollegen gerne zur Seite stehen.“

Penelope sah wie sich die Lippen von Offizier Malak bewegten, sie hörte die Töne, aber ihr Gehirn wollte die Worte nicht ganz aufnehmen. Ihr Zwillingsbruder Bo befand sich seit einigen Monaten in Australien, er war schon immer gerne auf Reisen gegangen und wollte dort etwas für die Elefanten und Umwelt tun. Er wollte helfen und den Menschen ein besseres Bild von der wirklichen Natur Australiens zu geben. Er liebte die Hitze und begnügte sich mit den einfachsten Dingen. Er war immer glücklich und hatte stets ein Lächeln auf den Lippen, Penelope kannte keinen positiveren Menschen, als ihren Bruder- weshalb hätte er sich umbringen sollen?

Penelope wandte den Blick ab und starrte durch das bodentiefe Fenster hinaus in den Garten. Sie sah die vielen Lichterketten, die Bänke und Tische mit weißen Tischdecken und bunten Geschirr bedeckt waren, sie sah die Blumen, die sie heute Morgen frisch vom Blumenhändler abgeholt hatte und stellte sich vor wie Luisa an ihrem Geburtstag erfahren würde, dass ihr Bruder tot ist. Tot… Penelope merkte nicht wie ihr schwarz vor Augen wurde, sie kippte zur Seite und dachte an nichts mehr.

Kapitel 1

Gegenwart, York

Der Saal hatte sich schnell mit einer Vielzahl von Studenten gefüllt, die alle begierig darauf warteten, dass Penelope mit ihrem Vortrag beginnen würde. Sie stand an ihrem Podium, schüttete sich etwas Wasser in das vor ihr stehendes Glas und trank einen Schluck, nicht aus einem Durstgefühl, sondern eher aus Gewohnheit. Über die letzten fünf Jahre hinweg hatte sie einiges über die Menschen gelernt. Sie verabscheuen Probleme, Kummer und Schmerz. Sie liebten Freude, scheinheilige Gespräche ohne Tiefgang und gute Nachrichten. Es war schwer zu lernen, wen man in traurigen Lebensmomenten noch vertrauen konnte und wem nicht. Heute war sie eine angesehene Professorin für Literaturwissenschaften und unterrichtete an der Yorker Universität. Ihr Studium hatte sie mit Bravour abgeschlossen und das in der Hälfte der gewöhnlichen Zeit. Penelope war ein Arbeitstier, nur so konnte sie mit Verlust und Schmerz umgehen. Ein Blick auf ihre schwarze Armbanduhr zeigte ihr, dass sie schon eine Minute überfällig war und hob den Blick. Ihre Studenten saßen sittsam auf ihren Plätzen und sahen sie erwartungsvoll an, einige wenige waren in einem kurzen Gespräch vertieft, welche sich gleich aber wieder auflösen würden. Penelope stellte das Glas Wasser auf das Podium und strich ihren Hosenanzug gerade, dann hob sie die Stimme und begann mit ihrem Vortrag. Sie hatte die Worte in der letzten schlaflosen Nacht auswendig gelernt und doch schaffte sie es mit ihrer Stimmlage etwas Magisches zu schaffen, jeder im Saal war der festen Überzeugung, dass Penelope aus tiefen Herzen sprach und nicht von einem Stück auswendig gelerntem Papier.

Zwei Stunden später hieß sie die Leerstunden für beendet und trat wieder an ihr Podium, kurz warf sie einen Blick auf ihre Notizen und nickte zufrieden. Sie hatte selbstverständlich nichts vergessen. Perfektion war das einzig stetige in ihrem Leben.

„Miss Jones haben sie noch eine Minute für mich?“, drang die Stimme eines jungen Mannes zu ihr durch. Penelope zwang sich zu einem höflichen Lächeln und nickte ihm zu.

„Selbstverständlich, was kann ich für Sie tun?“

Der junge Mann, ein äußerst attraktiver Student mit wuscheligem blondem Haar lächelte sie kokett an. Er wusste um sein gutes Aussehen und nutze dieses scheinbar schamlos aus.

„Sie sprachen eben davon, dass in jedem Menschen ein Tier schlummert und das viele Autoren dieses Bild in ihre Bücher projektzieren. Wenn dem so ist, weshalb haben Sie uns dann empfohlen selbst zu Stift und Papier zu greifen? Warum sollten wir so etwas Niederträchtiges aufschreiben?“

Penelope empfand seine Frage als äußerst klug und nickte anerkennend. Sie betrachtete ihren Studenten genauer und befand, dass er sich als kurzweiligen Partner eignen würde.

„Dies können wir gerne bei einem Essen genauer besprechen, was meinen Sie?“, gab sie herausfordernd zurück und warf ihr rotblondes Haar gekonnt nach hinten. Penelope wusste, welchen Ruf sie an der Universität genoss. Sie war die Beste, aber vor allem war sie ein Raubtier, das stets auf der Suche nach schöner Ablenkung war. Ihr war es gleichgültig, ob sie mit einem Kollegen, Chef oder Studenten schlief. Sex war für sie ein Ventil, wenn die Erinnerungen an ihren Zwillingsbruder sie überfielen, und gerade heute brauchte sie dringend Ablenkung- heute an seinem Todestag. Ihr Student wirkte im ersten Moment etwas überrumpelt und Penelope schrieb ihn in Gedanken ab, bis er seine Emotionen wieder unter Kontrolle bekam und zustimmend lächelte. Scheinbar hatte er mit Penelopes Angebot nicht gerechnet.

„Dann müssten Sie mich aber Jon nennen.“

Penelope lächelte sündhaft.

„Jon, schon bald wirst du dich nicht mehr an deinen eigenen Namen erinnern können“, gab sie zurück, sammelte ihre Notizen ein und griff nach ihrer Prada Handtasche. Zusammen verließen sie die Universität. Penelope führte Jon zu ihrem Sportwagen und warf ihre Handtasche auf seinen Schoß.

„Hast du etwas dagegen, wenn wir zu Big Burger gehen, das ist mein Lieblingsrestaurant. Ich weiß, dass du eher die gehobene Klasse bevorzugst, aber der Koch ist wirklich talentiert und ich bin am Verhungern“, begann Jon, aber Penelope beugte sich schon vor und küsste ihn stürmisch. Er erstarrte an ihren Lippen, bis er sich gefangen hatte und ihren Kuss erwiderte, dabei ließ Penelope ihre Hände über seinen straffen Oberkörper wandern, bis hin zu seiner Jeanshose. Andeutend strich sie über die sich bildende Beule.

„Ich habe auch Hunger“, hauchte sie an seinen Lippen, löste sich von ihm, setzte sich aufrecht auf den Fahrersitz und startete den Wagen. Ihre Wohnung lag im Stadtzentrum von York, in der obersten Etage, nur wenige Autominuten von der Universität entfernt. Der Portier verließ seinen Posten und kam zu ihrer Fahrerseite, als sie vor dem Haus zum Stehen kam. Er verbeugte sich vor ihr, kommentierte das Erscheinen eines fremden Mannes nicht weiter und nahm den Autoschlüssel an sich. Penelope liebte ihren Portier und schätze ihn um seine bedingungslose Loyalität.

„Vielen Dank“, sagte sie freundlich an ihn gewandt zurück und ging voran, sie wusste das Jon ihr folgen würde. Er war wie all die anderen Männer vor ihm, begierig und jung. Er wollte genauso mit ihr schlafen wie Penelope mit ihm. Die Fahrt hinauf in ihr Apartment zog sich endlos in die Länge, Penelope biss sich unruhig auf die Unterlippe und verdrängte die Bilder, die sie abermals an diesen Tag übermannen wollten. Kurz vor ihrem Vortrag war sie ein Nervenbündel gewesen, nur eine Handvoll Beruhigungsmittel hatten ihr geholfen den Vortrag durchzustehen. Jon neben ihr tippte unruhig mit dem Fuß auf. Sie sah ihn lächelnd an.

„Ist dies dein erster One-Night-Stand?“

Jon hob den Blick und sah sie mit tiefblauen Augen an.

„Wir haben Nachmittag“, gab er sichtlich verwirrt zurück. Penelope liebte diese jugendliche Dummheit. Der Aufzug gab ein Signal von sich und die Türen öffneten sich. Zielsicher zog Penelope den Schlüssel aus ihrer Handtasche, schloss die Tür auf und ging zielsicher ins Schlafzimmer. Sie machte sich nicht die Mühe die schweren Vorhänge zu öffnen, sie brauchte kein Tageslicht, um die Kondome in ihrer Nachttischschublade zu finden. Sie öffnete den seitlichen Reisverschluss ihres Hosenanzugs und entkleidete sich komplett. Jon stand weiterhin im Eingangsbereich, er hatte lediglich die Türe ins Schloss fallen lassen und starrte sie nun mit geöffneter Mund an.

„Schläfst du immer mit deinen Studenten?“, fragte er mit belegter Stimme. Penelope trat nun nackt auf ihn zu und half ihm auf seinem gelben T-Shirt.

„Nur in diesem Moment darfst du mich Penelope nennen, aber Morgen bin ich wieder Miss Jones deine Professorin. Haben wir uns in diesem Punkt verstanden?“

Jon nickte, als sie seine Hose öffnete und ihm beim weiteren Entkleiden half.

„Gut, und um auf deine Frage zurückzukommen- ja ich schlafe öfters mit meinen Studenten und nun hilf mir zu vergessen“, hauchte sie seinen Lippen und küsste ihn. Job erwiderte diesmal schneller den Kuss und zog sie in seine Arme. Penelope genoss das Gefühl von menschlicher Wärme, ließ ihre Hände gekonnt an seinem schlanken Körper nach unten gleiten und strich ihm gekonnt das Kondom über. Jon keuchte auf. Immer noch küssend zog sie ihn zum Bett und ließ sich zusammen mit ihm darauf sinken. Jon machte keine Anstalten den ersten Schritt zu machen, also zog Penelope ihn enger an sich und umschlang seine Hüften mit ihren Beinen. Jon stöhnte an ihren Lippen auf und löste sich von ihr.

„Bist du sicher?“, fragte er unschuldig und machte Penelope damit fast wütend. Sie nickte daher nur und spürte, wie er mit einem festen Stoß in sie hinein glitt. Der Sex war kurz und nicht so explosiv, wie Penelope sich diesen erhofft hatte. Sie vergas Ihre Sorge und Gedanken rund um Bo für einen Moment, bis ihr Handy klingelte.

Kapitel 2

Penelope starrte ihr Handy, welches auf ihrem Nachttisch lag, innerlich erstarrt an, sie erkannte die Nummer auf dem Display und spürte wie das Letzte bisschen Frieden ihren Körper verließ. Jon, der neben ihr lag und immer noch nach Atem rang, bemerkte ihre Veränderung nicht. Er sah nicht wie sie in Tranche aufstand, nach ihrem seidenen Morgenmantel griff, diesen in einer fließenden Bewegung anzog und dann das klingende Handy wie einen Feind anstarrte. Erst als Jon ihr eine Frage stellte und darauf keine Antwort erhielt, erhob er sich ebenfalls aus dem Bett und trat an ihre Seite. Penelope spürte seine verschwitze Hand auf ihrer Schulter und zuckte zusammen. Das Klingeln verstummte, bis es kurz darauf erneut anfing zu schrillen.

„Was ist“, begann Jon, wurde aber von Penelope harsch unterbrochen. Sie drehte sich zu ihm herum und sah ihn emotionslos an.

„Raus, es ist Zeit zu gehen Jon“, gab sie im eisigen Tonfall zurück. Jon zuckte erschrocken zusammen, ließ sich aber nicht beirren und wagte einen Schritt auf sie zu. Penelope bot abwehrend eine Hand und legte diese Jon auf die nackte Brust.

„Kann ich etwas für dich tun?“, drängte er sie fast schon, so als wären sie alte Freunde und Penelope hätte das dringende Bedürfnis sich ihm anzuvertrauen. Wütend entzog sie sich seinem Griff.

„Ich sagte raus“, schrie sie nun fast schon lautstark und ließ Jon damit vor Schreck zusammenzucken. Seine Hand befand sich immer noch in der Schwebe, so als würde er darüber nachdenken sie jeden Moment erneut auf ihre Schulter zu legen, aber irgendetwas hielt ihn davon ab. Scheinbar ihr Anblick, der ihm klar zu verstehen gab, dass es nun besser wäre zu gehen. Jon nickte einen Moment später knapp, sammelte seine Kleidung ein und verließ fluchtartig ihre Wohnung. Erst als die Wohnungstür ins Schloss fiel, konnte Penelope wieder normal atmen. Das Gefühl von Trauer überrannt zu werden wurde übermächtig, ihr Herz schlug schnell und der Sauerstoffgehalt in der Luft war zu gering. Keuchend taumelte sie zu ihrem großen Schlafzimmerfenster, riss die Gardinen zur Seite und öffnete beide Fenster weit. Kühle Luft wirbelte um ihre Haare herum und ließ sie wieder freier atmen, bis ihr Handy zum dritten Mal anfing zu klingeln. Penelope starrte nach draußen, sie betrachtet die Häuser in York und verglich sie mit ihrer Heimatstadt Bath, sie verglich die Wälder, die Flüsse und Wiesen und konnte sich nicht vorstellen je wieder nach Hause zurückzukehren. Sie hatte sich ein Leben in York aufgebaut, sie hatte hart für ihren Job gearbeitet und konnte sich nun jeden Luxus leisten, den sie haben wollte. Nur konnte kein Geld der Welt die Leere in ihrem Herzen füllen, kein Geld der Welt konnte Bos Platz einnehmen. Langsam ließ die Panik nach und Penelope schaffte es sich erschöpft in ihren Lieblingssessel sinken zu lassen, keuchend rang sie nach Atem und verdrängte die Erinnerungen an ihren Bruder. Sie wollte sein Lächeln nicht sehen, sie wollte nicht seine Stimme hören, die sie ermahnte, mehr zu lachen und das Leben zu genießen. Sie wollte Bo vergessen, dies gelang ihr die meiste Zeit auch, bis ihr Handy klingelte und sie wusste das ihre Mutter sie abermals darum bat nach Hause zu kommen, damit sie sich endlich um ihre Schwester und Nichte kümmern konnte. Ihre Mutter selbst hatte sich ein neues Leben im fernen Irland aufgebaut und besuchte ihre Töchter nie. Heute aber würde sie jemand anderes zurückrufen müssen, ihre kleine Schwester Luisa. Sie griff mit zittrigen Händen nach ihrem Handy und rief diese zurück. Das Display ihres Handys zeigte nun drei verpasste Anrufe, der vierte würde sicherlich nicht lange auf sich warten lassen. Wenn Luisa etwas hatte, dann ein großes Herz und sie hatte stets die Hoffnung, dass Penelope zu ihrem alten Leben zurückfinden könnte. Ängstlich hielt Penelope sich ihr Handy ans Ohr und blickte dabei hinaus auf York. Ein Vogel zog seine Kreise am hellblauen Himmel und sie beneidete das Tier um seine Freiheit.

Beim zweiten Klingeln hörte sie Luisas freudige Stimme.

„Penelope, es ist so schön, dass du zurückrufst.“

„Hallo Luisa.“

Ihre Schwester war, ebenso wie Bo, ein glücklicher Mensch. Sie hatte ein Jahr nach ihrem 21 Geburtstag erfahren, dass sie schwanger war und kurz darauf ihren Freund Sam geheiratet, zusammen lebten sie noch in Bath und kümmerte sich um ihre kleine Tochter Amelie. Sie hatten nach dem Aufzug ihrer Mutter ihr Elternhaus übernommen und lebten seitdem dort. Penelope konnte das Bild einer perfekten Familie nicht ertragen, sie sah stets darin einen leeren Platz- Bos Platz.

„Alles Gute zum Geburtstag Luisa“, fügte Penelope noch rasch hinzu und konnte sich förmlich vorstellen wie ihre Schwester glücklich lächelte. Bestimmt war Sam dabei ein kleines Gartenfest zu organisieren, alle Nachbarn und Freunde würden vorbeikommen. Amelie würde ihrer Mutter bestimmt ein schönes Bild malen.

„Vielen Dank. Ich habe dich angerufen, um zu fragen, ob du zu meiner Geburtstagsfeier kommen möchtest- es wird nur ein kleines Fest werden. Mutter kommt auch.“

Penelope war überrascht, dass ihre Mutter den weiten Weg aus Irland auf sich nehmen würde.

„Ich kann nicht“, sagte Penelope knapp und versuchte erst gar nicht eine fadenscheinige Ausrede zu finden.

„Oh. Ich verstehe das natürlich, du bist beruflich sehr eingespannt.“

Penelope konnte den enttäuschten Tonfall deutlich heraushören und war überrascht, dass Luisa wirklich davon ausgegangen, war das Penelope kommen würde. In all den Jahren hatte Penelope Bath nicht mehr betreten und hatte seitdem ihrer Familie den Rücken gekehrt.

„Ich bin überrascht, dass Mutter kommt“, wechselte sie schnell das Thema, bevor Luisa ihr einen Vortrag über Familie und die Fähigkeit des Verzeihens geben konnte.

„Ihr Vertrag läuft diesen Sommer ab, weshalb sie Urlaub hat, bevor die nächsten Touristen Season in Irland losgeht.“

Penelope nickte, auch wenn ihre Schwester es nicht sehen konnte. Kurz nach Bos Tod hatte auch ihre Mutter das Weite gesucht. Sie hatte sofort ihre Koffer gepackt und ihren Töchtern gesagt, dass sie Ruhe und Zeit für sich brauchen würde. Damals war Penelope noch nicht so stark und abgekühlt wie heute, die Tatsache das ihre Mutter ihre Töchter in der schlimmsten zeit ihres Lebens allein gelassen hatte, konnte sie ihr bis heute nicht verzeihen, weshalb sie die Anrufe ihrer Mutter stets ignorierte und wenn nur wenige Sekunde mit ihr sprach. Luisa dagegen hatte ihrer Mutter schnell verziehen und versuchte seitdem die Bande zwischen Mutter und Tochter wiederaufzubauen, auch wenn ihre Mutter sich in diesem Punkt weniger Mühe gab.

„Ich weiß, dass es dir schlecht geht, Pen, aber wir sind eine Familie und wir sollten füreinander da sein“, durchbrach Luisa die Stille, die Penelope überhaupt nicht aufgefallen war. Wahrscheinlich verbrachte sie zu viel Zeit allein. Sie wusste worauf ihre Schwester hinauswollte und spürte den alten Schmerz in ihrem Herzen aufreißen. Entschieden ihre Emotionen unter Kontrolle zu bekommen, nagte sie unruhig auf ihrer Unterlippe herum und fing an im Schlafzimmer auf und ab zu laufen.

„Niemand stand Bo so nahe wie du, selbst ich schaffte es nicht zwischen eurer Band zu kommen, ich vermisse ihn schmerzlich. Aber dich vermisse ich mehr Pen, du bist meine Schwester“, sprach Luisa weiter. Penelope hörte ihre Worte und konnte plötzlich nicht mehr die Erinnerungen an ihren Bruder unterdrücken. Sie sah Bo vor sich, wie er ihr versuchte beizubringen auf einem Surfbrett zu stehen, sie roch das Salz von seiner Haut und sah die Mädchen, wie sie hinter vorgehaltener Hand kicherten. An diesem Tag im fernen Mailand hatte Bo eine Wette mit dem Surflehrer verloren und musste seinen braunen Haaren abrasieren. Penelope hatte dies mit Schrecken beobachtet, aber Bo hatte nur leichtgläubig gesagt, dass er nun weniger Zeit für die tägliche Dusche brauchen würde. Penelope hatte ihren Bruder stets um seine Zuversicht beneidet.

„Ich muss auflegen“, presste Penelope hervor, drückte Luisa weg und warf das Handy auf ihr Bett. Zitternd ließ sie sich wieder in ihren Sessel sinken, mitten am Tag im Sommer und wusste nicht was sie tun sollte. Zurück in die Universität konnte sie nicht mehr, da es kurz vor dem Ende des Semesters war boten sie nur noch wenige Kurse an und Penelope hatte für den restlichen Tag frei. Freunde hatte sie keine in der Stadt, sie verließ sich lieber auf kurze Bekanntschaften, zu denen sie keine echte Bindung aufbauen konnte. Starr sah sie nach draußen, sah die Menschen die Straßen entlang gehen, Paare, die sich an den Händen hielten, Kinder, die lachten und fühlte sich so einsam wie nie zuvor. Ihre Einsamkeit schnürte ihr die Kehle zu und Penelope sah nur einen Ausweg, sie würde heute vergessen und das konnte sie nur an einem Ort. Eine Stunde später, saß sie im Auto und fuhr in Richtung Innenstadt, dort am Rande des Trubels befand sich ihre Lieblingskneipe, die meisten Besucher waren Single und genossen die Anonymität, man sah sich, erkannte sich, aber niemand wollte Details aus dem eigenen Leben erfahren. In ihrem engen, schwarzen Kleid und ihren rot geschminkten Lippen fiel Penelope auf wie ein bunter Hund. Einige Männer drehten sich nach ihr um, einen Pfiff anerkennend, aber Penelope hatte nur Augen für den Barkeeper, der ihr wissend zunickte und ihr einen Cocktail zusammenmischte.

„Wie immer?“, fragte er schlicht, als sie sich auf den ledernen Barhocken sinken ließ. Knapp nickte sie und legte ihre kleine Clock Handtasche auf den klebrigen Tresen. Das Martini sah verlockend in dem schummrigen Licht aus. Entschlossen sich etwas Erlösung zu verschaffen, umfing sie den bauchigen Hals des Glases und trank den Cocktail in einem Zug leer.

„Mehr“ wies sie den Barkeeper knapp an und ließ ihren Blick durch die Kneipe schweifen. Da es früher Nachmittag war, hielten sich nur die Harten der Härtesten hier auf und ertranken ihren Kummer im Alkohol, selbst Penelope war noch nie zu einer so frühen Stunde hier gewesen. Wenig später spürte sie einen warmen Atem an ihrer nackten Schulter und drehte sich langsam herum. Hinter ihr stand ein ihr fremder Mann mit giftgrünen Augen und lächelte verschmilzt.

„Du wirst heute schreiend unter mir liegen und danach jeden anderen Mann verschmähen wollen“, gab er mit leicht wankender Stimme zu und ließ sich unaufgefordert auf den Hocker neben ihr sinken, in seiner Hand hielt er ein Glas Whiskey. Eigentlich schlief Penelope nicht mit älteren Männern, diese hatten meistens eine Familie und einen Haufen Probleme. Die jüngeren vergaßen schneller und waren bereit für kurzen und bedeutungslosen Sex, aber dieser Mann hier erweckte ihr Interesse. Lächelnd nahm sie ihr zweites Glas Martini entgegen und trank diesen genüsslich aus. Der Fremde behielt sie dabei genaustens im Auge. Wissend stellte sie das nun leere Glas auf dem klebrigen Holztresen ab und wandte sich ihm zu, dabei ließ sie ihr Kleid etwas höher, als nötig gleiten und beugte sich vor, um ihren perfekten Ausschnitt zu präsentieren. Seine grünen Augen leuchteten förmlich auf.

„Du musst wissen, dass ich sehr hohe Ansprüche habe“, gab sie mit rauer Stimme zurück. Der Fremde lächelte wissend und ließ seine Hand über ihr Knie, hinauf zu ihrem Oberschenkel wandern.

„Diese werde ich mit Vergnügen erfüllen.“

Penelope bestellte einen Drittes Martini, schon jetzt spürte sie den Alkohol, der auf ihren leeren Magen traf. Sie hatte noch nie zwei Mal am Tag Sex gehabt, aber da heute ein besonderer Tag war würde sie sich den zweiten Happen nicht entgehen lassen. Genüsslich rückte sie näher und spürte schon bald die Hand des Fremden höher wandern.

Kapitel 3

Luisa betrachtete den nun schwarzen Handybildschirm und ließ das kurze, aber auch nervenaufreibende Telefonat mit Penelope Revue passieren. Sie wagte es nur sehr selten ihre Schwester anzurufen und auch nur dann, wenn sie sicher war, dass Penelope Zeit fand ihren Anruf entgegenzunehmen. Heute aber, an ihrem Geburtstag wollte sie unbedingt mit ihrer Schwester sprechen. Es war ein fast quälendes Bedürfnis gewesen, das nur durch die kühle Stimme ihrer Schwester gestillt werden konnte. Heute, an dem Tag, an dem die Polizei ihnen erzählt hatte, dass Bo gestorben war. Laut deren Auskunft sollte ihr Bruder Selbstmord begangen haben, genau an Luisas Geburtstag. Eigentlich sollte ihr Geburtstag ein Tag voller Freunde sein, aber der Tod ihres Bruders hing jedes Jahr wie eine schwarze Wolke über ihr. So lagen Freude und Trauer stets nah beieinander. Luisa steckte ihr Handy in ihre Hosentasche, versuchte das emotionslose und sehr kurze Gespräch mit Penelope zu verdrängen und an den bevorstehenden Abend zu denken, dann atmete sie tief durch und tupfte sich die Tränen von den Wangen. Luisa verließ die Küche und ging hinaus in den Garten. Dort war Sam gerade dabei eine Lichterkette an ihrem Apfelbaum zu befestigen, den sie damals als Teenager voller Stolz als Zeichen ihrer Liebe gepflanzt hatten und stand dabei schwankend auf seiner Trittleiter, die sich dabei tief in die Erde bohrte und so weniger Stabilität versprach. Luisa betrachtete ihn leicht ängstlich. Ihre Tochter Amelie sah im Schatten des Baumes und malte voller Elan ein neues Bild.

„Na meine Süße was malst du denn Schönes?“, fragte sie Amelie und strich ihr sanft über den blonden Schopf. Ihre Tochter tippte auf ihr buntes Kunstwerk.

„Dich“, sagte sie stolz und suchte nach einem pinken Stift. Luisa schmunzelte.

„Das gefällt mir sehr, vielen Dank“, gab sie zurück und ließ ihre Tochter wieder allein um Sam zur Hand zu gehen.

„Das sieht sehr gefährlich aus, kann ich dir dabei helfen?“

Sam sah zu ihr hinab und verdrehte die Augen. Luisa wusste noch genau, weshalb sie sich damals in ihn verliebt hatte, er war einer der fröhlichsten Menschen, die sie kannte- abgesehen von Bo- stets war er gut gelaunt und brachte andere gerne zum Lachen. Luisa musste ihn nur ansehen und spürte wie die Trauer in ihr verging, bis sie ebenfalls lächeln konnte.

„Wie lief das Gespräch mit deiner Schwester?“

Luisas Lächeln verging wieder.

„Wie immer“ gab sie ausweichend zurück und hätte am liebsten eine dringende Tätigkeit vorgeschoben, um so dem Gespräch aus dem Weg zu gehen, aber alles war vorbereitet und ihr fiel spontan keine Ausrede ein. Das Essen und Getränke standen bereit, die Deko war fast fertig und alle Gäste waren eingeladen. Luisa musste nur noch kurz unter die Dusche springen und sich ein sauberes Kleid anziehen, dann konnte ihre Geburtstagsparty beginnen. Sam ließ die Lichterkette los und stieg von der Leiter, dabei sah er sie bedeutungsschwer an.

„Sie wird nicht kommen“, es war mehr eine Feststellung als eine Frage, aber Luisa nickte dennoch. Fast schon ängstlich vor seiner Reaktion hob sie den Blick und sah Mitleid in seinen Augen stehen.

„Ich verstehe ihren Schmerz, aber auch du hast deinen Bruder verloren. Ihr solltet zusammenhalten und euch nicht noch mehr voneinander entfernen.“

Sie hatten dieses Gespräch schon viele Male geführt und immer wieder wurde Sam wütender auf Penelope. Luisa selbst hatte Verständnis für ihre Schwester.

„Du hast die beiden nie zusammen erlebt, sie waren Eins. Wenn einer von ihnen krank wurde, spürte der andere dies. Zwillinge sind so tief miteinander verbunden, dass niemand diese Verbindung je ganz verstehen wird. Ich liebe meine Schwester und ich habe Bo aus tiefsten Herzen geliebt, aber beide haben mich nur als kleine Schwester angesehen und mich nie in ihre Gruppe aufgenommen. Ich war dabei und doch ausgeschlossen. Sie schafften es ohne Worte zu kommunizieren. Selbst als Bo nach Australien ging, um sich um die dort lebenden Elefanten zu kümmern, wusste Penelope wie sein Tag aussah und bekam hin und wieder einen Anruf von Bo, in dem er ihr alles über die Tiere und das Land erzählte. Auch wenn ihr Kontakt nicht so intensiv war, wie sonst waren sie stets miteinander verbunden-Penelope war so gesehen mental in Australien.“

Luisa lächelte traurig, als sie an ihren Geburtstag vor fünf Jahren zurückdachte. Sam strich ihr sanft über den Rücken und legte ihr einen Arm um die Schulter. Scheinbar war ihre Trauer ihrem Gesicht anzusehen. Die Erinnerungen an diesen Tag schmerzten immer noch so stark, dass Luisa es vermied, daran zu denken.

„Ich weiß noch wie Mum mich dazu überredet hat in die Stadt zu fahren, obwohl Bath keine große Einkaufsstraße zu bieten hat. Ich wusste, dass Penelope das Haus für sich haben wollte, um eine Überraschung für mich zu planen. Ich war noch nie so aufgeregt. Als ich das letzte Mal mit Bo telefoniert hatte, hatte er mir versprochen an meinem Geburtstag da zu sein. Er wollte den weiten Flug auf sich nehmen, um mir persönlich zu gratulieren, dass ich einige Tage nichts mehr von ihm gehört hatte, war für mich nichts Ungewöhnliches. Als wir dann zurück nach Hause kamen, wirkte das Haus wie ausgestorben. Keine Lichter brannten, es drang keine Musik zu uns durch und ich hatte das Gefühl, dass Penelope doch andere Gründe für meine Abwesenheit gehabt hatte. Womöglich hatte sie einfach etwas Ruhe haben wollen und es wartete keine Überraschungsparty auf mich. Mum ging als erstes ins Haus, wir riefen nach Pen, aber sie antwortete nicht. Wenig später fanden wir sie im Garten, sie saß am Rande des Pools umgeben von Schnapsflaschen. Da wusste ich, dass etwas passiert sein musste.“

Luisa sprach den Rest der Geschichte nicht aus, es war zu schmerzhaft daran zu denken wie Penelope die Worte aussprach. Es war zu schmerzhaft daran zu denken, wie sie panisch in ihr Zimmer lief, nach ihrem Handy griff und versuchte Bo zu erreichen. An diesem Abend zerbrach ihre Familie. Am nächsten Morgen reiste ihre Mutter nach Irland, um dort als Reiseleiterin zu arbeiten, das Jobangebot hatte sie vor Monaten erhalten es aber stets abgelehnt, da sie ihre Familie nicht allein lassen wollte, Penelope zog nach York um und sie blieb allein zurück in Bath. Luisa betrachtete ihr Elternhaus liebevoll und fragte sich, warum sie die Einzige gewesen war, die geblieben ist. In diesem Haus steckten so viele schöne und auch traurige Erinnerungen, wenn sie durch den Garten lief, dachte sie an Bo, wenn sie in der Küche das Geschirr abspülte, sah sie ihn auf der Theke sitzen und herzhaft in einen roten Apfel beißen. Es waren Erinnerungen, die ihren Bruder in ihrem Herzen weiterleben ließ, nur ihre Mutter und Schwester verschlossen sich davor. Sam strich ihr sanft über die Wange, Luisa hatte überhaupt nicht gemerkt, dass sie angefangen hatte zu weinen. Traurig sah er sie an.

„Du hast selbst noch nicht ganz mit seinem Tod abschließen können, oder?“

Kurz dachte sie darüber nach.

„Nicht vollständig, an manchen Tagen glaube ich das sein Tod nur vorgetäuscht war und er irgendwo im Dunklen lebt und nun nach Tigern und Löwen forscht.“

Sam beugte sich vor und gab ihr einen kurzen Kuss.

„Er wird immer ein Teil von dir sein.“

Luisa vergötterte ihren Mann dafür, dass er immer im richtigen Moment die richtigen Worte fand. Tapfer lächelte sie, wischte sich über die feuchten Wangen und atmete tief durch.

„Nun gut, dekorieren wir den Garten zu Ende und ziehen uns dann um. Unsere Gäste kommen in wenigen Stunden zu uns.“

Sam sah sie einen Augenblick unschlüssig an, er wusste das Luisas Worte nur eine Fassade waren, die sie stets aufrecht hielt, wenn sie ihre wahren Emotionen verstecken wollte. Da aber heute ihr Geburtstag war, beließ er es dabei und nickte zustimmend.

„Ich kümmere mich um die Deko und ihr beiden Schönheiten macht euch frisch.“

„Danke“, gab Luisa zurück und ging zu Amelie.

Kapitel 4

Penelope verabscheute den Morgen danach, ihre Zunge fühlte sich stets trocken an und ihr Magen drehte sich im Kreis. Von Übelkeit und starkem Durst geplagt öffnete sie testweise ihre Augen und sah zu ihrer linken Seite da sie ein lautes Schnarchen vernahm. Normalerweise behielt sie die volle Kontrolle und kümmerte sich darum das die Männer nach dem Sex ihre Wohnung verließen, kurz bevor diese sich sesshaft machen wollten, schmiss sie diese vor die Türe. Stets schlief sie allein, bis auf diese eine Nacht. Penelope betrachtete den fremden Mann neben sich im Licht der Sonne und befand einige Makel an seinem Gesicht. Gestern Nacht war er ihr wie ein junger Gott erschienen, Sein Bart wirkte im schummrigen Licht gepflegter, seine Haut weicher und seine Lippen voller. Nun traf die Wirklichkeit ein und vertrieb die schönen Erinnerungen an der vergangenen Nacht. Wie es schien, hatte sie in der vergangenen Nacht vollendet die Kontrolle verloren, da sie mit dem fremden Mann zu ihm gegangen war und nicht wie üblich in ihre eigene Wohnung. Penelope war überrascht nicht ihr eigenes Schlafzimmer vorzufinden, sondern einen recht kleinen Raum mit grauer Schnörkeltapete, Penelope tippte darauf das ihr kurzweiliger Sexpartner eine Freundin hatte. So leise wie möglich warf Penelope die Bettdecke von sich und stand auf. Die Wohnung des Mannes wirkte auf den ersten Blick wie die eines Kindes, welches nie wirklich gelernt hatte aufzuräumen. Auf dem Boden lagen Kleidung, Essenspakete und einige Teile, die sie besser nicht genauer in Augenschein nehmen wollte. Schnell suchte sie nach ihrer eigenen Kleidung und zog sich an, auf BH und Slip verzichtete sie, lediglich ihr schwarzes Kleid zog sie über und griff nach ihrer Handtasche, die sie scheinbar achtlos zu Boden geworfen hatte. Erinnerungsfetzen kamen hoch, sie spürte seinen warmen Atem, seine Lippen auf ihrer Haut, Lust durchzog ihren Körper und am Ende blieb nur ein fahler Geschmack im Mund. Penelope sah ihn ein letztes Mal an, betrachtete seinen nackten Hintern der unter der Bettdecke hervorluge und schloss in Gedanken mit ihm ab. Dann verließ sie seine Wohnung und musste sich erst einmal einen Weg nach Hause suchen, da sie scheinbar sein Auto genommen hatten. Das erste Mal seit Jahren musste Penelope mit der Bahn fahren. Schlimmer konnte der Tag nicht beginnen.

Zwei Stunden später stand sie frisch geduscht vor dem Eingang der Universität. Durch ihren fatalen Fehler gestern Nacht hatte sie die erste Vorlesung absagen müssen, schließlich konnte sie nicht wie eine Dirne vor ihre Studenten treten. Nun strich sie ihr dunkelgrünes Kostüm glatt und drückte die schwere Eingangstüre auf. Kühle Luft aus der Klimaanlage strömte ihr entgegen und ließ sie zufrieden aufseufzen. Penelope mochte den Sommer nicht sonderlich, zwar genoss sie es allen zu zeigen, dass sie ihren Körper liebte, aber dennoch hatte sie eine Vorliebe für kuschelige Kleidung und Mäntel. Penelope hörte jemanden ihren Namen sagen und sah einen ihrer Kollegen auf sich zukommen, es war James, verheiratet und mit drei Kindern lebte er am Rande von York. Penelope hatte das eine oder andere Mal mit ihm geschlafen und nun ging er davon aus, dass sie eine romantische Affäre hatten. Wäre der Sex mit ihm nicht so befriedigend würde sie ihn deutlich klar machen, dass sie niemals eine feste Bindung eingehen würde. James strich sich sein leicht ergrautes Haar aus dem Gesicht und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

„Guten Morgen schöne Frau“, begrüßte er sie mit seiner tiefen Stimme. Penelope lächelte kurz.

„Morgen James, wie geht es den Kindern?“

James Lächeln verschwand und er sah sie unschlüssig an.

„War dein Sex Date gestern nicht von Erfolg gekrönt?“, gab er ebenso sarkastisch zurück. Die Eigenschaft mochte Penelope an ihm, sein Ego war niemals angegriffen, egal wie unfair sie zu ihm war.

„Frag nicht“, gab sie zurück und verdrehte die Augen, um das ganze herunterzuspielen, aber James wusste es besser. Er bot ihr seinen Arm an und führte sie in die nun leere Cafeteria, dort holte er ihnen jeweils einen Milchkaffee und führte sie zu einem der Tisch am Fenster. Penelope trank glücklich ihren Kaffee und lehnte sich zurück. James beobachtete sie genau.

„Die Frage habe ich dir öfters schon gestellt, aber ich kann es mir nicht verkneifen. Warum tust du dir das an Pen? Du bist eine wunderschöne und erfolgreiche Frau, die Männer würden gerne mehr von dir erfahren als nur die Tatsache, wie du schnell zum Orgasmus kommst.“

Penelope musste schmunzeln, als sie seinen verletzten Tonfall bemerkte. James war genau einer dieser Männer, sie wusste um seine Gefühle für sie, ignorierte diese aber gekonnt. Irgendwie hatten sie eine verdrehte Art von Freundschaft aufgebaut. Um etwas mehr Zeit für ihre Antwort zu haben, trank sie noch einen Schluck und schlug dann ihre Beine übereinander, dabei streifte sie James Wade.

„Ich möchte mich nicht binden, denn ich bin nicht fähig zu lieben“, erklärte sie ihm voller Überzeugung und beugte sich dann vor.

„Sex ist lebenswichtig, ich tue es gerne und vor allem mit Männern, die ich nie wiedersehen muss. Du bist eine der wenigen Ausnahmen.“

Früher hatte er dies als Kompliment aufgenommen, heute aber bildete sich eine Falte zwischen seinen Augen, als er versuchte über ihre Worte nachzudenken.

„Das ist krank“, erklärte er ihr schließlich und brachte Penelope damit zum Lachen. Es tat gut, einfach mit einem Mann einen Kaffee zu trinken und zu lachen. Bei James musste sie sich nicht verstellen, er wusste was sie ihm zu bieten hatte und das war nur sehr wenig.

„Warum hast du deine Vorlesung heute Morgen abgesagt?“, wechselte er das Thema und trank ebenfalls einen Schluck Kaffee. Penelope warf einen Blick auf ihre Armbanduhr, sie war wohl etwas zu früh von zuhause losgefahren, da ihre nächste Vorlesung erst in einer halben Stunde beginnen würde.

„Mir ging es nicht gut, daher war ich etwas länger im Bett geblieben.“

James schnaubte abfällig.

„Lüg mich nicht an Pen, du machst nie krank. Ich glaube sogar, dass du halb tot zur Arbeit kommen würdest, also was war wirklich los?“

Penelope verzog missmutig die Lippen und dachte kurz darüber nach James einfach sitzen zu lassen. Er kannte zu viele ihrer Eigenschaften und erlaubte sich sogar felsenfest zu wissen, was sie tun würde. Diese Vorhersagen gefielen ihr nicht, zumal er damit wirklich recht behielt. Vielleicht wäre es das Beste den Kontakt abzubrechen und sich wieder den fremden Männern zu widmen, die nur ein schönes Gesicht sahen und nichts weiter. Ein Teil von ihr aber wusste, dass sie seine Gegenwart genoss, er war der einzig beständige Teil in ihrem Leben, abgesehen von ihrer Schwester und Mutter.

„Ich habe mit einem Mann geschlafen und nicht darauf geachtet ihn mit zu mir zu nehmen. Ich bin heute, viel zu spät in seiner Wohnung aufgewacht. Das ist alles.“

James sah sie stumm an, dann trank er einen Schluck Kaffee und stand auf.

„Meine Vorlesung beginnt gleich, ich wünsche dir einen schönen Tag.“

Mit diesen Worten ließ er sie allein zurück und verließ die Cafeteria. Penelope blieb überrumpelt zurück. Wann war sie das letzte Mal sitzen gelassen worden?

Kapitel 5

Einige Stunden zuvor

Luisa strich sich etwas Rouge auf die Wangen und betrachtete zufrieden das Ergebnis. Im normalen Alltag schaffte sie es kaum, sich Zeit dafür zu nehmen aber heute an ihrem Geburtstag wollte sie besonders schön aussehen und dafür brauchte sie ihre kleinen Hilfsmittelchen. Da sie in der letzten Nacht nur wenig geschlafen hatte, musste Luisa ihre dunklen Ränder kaschieren und stellte am Ende zufrieden fest, dass sie ausgeschlafen und frisch aussah. Ein zaghaftes Klopfen ließ sie zur Türe sehen, die in diesem Moment geöffnet wurde. Amelie steckte ihren Kopf ins Zimmer und sah sie mit großen Augen an.

„Mummy du bist so schön“, rief sie mit kindlicher Freude und brachte Luisa zum Strahlen. Sie vergötterte ihren kleinen Sonnenschein, der ihr stets über traurige Gedanken und Erinnerungen hinweghalf. Luisa legte den Pinsel zur Seite und öffnete ihre Arme, damit Amelie hineinhüpfen konnte, was ihre Tochter auch prompt tat. Luisa drückte sie an sich und zog ihren Duft nach Babyshampoo in sich auf.

„Du bist viel schöner kleine Prinzessin“, flüsterte sie ihrer Tochter ins Ohr und hörte diese lachen. Amelie löste sich von ihrer Mutter und drehte sich in ihrem neuen Kleid im Kreis. Luisa hatte dieses in der Stadt in einer kleinen Boutique gesehen und musste es sofort kaufen. Ihre Tochter liebte Prinzessinnen und sah in ihrem Tülltraum in Pink genau wie eine aus, die passende Krone hatte Amelie schon vor einigen Wochen geschenkt bekommen und trug diese fast jeden Tag auf ihrem Kopf. Amelie drehte sich weiter im Kreis, bis ihr schwindelig wurde und sie sich lachend auf das Bett ihrer Eltern fallen ließ. Luisa grinste breit.

„Komm kleine Prinzessin gehen wir nach unten und schauen, ob wir Papa helfen können. Bald kommen unsere Gäste“, sagte Luisa und stand auf. Amelie aber blieb liegen und sah sie fragend an.

„Komm Tante Pen auch?“

Diese Frage stellte Amelie häufig, sie hatte Penelope erst einmal gesehen, aber ihre Tochter war der festen Überzeugung, dass Penelope eine echte Prinzessin sei und sie deshalb öfters vorbeikommen müsste, um Amelie zu unterrichten. Luisa wurde immer traurig bei der Frage ihrer Tochter, auch sie wünschte sich mehr Zeit mit ihrer Schwester, aber Penelope würde York niemals verlassen davon war Luisa fest überzeugt, es gab zu dunkle Schatten, die sie fernhielten.

„Leider nein, Penelope muss arbeiten“, gab Luisa traurig zurück und sah ihre Tochter sanft an.

„Aber ich soll dich ganz lieb grüßen, sie wird versuchen zu deinem Geburtstag zu kommen“, fügte sie rasch hinzu, als sie sah das Amelie den Tränen nah war.

Luisa konnte die starke Verbindung zwischen ihrer Tochter und Penelope nie ganz nachvollziehen, vielleicht war es eine Art Wunschdenken ihrer kleinen Tochter. Amelie schniefte tapfer und setzte sich auf. Ihre blauen Augen wurden groß bei den Worten ihrer Mutter.