Das Schicksal des Bernsteinzimmers - Hartwig Niemann - E-Book

Das Schicksal des Bernsteinzimmers E-Book

Hartwig Niemann

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Beschreibung

Die Tatsachen liegen auf den Tisch. Von den 144 Teilen des Bernsteinzimmers aus Zarskoje Selo, die nach Königsberg gebracht wurden, sind nur 16 barocke Bernsteinwände erhalten geblieben. Alle Rokokoteile, bis auf das Steinmosaik mit der Allegorie vom " Tast-und Geruchssinn" sind im Verlauf des Zweiten Weltkrieges zerstört. In einer kurzen Zusammenführung der bisherigen Erkenntnisse legt der Autor ohne " Wenn und Aber" den kausalen Zusammenhang der wichtigsten historischen Ereignisse im Umgang mit diesem Kunstobjekt aus Barock und Rokoko auf der Grundlage von Tatsachen und Hypothesen, die auf eine Vielzahl empirischer Werte zurückzuführen sind, vor.

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Seitenzahl: 449

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Hartwig Jürgen Niemann

Das Schicksal des Bernsteinzimmers

aus

Zarskoje Selo

Von Rußland nach Rußland

Nur 16 barocke Bernsteinwände

aus dem

Bernsteinkabinett Friedrich I.

sind erhalten geblieben

Tatsachen

Hintergründe

Irrtümer

Lügen

Eine

Zusammenfassung der wesentlichsten

Erkenntnisse

epubli

Haftungsbeschluss

Die Inhalte dieser Publikation wurden sorgfältig und mit viel Aufwand recherchiert.

Der Autor haftet nicht für Folgen von Irrtümern, die in den vorliegenden Texten enthalten sein können.

Buchcover: Hartwig Jürgen Niemann

Alle Bilder vom Bernsteinzimmer

entsprechen dem Urheberrecht des Autors aus dem

Jahr 2003

Texte

Hartwig Jürgen Niemann

Alle Texte wurden eigenhändig vom Autor geschrieben.

Die Rechtschreib- und Grammatikprüfung

erfolgte durch das Rechtschreibprogramm

MS-Word: Mac 2011

Impressum

Copyright © 2014 Hartwig Jürgen Niemann

Verlag: epubli GmbH, Berlin

www.epubli.de

ISBN: 978-3-7375-2171-0

Inhalt

Zur Einstimmung

Das Bernsteinkabinett Friedrich I. wird in „18 großen und kleinen Packen“ (1) nach Russland gebracht

Geheimakten der Hofkammer über das Bernsteinkabinett Friedrich I.

Das Geschenk Friedrich des Großen an die russische Kaiserin Elizabeth

Der Chef der Heeresmuseen erteilt einen Auftrag

Ernstotto Graf Solms zu Laubach ein „Sammeloffizier“ und „Beauftragter“ des Chefs der Heeresmuseen

Georg Poensgen

Der Museumskonservator des Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg (ERR)

Ein Generalfeldmarschall sagt aus

Die Nachlieferung der fehlenden Türen aus dem Bernsteinzimmer

Raum 37 im Königsberger Schloss

Ein Blick zurück in das Bernsteinzimmer von Zarskoje Selo

Die barocken Bernsteinwände in Zimmer 37 werden manipuliert

Irrtum Nr. 1 in Zimmer 37 des Königsberger Schlosses

Die fehlenden Leuchter in Zimmer 37

Historische Hinweise zum Reiterstandbild Friedrich des Großen

Die Evakuierung des Reiterstandbildes Friedrich des Großen

Barocke Teile - Rokokoteile - Kroninsignien - Königskrone im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944

Der Brief Alfred Rohdes vom 7. August 1944

Der Räumungsplan für Ostpreußen lag im Panzerschrank

Die Auslagerungen aus dem Königsberger Schloss

Der Brief Alfred Rohdes vom 2. September 1944

Viele Bunker - aber welcher Bunker ist der richtige Bunker

Der Bunker am Haberberg

Auf der Suche nach den richtigen Bunker in Königsberg in dem die 16 barocken Bernsteinwände und die Kroninsignien gelagert wurden

Die Suche nach den „Pilasterspiegeln“ wird zur Farce

Wechselburg und Kriebstein

Von Rußland nach Rußland

Auf der richtigen Spur

Der große Irrtum von Maurice Philip Remy und Guido Knopp

Die Berliner Schlösserverwaltung im Nationalsozialismus

Ernst Gall als Dozent für Luftfotografie im Hauptquartier der Luftwaffe

Das erste unterirdische Depot der Berliner Schlösserverwaltung: Die Bunkeranlage des Oberkommandos der Luftwaffe in Potsdam Wildpark Werder

Die Hindenburgsärge kommen nach „Kurfürst“

Der Hauptmann Segebarth Transport

Der Oberst von Wedelstedt Transport

März 1945 - Nachtflugverbot für Tieffliegerangriffe

Im „Kurierzug des Führers“ zurück nach Berlin

Ein preußisches Gleichnis – die Bedeutung des Zusammenhanges zwischen den 16 barocken Bernsteinwänden und den Kroninsignien

Der „große Irrtum“ des Göttinger Verlegers Tete Böttger

Gauleiter Koch und seine angeblichen Lügen

Die geplatzte Recherche des ZDF Historikers Prof. Dr. Guido Knopp

Eine anonyme Lüge die zur „Prinz Eugen“ führt

Eine Nacht und Nebelaktion im „Osthafen“

Von Potsdam Sanssouci zurück nach Rußland

Eine historische Schlussbetrachtung durch den Autor

Zur Einstimmung

Jedem ist es freigestellt nach eigenem Ermessen über das Bernsteinzimmer zu recherchieren, ein Buch zu schreiben, mit der Wünschelrute durch die Gegend zu laufen, nichtssagende Dokumentationen über den Begriff „BSCH“ zu veröffentlichen, Hacke und Spaten aus der Garage zu holen um irgendwo zu buddeln oder wie in Deutschneudorf mit Großgeräten die Erde von links nach rechts zu schaufeln und zwar immer mit der Hoffnung verbunden, das Bernsteinzimmer zu finden.

Das Ergebnis jahrelanger Recherchen (seit 1993) des Autors führte zu der authentisch nachweisbaren Erkenntnis, dass von den 144 Teilen aus dem Bernsteinzimmer von Zarskoje Selo, die über die Nachschubbasis der Heeresgruppe Nord in Siwerskaja nach Königsberg gebracht wurden, nur 16 barocke Teile aus dem Bernsteinkabinett Friedrich I. erhalten geblieben sind. Alle Rokokoteile und sechs barocke Teile wurden im Königsberger Schloss zerstört.

Weitere wesentliche Feststellungen, die zweifelsfrei geklärt werden konnten sind an die Tatsache gebunden, das die Replik des Reiterdenkmales Friedrich des Großen aus dem Bernsteinzimmer in Zarskoje Selo ohne Piedestal erhalten geblieben ist. Im Rahmen der Restaurierung des Bernsteinzimmers im Zeitraum von 1933-1935 und der Rekonstruktion, die 2003 abgeschlossen wurde, gibt es zwei übereinstimmende fotografische Hinweise mit denen diese Behauptung belegt werden kann.

Die preußischen Kroninsignien, die 1943 im Fliesensaal des Unfriedbaues im Königsberger Schloss ausgestellt wurden blieben bis zum November 1944 in Königsberg.

Während der Umgang mit den Kroninsignien nach deren Unterbringung im stationären Objekt der Luftwaffe in der Bunkeranlage Wildpark Werder mit dem Codenamen „Kurfürst“ von dort bis in die Heeresmunitionsanstalt Bernterode zweifelsfrei nachgewiesen werden kann bleibt bis heute ein Sachverhalt ungeklärt: Es wurden keine Hinweise darüber gefunden, wo die Kroninsignien nach der Auflösung der Ausstellung im Fliesensaal bis zum November 1944 sicher untergebracht wurden. Diesbezüglich liegt die unbestätigte Annahme vor, dass die Kroninsignien gemeinsam mit den erhalten gebliebenen 16 barocken Bernsteinwänden an einem sicheren Ort lagerten als die Bombenangriffe auf Königsberg erfolgten. Im November 1944 wurden sie anscheinend gemeinsam mit den 16 barocken Bernsteinwänden nach Potsdam Sanssouci im „Kurierzug des Führers“ rückgeführt.

Bewiesen ist die Tatsache, das Ernst Gall als Direktor der Verwaltung Staatliche Schlösser und Gärten eigenständig die Entscheidung getroffen hat, die Kroninsignien zunächst in „Kurfürst“ zwischenzulagern, um sie im Monat März 1945 gemeinsam mit Gemälden und anderen Kunstgegenständen aus dem Bereich der Schlösserverwaltung in die Heeresmunitionsanstalt Bernterode im Schacht „Sachsen“ einzufahren.

Das kompakte Vorgehen dieser historischen Entscheidungen lässt die Vermutung zu, dass die 16 barocken Bernsteinwände auf Grund der Kriegsereignisse in Potsdam Sanssouci zurückgeblieben sind und dort von den russischen Trophäenbrigaden in Besitz genommen wurden, um sie in die damalige Sowjetunion zu bringen.

Es geht in dem Zusammenhang nicht nur um die Suche nach den barocken Bernsteinwänden sondern immer auch um die Suche nach 3000 Bilder aus der preußischen Schlösserverwaltung, insbesondere auch um eine unbekannte Anzahl von Möbel, Plastiken, Silbersachen und Porzellanen aus den Schlösser Potsdam und Berlin. Hier gibt es unbestreitbare Zusammenhänge, die teilweise an die Behauptung gebunden werden: „Gebt uns das Bernsteinzimmer zurück, dann bekommt ihr auch die Bilder wieder.“ Das ist pure Heuchelei. Die russische Seite kennt bis ins Detail die Einzelheiten im Geschehen und im Umgang mit dem Bernsteinzimmer. Sie verfügen über genaue Kenntnisse darüber, was von diesem Zimmer nach Kriegsende noch verwendungsfähig war.

Das Ziel der nachfolgenden Beiträge des Autors zu dieser Problematik, wird von der Idee getragen, im Zeitraffer noch einmal auf die wichtigsten Erkenntnisse seiner Recherchen aufmerksam zu machen um diese Behauptungen anhand konkreter Beispiele zu beweisen.

Dem Leser soll so die Möglichkeit eingeräumt werden, sich im Zusammenhang mit den bereits erwähnten Fakten ein eigenes Urteil zu bilden.

Im Zweifelsfall kann in die Bücher des Autors die zur Problematik „Bernsteinzimmer“ veröffentlicht wurden Einsicht genommen werden.

Beim Verlag www.epubli.de wurden bisher folgende Bücher des Autors zum Thema Bernsteinzimmer veröffentlicht:

- Bernsteinzimmer oder Bernsteincabinett (ISBN 978-3-8442-2223-4)

- Die Widersprüche – Von der faustdicken Lüge „BSCH“ zurück zur Wahrheit“ (ISBN 978-3-8442-6431-9)

- Mit dem Bernsteincabinett Friedrich I. vom Königsberger Schloss in die Bunkeranlage des Luftkreiskommandos am „Neuen Botanischen Garten“ (ISBN 978-3-8442-7297-0)

- Das Bernsteinzimmer im Spiegel der Vergangenheit (ISBN 978-3-8442-9245-9)

(siehe Anlage)

Die veröffentlichten Beiträge des Autors sind in Fortsetzung der Urschrift entstanden, die in einem Umfang von 1020 Seiten geschrieben wurde. Eine eidesstattliche Erklärung über die Urschrift verbunden mit einem notariell beglaubigten Urheberrechtschutz liegt im Notariat Gräfenhainichen vor.

Der Autor

Rostock,10.06.2014

Das Bernsteinkabinett Friedrich I. wird in „18 großenund kleinen Packen“(1)nach Russland gebracht

Woraus das Geschenk an den russischen Zaren Peter I. bestand, geht aus einer „Specification“ hervor, „welche sich im Moskauer Archive des Auswärtigen Amtes befindet.“ (2) Diese historisch überlieferte Spezifikation ermöglicht gleich in zweierlei Hinsicht einen vortrefflichen Vergleich darüber, welche Teile des Bernsteinkabinetts sich wirklich im Eckzimmer des Berliner Stadtschlosses befanden und was von ihnen in Kisten verpackt nach Russland geschickt wurde.

Bernsteingemach:

Se:Königl:Mayst: in Preußen, Unser Allergdst: Herr, Se: Czarische Mayst: praesentirt, aus folgenden Stücken:

„Alß

„1) Zwei Große Wandstücken, worinnen zwei Spiegelrahmen mit Spiegeln.

„2) Zwei dergleichen Stücke, bei welchen nur ein lediger Spiegel Rahm.

„3) Vier dergleichen Wandstücken, ein wenig schmäler, ein jedes mit einem ausgeschweifften Spiegel zum Blaker.

„4) Zwei Flügel etwas breit, und noch zwey, so etwas schmäler. Diese 12 Stücke sind alle einer Höhe.

„5) Zehen aparte Paneel=Stücken, von egaler Höhe, aber differenter breite, alle complet besetzt.

„6) Noch sind dabei gegeben folgende Stücke, so da können mit gebraucht werden, alß: ein vierekt Brett ganz belegt, ein fertig Schildt mit einem palmiten Kopff, drei fertige palmiten Köpffe aus Holz, sieben kleine Köpffe. Vierzehn fertige Tulipanen, zwölf fertige Rosen. Drey Stücken mit Muscheln und Schnecken ausgemacht. Zwey fertige Gesimmse. Zwei kleinen Eckstücken. Ein klein länglichtes Brett, mit zwei Schrauben. Vier kleine auffgechweiffte Bretter, so nur hin und wieder belegt. Noch zu einem Flügel ausgeschweiffter klarer Bernstein so in hundert und sieben kleine Stücken bestehen.

Obige specificierte Bernstein Sachen, seynd in diesen achtzehn großen und kleinen Packen befindlich, Berlin, d. 13. Januarij 1717. Johann Wilhelm Meermann. M. Schwaan.“(3)

Die in der Spezifikation aufgeführten Palmetten (Verzierungen - d. A.), Tulpen, Köpfe usw. scheinen darauf hinzudeuten, dass die Absicht bestand, die Bernsteinverzierungen des Kabinetts zu vervollständigen.

Die nach Russland gelieferten Teile aus dem Bernsteinkabinett waren „in passenden Kisten festgeschraubt“ und „in Flanell gehüllt“.

Die Kisten wurden am 30. November 1716 auf der berühmten Yacht des Königs, die auf der Havel bei Potsdam vor Anker lag verpackt. Wegen des Winters wurden sie erst im Mai 1717 befördert.

Die Spezifikation die sich im Moskauer Archiv des Auswärtigen Amtes befindet wurde auf dem Postweg nach Russland befördert weil sie das Datum vom 13. Januar 1717 trägt.

Diese Yacht, Fregatte genannt, wurde 1704 auf Bestellung König Friedrich I. in Amsterdam durch den berühmten Marinemaler und Schiffbaumeister Michiel Maddersteeg erbaut und von Friedrich Wilhelm I. zugleich mit dem Bernstein-Kabinett bei der Zusammenkunft in Havelberg Peter dem Großen geschenkt.

Unter den Rechnungen für Kleider, Equipagen, Bücher usw., welche im Mai 1717 vom Kanzler Grafen Golowkin aus Amsterdam an die Sekretäre des Botschaftsamtes Schasirow und Larionow geschickt wurden, befand sich eine Rechnung seines Sohnes, des Gesandten zu Berlin, Grafen Alexander Golowkin über den Transport des Bernsteinzimmers. (4) Aus dieser Rechnung ist ersichtlich, dass die Begleiter des Bernsteinkabinetts, der „Aufseher und Schirrmeister, 30 Taler“ erhielten.

Zum Unterhalte derselben bis Memel waren für 6 Wochen vier Taler die Woche zu zahlen. Auszuhändigen waren ihnen für die drei bis Memel benötigten Pferde „37 Taler“. Für die Benutzung von „8 Leiterwagen“ mit denen der Schatz transportiert wurde, waren nochmals „20 Taler“ zu entrichten. Für das benötigte „Flanell“ zur Verpackung des Bernsteinkabinetts und für „Wachstuch“ zur Bedeckung der Kisten waren weitere „52 Taler“ erforderlich. An die „Zimmerleute“, die bei der Verpackung behilflich waren, wurden „10 Taler“ entrichtet. Der Aufseher, der nach Königsberg geschickt wurde um die Leiterwagen auszubessern und die Kisten erneut mit Leder und Wachstuch bedecken zu lassen, erhielt „42 Taler“. Als Datum dieser Rechnung ist der „22. Mai 1717“ vermerkt.

Aus der Rechnung geht eindeutig hervor, dass der Bernsteinschatz den Weg nach St. Petersburg über Königsberg, Memel und Riga nahm. Graf Golowkin berechnete für den Transport der Kisten einen Zeitraum von 6 Wochen bis Memel. Aus der Rechnung ist aber nicht ersichtlich, ob die entstehenden Kosten von Berlin oder von Hamburg aus zugrunde gelegt wurden. In der Rechnung ist nicht von Schlitten die Rede, sondern von Leiterwagen. Daher ist anzunehmen, dass dieser Transport im Frühjahr oder Sommer erfolgte.

Diese Wissenslücke schließt Wermusch. Er beruft sich auf einen im „Staatsarchiv Merseburg“ gefundenen „Immediatbericht“ vom „2. Mai 1717, aus dem eindeutig hervorgeht, dass die Kisten von „Berlin“ aus nach Memel abgegangen sind. (5)

Für den Weitertransport von Memel nach Riga hatte Peter I. bereits am 7. Januar in einem Brief aus Amsterdam an den Generalkonsul im Kurland, Bestushew die nötigen Instruktionen gegeben:

„Wenn aus Berlin das Bernstein-Kabinet, was Seine königliche Majestät von Preußen geschenkt hat in Memel ankommt, so empfange und schicke es sofort über Kurland auf kurländischen Fuhren nach Riga, vorsichtig und mit dem Boten welcher euch diesen Unseren Ukas mittheilt und gebt ihm bis Riga eine Bedeckung von einem Unteroffizier und mehreren Dragonern; auch gebt dem Boten auf den Weg bis Riga Geld zur Verköstigung auf dass er zufrieden sei. Sollte er für den Transport des Kabinets Schlitten fordern, so gebt ihm auch solche. Peter.“(6)

Historisch überliefert ist, dass Zar Peter sich durch Gegengeschenke bei Friedrich Wilhelm I., beide Herrscher nannten sich „Gevatter“, revanchierte. Namentlich sorgte er für große Leute, um das berühmte Potsdamer Riesenregiment zu vervollständigen. Von Köhne beruft sich hier auf Puzillo:

„Die russischen Riesen im preußischen Dienste wurden laut Angaben aus dem Moskauer Hauptarchiv I S 147 ff. (in russischer Sprache) in der Anzahl von 55 große Leute nach Berlin verbracht, welche wohl ausgerüstet und mit trefflichen Tulaschen Gewehren bewaffnet waren.

Zugleich hatte Tolstoy Auftrag, dem Könige eine Drechselbank, eine zu St. Petersburg gebaute Barkeund einen Elfenbein=Pokal von der eigenhändigen Arbeit Peters zu überreichen.

Der Brief, welcher diese Geschenke begleitete, war aus Reval vom

30 Juli 1718

datiert.“(7)

Die Drechselbank ließ König Friedrich Wilhelm I. in seinem Schlafzimmer aufstellen. Später wurde sie ins Hohenzollernmuseum gebracht. Auf dieser Drechselbank befindet sich die Aufschrift:„d.d. Reval 30. Juli 1718.“ Hier handelt es sich um das Datum „der Abfertigung nach Berlin.“(8)

Da die Yacht, die übrigens nach von Köhne „hundert Tausend Thaler gekostet hatte“, erst im Jahre 1719 von Hamburg aufbrach, kann sie unmöglich die Bernsteinverkleidungen mitgebracht haben

_________________

1. Köhne, Seite 100.

2. Köhne, Seite 100. Köhne beruft sich quellenmäßig auf Schtutschenko, a.a.O. Seite 141.

3. Köhne Seite 100.

Nach von Köhne sind Johann Wilhelm Meermann und M. Schwaan der Inspektor und der Schirrmeister. Diese „Specification“ ist in der gleichen Textfassung bei Schtutschenko in der russischen Zeitschrift aus dem Jahre 1877, „Russkij veestnik: yezurnal literaturnyj i politiyeceskij Moskva“, nachzulesen. Band 132 Seite 386 - 392. (Findbar ist dieser Beitrag in der Berliner Staatsbibliothek 1a mit der Signatur: Ad 4740 a).

Otto Pelka erwähnt in seinem Buch „Bernstein“, Seite 48 die gleiche Aufstellung, ohne sich dabei auf Köhne oder Schtutschenko zu berufen.

Veröffentlicht wurde diese Specification auch in der (Monographie/Zeitschrift) „Russkij vyeestnik: yezurnal literaturnyj i politiyeceskij, Heft 132 zum Thema „Jantarnaja komnata zarskoselskoko dworza“

aus 1877, Seite 386-392.

4. Köhne, Seite 101.

5. Wermusch: Die Bernsteinzimmer – Saga, Seite 17.

6. Köhne, Seite 102.

7. Köhne, Seite 58.

8. Köhne, Seite 60.

1. Anmerkung

Das in der ganzen Welt berühmte Potsdamer Grenadier-Regiment bestand aus drei Bataillonen, jedes zu 800 Mann. Außer Russen befanden sich darunter; Schweden, Norweger, Italiener u.a. Der König war selbst Oberst dieses Regimentes. Das Regiment war vorzüglich bewaffnet und uniformiert. Die Uniform bestand aus blauen Röcken mit roten Aufschlägen, die wiederum mit goldenen Litzen besetzt waren. Strohgelbe Westen und Beinkleider vervollständigten diesen Anblick. Die Uniformen der Offiziere waren reich in Gold gestickt. Sie trugen außerdem silberne Schärpen, Degen mit silbernen Griffen und gleichen Quasten. Alle Pfeifer des Regimentes waren Mohren.

2. Anmerkung

Der nachfolgende, von Friedrich Wilhelm I. geschriebene Brief an Zar Peter ist der Beweis dafür, dass es sich bei der Überlieferung der 55 Grenadiere nicht um eine Legende handelt, wie Nicolas in ihrem Buch: „Der Raub der Europa“ annimmt.

Friedrich Wilhelm I. bedankte sich für die vom Zaren Peter erhaltenen Geschenke mit folgendem Brief:

„Durchlauchtigster, Großmächtigster, Großer Herr Tzaar und Großfürst. Vielgeliebter Bruder, Gevatter und Freund!

„Eurer Tsaarischen Mayst. Kammerjunker Herr von Tolstoy, hat

„Mir da fünfundfünfzig Mann große Grenadirer, und daneben einen

„Pokal von Eurer Mayst. Eigenhändigen und dannenher un=

„schätzbahren Arbeit, wie auch die zu Petersburg erbaute Barje und

„Drechselbank, womit Eure Mayst. Mich zu beschenken geruhen

„wollen, zu recht überliefert.

„Alles dieses ist Mir ein angenehmes Präsent, und ich bin Eurer Tsaarischen Mayst. Mehr davor verbunden als Ich es exprimiren kann.

„Ich wünsche auch nichts mehr, als eine baldige Gelegenheit zu finden,

„und dagegen Eurer Tsaarischen Mayst. Meine Herzliche Erkändlichkeit

„in der That erweisen zu können. In dessen hatten obgedachte Grena=

„direr nebst Meiner ganzen arme und was Ich sonst noch weiter zu

„Eurer Tzaarischen Mayst. Dienst und Beförderung Dero Interessen an=

„position stehen und werde Ich auch vor Meiner Persohn so lange Ich

„ Lebe, ohnaussetzlich beharren.

„Eur.Tzaarische Mayst.

„freundwilliger Bruder

„Gevatter und Freund

„Fr. Wilhelm.“ ( Vgl. Freiherr von Köhne, Seite 59)

Geheimakten der Hofkammer über das Bernsteinkabinett Friedrich I.

Hinweise zum Bernsteinkabinett Friedrich I. sind in einer Bestandsgruppen-Analyse in folgenden Aktenbeständen der Geheimen Hofkammer zu Berlin zu finden.

1.

Im Bestand: II. HA GEN.DIR., ABT. 1 GEHEIME HOFKAMMER [Vz 1] Geheime Hofkammer zu Berlin

Bestands-Signatur: II. HA Gen.Dir., Abt. 1. Laufzeit: (1406, 1441, 1504) 1580 - 1775. Umfang: 14 lfm (124 Pakete). Findmittel: Sammel-Findbuch (für Abt. 1 bzw. Generalkriegskommissariat), 1 Bd.; dazu für die "Älteren preußischen Sachen" ein Stichwortindex des 18.Jh. 1 Bd.

In diesem Bestand gibt es bezogen auf die Arbeit der damaligen „Ämter- und Domänenverwaltung, (1625) 1684 – 1722“ über den zuständigen

Verwaltungsbereich, der verantwortlich war für den „Erwerb und Veräußerung; Kolonisierung; Untertanen (u. a. Köllmer); Dienste und Mühlen;“ einen Hinweis über die „Tätigkeit der vom Vorsitzenden der Regierung zu Königsberg Alexander Burggraf zu Dohna-Schlobitten geleiteten Domänenkommission 1711/12“.

Zu finden sind diese Angaben unter der Aktenkennung: [Vz 10]. Die einbezogenen Ämter werden unter der Aktenkennung [Vz 11] aufgelistet. Dazu gehörten im einzelnen, die hier nicht alle aufgeführt werden, die Ämter ... Serrey und Tauroggen, Soldau, Sperling, Stallupönen, Stradaunen, Tapiau, Taplacken, Tilsit (u. a. Fischereikontrakt, 1625 i. A.; Transport des für Zar Peter I. bestimmten Bernsteinzimmers), Waldau, Willenberg. (Hervorhebung durch den Autor).

Anmerkung des Autors

Die Bezeichnung „Bernsteinzimmer“ ist zeitbezogen nicht korrekt. Die exakte Formulierung muß lauten: „Transport des für Zar Peter I. bestimmten Bernsteinkabinetts“. Die Verwendung des Begriffes Bernsteinzimmer ist erst ab dem Zeitpunkt historisch korrekt, als Rokoko und Barock miteinander vereint wurden.

Das betrifft auch die nachfolgenden Hinweise, die einen interessanten Einblick in den Umgang mit Bernstein von 1644 -1814 ermöglichen. Sie vermitteln die Tatsache, dass nicht nur ein Bernsteinzimmer für Friedrich I. in Auftrag gegeben werden sollte, sondern die Herstellung gleich mehrerer Bernsteinzimmer auf der Tagesordnung stand.

Bestands - Hinweise

„II. HA GEN.DIR ABT. 7 OSTPREUSSEN Bestands-Signatur: II. HA Gen.Dir., Abt. 7, Laufzeit: (1531 - 1684) 1644 - 1814. Umfang: 323 lfm (3074 Pakete).

Findmittel: Findbücher, 14 Bde, davon 1 Sammel-Findbuch für Abt. 7, Bestallungen, Abt. 6 I und II.“ zu finden. Die konkrete Aufschlüsselung wurde unter der Kennung [Vz 186(B)] archiviert.

Aus dem Gesamtbestand sind für Bernsteinzimmerforscher folgende konkrete Hinweise von historischer Bedeutung.

„...Bernstein-Gewinnung bzw. Fang-Verpachtung, Verarbeitung (Drehereien zu Königsberg, Stolp i. Pom., Kolberg, Halle a. S.) und Verkauf (aus den Bernsteinkammern zu Königsberg und Palmnicken), Ausübung der Bernstein- und Strandgerichtsbarkeit zu Fischhausen (u. a. Ordnungen 1644, 1690 und 1764;Anfertigung von Bernsteinzimmern für die Schlösser zu Berlin, Charlottenburg und Oranienburg, bzw. von Bernsteinarbeiten für Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, König Friedrich I. bzw. Friedrich Wilhelm I. in Preußen, König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, Herzogin Ursula Anna von Holstein-Beck, Zarin Katharina von Russland), Bestrafung von Bernstein-Unterschlagungen, Bestallung von Bernstein-Bedienten (u.a. Strand-Inspektoren, Bernstein-Ausreuter, Bernstein- Beseher, Bernstein-Schöppen), Beaufsichtung des Bernstein-Gewerks zu Königsberg und Stolp i. Pom. (u. a. Befreiung von der Kantonspflicht); ...“

(Hervorhebungen durch den Autor)

__________________

Auszüge aus einer Bestandsgruppen-Analyse Generaldirektorium bearbeitet von Jürgen Kloosterhuis <pdf-Version für die Online-Recherche> Berlin Copyright Geheimes Staatsarchiv PK 2008

https://www.gsta.spk-berlin.de/uploads/inventare/wgendir.pdf

1. Anmerkung

Das Bernsteinkabinett Friedrich I. befand sich unter Friedrich Wilhelm I. (siehe Markierung auf dem Grundriss) im Eckzimmer - dritter Stock des Berliner Schlosses. Nach der Abnahme der Bernsteinwände wurde dieses Eckzimmer weiterhin als Tabakskollegium genutzt.

Pölnitz erzählt in seinen Briefen bei Erwähnung der Lebensgewohnheiten des Königs folgendes:

„... und gehen hierauf in ein von dero Wohnung ziemlich weit entferntes Zimmer, wohin die Königin in Begleitung oder zweyer Dames unterweilen auch könnt Zehn oder 12 Offiziere, so in sonderbarer Gnade bei dem Kömig stehen, finden sich gleichfalls dort ein, und spielet man als dann Picquet, L Ombre und Tick-Tack, raucht auch Tabak und ist dieser der Ort wo der König diejenigen hinkommen lässet, welche er über etwas besonderes sprechen will, wie ich denn meines Ortes zweymal in solcher Absicht allda gewesen.

Aller Zwang ist aus dieser Gesellschaft vebannet und darf jedermann sitzen, inmassen der König von der ihm sonst gebührenden Ehrerbietung zu der zeit etwas nachlässet. Um 11.Uhr beurlaubt er die Gesellschaft und begibt sich in sein Zimmer.(1)

______________________

1.

Ein Beitrag von Albert Geyer: „Zur Baugeschichte des Königlichen Schlosses in Berlin. Der weiße Saal.“

Veröffentlicht in: Hohenzollernjahrbu8ch Bd. 7, Seite 273.

1903

Paul Seidel

Das Geschenk Friedrich des Großen an die russische Kaiserin Elizabeth

In den Komplex der verschenkten barocken Bernsteinwände aus dem Berliner Schloss ist ein weiteres wertvolles Bernsteinobjekt aus preußischem Besitz, das nicht unerwähnt bleiben kann, einzuordnen. Unter den Gegenständen, die Friedrich der Große der russischen Kaiserin Elisabeth 1745 überbringen ließ, war ein prachtvoller Spiegelrahmen.

Im Moskauer Archiv des Auswärtigen Amtes befand sich 1882 eine Beschreibung dieses Rahmens auf die sich von Köhne beruft. Eine Mitteilung darüber erhielt von Köhne damals von dem ehemaligen Archivdirektor und Hofmeister des Kaiserlichen Hofes, Herrn Baron von Bühler.

Dieser Bernsteinrahmen fand zunächst im ehemaligen Winterhaus, dem ehemaligen Palais Peter des Großen Verwendung, bis er im Jahre 1755 ebenfalls nach Zarskoje Selo gebracht wurde, um ihn dort ins Bernsteinzimmer einzuordnen. Die ausführliche Beschreibung dieses Rahmens scheint angebracht, weil er wahrscheinlich für drei andere Rahmen, die auf den Bernsteinplatten Verwendung fanden, als Vorlage, d.h. als Muster, diente. In diese neu angefertigten Rahmen und in den Rahmen, den Friedrich der Große Elizabeth schenkte, wurden später die Steinmosaike eingefügt.

Hier ist die Mitteilung aus dem Moskauer Archiv des Auswärtigen Amtes aus dem Jahre 1882.

I.

„ Oben in der Mitte

„2) Unter der Crone auf einem Parade-Polster das Reichs-Zepter und Schwerd.

II.

„Oben auf beyden Ecken

III.

„ An der Mitte auf den Seiten

„1) Die Kriegs=Göttin auf einer Welt=Kugel.

„2)Die Friedens=Göttin auf einem piedestal, beyde in Römischer Stellung, nebst einigen Kriegs=und Sieges=Zeichen, mit welchen auf den letzten Krieg in Finnland, und den von ihrer Russ, Kaysserl. Mayt: gemachten glorieusen Frieden gezielt wird.

IV.

„ Unten auf beyden Seiten

„1)Der Neptunus oder Meer=Gott, welcher einen Delphin aus dem Meer ziehet und erdrücket.

„2) Eine Sirene, die mit einem Delphin ringet; welches die Russische Macht zur See vorstellet.

V.

„Unten in der Mitte

„Allerhand Kriegs=Armaturen und Tropheen, bei welchen an jeder Seite ein Sclave lieget, wodurch die Russische Macht zu Lande angedeutet wird.“ (1)

Als das Bernsteinzimmer 1941 als „Kriegsbeute“ nach Königsberg kam, war dieser Rahmen in der genannten Form nicht mehr vorhanden, weil Änderungen und Beschädigungen ihren Teil dazu beigetragen hatten, diesem prächtigen Bernsteinrahmen ein anderes Aussehen zu geben. Inzwischen ist er rekonstruiert und schmückt mit dem Mosaik vom Tast– und Geruchssinn wieder die Südwand.

Die drei Fenster des Bernsteinzimmers, so Freiherr von Köhne, „gehen nach dem Hofe. Die denselben gegenüberliegende Hauptwand wird durch die Thür in zwei Hauptfelder getheilt. Jedes Feld zeigt in der Mitte einen großen viereckigen, äußerst reichen Bernsteinrahmen, darüber einen leeren langrunden, oben mit einem Mascaron (in der Architektur: Menschen oder Fratzengesicht - d. A.) gezierten Schild und ganz oben, eine ebenfalls von einem Mascaron überragte, von Festons umgebene Kartouche (schildförmiges Ornament des Barocks mit Laubwerk usw. - d. A.)

Der Rahmen auf der rechten Seite ist dervon

F r i e d r i c h d e m G r o ß e n

der Kaiserin geschenkte Spiegelrahmen und stimmt mit der…mitgetheilten Beschreibung überein, mit Ausnahme der großen von zwei Kriegern gehaltenen russischen Krone, welche jetzt beim dritten Rahmen angebracht ist.

Die auf der Seite des Rahmens befestigten kleinen Bilder, Landschaften darstellend, sind von der unteren Seite geschnitten und sehen daher aus wie Schnitzwerke, welche mit einer durchsichtigen Bernsteinplatte bedeckt sind.

In der Mitte des Rahmens, etwa ein Drittel des Rahmens einnehmend, erscheint eine viereckige Platte aus florentinischem Hartstein (Pietra dura)= Mosaik, in einem bronzenen, vergoldeten, von Agathen, Amethysten, Jaspisen und anderen Halbedelsteinen verzierten Rahmen, der im Verzeichnis der preußischen Geschenke nicht erwähnt wird und wahrscheinlich aus anderer Quelle herrührt.

Dieses Mosaik stellt den Geschmack vor: unter Ruinen, lateinische Bauern, welche essen und trinken.“(2)

Freiherr von Köhne, der seine Beschreibungen über das Bernsteinzimmer im Jahre 1882 veröffentlicht, muss das Bernsteinzimmer so gesehen haben, wie es auf einer Abbildung von 1859 zu sehen ist. Mit entsprechender Computervergrößerung ist auf der linken Seite der Ostwand eindeutig das Mosaik vom „Hören“ zu erkennen. (Veröffentlicht wurde die Aufnahme aus dem Jahre 1858 in „Jantarnaja komnata“, Seite 156, Bild 112. Autorenkollektiv St. Petersburg 2003).

Freiherr von Köhne beschreibt diesen linken Rahmen in der Ostwand, in dem sich das Mosaik vom „Hören“ befindet.

„Das linke Feld dieser Wand gleicht dem rechten, nur ist der Mittelrahmen ganz verschieden. ...

Die Seiten dieses Rahmens sind mit Statuetten geziert gewesen, von denen die linke, Jupiter darstellend, noch vorhanden ist, die rechte aber fehlt.

Oben erblickt man, über einer mit drei Seepferden in Hautrelief gezierten Kartouche, eine beschädigte Gruppe, welche einen Amor abgebildet, der einen zusammensinkenden unbekleideten Mann aufzurichten sucht.

Die auf den Seiten und auf dem unteren Theile des Rahmens liegenden acht ovalen Medaillons stellen mythologische Gruppen dar, nämlich Neptun und Amphitrite, Mars und Venus, Vulkan, Ceres auf einen Wagen usw. In den Ecken des Rahmens sind Früchte (in Haurelief) angebracht.

Die Mosaiktafel in der Mitte stellt das Gehör vor, ebenfalls eine italienische Bauerngruppe unter Ruinen.“(3)

Der Direktor der Städtischen Kunstsammlung Königsberg Alfred Rohde, der sich auf eigene Beobachtungen berufen kann, nachdem sich das Bernsteinzimmer im Königsberger Schloss befand, veröffentlichte folgende Einschätzung über den Rahmen Friedrich des Großen:

„Bei den breiteren Wandfeldern, sind die Spiegel, die die Mitte der Felder zierten, von Rastrelli entfernt worden und an ihrer Stelle große Rahmenfelder mit eingesetzten Steinmosaikbildern verwendet worden.

Anregung zu diesen Rokokofeldern gab ein großer, heute leider sehr zerstörter Spiegelrahmen, den Friedrich der Große 1745 der Kaiserin Elisabeth schenkte und der in die linke Seitenwand eingebaut ist.

Nach ihm wurden wohl die drei anderen Rahmenstücke gearbeitet.

In alle 4 Rahmenstücke wurden italienische (toskanische) Steinmosaikbilder, die vier Sinne darstellend, eingesetzt.“(4)

Die Einschätzung Rohdes: „...heute leider sehr zerstörter Spiegelrahmen, den Friedrich der Große 1745 der Kaiserin Elisabeth schenkte...“ deutet daraufhin, dass dieser Spiegelrahmen mit nach Königsberg gekommen ist.

Auf einer Aufnahme aus dem Jahre 1917 ist der Rahmen Friedrich des Großen in der Südwand zu sehen. Die Bestimmung Südwand wird auf dieser Fotografie möglich durch das Mosaik vom Tast- und Geruchssinn. Hier gibt es auf jeden Fall eine Übereinstimmung mit der Beschreibung aus dem Auswärtigen Amt von 1882.

Zusammenfassend kann die Feststellung erfolgen, dass es zwei unterschiedliche Hinweise über die Anbringung des Rahmens gibt.

1. Nach von Köhne in der Ostwand, rechts von der Tür mit dem Steinmosaik vom „Geschmack“.

2. Nach der Aufnahme aus dem Jahre 1917 in der Südwand, mit dem Mosaik vom „Tast- und Geruchssinn“. Hier gibt es eine Übereinstimmung mit der Feststellung Alfred Rohdes und mit dem rekonstruierten Bernsteinzimmer aus dem Jahre 2003.

______________

1.von Köhne, Seite 104.

2. von Köhne, Seite 109 -110.

3.von Köhne Seite 110.

4. Rohde, Pantheon, Seite 203.

Urheberrechtlich geschützte Bildnachweise sind zu finden unter:

1.

Die Ostwand in Zarskoje Selo. Aufnahme aus dem Jahre 1917. Jantarnaja komnata. Autoren Woronow und Kutschumow. Russische Ausgabe.

2.

Die Südwand mit dem Mosaik vom „Tast- und Geruchssinn“, Aufnahme aus dem Jahr 1917. Jantarnaja komnata. Autoren: Woronow u. Kutschumow. Russische Ausgabe.

3.

Zerstört - Entführt – Verschollen. Die Verluste der Preußischen Schlösser im Zweiten Weltkrieg. Gemälde I, Seite 135. Potsdam 2004. GKI 966

Georg Dawe. Kaiserin Elisabeth von Rußland. Leinwand, 87 x 69 cm. Am 14. Mai 1827 für 433 Taler erworben und im Berliner Schloss platziert. 1883 dort inventarisiert. 1909 im Gemäldevorrat Schloss Schönhausen. 1911 in das Schloss Charlottenburg. Zeitweilig im Hohenzollernmuseum Schloss Monbijou.

4.

Zerstört – Entführt – Verschollen. Die Verluste der Preußischen Schlösser im Zweiten Weltkrieg, Gemälde I, Seite 484. Potsdam 2004. GKI 11894 Anna Dorothea Therbusch, geb. Lisiewska. Friedrich der Große. Leinwand, 52,5 x 44,5 cm. Neues Palais – Schloss Babelsberg (?) – Juni 1944 Kloster Lehnin jetzt als Kriegsbeute im Staatlichen Puschkinmuseum, Moskau ( am 10. Oktober 1946 dort registriert).

5.

Details aus dem Rahmen Friedrich des Großen im Vergleich mit den Ausführungen aus dem Auswärtigen Amt Russlands (von Köhne), veröffentlicht in Jantarnaja komnata, St. Petersburg 2003, Autorenkollektiv.

Die Computerbearbeitung erfolgte durch den Autor. Die Bilder befinden sich im

Privatarchiv des Autors.

Der Chef der Heeresmuseen erteilt einen Auftrag

Als im Jahre 1934 der den Nationalsozialisten unbequem gewordene Kunsthistoriker und Direktor des Berliner Zeughauses Moritz Julius Binder abgelöst wurde, übernahm Konteradmiral a.D. Hermann Lorey in der Zeit vom 1. Aug. 1934 – Mai 1945 als Direktor die Verantwortung für das Zeughaus in Berlin. Damit erhielt das Zeughaus wieder einen Militär außer Dienst als Direktor.

Gleichzeitig wurde im Jahr 1934 dieses Objekt dem Reichs- und preußischen Ministerium für Wissenschaft- Erziehung und Volksbildung, verantwortlicher Minister Bernhard Rust, einem Freund Hitlers unterstellt. Es war das gleiche Ministerium, dem die Verwaltung Staatliche Schlösser und Gärten Berlin unterstellt wurde.

Lorey hatte bis „1925 aktiv in der Marine“ gedient. Zur Kaiserzeit bewährte sich Hermann Lorey als Kommandant des Linienschiffes „S.M.S. Kurfürst Friedrich Wilhelm“. Im Juli 1900 wurde das Schiff gemeinsam mit anderen Schiffen als „Ostasiatisches Expeditionskorps“ zur Niederschlagung des Boxeraufstandes nach China entsandt ohne dort irgendwelche kriegerischen Handlungen zu unternehmen. Mitte August 1901 erreicht das Linienschiff wieder den deutschen Heimathafen Kiel.

Ab 1907 versah „S.M.S. Kurfürst Friedrich Wilhelm“ seinen Dienst in der Reserveformation der Nordsee. 1910 wurde das Schiff für 9 Millionen Mark an das Osmanische Reich verkauft. Dort lief es unter den Namen: „Heireddin Barbarossa“ („Barbaros Hayreddin“).

Im Ersten Weltkrieg fuhr „Heireddin Barbarossa“ unter dem deutschen Kommandanten Hermann Lorey (1877-1954). Das Schiff wurde am 8. August 1915 durch das britische U-Boot E 11 versenkt. 253 türkische und deutsche Besatzungsmitglieder überlebten den Angriff nicht.

Hermann Lorey erlebte die Zeit des Kolonialkrieges und den Ersten Weltkrieg. Er stieg die maritime Leiter bis zum Vizeadmiral empor. Dass er ein mutiger, dem Kaiser treu ergebender Offizier war, beweisen die ihm verliehenen türkischen und deutschen Auszeichnungen:

Kaiserlich Türkische Osmanie-Orden 4.Kl.,

Preußischer Roter Adler-Orden 4.Kl.,

EK 2,

EK I,

Dienstauszeichnungskreuz.

Im Zweiten Weltkrieg konnte Lorey sich erneut bewähren, zwar nicht als Kommandant eines Linienschiffes, aber als vorübergehender Chef der Heeresmuseen und Direktor des Zeughauses in Berlin.

Nun ging es darum ehemalige deutsche Kunstgüter ins Dritte Reich zurückzuholen. Hermann Lorey war dabei. Gewissenhaft erfüllte er die Wünsche seines Führers, nicht nur in Frankreich sondern mit der gleichen Akribie in der Sowjetunion.

Hermann Lorey war Offizier des Kaisers. Er gehörte im Dritten Reich zu den Offizieren die als kaisertreu eingeschätzt werden können. Er reiht sich damit ein in die Reihe der kaisertreuen Offiziere aus dem Infanterieregiment 9, die während des Krieges maßgeblich daran beteiligt waren, ehemalige Kunstgüter der Hohenzollern in Sicherheit zu bringen. Seine Treue zu den Hohenzollern kann ihn mit bewogen haben an Ernstotto Graf Solms und Gerhard Poensgen den Auftrag zu erteilen, das Bernsteinzimmer in Sicherheit zu bringen.

Für „die Sammlung der Kriegsmarine im Museum für Heereskunde in Berlin, blieb er auch nach 1934 Direktor.“ (1)

Mit Beginn des Krieges gegen Frankreich übernahm dieser reaktivierte Offizier die Aufgaben des Chefs der Heeresmuseen.

Admiral Lorey war in dieser Funktion verantwortlich für Trophäen und Kriegsbeute sowie deren Erfassung und Verteilung. Damit war er stellvertretend bis zum 1. Mai 1942 in einer Funktion tätig, die vom 1.5.1938 bis zum Kriegsbeginn der General der Infanterie Friedrich Roese, wahrgenommen hatte.

Konteradmiral a.D. Hermann Lorey trug die volle Verantwortung für das „Einsammeln“ des Bernsteinzimmers in Zarskoje Selo. Daran gibt es keinerlei Zweifel. Lorey war der Auslöser. Er gab das Signal zum Handeln.

Von ihm aus bestanden nicht nur direkte Verbindungen zum Führer sondern als Chef der Heeresmuseen ebenso zu den Staatlichen Museen Berlin und zur Verwaltung Staatliche Schlösser und Gärten Berlin.

Das Zusammenwirken für den Kunstraub gelang ausgezeichnet und zwar ohne Skrupel. Sie waren ein Team: Hitler – Lorey – Otto Kümmel

(Direktor der Staatlichen Museen Berlin) – Ernst Gall (Direktor der Verwaltung Staatliche Schlösser und Gärten Berlin) – Ernst Otto Graf Solms zu Laubach und Georg Poensgen.

, Am 29. August 1939 - drei Tage vor dem Einfall in Polen - wurde in Schreiben des Chefs der Heeresmuseen (zu der Zeit war es noch General Roese) an das Heeresmuseum in Wien, das Berliner Zeughaus und an die Armeemuseen in Dresden und München folgendes mitgeteilt:

„Im Falle des Einsatzes der deutschen Wehrmacht ist es natürlich notwendig das sofort die Maßnahmen getroffen werden die eine Sicherung des für eine künftige Darstellung des Krieges in unseren Heeresmuseen unerlässlichen Musealgutes gewährleisten. Die erforderlichen Maßnahmen sind bereits im Entwurf festgelegt. Es handelt sich dabei um die Durchführung von Sammelaktionen beim Feldheer sowie der Überführung und Sichtung dieses Materials in der Heimat.

Sie wurden „Beutegut- und Sammeloffiziere“ genannt, die nach Auslösung „Barbarossa“ eingesetzt wurden. Es waren also keine Kunstschutzoffiziere, die das Bernsteinzimmer in Zarskoje Selo im Auftrag des Chefs der Heeresmuseen abbauten sondern ganz einfach „Beute- und Sammeloffiziere.“

Einer der eifrigsten Sammeloffiziere des Chefs der Heeresmuseen wurde Ernstotto Graf Solms zu Laubach.

Am 1. Mai 1942 übernahm der zwischenzeitlich für andere Aufgaben eingesetzte General Roese wieder die Aufgaben des Chefs der Heeresmuseen. Zu dem Zeitpunkt befanden sich die 144 Teile vom Bernsteinzimmer aus Zarskoje Selo schon in Königsberg.

Lorey und seine Sammeloffiziere hatten ganze Arbeit geleistet. Friedrich I. wäre stolz auf sie, aber den gab es nicht mehr. Jetzt war Hitler stolz auf Hermann Lorey und dessen Sammeloffiziere. Nun waren es erfahrene Museumsfachleute, einschließlich Alfred Rohde, die sich über das Bernsteinzimmer freuten.

Die Aufgaben des Chefs der Heeresmuseen fasste Lorey im März 1940 wie folgt zusammen:

„Chef der Heeresmuseen soll eine Führungsstelle sein für vier große und hoch gerühmte Traditionsstätten deutschen Waffenruhmes die Aufgaben militärischer, politischer, wissenschaftlicher und künstlerischer Art haben und dazu bestimmt sind, Begleiter unseres heutigen, von der soldatischen Leistung wieder so stark erfüllten Zeitgeschehens zu sein.“(2)

Wohlgemerkt, diese Worte gab Lorey im faschistischen Deutschland von sich! An diesen Strukturen änderte sich bis 1945 nichts mehr.

Ähnliche Töne schlug Lorey an, als er 1940 in einem Interview gegenüber dem Völkischen Beobachter die Arbeit des Chefs der Heeresmuseen charakterisierte:

„Die Dienststelle sollte die Heeresmuseen einheitlich beraten und betreuen.

Dazu koordinierte sie seit Kriegsbeginn die unbürokratische Aufteilung der Beutestücke auf alle Museen.

Ausdrücklich bemerkte Lorey, dass die Dienststelle nicht für den Tausch von Objekten der Museen untereinander zuständig sei.

Die Bestände der Museen fielen somit nicht unter die Bestimmung des Chefs der Heeresmuseen, sondern blieben in Verfügung der Direktoren der jeweiligen Museen.“(3)

Zu diesem Bestand des Königsberger Museums gehörte von nun an – zunächst fiktiv und später direkt - das Bernsteinzimmer.

Direktor dieses Königsberger Museumsschlosses, das wie viele andere zu den Museumsschlössern gehörte, war von nun an Ernst Gall.

Die Gleichschaltung der Heeresmuseen hatte Hitler 1938/39 durchblicken lassen. Sein Wunsch war es, dass die Heeresmuseen einheitlich dem Heer unterstellt werden.

Während eines Festaktes am 23. März 1940 wurde der im Sommer 1939 erteilte Befehl in die Tat umgesetzt und die neue Unterstellung vollzogen.

Das Sächsische Armeemuseum in Dresden war bereits am 18. Januar 1940 und das Bayrische Armeemuseum München am 21. Februar 1940 vom Heer übernommen worden. Von nun an trugen alle Museen einheitlich die Bezeichnung Heeresmuseum.

„Schließlich wurden auch die Museen dem Chef der Heeresmuseen unterstellt, die im Laufe des Krieges mit den besetzten Gebieten unter deutsche Verwaltung kamen. In einer Verfügung vom 22. Februar 1942 werden die Bezeichnungen der größten Museen wie folgt festgelegt:

Zeughaus Berlin (bis dahin Heeresmuseum Berlin, Zeughaus), Heeresmuseum Wien, Armeemuseum München (Heeresmuseum München), Armeemuseum Dresden (Heeresmuseum Dresden), Heeresmuseum Prag, Festungsmuseum Straßburg und Festungsmuseum Metz.“ (4)

Es gab nun folgende Unterstellungsverhältnisse: Der Chef der Heeresmuseen war während des Krieges dem OKH direkt unterstellt. Das Zeughaus mit seinem Direktor wiederum unterstand dem Chef der Heeresmuseen, wie die anderen in Heeresmuseen umbenannten Museen. Lorey war also in dem Zeitraum als er General Roese vertrat sich selber unterstellt. Er war nicht nur Direktor des Zeughauses Berlin, sondern gleichfalls amtierender Chef der Heeresmuseen. Ein Unterstellungsverhältnis unter das Erziehungsministerium gab es nicht mehr, weil die Gleichschaltung erfolgt war.

Außerdem war das Zeughaus Berlin aus dem Verband der Staatlichen Museen ausgeschieden. Es war mit dem Unterstellungsverhältnis unter das OKH eine rein militärische Einheit geworden, die mit Befehl geleitet wurde.

Diese Tatsache lässt sich historisch mit den Abbau des Bernsteinzimmers in Zarskoje Selo und dessen Transport über Siwerskaja nach Königsberg in Verbindung bringen. Alles das erfolgte auf Befehlsbasis. Es ist daher anzunehmen, dass der spätere Umgang mit dem Bernsteinzimmer auf Befehlsbasis erfolgt ist, immerhin war es ein Beuteobjekt der Sammeloffiziere, die im Osten im Einsatz waren.

Alles lag nun in einer Hand. Die Weichen waren gestellt. Admiral Lorey konnte die Interessen des Führers wahrnehmen. Seine ersten Handlungen begannen in Frankreich. Eine Dienstelle des Chefs der Heeresmuseen befand sich damals in Frankreich.

Loreys Vorgehen konzentrierte sich ohne Vorbehalt auf die im Kümmelreport aufgeführten rückzuführenden Gemälde.

Diese „von den Deutschen aus französischen und nationalen Sammlungen zusammengestellten Gemälde, die... im Invalidendom ausgestellt...worden waren wurden schließlich von Lorey abtransportiert“. (5)

Kein Wunder, das Admiral Lorey nach dem Überfall auf die Sowjetunion in den besetzten Gebieten der Heeresgruppe Nord durch die von ihm eingesetzten Sammeloffiziere Solms und Poensgen gleichwertige Handlungen durchführen ließ.

Die Annahme, dass im Berliner Zeughaus, dem Sitz des Chefs der Heeresmuseen, über das weitere Schicksal des Bernsteinzimmers eine Vorentscheidung getroffen wurde, die eng mit der Formulierung Hitlers in seinem Monolog zu dieser Problematik übereinstimmte, erscheint wahrscheinlich.

Hitlers Monolog, Teilauszug:

„Königsberg kann ich mit Geldern aufbauen, die mir Funk gegeben hat. Erstens eine Galerie, in die alles kommt, was wir im Osten gefunden haben, zweitens eine großartige Oper und drittens eine Bibliothek."

Admiral Lorey spielte im Auftrag Hitlers während des Frankreichfeldzuges bei der Rückführung ehemaliger deutscher Kulturgüter eine besondere Rolle. Lorey erhielt jegliche finanzielle Unterstützung im Auftrag Hitlers. Ihm wurde außerdem das Recht eingeräumt, bei Notwendigkeit persönlich von ihm in Vorschlag gebrachte Beauftragte dorthin zu kommandieren, wo sie erforderlich wurden. Nun konnte Lorey in Russland seine Fähigkeiten erneut unter Beweis stellen. Hier beauftragte er die beiden Kunsthistoriker Ernstotto Graf Solms zu Laubach und Georg Poensgen damit, das Bernsteinzimmer zu begutachten und bei Notwendigkeit abbauen zu lassen. Das war nationalsozialistische Methode und nicht die Idee irgendeines einzelnen.

Sie gehörten und wirkten zusammen: der Nationalsozialismus, die Heeresmuseen, die Heeresarchive, die Heeresbibliotheken, die staatlichen Museen Berlin und die Verwaltung Staatliche Schlösser und Gärten Berlin.

Sie waren die Initiatoren, um diese nationalsozialistische Idee gegenüber den vom Krieg gebeutelten Menschen - nach der Parole „Haltet durch wir sind unschlagbar!“ - den immer noch nicht erreichten Endsieg, vorzugaukeln.

Nach diesem angeblichen Endsieg, den es bekanntlich nie gegeben hat, schlüpfte Admiral Lorey wieder in den Bereich der Staatlichen Museen Berlin unter.

Letztendlich waren sie nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges alle wieder miteinander vereint, wenn es auch nur in der 1898 gegründeten Gesellschaft für Heereskunde war, die 1938 in Deutsche Gesellschaft für Heereskunde umbenannt worden war. Diesen Namen hat diese Gesellschaft bis heute behalten. Lorey war während der Nazizeit Ehrenmitglied dieser Gesellschaft und übernahm am 11. November 1953 auf der ersten Jahreshauptversammlung als Ehrenmitglied in Berlin Dahlem den Vorsitz.

Ob die Herren, als sie zusammen geplaudert haben einmal über das verschwundene Bernsteinzimmer polemisiert haben, oder wusste keiner der anderen Herren, dass es Admiral Lorey war, der einmal den beiden Kunsthistorikern Ernstotto Graf Solms zu Laubach und Georg Poensgen einen Auftrag erteilte?

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1. Thümmler, Lars Holger: Preußische Militärgeschichte. Das Zeughaus Berlin im Zweiten Weltkrieg. Eine Studie zu den Aufgaben und der Wirksamkeit des Museums, Abschnitt 2.2. Verwaltungsstrukturen. Thümmler beruft sich auf die Zeitschrift für Heereskunde, 1955, Seite 1.

www.grosser-generalstab.de/zeughaus.

2.Thümmler, Lars Holger: Preußische Militärgeschichte. Das Zeughaus Berlin im Zweiten Weltkrieg. Eine Studie zu den Aufgaben und der Wirksamkeit des Museums, Abschnitt 2.2. Verwaltungsstrukturen, Seite 2.

www.grosser-generalstab.de/zeughaus

3. Thümmler, Lars Holger: Preußische Militärgeschichte. Das Zeughaus Berlin im Zweiten Weltkrieg. Eine Studie zu den Aufgaben und der Wirksamkeit des Museums, Abschnitt 2.2. Verwaltungsstrukturen, Seite 1.

www.grosser-generalstab.de/zeughaus.

4. Thümmler: Pkt. 2.2. Verwaltungsstrukturen.

5. Günther Haase, Kunstraub und Kunstschutz. Eine Dokumentation, Seite 156.

Urheberrechtlich geschütztes Bildmaterial ist zu finden unter:

1. Bildnachweis, Das Zeughaus von Südosten. Klaus Frahm Hamburg. Veröffentlich in Preußen Kunst und Architektur, Seite 95.

2. Bildnachweis, Linienschiff „Kurfürst Friedrich Wilhelm,“ veröffentlicht unter www.german-navy.de.

3. Weitere Bildhinweise über Hermann Lorey sind im Digitalisierungszentrum München zu finden.

1. Anmerkung

Recherchen im Bundesarchiv Freiburg durch den Sohn des Autors haben ergeben, das dort wenig aussagefähige Dokumente über den Bereich Heeresmuseen vorliegen. Hier die wichtigsten, nicht im Text mit eingearbeiteten Hinweise.

Aus Briefen des OKH ist zu entnehmen das die Heeresmuseen nicht den Wehrkreiskommandos sondern dem OKH direkt unterstellt waren. Es existieren Briefe an die Heeresmuseen Königsberg/Straßburg, die das bestätigen und von Oberst Faasch, bzw. General von Wedel unterzeichnet sind. (RH62/v.105 N4271/44, Befehl vom 20.7.44). Es existiert ein Brief vom 11.08.1942 an Herrn General Roese/Chef der Heeresmuseen in Berlin, W/35 Blumenhof 17 von Oberst Pühringen, Generaldirektor der Oberpreußischen Museen. (RH 62/v.2). Die Unterlagen zu den Heeresmuseen Königsberg/Straßburg sind wenig aussagefähig. Bei Königsberg geht es in erster Linie um Briefe bis 1940 und einige Denkschriften eines Hauptmann Sommer aus 1958/60. Bei Straßburg sind es Briefe, die eine Verlagerung nach Rothenburg an Der Tauber beinhalten.

Alle vorhandenen Unterlagen wurden 1945 in einem Dokumentenzug von den Amerikanern erbeutet und komplett in die USA transportiert. Ab 1958 wurden die Unterlagen zurückgegeben. Bleibt die Frage offen, ob sie zu dem Zeitpunkt noch vollständig waren? Erstaunenswert ist, dass die Unterlagen zum Museum in Königsberg ca. 1940 enden. (RH62/V112 und RH 62 V113).

2. Anmerkung

Über den Rittmeister der Reserve Ernstotto Graf Solms zu Laubach gibt es im Personenarchiv der Wehrmacht keine Angaben im Bereich der Offiziere. Um festzustellen, ob Ernstotto Graf Solms zu Laubach in eine Einheit geschlüsselt war, müsste man wissen, welchem Stab er zugeordnet war, bzw. ob er direkt unterstellt war.

3. Anmerkung

Zu General Roese gibt es einen Hinweis, obwohl aus diesem keine Tätigkeit als Chef der Heeresmuseen hervorgeht. General Roese wurde am 21.10.1879 in Eisenach geboren und war bis 1938 als aktiver Offizier in verschiedenen Dienststellungen des Heeres /Infanterie eingesetzt.

Aus den vorhandenen Briefen geht ein ständiger Streit zwischen OKH/ Reichspropagandaministerium und Heeresmuseen hervor, wer wem wann etwas zu befehlen hat.

4. Anmerkung

Lorey war nach dem Krieg wieder im Rahmen der Staatlichen Museen tätig. Darüber berichtet Irene Kühnel - Kunze im Teilabschnitt „Der Magistrat von Berlin übernimmt die ehemals Staatlichen Museen. Substanzerhaltung und Beginn neuer Tätigkeiten“, folgendes:

„Eine vom 12. Oktober 1945 datierte Liste der Abteilungsleiter und deren Stellvertreter verzeichnet 18 Namen: Andrae, Anthes, Blümel, Brittner, Klar, Koch, Kühnel, Kühnel-Kunze,Lorey, Möhle, Post, Rave, Schmidt, Stief, Suhle, Weickert, Winkler und Zimmermann.“ Unter diesen genannten Abteilungsleitern bzw. deren Stellvertretern gab es zwei Personen, die auf jeden Fall Berührungspunkte zum Bernsteinzimmer hatten: Lorey und Zimmermann. Zimmermann war Direktor des Kaiser Friedrich Museums mit dem Alfred Rohde über das Bernsteinzimmer korrespondierte. (Hervorhebung durch den Autor.)

5. Anmerkung

Lorey wurde 1946 zur wissenschaftlichen Arbeit in den Berliner Museen herangezogen die von russischer Seite ausging.

„Von russischer Seite wurde im Dezember 1945 der Plan eines umfassenden Werkes über Museologie an den Magistrat (Berlin)herangetragen an dem sich möglichst viele der anwesenden Wissenschaftler der Museen und zwar der Kunstmuseen wie der naturkundlichen beteiligen sollten...

Es beteiligten sich folgende Museumsangehörige:

Andrae, Weickert, Suhle, Kühnel,Lorey, Post, Rave, Koch, Kautzsch, Möhle...“ u.a. (Hervorhebung durch den Autor)

Kühnel-Kunze, Irene: Bergung – Evakuierung - Rückführung. Die Berliner Museen in den Jahren 1939-1959. Abschnitt IV Neue Verwaltungen (nach dem 8. Mai 1945), Seite 76 und Seite 83

6. Anmerkung

In der Handreichung zur Umsetzung der Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz vom Dezember 1999, werden Ernstotto Graf Solms zu Laubach und Georg Poensgen „als Referenten für den militärischen Kunstschutz für die Militärverwaltung Osten“ geführt.

(Handreichung 1999 Seite 18)

7. Anmerkung

Literatur: Zwach, Eva, Deutsche und englische Militärmuseen im 20. Jahrhundert. Museen – Geschichte und Gegenwart. Band 4. Münster 1999.

8. Anmerkung

Nach dem Krieg werden die wichtigsten Akten des Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg im Centrum de Documentation Juive Contemporaine in Paris und in den Zentralarchiven in Kiew und Riga sowie in Spezialarchiven in Moskau aufbewahrt.

In den Spezialarchiven sind die vom ERR geführten Karteikarten über sichergestellte Kunstgüter vorhanden. Für die Öffentlichkeit sind diese Karten gegenwärtig noch nicht einsehbar. Kulturelle Werte wurden durch militärische Einheiten erfasst. Bei der Durchführung dieser Aufgaben standen die Chefs der Heeresarchive, der Heeresbibliotheken und der Heeresmuseen an erster Stelle. Diese Erfassungskriterien befinden sich gegenwärtig ebenfalls in Spezialarchiven in Moskau.

Quelle: Übersetzung aus dem Englischen. Gefunden über translate.google.com.

www.dhh-3.de/biblio/bremen

9. Anmerkung (Hermann Lorey)

1942 erblickte eine Liste (Wer als Leser in einer Universitätsbibliothek eingetragen ist, kann sich diese Liste über die Stadtbibliothek Braunschweig zur Einsichtnahme bestellen - d.A.) über rückgeführte Kunstgegenstände aus Frankreich das Licht der Welt. Diese Liste wurde von Hermann Lorey zusammengestellt und mit einem Vorwort versehen. Darin wird durch Lorey die Zielstellung dieses Vorhabens erläutert:

„Nach Beendigung des siegreichen Feldzuges gegen Frankreich 1940 ordnete der Führer und Oberster Befehlshaber der Wehrmacht an, dass seit der französischen Revolution aus deutschen Ländern geraubte militärische Gut in die Heimat zurückzuführen. Lorey, Konteradmiral.“

In einer Liste werden 2027 Stücke aufgeführt, die aus Frankreich zurückgeführt wurden. Der überwiegende Teil der rückgeführten Stücke stammt aus dem Armeemuseum Paris, einige Stücke aus der Artillerieschule von Fontainebelau, wieder andere aus Straßburg, Evreur, Fort Chaventon, St. Cyr, Satory Artillerie Kaserne Versailles, Vincennes u.a.

Vom Geschütz Friedrich I, 1708 gegossen, bis zum Panzerhemd aus dem 16. Jahrhundert, wurde alles akribisch aufgelistet.

10. Anmerkung

Nach Anja Heuss erhielt Lorey „einen ebensolchen Auftrag für die Rückführung von Beutewaffen aus der Sowjetunion“. (vgl. dazu BAB, R 92/146, S. 161: RKO an Generalkommissariat 16.9.41.)

Heuss Anja, Kulturgutraub, Seite 262, Anmerkung Pkt. 35.

Ernstotto Graf Solms zu Laubach ein„Sammeloffizier“ und „Beauftragter“ des Chefs der Heeresmuseen

Im Vergleich mit dem Einsatz von Beauftragten des Chefs der Heeresarchive und des Chefs der Heeresbüchereien im rückwärtigen Heeresgebiet der Heeresgruppe Nord, bleibt zunächst die Frage offen, wer im rückwärtigen Heeresgebiet der Heeresgruppe Nord als Beauftragter für den Chef der Heeresmuseen tätig wurde. Es ist kaum anzunehmen, dass der Chef der Heeresmuseen auf einen Beauftragten verzichtet hat.

Bei näherer Betrachtung und Überlegung deutet alles daraufhin, dass Ernstotto Graf Solms zu Laubach der richtige Mann für den Chef der Heeresmuseen war, der dessen Interessen im Befehlsbereich der Heeresgruppe Nord wahrnehmen konnte. Diese Vermutung lässt sich aus einem Hinweis ableiten, den Remy in seinem Buch „Mythos Bernsteinzimmer“ auf Seite 90 veröffentlicht.

„Dr. Ernstotto Graf Solms zu Laubach gehörte zu den Sammeloffizieren der Heeresmuseen, die den Auftrag hatten, Waffen und Geräte des Gegners sicherzustellen.“

Diese Dienststellung kam der eines Beauftragten des Chefs der Heeresmuseen sehr nahe. Der Umstand, dass Ernstotto Graf Solms zu Laubach „am 8.3.45 von der Einsatzgruppe III des Chefs der Heeresmuseen zum Leiter der Einsatzgruppe I“ (Chef Heeresmuseen – d. A.) versetzt“ (vgl. Anja Heuß Seite 169, Anmerkung Pkt. 30. Auskunft der Zentralnachweisstelle Aachen, Dezember 1997) wurde, schließt diese Möglichkeit ein.

Warum sollte ausgerechnet der Chef der Heeresmuseen Admiral Lorey nicht mit Beauftragten arbeiten. Das ergäbe keinen Sinn. Nicht nur die Institution des Chefs der Heeresmuseen, sondern die Institution des Chefs der Heeresbibliotheken und des Chefs der Heeresarchive waren in den besetzten Gebieten aktiv am Raub militärischer und militärhistorischer Sammlungen beteiligt und verfügten über einen Beauftragten.

Von Ernstotto Graf Solms zu Laubach führt die Spur immer wieder zum Chef der Heeresmuseen unabhängig davon in welchem Truppenteil der Heeresgruppe Nord er tätig wurde um Kunstgüter in „Sicherheit“ zu bringen.

Als Befehlsempfänger hinsichtlich seiner Einsatzmöglichkeiten im Osten wechselte Ernstotto Graf Solms zu Laubach die jeweiligen Unterstellungsverhältnisse wie ein Chamäleon die Farbe. Dafür aber gab es Gründe.

In der Handreichung der Bundesregierung vom Dezember 1999 wird Ernstotto Graf Solms zu Laubach als

„Dr. Ernstotto Graf Solms zu Laubach Referent für den militärischen Kunstschutz für Militärverwaltung Osten“

bezeichnet. Eine sehr kulante Bezeichnung. Zutreffender wäre in dieser Handreichung die Bezeichnung gewesen, „skrupelloser Kunsträubervon Format“.

Skrupellos deshalb, weil er vor Kriegsbeginn in Frankfurt am Main bewiesen hatte wozu er fähig war.

Insbesondere als Testamentsvollstrecker im Umgang mit dem Nachlass des Bankiers Julius Heyman, der in Frankfurt am Main zu den bedeutendsten Sammlern repräsentativer Kunst gehörte, zeigte sich dieses skrupellose Verhalten Ernstotto Graf Solms zu Laubach sehr deutlich.

„Die Asche Heymans wurde auf einem öffentlichen Friedhof beigesetzt. Als Testamentsvollstrecker unterschrieb allein der neue Leiter des Historischen Museums, Ernstotto Graf Solms zu Laubach, der zweite Testamentsvollstrecker musste wegen seiner jüdischen Herkunft emigrieren. Ernstotto Graf Solms zu Laubach, der an zahlreichen Arisierungen jüdischer Sammlungen in Frankfurt beteiligt war, löste die gesamte Sammlung auf. Im Juli 1940 nahm er mit dem Frankfurter Kunsthändler Heinrich wegen der Veräußerung Kontakt auf. Am 5. Oktober 1940 wurde dem Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main mitgeteilt dass Heinrich einige Stücke übernommen habe.

Aus dem Abschlussbericht des Bundesamtes für Kultur über Erwerbungen zwischen 1933 und 1945 durch kulturelle Institutionen der Eidgenossenschaft erfahren wir, dass zwölfmittelalterliche Schweizer Glasscheiben aus dieser Sammlung drei Jahre später bei dem Schweizer Kunsthändler Rothenhäusler auftauchten, der eine der Glasscheiben für 2800 Franken an das Schweizerische Landesmuseum in Zürich verkaufte...

Da der Sammler bereits 1925 verstorben war, bleibt er selbst von der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik verschont. Hingegen sind die Zuwiderhandlungen gegen sämtliche Stiftungsbestimmungen durch die Stadt Frankfurt am Main im Zusammenhang mit der antisemitischen Verfolgung zu sehen. Dieser Fall ist insofern als „Raub“ zu bewerten. (Anmerkung 1)

Die gleichlautende Bezeichnung „Referent für den militärischen Kunstschutz für Militärverwaltung Osten“ ist in der Handreichung der Bundesrepublik für die Tätigkeit von Georg Poensgen zu finden.

„Dr. Georg Poensgen, Referent für den militärischen Kunstschutz für Militärverwaltung Osten“.(1)

Im Osten gab es keinen „Kunstschutz“ mehr. Der Kunstschutz sollte als militärischer Verband „während der Kampfhandlungen im Kriegsgebiet denkmalpflegerische Aufgaben übernehmen und die fremden Kulturgüter vor dem Zugriff durch eigene Truppen schützen.

Bezeichnenderweise kam im Gegensatz zu den besetzten westeuropäischen Gebieten die offizielle militärische Kunstschutzformation in der Sowjetunion nichtzum Einsatz. Sicherungsmaßnahmen waren hier in der Regel mit der Beschlagnahme der entsprechenden Objekte für einen etwaigen deutschen Gebrauch verbunden.“(2)

In der Beschlagnahmung von Kunstgütern, die anderen gehörten, kannte Ernstotto Graf Solms zu Laubach sich schon vor Kriegsbeginn aus. Es war die Zeit, als er noch in Frankfurt am Main als „Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums“ tätig war.

„Der Pariser Kunstmarkt war zu dieser Zeit geradezu überschwemmt von Kunstgegenständen aus dem Besitz zumeist jüdischer Familien.

Der Direktor des Museums für Kunsthandwerk, Prof. Mannowsky, und der Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums, Ernstotto Graf Solms zu Laubach, der auch die Interessen des Städels und der Städtischen Galerie mit vertreten sollte, erkundeten, ausgestattet mit 5000 Reichsmark in (abgewerteten) Francs Anfang Dezember 1940 den Kunsthandel in Paris.“ (3)

Nicht nur in Paris war etwas aus jüdischem Besitz zu holen. In Frankfurt am Main war das genau so der Fall.

„Nachdem der Frankfurter Oberbürgermeister Krebs im Jahre 1939 auf vielerlei Wegen versucht hatte, den Besitz aus dem Museum Jüdischer Altertümer und den Synagogen wieder in die Hände der Stadt zu bringen, zeichnete sich in der Auseinandersetzung mit der Gestapo eine Lösung ab.

Die Gestapo brachte das Raubgut zur Pfandleihanstalt wo Ernstotto Graf Solms zu Laubach und Prof. Walter Mannowsky seit 1938 Direktor des Museums für Kunsthandwerk „jüdische Kunstgegenstände“ für 8000 RM kauften bei den Materialpreisen der „Ankaufstelle“ fast 300 Kilogramm Silber.“(4)

Ernstotto Graf Solms zu Laubach war also der richtige Mann für den Einsatz im Osten. Kein Wunder, dass die Nationalsozialisten ihn für würdig hielten, ihre Interessen im Osten wahrzunehmen. Das nach Kriegsende durchgeführte Tingeltangel, wer während des Krieges wem Befehle gab, um den Kunstraub in den besetzten Gebieten der Sowjetunion durchzuführen, wirkt eher grotesk als korrekt.

Zum einem behauptet Ernstotto Graf Solms zu Laubach das er seine Aufträge vom Oberbefehlshaber der 18. Armee Generalfeldmarschall von Küchler persönlich erhielt. Das entspricht der Logik, weil Solms im Befehlsbereich von Kühler wirksam wurde. Küchler musste vor Ort Entscheidungen treffen. Den Auftrag zu prüfen, wie es um das Bernsteinzimmer bestellt ist, erhielt Ernstotto Graf Solms zu Laubach nicht von Generalfeldmarschall von Küchler – und schon gar nicht von Gauleiter Koch - sondern vom Chef der Heeresmuseen, Admiral Lorey. Das ist in der Kausalkette des Vorgehens ein kleiner Unterschied.

Hinter Admiral Lorey stand der Führer persönlich. Lorey hatte nicht nur für Frankreich Befugnisse vom Führer erhalten um den Kunstraub durchzuführen sondern nach Beginn „Barbarossa“ auch für die Sowjetunion.

Die Handlungen von Ernstotto Graf Solms zu Laubach im militärischen Bereich. ob im Stab der Heeresgruppe Nord oder im Stab des rückwärtigen Heeresgebietes der Heeresgruppe Nord oder in anderen Stäben waren nur Folgeerscheinungen.

Fazit: Die Umschreibung der Tätigkeit von Ernstotto Graf Solms zu Laubach in der Militärverwaltung Ost ist nichts weiter als eine Legende, sie soll vom Kunstraub ablenken, nicht mehr und nicht weniger.

„Natürlich wollte z.B. Ernstotto Graf Solms zu Laubach das weltberühmte Bernsteinzimmer retten, jedoch nicht für „die Russen“, sondern „vor den Russen“. Genau darin liegt die tiefere Bedeutung des Begriffs der Sicherstellung in den Akten des Nationalsozialismus: die Sorge der Beteiligten galt den Objekten, nicht ihren Eigentümern.

Das Kunstwerk wurde als schützenswert betrachtet, weniger das Menschenleben“.

(siehe Anja Heuss, Seite 10).

Den Beweis dafür, dass Ernstotto Graf Solms zu Laubach wirklich im rückwärtigen Heeresgebiet der Heeresgruppe Nord eingesetzt wurde liefert Ulrike Hartung.

„Mit dem Zeitpunkt der Übergabe der Militär- an die Zivilverwaltung setzte eine Ausplünderung der Städte ein, die wohl in der Geschichte beispiellos ist. Neben bisher erwähnte Kommandos des SD, der GFP (Geheime Feldpolizei – d.A.), den Abteilungen der Wehrmacht bzw. des Heeres und dem Sonderkommando des AA (Auswärtiges Amt – d.A.), die alle im Operationsgebiet agierten, stellten sich weitere NS-Organisationen und Einzelpersonen ein, die mit oder ohne Spezialaufträgen versehen, sie interessierende Objekte durchsuchten. Diese „Überorganisation reichsdeutscher Stellen“ zeigte sich beispielsweise in Reval/Tallinn, wo sich im November 1941 die Beschlagnahme ein- und derselben Kunstsammlung von neun verschiedenen Stellen feststellen ließ...“

Darunter befand sich „Ernstotto Graf Solms zu Laubach, der vom Befehlshaber des rückwärtigen Heeresgebietes (der Heeresgruppe Nord-d.A.) erneut mit der Betreuung der Kunstschätze beauftragt wurde“.(5)

Ernstotto Graf Solms zu Laubach wirkte mit dem Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg zusammen, ein nachweisbarer Widerspruch zu seiner Aussage vor dem Nürnberger Militärtribunal.