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In seinem 1911 veröffentlichten Buch beschreibt der populäre Wissenschaftler O. Zacharias den Stand der damals noch jungen In seinem 1911 veröffentlichten Buch beschreibt der populäre Wissenschaftler O. Zacharias den Stand der damals noch jungen Wissenschaft der Hydrobiologie. Neben einem kurzen historischen Abriß erläutert der Autor die verschiedenen Fangmethoden und beschreibt häufige Vertreter der mikroskopischen Fauna und Flora der Binnengewässer, deren Tropismen und Verbreitung.Darüber hinaus werden evolutionsbiologische Aspekte angerissen und die Bedeutung des Planktons für die Fischereiwirtschaft und die Gewässerreinheit erörtert. Auch ein Abschnitt zu marinen Planktonorganismen fehlt nicht. Neben Ausführungen des Autoren zur Ausgestaltung eines zeitgemäßen biologischen Schulunterrichts wird auch die von Zacharias begründete Biologische Station am Großen Plöner See vorgestellt, aus der das Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie hervorging. Das Buch ist mit 57 Textabbildungen (S/W) und einem Titelbild versehen.
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Seitenzahl: 203
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Das Süßwasser—Plankton
Einführung in die freischwebende Organismenwelt
unserer Teiche, Flüsse und Seebecken
Von
Prof. Dr. Otto Zacharias
Mit 57 Abbildungen im Text und einem Titelbild
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
I. Begriff und Gegenstand der Hydrobiologie
II. Historischer Rückblick
III. Vom Plankton im allgemeinen und wie man es fängt resp. konserviert.
IV. Die planktonischen Krustazeen.
V. Über das Verhalten der Planktonkrebse zum Lichte.
VI. Faunistisch-tiergeographische Ermittlungen bezüglich der lakustrischen Krebsfauna.
VII. Die Rädertiere (Rotatorien) des Planktons.
VIII. Passive Wanderung der Krebse und Rädertiere.
IX. Entstehung neuer Arten und Varietäten durch Isolierung.
X. Die Geißelträger (Flagellaten) des Planktons.
XI. Planktonische Wurzelfüßer (Rhizopoden) und Infusorien.
XII. Die planktonischen Pflanzenformen.
A. Bazillariazeen (Diatomeen).
B. Chlorophyceen (Grünalgen).
C. Cyanophyceen (Blaualgen).
XIII. Die Periodizität der Planktonwesen.
XIV. Die Tiere und Pflanzen des Planktons in ihren gegenseitigen Beziehungen.
XV. Einige Bemerkungen über das Plankton flacher Tümpel und Teiche.
XVI. Das Plankton der Flüsse (Potamoplankton).
XVII. Über das Verhältnis der Hydrobiologie zum Fischereiwesen.
XVIII. Das Plankton als Gegenstand eines zeitgemäßen biologischen Schulunterrichts.
XIX. Die Biologische Station zu Plön.
XX. Das ozeanische Plankton.
Literatur.
Als Verfasser des vorliegenden Bändchens habe ich mir die Aufgabe gestellt, einen größeren Leserkreis mit dem Süßwasserplankton bekannt zu machen, d.h. mit jener bunt zusammengesetzten Gesellschaft von pflanzlichen und tierischen Lebewesen, die je nach der Jahreszeit in mehr oder minder reichlicher Anzahl alle unsere stehenden (und langsam fließenden) Gewässer bevölkern. Eben diese Wesen sind sämtlich- mit nur ganz wenigen Ausnahmen- von winzigen Dimensionen und besitzen zum Unterschiede von dem Kleinzeug der mit ihnen dasselbe Wohnelement teilenden Ufer- und Bodenbewohner, welche vielfach verwandten Gattungen angehören, durchweg die besondere Eigentümlichkeit, daß sie, ohne jemals eines Stütz- oder Ruhepunktes zu bedürfen, vollkommen frei im Wasser zu schweben vermögen. Alle diese Organismen (pflanzliche sowohl wie tierische) charakterisieren sich hiernach als vorwiegend passiv (d.h. willenlos) im Wasser treibende und dem Spiel von Wind und Wogen preisgegebene Kreaturen. Durch das aus dem Griechischen entlehnte Wort „Plankton“, welches der Kieler Physiolog V. Hensen zur Bezeichnung der Gesamtheit dieser Schwebwesen seinerzeit geprägt hat, wird das, worin der Unterschied zwischen letzteren und den schwerfälligeren Bewohnern der Uferzone, bzw. der Tiefenregion, besteht, klar ausgedrückt.
Zur vorläufigen Betrachtung einer Planktonprobe und um die größeren Arten von Organismen darin zu erkennen, reicht schon eine gewöhnliche Lupe hin. Zum wissenschaftlichen Studium dieses anziehenden Naturgegenstandes ist dagegen unbedingt das Mikroskop erforderlich, wenn auch stärkere Linsensysteme, welche die zartesten Strukturen deutlich wahrnehmen lassen, für den Anfang entbehrlich sind.
Von Prof. Rud. Virchow [Vgl. dazu dessen Rede im Preuß. Landtage vom 4. Feb. 1895 über die Notwendigkeit einer biologischen Erforschung unserer einheimischen Gewässer.] rührt der treffende Vergleich der für das unbewaffnete Auge kaum sichtbaren Scharen von Plankton-Organismen mit den Nebelflecken her, deren schwachen Schimmer wir da und dort am nächtlichen Firmament gewahren. Ganz ebenso wie diese kosmischen Gebilde sich erst bei Anwendung starker Fernrohre in Haufen kleiner und kleinster Sternchen auflösen lassen, so gelingt eine genaue Bestimmung der verschiedenen Planktonwesen, welche oft massenhaft wie ein lebender Staub unsere Gewässer durchsetzen und hierdurch eine Trübung derselben verursachen, gleichfalls nur mit optischen Hilfsmitteln, welche die natürliche Sehkraft unseres Auges hochgradig potenzieren.Mit Staunen sehen wir dann, welche Fülle von eigenartigen Tieren und Pflanzen schon im engsten Raume beisammen sein kann und darin sich zu erhalten vermag! Das Gesichtsfeld des Mikroskops enthüllt uns da eine ganz neue, vorher nicht geahnte Welt, die aber ebenso voller Wunder und Probleme ist wie die andere große, die uns unmittelbar umgibt und womit jene durch mannigfaltige Beziehungen nachweisbar aufs innigste verbunden ist. Voll von dem überwältigenden Eindruck, den uns eine gründliche Umschau in der Sphäre kleinsten und niedersten Lebens erweckt, erinnern wir uns des alten, aber ewig wahren Ausspruchs: Natura et in minimis maxima.
Vorliegendes Bändchen der Serie „Aus Natur und Geisteswelt“ erscheint nach Ablauf eines dreijährigen Zeitraums in zweiter vervollständigter Auflage. Dies dürfte als ein Symptom dafür anzusehen sein, daß das Interesse an dem Gegenstande, welchen es behandelt, im Zunehmen begriffen ist, und das immer weitere Kreise für eine nähere Bekanntschaft mit der Wissenschaft vom Plankton gewonnen werden.
Plön, Biologische Station, 1911
Im Verlaufe von reichlich zwei Jahrzehnten ist ein Forschungszweig allmählich zur Blüte gediehen, der sich mit dem Leben in unseren Gewässern beschäftigt, insofern dieses eine reiche Fülle von merkwürdigen Tier- und Pflanzenwesen umfaßt. Eine lange Zeit hindurch hatte man diesen naheliegenden Gegenstand der Beobachtung und des Studiums ziemlich unbeachtet gelassen, weil es so schien, als sei es gar nicht erst der Mühe wert, ebensoviel Fleiß und ein gleiches Maß an intellektueller Anstrengung auf die nähere Erforschung der Organismenwelt unserer einheimischen Wasserlachen und Binnenseen zu verwenden, wie man seit langem schon dem imponierenden Meere und seinem staunenswerten Lebensreichtume zu widmen gewohnt war. Es bestätigte sich hierbei die alte Erfahrung, daß über das Fernerliegende, aber in die Augen springende, das bescheidener sich gebende und in der Nähe Befindliche leicht der Vernachlässigung anheimfällt. Glänzende Forschungsexpeditionen hatten uns mit den lebendigen Schätzen der Salzflut bekannt gemacht; in den Laboratorien der Zoologen und Botaniker schwelgte man in der Bewunderung der aufgefischten Objekte, welche auch das volle Interesse ganzer Generationen von Naturforschern in Anspruch zu nehmen geeignet waren. Nichts ist unter derartigen Umständen begreiflicher, als daß außer den Aquariumsliebhabern und vielleicht Leuten, die aus der Schule des trefflichen Roßmäßler hervorgegangen waren, eigentlich niemand daran dachte, sich eingehender mit dem Süßwasser zu befassen, um zu erkunden, was dieses wohl bei gründlicherer Durchforschung zutage fördern würde. Das Hauptinteresse der wenigen Wissenschaftler, welche etwa die heimischen Teiche und Seebecken zu ihrer Studien-Domäne machten, konzentrierte sich vornehmlich auf die Fische und die größeren Vertreter der Insektenwelt, so daß gelegentlich einige neue Wasserkäfer, Köcherfliegen, Mücken und Libellen zur Auffindung gelangten. Von derartigen Ergebnissen nahm aber außerhalb des Kreises der Fachgenossen kaum jemand weiter Notiz. Algenforscher mochten dann und wann wohl eine größere Anzahl neuer Formen in der mikroskopischen Wasserflora entdecken, aber es kam weder zu weiteren Ausblicken noch zur Aufstellung umfassenderer Gestzmäßigkeiten, durch welche die gesammelten Gelegenheitsfunde ein allgemeines und wissenschaftliches Interesse gewonnen hätten.
Da machten in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts skandinavische Naturforscher die wichtige Wahrnehmung, daß es in den großen Landseen Schwedens und Norwegens eine hauptsächlich aus freischwebenden Krebstieren bestehende Tierwelt gebe, deren Vertreter, obgleich nur von geringer Größe, so massenhaft vorhanden waren, daß ihre Menge in einem großen Wasserbecken nach vielen Hunderten von Zentnern geschätzt werden mußte. Alsbald richtete sich die Aufmerksamkeit der Zoologen auch in den übrigen Ländern Europas auf diese merkwürdige Kleinfauna, und siehe da, dieselbe fand sich nicht bloß in den nahegelegenen dänischen, sondern auch in den viel weiter entfernten Seen der Schweiz vor. Mit dieser Tatsache machte uns (1867 und 1868) zuallererst der Kopenhagener Tierkundige P. E. Müller bekannt, und er war es auch, der damit die Anregung zu einer fortgesetzten, und gründlichen biologischen Untersuchung unserer Binnengewässer überhaupt gab. Von da an erwarben sich wissenschaftliche Arbeiten dieser Art immer mehr Freunde unter den Fachgelehrten, und man erzielte eine ganze Reihe bemerkenswerter Ergebnisse, die zur Folge hatten, daß schließlich auch die allgemeine Aufmerksamkeit der berufsmäßigen Forscher auf die Bewohnerschaft der einheimischen Binnenseen hingelenkt wurde. Aber es verging doch noch manches Jahrzehnt, ehe man einen klaren und einigermaßen erschöpfenden Begriff von der gesamten in unseren vaterländischen Gewässern enthaltenen Organismenwelt erlangte. Denn diese besteht, wie sich im Fortgang der Untersuchungen herausgestellt hat, nicht nur aus winzigen Krustazeen, sondern auch aus zahlreichen Arten von Rädertieren, Wassermilben und Infusorien, die mit der Fähigkeit zum freien Schweben im Wasser begabt sind. Wegen dieser Eigenschaft, die aber keineswegs allen Wasserbewohnern zukommt, bezeichnet man jene im übrigen bunt zusammengewürfelte Gesellschaft als das „Geschwebe“, womit sich- dem Sinne nach- das griechische Wort „Plankton“ ungefähr deckt. Genauer übersetzt würde letzteres freilich mehr das Dahintreibende, im Wasser Flottierende bedeuten: im Gegensatz zu dem, was aus eigener Kraft und aktiv schwimmend den Ort wechselt. Außer der Schwebfauna gibt es aber noch viele andere tierische Wesen in unseren Teichbecken, namentlich auch solche, die sich in der seichten Uferzone aufhalten, wo vielfach ein üppiger Pflanzenwuchs zu finden ist, welcher vielen kleinen und auch größeren Organismen zum Versteck oder zum Schutz vor der vom Winde erregten Wasserbewegung dient. Hier leben die Käfer und ihre Larven, die Entwicklungsstadien zahlreicher Zweiflügler (''Diptera''), Wasserjungfern (''Libellulidae''), Hafte (''Ephemeridae'') und Köcherfliegen (''Phryganidae''), sowie die Sippe der Wasserwanzen, die schlammbewohnenden Würmer, die Muscheln, Schnecken, Moostiere, Schwämme und Süßwasserpolypen. Daneben gibt es aber auch noch eine Menge kleiner Krustazeen von gedrungenem Bau, größere Infusorien und festsitzende Rädertiere, denen sämtlich das Vermögen abgeht, sich fern vom Ufer freischwebend im Wasser zu halten.
In den tiefgründigen Seebecken tritt hierzu noch eine dritte Welt lakustrischen Lebens, die sogenannte Grund- oder Tiefenfauna, welche den Teichen und Tümpeln gänzlich fehlt. Sie besteht aus Abkömmlingen der Uferbewohnerschaft und rekrutiert sich aus Würmern, Moostieren und Insektenlarven. Dazu kommen noch einige Muscheln und Schnecken.
Hinsichtlich einer genaueren Definition des Planktons wäre noch zu erwähnen, daß die frei im Wasser schwebende Organismenwelt, von der oben die Rede war, durchaus nicht bloß aus tierischen Wesen, sondern auch aus zahlreichen Arten von mikroskopischen Pflanzenwesen besteht, insbesondere aus niederen kryptogamischen Gewächsen, die man in ihrer Gesamtheit als Algen bezeichnet. Davon wird später noch ausführlich zu handeln sein.
Es wurde im obigen schon angeführt, daß dem dänischen Zoologen P. E. Müller das Verdienst zukommt, den ersten Anstoß zur Berücksichtigung der binnenländischen Seefauna gegeben zu haben. dem ist aber hier noch nachzutragen, daß es in Deutschland bald danach die Universitätsprofessoren Fr. v. Leydig und A. Weismann waren, welche in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sich ihrerseits am Bodensee in der gleichen Richtung forschend bemühten. Koryphäen der deutschen Wissenschaft haben sich also ebenfalls zu jener weit zurückliegenden Zeit als Klarsteller des feineren Baues und der Fortpflanzungsverhältnisse einer größeren Anzahl von niederen Krebstieren, welche das Süßwasser bevölkern, erfolgreich betätigt. Als der eigentliche Begründer einer wissenschaftlichen Seenkunde ist jedoch der schweizerische Naturforscher Prof. F. A. Forel (geb. 1841) zu betrachten, insofern dieser seine wissenschaftlichen Arbeiten von sehr großen Gesichtspunkten aus begann und durchführte. Das Werk, in welchem Forel die Ergebnisse seiner in den Jahren 1873 bis 1886 angestellten Untersuchungen niedergelegt hat, betitelt sich: "Materialien zum Studium der Tiefenfauna des Genfer Sees" (Materiaux pour servir a l'etude de la faune profonde du Lac Leman). Außerdem hat derselbe Gelehrte seine zahlreichen Beobachtungen, welche die hydrographischen physikalischen, zoologischen und botanischen Eigentümlichkeiten jenes großen Sees betreffen, in vielen kleineren Schriften veröffentlicht. Nach ihm haben sich zwei jüngere schweizerische Forscher Dr. G. Asper und Dr. Othmar Imhof, mit der Zoologie der Alpenseen befaßt und die darin obwaltenden Verhältnisse von biologischen Gesichtspunkten aus studiert. Namentlich betrieb der letztgenannte seine Forschungen in sehr extensiver Weise, insofern er nicht nur hunderte von Hochseen seines Vaterlandes bezuglich ihrer tierischen Bewohnerschaft untersuchte, sondern auch Ausflüge an die Seebecken Lothringens, Oberösterreichs, Oberbayerns und der Lombardei unternahm, um die darin vorhandene Organismenwelt festzustellen.
In Italien ist es hauptsächlich der Zoolog Pietro Pavesi, Professor an der Universität Pavia, gewesen, welcher durch eine Anzahl von Seenuntersuchungen die Kenntnis der lakustrischen Tierwelt seines Vaterlandes gefördert hat, und neuerdings war es seine begabte Schülerin Rina Monti, welche im Sinne ihres berühmten Lehrers die süßwasserbiologischen Untersuchungen auf italienischem Gebiet fortsetzte.
Was Deutschland anbetrifft, so darf ich mich selbst zu denjenigen zählen, welche sich berufsmäßig und während vieler Jahre mit biologischen Studien an Teichen und Seebecken beschäftigt haben. Ich begann damit 1884 im Riesen- und Isergebirge, wo ich die dortigen Moorgewässer und Hochseen untersuchte. Später begab ich mich an die Salzseen bei Eisleben und die Kraterseen (Maare) der Eifel. Ferner erforschte ich zahlreiche Gewässer des baltischen Landrückens, sowie neuerdings (1904/5) einige große Seebecken in Ober- und Mittelitalien, sowie verschiedene Sümpfe auf der Insel Sizilien und in der Umgebung von Tunis. Im Jahre 1890 begründete ich am Ufer des Großen Plöner Sees eine besondere Anstalt für Süßwasserbiologie, welche bis zur Stunde unausgesetzt in Betrieb geblieben ist. Um die gleiche Zeit etwa richtete der österreichische Zoolog Prof. Anton Fritsch (Prag) eine transportable kleine Station ein, die es ihm ermöglichte, längerwährende biologische Untersuchungen an verschiedenen böhmischen Teichen anzustellen.
In der Folge fand das von mir gegebene Beispiel auch in weiteren wissenschaftlichen Kreisen lebhaften Anklang, und es wurden an vielen Orten, bzw. in außerdeutschen Ländern, gleichfalls stabile Forschungsinstitute errichtet. So z.B. als eines der ersten die biologische Versuchsanstalt zu Ewois in Finnland, welche mit der dortigen Forstakademie verbunden ist. Dann erfolgte die Begründung von 8 biologischen Stationen in Rußland; etwas später eröffnete man ein Forschungsinstitut verwandten Charakters zu Besse in Frankreich, während Nordamerika seinerseits gleich mit einem Dutzend Süßwasserstationen, die in verschiedenen Seengegenden errichtet wurden, hervortrat. Italien blieb auch nicht zurück, und es besitzt jetzt zwei derartige Anstalten zu Rom und in Mailand. Hierauf schloß sich England dem gegebenen Beispiele an, und ein reicher Privatmann etablierte dort die Station in den Norfolk-Broads. Neuerdings ist es auch in Österreich zur Schöpfung von biologischen Laboratorien gekommen; das eine befindet sich im Prater zu Wien, das andere zu Lunz-Seehof in Niederösterreich. Einmal schien es so, als ob sich auch Spanien an diesem Fortschritte auf wissenschaftlichem Gebiete beteiligen wollte. Vor einigen Jahren war wenigstens die Rede davon, daß an der atlantischen Küste von Marokko die Begründung einer Anstalt zur Vornahme von marinen und lakustrischen Untersuchungen in Aussicht genommen sei.
In der obigen Aufzählung wird man die Schweiz vermissen. Hier ist tatsächlich noch keine spezielle Anstalt für biologische Seenkunde vorhanden. Aber trotzdem werden lakustrische Forschungen dort mit größtem Eifer betrieben, wie schon die Existenz einer besonderen limnologischen Kommission beweist, welche sich die allseitige Exploration der heimatlichen Seenbecken angelegen sein läßt. So hat z.B. bereits eine eingehende Untersuchung des Vierwaldstätter Sees stattgefunden, an der sich eine Anzahl hervorragender schweizerischer Forscher im patriotisch-wissenschaftlichen Interesse beteiligt hat. Präsident jener Kommission ist der durch seine klassische Untersuchung der Rhätikonseen bekannte Zoolog F. Zschokke (Basel), und um die Erforschung der lakustrischen Pflanzenwelt in den schweizerischen Seenbecken hat sich namentlich der Botaniker C. Schröter (Zürich) hervorragende Verdienste erworben.
So ist binnen zwei Dezennien aus einem kleinen Samenkorn ein mächtiger Baum erwachsen, an dessen Wurzeln niemand mehr rütteln kann. Als die zu Plön begründete erste Süßwasserstation in Tätigkeit getreten war, gab es freilich auch zahlreiche Fachleute, welche der Ansicht huldigten, daß sich das Material für die geplanten Untersuchungen sehr bald erschöpfen werde. Es bestand überhaupt damals noch sehr allgemein das Vorurteil, daß das Süßwasser viel zu arm hinsichtlich seiner Flora und Fauna sei, um für fortgesetzte Studien immer neuen Stoff zu liefern. Diese Befürchtung hat sich aber nicht im entferntesten bestätigt, sondern es stellte sich im Fortgange der hydrobiologischen Untersuchungen vielmehr das gerade Gegenteil heraus, nämlich eine Überfülle von Fragen und Problemen, die sich an die Organismenwelt unserer Binnengewässer knüpfen und dieselbe zu einem nicht minder interessanten Gegenstande der Forschung machen, wie es die marine Tier- und Pflanzenwelt notorisch schon seit Jahrhunderten für den Biologen gewesen ist.
Schließlich ist noch zu erwähnen, daß sich in jüngstverflossener Zeit eine ganze Reihe von namhaften Zoologen und Botanikern der Erforschung des Lebens in den Binnengewässern gewidmet hat. Ohne den übrigen Arbeitern auf diesem Gebiete, welche hier ungenannt bleiben, ihr Verdienst schmälern zu wollen, seien hier hauptsächlich diejenigen hervorgehoben, welche sich als besonders energische Pioniere bei der Erschließung der neuen Forschungsdomäne des Süßwassers erwiesen haben. Es begegnen uns da die Namen von C. Apstein, V.Brehm, G. Burckhardt, E. v. Daday, O. Fuhrmann, A. Fritsch, I. Heuscher, W. Hartwig, B. Hofer, F. Könike, H. Klebahn, R. Kolkwitz, R. Lauterborn, E. Lemmermann, M. Marsson, F. Ruttner, A. Seligo, O. Schmeil, W. Schmidle, C. Schröter, Th. Stingelin, A. Steuer, S. Strodtmann, A. Thienemann, W. Va'vra, P. Vogler, M. Voigt, R. Volk, W. Weltner, R. Woltereck, E. Zederbauer, C. Zimmer, und F. Zschokke. Dazu kommen noch die amerikanischen Forscher A. Forbes, S. Jennings, A. Kofoid, B. Ward und E. Whipple, der Norweger H. Huitfeld-Kaas, der Däne I. Wesenberg-Lund, die Engländer I. Murray und I. Scourfield, die Italienerin Cesarina Monti und ihr Landsmann A. Garbini, der Franzose C. Bryant, der Belgier E. Rousseau und der Russe S. Skorikow.
Auf Vollständigkeit macht diese Liste nicht im entferntesten Anspruch. Ein sehr umfangreiches Verzeichnis derjenigen Forscher und Schriftsteller, welche sich erfolgreich auf dem Gebiete der Süßwasserbiologie betätigt haben, findet der Leser in C. Lamperts bekanntem Buche über "das Leben der Binnengewässer" (II. Auflage 1909).
Es ist- wie schon hervorgehoben- eine bunte Gesellschaft von mikroskopisch-kleinen aber vielfach auch schon mit bloßem Auge erkennbaren Wesen, welche in quantitativer Hinsicht den Hauptteil der in unseren stehenden Gewässern vorhandenen Lebewelt darstellen. Eine große Menge schwebender Pflanzenformen, die sich von den im Wasser gelösten mineralischen Substanzen ernähren, bilden hier mit zahlreichen tierischen Organismen zusammen eine Lebensgemeinschaft, innerhalb deren ein Verhältnis wechselseitiger Beziehungen besteht, so daß das Ganze einen Mikrokosmos bildet, in welchem sich Tiere und Pflanzen ebenso gegenseitig in ihren Lebensansprüchen fördern, wie dies in betreff der Landbewohner aus beiden Naturreichen bekanntermaßen auch der Fall ist. Die von den winzigen Schwebtieren ausgeatmete und vom Wasser aufgenommene Kohlensäure wird von den Pflanzenwesen des Planktons in derselben Weise assimiliert und zum Aufbau ihres zarten Körpers verwendet, wie dies von seiten der Landgewächse mit der im Luftmeere vorhandenen Kohlensäure geschieht, die sonst in ihrer Anhäufung jegliches Tierleben auf dem Festlande unmöglich machen würde. Viele planktonische Pflanzenformen (Algen) dienen den Vertretern der Schwebfauna auch direkt zur Nahrung, so daß die innigste Verkettung animalischen und vegetabilischen Lebens in der Naturökonomie der Seebecken zu konstatieren ist.
Um sich Plankton zu Untersuchungszwecken aus einem Teiche oder See zu verschaffen, bedient man sich eines feinmaschigen Netzes aus Seidengaze, dessen Einrichtung aus Fig. 1 ersichtlich wird.
Fig.1: Das Planktonnetz.
Seiner wesentlichen Konstruktion nach besteht ein solches Netz aus einem konisch geformten Gazebeutel, dessen Öffnung von einem Eisenringe gebildet wird, und aus einem messingenen (becherartigen) Ansatze, der einen Abflußhahn besitzt. Diesen Seihapparat befestigt man (wenn es sich nur um die Erlangung von Oberflächen-Plankton handelt) mit einer 3 bis 4 m langen Leine am Hinterteile des Ruderbootes und läßt ihn während einer etwa 10 Minuten lang fortgesetzten Fahrt mit mäßiger Geschwindigkeit durchs Wasser gehen. Dann wird das Boot angehalten und das Netz über den Seespiegel gehoben; hierbei läuft sogleich alles mitgeschöpfte Wasser durch die Maschen der Gaze ab. Das Fangergebnis aber sammelt sich am Grunde des Netzbechers und kann von dort bei aufgedrehtem Hahne in ein Glasgefäß abfließen. Da der Ansatz am Boden kelchartig vertieft ist, so bleibt das aufgefischte Plankton stets in einer genügend großen Wassermenge zurück, um nicht die Form eines feuchten Breies anzunehmen, der als solcher die Abflußöffnung nicht passieren könnte. Bekommt man beim ersten Fange eine zu geringe Quantität planktonischer Organismen, so muß die Prozedur wiedrholt werden. Handelt es sich um sehr tiefe Seen, so empfiehlt es sich, das Netz vom Boote aus senkrecht bis nahe zum Grunde herabzulassen und mäßig schnell wieder heraufzuholen. Auf diese Art bekommt man ein Filtrat aus allen Wasserschichten und erhält einen vollständigeren Überblick hinsichtlich des zurzeit im See vorhandenen Plantons als durch die vorher geschilderte (horizontale) Fangweise. Will man mit Genauigkeit feststellen, welche Organismen in bestimmten Tiefenzonen zu einer gewissen Tages- oder Jahreszeit anwesend sind, so muß man sich eines Schließnetzes bedienen, dessen Mechanismus aus Fig. 2 leicht begreiflich wird.
Fig. 2: Das Plöner Schließnetz (für Planktonfischerei).
Dieser Fangapparat ist 20 kg schwer und daher nicht so leicht zu handhaben wie das einfache Planktonnetz, womit man, je nach Bedarf, horizontale oder vertikale Fänge im Umsehen ausführen kann. Das Schließnetz, welches die folgende Abbildung veranschaulicht, wird von einem langen Tau, welches über eine im Boote befestigte Knüppelwinde läuft, in die zu erforschende Tiefenregion herabgelassen und nun mittels eines Fallgewichtes geöffnet. Letzteres geschieht, indem durch das aufschlagende Bleigewicht die Feder gelöst wird, welche die Klappe vor die quadratische Öffnung des Eisenrahmens drückt, an dem der Gazebeutel hängt. Unsere Figur zeigt den Eingang des Netzes geöffnet. Vor dem Gebrauch muß derselbe natürlich wieder geschlossen werden. Beim Fischen mit diesem Netz ist stets ein Gehilfe erforderlich, der die Winde in Gang setzt. Ist nun die Maschinerie an ihrem Haltetau in die Tiefe hinabgesenkt, so wird sie mit dem Boote langsam durchs Wasser fortbewegt. Hat man so 10 bis 20 Minuten gefischt, so wird ein zweites (größeres) Gewicht von Ringform am Tau hinabgeschickt, und dieses bewirkt das Herabschlagen des ganzen Rahmens, der nun auf die Klappe fällt. Auf diese Art wird auf sehr einfachem Wege ein Verschluß hergestellt, der es völlig unmöglich macht, daß beim Heraufziehen des Netzes Wasser aus den oberen Wasserschichten in die Netzöffnung eindringt und das Fangresultat fälscht. In unserer Abbildung ist das Schließnetz mit seinem Vorderteil nach rechts gerichtet; links sieht man den Rahmen mit der herabgeschlagenen Klappe. Auf dem Tische (rechts) liegen die beiden Fallgewichte, mit denen das Schließen und Öffnen des Netzes in der Tiefe des Sees bewirkt wird.
Die gewöhnlichen Netze, wie ein solches in Fig. 1 dargestellt ist, werden in sehr verschiedener Größe hergestellt, und für die meisten Zwecke der Planktonfischerei (wobei es hauptsächlich darauf ankommt, eine hinreichende Menge von Untersuchungs- oder Demonstrationsmaterial zu erhalten) genügt schon ein solches mit einem Gazebeutel von 60 cm Länge und einer Eingangsöffnung von 18 bis 20 cm Durchmesser. Ein gebrauchsfertiges kleines Netz dieser Art liefert der Präzisionsmechaniker A. Zwickert in Kiel (Dänische Straße 25) für 25 Mark. Planktonnetze von beträchtlichen Dimensionen sind entsprechend teurer; schon wegen des hohen Preises der dazu verwendeten Seidengaze. Schließnetze sind im Vergleich zu jenen noch bei weitem kostspieliger, und ein solches der oben beschriebenen Art (Fig. 2) wird von dem genannten Mechaniker nicht unter einem Preise von Mk. 200 hergestellt.
Ich habe mir gestattet, diese Angaben beizufügen, weil es manchen wissenschaftlichen Interessenten erwünscht sein könnte, eine Bezugsquelle für sorgfältig konstruierte Fangapparate nachgewiesen zu erhalten. Ganz einfache und primitive Planktonnetze kann sich übrigens auch jedermann selbst herstellen, wenn der komplizierte Netzansatz durch ein Stück Messingrohr ersetzt wird, welches man während des Fischens mit einem Korkstöpsel verschließt. Durch Herausziehen des Stöpsels kann man das erbeutete Plankton natürlich ebenfalls leicht in ein untergehaltenes Sammelglas überführen.
Besichtigt man gleich nach dem Fange das, was man mit dem feinen Netz aus dem anscheinend völlig klaren Wasser eines Teiches oder Seebeckens aufgefischt hat, so wird man über die Fülle tierischen und pflanzlichen Lebens erstaunen, welche sich schon dem unbewaffneten Auge darbietet. Nimmt man aber eine mäßig starke Lupe (z.B. ein sogenanntes Leseglas) zur Hilfe, so lassen sich die verschiedenen Gattungen und Arten noch weit besser erkennen. Wir sind dann bereits imstande, die Krebse von den Rädertieren und diese wieder von den Infusorien zu unterscheiden; ja der Fachmann, dessen Blick hochgradig geübt ist, vermag schon bei einer ganz schwachen Vergrößerung viele Spezies zu identifizieren und deren Häufigkeit in dem betreffenden Material festzustellen. Am deutlichsten sichtbar sind immer die planktonischen Krustazeen, weil viele derselben fast Millimetergröße besitzen und lebhafte Bewegungen mit ihren Ruderwerkzeugen ausführen. Namentlich auffällig machen sich die oft blau oder zinnoberrot gefärbten Vertreter der Gattung Diaptomus, welche mit Hilfe ihrer langen, muskelkräftigen Fühler blitzschnell in den engen Glasbehältern hin und her schießen.
Zum Zwecke der mikroskopischen Demonstration konzentriert man das in Halblitergläsern aufbewahrte Material mittels eines Gazefilters, d.h. man entfernt auf diese Weise das überschüssige Wasser und erhält dann eine wimmelnde Masse, die man in kleinen Portionen auf einen Objektträger ausbreitet und mit einem Deckgläschen bedeckt, um die tierischen Wesen in ihren allzu ausgiebigen Bewegungen zu beschränken.
Die Identifizierung und Bestimmung der einzelnen Formen kann in den meisten Fällen schon bei einer 50- bis 75 maligen Vergrößerung ausgeführt werden. Nur bei den Algen, wo es sich vielfach um die Feststellung minimaler Größenverhältnisse handelt, wird man häufig zu stärkeren Linsensystemen greifen müssen.
Ist es untunlich, das aufgefischte Plankton an Ort und Stelle, d.h. in unmittelbarer Seenähe zu untersuchen, so empfiehlt es sich, dasselbe abzutöten und für die spätere Bearbeitung im Laboratorium zu konservieren. Für diesen Zweck habe ich folgende drei Methoden sehr probat gefunden:
