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Die Symphonie ist Musik, die ganz bei sich ist. Wahrscheinlich ist es historisch die Musikform, die sich allein aufs Musikalische beschränken will - und doch ist diese extremste Form des Musikalischen auch von dieser Welt. Dieser soziologische Versuch über musikalischen Extremismus hat nur einen Fehler: Hören ist noch besser.
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Seitenzahl: 17
Veröffentlichungsjahr: 2021
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Inhalt
Armin NassehiDas SymphonischeEine soziologische Perspektive auf die extremste Form des Musikalischen
Der Autor
Impressum
Armin NassehiDas SymphonischeEine soziologische Perspektive auf die extremste Form des Musikalischen
Die Gesellschaft unmittelbar in der Musik vorzufinden, sie darin zu hören, wahrzunehmen, identifizieren zu können, ist wohl naiv. Zumindest muss man mehr hineinhören, als man aus ihr heraushören kann, wenn eine solche unmittelbare Analogie angestrebt ist. Sicher hört man in der Strenge mancher Barockmusik die Strenge der Zeit mit, und dies nördlich der Alpen anders als südlich. Und selbstverständlich hört man bei Arnold Schönberg im Übergang seines spätromantischen Friede auf Erden von 1907 zum zwölftönigen Ein Überlebender aus Warschau aus dem Jahr 1947 den Wandel von historisch imprägnierter Hoffnung hin zum Ende aller Hoffnungsmöglichkeiten nach der Schoah mit. Aber den Vorrang hat sogar hier das künstlerische Werk selbst, seine ästhetische Gestalt, die vor Überinterpretation ebenso geschützt werden muss wie vor einer ahistorischen Idee des Ästhetischen.
Weniger Vorsicht freilich bedarf es in umgekehrter Blickrichtung: Die Musik unmittelbar in der Gesellschaft vorzufinden, ist unstrittig. Sie findet nicht nur in ihr statt, sie vollzieht Gesellschaft. Sie ist nicht nur in ihr hörbar, sie ist eine Praxis, die sich mit der Gesellschaft selbst formt und verändert. Die Gesellschaftlichkeit der Musik besteht vielleicht gerade darin, dass man die Gesellschaft in ihr nicht unmittelbar hören kann. Das klingt widersinnig, aber diese Vorbemerkung ist eine Vorsichtsmaßnahme, um nicht dem Naheliegenden auf den Leim zu gehen: in den sechs vorliegenden symphonischen Werken von Beethoven bis Schmidt alle Vorurteile über ihre gesellschaftliche Vermittlung aufzufinden, die ohnehin auf der Hand liegen.
