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"The unconquered country", das unbesiegte, ungezähmte Land, wird Kanada gern genannt. Insbesondere der Yukon gilt deshalb als Paradies der Jäger und Abenteurer. Dieses außerordentlich spannend und lebendig erzählte Buch berichtet von der Jagd auf Bären und Elche, von unerfahrenen Touristen und erfahrenen Jägern – Geschichten vom großen Traum der Wildnis und Freiheit, illustriert mit beeindruckenden Farbfotografien. Heide Schütz hat ihre Erzählungen durch indianische Fabeln ergänzt, die sie während eines "Story Teller Festivals" von indianischen Erzählern erlauscht hat: "Der Ursprung des Mackenzie Rivers", "Wer bekam das Feuer zuerst?" und andere überlieferte Geschichten berichten von einer großen Kultur und ihrem Verhältnis zur Natur.
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Seitenzahl: 263
Veröffentlichungsjahr: 2013
Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.
(Joseph von Eichendorff)
Lassen Sie mich mit einem herzlichen Dankeschön beginnen. Es gilt all jenen Menschen, die seit dem Erscheinen meines ersten Buches, »Kanada – Wildnis, Jagd und Lagerleben«, so regen Anteil an meinem »neuen Leben in alten Gummistiefeln« genommen haben. Ich bin tief bewegt von den vielen Briefen und Besuchen, die ich erhalten habe. Zwei Fragen waren es vor allem, die immer wieder an mich gestellt wurden: Warum bist du in den Norden Kanadas ausgewandert?, (dazu will ich später etwas sagen), und: Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen, ein Buch zu schreiben?
Warum schreibt man ein Buch? Der Gedanke kam mir, als ich einen Winter lang in Süddeutschland einen schwer kranken Menschen pflegte und ihm stundenlang von meinen Erlebnissen im kanadischen Busch erzählte. Dabei vergaß er seine Schmerzen und seine Angst vor dem Tod. Mit diesen Gesprächen am Krankenbett begann alles. Später habe ich einige Kurzgeschichten an eine namhafte Jagdzeitung mit der Bitte um Veröffentlichung geschickt – und dort wurde ich aufgefordert, mehr daraus zu machen, ein Buch eben, das möglichst viele Leser findet.
Zu meiner Freude und auch Überraschung habe ich mit meinem ersten Buch tatsächlich viele Menschen erreicht. Aus zahlreichen Briefen konnte ich die große Sehnsucht nach Abenteuer und Weite, aber auch nach Ruhe und Einsamkeit herauslesen. Das hat mich schließlich ermutigt, mehr über mein ungewöhnliches Leben zu erzählen und so meinen Lesern hoffentlich wieder Freude bei der Lektüre zu bereiten. Ich möchte ihnen dabei helfen, wenigstens für kurze Zeit ihre Träume zu leben, wenn sie mich – lesend – auf meinen Wegen in Kanada begleiten. Wenn es mir so gelänge, Fernweh und Sehnsucht in ihnen zu wecken, würde ich mich freuen – und das gilt natürlich gleichermaßen für Frauen und Männer! Denn viele Male habe ich gehört: Wie kann eine kleine, schwache Frau etwas schaffen, wovon viele große, starke Männer nur träumen dürfen? Ja, wie? Es gehört in der Tat viel dazu – und da sind wir endlich bei der Frage angekommen: Warum bin ich nach Kanada ausgewandert?
Es fing alles damit an, dass mich der Mensch verließ, der mir alles bedeutete, der meine Welt war. Die Liebe, die ich geben wollte, wurde nicht mehr gebraucht. In dieser Situation begann ich über eine Zukunft nachzudenken, die nicht so werden würde, wie ich sie mir dreiundzwanzig Jahre lang erträumt hatte. Auch die Kinder – die besten Kinder der Welt! – gingen ihre eigenen Wege. Ich fand mich allein in einem großen, kalten Haus, das einmal Heim gewesen war, aber nun nur noch Belastung und Qual darstellte durch die unzähligen Erinnerungen, die an jedem Ziegel, jedem Stein, jeder Fliese hingen. Schicksalsschläge wie dieser sind nicht ungewöhnlich in unserer Zeit, mittlerweile wird jede dritte Ehe geschieden. Aber ich glaube, Schmerz kann nicht geteilt werden, jede Person leidet anders.
Ich weiß nicht, ob man noch tiefer fallen kann. Ich weiß aber, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt, sich aus einer solchen Situation zu befreien. Man kann liegen bleiben, sich selbst bemitleiden, sich in Alkohol oder andere Drogen flüchten, um auf diese Weise den stechenden Schmerz der Einsamkeit zu betäuben, für den man in seinem eigenen Inneren kein Gegenmittel mehr findet. Oder man kann versuchen, aufzustehen und das Leben wieder neu zu beginnen. Diese Entscheidung verlangt eine bewusste Anstrengung und gelingt nur, wenn man sich den Problemen wirklich stellt.
Meine Entscheidung für Kanada war keine Flucht. Sie war der erste Schritt zu einem neuen Ich, einem neuen Anfang in der zweiten Hälfte meines Lebens. Diese Veränderung erschien mir nach langer Zeit der Trauer, des Hasses, des Nichtverstehens und der Hoffnungslosigkeit der einzige Weg zu sein, wieder ein vollwertiger Mensch zu werden. Ich wollte wieder eine Mutter sein, auf die ihre Kinder stolz sein können.
Kanada war und ist immer noch eine riesige Herausforderung. Meine Entscheidung für dieses Land habe ich wohl von Zeit zu Zeit in Zweifel gezogen, aber nie auch nur eine Sekunde bereut. Es kostet Kraft, Mühe und Ausdauer, nicht wieder zurückzufallen in Selbstmitleid. Es heißt: sich durchsetzen, durchhalten und den eingeschlagenen Weg weiter gehen – so lange es möglich ist.
Sobald man Licht im Tunnel der Dunkelheit und Verzweiflung sieht, ist man ein (fast) neuer Mensch. Man lässt sein altes Ich zurück, streift es ab wie eine Schlange ihre Haut. Der Wille zum Leben erwacht wieder. Und ich habe fliegen gelernt, frei wie ein Vogel in den Lüften – »Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus«.
Warum es ausgerechnet Kanada sein musste? Meine Reisen haben mich in viele Teile dieser Welt geführt und dabei habe ich gelernt: Ich bin kein Fall für Hawaii oder die Karibik, ich bin kein Fall für New York, Paris oder Wien. Ich bin ein Mensch, der sich nur in der frischen Luft, in der freien Natur richtig wohl fühlt. Und so kam ich auch zur Jagd. Darüber wagt man in Europa schon fast nicht mehr zu sprechen, aber ich stehe dazu. Das Jagen und Sammeln sind die ältesten Tätigkeiten, die von Menschen ausgeübt wurden. Ich habe mich – als Frau – für die Jagd entschieden, nicht als Sport, nicht als Hobby, sondern als Lebensauffassung. Ich verdiene mein Geld mit und durch die Jagd und habe keinen Grund, mich dessen auch nur im Geringsten zu schämen.
Der Philosoph José Ortega y Gasset schrieb: »Der Mensch kann nur in die Natur zurückkehren, wenn er das, was er vom Tier in sich hat, für eine gewisse Zeit wachruft. Wenn wir das hohe und reine Glück, das die ›Rückkehr zur Natur‹ bedeutet, genießen wollen, müssen wir den Umgang mit den Tieren des Waldes suchen, auf ihre Stufe herabsteigen, uns zum Wetteifern angestachelt fühlen, das Wild verfolgen. Dieser subtile Ritus ist die Jagd; denn Jagen ist Nachahmung des Tieres. Nur wer sich der Natur ganz hingibt, dem bereitet die Luft ein köstliches Prickeln, wenn sie über die Haut gleitet oder in die Lunge eindringt, der Fels gewinnt eine bedeutungsvolle Gestalt, die Pflanzen erfüllen sich mit Leben und Sinn. – All dies geschieht, wenn sich der Jäger, während er sich vorpirscht oder zusammengekauert wartet, untergründig mit dem Tier verbunden fühlt. Aus dieser mystischen Verbindung mit dem Wild entwickelt sich unmittelbar eine tiefe Beziehung. Der Jäger beginnt, sich wie das Wild zu verhalten und wird eins mit der Natur.«
Und so versuche auch ich eins zu werden mit der Natur, bei allem was ich draußen im Busch zu tun habe. Wenn ich auf meinen Streifzügen Beeren und Pilze sammele, stelle ich mir oft vor, ich wäre jetzt ein Pilz; wo würde es mir gefallen, wo würde ich wachsen und stehen wollen? Und immer finde ich auch wirklich auf diesen Flecken, wonach ich gesucht habe. Wenn ich mit einem europäischen Gast unterwegs bin, bemühe ich mich auf der Pirsch vor allem, das Verhalten des Tieres zu imitieren, mir vorzustellen, wann und wo ich als Elch jetzt stehen oder liegen, äsen oder schöpfen würde – und ich finde mein Wild! Natürlich habe ich auch viele Bücher über das Verhalten des Wildes in Nordamerika gelesen, obwohl der Wissensstand über Natur und Wild in Amerika nicht vergleichbar ist mit dem in Europa – hier klafft noch eine Marktlücke.
Jagd in Europa ist nicht nur Schießen, es ist vor allem Hege und Pflege. In Kanada dagegen gibt es weder Hege noch Pflege, es gibt aber auch keine Schadenersatzklagen wegen Wildverbiss und dergleichen. In Burns Lake äsen die Elche den ganzen Winter über, verbeißen die Sträucher, schälen die Pappeln – und wir freuen uns noch über ihren Anblick, freuen uns, dass sie so vertraut werden. Die Maultierhirsche springen über den fast zwei Meter hohen Gartenzaun und laben sich an meinem Salat, dem Kohl und an den verschiedenen Kräutern. Das freut mich zwar weniger, aber trotzdem empfinde ich es als paradiesischen Zustand. Einmal, als ich vergaß, die Türe zum Glashaus abends zu schließen, spazierte ein frecher junger Bock quer durch die Gemüsebeete und fraß alles bis zu den Wurzeln ab – sollte ich Schadenersatz einklagen, von wem? Zwei Schwarzbären machten eines Tages den Zaun flach, rollten sich einfach darüber, um an die Johannisbeeren und Stachelbeeren zu kommen – Schadenersatz von wem?
Und warum tun die Tiere das, wo doch Quadratmeile um Quadratmeile frisches Gras, Kräuter und Beeren in großen Mengen rund um das Grundstück wachsen, das Angebot ist riesig, warum also gerade meine Ernte verkleinern? Reizt die Tiere etwa auch das Neue? Die Kirschen in Nachbars Garten sind, so scheint es mir, auch für das Wild besonders reizvoll. Und genauso ergeht es mir mit meinen Gemüse- und Kräutergärten in den verschiedenen Lagern. Selten bringe ich Petersilie, Salat oder andere Gemüse durch, höchstens ein paar Radieschen oder etwas Schnittlauch, alles andere wird vom lieben Vieh vernascht. Aber mich freut es, dass sie so nahe kommen und ich denke nicht ans Schießen.
So stehe ich hier als »kleine Frau« meinen Mann, auch in heißen Diskussionen über die Jagd: Auch ich protestiere gegen das neue Waffengesetz in Kanada, das uns Buschleuten verbieten will, Gewehre unverschlossen aufzubewahren. Was würde es mir in einem Lager am Ende der Welt, mitten in der Wildnis helfen, wenn der Bär ins Küchenhaus kommt, ich erst das Gewehr zusammenbauen und die Munition aus dem versperrten Schrank holen muss? Bis ich das alles getan habe, hat er, der Bär, mich schon zerlegt. Also habe ich auch weiterhin eine geladene Waffe in meinem Küchenhaus stehen und ich werde mich für diese Handhabung der Feuerwaffe weiterhin einsetzen – ich glaube nicht, dass ein einziges Verbrechen weniger begangen wird, wenn ich meine Waffe wegsperre. Ich möchte hier absolut nicht den Eindruck erwecken, dass für mich Gesetze nur da sind, um nicht beachtet zu werden, ganz im Gegenteil. Ich finde es ausgezeichnet, dass die Jagd auch in Kanada, dem freien Land, so streng reguliert ist, dass dem Wildern ein massiver Riegel vorgeschoben wird. Aber ein wenig Hausverstand muss auch gelten dürfen. Man sollte schon zwischen Großstädten wie Vancouver oder Toronto und einem Wildnislager in den Bergen unterscheiden können.
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In meinem ersten Buch habe ich versucht, mit einigen Wildrezepten eine weibliche Note in die Jägergeschichten zu bringen. Diesmal möchte ich Wildgemüse und Kräuter vorstellen, die ich häufig sammle und verwende – zum Kochen, aber auch als Tee oder Ersatzmedikament. Bewusst habe ich Pflanzen ausgesucht, die auch in Europa vorkommen, damit Sie es mir nachtun können. Mein etwas rastloses Nomadenleben gibt mir kaum Zeit, einen ernsthaften Versuch in Richtung Gemüse- und Kräutergarten zu starten. Da die Pflanzen in Burns Lake immer entweder vertrockneten oder vom lieben Wild aufgefressen wurden, habe ich mich auf die ausschließliche Verwendung von Wildgemüse verlegt. Das lässt der liebe Gott überall wachsen und es benötigt keine pflegende Hand. Da in Kanada weder saurer Regen noch andere schädliche Umwelteinflüsse bekannt sind, tue ich meinen Gästen (und mir) etwas Gutes, wenn ich diese Köstlichkeiten – ohne Spritzmittel, ohne Kunstdünger – auf den Tisch bringe. Natur pur!
Ich sammle vor allem die ersten, frischen Triebe all dieser Kräuter und Pflanzen, je frischer und jünger, desto besser. Was nicht sofort verzehrt wird, wird für den Winter konserviert, vor allem durch Trocknen oder Einkochen. Viel möchte ich finden und schnell, denn im Sommer ist es oft hektisch und ich habe keine Zeit, stundenlang mit der Lupe nach einem bestimmten Kraut zu suchen. Auch viele Pilze verfeinern meine Gerichte, der Überschuss wird getrocknet und in gut verschließbaren Gläsern aufbewahrt.
Neben diesen Einblicken in meine »Kräuterküche« möchte ich außerdem einige alte Indianermärchen, die mir meine liebe Freundin Twilacum erzählt hat, in eigener Übersetzung wiedergeben. Darüber hinaus erzähle ich einige Fabeln und Märchen nach, die ich anlässlich des jährlichen »story teller festivals« in Whitehorse hörte.
Die Heckenrose
Volksname: Hundsrose, Hagebutte, Wilde Heiderose, Hagrose
Die Nationalblume des Staates Alberta blüht über ganz Kanada verbreitet und ist die einzige Wildrose in diesen Breiten. Die Blüten verwende ich als Tischschmuck und lasse sie in flachen Kompottschalen im Wasser schwimmen, oder ich trockne sie und arrangiere kleine Blumenbilder. Wegen des hohen Vitamin C-Gehaltes sind die Früchte, die Hagebutten, sehr beliebt und begehrt. Viel Arbeit macht das Trennen des Fruchtfleisches von den Kernen, die wir als Kinder gerne dem Schulnachbarn als »Juckpulverl« in den Kragen gesteckt haben. Marmelade und Gelees haben einen pikant säuerlichen Geschmack. Die Hagebutten erntet man am besten nach dem ersten Frost.
Aus den zermahlenen Kernen lässt sich ein wohlschmeckender Tee zubereiten, der gegen Ischias, Rheuma, Gicht und Nierenleiden hilft.
Um es mir etwas leichter zu machen, trockne ich die ganzen Früchte und mache daraus einen wundervollen, sehr erfrischenden Tee. Mit Vorliebe kaue ich die rohen Hagebutten, indem ich ihnen vorsichtig die Haut abknabbere.
Eines Tages fiel der Kojote in einen kleinen Bach, der in den Thompson River mündete. Er fiel von einem Baumstamm, auf dem er den Bach überqueren wollte und wurde von der starken Strömung bis in den großen Fluss gespült. Als er dem Ertrinken nahe war, verwandelte er sich selbst in ein Stück Holz, das munter auf der Strömung tanzte. So gelangte er über den Thompson in den Fraser River und in unbekanntes Land. Die Strömung brachte ihn bis fast an die Mündung des Fraser, wo seine Fahrt an einem Fischdamm gestoppt wurde. Dieser Damm gehörte zwei alten Frauen. Als diese eines Morgens an den Fluss kamen, sahen sie das Stück Holz. »Dies ist ein schönes Stück Holz«, sagten sie, »wir werden es mitnehmen und eine Essensschale daraus schnitzen.« Als sie die Schale fertig hatten, legten sie ein Stück Lachs hinein. Aber der Fisch verschwand sofort. Ein Stück Lachs nach dem anderen legten sie in die Schale, doch augenblicklich verschwand es wieder. Auf diese Weise würden sie nie eine ordentliche Mahlzeit bekommen! Schließlich wurden sie so ärgerlich, dass eine der Frauen die Schale nahm und ins Feuer warf. Sofort hörten sie das Weinen eines Kleinkindes aus dem Feuer. »Schnell, zieh es heraus!« rief eine der Frauen, »Ich möchte gerne ein Kind haben, um es als mein eigenes aufzuziehen.« So zogen die alten Frauen das Kind aus dem Feuer. Es war ein Junge. Es wuchs sehr schnell, war aber schwierig aufzuziehen, denn es war undankbar und außerordentlich dickköpfig. Manchmal nahmen sie den Jungen auf ihre Wanderungen mit, meistens ließen sie ihn aber alleine zu Haus.
In ihrem Haus nun bewahrten die alten Frauen vier gut verschlossene Holzkisten auf. »Öffne nie diese Kisten«, warnten sie den Knaben, »du musst dir immer merken, dass diese Deckel nie abgenommen werden dürfen. Nie und nimmer!« Der Junge nickte, so als ob er sie wirklich verstünde. Man muss wissen: Lachs war die Hauptnahrung der beiden alten Frauen, aber der Fisch war ein neues, unbekanntes Mahl für den Kojoten. In seinem Land kannte man die schmackhaften Fische nicht. Unterhalb des Dammes, den die alten Frauen gebaut hatten, war der Fluss voll mit Fischen, oberhalb hingegen gab es kaum Fische in den Gewässern. So entschloss sich der Kojote, den Damm zu brechen und die Lachse flussaufwärts zu seinem Volk zu bringen.
An dem selben Tag jedoch öffnete er die geheimen Holzkisten. Aus der ersten Kiste entströmte Rauch, aus der zweiten flogen eine Unmenge von Wespen, die dritte Kiste war voll mit Fischfliegen und in der letzten Kiste hausten ekelhafte Käfer. Als nun der Kojote den Fluss aufwärts lief, folgten ihm die Lachse, aber auch die Rauchwespen, die Fischfliegen und die Käfer. Einige Lachse konnte der Kojote in den Thompson River ablenken, die Mehrzahl aber stieg den Fraser River hinauf. Seit dieser Zeit vermehrt sich das Ungeziefer, sobald die ersten Lachse die Flüsse hinauf wandern. Erst seit der Kojote die Kisten geöffnet hat, beobachtet man diese Insekten, vorher waren sie den Menschen in den Flusstälern unbekannt.
Nachdem er die Lachse den Fraser River hinaufgeleitet hatte, ging der Kojote an den Columbia Fluss und zu all seinen Nebenflüssen und brachte auch ihnen die Lachse, und weiter zu den Quellflüssen im Okanagan und Similkameen. Er war noch nicht weit den Similkameen River aufwärts gegangen, als er einige schöne Mädchen beim Baden antraf und sie fragte: »Wollt ihr die Rückenknochen eines Lachses?« »O nein«, sagten die Mädchen, »wir wollen viel lieber ein Horn der Bergschafe.« »Sie sind undankbar«, dachte der Kojote, »ich werde ihnen keine Lachse geben«. So schichtete er schnell einen Damm aus Felsen und machte einen Wasserfall. »Nun können die Lachse nicht weiter den Fluss hinauf steigen«, sagte er zu sich selbst. Gleichzeitig ließ er aber eine große Anzahl von Bergschafen in der Landschaft des Similkameen entstehen, die man heute noch entlang der Straße in den Berghängen bewundern kann.
Auf diese Weise brachte der Kojote die Lachse in all jene Flüsse, an denen seine Angehörigen lebten. Er lehrte die Menschen, wie man die Fische fängt und für den Winter zum Trocknen vorbereitet. Und die Indianerstämme zwischen den Cascade Mountains und den Rocky Mountains werden nach ihren Vorfahren »coyote people« (Kojoten-Menschen) genannt.
Meine erste Jagd in Kanada war die Jagd auf einen Wapiti. Die Einladung kam von einer Gruppe einheimischer, kanadischer Jäger, die ich anlässlich einer Reiseleitung nach Vancouver kennen gelernt hatte. Am 10. September 1987 sollte es losgehen. Durch meine Arbeit in einem Büro war ich etwas faul und träge geworden und so hieß es sofort mit dem Konditionstraining beginnen, denn die Jagd sollte in den Bergen, ohne Auto, ohne Weg und Steg stattfinden. Also legte ich die zehn Kilometer von meinem Zuhause bis zum Arbeitsplatz mit dem Fahrrad zurück, was morgens noch sehr angenehm war, aber mittags in glühender Hitze (wir hatten einen herrlichen, heißen Sommer 1987) zur Qual wurde. Aber es war notwendig! Stundenlange Wanderungen mit dem Hund am Wochenende und die Abendnachrichten im Fernsehen vom Heimfahrrad aus betrachtet taten das Ihre.
In guter Kondition und voll Vorfreude, aber auch mit ein wenig Herzklopfen trat ich meine Reise an. Der Wapiti, auch Elk genannt, gehört zur Verwandtschaftsgruppe der Rothirsche, ist aber an Statur fast doppelt so groß wie unser Rothirsch und bildet starke, wenig verzweigte Stangen aus. Man schätzt die Population auf vierhunderttausend Stück in ganz Nordamerika. In Kanada findet man den Wapiti vor allem im Westen, aber auch bis hinüber nach Manitoba. In Montana, USA, gibt es riesige Herden rund um Jackson Hole, die auch im Winter gefüttert werden, was sonst in den Staaten und Kanada verboten ist. Da das Wild sonst zu großen Schaden in den Feldern der Farmer anrichten würde – Montana ist Farmland –, hat die Regierung hier eine Ausnahme gemacht. Der stärkste Hirsch wurde im Jahre 1899 in Colorado erlegt und wies zweiunddreißig Enden auf.
Die Wapitis werfen das Geweih im Februar ab und im April/Mai beginnen die neuen Stangen zu wachsen. Verfegt sind sie dann im August und September. Der Hirsch hält sich einen Harem von bis zu sechzig Kühen. Die Brunft beginnt Anfang September, die Elkkuh setzt im Juli meist ein Kalb. Das Gewicht des Hirsches kann über vierhundert Kilogramm erreichen, das der Kuh ist um ein Viertel geringer. Der Wapiti scharrt sich, wie auch unser Rothirsch, eine Brunftkuhle, liebt aber Moorbäder ganz besonders. Neben diesen Kuhlen markiert er sein Revier durch das Reiben des Geweihes an Sträuchern und Bäumen und das Verspritzen seines Urins.
Die vier Kanadier hatten an dem Losverfahren »limited entry« teilgenommen und dabei neben dem Abschuss eines Hirsches mit mindestens vier Enden an jeder Stange auch noch den Abschuss eines Kalbes gewonnen. Das ausgewählte Jagdgebiet lag in den Kootenays, einem Gebirge im Südosten von Britisch-Kolumbien, zur Grenze nach Alberta. Als Treffpunkt hatten wir Kimberley vereinbart, die heimliche bayerische Hauptstadt von Britisch-Kolumbien. Ein reizendes, freundliches und auch sauberes Städtchen, dessen Bevölkerung zum größten Teil aus eingewanderten Bayern besteht. Die blau-weiße Fahne flattert überall im Wind, Weißwürste und Bier gibt es in allen Gasthäusern; im Oktober findet sogar ein Oktoberfest auf einer kanadischen »Wiesn« statt. Das alte Sprichwort, dass, wo Tauben sind, Tauben zufliegen, trifft auch auf viele Einwanderer zu. Wenn einer aus der Nachbarschaft sich erfolgreich an einem bestimmten Platz in Kanada niedergelassen hat, folgen ihm bald Landsleute. In Burns Lake hat sich eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Menschen aus dem norddeutschen Raum und aus dem Ruhrgebiet angesiedelt. Hier in Kimberley leben vor allem Tischler und Schreiner aus Bayern und der Pfalz. Und man kann es den schmucken Häusern auch ansehen, dass hier echte Fachleute am Werk waren.
Lange hielten wir uns hier jedoch nicht auf, die letzten Lebensmittel und Munition wurden eingekauft und dann ging es schon dem Jagdlager entgegen. Ich ließ mein Leihauto, das mich durch das wunderschöne südliche Britisch-Kolumbien gebracht hatte, stehen und stieg in den Geländewagen von Don um. Bis unter das Dach war er vollgepackt mit den notwendigen Gerätschaften wie Zelten, Matten, Tischen und Bänken, Ofen, Geschirr und vielem anderen mehr.
Bereits vor drei Jahren hatten sie in den Kootenays gejagt und wollten diesmal auch wieder das Lager an einem kleinen See in den Bergen errichten. Bei Ta Ta Creek verließen wir den Highway und folgten nun ein Stück der Schotterstraße, die in den Nationalpark »Top of the World« führt, immer entlang des Skookumchuck Flusses, der tief unten im Tal rauscht. Mir kam es vor, als ob ich in den Tiroler Bergen unterwegs wäre, so vertraut schien mir die Landschaft. Je weiter wir in die Berge hinein kamen, um so unwegsamer wurde das Gelände. Stellenweise war die Straße von umgestürzten Bäumen blockiert, die wir mit der Motorsäge zerteilten und gleich als Brennholz auf die Ladefläche des Pick-up mitnahmen. Groß war die Enttäuschung der vier Waidmänner, als sie an den kleinen See kamen und feststellen mussten, dass außer einer übel riechenden kleinen Pfütze vom See nichts übrig geblieben war. Auch hier hatte der heiße, trockene Sommer seine Spuren hinterlassen.
Aber da sie sich in diesem Gebiet halbwegs auskannten, wollten sie keinen anderen Lagerplatz suchen. Während Don, Warren, Kevin und ich mit dem Aufbau der Zelte und dem Auspacken begannen, fuhr Jason nochmals zurück an den Fluss, um so viel Wasser wie möglich in den Kanistern herbei zu schaffen. Das Wasser sollte noch ein Problem werden – nicht nur für uns, die wir jeden dritten Tag an den Fluss mussten, um Nachschub zu holen, auch das Wild hatte sich umgestellt, da es bei der drückenden Hitze dringend zum Schöpfen ans Wasser musste. Deshalb gab es hier oben in den Bergen nur wenige Hirsche zu spüren und wir mussten jeden Tag weite Wanderungen in die Täler machen. Aber ich hatte es ja mit Kanadiern zu tun und den Unterschied zwischen ihrer und der europäischen Jagdauffassung sollte ich noch herausfinden. Ich werte nicht, wenn ich das sage – in Kanada herrschen eben andere Sitten und Gebräuche.
Wir hatten ein kleines Dorf errichtet. Zum Wohnen und Kochen gab es ein großes, altes Armeezelt und zum Schlafen erhielt jeder ein kleines Domzelt, die wir – wegen der Bären – in gewisser Entfernung zur Küche aufbauten. Da es in diesem Sommer bereits an die tausend Waldbrände in Britisch-Kolumbien gegeben hatte, war es streng verboten, offenes Feuer zu machen. Aber Warren hatte einen kleinen, faltbaren Campingofen – einen »Yukonofen« – mitgebracht, auf dem es sich herrlich kochen ließ. Diese Öfen sind etwas größer als ein Schuhkarton, die Beine lassen sich abnehmen, das Blech ist verhältnismäßig dünn, so dass er schnell Hitze abgibt, und oben hat er zwei Kochfelder mit Ringen, wie bei unseren guten alten Kochöfen. Viel Holz verschluckte der Yukonofen allerdings und bei einer Außentemperatur zwischen dreißig und fünfunddreißig Grad wurde aus dem Küchenzelt schnell eine Sauna.
In zwei Gruppen machten wir uns gleich auf die erste Abendpirsch und mussten feststellen, dass nur sehr alte Fährten und alte Losung zu finden waren. Auch den Hochsitz, den man hier vor drei Jahren gebaut hatte, konnten wir auf Anhieb nicht finden. Und das Pirschen war einfach so gut wie unmöglich. Jetzt Anfang September lagen durch die große Trockenheit bereits viele dürre Blätter am Boden, das Gras war Heu am Halm und es raschelte und knisterte bei jedem Schritt, dass man es über Meilen hören konnte. Also mussten wir den Hochsitz finden oder uns in den Senken bei den spärlichen Wasserstellen ansetzen.
Morgenstund hat Gold im Mund – so sagt man bei uns: Ein Europäer würde gerade bei so heißem Wetter sehr früh mit der Jagd beginnen. Nicht aber wir. Vor zehn Uhr passierte gar nichts, keine Bewegung im Zelt; dann kroch man langsam ans Tageslicht, frühstückte ausgiebig und lange und machte sich so gegen Mittag auf den Weg, um vielleicht um vier Uhr nachmittags wieder zurück zu sein. Das darf doch nicht wahr sein, dachte ich mir ein ums andere Mal. Ich hielt aber meinen Mund, denn ich war die einzige Frau unter Männern und darüber hinaus ein Gast aus dem fernen Ausland. Was hätte ich aber alles dazu sagen können!
Zwei, drei Tage vergingen erfolglos, wen wundert es. Dann hieß es wieder fast drei Stunden ins Tal fahren, um Wasser zu holen. Nun konnte ich meinen Mund nicht mehr halten und schlug vor, die Waffen und eventuell einen Schlafsack mitzunehmen, vielleicht stünde ja im Talgrund, eben am Fluss, das bisher vergeblich gesuchte Wild. Die Männer beratschlagten und stimmten schließlich zu. Weil wir nach den heißen Tagen alle verschwitzt und schmutzig waren, wurde ein großes Waschfest aus dem Ausflug an den Skookumchuck. Wir fingen Fische, es gelang mir sogar ein wenig Gold zu waschen. Gejagt haben wir aber wieder nicht. Der nächste Morgen war nun Gott sei Dank bedeckt und trüb; es begann leicht zu regnen. Die ärgste Hitze schien gebrochen.
Gegen Mittag brachen wir wieder auf zu einer Pirsch, aber schon nach einer halben Stunde hörte ich Don murmeln: »Lost the trail, missed the right turn« (die Spur verloren, die richtige Abzweigung verpasst). Nun, ich weiß, was ein Kompass ist, aber meine Gastgeber schienen es nicht zu wissen. Ja, wenn die Sonne nicht half, waren sie gleich verloren. Mir rutschte das Herz ein bisserl tiefer, aber ich hoffte immer noch, dass wir wieder auf den rechten Weg kommen würden. Was auch geschah. Da Don selbst nicht wohl in seiner Haut war, kehrten wir gleich um und gingen zum Lager zurück. Warren und Jason waren heute gemeinsam unterwegs, während Kevin mit der Suche nach einem geeigneten Platz für den Hochsitz beschäftigt war. Ja, ein Hochsitz musste her, sonst würde das nie was werden!
Am nächsten Tag begleitete ich Warren. Die drei anderen begannen mit dem Bau eines Ansitzes in der Nähe einer alten Brunftkuhle. Warren hatte sein Leben lang mit schweren Maschinen gearbeitet und gestand mir nun auf der Pirsch, dass er so gut wie nichts mehr hörte und dass ich seine Ohren spielen musste. Auch das noch ... Es war meine erste Jagd, mein erster Aufenthalt in der kanadischen Wildnis, und an allen Ecken und Enden knackte und raschelte es. Ich konnte doch nicht unterscheiden, ob es sich um einen Bären, einen Elch oder nur ein Eichhörnchen handelte – ich hatte mich völlig darauf verlassen, dass mein einheimischer Begleiter erkennen würde, worum es sich handelte und mich rechtzeitig vor Gefahr warnen würde. Nun war ich also das Hörrohr von Warren geworden und sollte die volle Verantwortung für uns beide übernehmen.
Wie unser Rothirsch, so hat auch der Wapiti seinen Brunftschrei, den man zu imitieren versucht, um einen Hirsch heranzulocken. Der Laut allerdings, den dieser so mächtige König der Berge von sich gab, brachte mich zum Staunen. Nicht das mächtige, klangvolle Röhren unseres Hirsches war es; nein, ein eher hohes, gequältes Quietschen kam aus den Lungen dieses großen Tieres, das so gar nicht zu ihm passte. Wenn man sehr gut ist, kann man diesen Laut mit dem Mund nachahmen, meistens verwendet man aber ein Gummistück dazu, in das eine Membrane eingebaut ist, ähnlich dem Entenlockruf. »Bugle« nennt man das auf Englisch. Ja, wahrscheinlich vertreibt man das Wild am Anfang eher, als dass man es heranruft, denn es ist gar nicht so einfach, das richtige Rufen.
Mittlerweile hatten Warren und ich einen Kamm erstiegen, auf dem wir uns nun häuslich einrichteten und bis zum Dunkelwerden ansitzen wollten. Hoffentlich würde er den Weg zurück finden, dachte ich im Stillen. Nun begann der Jäger mit dem Rufen. Da er sich selbst fast nicht hören konnte und erst recht keine Antwort eines etwaigen Hirsches vernehmen würde, war es meine Aufgabe, aufmerksam zu lauschen und ihn sofort am Ärmel zu zupfen, wenn aus irgendeiner Richtung eine Antwort kam. Das schien mir nicht gerade eine leichte Aufnahmeprüfung in die grüne Gilde Kanadas. (Übrigens trägt man hier gar nicht Grün, alle ziehen sich knallbunte Hemden und Jacken über, damit sie von Weitem sichtbar sind und nicht erschossen werden.) Warren schickte einen Ruf hinaus, den zweiten, den dritten, immer mit den vorgeschriebenen Abständen und Pausen. Ich konnte keine Antwort hören! Plötzlich vernahm ich zu meiner Linken einen »Bugle« und machte meinen Begleiter sofort darauf aufmerksam.
Er antwortete sofort und ein Ruf kam zurück. Spannung kam auf. Mein Herz klopfte, die Hände wurden nass, war ich doch auch in Österreich noch nie bei einer Hirschbrunft dabei gewesen. Rufen und Antworten, für eine geraume Weile ging es hin und her. Dann versuchte sich Warren mit dem Fieplaut einer heißen Hirschkuh. Als Antwort kam aber immer der gleiche »Bugle«, auch immer aus der gleichen Entfernung, wie mir schien. Müsste der Hirsch nicht langsam näher kommen, seinen vermeintlichen Rivalen aufsuchen und zum Kampf auffordern? So viel anders als bei uns konnte das Verhalten des Wildes hier doch nicht sein. Warren rief und rief, die Antwort folgte fast immer im gleichen zeitlichen Abstand und kam immer aus der gleichen Richtung. Schließlich meinte er, dass ich mich doch irren müsste, er selbst könne gar nichts hören und wir würden für heute Schluss machen. Irgendwie enttäuscht packte ich meine Sachen zusammen und stolperte hinter ihm zurück ins Lager. Auch die anderen hatten das Rufen gehört, obwohl sie in einer ganz anderen Ecke arbeiteten. Morgen würde Kevin sich nochmals mit Warren am Kamm ansetzen, während ich mit Jason auf den Ansitz gehen sollte. Don würde zwischen uns Vieren pirschen, um uns eventuell etwas zuzudrücken.
Früh am Morgen, noch in der Dunkelheit ging es diesmal los, nun schien auch die vier Jungs das Jagdfieber gepackt zu haben. Aber wie üblich hatte sich Jason den Weg zum Ansitz nicht gemerkt, zwei Versuche scheiterten, wir kehrten immer wieder zur Straße und zum Auto zurück und mussten von Neuem beginnen. Schließlich beschlossen wir, auf das Tageslicht zu warten, denn das Herumsuchen vertrieb vielleicht das Wild. Als wir den Hochsitz endlich gefunden hatten, stellte ich fest, dass die Männer gute Arbeit geleistet hatten. Auf einer fünfzehn Meter hohen Fichte waren drei Bretter angenagelt, der Aufstieg erfolgte mittels »Hunderternägeln«, die direkt in den Stamm geschlagen wurden. Wie ein Afferl musste man sich vom Nagel zum Ast schwingen, bis hinauf zum luftigen Sitz. Mit Mühe und Not fanden zwei von uns da oben Platz.
Jasons »Bugles« klangen in meinen Ohren schon viel besser als die von Warren. Auch jetzt erfolgte die Antwort in regelmäßigen Intervallen. Aber sie kam wieder nicht näher, wir sahen kein Wild. Den ganzen langen Tag verbrachten wir auf diesen mickrigen Brettern und mein Körper schmerzte mehr als nach einem zehnstündigen Marsch. Am Abend auf dem Weg vom Ansitz zum Auto brach es dann vor uns weg, wie wenn eine Bombe eingeschlagen hätte: Zehn, zwanzig oder gar noch mehr Stück Rotwild hetzten in großen Fluchten vor uns her. Zu dumm, vielleicht hätten wir noch eine Stunde ausharren sollen, vielleicht wäre er doch noch gekommen, der lang ersehnte Hirsch.
