dazumal und heutzutag - Horst Pöschl - E-Book

dazumal und heutzutag E-Book

Horst Pöschl

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Beschreibung

Horst Pöschl hat in den letzten vierzig Jahren zahlreiche Zeitungsartikel veröffentlicht. Viele basieren auf eigenen Kindheitserlebnissen und behandeln heimatkundliche Themen. Aber auch andere Interessensgebiete werden in den Texten thematisiert. Über hundert ausgewählte Artikel sind nun in diesem unterhaltsamen und lehrreichen Lesebuch zusammengefasst, das viel über die Erfahrungen, Vorlieben und Gedanken des Schreibers verrät.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 226

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhalt

Worte zuvor

Was Petrus mit Kohl und Erbsen zu tun hat

Alles darf seine Zeit haben

Ein Teufelstier im christlichen Mittelalter

John F. Kennedy in Hessen

Im Bienenstock gereift

Gedenktage

Die merkwürdigste Pflanze der Welt

Erinnerungen an Hausschlachtungen

Alles begann mit einer Hinrichtung

Erinnerungen an die weiße Pracht

Die Narretei ist jetzt vorbei

Fastenzeit

Das Fräulein ist tot!

Basen und Weiber

„Ist noch alles in Butter?“

Zeitumstellung

Weißer Sonntag

Schwarzer Glücksbringer

Streusel- oder Riwwelkuchen?

„Weißer geht´s nicht.“

Pizza

Fleckenbrunnen

Morgens krank, abends tot

Der Mittelpunkt des Hauses war die Küche

April, April!

Ei, Ei, Ei…

„Von guten Mächten“

Als das Bier in Milchkannen geholt wurde

Endlich ist er da, der Mai

Pfingsten: Geburtstag der Kirche

Die Rose ohne Dornen

Die Konfirmation

Pfingstliches Brauchtum

Bauernregeln übers Wetter

Die Kuh des kleinen Mannes

Vor 40 Jahren: aus der Massenplage wird eine Rarität

Juni – der Rosenmonat

Unser Grundgesetz und die Notstandsverfassung

Tag des Apfelweins

Luthers kraftvolle Sprache

Domstein vom Felsenmeer

Geschichte des Fronleichnamsfestes

Nicht nur Mordprozesse

1948 wurde die D-Mark eingeführt

100 Jahre Frauenwahlrecht

Ein Stück vom Himmel auf Erden

Der Bote des Morgens

Endlich Urlaub

Kirchengruft

Ein musikalischer Alleskönner

Erinnerungen an die erste Mondlandung

Jetzt wird gebrutzelt

Hitzestress

Sou werd bei uns gebabbelt

Internationaler Tag der Freude

Pieta

Salz ist wertvoller als Gold

Unser Leben hat sich rasant geändert

August-Gedanken

Die Sommerferien beginnen

40 Jahre Platzhalter für Berlin

Die perfekte Sommerfarbe

Die Geschichte des Getreides

Geweihte Kräuter wenden Unheil ab

Kircheneinblicke

Früher war alles besser, oder?

Kircheneinblicke

Sepp Herberger starb vor 40 Jahren

Wie unser tägliches Brot gebacken wurde

Die Kerb

Grüne Geschichtsbücher

Die meistgedruckte Briefmarke Deutschlands

Demokratien sind leicht angreifbar

Kopfweiden

Ein mysteriöses Wunderwerk

Der Blick nach unten auf die Erde

Rot und prächtig leuchten die Äpfel

Booksharing

Herbstanfang

Bratkartoffelverhältnis

Allerheiligen

Kircheneinblicke

Eine Gans als Steuer

Wer kein Bier hat, hat nichts zu trinken!

November ist der Totenmonat

Im November besuchen wir die Friedhöfe

Im Angesicht des Todes

Hirsche im Herbst

Der Adventskranz

Alle Jahre wieder kommt der Nikolaus

Vom Weihrauch zum Parfum

Ein gutes und richtiges Weihnachtsgeschenk wird gesucht

Die Pflanze im Weihnachtsbrauchtum des Odenwalds

Auf einer Reise ohne Wiederkehr

Der Ernst des Lebens begann 1947

Corona beherrscht die Welt

Eine heilige Corona?

Wäschespinnen und Unterhaltung in der Corona-Zeit

Seuchen und Hexenglaube

Zeitgeschichte mit Corona

Worte zuvor

Das hätte die „Rose von Jericho“ nicht gedacht, dass sie einmal in einem echten Buch landen würde!

Die genannte Rose ist der Titel eines Zeitungsartikels, den mein Vater Horst Pöschl vor drei Jahren im Otzberg-Boten veröffentlichte. Zahlreiche andere Texte teilten in den letzten Jahrzehnten dasselbe Schicksal, und nicht wenige schafften es auch ins Darmstädter-Echo.

Zunächst sammelten mein Bruder Jürgen Pöschl und ich fleißig die entsprechenden Zeitungen, doch allmählich wurden uns die Stapel zu hoch. Daher überredeten wir den fleißigen Schreiber, doch zumindest die auf dem PC gespeicherten Texte und Fotos in einem Buch zu bündeln. Jürgen und seine Frau Antje wollten sich um die Buchdruckerei kümmern, und mir blieb die Rolle der Vorwortschreiberin, gecoacht von meinem Mann Martin. Unsere Mutter Hedi hatte schon in den letzten Jahren als Testleserin, Köchin und Rückenfreihalterin ihren Beitrag geleistet.

Als erstes musste ein BUCHTITEL gefunden werden. Das gestaltete sich bei den unterschiedlichen Inhalten der Artikel gar nicht so einfach.

So hätte etwa „Als ich ein Bub war“ auf viele Geschichten über das Heringer Dorfleben gepasst. Diese Kindheitserlebnisse unseres Vaters haben mir schon gefallen, als sie noch mündlich erzählt wurden – von ihm selbst oder meinen Großeltern Marie und Adolf Pöschl. Einiges war uns auch gar nicht so fremd: So gingen auch mein Bruder und ich jahrelang mit der Milchkanne zum Sternwirt, nur Bier wurde uns dabei leider nie eingegossen (s. Als das Bier in Milchkannen geholt wurde).

Apropos Sternwirt, dessen Gastwirtschaft in der Odenwaldstraße unser Vater auch heute noch regelmäßig aufsucht. Schließlich fühlt er sich dort nicht nur wegen der netten Stammtischrunde heimisch. Nach der Vertreibung aus dem Sudetenland fand seine Familie nämlich auf diesem Bauernhof eine erste Bleibe. Später zogen die Pöschls gegenüber in die Hauptstraße 22, wo sie selbst ein paar Tiere hielten. Die Ziegen etwa hatte mein Vater zu hüten. Aber auch bauernhof-unübliches Vieh gehörte dazu, z.B. Bienen. Mein Urgroßvater Anton Tippmann war nämlich nicht nur Metzger, sondern auch Imker (s. Erinnerung an die Hausschlachtung, Im Bienenstock gereift und Die Kuh des kleinen Mannes).

Doch nicht nur seine persönlichen Kindheitserlebnisse beschrieb unser Vater in seinen Artikeln; vielmehr beschäftigte er sich auch mit Heimatgeschichte im Allgemeinen. Daher musste ein anderer Buchtitel her: Wie wäre es mit „Erkenntnisse eines Heimatforschers“? Wobei diese nicht nur das letzte Jahrhundert umfassen, sondern bis ins Mittelalter reichen, wo es noch Seuchen und Hexenglauben gab und die Katze des Teufels war (s. Ein Teufelstier im christlichen Mittelalter)?

Verstärkt für Heimatkunde interessierte mein Vater sich nämlich spätestens seit 1980. In jenem Jahr war er als Pfarrgemeinderatsmitglied Mitherausgeber der Festschrift zum 500jährigen Jubiläum der Heringer Kirche „St. Marien“.

Die Verwurzelung im kirchlichen Gemeindeleben führte übrigens auch zu den zahlreichen Beschreibungen der kirchlichen Feste – „Mit Horst durchs Kirchenjahr“ träfe es also auch teilweise. Religiöse Inhalte besprach unser Vater ebenfalls gerne, wobei er auch in diesem Bereich öfter über den (katholischen) Tellerrand blickte – etwa in den Artikeln über Luther und Bonhoeffer.

Diese Weltoffenheit und seine soziale, politische Haltung zeichnen unseren Vater nämlich auch aus. Ob es um die Einführung des Frauenwahlrechts, der Zeitumstellung oder der Pizza geht, all dies ist pöschliger Betrachtung wert. Wachsam verfolgt unser Vater stets das aktuelle Geschehen. Das hält ihn jung und verleiht diesem Buch eine aktuelle Komponente; selbst die (un)heilige Corona und das Leben mit ihr als Virus wird schon behandelt. Wenn wir Bölls Clown ersetzen, könnte also „Ansichten eines Mitbürgers“ auch eine Option sein.

Tja, es ist nicht so einfach mit diesem verflixten Buchtitel. Ein Horst Pöschl lässt sich eben nicht in eine Schublade pressen!

Nach langem hin und her einigten wir uns nun also schließlich auf „dazumal und heutzutag“. Dieser Titel ist nichtssagend und allgemein genug, um all die vielen Gebiete zu umfassen, die unseren Vater interessieren: Politik, Menschen, Geschichte, Religion, Natur, Kalligrafie - um nur einige zu nennen.

Die Artikel und Fotos sind bunt durcheinandergewürfelt und nur grob und soweit möglich den Jahreszeiten zugeordnet, was die Lektüre abwechslungsreich gestalten sollte.

Ich finde, es ist ein sehr persönliches Lesebuch geworden, in dem unser Vater sein Leben und seine Gedanken der Jetztwelt und der Nachwelt auf unterhaltsame und anschauliche Weise nahebringen will.

„Und was soll jetzt die Rose von Jericho in diesem Buch?“, fragte ich meinen Vater. Schon als Kind sei er von dieser merkwürdigen Pflanze fasziniert gewesen, so dass er sich zehnjährig ein Exemplar habe schicken lassen. Bis heute würde er das Ritual des Aufblühens regelmäßig nachvollziehen.

Sollten auch Sie beim Lesen noch Fragen oder Anregungen haben, wird unser Vater sicher ebenfalls gerne persönlich darauf eingehen. Vielleicht schreibt er dann auch noch einen Artikel darüber, denn seinem liebsten Hobby, dem Schreiben, wird er sicher noch lange nachgehen.

Und nun viel Spaß beim Lesen!

Heike Staub (früher mal Pöschl)

Was Petrus mit Kohl und Erbsen zu tun hat

WETTERPROGNOSEN AN HEILIGENTAGEN

„Wenn`s an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit, ist es klar und hell kommt der Lenz wohl nicht so schnell“ oder „An Agathe Sonnenschein bringt viel Korn und Wein“ oder „Hat St. Peter das Wetter schön, soll man Kohl und Erbsen säen“. Solche einfachen Reime verbinden die Gedenktage von Heiligen im Februar – in diesem Fall Mariä Lichtmess (2. Februar), Agathe (5, Februar) und Petri Stuhlfeier (22. Februar) – mit Wetterprognosen für das ganze Jahr.

Es sind die wohlbekannten „alten Bauernregeln“, die oft schon aus dem Mittelalter stammen; eine Zeit, in der die jeweiligen Tagesheiligen noch deutlich geläufiger waren als heutzutage.

Die kurzen Merksätze dienten den Bauern als Leitfäden: Wann sollte gesät werden, bis wann sollte die Ernte eingeholt werden? Doch wie verlässlich können solche althergebrachten Regeln sein?

„Bauernregeln sind teilweise so allgemein gehalten, dass sie entweder keine spezifische Aussage haben oder nicht haltbar sind, gerade wenn sie einen bestimmten Stichtag nennen“, meinen die Meteorologen. „Für langfristige Prognosen sind sie wissenschaftlich nicht haltbar. Dafür ist das System unserer Atmosphäre zu komplex.“ Handelt es sich bei den Wetterregeln also nur um bäuerlichen Aberglauben? Nicht ganz, schränken die Meteorologen ein. „Die Bauernregeln erfüllen einen wichtigen Zweck. Für den Bauern – und damit auch für die ganze Bevölkerung – war das Wetter die Lebensgrundlage.“ Schlechtes Wetter bedeutete schlechte Ernte und konnte zu Hungersnöten führen. „Was für die Menschen damals zählte, war der subjektive Eindruck“, so die Meteorologen weiter.“ Man hat sich einen Stichtag ausgewählt und geschaut, wie das Wetter ist, War es im Folgejahr genauso, dann hat man die Regel als bestätigt angesehen. Falls nicht, wurde sie einfach vergessen. Einen Nachweis zu erbringen, war technisch überhaupt nicht möglich.“

Darüber hinaus sind einige Rückschlüsse auch nicht gänzlich falsch; „Interessanterweise sind aus der Siebenschläferregel wirklich Tendenzen für den Hochsommer ableitbar.“ Nach der Regel sagt das Wetter am Siebenschläfertag, dem 24. Juni, das Wetter für die kommenden sieben Wochen voraus: „Wie das Wetter sich am Siebenschläfer verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt.“ Die meteorologischen Aufzeichnungen zeigen, dass das Wetter tatsächlich ein ähnliches Muster zeigt. Allerdings schränken die Meteorologen ein: „Die Regel ist im besten Falle auf den Zeitraum, nicht aber auf einzelnen Tag fixierbar.“

Ähnliches gilt auch für die Eisheiligen vom 12. Bis zum 15. Mai“ Ein Kälteeinbruch, an diesen Tagen ist wissenschaftlich gesehen nicht wahrscheinlicher als zwischen dem 9. Und dem 12. Mai. Dass es aber in der Mitte des Monats auch häufiger noch zu stärkerem Frost kommt, lässt sich nicht bestreiten.“ Es darf allerdings auch nicht vergessen werden, dass die heutigen Jahrestage nicht mehr denen des Mittelalters entsprechen, als viele der Regeln aufgestellt wurden. Schuld daran: Papst Gregor XIII. (1572 – 1585). Im Zuge seiner Kalenderreform vom „julianischen“ zum „gregorianischen“ Kalender entfielen im Jahr 1582 schlicht zehn Tage. Dadurch haben sich natürlich alle angeblichen Stichtage für die Zukunft verschoben.

Abseits von frühneuzeitlichen Kalenderreformen stellt zuletzt aber noch eine andere Entwicklung die prophetische Kraft der Heiligentage in Frage: der Klimawandel.

Alles darf seine Zeit haben

FAST EIN GANZES NEUES JAHR LIEGT NOCH VOR UNS

Es ist Ende Januar – das neue Jahr liegt noch recht frisch und unberührt vor uns. Noch ist alles möglich. Dazu kommt wegen des Schaltjahres ja auch noch am 29. Februar ein zusätzlicher Tag, der uns zur Verfügung steht. Was man da alles machen könnte. Es ist also alles noch möglich im Jahr 2020?

Ein Blick in den Kalender bedeutet aber für viele Menschen, dass im neuen Jahr längst nicht mehr alles machbar ist. Seit langem sind die Urlaubstage eingetragen und der Sommerurlaub wahrscheinlich schon gebucht. Geburtstage sind notiert, wichtige Terminnotizen hängen am Kühlschrank neben Konzertkarten, auch wichtige Arzttermine sind bereits vereinbart oder geplant. Es ist also nicht mehr alles möglich, auch wenn das Jahr erst ganz am Anfang steht.

Trotzdem kann der Januar dazu einladen, noch einmal in aller Ruhe in den Kalender zu schauen und darüber nachzudenken, was die kommenden Tage bringen sollen, auch wenn schon viele von ihnen verplant sein mögen, Wovon sollen die zwölf Monate geprägt sein? Worauf möchte ich meinen Schwerpunkt legen? Was ist mir ganz besonders wichtig – auch dann, wenn mir vielleicht nicht so viel Zeit dafür bleibt? Vor 55 Jahren habe ich bei der Bundeswehr gelernt, wie kostbar die Zeit ist. Denn hier ist jeder Tag von morgens bis abends strukturiert und freie Zeiten sind klar definiert und begrenzt. Damit ich die nicht einfach so vertrödele, überlegte ich mir, was ich in meiner knapp bemessenen Freizeit machen möchte. Das konnte ein Kirch- oder Stadtrundgang sein, oder auch ein Kneipen- oder Kinobesuch mit Kameraden nach einer anstrengenden Gefechtsausbildung. Manchmal entschied ich mich dafür, eine Zeitung oder ein gutes Buch zu lesen oder einfach auf den Kasernenhof zu schauen und das rege militärische Treiben zu beobachten. Aber ich habe mich dann entschieden, dass ich die Zeit einfach so mit Nichtstun verstreichen lasse.

So ähnlich kann man es machen beim Blick auf das neue Jahr. Freie Zeiten mögen jetzt schon sehr begrenzt sein, vieles mag schon feststehen, aber ich kann mich bewusst dafür entscheiden, welche Priorität eine Sache für mich hat und was in jenen Zeiten passieren kann, die noch frei sind. Jemand möchte vielleicht ein wichtiges Projekt zum Abschluss bringen und entscheidet sich am Jahresanfang, jede freie Minute damit zu verbringen – und wird schon im Frühsommer fertig. Einer anderen Person ist es wichtig, möglichst viel Zeit mit anderen Menschen zu verbringen, und so plant sie immer wieder Gelegenheiten ein, zu denen sie sie treffen kann. Und hinter einem dritten mag ein kräftezehrendes Jahr 2019 liegen, und er entscheidet sich, im neuen Jahr möglichst wenig Aktivitäten zu planen und nur das zu machen, was ihm im Moment guttut.

Hilfreich bei all den Überlegungen kann die Haltung sein: Nicht der Kalender beherrscht mich, sondern ich beherrsche den Kalender; ich bin der Chef, die Chefin meiner Zeit. Es mag Zeiten geben, die anspruchsvoll und mühsam sind. Gleichzeitig wird es aber sicher auch Phasen geben, die schön sind und Kraft spenden. All das gehört im Leben dazu, so wie es in der Bibel steht: „Alles hat seine Zeit“. Und so gehört eben alles dazu im Leben.

Wer sich jedoch zu Beginn des Jahres darüber klar wird, was für ihn, für sie selbst besonders wichtig und wertvoll ist, der oder die kann auch mit dem umgehen, was nicht besonders ansprechend ist, aber nun einmal zum Leben dazu gehört. Der kann sich dann freuen, wenn die Zeit für das gekommen ist, was man besonders gern macht und schon aus der Vorfreude Energie gewinnen. Der kann auch zwischendurch immer wieder leichter nachjustieren, wenn das persönliche Gleichgewicht aus den Fugen gerät und man vielleicht vor vergnüglichen Terminen und Freizeitstress plötzlich nicht mehr weiß, wann man sich noch um die alltäglichen Aufgaben zu Hause kümmern soll.

Denn es ist ja alles im Blick, was zum Gleichgewicht beiträgt, und nichts muss aufgegeben werden. Alles hat seine Zeit und alles darf seine Zeit haben. Manchmal ist es einfach nur die Frage, wann die Zeit für etwas gekommen ist – und wann etwas anderes auf spätere Zeiten warten muss.

Ein Teufelstier im christlichen Mittelalter

DIE KATZE WAR EIN UNGLÜCK BRINGENDER DÄMON

Nach dem 30-jährigen Krieg (1618 – 1648) herrschte die einhellige Meinung, eine zwanzigjährige Katze würde sich in eine Hexe verwandeln und eine hundertjährige Hexe würde wieder zur Katze werden. Dieser Aberglaube, verbunden mit der Ansicht, Hexen würden sich in Katzen verwandeln, um in dieser Gestalt Unheil anzurichten, hielt sich, wie mir mein Großvater erzählte, bis ins Ende des 18. Jahrhunderts hinein. Die Katzen, deren Vorfahren aus Asien stammen, haben sich auf deutschem Gebiet schon in der Zeit vom 3. bis 5. Jahrhundert verbreitet. Sie kamen mit den Römern ins heutige Deutschland und wurden zu Begleitern der germanischen Göttin Freya, deren Wagen sie zogen. Diese Nähe zur heidnischen Göttin der Liebe und Ehe dürfte wohl dazu beigetragen haben, dass die Katze im christlichen Mittelalter (6.Jh. -15. Jh.), in dem das Leben der Menschen in allen Bereichen durch die Religion beeinflusst wurde, als Teufelstier galt. Ihre „furchteinflößenden“ geschlitzten Augen, die im Dunkeln phosphoreszierend leuchten und ihre Nachtaktivität trugen ein Übriges dazu bei, sie bei den Menschen unheimlich zu machen. Vor allem wenn ihr Fell schwarz war, hielt man die Katze oft für einen Unglück bringenden Dämon (= vom Bösen befallenes Lebewesen), 1233 erklärte Papst Gregor IX. (1145 – 1241) die Katzen als Teufelstiere. Als Wiedergeburt des Teufels wurden sie von nun an noch gnadenloser verfolgt und getötet als ihre Besitzer. Katzen wurden als Verbindungsmitglied zu den alten heidnischen Religionen gesehen und daher zum Dämon, den der Teufel den Hexen als Hilfsgeist schenkte. Mit Gottesfrevlern und Hexen wurde die Katze in die Hölle verdammt und zum Spielball der Inquisition (= mit großer Härte und grausamen Foltermethoden gegen Gottlose bzw. Abtrünnige vorgehendes Gericht), auf deren Befehl hin unzählige Menschen und noch mehr Katzen durch Feuer, Schert oder auf andere Weise getötet wurden. Wer eine Katze besaß, stand automatisch im Verdacht, mit dem Bösen im Bunde zu sein und auch wer nur für die Katze oder deren Besitzerin, die beschuldigt wurde, eine Hexe zu sein, Partei ergriff, hatte mit dem Tod zu rechnen. Besonders im 16. Und 17. Jh. nahm die Hexen- und damit auch die Katzenverfolgung noch nie da gewesene Ausmaße an. Wie mir mein Lehrer, der Brauchtumsforscher und Baugeschichtler Dr. Ing. Heinrich Winter erzählte, wurden Katzen oft stellvertretend für den Satan in das Fundament von Kirchenbauten eingemauert. Aber auch Verbrennungen von Katzen auf dem Scheiterhaufen sind vielfach belegt. Allerdings dienten solche Spektakel bei Festen und Jahrmärkten oft nur noch der reinen Volksbelustigung.

John F. Kennedy in Hessen

LEBENSERINNERUNGEN AUS ALTER ZEIT

Tief in meine Erinnerungen eingegraben sind jene Tage im Oktober 1962, als die Welt vor dem Abgrund einer atomaren Katastrophe stand. In den Gewässern um den Inselstaat Kuba in der Karibik erwarteten die Amerikaner einen mit Raketen beladenen Frachter aus der Sowjetunion. Hätte er die Blockade durchbrochen, wären Schüsse gefallen und ein Feuer ungeahnten Ausmaßes hätte Millionen Menschen verbrannt. Erstmals wurden die ungeheuren Gefahren eines möglichen Atomkrieges einer breiten Öffentlichkeit bewusst. Ich wartete mit Studienfreunden in jener Nacht auf die aktuellen Nachrichten im Radio: Der Frachter war auf Gegenkurs gegangen. Im Kreml hatte man die tödliche Gefahr im letzten Augenblick erkannt. Die Tatsache, dass ich noch lebe und dass ich meine Enkel erleben darf, ist wohl auch dem taktischen Geschick jenes Mannes zu verdanken, den ich ein Jahr später in Hessen hautnah sehen und erleben konnte: John Fitzegerald Kennedy (1917 - 1963), der 1961 ins Weiße Haus einzog und bis dahin der jüngste gewählte Präsident der Vereinigten Staaten war. Er war Mitglied der Demokratischen Partei und der erste katholische Politiker, der dieses Amt innehatte. John F. Kennedy galt als politischer Erneurer und wurde von vielen - auch in der Bundesrepublik Deutschland - wie ein Popstar verehrt. Umso mehr freute es mich, dass ich am 25. Juni 1963 - es war ein Dienstag - nach Hanau eingeladen wurde, wo ich mit Tausenden von Menschen an der Bundesstraße 8 stand, auf der der 35. US-Präsident John F. Kennedy im offenen Mercedes, flankiert von Hessens Ministerpräsident Georg August Zinn (1901 - 1976) und Noch-Vizekanzler Ludwig Erhard (1897 - 1977) vom US-Fliegerhorst Langendiebach im heutigen Main-Kinzig-Kreis, nach Frankfurt fuhr, wo ihn mehr als 60 000 Menschen jubelnd erwarteten. Für sie war John F. Kennedy der Hoffnungsträger einer ganzen Generation. In der früheren Freien Reichshauptstadt angekommen, wurde das populäre Staatsoberhaupt von einer unübersehbaren ihm zujubelnden Menschenmenge auf dem Römerberg begrüßt. Die Welt oder zumindest Deutschland blickte auf die Paulskirche, einem historisch symbolträchtigen Ort in Frankfurt, wo der erste Mann aus Amerika dem deutschen Verbündeten seine atlantische Solidarität bekundete. Unter den hiesigen Ehrengästen befanden sich zahlreiche Ministerpräsidenten der Länder und die Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag Heinrich von Brentano (1904 - 1964; CDU/CSU), Erich Ollenhauer (1901 - 1963; SPD) und Erich Mende (1916 - 1998; FDP).Danach trug sich der Ehrengast, neben ihm Oberbürgermeister Werner Bockelmann (1907 - 1968), ins Goldene Buch der Stadt ein. Dann sprach der Präsident zu den Menschen. Er nannte Frankfurt „das vitale Zentrum des neuen freien Deutschlands“. Und er erzählte, dass er 1948 als junger Abgeordneter schon mal hier war, in der verheerend zerstörten Main-Metropole, die nun wieder auferstanden ist. Sein berühmtes Zitat „Ich bin ein Berliner“ aus seiner Rede vom 26. Juni 1963 vor dem Rathaus Schöneberg in West-Berlin übte er - wie ich erfuhr - wegen der richtigen deutschen Aussprache abends in seinem Übernachtungshotel in der Landeshauptstadt Wiesbaden mit Erfolg ein. Wenige Wochen später, am 22. November 1963, wurde John F. Kennedy in Dallas, von zwei Gewehrschüssen tödlich getroffen. Die Nachricht erreichte mich abends bei einer Veranstaltung im katholischen Pfarrheim in Hering, die sofort unterbrochen wurde. Millionen Menschen trauerten weltweit um den toten Präsidenten. Auf den Straßen weinten die Menschen. Kennedys Tod empfinde ich bis heute als persönlichen Verlust. 1984 habe ich sein Grab auf dem US- Nationalfriedhof Arlington besucht.

Im Bienenstock gereift

HONIG - DAS ÄLTESTE SÜßUNGSMITTEL DER MENSCHHEIT

Honig gilt als das älteste Süßungsmittel der Menschheit. Aber auch die heilende Wirkung des Honigs besonders als Wundverband ist schon seit der vor etwa zweieinhalb Millionen Jahren beginnenden Steinzeit bekannt.

Griechen (600 v. Chr.) und Römer (332 v. Chr.) waren die ersten, die eine systematische Bienenzucht unterhielten und Wissen über die betriebsamen Insekten sammelten. Der schon zu Lebzeiten hoch verehrte Arzt und „Vater der Medizin“ Hippokrates (466 - 377 v. Chr.) wusste von der fiebersenkenden Wirkung des Honigs und verwendete ihn zur Wundheilung. In Ägypten fand Honig als Zahlungsmittel Verwendung: ungefähr ein Topf Honig kostete ein Rind oder einen Esel (3000 v. Chr.).

Honig lässt sich nach Herkunft, Sorte und Art der Gewinnung einteilen. Nach Herkunft unterscheidet man Blüten- und Honigtauhonig. Sammeln die Bienen den Nektar von Blüten, spricht man von Blütenhonig. Er enthält eine Vielzahl von geschmacklichen Nuancen. Der Honigtauhonig besteht hauptsächlich aus Honigtau, der auf Nadel- und Laubbäumen klebt. Der würzige Geschmack verrät, wo die Bienen sammeln waren. Die aus reichlich Honigtau bestehenden Blatt- und Waldhonige haben in der Regel eine nicht ganz so hohe Süßkraft wie der Blütenhonig.

Im Bienenstock gereift

Wir kennen alle den süßen Geschmack und die geschmeidige Konsistenz (= Weichheit) von Honig. Doch was ist eigentlich drin in diesem Naturprodukt? In der Honigverordnung (Honig V) wird Honig als „natursüßer Stoff“ definiert, „der von Honigbienen erzeugt wird, indem die Bienen Nektar oder Sekrete lebenden Pflanzenteilen befindende Exkrete von an Pflanzen saugenden Insekten aufnehmen.“ Durch Kombination mit eigenen spezifischen Stoffen wandeln die Bienen diese um. In den Waben des Bienenstocks wird Wasser entzogen, und das Ausgangsmaterial reift zum Honig heran. Dieser wird also nicht nur aus Blütennektar, sondern auch aus den süßen Säften von Tieren und Pflanzen gewonnen, dem Honigtau.

Die Arbeitsbienen (im Sommer bis zu 50 000 Stück pro Bienenvolk) transportieren den Nektar in ihrem Körperinnern in der so genannten Honigblase. Dort wird er mit körpereigenen Säften und Enzymen vermischt, bevor er in die Wabenzelle gefüllt wird. Gleich darauf saugt ihn eine andere Biene wieder ein und vermischt ihn abermals mit ihren Körpersäften. Das Spielchen wiederholt sich so lange, bis der Nektar zu jenem dickflüssigen Saft heranreift, den wir als Honig kennen. Eine Umgebungstemperatur im Bienenstock von etwa 35 Grad hilft dabei, dass Wasser verdunstet und der Honig seine typische Konsistenz erhält. Was die fleißigen Bienen zur eigenen Nahrungsversorgung im Winter in die Wabe befördern, wird zu gegebener Zeit vom Bienenzüchter (= Imker) entnommen und ausgeschleudert oder abgepresst.

Wertvolle Inhaltsstoffe

Honig besteht zu 75 - 80 Prozent aus Zuckerstoffen. Darüber hinaus enthält er Wasser, Vitamine, Mineralstoffe und verschiedene bioaktive Stoffe. Wissenschaftler gehen davon aus, dass beispielsweise die heilsame Wirkung des Honigs Enzymen zu verdanken ist, die von den Bienen produziert werden. In der Volksmedizin wird Honig als Hausmittel zur Vorbeugung und Behandlung von Erkältungskrankheiten eingesetzt. Es wird ihm zudem eine stärkende Wirkung auf das Immunsystem nachgesagt, die aber nicht wissenschaftlich belegt ist.

Gedenktage

FÜR FAST JEDEN ANLASS IST EIN TAG IM KALENDER RESERVIERT

Kirchliche Fest- und Gedenktage gibt es schon seit Jahrhunderten, Doch im Laufe der Zeit kamen noch viele weitere dazu. In den letzten Jahren begründen vor allem Verbände immer neue Gedenktage, an denen an ein bestimmtes historisches Ereignis oder an eine bedeutende Persönlichkeit von hoher nationaler, staatlicher oder religiöser Autorität erinnert wird. Zum Teil sind solche Gedenktage offizielle nationale Feiertage geworden.

In diesem Jahr 2018 ist beinahe jeder der 365 Tage mit mindestens einer besonderen Bedeutung aufgeladen.

Es gibt Gedenktage für Sparer, Blutspender und Nudelliebhaber, für verlorene Socken, für Sklaven, Putzfrauen und Bauern, für Epilepsie, Menschen mit Down-Syndrom und Rückenleiden. Im Festtagswirrwarr gibt es sogar einen Gedenktag gegen Gedenktage: Der US-Kolumnist Harold Pullmann Coffin soll 1972 den 16. Januar als „National Nothing Day“ ausgerufen haben - als Tag, an dem seine amerikanischen Mitbürger einfach da mal sitzen dürfen - ohne irgendetwas zu feiern, eines Ereignisses zu gedenken oder jemanden zu ehren.

Weihnachten, Ostern und Pfingsten gliedern seit Jahrhunderten das Jahr nach dem christlichen Festtagskalender.

Drumherum entstand dann der Heiligenkalender, der sich fest mit Brauchtum und Lebensregeln wie dem Bauernkalender verband: Der Siebenschläfertag (27. Juni) gab Orientierung für das Sommerwetter, an Lichtmess (2. Februar) begann die Frühjahrsarbeit und an Martini (11. November) wurden Knechte und Mägde ausgezahlt. Erster Mai, Muttertag, Erntedankfest und Volkstrauertag beanspruchen teil- und zeitweise staatliche Autorität, sind aber nicht ganz so alt wie die kirchlichen Feste. Das war es dann für lange Zeit.

Doch schon kurz nach ihrer Gründung erkannten die Vereinten Nationen das Potential von Gedenktagen. Am 31. Oktober 1947 proklamierte die UNO den ersten „Welttag der Vereinten Nationen“, um die Weltorganisation im Bewusstsein der Weltbevölkerung zu verankern. Mittlerweile reicht die Palette der UN-Tage vom Welt-Aids-Tag über den Tag der Muttersprache und den Welttag der Poesie bis zum Weltfernmeldetag, dem Welttoilettentag oder zum Tag der Industrialisierung Afrikas.

Von Diät bis Bier

Auch kleinere Institutionen, Verbände und Vereine proklamieren mittlerweile Gedenktage. Den „Tag der gesunden Ernährung“ hat der Verband für Ernährung und Diätetik initiiert, den „Tag der Kriminalitätsopfer“ der Weiße Ring. Auch andere Interessengruppen haben Gedenktage ausgerufen. Sie alle haben - anders als der Muttertag, der auf die Privatinitiative einer einzigen Frau zurückgeht - bislang nur wenig Durchschlagskraft. Viel öffentliche Aufmerksamkeit erhält höchstens der „Tag des deutschen Bieres“, der jährlich am 23. April an das 1516 erlassene Reinheitsgebot für bayerisches Bier erinnert.

Fest mit dem Januar verbunden ist der „Wirf-Deine-Jahresvorsätze-über-Bord-Tag“, der am 17. Januar angesetzt ist. Schließlich ist es 16 Tage nach Jahresbeginn höchste Zeit, die an Silvester erstellte Liste mit den fantastischen Vorsätzen für das neue Jahr zu überprüfen - und meist über Bord zu werfen: mehr Sport machen, gesünder essen, weniger Stress. Vielleicht gehört ja auch der Vorsatz dazu, keine neuen Gedenktage auszurufen.

Die merkwürdigste Pflanze der Welt

DIE ROSE VON JERICHO - DAS WÜSTENWUNDER

Eine Pflanze, die sich zu jeder Jahreszeit, also auch im Winter, aus einer braunen und vertrockneten Knolle (siehe Bild) in ein grünes Wunder verwandelt, ist die Rose von Jericho.Sobald man sie in Wasser legt, rollt sie sich auseinander und wird dunkelgrün. Dieser Vorgang lässt sich beliebig oft wiederholen. Die Pflanze wird deshalb auch „Auferstehungspflanze“ genannt. In einer Legende zur Flucht von Maria und Josef nach Ägypten heißt es, dass die Rose von Jericho am Rand des Weges wuchs, den die Fliehenden entlanggingen.

Die Rose von Jericho wurde zuerst von den Kreuzrittern (zwischen 1095 und dem 13. Jahrhundert) und später von den Pilgern, die Wallfahrten in das Heilige Land unternahmen, nach Europa gebracht und als heilige Pflanze verehrt. Die „tote“ Rose dient dem Schub der Samen, die in der Natur nach einem kräftigen Regenguss sofort zu keimen beginnen.