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· Blutzuckerstabil, nährstoffreich, antientzündlich: Der Ratgeber erklärt, wie du deine Migräne mit der richtigen Ernährung in den Griff bekommt
· Mit 50 migränefreundlichen Rezepten Energietiefs vermeiden und schmerzfrei durch den Tag kommen
Migräne im Griff: Mit Ernährung Beschwerden lindern und vorbeugen
Migräne ist mehr als Kopfschmerz. Sie beeinflusst Alltag, Beruf, Familie und Lebensqualität – oft begleitet von Hilflosigkeit und Unsicherheit. In „Dein Ernährungsratgeber bei Migräne“ zeigt dir die Ernährungsexpertin Anne Goldhammer-Michl, wie du deine Erkrankung besser verstehen und aktiv mitgestalten kannst.
Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass eine gezielte Ernährungsumstellung Einfluss auf den Verlauf von Migräne haben kann. Mit einer blutzuckerstabilen, entzündungshemmenden Ernährung kannst du Migräneattacken nicht nur verringern, sondern auch ihre Intensität deutlich mindern. Der Ratgeber vermittelt fundiertes Wissen über die Zusammenhänge zwischen Migräne, Energiestoffwechsel, Blutzuckerkontrolle und wichtigen Nährstoffen.
Die Autorin geht auf Faktoren wie Schlaf, Stress, Ernährung, Hormone, Bewegung und emotionale Belastungen ein und erklärt dir, wie sie zusammenwirken. Ziel ist es, deine eigenen Muster zu erkennen und bewusster mit der Erkrankung umzugehen. Dazu gibt es 50 Rezepte, die speziell auf deine Bedürfnisse als Migränepatient*in abgestimmt sind. Die Rezepte enthalten alle wichtigen Nährstoffe und sind leicht zuzubereiten.
„Dein Ernährungsratgeber bei Migräne“ richtet sich an Menschen mit Migräne, die ihre Erkrankung ganzheitlich verstehen und mehr Sicherheit im Umgang mit Anfällen gewinnen möchten.
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Seitenzahl: 164
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Checkliste: Woran erkenne ich migränefreundliche Rezepte?
Eine Ernährung, die blutzuckerstabil, nährstoffreich und entzündungshemmend wirkt, ist dein bester Trumpf gegen Migräneanfälle.
1. Farbe und Frische
Die folgenden Fragen helfen dir, migränefreundliche Rezepte zu erkennen oder selbst zu kombinieren:
• Ist dein Essen bunt zusammengestellt? (Und nein, Gummibärchen zählen nicht!)
• Sind die Zutaten möglichst naturbelassen und kaum verarbeitet?
2. Das Tellerprinzip
Achte bei der Zusammenstellung deiner Mahlzeiten auf eine ausgewogene Verteilung:
•Eine Hälfte des Tellers: Gemüse, Rohkost oder Salat
•Ein Viertel des Tellers: Eiweißquellen wie Eier, Käse, Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte oder Pilze
•Ein Viertel des Tellers: komplexe Kohlenhydrate wie Linsen, Quinoa oder Buchweizen
•Zusätzlich: gesunde Fette wie Olivenöl, Nüsse oder Leinöl (letzteres nur für kalte Speisen)
3. Unterstützung für den Darm
Baue täglich kleine Mengen fermentierter Lebensmittel in deine Ernährung ein, zum Beispiel:
• Joghurt oder Kefir
• Apfelessig
• Kimchi oder Sauerkraut
•
Herzlich willkommen!
MIGRÄNE IST MEHR ALS KOPFSCHMERZEN
Migräne verstehen
Diagnose, Ursachen und Vorboten
Migräne betrifft Millionen
So hilft der Arzt
Diagnosestellung durch den Neurologen
Migränetherapie beim Arzt
Was über Ursachen bisher bekannt ist
Genetische Komponenten
Hormonelle Faktoren
Wenn Trigger dazukommen
DIE BLUTZUCKER-STABILISIERENDE ERNÄHRUNG
Ernährung und Stoffwechsel
Gesunde Ernährung ist individuell
Stoffwechsel und Energiehaushalt
Migräne, Blutzucker und Insulin
Dein Ziel: Flexibler Stoffwechsel, stabiler Blutzucker
Raus aus dem Energiedefizit
Der Weg zum flexiblen Stoffwechsel
Deine migränegesunde Ernährung ganz praktisch
Finde die bessere Alternative
Meine Praxistipps für dich
Hilfreiche Ernährungsformen
Ernährungsformen, die bei Migräne helfen
Nährstoffe, die deine Genaktivität positiv beeinflussen
Nahrungsergänzungsmittel
Notwendig oder überflüssig?
Die wichtigsten NEMs bei Migräne
50 ANTI-MIGRÄNE-REZEPTE – NÄHRSTOFFREICH UND FÜR EINEN STABILEN BLUTZUCKER
Darum funktionieren meine Rezepte
Muss es wirklich bio sein?
Was ist mit Fisch und Fleisch?
Was macht die Rezepte entzündungshemmend?
Wochenplan für deinen leichten Einstieg
Frühstück
Herzhaft & kalt
Herzhaft & warm
Basics & Snacks
Süßes
Literatur und Quellen
Liebe Leserin, lieber Leser,
ich weiß nicht, ob ich mich freuen soll, dass du hier bist … Da du dieses Buch in den Händen hältst, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass du an Migräne leidest oder jemanden kennst, der von Migräne betroffen ist.
Migräne wird von Außenstehenden manchmal abgetan: „Kopfschmerzen hat doch jeder einmal“ oder „Nimm doch einfach eine Tablette“, bekommen die Betroffenen häufig zu hören. Dabei ist sie so viel mehr als nur Schmerzen im Kopf. Migräneschmerzen und Begleitsymptome können Betroffene komplett ausknocken – manchmal von jetzt auf gleich und das für viele Stunden oder sogar Tage. Das kennst du bestimmt auch.
Die Schulmedizin spricht bei Migräne von einer schwerwiegenden, unheilbaren neurologischen Erkrankung. Und hierbei soll nun so etwas Profanes wie das, was wir täglich essen, helfen?
Wenn du, liebe Leserin, lieber Leser, da skeptisch bist, verstehe ich das vollkommen. Mir ging es ähnlich. Sehr lange behauptete ich voller Überzeugung: „Am Essen kann es bei mir nicht liegen.“ Denn ich war normalgewichtig, ernährte mich nach den üblichen Empfehlungen gesund, buk mein Brot aus Bio-Mehl selbst und vertrug alles.
Nachdem ich jedoch schon so vieles erfolglos ausprobiert hatte und als chronische Migränepatientin am absoluten Tiefpunkt angelangt war, schien mir die Ernährung ein letzter Ausweg aus der Schmerzspirale. Eine Ernährungsumstellung brachte wider Erwarten den Durchbruch: Nach einigen Irrungen und Wirrungen ging es mir endlich besser – viel besser sogar.
So ganz konnte ich allerdings immer noch nicht verstehen, was die Ernährung, also etwas, was in meiner Vorstellung im Bauch stattfand, mit dem Gehirn zu tun haben sollte. Um dieses Rätsel zu lösen und herauszufinden, ob ich nur ein glücklicher Einzelfall war, absolvierte ich eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin (EMB® Coach – Ernährungs-, Mental- und Bewegungscoach). Dabei konnte ich mein Wissen auf ein stabiles Fundament stellen – und beim Thema Energiestoffwechsel der Zelle fiel es mir wie Schuppen von den Augen.
Ich freue mich nun doch, dass du hier bist, denn es erwartet dich viel Wissen zu den Themen Migräne, Energiestoffwechsel, Blutzucker und Nährstoffe.
Vor allem bekommst du genau die Erkenntnisse, die du brauchst, um dich mithilfe einer blutzuckerstabilen und entzündungshemmenden Ernährung, die dir und deinem Gehirn Energie liefert, aus der Migränespirale zu befreien.
Damit du dein Wissen gleich umsetzen kannst, findest du im dritten Teil des Buchs zahlreiche migränegeeignete Rezepte.
Ich wünsche dir von Herzen Zuversicht, neue hilfreiche Erkenntnisse und immer ausreichend (Gehirn-)Energie für ein wunderbares Leben – ohne Schmerzen!
Alles Liebe
P. S. Noch ein Hinweis zur Schreibweise: Weibliche und männliche Formen habe ich abwechselnd verwendet. Im Allgemeinen sind hier immer alle Geschlechter gemeint.
Was Migräne ist, wie sie sich äußert, wer betroffen ist und wie sie diagnostiziert wird – all das und noch viel mehr erfährst du in diesem Kapitel. Du bekommst einen Überblick über den aktuellen Stand der Migränetherapie. Wir schauen uns an, welche Rolle unsere Gene spielen und was die Epigenetik dazu sagt – eine noch recht junge Wissenschaft, die sich mit dem Einfluss des Lebensstils auf die Aktivität der Gene beschäftigt. Abschließend beleuchten wir die verschiedenen hormonellen Faktoren und klären mithilfe des Fassmodells die Frage, warum Trigger nicht immer Trigger sind.
Migräne fühlt sich an, als würde der Kopf hämmern – und das meist nur auf einer Seite. Schon der Name verrät viel: Das Wort Migräne leitet sich aus dem altgriechischen Wort Hemikranion ab und bedeutet „halber Schädel“.
Oftmals treten die Kopfschmerzanfälle in unterschiedlichen Abständen immer wieder auf. Das schmerzende Pochen an den Schläfen und hinter den Augen ist fast nicht auszuhalten. An Arbeiten ist nicht zu denken. Nur ruhiges Liegen im abgedunkelten Schlafzimmer mit einer Kühlkompresse auf der Stirn verspricht etwas Linderung. Alles, was man geplant hat, alle wichtigen Termine und schönen Verabredungen: Alles ist hinfällig.
Vielleicht empfindest du ähnlich, vielleicht hast du aber auch noch andere Beschwerden bei dir beobachtet, denn Migräne kann sehr vielschichtig sein. Die Hauptsymptome stimmen jedoch meist überein. Viele meiner Kundinnen, die meine Migränegeschichte gehört oder gelesen haben, sagen zu mir: „Ich dachte, du erzählst meine Geschichte.“
Obwohl Migräne weit verbreitet ist, ist sie auch eine „versteckte“ Krankheit. Vielleicht liegt das daran, dass man Betroffenen die Migräne nicht ansieht. Wenn die Migräneattacke da ist, dann liegen sie allein mit ihren Schmerzen im Schlafzimmer. Und nur die enge Familie oder die Mitbewohner sind unweigerlich eingeweiht. Ist der Anfall vorüber, dann ist die Person augenscheinlich gesund. Außerdem haftet Migräne immer noch ein „selbstverschuldetes“ Image an. Hat jemand Rückenschmerzen, dann sagt er gern frei heraus: „Oje, heute habe ich Rücken!“ Viele Migränekranke verraten lieber nicht, dass sie an Migräne leiden. Sie gelten dann sehr schnell als wenig belastbar und sehr sensibel: „Du darfst dir nicht immer alles so zu Herzen nehmen“, bekommen sie dann zu hören, oder erhalten Ratschläge wie: „Du musst einfach mehr trinken!“
Unter Migräne versteht man Attacken von starken, häufig einseitigen und pulsierend-pochenden Kopfschmerzen, die bei körperlicher Betätigung schlimmer werden. Häufige Begleitsymptome sind Übelkeit, Appetitlosigkeit und Erbrechen. Helles Licht, Lärm und Gerüche werden oft nicht ertragen. Sind die Kopfschmerzen einseitig, dann können sie innerhalb einer Attacke oder von Attacke zu Attacke die Seite wechseln. Die Intensität kann von Mal zu Mal stark variieren.
Eine typische Migränekarriere könnte so ähnlich wie bei mir aussehen: Anfangs sind da ab und zu aushaltbare Kopfschmerzen. Normale Schmerztabletten wie Aspirin oder Ibuprofen helfen oft, manchmal reicht sogar ein Spaziergang an der frischen Luft oder ein kalter Waschlappen auf der Stirn. Kopfschmerzen hat ja jeder ab und zu mal. Also alles halb so wild.
Irgendwann ändert sich das jedoch, denn die Kopfschmerzen treten häufiger auf, werden viel schlimmer oder die Tabletten helfen nicht mehr. Nun kommen noch Sorgen hinzu! „Was ist denn mit meinem Kopf los?“, fragst du dich vielleicht. Manchmal hört man ja auch von schweren Erkrankungen. Dann ziehst du doch den Hausarzt oder die Neurologin zurate.
Migräne ist eine idiopathische organische Erkrankung des Gehirns. „Idiopathisch“ bedeutet „aus sich selbst heraus“. Es gibt also keine andere zugrunde liegende Ursache, bei Migräne handelt es sich um eine eigenständige Krankheit.
Da das Gehirn betroffen ist, ist die Neurologie als medizinische Fachrichtung zuständig. Die Ursachen der Migräne sind immer noch nicht restlos geklärt. Migräne kann organisch nicht diagnostiziert werden. Normalerweise stellt die Neurologin oder der Neurologe anhand eines bestimmten Fragenkatalogs die Diagnose. Die verwendeten Diagnosekriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft findest du im Abschnitt „So hilft der Arzt“ ab Seite 11.
Einige Migränebetroffene leiden zusätzlich unter neurologischen Ausfällen, der sogenannten Aura. Unabhängig von den Auren kann es weitere Anzeichen im Vorfeld einer Migräneattacke geben. Diese „Ankündigungssymptome“ treten einige Stunden bis zu zwei Tage vor einem Migräneanfall auf. Neben Gähnen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Gereiztheit und Heißhunger auf Süßes zählen auch gesteigerter Antrieb und Stimmungshochs dazu. Dieser unstillbare Appetit auf Schokolade, den auch du vielleicht kennst, ist nicht – wie lange vermutet – ein Auslöser, sondern vielmehr ein Vorbote der Migräneattacke.
Migräne ist eine häufige Erkrankung. In Deutschland sind etwa 20 Prozent der Frauen und acht Prozent der Männer von Migräne betroffen. Die Global-Burden-of-Disease-Studie zeigt: Migräne nimmt in Deutschland seit Jahren einen Spitzenplatz unter den häufigsten Erkrankungen ein. Besonders oft tritt sie in der Altersgruppe von 35 bis 45 Jahren auf. Sogar fünf Prozent der Kinder leiden bereits unter Migräne; die Symptome bei Kindern können sich allerdings stark von denen der Erwachsenen unterscheiden. Bis zur Pubertät sind gleich viele Mädchen und Jungen davon betroffen. Nach der Pubertät ändert sich dies – dann sind es mehr Mädchen. Hier macht sich der hormonelle Einfluss bemerkbar, zu dem ich später noch ausführlich komme.
Je nach Schwere und Häufigkeit kann Migräne den Alltag und das (Familien-)Leben stark belasten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt Migräne zu den am meisten einschränkenden Erkrankungen. Die verminderte Lebensqualität wird u. a. über den Verlust an gesunder Lebenszeit gemessen.
Um eine Migräne zu diagnostizieren, werden im Normalfall bestimmte Diagnosekriterien abgefragt. In untenstehender Tabelle findest du die Kriterien nach der Internationalen Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen, 3. Auflage (ICHD-3), für die häufigste Migräneform, die Migräne ohne Aura. Erfüllst du diese und liegt ein unauffälliger neurologischer Befund vor, wird eine Migräne (ohne Aura) diagnostiziert.
Zur Unterscheidung von Migräne und Spannungskopfschmerzen kann auch der Kieler Kopfschmerzfragebogen verwendet werden (siehe Quellen).
Diagnosekriterien der Migräne ohne Aura
A.
Mindestens 5 Attacken, die B–E erfüllen
B.
Dauer des Kopfschmerzes zwischen 4 und 72 Stunden (unbehandelt oder nicht erfolgreich behandelt)
C.
Mindestens 2 der folgenden 4 Charakteristika müssen vorliegen:
1. Einseitiger Kopfschmerz
2. Pulsierender Schmerzcharakter
3. Moderate bis starke Schmerzintensität
4. Verstärkung der Beschwerden durch körperliche Routineaktivität oder Vermeidung dieser Aktivität (z. B. Treppensteigen)
D.
Während der Kopfschmerzen tritt mindestens eines der folgenden Symptome auf:
1. Übelkeit und/oder Erbrechen
2. Licht- und Lärmempfindlichkeit
E.
Nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen
Bei einer Migräne mit Aura treten vor dem eigentlichen Kopfschmerz zusätzlich (meist) sogenannte neurologische Funktionsstörungen auf. Ungefähr jeder siebte Migränebetroffene leidet daran. Er sieht etwa Blitze oder spürt Kribbeln in den Händen. Typische Symptome einer Aura sind:
• Sehstörungen
• Gefühlsstörungen
• Sprachstörungen
• Lähmungen
• Taubheitsgefühle
• Gesichtsfeldausfälle
Die ersten drei Symptome beschreiben zusätzlich auftretende Wahrnehmungen und werden als „positive“ Symptome bezeichnet, die letzten drei kennzeichnen Funktionsausfälle und zählen zu den „negativen“ Symptomen.
Je nach Häufigkeit der Anfälle wird zwischen episodischer und chronischer Migräne unterschieden. Patienten mit chronischer Migräne leiden an mehr als der Hälfte der Tage eines Monats an Migräneattacken und/oder Kopfschmerzen. Sind die Anfälle seltener, spricht man von episodischer Migräne. Aus einer episodischen Migräne kann sich eine chronische Migräne entwickeln.
Chronische Migräneschmerzen führen aus nachvollziehbaren Gründen häufiger zu einem hohen Schmerzmittelverbrauch, der wiederum einen Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz (MÜK) hervorrufen kann.
Bei der Migränetherapie unterscheidet man zwischen Akutbehandlung und Vorbeugung. Im akuten Migräneanfall steht aus verständlichen Gründen eine schnellstmögliche Schmerzfreiheit oder -linderung im Vordergrund. Zur Akutbehandlung werden seitens der Medizin fast ausschließlich Medikamente empfohlen.
Die Prophylaxe umfasst vorbeugende Maßnahmen, die dazu beitragen sollen, Migräneattacken künftig zu verhindern oder ihre Zahl deutlich zu verringern. Gerade bei sehr einschränkender Migräne ist es notwendig und wünschenswert, dass die Migränetherapie multimodal erfolgt, also dass mehrere Therapiekonzepte fächerübergreifend kombiniert werden, um für die Betroffenen eine bestmögliche Linderung zu erreichen. Wer Migräne vorbeugen möchte, kann auch selbst aktiv werden: Mit gezielter Ernährung, ausreichend Bewegung, Entspannung und einem bewussten Umgang mit Stress lässt sich das Risiko für neue Anfälle deutlich senken. Dazu erfährst du später noch mehr.
Empfohlene Medikamente
Die ärztlichen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) e. V. „Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne“ geben Empfehlungen für Medikamente im Migräneanfall und zur Vorbeugung. Für dich ist es wichtig zu wissen, dass sich die behandelnden Neurologinnen und Ärzte nicht an die Leitlinie halten müssen. Sie gibt ihnen eine Orientierung auf Basis wissenschaftlicher Studien.
Akuttherapie
Grundsätzlich erfolgt die Akutbehandlung bei Migräne mit folgenden Arzneimitteln:
• Schmerzmittel
• Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen
• Triptane
• Notfall-Medikation
Die ärztlichen Leitlinien empfehlen zur Schmerzlinderung im Migräneanfall entzündungshemmende Schmerzmittel wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Ibuprofen und Naproxen.
Für Patienten, bei denen diese Schmerzmittel nicht oder nicht zuverlässig wirken, sind Triptane die erste Wahl. Triptane sind sogenannte Migränemedikamente, sie wurden also gezielt für Migräne entwickelt. Sie wirken nicht nur auf den Migränekopfschmerz, sondern auch auf die Begleitsymptome wie Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit. Die sieben Triptanarten unterscheiden sich in Wirkungseintritt, Verträglichkeit und Wirkungsdauer. Da Triptane gefäßverengend wirken, dürfen sie nicht von Menschen mit Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen eingenommen werden.
Seit 2022 sind in Deutschland zwei weitere Wirkstoffklassen zur Behandlung der akuten Migräneattacke zugelassen: Ditane und Gepante. Das Medikament Rimegepant, das zur Gruppe der Gepante gehört, ist sowohl zur akuten als auch zur prophylaktischen Therapie zugelassen.
Viele Menschen, die unter Migräne leiden, behandeln sich mit freiverkäuflichen Triptanen und Schmerzmitteln wie Ibuprofen selbst.
Für alle Schmerzmittel gilt: Ein Übergebrauch kann wiederum Kopfschmerzen auslösen – den oben bereits erwähnten MÜK. Damit es nicht dazu kommt, sollte man laut Fachgesellschaften bei einfachen Schmerzmitteln (mit nur einem Wirkstoff) unter 14 Einnahmetagen im Monat bleiben, bei Triptanen und Schmerzmitteln mit mehr als einem Wirkstoff sollten zehn Einnahmetage nicht überschritten werden.
Prof. Dr. Sven Gottschling, Schmerztherapeut und Chefarzt am Universitätsklinikum des Saarlandes, den ich anlässlich eines Migränekongresses zum Thema Schmerz befragte, findet diese Obergrenzen zu hoch. Er sagt: „Die Niere merkt sich lebenslang jede Ibuprofen-Tablette!“, und plädiert deshalb für eine Höchstdosis von fünf Stück pro Monat. Auch bei Triptanen sollte die maximale Monatsdosis fünf Einnahmen nicht überschreiten. Zudem kann es vorkommen, dass Triptane ihre Wirkung verlieren und ein MÜK entsteht – der in manchen Fällen sogar einen Triptanentzug erfordert, vergleichbar mit einem Opioidentzug.
Prophylaxe
Eine medikamentöse Prophylaxe-Behandlung wird dir dein Arzt empfehlen, wenn du einen hohen Leidensdruck hast, deine Lebensqualität stark eingeschränkt ist oder du viele Schmerzmedikamente nimmst. Zusätzliche Kriterien können sein:
• Mehr als fünf Migräneattacken pro Monat, bei denen Akutmedikamente genommen werden
• Migräneattacken, die regelmäßig länger als 72 Stunden anhalten
• Attacken, bei denen Akutmedikamente nicht wirken oder die Nebenwirkungen zu stark sind
• Zunahme der Attackenfrequenz und der Einnahme von Schmerz- oder Migränemitteln
• Langanhaltende oder schwerwiegende Aura-Zustände
• Migränöser Hirninfarkt bei Ausschluss anderer Infarktursachen
Eine medikamentöse Prophylaxe hat zum Ziel, dass deine Migräneanfälle seltener, kürzer und weniger schlimm werden. Ein Prophylaxe-Medikament gilt aus ärztlicher Sicht als wirksam, wenn die Anzahl der Attacken bei episodischer Migräne um 50 Prozent oder mehr und bei chronischer Migräne um mindestens 30 Prozent abnimmt.
Bis zur Einführung der Antikörpertherapie im Jahr 2018 stammten die Medikamente zur Migräneprophylaxe ursprünglich aus anderen Bereichen – etwa aus der Behandlung von Depressionen, Epilepsie oder Herzerkrankungen. Entsprechend können ihre Nebenwirkungen zum Teil erheblich sein. Häufig genannt werden unter anderem:
• Bluthochdruck
• kognitive Störungen
• Depressionen
• Schwindel
• Gewichtszunahme
Die Antikörperspritze wirkt auf ein Eiweiß im Körper, das CGRP heißt und eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne spielt. Die Antikörper blockieren dieses Eiweiß oder seine Andockstellen und können so Migräneanfälle verringern oder sogar verhindern. Außerdem ist CGRP an Entzündungen beteiligt, die während einer Attacke entstehen. Wird es gehemmt, lässt auch die Entzündung nach und die Symptome bessern sich. CGRP begegnet uns später noch einmal im Zusammenhang mit der ketogenen Ernährung.
Auch die Behandlung mit OnabotulinumtoxinA (Botox) hat sich in Studien als wirksam, gut verträglich und sehr effektiv erwiesen.
Begleitend werden zur medikamentösen Prophylaxe nicht medikamentöse Therapien empfohlen, wie regelmäßiges Ausdauertraining, Entspannungsverfahren und Stressmanagement.
Nicht medikamentöse Therapie
Akuttherapie
Laut ärztlicher Leitlinie liegt der Schwerpunkt der nicht medikamentösen und psychologischen Maßnahmen auf der Vorbeugung. Einige dieser Maßnahmen können jedoch auch in der Akuttherapie wirksam sein. Im akuten Migräneanfall als wirksam angesehen und empfohlen werden:
• Biofeedback
• Reizung des Trigeminusnervs
• Akupunktur
Beim Biofeedback-Verfahren lernen die Migränebetroffenen in der schmerzfreien Zeit, wie sie unwillkürlich ablaufende Körpervorgänge wie Arteriendurchmesser oder Hauttemperatur mit ihrer Vorstellungskraft beeinflussen können. Beide Vorgänge spielen bei der Entstehung von Migräne eine Rolle. Ziel ist es, sie im Migräneanfall willentlich so zu verändern, dass die Migräneschmerzen abgeschwächt oder verhindert werden.
Bei der Reizung des Trigeminusnervs wird mit einem Mikroimpuls-Gerät, das mit Klebepads an der Stirn angebracht wird und über kleine Elektroden verfügt, der Trigeminusnerv stimuliert. Der Trigeminusnerv ist ein großer Hirnnerv, der eine Rolle bei der Entstehung von Migräneschmerzen spielt. Bei einer zweistündigen Stimulation berichtete eine Versuchsgruppe im akuten Migräneanfall häufiger über Schmerzfreiheit als diejenige Gruppe, die eine Scheinstimulation erhielt.
In der traditionellen chinesischen Medizin wird Akupunktur zur Schmerzlinderung während des Migräneanfalls eingesetzt. Aktuelle Übersichtsarbeiten schlussfolgern, dass Akupunktur eine wirksame Option zur Behandlung akuter Migränekopfschmerzen darstellt. Obwohl die Qualität der untersuchten Studien nicht sehr hoch ist, wird die Akupunktur empfohlen, da sie im Vergleich zu Medikamenten geringe Nebenwirkungen hat.
Weitere Maßnahmen, die sich in Studien als wirksam herausstellten:
•Mutterkraut und Ingwer: In einer Studie von Kenneth S. Cady aus dem Jahr 2011 mit 60 Personen mit Migräne wurde eine Mutterkraut-Ingwer-Kombination gegen ein Placebo getestet. Im Vergleich zur Kontrollgruppe war eine Schmerzfreiheit bzw. -linderung nach zwei Stunden in der Versuchsgruppe häufiger.
•Ingwer: Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2020, die die Ergebnisse mehrerer Studien zusammenfasste, zeigt, dass die Einnahme von Ingwer zu einer deutlichen Verringerung des Schmerzes nach zwei Stunden führt.
•Kälteanwendung: Gegen akute Kopf- und Nackenschmerzen empfiehlt die MigräneLiga den Eislolli. Dafür wird Wasser in einem Plastikbecher mit einem Holzspatel oder Löffel eingefroren. Mit dem Eislolli reibst du dann dreimal für 20 Sekunden den Schulter-Nacken-Bereich und das Gesicht ein. Lege dir dafür am besten ein Handtuch um die Schultern. Die Kälte soll einen positiven Effekt auf das Schmerzempfinden haben und die Muskulatur lockern.
Prophylaxe
Du hast es oben schon gelesen: Die ärztliche Leitlinie empfiehlt zur Vorbeugung der Migräne auch psychologische Verfahren, Lebensstiländerungen, Entspannungsverfahren und Bewegung. Insgesamt zeigen Maßnahmen wie Aufklärung über die Krankheit, Selbstmanagement, kognitive Verhaltenstherapie, psychologische Schmerztherapie, Entspannungsverfahren, Biofeedback und Ausdauersport wirksame Effekte und können statt der medikamentösen Prophylaxe eingesetzt werden.
Das große Feld der Ernährung wird in den Leitlinien nur gestreift. In früheren Versionen wurde ein Einfluss der Ernährung auf die Migräne weitestgehend ausgeschlossen. In der aktuellen Vorlage werden Ernährungsformen wie ketogen, zucker- und fettarm nun aber als möglicherweise wirksam erwähnt.
Multimodale Schmerztherapie
Längst hat sich in der Medizin die Erkenntnis durchgesetzt, dass bei chronischen Schmerzen neben der körperlichen Ursache auch seelische und soziale Faktoren eine Rolle spielen. Mit der multimodalen Schmerztherapie werden verschiedene Therapieansätze kombiniert. Multimodale Therapien dauern in der Regel einige Wochen. Sie können ambulant stattfinden, in Tageskliniken oder stationär in Reha-Einrichtungen oder Schmerzkliniken. Welche Variante für dich die richtige ist, hängt nicht nur von deiner Lebens- und Arbeitssituation ab, sondern auch von den entsprechenden Einrichtungen, die es bei dir vor Ort gibt.
Die frühesten Belege für Kopfschmerzen stammen aus der Zeit etwa 6000 Jahre v. Chr. Möglicherweise sollten in den Schädel gemeißelte Löcher dazu dienen, den schmerzhaften bösen Geist entweichen zu lassen. Obwohl Migräne also seit Jahrhunderten bekannt ist, sind ihre genauen Ursachen bis heute nicht vollständig geklärt. In der Antike und im Mittelalter erklärte man sie als Verstopfung der Sinne, als Ungleichgewicht der Körpersäfte oder als Folge einer Überschwemmung von Magen und Darm mit Galle.
