Dein Hund braucht dich! - Karin Actun - E-Book

Dein Hund braucht dich! E-Book

Karin Actun

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Beschreibung

The perfectly trained dog, through proper leadership Do you have difficulties training your dog? In her book, Karin Actun describes how dogs need the best, most respectful leadership that we can give them, and how this can change the whole owner-dog relationship. She describes how dogs regulate their social relationships, and what that means for us. This involves not only training tips, but also to show how you can work with your own personality to give your dog the direction it needs. For in order to lead a dog effectively, you also need to be secure in yourself and mentally strong, and to be sure of your own self-worth. That way, your dog can respect you as a competent team partner and feel safe and secure.

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EPUB
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Seitenzahl: 141

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Karin Actun

Dein Hund braucht dich

Durch souveräne Führung zum entspannten Hund

Haupttitel

Haupttitel

Über die Autorin

Mein eigener Weg

Herausforderung Mensch-Hund-Beziehung

Hunde brauchen mehr als Liebe

Von souveränen Hunden lernen

Beziehungsarbeit

Wirksam führen – der Weg zur entspannten Führung

Kompetenzentwicklung

Authentizität

Präsenz – Leben im Moment

Der Weg zur Souveränität

Führung im Alltag

Führung umsetzen

Entspannt Besuch empfangen

Leinenführigkeit

Gemeinsame Bewegung

Kontakt zu Artgenossen

Auslastung und Spiel

Gemeinsames Spiel

Mein Hund spielt nicht

Echtes Teamwork

Schlusswort

Service

Klappen

Buchtipps

Bildnachweis

Dank der Autorin

Praktisches Training

Haftungsausschluss

Impressum

Über die Autorin

Karin Actun gibt seit 2002 Hundefrisbee-Seminare. Gemeinsam mit ihrem Mischlingsrüden Ben wurde sie Weltmeisterin, 6-fache Deutsche Meisterin und 6-fache Europameisterin. 2012 wurde zum Wendepunkt für ihre Arbeit als klassische Hundetrainerin. Aus ihren Erfahrungen, die sie mit ihren eigenen Hunden, aus ihrer Arbeit als Hundesportrainerin und als Coach für Menschen gesammelt hat, entwickelte sie 2012 ihr Coaching für Hundehalter.

Mein eigener Weg

Karin Actun mit Ben, Kira und Bryce, denen sie dieses Buch widmet.

Seit über 15 Jahren zeige ich Hundehaltern einen Weg auf, wie sie mit ihrem Hund zu einem echten Team werden können. Dabei standen anfangs immer das Etablieren von Regeln und eine artgerechte Auslastung der Vierbeiner im Vordergrund. Dass sie aber von ihrem Menschen mehr brauchen, damit sie wirklich souverän und entspannt sein können, durfte ich durch meine junge und mental überaus starke Hündin Bryce vor ein paar Jahren dazulernen. Bryce stellte meinen Umgang mit Hunden auf den Kopf, denn sie gab sich mit meiner Führung nicht zufrieden. Meine ältere Hündin Kira mischte sich in meine Erziehungsversuche der jungen Hündin ein und zeigte mir sehr klar meine Führungsfehler auf. Durch Kira konnte ich lernen, wie Hunde untereinander ihr Zusammenleben regeln. Erst durch diese Erfahrung verstand ich, was wir als Hundehalter leisten müssen, wenn wir unseren Hund wirksam führen möchten. Folglich änderte ich mein bisheriges Hundetrainingskonzept grundlegend und sehe mich heute nicht mehr als Hundetrainerin, sondern als Coach für Hundehalter.

Hunde brauchen einen Menschen an ihrer Seite, der die Aufgabe übernimmt, das Miteinander zu regeln und ihnen Entscheidungen abnimmt, mit denen sie überfordert bzw. gestresst sind, und sie so entlastet. Das gelingt nur, wenn zunächst ein tiefes Verständnis für das hündische Sozialverhalten beim Halter vorhanden ist und dieser in der Lage ist, mit dem Hund in seiner Sprache zu kommunizieren. Doch das alleine reicht nicht, um einen wirklichen Zugang zu ihm zu bekommen. Die eigene innere Haltung hat einen entscheidenden Einfluss auf den Hund: Denn einen Vierbeiner wirksam zu führen, bedeutet auch, selbst souverän und mental stark zu sein und den eigenen Selbstwert anzunehmen.

Es ist ein Weg, an der Mensch-Hund-Beziehung zu arbeiten, und für viele Hundehalter ist dieser Weg mit einer Persönlichkeitsentwicklung verbunden. Ein Entwicklungsweg, der sich jedoch für Mensch und Hund auf vielfache Weise auszahlt. Ich bin davon überzeugt, dass wir dabei von Hunden – auch für uns persönlich – viel lernen können.

Mit diesem Buch teile ich meine Erfahrungen mit Ihnen und freue mich, wenn Sie daraus Impulse für Ihre Mensch-Hund-Beziehung gewinnen können.

Ihre Karin Actun

Herausforderung Mensch-Hund-Beziehung

Hunde brauchen mehr als Liebe

Wir betrachten unseren Hund oft als Freund und Familienmitglied. Aber reicht eine reine freundschaftliche Beziehung aus, damit er sich bei uns gut aufgehoben fühlen kann?

Unser Verhalten überdenken

Meine eigenen Hunde bringen mich täglich zum Lachen, sie begleiten mich im Alltag und wir erleben viele tolle Spaziergänge miteinander. Hunde können unser Leben so ungemein verschönern, sie sind Teil unseres Lebens. Und so soll es auch sein.

Die Beziehung zwischen uns und unserem Vierbeiner kennzeichnet meist eine besondere Nähe und eine tiefe Bindung, wodurch er in unserem Leben einen bedeutungsvollen Platz einnimmt. Aber nicht selten führt eine solch tiefe Bindung auch dazu, dass er unbewusst vermenschlicht wird. Ich bin davon überzeugt, dass viele Probleme, die Hundehalter mit ihrem Hund haben, darauf zurückzuführen sind, dass das menschliche Sozialverhalten auf ihn übertragen und eine rein partnerschaftliche Beziehung aufgebaut wird. Hunde haben aber ein völlig anderes Sozialverhalten als wir Menschen. Deshalb ist es wichtig, zu der tiefen Bindung auch im gleichen Maße ein Verständnis für das Wesen Hund aufzubauen. Ein Hund kann sich erst dann in der Mensch-Hund-Beziehung wohlfühlen, wenn er auch mit all seinen hündischen Bedürfnissen respektiert ist.

Dies im alltäglichen Umgang mit dem Vierbeiner zu berücksichtigen, ist eine Herausforderung. Warum ich das als Herausforderung sehe, wird vielleicht durch folgendes Beispiel klarer: Eine Beziehung kann nur dann gelingen, wenn alle Beteiligten die Bereitschaft haben, sich aufeinander einzulassen. Das ist mit dem Zusammenspiel einzelner Musiker eines Orchesters vergleichbar: Jeder Musiker muss zunächst sein Instrument beherrschen, um überhaupt mitspielen zu können. Damit die Musik harmonisch klingt, reicht das handwerkliche Können aber nicht aus. Zu einer Einheit kann das Orchester nur werden, wenn die Musiker aufeinander hören, aufeinander zugehen, miteinander üben, sich der Einzelne nicht wichtiger als das Ganze erachtet und praktisch sein eigenes Lied spielt. In diesem Bild sehe ich die Herausforderung für uns Hundehalter darin, dass wir uns nicht nur als Musiker sehen können – manchmal sind wir auch der Dirigent. Dieser wird in einem Orchester gebraucht, denn der Aufwand, Stücke ohne ihn einzuspielen, ist enorm groß – je nach Schweregrad sogar unmöglich.

Dieses Orchesterbeispiel lässt sich auch auf die Mensch-Hund-Beziehung übertragen, mit einer Besonderheit: Hunde sind zwar wahre Meister darin, sich an unser Leben anzupassen und bringen dafür ihre natürlichen Sozialkompetenzen in die Beziehung mit ein. Jedoch können sie ihre Natur nicht ablegen, sie können nur ein hündisches Miteinander verstehen. Wir Menschen hingegen sind in der Lage, ihr Sozialverhalten zu begreifen und die hündische Kommunikation zumindest ansatzweise zu erlernen. Darum liegt es an uns, unser Verhalten im Umgang mit dem Hund zu überdenken. Und darin sehe ich unsere Aufgabe als Hundehalter: Unser Job ist es, durch Unterstützung und nicht durch Unterdrückung, das Gelingen „unseres Musikstückes Beziehung“ voranzubringen. Wenn wir den Hund von Aufgaben entlasten, mit denen er überfordert ist, kann er ein entspanntes Leben führen.

Hunde brauchen eine soziale Ordnung. Berücksichtigen wir dies, kann sich der Vierbeiner an uns orientieren.

Meine Erfahrung

Meine Hunde Kira und Ben lebten bereits mehrere Jahre bei mir, als der Welpe Bryce bei uns einzog. Sie war mein erster Welpe – alle meine anderen Hunde waren bereits erwachsen, als ich sie aufgenommen hatte. Deshalb war ich damals sehr bemüht darin, bloß alles im Umgang mit der Kleinen richtig zu machen. Mein Tagesablauf drehte sich nur um Bryce und um die Frage, was mein kleiner Australian-Shepherd-Welpe alles brauchte und kennenlernen musste, damit er die besten Voraussetzungen hatte, um sich optimal entwickeln zu können. Bryce wurde von mir mit Zuwendung und Aufmerksamkeit geradezu überhäuft.

Meine Aussie-Hündin Kira hatte hingegen eine andere Vorstellung davon, was für Bryce wichtig war. Für sie war die Kleine nicht der Nabel der Welt und hatte bei ihr keine Sonderstellung. Kira kommunizierte Bryce klar, welche Verhaltensweisen sie nicht duldete und drückte bei einem frechen Verhalten der jungen Hündin nicht wie ich ein Auge zu, sondern maßregelte sie bei jeglichem Regelverstoß.

Nach einiger Zeit wurde mir klar, dass zwischen Bryce und Kira etwas grundlegend schieflief: Kiras Zurechtweisungen fingen an auszuufern und Bryce respektierte diese von Kira in keinster Weise. Kira war sichtlich mit der ungewöhnlich selbstbewussten jungen Hündin überfordert und musste dringend entlastet werden. Und da ich von Bryce keinen wirklichen Respekt einforderte, machte ich es Kira nicht gerade leichter, Bryce in die Hundegruppe einzuordnen. Als mir das bewusst wurde, stellte ich mich der Herausforderung, mein Verhalten meinen Hunden gegenüber zu verändern.

Um bei dem Bild des Orchesters von oben zu bleiben: Zunächst fehlte meinem kleinen Orchester der Dirigent, der es mit hochkarätigen Musikern aufnehmen konnte. Als ich beschloss, diesen Job wohl oder übel zu übernehmen, ist mir erst klar geworden, dass alle Mühe vergebens war, da die einzelnen Musiker mir zu wenig Beachtung schenkten. Erst als ich verstanden hatte, dass ein Dirigent nicht einfach nur den Takt vorgibt, sondern vor allen Dingen durch seine Kompetenz überzeugen muss und ich mich auf diesen Weg machte, wurden wir zu einer harmonischen Gruppe. Ich bin heute ein Teil eines wunderbaren Orchesters und kann unser Miteinander in vollen Zügen genießen. Teil einer Gruppe zu sein, in der sich jeder auf den anderen verlassen kann, ist einfach nur großartig.

Australian-Shepherd-Hündin Bryce im Alter von 10 Wochen.

Auf die Herausforderung einlassen

Die Bereitschaft, sich in die „Denkweise“ eines Hundes hineinzuversetzen und das eigene Verhalten dementsprechend an seine Bedürfnisse anzupassen, ist der erste große Schritt hin zu einem wirklich entspannten Miteinander zwischen Mensch und Hund. Denn: Sich darauf einzulassen heißt, das eigene Verhalten dem Hund gegenüber auf den Prüfstand zu stellen und es auch entsprechend anzupassen.

Ein echtes Miteinander kann nur dann gelingen, wenn ein gegenseitiges Verstehen und Respektieren gegeben ist – dafür ist es notwendig, dass wir uns im Folgenden anschauen, wie Hunde in einer Gruppe ihr Zusammenleben regeln. So können wir ein Verständnis dafür entwickeln, was wir als Halter zu leisten haben, dass unser Hund an unserer Seite ein entspanntes Leben führen kann.

Soziale Ordnung bei Hunden

Hunde sind hoch soziale Lebewesen. Sie sind in der Lage, in großen Gruppen zusammenzuleben, ohne dass es ständig zu Konflikten kommt. Die Basis für ein solch entspanntes Zusammenleben liegt darin, dass die einzelnen Individuen einen unterschiedlichen Status zueinander einnehmen.

Mit Status ist eine Position gemeint, die ein Hund in Relation zu einem anderen einnimmt, entweder dem anderen unter- oder übergeordnet. Unter Hunden hat derjenige mit einem höheren Status die Möglichkeit, Freiheiten und Rechte auf Ressourcen desjenigen mit einem tieferen Status einzuschränken. Der Status ist aber keine feste Größe – er kann sich je nach Situation ändern.

Darum darf diese Gruppenstruktur nicht so verstanden werden, dass es da einen Gruppenchef gibt, der nur ein einfaches Leben führt und von den anderen gehuldigt wird, das alleinige Sagen hat und alle anderen „kuschen“ vor ihm. Vielmehr hat derjenige einen hohen Status, der auch wichtige Kompetenzen, wie Erfahrung und mentale Stärke, besitzt. Er kennzeichnet sich zudem vor allem durch eine ruhige Ausstrahlung aus. Umso höher der Status eines Hundes ist, desto mehr Verantwortung trägt er auch, denn das Interesse einer jeden sozialen Gruppe liegt darin, dass es allen gut geht.

Doch was bedeutet das nun für die Mensch-Hund-Gruppe?

Der Mensch als Gruppenleiter

Unsere Hunde sind ihr Leben lang von uns Menschen abhängig und leben in einer von uns geprägten Gesellschaft, daher haben wir als Hundehalter unserem Vierbeiner gegenüber die Fürsorgeverantwortung: Es ist unsere Aufgabe, die Verantwortung für sein Wohlergehen zu übernehmen und ihm nicht nur Zuwendung, sondern auch Führung zu bieten. Damit geht einher, dass wir nicht im Gleichstatus zu ihm leben können. Dabei liegt es in der Natur des domestizierten Hundes, sich an seinen Menschen zu orientieren. Das kann er aber nur, wenn sich sein Halter dementsprechend verhält und die Aufgabe des Gruppenleiters übernimmt und ausfüllt. Ein Gruppenleiter können wir auch dann werden, wenn wir nur einen Hund halten, da wir mit unserm Hund eine gemischte Gruppe bilden.

Heute kann ich rückblickend verstehen, dass sich ein Hund gar nicht an die Vorgaben eines Halters halten kann, der ihn lediglich mit Aufmerksamkeit überhäuft bzw. ihm immer dann Aufmerksamkeit und Zuwendung gibt, wenn er das einfordert. Der Halter geht dadurch in einen tieferen Status und strahlt unbewusst aus: „Du bist wichtiger als ich“. Ein wenig ist es mit der Situation vergleichbar, wenn uns ein Mensch übertrieben viel Aufmerksamkeit schenkt und uns quasi hinterherrennt – er verliert irgendwie an Attraktivität für uns. Wenn wir uns an die Vorgaben des Hundes halten und ihm zu wenig Grenzen aufzeigen, hat er niemanden vor sich, an dem er sich orientieren kann.

Es geht darum, einen Status einzunehmen, durch den wir unserer Verantwortung nachkommen, die wir gegenüber dem Hund haben – das geht nicht, ohne die Haltung eines Gruppenleiters einzunehmen. Wir sollten von daher alle wichtigen Entscheidungen treffen und dem Hund dadurch Orientierung geben. Dabei ist die Grundhaltung wichtig, dass es nicht nur um den eigenen Vorteil geht, sondern darum, dass sich der Mensch für ein entspanntes Zusammenleben einsetzt. Hierfür braucht es auch das Setzen von Regeln und Grenzen. Dann kann der Hund ein sicheres und entspanntes Leben führen.

In welchem Maße der Hund Regeln und Grenzen von seinem Halter braucht, hängt dabei ganz vom jeweiligen Hundetyp ab. So gibt es Hunde, die sich von selbst sehr an ihrem Menschen orientieren und deshalb mit wenigen Vorgaben zurechtkommen und Vierbeiner, die sehr erkundungsfreudig sind und deshalb – zumindest zeitweise – mehr Vorgaben von ihrem Halter brauchen. Hunde sind darauf angewiesen, dass jemand sie anleitet, sie klar und souverän führt, gepaart mit entsprechender Fürsorge. Und das ist unsere Aufgabe.

Nähe ist wichtig, keine Frage. Hunde brauchen aber neben Zuwendung vor allem auch Orientierung.

Meine Erfahrung

Zwölf Jahre lang habe ich mich geweigert, meinen Hunden gegenüber die Haltung einer Chefin einzunehmen. Denn für mich bedeutete damals, „Hunde-Chefin“ zu sein, so viel wie, den Hund zu unterdrücken – und das wollte ich auf gar keinen Fall. Mir war vielmehr wichtig, dass meine Vierbeiner ein glückliches Leben führen konnten, dass sie alle Freiheiten hatten und nicht für jede Kleinigkeit ermahnt wurden. Sie sollten ein entspanntes Leben führen können.

Doch der Schuss ging nach hinten los, als mein dritter Hund, Australian-Shepherd-Hündin Bryce, zu uns kam. Meine bisher recht entspannte Hundegruppe war seit ihrer Ankunft alles andere als relaxed. Die junge Bryce respektierte meine ältere Australian-Shepherd-Hündin Kira kein bisschen und deren Zurechtweisungen prallten immer mehr an Bryce ab.

Ich hatte gar keine andere Wahl und musste grundlegend etwas ändern! Eine Freundin machte mir Hoffnung mit den Worten „Bryce wird Kira respektieren, wenn sie dich respektiert – sie kann einfach nicht ihren natürlichen Platz innerhalb eurer Gruppe einnehmen, wenn du sie wie eine Prinzessin behandelst“. Ich konnte schwer bestreiten, dass die kleine Bryce meine Prinzessin war und wenn ein anderer Umgang mit meinen Hunden dazu führen sollte, dass meine Hundegruppe entspannt zusammenleben könnte, war ich bereit, meinen Umgang zu verändern. Ich machte mich also auf dem Weg, Entscheidungsträger zu werden.

Ich bin ehrlich: Es war alles andere als einfach für mich, meine Rolle zu verändern. Ich hätte am liebsten auf halbem Weg alles hingeschmissen, denn Gruppenleiter zu sein, war wirklich kein tiefer Wunsch von mir. Aber ich habe meiner Hündin Kira vor vielen Jahren, als ich sie übernommen hatte, versprochen, dass sie sich auf mich verlassen kann. Und ich musste Kira entlasten, denn sie war sichtlich mit der forschen jungen Bryce überfordert. Wir haben es geschafft und heute bin ich um viele Erfahrungen reicher: Ich habe erfahren, dass meine Hunde mich brauchen – als Entscheidungsträger und als echten Sozialpartner. Wir sind eine Familie geworden und jeder hat seine Position – alle unterschiedlich, aber alle sind für die Gruppe von Bedeutung. Doch es war ein langer Weg. Ein Weg, der mich mit meiner eigenen Persönlichkeitsentwicklung konfrontierte. Denn Hunde folgen niemandem freiwillig, der nicht die nötigen Führungsqualitäten vorweisen kann.

Viele Hunde sind überfordert

Was aber, wenn ein Hund von seinem Menschen keine oder zu wenig Orientierung erfährt?

Für einen Vierbeiner ist es existenziell, dass entweder er selbst oder ein anderes Gruppenmitglied Entscheidungen trifft. Für ihn würde es in der Natur den Tod bedeuten, wenn er beispielsweise nicht selbst für seine Sicherheit sorgen könnte oder kein anderer in seiner Gruppe diese Aufgabe übernähme. Sprich, ein Hund muss selbst Entscheidungsträger sein, wenn niemand anderes ihm in seiner Sprache kommuniziert, dass er dieser Aufgabe nachkommt.

Wenn der Halter in der Mensch-Hund-Beziehung nicht für die nötige Sicherheit sorgt, übernimmt der Vierbeiner diese Aufgabe zwangsläufig. Ähnlich, wie wenn wir in einem Raum wären, in dem es brennt und es keine Möglichkeit gäbe, die Feuerwehr zu rufen. Wir müssten – wenn es keinen anderen Ausweg aus der Situation gibt – versuchen, das Feuer selbst zu löschen.

Schwierigkeiten in der Mensch-Hund-Beziehung sind vorprogrammiert, wenn der Halter dem Hund nicht die Entlastung bietet, die er braucht: In den meisten Fällen liegt die Ursache eines Problemverhaltens, wie z.B. einer Leinenaggression, in dieser Überforderung.

Die junge Bryce respektiert nun die ältere Hündin Kira – das Zusammenleben ist heute entspannt.

Meine Erfahrung

Gelegentlich spiele ich mit meinen Seminarteilnehmern ein Rollenspiel, in dem sie in einen für sie ungeübten Status* gehen. Meist vergebe ich dann vier Teilnehmern verdeckt vier unterschiedliche Positionen. Jeder Spieler kennt nur seine eigene – den anderen Seminarteilnehmern ist nicht bekannt, wer welche inne hat. Die Aufgabe der Gruppe besteht nun darin, herauszufinden, wer welche Position zugewiesen bekommen hat. Einmal hatte ich versehentlich vergessen, den höchsten Status zu vergeben, stattdessen gab es den tiefsten Status zwei Mal. Somit hatte die Vierergruppe keinen Chef, nur einen Stellvertreter. Interessanterweise übernahm der Stellvertreter ganz automatisch die Rolle des Gruppenleiters, obwohl er ja wusste, dass es so nicht ganz stimmen konnte. Mein Missgeschick führte dazu, dass wir alle live miterleben konnten, dass jede Gruppe auf jemanden angewiesen ist, der die Führung übernimmt.

Mit diesem Beispiel möchte ich aufzeigen, dass sich in einer Gruppe in der Regel immer jemand findet, der diesen Job übernimmt, wenn es kein anderer tut – irgendeiner muss führen. Aus meiner Sicht übernehmen Hunde viel Verantwortung für sich selbst, wenn der Mensch zu wenig Orientierung vorgibt. Sie tun das in den seltensten Fällen, weil sie geborene Leittiere sind, sondern schlicht, weil ihnen niemand diesen Job abnimmt.