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Die Diagnose Querschnitt oder andere schwere/chronische Erkrankung ist erst einmal ein großer Schock. Jeder muss dies für sich erst einmal verarbeiten. Dabei ist es egal, ob es sich um den Betroffenen selbst oder um die Angehörigen, Freunde oder auch die Umwelt handelt. Jeder muss lernen mit der neuen Situation umzugehen und sich neu zu orientieren. Das Buch soll Ihnen dabei helfen zu verstehen, wie die Bewältigung von Erkrankungen aufgebaut ist und wie Sie es schaffen können, dies selbst zu bewältigen oder sich dabei helfen zu lassen. Sie erhalten zusätzlich viele Strategie-Tipps für Betroffenen, Angehörige, Freunde und Umwelt. Jeder lernt auf seine Weise, wieder ins Leben zurück zu finden, sich den Herausforderungen zu stellen, seine Chancen zu nutzen und wieder Spaß am Leben zu finden.
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Seitenzahl: 153
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Vorwort
Krankheitsbewältigung
Definition von Krankheit
Ursachen von Erkrankungen
Akute Krankheiten
Chronische Krankheiten
Konfrontation mit der Erkrankung
Folgen schwerer Krankheiten
Akute Situation
Liegephase
Mobilisierungsphase
Soziale Anpassung
Sinnhaftigkeit des Lebens
Phasen der Krankheitsbewältigung
Intensive Gefühle
Depression
Handeln
Akzeptanz
Phasendurchlauf
Einflussfaktoren bei der Bewältigung
Coping Strategien
Resilienz
Compliance
Einflussfaktor Person
Einflussfaktor Erkrankung
Einflussfaktor Umwelt
Bewusste/Unbewusste Bewältigungs-Strategien
Coping-Strategien
Abwehrmechanismen
Ziele der Krankheitsbewältigung
Bewältigungsstrategien allgemein
Aktive Bewältigung – Problemorientiert
Ablenkung/Selbstermutigung
Bagatelisierung/Wunschdenken
Sinnsuche/Religion
Depressive Verarbeitung
Bewältigungsstrategien für Betroffene
Bewältigungsstragegien für Betroffene
Psychoedukation –
„Experte Ihres Lebens werden“
Informationen über die Sie Bescheid wissen sollten:
Erkrankung verständlich erklären lassen
Krankheitssymptome
Behandlungsmöglichkeiten
Klassische Therapiemethoden
Alternative Therapiemethoden
Kostenerstattung über alternative Therapiemethoden
Wenn Sie zu ihrem Arzt gehen
Ansprechpartner
Hilfsmittel
Selbsthilfegruppen, Austausch mit alten Hasen
Kommunikation
Schöne Dinge machen
Über Gefühle, Ängste und Sorgen sprechen
Lachen – „die beste Medizin“
Entspannungsmethoden
Familie/Freunde/Patenschaft
Was wollen Sie?
Hilfe zur Selbsthilfe (Selbstständigkeit)
Meine Stärken und Schwächen kennen
Ressourcen finden und aktivieren
(
Selbst-)Motivation
Was kann ich selbst für mich tun?
Wen kann ich um Hilfe bitten?
Ratschlag
Unterstützung bei Bewältigung einfordern
Lernen Sie auch mal „NEIN“ zu sagen
Arbeit mit dem Unterbewusstsein
Positives Umdenken
Reframing
Von der Problemsprache zur Lösungssprache
Affirmation
Unterbewusstsein neu programmieren
Erfolgstagebuch
Zielcollage/Vision Board
Löffelliste/Bucket List
Tagebuch
Glückstagebuch/Glücksglas
Spiel & Spaß
Leben im „Hier & Jetzt“
Hilfe zur Selbsthilfe (Selbstständigkeit)
Selbstverantwortung übernehmen
Mit der Krankheit leben lernen
Begleiterkrankungen und Rückschläge
Papierkram
Verfügungen & Co
Benutzerkonten
Krankenakte
Chronologische Was-War-Wann-Liste
Erste-Hilfe-Tools
Achtsamkeit
Geborgenheit
Sich anderen anvertrauen
Ängste und Sorgen
Der Sichere Ort
Spazieren gehen/rollen
Tageslicht-Lampe
Adrenalin niedrig halten
Im Glückstagebuch stöbern
Glücksglas öffnen
Stadt, Land, Fluss
NEUORIENTIERUNG
Das eigene Leben ist endlich
Stärken und Schwächen kennen und annehmen
Sinn geben
Sichtweise
Für Familie, Angehörige und Umwelt
Kommunikation
Information
Ansprechpartner
Beziehungen
Beziehung nicht aufs Spiel setzten
Erste-Hilfe im Umgang mit den Betroffenen
Hilfe im Gleichgewicht
Veränderungen & Herausforderungen anregen, leiten und lenken
Selbstbestimmtheit
Achtung & Respekt dem Patienten gegenüber
Mehr als nur die Krankheit
Eigene Bedürfnisse
Unterstützung einfordern
PSYCHOLOGISCHE UNTERSTÜTZUNG
FETTNÄPFCHEN
Psychotherapie als Unterstützung
Wie kann Psychotherapie helfen?
Teufelskreis durchbrechen
Waran erkennen Sie, dass Sie professionelle Unterstützung brauchen?
Ziele der Psychotherapie
Was sind die Massnahmen?
Therapieinterventionen
Psychopharmaka
Potenzial Psychotherapie
Therapiemethoden
Psychoanalyse
Verhaltenstherapie
Verhaltenstraining
Systemische Therapie
Psychologische Beratung
EMDR
Imaginative Verfahren
Gestalttherapie
Körpertherapie
Psychotraumatologie
EFT
Entspannungstechniken
SE – SOMATIC EXPERIENCING
Hilfreiches
ERSTE-HILFE-Koffer
Lektüren
WEBSEITEN
www.fgq.de — Fördergemeinschaft
Querschnittgelähmten in Deutschland e.V
www.fgqzulm.de — Fördergemeinschaf für das Querschnittsgelähmtenzentrum des Rehabilitationszentrum Ulm
www.drs.org — Deutscher Rollstuhl-Sportverband e.V
Hollister-lifeBlog
www.hollister-lifeblog.de
www.hubbe-cartoons.de — Phil Hubbe
www.rotenasen.de; www.humorhilftheilen.de
www.bmjv.de — Vorsorge und Patientenrecht von der
Verbarucherzentrale
Zu mir als Person
Direkte Hilfe
Nachruf
Hoffnung
Dieses Buch ist aus den Vorträgen entstanden, die ich zum Thema Krankheitsbewältigung in Kliniken, Pflegeheimen und Selbsthilfegruppen gehalten habe. Die Intension bei den Vorträgen wie auch für dieses Buch ist, den Patienten und den Angehörigen ein Verständnis für die Krankheitsbewältigung zu vermitteln. Im theoretischen Teil werden zudem noch deren Phasen und Einflussfaktoren beleuchtet.
Der praktische Teil macht den größten Teil des Buches aus. Dies sind vor allem Strategie-Tipps für Betroffene selbst wie auch für deren Angehörigen, Ärzte, Pflegepersonal, Therapeuten und Umwelt, die es ihnen ermöglichen, besser und vielleicht auch schneller sowie entspannter mehr Lebensqualität zu erreichen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist zudem die psychologische Beratung und Psychotherapie, die bei der Krankheitsbewältigung unterstützend eine große Hilfe sein kann.
Warum gerade ich dieses Buch schreibe? Ganz einfach: ich bin nicht nur selbst Betroffene, sondern auch Angehörige (eines nach Schlaganfall chronisch erkrankten Partners) sowie als Heilpraktiker für Psychotherapie/Hypnosetherapie mit dem Schwerpunkt Unfall-/Krankheits- und Krisenbewältigung fachlich qualifiziert vertraut.
Ich habe das Glück gehabt, eine „alten Hasen“ an meiner Seite zu haben, der mir bei allen Fragen Rede und Antwort gestanden hat. Diese Unterstützung und mein Sport haben mir sehr geholfen, dass ich mit meiner Situation besser und vor allem schneller klargekommen bin. Dadurch habe ich für mich schließlich erkannt, dass ich ohne meine Querschnittslähmung einige Chancen im Leben nie erhalten hätten. Vor allem hätte ich wohl niemals bei einer Weltmeisterschaft teilgenommen, und dabei den 3. Platz beim Rollstuhlcurling sowie den 1. Platz als Behindertensportlermanschaft des Jahres 2009 erreicht. Sonst hätte ich auch nie die Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie und Hypnosetherapie gemacht. Alles in allem habe ich für mich das Beste aus dieser Situation gemacht und Zufriedenheit im Leben gefunden. Dabei hat mich mein Mann immer sehr unterstützt, wofür ich ihm sehr dankbar bin.
Caren Totzauer
Wenn ein Unfall oder eine schwere Erkrankung das Leben von heute auf morgen plötzlich komplett verändert, so ist das nicht nur ein tiefer Einschnitt im Alltag, sondern vor allem auch ein Angriff auf den Lebenssinn und die Lebensqualität. Nichts ist mehr so, wie es noch vor ein paar Tagen war.
Bei der Krankheitsbewältigung geht es daher vor allem darum, diese Herausforderung zu meistern, ohne daran zu zerbrechen. Dabei hat jeder seine eigene persönliche Strategie und es gibt kein allgemeingültiges Patentrezept.
In diesem Buch werden Sie vieles über die theoretischen und praktischen Aspekte der Krankheitsbewältigung erfahren. So ganz ohne Theorie geht es eben leider nicht, aber im praktischen Teil erhalten Sie dafür von mir dann viele Strategietipps, die Sie als Betroffener, Angehöriger, Freund, Therapeut, Pflegepersonal umsetzen können, um wieder zu mehr Lebensqualität zurückzufinden und sich mit der Krankheit und der neuen Lebenssituation gut arrangieren zu können.
Wir merken leider oftmals erst dann wirklich, was uns unsere Gesundheit bedeutet, wenn wir sie nicht mehr haben. Aber was ist eigentlich Krankheit?
Die alte Definition der WHO (Weltgesundheitsorganisation) bezüglich Krankheit war: „Krankheit ist als Abwesenheit von Gesundheit.“ Mittlerweile hat die WHO die Definition überarbeitet, sodass diese nun wie folgt lautet:
„Gesundheit ist der Zustand völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens.“
Eine Krankheit ist damit also eine Störung des
körperlichen,
seelischen oder
sozialen
Wohlbefindens. Also eine Abweichung von der (gesunden) Norm.
Eine Krankheit beeinträchtigt durch seine Symptome und deren Auswirkung die Lebensqualität des Betroffenen in einem individuellen Maß und steht damit oft gleichbedeutend für Schwäche, Leid und Not.
Krankheiten und auch Querschnitte werden in akute und chronische Krankheiten unterteilt. Egal um welche Form der Erkrankung es sich handelt, es hat eine ungünstige Auswirkung auf die psychische Verfassung des Betroffenen und deren Angehörigen.
Als akute Krankheiten bezeichnet man Erkrankungen, die abrupt entstehen wie durch einen Unfall, einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder ähnliches. Diese sind zwar im ersten Moment schlimm, haben aber in Bezug auf die Krankheitsbewältigung die bessere Prognose.
Chronische Krankheiten
Zu den chronischen Krankheiten zählt man Erkrankungen, die angeboren sind (z.B. ein Gendefekt), Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Tumore, degenerative Veränderungen und sonstige schleichende Defekte. Diese entwickeln sich über einen längeren Zeitraum von mehreren Monaten oder sogar Jahren. Oftmals ändert sich der Zustand immer wieder. Wird der Zustand schleichend stetig schlechter, spricht man von einer Progredienz. Vor allem wenn sich der Erkrankte wieder aufgerafft hat und sich der Zustand wieder verbessert hat, und es dann zu einer erneuten Verschlechterung kommt, ist dies sehr belastend für alle und hat bei der Krankheitsbewältigung die schlechtere Prognose.
Bei den angeborenen chronischen Erkrankungen kann man sagen, dass die Betroffenen von Anfang an lernen, mit der Erkrankung umzugehen. Hierbei ist die Krankheitsbewältigung für die Angehörigen der schwerere Part.
Durch die Konfrontation mit einer erschreckenden Diagnose, die man erstmal begreifen muss, stürzt man oft in eine tiefe Lebenskrise, denn das Leben, wie es bisher ist, wird auf den Kopf gestellt. Nichts ist mehr so, wie es gestern noch war. Alles was wir als selbstverständlich, vertraut und ausführbar kannten, muss nun neu geprüft und bewertet werden. Es muss neu Bilanz gezogen werden, neue Wege und Ziele angestrebt werden. Das alte Weltbild wird komplett verschoben.
Wir bekommen oftmals von Ärzten nur eine Diagnose an den Kopf geknallt, eventuell werden uns noch die Befunde erklärt und manchmal auch das weitere Vorgehen. Dann erfolgen fallweise Operationen, Therapien, Anwendungen, Medikamentengaben und andere Dingen. Alles das wird aber mit uns gemacht, ohne dass wir es wirklich beeinflussen können.
Was aber ist mit unserem Innenleben, wer denkt denn daran, wie wir uns dabei fühlen? Wir sind zum Nichtstun verdammt, müssen alles passiv über uns ergehen lassen und haben tausend Gedanken in unserem Kopf! Wo bitte ist da der Knopf zum Abschalten?
Der Schock ist groß und uns sowie unseren Angehörigen gehen unzählige Fragen durch den Kopf:
Warum gerade ich?
Kann das wirklich sein?
Wie geht es weiter?
Welchen Sinn hat das Leben jetzt noch?
Was kann ich tun?
Wer kann mir helfen?
Welche Therapiemethoden gibt es?
Gibt es Chancen auf Heilung?
Wie soll ich meine Familie ernähren?
Kann ich mein Job noch ausüben?
Muss ich umziehen?
Werde ich ein Pflegefall werden?
Werde ich anderen nun zur Last fallen?
Kann ich noch so weiterleben wie bisher?
Wie reagieren mein(e) Lebenspartner, Familie, Freunde und Umfeld auf die Situation?
Wie kann ich meinen Körper akzeptieren, wenn ich ihn nicht mehr spüre bzw. kontrollieren und lieben kann?
Was gerade für frischverletzte Querschnitte sehr belastend ist, ist, dass man ersteinmal die Intimsphäre komplett abgeben muss. Denn die Blasen- und Mastdarmkontrolle ist in den meisten Fällen gestört und muss vom Pflegepersonal zu Anfang meist komplett übernommen werden. Das ist oftmals sehr beschämend. Auch muss man lernen für vieles/alles um Hilfe zu bitten.
Veränderung ist immer ein Abschied von etwas Vertrautem, und der Neuanfang macht uns Angst. Je größer die Veränderung ist, desto schwieriger scheint es. Der Verlust der Körperkontrolle ist mit dem Verlust eines geliebten Menschen gleichzusetzen und bedarf daher auch einer echten Trauerarbeit.
Eine schwere Erkrankung bedeutet zunächst einmal eine extreme geistig-seelische Ausnahmesituation. Plötzlich ist alles anders, nichts ist mehr so wie davor. Alles was wichtig war, wird auf einmal unwichtig. Viele Fragen, Gedanke und Emotionen beschäftigen uns und machen uns Angst. Wut, Verzweiflung und Hilflosigkeit breiten sich aus.
Die Immobilität hat Folgen in den Bereichen: Körperliche/physiologische Folgen
Verringerung der Muskelmasse und -tonus
Verringerung der körperlichen Fitness
Abnahme der Beweglichkeit
Thromboseneigung
kardiovaskuläre Probleme
Harn- und Stuhlinkontinenz
und vieles mehr
Psychische Folgen
Rückzug
Angst
Hilflosigkeit
Depression
Soziale Folgen
Rückzug
Bruch des sozialen Umfeldes und Beziehungen
Mit Mobilität ist eben nicht nur die körperliche gemeint, sondern auch:die geistig-emotionale sowie die sozialen Mobilität:
Körperliche Mobilität:
sich frei zu bewegen und an den grundlegenden Aktivitäten des täglichen Lebens teilzunehmen.
Geistig-emotionale Mobilität:
die Möglichkeit, sich geistig und gefühlsmäßig auszudrücken
Soziale Mobilität:
die Möglichkeit, sich in den verschiedenen Gesellschaften zu bewegen
Ganzheitlich gesehen bedeutet Krankheit
ein Ungleichgewicht von Körper und Seele.
Oftmals wird unterschätzt, dass eine schwere Krankheit nicht nur körperlich und kognitiv, sondern vor allem auch emotional verarbeitet werden muss. Diese Anpassungsleistung zu vollbringen, bedarf einiger Arbeit, und sollte neben den Standardtherapien (wie Physio, Ergo und ähnlichen) ausnahmslos bei jedem Patienten als Psychotherapie mit angeboten werden. Denn nur mit dieser Unterstützung kann der Patient wirksam lernen, sich mit der neuen Lebenssituation zu arrangieren. Wie der Einzelne individuell damit umgeht und wie schnell er dies lernt und verarbeitet, hängt jedoch von vielen Faktoren ab.
Beim Querschnitt werden dabei in folgende Phasen durchgemacht:
Akute Phase
Liege-Phase
Mobilisierungs-Phase
In der akuten Situation ist der Patient in der Regel im Krankenbett und dort vor allem mit Folgendem beschäftigt:
Operationen
Intensivstation
Umgang mit Schmerzen
Zeitraubende Therapien
Anpassung an die neue körperliche Situation
Zu dem Zeitpunkt begreift der Patient meist noch nicht wirklich, dass die Lähmung und die damit verbundenen Einschränkungen eventuell endgültig sein könnten. Oftmals wird die Hoffnung auf Besserung sogar noch durch vage Aussagen von Ärzten geschürt.
In der Liegephase befindet sich der Patient meist schon im Querschnittszentrum und hat ersten Kontakt zu Mitpatienten, welcher für viele Betroffene am schwersten auszuhalten ist. Er wird mit der eigenen Situation immer mehr konfrontiert und muss sich damit auseinandersetzen. Dem Patienten wird unmissverständlich klar, dass er momentan der passive Teil des Ganzen und auf Hilfe von anderen zwingend angewiesen ist. Dies betrifft neben der kompletten Körperpflege, dem Blasen- und Mastdarmmanagement auch manchmal die Grundversorgung mit Essen und Trinken. Manche brauchen sogar bei so banalen Dingen wie Kratzen oder Naseputzen eine helfende Hand. Dabei entstehen unweigerlich folgende Gefühle und Gedanken:
Hilflosigkeit
Abhängigkeit
Selbstzweifel
Minderwertigkeit
Verlust der Intimsphäre
Unwissenheit
Realisierung des Verlustes der Beweglichkeit und der Empfindung
Sinn-/Wertlosigkeit bis hin zu Suizidgedanken
Diese Phase dauert manchmal sehr lange, vor allem sehr viel länger als vom Betroffenen erhofft und angenommen, und ist auch deshalb nur sehr schwer zu ertragen. Dazu kommt, dass der Patient aus seinem gewohnten Umfeld herausgerissen und von allem isoliert wurde, was ihm bisher wichtig war und ihm in seinem Leben Halt gegeben hat. Dazu zählen Familie, Partner, Kinder (bei kleinen Kinder ist es besonders schwer), Freunde sowie das berufliche und häusliche Umfeld.
In der Mobilisierungsphase darf der Patient endlich die passive Rolle aufgeben und wird nach und nach in ein selbstbestimmtes Leben zurückgeführt. Dabei arbeiten die Therapeuten eng mit den Ärzten, dem Pflegepersonal und der Familie zusammen. In dieser Phase kommt es ganz entscheidend darauf an, den Patienten zu motivieren und aktivieren, damit dieser beginnt, sich der neuen Herausforderung mit Wille und Kraft zu stellen. Es wird die Zeit der vielen kleinen Fortschritte, die am besten auch immer notieren werden sollten, um in Zeiten von Rückschlägen darauf zurückblicken zu können, was bereits alles geschafft wurde, und so die Motivation stets hochzuhalten.
Zur Bewältigung der Behinderung muss das Unfallereignis auch seelisch verarbeitet werden. Der Patient sollte lernen, mit seinen neuen und veränderten Gefühlen umgehen zu können und für sich den Sinn wiederzufinden. Dabei muss er sich auch sozial neu anpassen. Dabei stellen sich oft so Fragen wie:
Wie definiere ich mich/meine Rolle jetzt in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft?
Was kann ich überhaupt noch machen?
Kann ich mein Job, Hobby, Interessen noch nachgehen?
Wird mein soziales Umfeld mich unterstützen?
Welche Ressourcen habe ich?
Wie kann ich die Ressourcen nutzen?
Wie kann ich mit meiner neuen Situation mich neu definieren?
„Ein Mensch bewältigt nicht nur das Negative,
sondern er verwirklicht auch aktiv das Positive:
sein Wohlbefinden, sein Lebensziel,
einen Traum, gute Beziehungen,
die Entfaltung seiner Persönlichkeit,
das Wachstum oder das persönliche Potential.
Die Orientierung an der Bewältigung übersieht
die andere Seite des Lebens.“
(Oda Medizinsoziologe 2001)
Manchmal kann eine Krankheit auch eine echte Chance sein. Das mag zwar im ersten Moment zynisch klingen und schwer vorstellbar sein, aber es kann wirklich dazu kommen. Am Ende des Buches werden Sie vielleicht zu dem Schluss kommen, das es auch für Sie oder Ihrem Angehörigen eine Chance gewesen sein kann.
Unsere Gesundheit schätzen wir ja meist erst, wenn sie nicht mehr vorhanden ist. Leider gehen wir mit ihr allzu oft zu lasch und zu leichtsinnig um. Erst durch eine Erkrankung oder einen Unfall kommen wir ins Nachdenken und erkennen, dass wir vielleicht doch zu viel Raubbau an unserem Körper oder unserer Seele betrieben haben. Vom ständigem Streben nach „größer, besser, weiter, mehr…“ abgelenkt, hatten wir ganz vergessen, auf uns selbst und auf unsere so wertvolle Gesundheit zu achten. Doch nun, wenn unser Leben von heut auf morgen völlig umgekrempelt wurde, wird uns wieder bewusst, was uns wirklich wichtig ist. Wir fangen an, uns neu zu orientieren.
Wenn die Situation überschaubar wird, also dem Patienten verständlich und nachvollziehbar erscheint, ist ein wichtiger Schritt vollzogen. Erst mit dem Gefühl, dass die Situation beherrschbar wird und der Überzeugung des Betroffenen, diese schwere Lebensaufgabe meistern zu können, kann sich die Lebensfreude wieder einstellen. Er hat das Gefühl zurück, dass das Leben wichtig ist – der Sinn des Lebens!
Kann Krankheit nicht auch ein Signal sein,
das uns auffordert, etwas zu verändern?
Dass etwas verändert werden sollteng!?
Vielleicht können wir uns künftig mehr auf das konzentrieren, was uns Freude bereitet oder Erfüllung bringen kann?! Also weniger auf das, was uns auf Dauer unsere Kräfte raubt und uns überfordert oder uns emotionalen Schmerz zufügt?!
Welche Aufgaben sollten wir besser abgeben/delegieren?
Welche Verpflichtungen und Fremdbestimmungen sollten losgelassen werden?
Wie kann ich mir eingestehen, Hilfe zu brauchen?
Wie können wir uns helfen lassen?
Soll das eigene Wohl in den Vordergrund gerückt werden?
Je erfolgreicher wir die neue Situation positiv annehmen,
umso eher werden wir es schaffen,
ein erfülltes Leben mit der Erkrankung zu haben.
Erkrankungen, die zu einer grundlegenden Veränderung der Lebensweise führen, wie z.B. Querschnitt, Schlaganfall, MS, Parkinson, Krebs, uvm. durchlaufen bestimmte Phasen der Krankheitsbewältigung, die die gleichen sind, wie bei der Trauerbewältigung oder die des Strebens (von Kübler-Ross beschrieben). Diese Phasen sind:
Schock
und
Fassungslosigkeit
mit
Verleugnun
g
Intensive Gefühle
: Ärger und Schuldzuweisung
Verhandeln
: Feilschen um Gesundung
Depression
, Niedergeschlagenheit und Rückzug, evtl. Suizidgedanken
Akzeptanz
, wenn es gut läuft
Bei der Verarbeitung von Erkrankungen und Krisen kommt zwischen der depressiven Phase und der Akzeptanz noch die Phase des Handelns dazu. Es ist dabei wichtig, auch die kleinsten Schritte wertzuschätzen, denn um ein Ziel zu erreichen, muss letztlich immer nur ein Schritt nach dem anderen gemacht werden. Selbst der Mount Everest wird nur durch die Folge vieler kleiner Schritte bestiegen.
Leider ist der Untergrund nicht auf der gesamten Strecke gleich fest, sodass man gelegentlich auch mal abrutscht und ein Stück zurückfällt. Wichtig ist dabei, nach dem Fallen nicht liegenzubleiben, sondern wieder aufzustehen und weiterzulaufen!
