Denken wie Wickie - Gerhild Winnig - E-Book

Denken wie Wickie E-Book

Gerhild Winnig

0,0
14,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Befreie dich von Denkblockaden und entwickle kreative Lösungen, mit denen du auch im KI-Zeitalter selbstsichere Entscheidungen triffst! Bist du überfordert und befürchtest den Anschluss zu verlieren, weil heute scheinbar alles nur noch von KI erledigt wird? Fragst du dich, ob du dein eigenes Denken und deine Kreativität verlierst, weil du immer öfter auf KI-Antworten zurückgreifst? Wünschst du dir in Wahrheit, wieder selbst zu denken und eigene Lösungen zu finden, statt dich von "Maschinen" steuern zu lassen?  Dann wird es jetzt spannend für dich: Denn in einer Zeit, in der immer mehr Menschen ihre Denkfähigkeiten an die KI auslagern, ist kritisches und kreatives Denken die Fähigkeit, die darüber entscheidet, ob du deine Zukunft gestaltest oder in einer "fremdgesteuerten Masse" einfach mitläufst. Gerhild Winnig zeigt dir in "Denken wie Wickie", wie du ein kreatives Mindset entwickelst und festgefahrene Denkmuster hinter dir lässt. Dabei nutzt sie die Wickie-Prinzipien und macht sie für deinen Alltag sofort anwendbar – für einen Umgang mit KI, der deine Kreativität stärkt, statt sie zu ersetzen. In diesem inspirierenden Ratgeber erfährst du: - Wie du mit einem praxiserprobten Denkmodell nach dem Wickie-Prinzip selbst komplexe Herausforderungen in klare, machbare Schritte zerlegst - Warum Kreativitäterlernbar ist und wie du dich dadurch von starren Denkmustern befreist und in Zukunft flexibler und ideenreicher wirst - Warum du den Umgang mit Künstlicher Intelligenz kritisch hinterfragen solltest und wie du dich durch eigenständiges Denken und kluge Fragen unersetzlich machst - Wie du deine Ideen auch dann umsetzt, wenn im Job oder Alltag Gegenwind aufkommt und du am liebsten den Kopf in den Sand stecken würdest Warum dieses Buch deine Art zu denken für immer verändern wird: - MEHR KLARHEIT, WENIGER GEDANKENKARUSSELL: Du lernst, Gedanken-Chaos zu sortieren, Denkblockaden zu durchbrechen, kluge Entscheidungen zu treffen und direkt ins Handeln zu kommen. Dadurch siehst du im Alltag, was wirklich zählt und erreichst deine Ziele spielend leicht. - NEUE SICHT, NEUE LÖSUNG: Du entwickelst eine Denkweise, mit der du selbst schwierige Situationen aus neuen Blickwinkeln betrachtest und dort Lösungen findest, wo andere stecken bleiben und einfach aufgeben. So reagierst du in Zukunft flexibler auf Herausforderungen und erlebst dich als wirksamer Gestalter deines Lebens. - BONUS – WICKIE-QUICKIES: Du erhältst alltagstaugliche Denkübungen, Impulsfragen und Mini-Tools, mit denen du dein neues Denken direkt trainierst, sodass du deine neu gewonnene Kreativität und Problemlösungskraft sofort anwenden und bessere Resultate erzielen kannst. Stell dir vor … es taucht eine unvorhersehbare Herausforderung in deinem Leben auf.  Doch statt schweißnasser Hände, Druck auf der Brust und eines zermürbenden Gedankenkarussells weißt du, … … dass du Denkblockaden kinderleicht überwindest, kreative Lösungen findest und dank deines kritisch-geschärften Verstandes mit klarem Kopf mutig auf Veränderungen reagierst. Willst auch du zu einem cleveren Problemlöser wie Wickie werden? Dann hole dir jetzt dein Exemplar "Denken wie Wickie" und sichere dir den wichtigsten Zukunfts-Skill für Beruf und Alltag.  

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 276

Veröffentlichungsjahr: 2026

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Haftungsausschluss:

Die Ratschläge im Buch sind sorgfältig erwogen und geprüft. Alle Angaben in diesem Buch erfolgen ohne jegliche Gewährleistung oder Garantie seitens des Autors und des Verlags. Die Umsetzung erfolgt ausdrücklich auf eigenes Risiko. Eine Haftung des Autors bzw. des Verlags und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden oder sonstige Schäden, die durch die Nutzung oder Nichtnutzung der Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und/oder unvollständiger Informationen verursacht wurden, ist ausgeschlossen. Verlag und Autor übernehmen keine Haftung für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte und ebenso nicht für Druckfehler. Es kann keine juristische Verantwortung und keine Haftung in irgendeiner Form für fehlerhafte Angaben und daraus entstehende Folgen vom Verlag bzw. Autor übernommen werden.

Sollte diese Publikation Links auf Webseiten Dritter enthalten, so übernehmen wir für deren Inhalte keine Haftung, da wir uns diese nicht zu eigen machen, sondern lediglich auf deren Stand zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung verweisen.

Bibliografische Informationen der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

1. Auflage 2026

© 2026 by Remote Verlag, ein Imprint der Remote Life LLC, Fort Lauderdale, Fl., USA

Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages.

Redakteur: Malin Merkle

Creative Strategist: Johanna Pfitzer

Lektorat und Korrektorat: Stefanie Aust, Luise Hartung, Vera Bantelmann, Markus Czeslik

Umschlaggestaltung: Verena Klöpper

Satz und Layout: Verena Klöpper

Grafiken: Verena Klöpper

Wickie und die starken Männer: © 2026 Studio 100 International

ISBN Print: 979-8-89474-061-4

ISBN E-Book: 979-8-89474-062-1

www.remote-verlag.de

[email protected]

Gerhild Winnig

Denken wie Wickie

Kreativ denken, kritisch bleiben.

Wie du im KI-Zeitalter den Unterschied machst

www.remote-verlag.de

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

»Wir sind die Wikinger aus Flake!«

Teil 1: Was Ki Verändert – Eine Einführung

Warum wir (mal wieder) neu denken müssen

Warum neu denken heute anders ist als früher

Die Veränderung durch KI ist dennoch besonders

Alte Helden, neues Denken

Teil 2: Denken Wie Wickie

Das Wickie-Prinzip

Die Macht des konformen Denkens

Wickies Denkweise – drei Prinzipien für clevere Ideen

Wickie-Prinzip 1: Beobachten, Wahrnehmen, Verstehen

Wickie-Prinzip 2: Anders denken

Warum unser Kopf dichtmacht und Ideen nicht auf Knopfdruck kommen

Wickie-Prinzip 3: Schnelles und mutiges Umsetzen

Das Ideenverhinderungsteam bei der Arbeit

Ideenfindung im Team: Der starke Chef

Die Kraft des Vertrauens

Die Olympiade der Wikinger: Ein Wettkampf des Vertrauens

Vertrauen stärken: Fünf Impulse für unsichere Zeiten

Brainstorming

Brainstorming nach Wikinger-Art: Mehr als nur Ideen sammeln

Wickie goes Kreativitätstechnik

Die Zukunft des Brainstormings: Neue Regeln oder bewährte Prinzipien?

Denkmuster erkennen

Konformitätsdruck und Bubble-Effekt: Wie Gruppen das Denken lenken

Künstliche Intelligenz, Denkfehler und der Weg aus der Konformitätsfalle

Wenn menschliches Blasendenken auf KI trifft

Wie wir Biases erkennen und besser mit ihnen umgehen

Mythen und ihre Macht

Mythen und Überzeugungen: Wenn Geschichten zur Wahrheit werden

Die Top Ten der Kreativitätsblockaden in Unternehmen

Von der Inspiration zur Aktion

Direkt ins Tun kommen: Die Energie der Idee nutzen

Macht und Anerkennung: Die Kunst, Führung klug zu teilen

Ideenunternehmer: Visionär, Macher und Wegbereiter

Zwischen Furcht und Fortschritt

Die neue Angst vor dem alten Instinkt

Eine Holzklapper gegen die Angst

Zwei Denkprinzipien und wie wir sie nutzen können

Das männliche und das weibliche Denkprinzip, Teil 1

Das männliche und das weibliche Denkprinzip, Teil 2

Teil 3: Transfer In Die Heutige Zeit

Wickie 2026

Ist KI der neue Wickie?

Wer ist besser: Mensch oder Maschine?

Würde Wickie KI nutzen und wenn ja, wie?

Prompten nach Wickies Art

Wann würde Wickie keine KI nutzen?

Vom Denken ins Machen

Mit inneren Stimmen denken: Assistenten im Kopf

KI in der Umsetzungsphase: Was sie leisten kann und was nicht

Ideenfindung à la Wickie

Toolbox für Ideenfindung: Sieben Werkzeuge auf einen Blick

Wenn alles sich verändert

Dank

Über die Autorin

Quellenverzeichnis

Die Autorin spricht mit ihrer Ansprache jedes Geschlecht sowie Diverse Personen an.

Das generische Maskulinum wurde ausschließlich für eine bessere Lesbarkeit des Sprachflusses gewählt.

»Als Kind ist jeder ein Künstler.

Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.«1

(Pablo Picasso)

Für Senta und Helene

Vorwort

Wie es zu diesem Buch kam

Es ist jetzt fast 15 Jahre her, dass die Idee entstand, die Trickfilmfigur Wickie zur Hauptperson über ein Buch zum Thema »Neues Denken« zu machen. Zu der Zeit saß ich fast jeden Abend mit meinen beiden kleinen Töchtern auf unserem, zwar nicht sehr schönen, dafür aber sehr bequemen, roten XXL-Sofa in unserem Wohnzimmer in Schöneberg. Nach einem langen Kindergartentag und anschließendem Ausklang auf dem nahegelegenen Spielplatz saßen beide Kinder gebadet und in Schlafanzügen vor dem Fernseher, zwischen sich die Schüssel mit Möhren, Paprika und Gurken, von meinem Mann in praktische Gemüsesticks geschnitten (und das ist nicht mal gelogen! Zugegeben, an »schlechteren« Tagen gab es auch Gummibärchen. Die wurden dann mit einer Schüssel pro Kind akribisch gerecht aufgeteilt. Nicht nur nach Menge, sondern auch nach Farbe. Man ahnt ja nicht, was gerade an schlechten Tagen alles dazu taugt, einen handfesten Streit vom Zaun zu brechen). Das Sofa war so groß, dass die Beine der beiden Mädchen nicht über die Sitzfläche hinausragten. Und so saßen sie da, die Große, gespannt und aufrecht sitzend, den Teddy im Arm. Die Kleine, in der Regel schon sehr müde, entweder an mich oder ein dickes Kissen gekuschelt. Gemeinsam warteten wir darauf, dass es 19:00 Uhr wurde und »auf KiKA« die Trickfilmserien der Siebzigerjahre gezeigt wurden: Heidi, Biene Maja und eben auch Wickie. Es war die halbe Stunde am Tag, in der es bei uns ruhig wurde und die Kinder Freude an den für sie neuen und ich an den alten Geschichten meiner Kindheit hatten.

Es war gar nicht so leicht, nach all den Jahren wieder in diese Geschichten einzutauchen. Zunächst sah ich die Serie mit den Augen der sechsjährigen Gerhild: Ich mochte Ylva, Wickies Mutter. Sie fand ich cool und fair und mochte ihre derbe Art, dem ewig lauten Gatten klarzumachen, wer zu Hause das Sagen hat. Ich wollte außerdem so sein wie Ylvi: klein, süß und zauberhaft. Ganz Mädchen eben. Und natürlich freute auch ich mich über Snorres permanent schlechte Laune und Gorms Luftsprünge, zu denen er rief: »Ich bin entzückt!«

Wickie fand ich, ehrlich gesagt, gar nicht so toll. In meinen Augen war er ein Klugscheißer und ich konnte durchaus nachvollziehen, dass die Kinder des Dorfes das Gefühl hatten, dass Wickie als Sohn vom Chef besondere Vorzüge genoss. Auch gut 35 Jahre später, im Jahr 2011, hielten sich meine Sympathien für Wickie zunächst in überschaubaren Grenzen. Meine Überzeugungen aus Kindheitstagen waren noch sehr präsent. Aber je mehr Abenteuer wir verfolgten, desto klarer wurde mir, dass Wickie gar nicht so blöd war – und dass sein besonderes Talent, Ideen wie auf Knopfdruck zu produzieren, weit tiefere Gründe hatte als nur den, ein Kind und der Sohn vom Chef zu sein.

Außerdem merkte ich, dass ich in meiner kritischen Haltung Wickie gegenüber keinen Deut besser war als die Menschen, die in Brainstormings immer besonders streng mit den Leuten sind, denen eine Idee nach der anderen einfällt. Sätze wie: »Der Angeber soll doch mal andere zu Wort kommen lassen« oder »Der hat ja nur so tolle Ideen, weil …« gingen auch mir durch den Kopf. Ich dachte handfeste Killerphrasen – und das als Trainerin für kreative Ideenfindung!

Und so kam es, dass ich plötzlich die Geschichten von Wickie und den starken Männern mit anderen Augen sah. Auf einmal interessierten mich weniger die Abenteuer an sich, sondern vielmehr die Art und Weise, wie sich die Wikinger aus ihren immer wieder neuen Herausforderungen befreiten. Mich interessierte, wie sie zusammenarbeiteten, was funktionierte und warum es funktionierte. Und auf einmal interessierte mich auch Wickie. Ich verstand mehr und mehr, warum es gerade ihm immer wieder gelang, zur richtigen Zeit die richtige Idee für die perfekte Lösung zu finden.

Es war geradezu aufregend, Stück für Stück herauszufinden, dass Wickies Ideen kein Zufall waren und es handfeste Gründe gab, warum gerade er immer wieder mit bahnbrechenden Lösungen punkten konnte.

Warum jetzt die richtige Zeit für dieses Buch ist

Seit diesen Abenden auf dem roten Sofa sind viele Jahre vergangen und die Welt hat sich radikal verändert. Technologien, von denen damals zwar schon gesprochen wurde, die aber trotzdem wie Science-Fiction wirkten, gehören heute zum Alltag. Künstliche Intelligenz, sei es in Form von Textgeneratoren, Bildkreatoren oder Entscheidungsalgorithmen, hat nicht nur unsere Arbeitswelt auf den Kopf gestellt. Sie verändert auch uns und das vielleicht mehr, als wir glauben. Sie verändert, wie wir denken, was wir für denkbar halten und wem oder was wir das Denken zutrauen.

Immer öfter greifen wir auf die digitalen Helfer zurück, die anstehende Aufgaben vermeintlich besser oder schneller lösen können als wir. Dabei ist die Auswahl an intelligenten Maschinen enorm, angefangen bei Gesundheits- und Fitnesstrackern, die unsere Aktivitäten analysieren und uns personalisierte Empfehlungen geben, über Suchmaschinen wie Google, Bing und Co., Streamingdienste wie Netflix oder Spotify, automatische Übersetzungen bis hin zum Freund aller Schulkinder und Studenten, dem omnipräsenten ChatGPT. Überall schleicht sich KI in unser Leben und bietet Hilfe, Anweisungen und Lösungen. Und das nicht selten in einer fast schon beängstigenden Tiefe.

In Sekundenschnelle bekommen wir Antworten auf unsere Fragen. Wir erhalten Ideen in einem Tempo und einer Vielfalt, die uns staunend und atemlos zurücklässt. Was früher noch als menschliche Stärke galt – Kreativität, Vorstellungskraft, Urteilsvermögen –, scheint auf einmal nur noch die passende Software zu brauchen. Wissen scheint plötzlich kein individuelles Gut mehr, sondern kopierbar und abrufbar zu sein. Ich muss nur noch die Frage stellen – und Sekunden später halte ich die (scheinbar) perfekte Antwort in den Händen. Es ist Magie! Kein Wunder also, dass viele Menschen sich fragen: Braucht es da meine Gedanken eigentlich noch? Ist es überhaupt noch sinnvoll, selbst nachzudenken? Kann ich diesem geballten Wissen noch irgendwas Neues, Interessantes beisteuern?

Wir fragen Perplexity, bevor wir selbst nachdenken. Wir lassen ChatGPT Ideen generieren, bevor wir uns selbst fragen, was genau wir eigentlich sagen oder erreichen wollen. Und mit jeder neuen am Markt verfügbaren künstlichen Intelligenz nutzen wir unser eigenes Denken immer weniger. Nicht, weil es nicht mehr da ist, sondern weil wir es, aus Bequemlichkeit und Nichtwissen, zunehmend auslagern.

Die Entwicklung der KI hat uns kalt erwischt. Auch wenn wir alle wussten, dass es sie gibt, dass sie Teil unseres Lebens sein wird, hat sie uns in ihrer Durchschlagskraft doch überrascht. Wir waren nicht auf sie vorbereitet, hatten nur eine Ahnung, was sie bieten und gleichzeitig auch von uns fordern würde. Sie war eine Idee, deren Auswirkung wir uns kaum bis gar nicht vorstellen konnten.

Aber nun ist sie da. Und ähnlich, wie wir das PC-Zeitalter überstanden haben, werden wir uns auch mit dem Zeitalter der KI arrangieren und anfreunden (müssen). Dennoch ist die Frage erlaubt, was diese Entwicklung für uns als Menschen bedeutet. Was es heißt, in einer Welt, in der Wissen, Kreativität, Bilder oder Musik immer und überall verfügbar scheinen, eigenständig und schöpferisch zu denken. Schöpferisch im Sinne von kreativ und kritisch. Eigenständig im Sinne von präzise im Prüfen und mutig im Umsetzen.

Dieses Buch soll sich diesen Fragen widmen und dich daran erinnern, dass dein Denken und deine Kreativität auch in Zeiten von KI von großer Bedeutung sind. Dass du dein Wissen, deine Erfahrungen, deine Gedanken und vor allem deine Kreativität nicht zu den Akten legen darfst, nur weil es gefühlt jeden Tag eine neue KI gibt, die alles scheinbar noch schneller und besser kann. Und auch das sei gesagt: Es ist kein Buch über KI, das dir erklären will, wie du sie für dich und deine Projekte nutzen und einsetzen kannst. Das können andere besser.

In diesem Buch geht es um uns. Denn gerade jetzt brauchen wir Menschen, die nicht bloß be- und verwerten, was eine KI ausspuckt, sondern immer noch selbst gestalten wollen. Menschen, die neue Antworten finden, statt vorhandene zu reproduzieren, und den Unterschied zwischen »Das haben andere gedacht und darum wird es schon funktionieren« und »Ich habe zwar keine Ahnung, ob es funktioniert, aber ich werde es trotzdem versuchen« ausmachen. Wir brauchen – immer noch – Menschen, die sich trauen, anders zu denken als die anderen, und Lust darauf haben, ihr eigenes Denken zu entdecken, zu nutzen und zu leben.

Dieses Buch soll dazu beitragen. Es soll dich dabei unterstützen, deinen Zugang zu Kreativität und kritischem Denken neu zu entdecken, und dich ermutigen, beides wieder bewusst zu leben – KI hin oder her. Denn egal, wie sich unsere Welt noch verändern wird, egal, wie viele Sprachassistenten, Bilderkennungen oder selbstfahrende Autos es in Zukunft noch geben wird: Die Fähigkeit, neu und anders zu denken, ist kein Luxus, sondern ein unverzichtbares Werkzeug. Nicht nur für dich selbst, sondern auch für unser Zusammenleben als Gesellschaft, für Unternehmen und Teams.

Warum uns ein Kind als Vorbild hilft

Es mag unlogisch klingen, aber gerade in Zeiten, in denen vieles von dem, was »doch schon immer so war« auf den Kopf gestellt wird, kann ein Kind uns mehr Orientierung geben als mancher Experte. Warum? Weil Kinder mit einem anderen Blick auf die Welt schauen als Erwachsene. Und erst recht anders als Experten. Kinder haben das Privileg, aufgrund von Nichtwissen und fehlenden Erfahrungen die Welt mit fragenden Augen zu betrachten: offen, staunend und unvoreingenommen. Ohne die Angst, sich zu blamieren, oder den Drang, alles sofort einordnen oder erklären zu müssen.

Wickie ist ein solches Kind. Ein Kind unter Erwachsenen, die meinen, alles zu wissen oder wissen zu müssen, und darum keine Fragen mehr stellen. Oder die sich nicht mehr trauen zu fragen, weil man als Erwachsener und erfahrener Seefahrer doch alles wissen sollte. Mit Fragen würde man sein Nichtwissen öffentlich machen. Und das ist ein Umstand, der zumindest in der Welt der Erwachsenen nicht unbedingt als Zeichen von Stärke gesehen wird.

Aber weil Wickie ein Kind ist, stellt er Fragen, auf die die anderen glauben, längst eine Antwort zu haben. Er bleibt auch an den Stellen offen und neugierig, an denen sich die Erwachsenen in Routinen und Gewissheiten eingerichtet haben. Und als Kind traut er sich, anders zu denken als die anderen, auch wenn er damit aneckt. Das bedeutet nicht, dass ihn die Kritik und das Unverständnis der anderen unberührt lassen. Aber noch hat ihn diese Erfahrung nicht im Griff. Noch hat er nicht verlernt, dass es völlig in Ordnung ist, nicht alles zu wissen. Sein Anderssein hindert ihn noch nicht daran, seine Art des Denkens weiterzuverfolgen und zu nutzen.

Heute, im Zeitalter von künstlicher Intelligenz, fühlen wir uns oft selbst wieder wie Kinder. Wir stehen vor Technologien, deren Auswirkungen wir noch gar nicht richtig begreifen. Wir sind gleichermaßen neugierig wie überfordert und staunen zwar, verstehen aber auch nicht alles. Wir tasten uns vor und probieren aus, oft ohne zu wissen, wohin das Ganze führt.

Und genau darin liegt eine große Chance. Denn wenn wir aufhören, so zu tun, als hätten wir alles im Griff, und uns stattdessen erlauben, mit kindlichem Blick auf diese neue Welt zu schauen, eröffnet sich uns ein Raum. Ein Raum für unsere Kreativität, neue Ideen und einen gesunden Zweifel an scheinbar feststehenden Wahrheiten. In diesem Raum wird es wieder möglich, Dinge nicht zu wissen, Fragen zu stellen und Hypothesen zu bilden. Hier geht es nicht darum, keine Fehler zu machen und schnelle Ergebnisse zu liefern. Es ist ein Raum, in dem aus Unsicherheit und Unwissenheit eine Quelle der eigenen Gestaltungskraft entsteht.

Gerade Wickie erinnert uns daran, dass kluge Ideen nicht auf perfektem Wissen basieren, sondern auf der Fähigkeit, neugierig zu denken, auf der Lust am Beobachten und der Freude, die Dinge bewusst anders sehen zu wollen. Gerade weil ein Kind im Spiel keine Angst davor hat, falsch zu liegen, liegt es oft richtig. Das heißt nicht, dass wir alle wieder spielende Kinder werden sollen (wobei das sicher sehr schön wäre). Es geht darum, uns wieder in die Haltung eines Kindes zu trauen und so die Fähigkeiten wiederzufinden, die wir im Lauf der Jahre verloren haben: den Mut, die Dinge anders zu sehen und Fragen zu stellen, die Offenheit, mit dem Unfertigen umzugehen, und das Vertrauen, dass aus einer vagen Idee etwas Großes entstehen kann.

Wohin diese Reise führt

Dieses Buch soll dir also dabei helfen, deinen kreativen Kompass neu auszurichten. Und es lädt dich ein zu einer Reise ins Land der Wikinger. Ein Land unserer Kindheit, das es so nie gegeben hat, aber trotzdem voller Wahrheiten steckt. Es ist eine Reise zu etwas, das noch in uns allen vorhanden ist: zu Ideen, die wir einmal hatten, zu Haltungen, die wir längst kannten, und zu einem Denken, das wir vielleicht nur vergessen oder verdrängt haben.

Vielleicht wird dir das eine oder andere banal erscheinen, weil du es längst kennst und schon oft gehört hast. Sollte das passieren, nimm es als gutes Zeichen. Das meine ich ganz ernst. Ich bin ein großer Freund von Wiederholungen, denn letztlich sind es die Wiederholungen, die echte Veränderungen herbeiführen. Kommen also diese »Kenn ich schon«-Momente, nutze sie, um noch genauer hinzuschauen und dich noch tiefer damit zu befassen. Sie bieten dir die Chance, aus deinem Wissen ein Verstehen und aus dem Verstehen eine Veränderung zu initiieren. Also etwas, das du nicht nur weißt, sondern auch beginnst zu leben.

Aber egal, ob du gerade erst damit anfängst, dich mit deinem Denken zu beschäftigen, oder ob du dich als alter Wikinger des neuen Denkens verstehst: Jetzt geht es los. Also, hisst die Segel – wir stechen in See!

Welcher Wikinger bist du?

Bevor wir in die Geschichten und Persönlichkeiten der Wikinger eintauchen, kannst du dich schon jetzt auf die Reise machen und schauen, welcher Wikinger dir am ehesten entspricht.

Denn in jedem von uns steckt ein Wikinger: ein mutiger Halvar, ein sturer Snorre, vielleicht sogar ein kreativer Wickie.

Damit du herausfindest, welche Anteile in dir besonders stark sind – und natürlich auch, welche deine Kolleginnen und Kollegen prägen –, habe ich für dich ein exklusives Kartenset mit den Psychogrammen der Flake-Wikinger vorbereitet.

Scanne einfach den QR-Code und lade dir die Karten kostenlos herunter.

https://five-is-academy.learnworlds.com/home

Mit den Karten kannst du:

Deine eigenen Wikinger-Anteile entdecken

Die Vielfalt der Persönlichkeiten um dich herum leichter verstehen

Schon jetzt einen Vorgeschmack darauf bekommen, wie die Wikinger dir im Alltag neue Perspektiven eröffnen

Hol dir also dein Kartenset, finde heraus, welcher Wikinger in dir steckt und welche Möglichkeiten es für dich gibt, den Wickie in dir zu aktivieren!

»Wir sind die Wikinger aus Flake!«

Wir schreiben das Jahr 1.000 n. Chr.

Wickie lebt mit seinen Eltern in einem kleinen Wikingerdorf namens Flake. Die Flake-Wikinger sind allseits bekannt und gefürchtet als tapfere und gefährliche Seefahrer und Krieger. Denn, wie es sich für Wikinger dieser Zeit gehört, sichern sie sich ihren Lebensunterhalt dadurch, mit ihrem Schiff andere Länder zu bereisen, die Einheimischen zu überfallen und auszurauben, um dann mit dem Erbeuteten wieder nach Hause zurückzukehren. Ein Geschäftsmodell, das in der Vergangenheit sehr gut funktioniert hat und auch die Zukunft sichern soll.

Anführer und Chef unserer Wikinger ist Halvar von Flake, Wickies Vater. Er ist ein großer, bulliger Mann mit donnernder Stimme und dem berühmten Herzen aus Gold. Er füllt seine Führungsrolle voll aus und überzeugt durch Kraft, Mut und Angriffslust. Kein Gegner scheint ihm zu gefährlich, keine Situation zu schwierig oder unübersichtlich, als dass man sie nicht mit diesen Tugenden lösen könnte: »Wir sind Wikinger aus Flake! Und Wikinger aus Flake sind mutige und tapfere Krieger!« Dieses Mantra hören wir pro Folge mindestens einmal! Ja, Halvar ist Wikinger mit Leib und Seele!

Neben dem Chef Halvar besteht das Kernteam noch aus folgenden sechs Wikingern:

Tjure ist ausgebildeter Zimmermann und damit einer der ganz Wichtigen an Bord. Er ist ein Mann mit Ambitionen, ein Mann, der vorankommen will, was ihm aber nicht richtig gelingt. Er überschätzt sich oft, ist ein bisschen eitel und vergeudet unglaublich viel Kraft in kleinlichen Streitereien mit Kollege Snorre. Aber er ist ein mutiger und tapferer Kämpfer und steht, wie alle Wikinger, immer und zu jeder Zeit voll hinter seinem Team.

Snorre ist der andere der beiden Streithähne und der »Lieblingsfeind« von Tjure. Seine Rolle ähnelt der eines Klassenclowns. Er provoziert und stört gern und sorgt so immer wieder für Unruhe im Team. Aber er kann mit außergewöhnlichen Talenten punkten, z. B. mit dem perfekten Imitieren eines Bären. Snorre ist sich für keine Aufgabe zu schade und packt, wenn auch oft murrend, immer mit an. Auf ihn ist Verlass.

Dann gibt es noch Gorm. Er ist der Späher auf dem Schiff der Wikinger und ein bisschen der Nerd der Mannschaft. Der Ausruf »Ich bin entzückt!« ist sein Markenzeichen und beschreibt sein Wesen, seine Persönlichkeit ganz gut. Gorm hält sich gern in Sicherheit und ist oft überfordert mit den Abenteuern der Wikinger. Aber auch er würde sich nie drücken, wenn es heißt: »Alle Mann an die Riemen ran!«

Ulme ist Koch, Dichter und Musikant (»Trala!«). Ein Schöngeist. Auf dem Schiff spielt er Harfe, um sich und die anderen zu entspannen und zu unterhalten. Ansonsten hält er sich so weit wie möglich raus aus den Streitereien der Wikinger. Dieses Herumbrüllen und Draufhauen ist so gar nicht seine Welt. Wobei natürlich auch er, wie alle Flake-Wikinger, immer mit anpackt, wenn die Not groß ist.

Faxe ist der liebenswerte, gemütlich-freundliche Kraftprotz. Leider ist er etwas faul, dafür immer hungrig und bärenstark. Es braucht oft etwas länger, bis auch bei ihm der Groschen fällt, und man muss ihm schon sehr genau sagen, was man von ihm will. Trotzdem ist er einer der Wichtigsten im Team, denn ohne seine Kraft und seine unbedingte Loyalität würden viele Abenteuer für unsere Wikinger ganz anders ausgehen.

Urobe ist ein liebenswürdiger, weiser, alter Mann, der für Wickie eine Art Großvaterersatz darstellt. Er hat Geduld, Verständnis und nicht nur aufgrund seines Alters die Fähigkeit, vieles aus einer anderen, ruhigeren Perspektive zu betrachten. Das macht ihn jedoch nicht unfehlbar. Er genießt besonderen Respekt und fühlt sich für Wickie ein bisschen mehr verantwortlich, als es die anderen tun.

Natürlich sind noch weitere Wikinger mit an Bord. Da diese in den Geschichten aber keine bedeutende Rolle spielen, werden wir uns in diesem Buch auf die Hauptpersonen konzentrieren.

Das weibliche Korrektiv

Neben den tapferen Männern gibt es noch zwei weitere wichtige Personen im Leben unseres Trickfilmhelden.

Da ist zunächst Ylva, die Mutter von Wickie und Ehefrau von Halvar. Im Gegensatz zu ihrem Mann hat sie keine Probleme damit, dass ihr Sohn kein kämpfender Kraftprotz ist. »Er macht es eben anders. Er macht es mit Köpfchen«, hält sie ihrem Mann entgegen, wenn er sich mal wieder über seinen missratenen Sohn beschwert. Ylva glaubt an Wickie. Sie ist seine Fürsprecherin und das einzige Korrektiv, das Halvar wirklich zulässt.

Die kleine Ylvi ist Wickies beste Freundin. Bei ihr darf er sein, wie er ist: verspielt, weich, zart und ängstlich. Bei Ylvi kann Wickie entspannen und auftanken. Mit ihr macht er Dinge, die ihm Spaß machen und seiner Seele guttun. Gemeinsam gehen sie angeln, Blumen pflücken und Seehunde besuchen. Sie ist immer an Wickies Seite und findet ihn einfach toll, auch wenn die anderen Kinder sich über ihn lustig machen. Ylvi bewundert Wickie für seinen Mut und sein Anderssein und bestärkt ihn darin, genauso zu bleiben, wie er ist.

Und dann ist da noch Wickie

Wickie ist das, was man einen Antihelden nennen könnte. Er ist nicht besonders tapfer und stark. Und angriffslustig ist er schon gar nicht. Im Gegenteil: Er ist ein kleiner Angsthase, der in brenzligen Momenten gern schreiend davonläuft. Wickie hat andere Tugenden: Klugheit, Ehrlichkeit, Moral und Fairness. Er würde nie einem anderen etwas zuleide tun, egal ob Freund oder Feind. Einen Sohn wie Wickie zu haben, ist nicht einfach für einen Vollblut-Wikinger wie Halvar. Und so leidet er auch darunter, dass ausgerechnet sein Sohn so gar keine Ansätze eines richtigen Wikingers zeigen will. Wickie ist nicht wie er, so schwer es für Halvar auch sein mag, das zu akzeptieren. Allerdings verfügt Wickie über eine Gabe, die sonst keiner hat: Wie auf Knopfdruck kann er schnelle, pfiffige und bahnbrechende Ideen produzieren.

Teil1:Was KI verändert – eine Einführung

Warum wir (mal wieder) neu denken müssen

Und warum das gar nicht so schlimm ist

Es gibt eine kleine Methode aus der lösungsorientierten Psychotherapie, die sich »Wunderfrage«2 nennt. Sie funktioniert so: Stell dir vor, du gehst schlafen und über Nacht geschieht ein Wunder, das für dich von großer Bedeutung ist. Du wachst am nächsten Morgen auf und das Wunder ist geschehen. Die Fragen, die du dir jetzt stellen solltest, lauten: Woran würdest du erkennen, dass das Wunder geschehen ist? Was wäre anders? Was hätte sich verändert?

Als ich Anfang 2024 meine ersten Textbausteine von ChatGPT schreiben ließ, fühlte es sich tatsächlich so an, als wäre ich an einem dieser Tage gelandet, an denen ein solches Wunder geschieht. Für mich war die Welt über Nacht eine andere geworden. Statt vor dem weißen Blatt Papier zu sitzen und zig Anläufe zu starten, um ein einigermaßen attraktiv klingendes Angebot zu schreiben, dabei mehrfach meinen Job zu verfluchen und darüber zu lamentieren, wie leicht mein Leben wäre, wenn ich damals doch in die Verwaltung gegangen wäre, war da auf einmal etwas, das mir in Sekundenschnelle einen nahezu perfekten Text schrieb. Und nicht nur das: Kaum war der Text fertig, fragte mich diese unsichtbare Macht, was sie sonst noch für mich tun könnte. Ob mir der Text gefalle oder ob sie ihn noch etwas persönlicher oder sachlicher schreiben solle. Ein einfaches »Ja, bitte« später lag der Text in überarbeiteter Form vor. Es war unglaublich. Es war ein Wunder! Das war meine erste bewusste Begegnung mit dem Wunder namens »künstliche Intelligenz«.

Künstliche Intelligenz mitten im Alltag

Ich bin kein Technikfreak. Auch konnte ich mich noch nie für Computerspiele begeistern. Es ist mir egal, wie ein Computer funktioniert. Hauptsache, er tut, was er tun muss. Aber meine erste Begegnung mit ChatGPT war für mich der berühmte Gamechanger. Und zwar deshalb, weil ChatGPT genau das konnte, was ich benötigte. Ich konnte mit ihm so kommunizieren, wie ich rede. Es brauchte keine Programmiersprache, keine technischen Kenntnisse, damit die KI mich versteht. Und immer noch spreche ich mit ChatGPT in meiner Sprache und die KI antwortet in der Sprache, die ich verstehe. Es hilft mir, statt mich zu belehren. Es erstellt Bilder, plant Reisen, analysiert Krankheiten, entwickelt Strategien für mein nächstes Date und ist so in vielen, wenn nicht sogar den meisten Bereichen des Lebens ein unsichtbarer, zunehmend präsent werdender Akteur geworden.

Für die Schüler von heute sind KI-Tools wie ChatGPT, Google Lens, DeepL und Co. längst zum Nachhilfelehrer schlechthin geworden: Sie erklären mathematische Formeln, übersetzen Gedichte, helfen bei Aufsätzen oder programmieren kleine Apps für Schulprojekte. Sie sind die Spickzettel der neuen Zeit, denn in Sekundenschnelle liefern sie passgenaue Antworten, auf Wunsch auch mit Quellenangaben und Zitaten.

Was vor zwei Jahren also für mich noch den Charme einer fernen Zukunftsvision hatte, wurde von heute auf morgen Realität. Mehr noch: Es wurde Alltag. Ein Alltag, der sich täglich weiterentwickelt und in kürzester Zeit feste Begleitung meines Lebens wurde.

Die subtilen Veränderungen unseres Denkens

Neben all der Freude über meinen neuen Sparringspartner konnte ich aber noch etwas anderes an mir beobachten. Seit ich sie für mich entdeckt hatte, übernahmen immer mehr Chatbots immer größere Teile meiner täglichen Aufgaben. Es war faszinierend zu erleben, wie leicht sich auf einmal Probleme lösen ließen, wie viel Zeit ich sparen konnte, weil ich mich eben nicht mehr stundenlang mit dem Schreiben von Standardtexten quälen musste. Allerdings stellte ich auch fest, wie sich durch die ständige Zusammenarbeit mit KI mein Denken, Fühlen und Verhalten zunehmend veränderte. Inzwischen habe ich das Gefühl, dass keine Aufgabe zu klein oder zu einfach ist, als dass ich nicht irgendeine KI um Hilfe bitte. Immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich mir einfachste Routinen von ChatGPT, Siri, Perplexity und Co. abnehmen lasse. Das fängt an mit der Frage nach dem Mittagessen und endet mit Tipps für richtiges Heizen. Immer wieder frage ich irgendein System nach Lösungen, bitte darum, meine Gedanken zu optimieren oder ein Geschenk für meine Mutter auszusuchen.

Was also ein paar Wochen vorher noch eine eigenständige und bewusste Entscheidung war (»Was gibt es heute zu essen?«), bespreche ich heute im Dialog mit einer Maschine.

Und irgendwann konnte ich erkennen, wie sich durch die Unterstützung von KI nicht nur mein Denken, sondern auch mein Verhalten und meine Überzeugungen verändern. Ohne es zu merken, habe ich durch die ständige Kommunikation mit dieser künstlichen Instanz damit begonnen, meine eigenen Denkprozesse zu verlagern: weg vom eigenständigen Entwickeln hin zum Bewerten, Anpassen und Zusammenfügen KI-generierter Vorschläge.

Künstliche Intelligenz und unser Fühlen

Auch mein Fühlen blieb nicht unberührt von der Allgegenwärtigkeit von KI. Irgendwann bemerkte ich, dass ich an Tagen, an denen es mir nicht gut ging und ich schnell wieder aus meinem emotionalen Tief kommen wollte, mich vertrauensvoll an ChatGPT wandte und um Tipps bat, »wie ich schnell wieder ins Tun komme« oder »woher meine diffusen Ängste kommen und wie ich am besten mit ihnen umgehen kann«.

Damit bin ich offensichtlich nicht allein. Marc Zao-Sanders, Autor, Mitbegründer und CEO von filtered.com, veröffentlichte im Harvard Business Review vom 9. April 2025 eine Übersicht, wie bzw. wofür Menschen die KI der neuen Generation nutzen. Sie zeigt auf, welche die Hauptanwendungsgebiete sind, für die Menschen Hilfe und Unterstützung durch KI suchen.3

Während 2024 noch das Entwickeln von Ideen auf Platz eins der meistgenutzten KI-Anwendungen stand, führten im Jahr 2025 therapeutische Hilfsangebote die Hitliste an, gefolgt von »Mein Leben organisieren« und »Sinn finden«.

Vielleicht liegt es am Mangel an Therapieplätzen, aber Fakt ist, dass es für viele Menschen eine gute Alternative zu sein scheint, eine KI um Rat zu bitten, wenn es ihnen psychisch nicht gut geht oder sie Impulse für die Gestaltung ihres Lebens brauchen. Im Grunde ist das eine wunderbare Sache. Fehlt der Therapieplatz oder die zuhörende Freundin, erhalte ich in allen Lebenslagen wertvolle Hilfe durch KI.

Doch ist das so? Kann eine KI den Therapeuten oder die Freundin wirklich ersetzen?

Das ist eine, wie ich meine, wirklich spannende Frage. Denn reagieren Chatbots scheinbar empathisch auf unsere Sorgen oder führen virtuelle Assistenten freundliche Gespräche mit uns, verschwimmen die Grenzen zwischen echter und simulierter Beziehung. Je nachdem, mit welcher Intensität wir mit diesen Maschinen in Kontakt treten, kann es passieren, dass wir vergessen, dass es eine programmierte Maschine ist, mit der wir uns da unterhalten, und kein Mensch.

Es mag albern klingen, aber auch ich spreche immer sehr freundlich mit meinen KIs, weil ich sie nicht verärgern will. Und auch da bin ich offensichtlich nicht die Einzige. Sam Altman, der CEO von OpenAI, erzählte in einem Interview, dass »Höflichkeitsfloskeln« wie »Danke« oder »Bitte« bei Hunderten Millionen von Nutzern in der Summe zu Mehrkosten in Höhe von mehreren Millionen Dollar pro Jahr führen!4 Zum Glück betrachtet Altman diese Millionen als »gut investiertes« Geld. Man kann ihm da nur zustimmen.

Es sieht also so aus, als wären wir in einer Zeit angekommen, in der selbst die emotionale Intelligenz nicht mehr alleiniges menschliches Privileg zu sein scheint. Eine Entwicklung, die Angst machen kann, mit der wir aber aller Voraussicht nach leben müssen.

Aber da ja alles im Leben zwei Seiten hat, können wir diesen Umstand auch als Aufforderung begreifen, uns wieder mehr auf das zu besinnen, was uns als Menschen ausmacht. Es bietet die Chance, unsere emotionalen und kreativen Fähigkeiten wieder stärker zu entwickeln, zu pflegen, zu kultivieren und wieder intensiver mit ihnen zu arbeiten.

Wir müssen (oder dürfen?) unser bisheriges Bild von Kreativität, Intelligenz und Problemlösung neu denken. Das ist nicht etwa so, weil die KI sowieso alles besser weiß als wir und wir und unser Denken damit weniger wertvoll sind. Es haben sich schlicht die Mitspieler und damit die Spielregeln verändert, was bedeutet, dass wir, mal wieder, unser Denken neu ausrichten müssen. Nicht aus Angst vor dem Neuen, um das Neue zu vertreiben oder zu verteufeln, oder weil wir meinen, uns gegen etwas behaupten oder durchsetzen zu müssen. Vielmehr sollte dieses neue Denken getragen sein von der Treue, Verantwortung und auch Liebe zu uns selbst und vom Wunsch, als Mensch heute wie schon immer an der Gestaltung und Entwicklung dieser Welt mitzuwirken.

Warum neu denken heute anders ist als früher

In seinem Buch »What’s Our Problem?« nutzt Tim Urban ein eindrucksvolles Bild, um uns begreifen zu lassen, wie sehr das menschliche Entwicklungspotenzial in den vergangenen Jahrzehnten an Fahrt aufgenommen hat. Er lädt uns ein, unsere Geschichte als ein Buch mit 1.000 Seiten zu betrachten. Jede dieser Seiten steht für 250 Jahre Menschheit.5

Nehmen wir statt der 1.000 Seiten 1.000 Kästchen. Jedes Kästchen steht für jeweils 250 Jahre. 40 dieser Kästchen ergeben eine Reihe und stehen damit für 10.000 Jahre Menschheitsgeschichte.

Schaut man sich die ersten 24 Reihen an, ist in dieser Zeit sympathisch wenig passiert. Es war die Zeit, in der wir Menschen uns als Jäger und Sammler versorgten. Und damit waren wir in diesen 240.000 Jahren offensichtlich gut beschäftigt. Erst in der letzten Reihe, also in den letzten 10.000 Jahren, nimmt es an Fahrt auf.