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Nach ihren ersten beiden historischen Romanen „DER HEISTERKAMP“ und „VERLASSENES OSTPREUSSEN“ erscheint nun, wie sie selber sagt: „Etwas zum Schmunzeln für zwischendurch…“
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 47
Veröffentlichungsjahr: 2015
„Etwas zum Schmunzeln für zwischendurch…“
(Bemerkung der Autorin)
`Lecka Wuast´
Szenen einer Ehe
Begegnungen der dritten Art
Der Mann, das unbekannte Wesen
Absurditäten im Grünen
Kultur `mal anders
Historische Ereignisse
Wiedersehen macht Freude
`Smalltalk´ im Pott
Schnitzeltag
Nachbarschaftstreffen
Mit Bus und Bahn durchs Ruhrgebiet
Als umweltbewusste Hausfrau plagt mich das schlechte Gewissen, wenn ich an die Massen von Verpackungsmaterial denke, die wir täglich und schlimmer noch aufs Jahr gerechnet, verursachen. Die meisten unserer Müllberge entstehen aufgrund der im Supermarkt eingekauften Waren, vor allem Fleisch- und Wurstwaren, die in Folien, Papierchen und Plastik doppelt und dreifach verschweißt und vakuumverpackt sind. Hier setze ich an und deshalb kaufe ich seit geraumer Zeit einfach weniger und möglichst auch woanders.
Einmal pro Woche fahre ich jetzt zu einem Hofladen in idyllischer Umgebung, wo es eine Auswahl an gesunden und frischen Lebensmitteln gibt, die wir für eine ausgewogene Ernährung benötigen. Eier, Obst, Gemüse, es ist alles da und aus der hauseigenen Metzgerei kann ich diverse Wurst- und Fleischsorten beziehen, die nicht wesentlich teurer sind als beim Discounter, aber viel besser schmecken und außerdem wird die Ware in recyclebares Papier eingepackt.
Als ich bei meinem letzten Einkauf vor der gläsernen Theke stand und die Auslage betrachtete, sprach mich die dralle, rotwangige Fleischerei-Fachverkäuferin in gewohnter Weise an:
„Bitte schön?“
„Ich bekomme Fleischwurst, einen ganzen Ring.“
„Mit oder ohne?“
„Ohne, der Hund verträgt kein Knoblauch.“
„Sonst noch was?“
„Blutwurst, die ist mein Mann so gern und sie ist ja im Angebot.“
„Die Blutwurst?“ Die junge Fleischerei-Fachverkäuferin eilte zum Fenster, um zu sehen, was draußen auf der Tafel angeschrieben stand. Dann rief sie herüber: „Nein - Brühwurst ist im Angebot!“
„Ach so, da hab ich mich wohl vertan. Ich nehme trotzdem die Blutwurst - ungefähr ein Drittel von dem Ring da.“
Nun stand sie mir gegenüber, auf der anderen Seite der Theke, und mit einem Lächeln in ihrem hoch rot gefärbten Gesicht. Mit dem Fleischermesser nahm sie Maß, drückte es an einer beliebigen Stelle der Wurst herunter und schaute mich dann fragend an. Durch die Glasscheibe konnte ich auf ihre Hände sehen und stimmte zu:
„Ja, das ist ein Drittel, das ist o.k.“
Erst auf den zweiten Blick fiel mir auf, dass sie an ihrer rechten Hand, mit der sie mich bediente, einen blutigen Verband am Ringfinger trug. Mir verging sofort der Appetit. Schockiert über diese Zumutung, mich mit so einer Verletzung zu bedienen, suchte ich nach Worten, nein, vielmehr nach einer Lösung, wie ich mich aus dieser Misere heraus ziehen konnte. Mir war jetzt schon klar, dass ich diese Wurst niemals essen würde, aber hier lassen konnte ich sie ja auch nicht. Da ich nicht dazu neige, meiner Empörung lautstark Luft zu machen, was ich in dieser Situation aber gerne getan hätte, um ihr zu sagen, dass es ich es unmöglich finde mit so einer Verletzung am Finger mit Lebensmitteln rum zu hantieren, versuchte ich es auf meine freundliche Art:
„Sie sind ja verletzt! Haben sie sich etwa bei der Arbeit geschnitten?“
„Ja vorhin.“
„Und trotzdem bedienen sie hier noch?“
„Was soll ich machen? Bin ja ganz alleine hier. Gleich hab ich Feierabend und dann gehe ich direkt zum Arzt.“
Entsetzt schaute ich wieder auf ihren Finger, den sie abgespreizt in die Höhe hielt, um eine Berührung mit der Wurst zu vermeiden. Sie lächelte mich freundlich an und fragte erneut:
„Darf es sonst noch was sein?“
„Eh – ich weiß nicht.“ Eigentlich wusste ich schon, dass ich von ihr nichts mehr kaufen wollte, aber leider sah ich mich außerstande es ihr zu sagen. Nach einer kurzen Bedenkzeit stach mir noch der `magere Lachsschinken am Stück´ ins Auge, den ich eigentlich noch mitnehmen wollte und da ich nun einmal hier war, bestellte ich ihn kurzerhand. Kaum hatte ich meinen Wunsch geäußert, wurde mir klar, dass sie den Schinken mit der Maschine schneiden musste - auweia, mit einer Hand! Anfängliche Panik wich meiner Neugierde; ich war gespannt, wie sie das bewerkstelligen würde.
Die junge Frau verschwand mit dem Schinken nach hinten an die Schneidemaschine. In diesem Moment tauchte ihr Chef mit seinem rotwangigen, pickeligen Gesicht auf und versperrte mir die Sicht auf die arme Verkäuferin. Aus dem Hintergrund hörte ich sie sagen:
„Hoffentlich passiert mir das nicht nochmal. Heute Morgen habe ich die Maschine sauber gemacht und mich dabei an der Klinge geschnitten, obwohl sie still stand.“
Jetzt wurde mir übel. Ich malte mir das Malheur detailliert aus und hatte plötzlich ein ungutes Gefühl in der Magengegend.
„Sonst noch was?“ hörte ich sie von hinten fragen.
„Nein, das wär´s. Es reicht mir!“
Der Appetit war mir schon längst vergangen, nach der ausführlichen Schilderung ihres kleinen Unfalls verschlug es mir sogar für einen Moment die Sprache. Die Situation war so absurd, dass sich meine Empörung zwischenzeitlich in Ungläubigkeit verwandelte. Um auszutesten, ob ich das hier wirklich erlebte oder mir nur meine Phantasie einen Streich spielte, fragte ich zaghaft nach, ob bei ihrer Tätigkeit jetzt nicht ein Plastik-Überzieher sinnvoll wäre. Sie schüttelte mit dem Kopf und meinte lapidar, es wäre keiner mehr da gewesen. Ihr noch anwesender Chef zuckte nur mit den Schultern und verschwand wieder in der Wurstküche.
Dann gingen wir gemeinsam zur Kasse. Die Verletzte tippte mit abgehobenem Finger alles ein und verlangte mit freundlicher Miene: „Zehn Euro siebzig.“
Zum Glück konnte ich ihr das Geld abgezählt auf den Teller legen, damit sie keine Mühe hatte - so dachte ich. Sie aber nahm das Kleingeld in die Hand, zählte gewissenhaft nach, um es dann mit denselben Fingern in die Kasse zu legen, mit denen sie soeben noch die Wurst angefasst hatte. Freundlich reichte sie mir die beiden Tüten entgegen:
