Der alte Jusuf - Guido Hangartner - E-Book

Der alte Jusuf E-Book

Guido Hangartner

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Beschreibung

Warum bin ich hier? Warum lebe ich? Was hat mein Leben für eine Bedeutung? Haben Sie sich diese Fragen auch schon gestellt? Dann geht es Ihnen wie mir und abertausenden von anderen Menschen. Es sind die Fragen nach dem Sinn des Lebens ist. Wir bewundern berühmte Menschen und versuchen ihnen nachzueifern. Jeder Mensch möchte gerne im Mittelpunkt stehen und Anerkennung finden. Auch mir ging es nicht anders, bis ich auf den alten Jusuf stiess. Die Begegnungen mit ihm eröffnen eine ganz neue Seite des Lebens. Mehr noch: Ein völlig anderes Lebenskonzept. Lassen Sie sich von ihm begeistern und in eine Denkweise einführen, die heute nur noch sehr selten zu finden ist.

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Seitenzahl: 114

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Inhalt

Einleitung

Kapitel 1 – Der alte Jusuf und die Heiligen

Kapitel 2 – Der alte Jusuf und die heilige Messe

Kapitel 3 – Der alte Jusuf und das Wiedersehen

Kapitel 4 – Der alte Jusuf und die elf Gebote

Kapitel 5 – Der alte Jusuf und das Credo

Apostolisches Glaubensbekenntnis

Nicaenoconstantinopolitanisches Symbolum

Kapitel 6 – Der alte Jusuf und die Sakramente

Kapitel 7 – Der alte Jusuf und die Dämonen

Kapitel 8 – Der alte Jusuf und die Leiter zum Himmel

Kapitel 9 – Der alte Jusuf und die Rüstung Gottes

Kapitel 10 – Der alte Jusuf und die Sünde

Kapitel 11 – Der alte Jusuf und die Endzeit

Schlusswort

Einleitung

Liebe Freunde, ich möchte euch teilhaben lassen an meinen Erlebnissen mit dem alten Jusuf. Ich möchte vorausschicken, dass ich in meinem Leben recht weit herumgekommen bin. Auf einer meiner Reisen lernte ich den alten Jusuf kennen. Wie alt er war weiss ich nicht. Ich möchte es so beschreiben: Sein Gesicht war so voller Altersfalten, dass ich dachte, es hat bestimmt keine weitere mehr Platz. Er hatte nur eine minimale Bildung und hat sein Leben lang auf dem Felde gearbeitet, was seine gebräunte ledrige Haut erklärte und seine Hände waren gross wie Teller. Wann genau ich ihn kennenlernte, weiss ich nicht mehr und wo es war ist nicht von Bedeutung.

Jusuf begeistert nun auch nicht durch sein Aussehen oder seine Eloquenz, sondern vielmehr durch seine überaus tiefe Weisheit, die aus seiner Lebenserfahrung und seinem Glauben herrührt. Einige mögen ihn für naiv halten, andere für einen Spinner, der im Leben eben nichts erreicht hat. Doch gerade an diesem Punkt bin ich mir nicht sicher, ob er wirklich nichts erreicht hat. Vielleicht hat gerade er mehr erreicht als ich selber oder viele von uns. Er hat einen Grad an Weisheit erlangt, der nicht in Schulbüchern zu finden ist und den kein Professor an einer Universität vermittelt.

Wenn Sie nun mit mir zusammen diesem bescheidenen alten Mann quasi lauschen, dann werden sie bald erkennen, dass da mehr daraus herauszuholen ist, als nur ein amüsiertes befriedigen von Neugierde. Im Laufe der Jahre fuhr ich mehrfach zu ihm und verbrachte in seinem Ort meinen Urlaub, so kamen einige interessante Gespräche zusammen. Einige seien hier aufgeführt.

Diese Begegnungen gilt es im Übrigen nicht zu diskutieren oder zu kommentieren, sondern nur zu reflektieren. Mich haben sie jedenfalls nachhaltig geprägt und das wünsche ich ihnen von ganzem Herzen.

GH.

Kapitel 1 – Der alte Jusuf und die Heiligen

Eines Tages besuchte ich auf einer Reise eine kleine Kirche. In ihr waren viele Heiligenbilder und Statuen und ein lebensgrosses Kreuz mit Korpus. Für diese kleine Kirche fast zu gross. Ich schlich mich gleichsam in die Kirche und setzte mich ganz hinten in eine Bank. Um ehrlich zu sein, interessierte mich die Architektur und die Kunst fast mehr, als die Tatsache, dass es eine Kirche war. Ein alter Mann stand gerade vor einer Statue des Apostels Paulus. Er betete dort inständig, so konzentriert, dass er mich nicht bemerkte. Mit der Zeit begann ich ihm ganz fasziniert zuzuschauen. Nach einer Weile wechselte er auf die andere Seite zu einer Statue des Apostels Thomas. Auch dort verharrte er länger im Gebet. Schliesslich ging er nach vorne, begab sich hinter den Altar und stieg eine kleine Treppe empor und er begann die Christusfigur zärtlich zu streicheln. Er berührte mit seinen grossen Händen in feiner Weise die geschnitzten Wunden an dessen Füssen, dann die an den Händen und schliesslich die Herzwunde. Zu guter Letzt umarmte er die Figur und drückte seine ledrige Stirn so sehr gegen die Dornenkrone, dass er selber Bluttropfen vergoss. Nun, ich war gelinde gesagt verwundert und fasziniert zugleich über diese Form der Frömmigkeit. Es fiel mir schwer, nicht innerlich zu urteilen. Ich dachte so im Stillen: Ein interessantes Beispiel an fragwürdiger Volksfrömmigkeit.

Als der alte Mann dann die Stufen vom Kreuz herunterstieg, bemerkte er mich und ich konnte an seinem gerade noch strahlenden Gesicht erkennen, wie es in eine Art Scham wechselte und ich fühlte, dass es ihm unangenehm war, beobachtet worden zu sein. In diesem Augenblick fühlte ich mich wie ein Voyeur und schämte mich, diesen intimen Zeitabschnitt 'begafft' zu haben. Der alte Mann kam nun mit festem Schritt und ernstem Blick, wenngleich freundlich auf mich zu und sprach mich an. Nun, ich verstand kein Wort, denn er redete in der Landessprache. Verlegen sagte ich ihm, dass ich nur Deutsch verstehe. Seine dunklen Augen durchbohrten mich beinahe und es trat eine unheimliche Stille ein. Nach einigen Sekunden sagte er ganz gefasst in perfektem Deutsch: "So, dann werden sie Mühe haben, zu verstehen, was sie gerade gesehen haben." Ich fühlte mich völlig entwaffnet. Ich weiss nicht mehr, ob ich zuerst sagte: "Sie haben Recht." oder ihn fragte: "Woher sprechen sie Deutsch?"

Der Alte meinte dann mit sanfterer Stimme, und ich glaubte ein Lächeln erkennen zu können, es sei besser draussen zu sprechen, dies sei schliesslich eine Kirche. Neugierig folgte ich ihm nach draussen und er sagte zu mir: "Setzen wir uns hier auf die Bank vor der Kirche." Dies taten wir. Dann sagte er mir: "Ich bin Jusuf, wer sind sie?" So stellte auch ich mich vor. Dann meinte er: "Was haben sie für Fragen? Denn wer in eine Kirche geht, hat immer Fragen." Nun, ich wollte nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen und fragte ihn daher: "Woher sprechen sie so gut Deutsch?" Er lächelte nun sichtlich erkennbar und meinte: "Das sind zwar sicherlich nicht ihre Fragen, aber die deutsche Höflichkeit verlangt das anscheinend wieder."

Jusuf erzählte mir in wenigen Sätzen, dass er während des Krieges in Deutschland war und dort Deutsch lernte und auch lernte, wie grausam die Menschen sein können. Schliesslich sei es ihm gelungen in seine Heimat zurückzukehren. Wie und warum er nach Deutschland verschleppt worden sei, sei heute nicht mehr wichtig. Ich wollte nicht weiter eindringen, denn dies schien mir Warnung genug, nicht weiter in diesem Themenbereich zu Bohren. Da ich seine erste Äusserung so interpretierte, als ob er direkte offene Fragen mehr mochte, als höfliches oberflächliches Gespräch, riskierte ich es einfach und ich fragte: "Warum beten sie dieses Schnitzwerk an?" Seine Augen begannen wieder zu leuchten und er lächelte freundlich und entgegnete: "So ist es besser, wer nicht direkt fragt, bekommt auch keine direkten Antworten." Nach einer kleinen Atempause sagte er mir: "Sie denken zu Deutsch. Ich bete diese Figuren nicht an. Das wäre Götzendienst." So schnell liess ich mich jedoch nicht kaltstellen. Also entgegnete ich ihm: "Dann beten sie diese Heiligen an, denn das sind sie doch, oder?" "Nein und Nein und Ja" meinte er. Nun war ich noch mehr verdutzt. Er meinte: "Nein, ich bete sie nicht an, dann hätte ich andere Götter neben Gott. Und, Nein, das sind keine Heiligen, das sind Statuen und Ja, die, welche sie darstellen sind Heilige." Mein analytischer Verstand war damit irgendwie nicht konform und so meinte ich: "Das müssen sie mir jetzt erklären." Dann wurde er etwas traurig und fragte mich: "Sie können doch bestimmt gut lesen, oder?" Ich verstand den Zusammenhang zwar nicht, doch bejahte ich seine Frage. Darauf erklärte er mir: "Sehen sie, ich kann es nicht. Unter den Deutschen konnte ich nicht zur Schule und musste immer arbeiten, dann kam ich nach Hause und kämpfte ums Überleben, arbeitete und hatte keine Zeit zum Lesen und Schreiben lernen. Immer wenn ich ein Buch sehe, schmerzt mich das noch heute. So schaue ich den Menschen zu, wie sie die kleinen Bildchen, die ihr Gescheiten, Buchstaben nennt, anschauen und sie fast anbetet. Ich staune, mit welcher Ehrfurcht ihr die Bibel, diese vielen kleinen Bildchen, verehrt. Ich kann diese Bildchen nicht lesen. Ihr könnt es und verehrt sie. Diese Statuen sind meine Schrift, doch ihr könnt diese nicht lesen und werft mir dann vor, dass ich sie anbete, nur, weil ihr sie nicht lesen könnt. Diese Statuen sind die einzige Schrift, die ich lesen kann und ich wünschte mir, ihr würdet es auch etwas lernen, dann würdet ihr mich weniger verurteilen. Zugegeben, meine Buchstaben sind grösser als eure, doch beinhalten sie das Gleiche wie eure kleinen Buchstaben, die ihr ohne hinterfragen verehrt." Diese Antwort hatte ich nicht erwartet. Da war ein alter Mann, der nicht lesen und schreiben konnte und es gelang ihm mich zu öffnen. Ich dachte darüber nach, wie oft ich die Bibel schon an mein Herz gedrückt hatte und sie verehrte und erkannte nie, dass diese Statuen für einfache Herzen auch nichts anderes sind, als ein Teil der Bibel in deren Buchstaben geschrieben.

Es dauerte jedoch nur Sekunden und mich holte wieder meine Skepsis ein und ich fragte ihn: "Aber solch innige Heiligenverehrung? Für Menschen die tot sind? Und Totenbeschwörung ist doch auch Sünde." Zu meinem Erstaunen sagte er: "Nicht nur eine Sünde, eine grosse sogar. Doch hast du gesehen, dass ein Toter kam?" Von diesem Moment an waren wir einfach per 'Du'. Ich meinte, nein, ich sah nur eine Statue." Er antwortete, nein, du sahst weiterhin meine Buchstaben die ich lesen kann, genauso, wie du die deinen Buchstaben in der Bibel siehst, wenn du sie liest. Ich habe jedenfalls noch bei keinem der Klugen aus seiner Bibel einen Toten entsteigen sehen. Du etwa?" Ich musste plötzlich lachen und dachte, das wäre mal ein Film, dann verneinte ich es. Nun ging Jusuf in die Offensive und fragte "Hast du ein Problem mit Heiligenverehrung?" Ich war verdutzt über diese Kehrtwende und gab zur Antwort: "Zumindest kenne ich viele, die damit ein Problem haben." Er fragte mich: "Hast du mich bei Paulus schon gesehen?" "Ja." Sagte ich. Er meinte: "Ich liebe Paulus sehr, genauso wie Thomas. Weisst du, Christus hat uns Erlöst. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Von ihm kann ich alles lernen, was ich brauche, um zum Himmel zu kommen. Von ihm kann ich sogar lernen, die Sünde zu meiden. Aber es gelingt mir persönlich nicht, von ihm zu lernen, wie ich mich verändern soll, wenn ich gesündigt habe. Und weisst du warum? Weil Jesus keine Sünde hatte. Ich habe sie jedoch und habe viele in meinem Leben begangen. Ich kann sie Jesus jeden Tag übergeben, doch wie geht der Weg der Besserung? Das lerne ich von den Heiligen. Sie waren allesamt Sünder. Paulus und Thomas in fast gleicher Weise wie ich. Schau, an Jesus kann ich keine Veränderung erkennen, er ist derselbe Gestern, Heute und Morgen; ohne Sünde, ohne Notwendigkeit sich zu bessern. Paulus aber und Thomas; an ihnen erkenne ich Veränderung auf dem Weg zur Heiligkeit. Paulus bezeichnet alle Christen als Heilige. Doch nicht jeder ist ein Vorbild für mich. Die Kirche hat immer wieder einige dieser Menschen als Heilige erklärt, sprich als Vorbilder auf dem Weg zur Heiligkeit. Oder glaubst du allen Ernstes das Märchen, das Saulus durch seine Bekehrung vom Saulus zum Paulus sofort ein Heiliger wurde?" Ich antwortete ihm: "Das dachte ich, ja." Er grinste verschmitzt und meinte: "Du verstehst ja nicht einmal deine eigenen Buchstaben, wie willst du denn meine verstehen." Ich musste lachen und retournierte: "Du wirst es mir gleich beibringen."

Er meinte: "Ich kann es versuchen. Saulus war ein stolzer Mann, er war bei der Ermordung von Christen dabei. Auch ich war bei der Ermordung von Menschen anwesend. Jesus schenkte ihm die Bekehrung, aber nicht die Demut, die musste er selber lernen. Paulus warf dem Petrus Heuchelei im Umgang mit den Juden vor, weil Petrus sich von den Heiden beim Essen zurückzog (Gal 2,1112). Kurze Zeit später musste Paulus sich selbst ertappen, dass er noch ein viel der grössere Heuchler war, als er Timotheus um der Juden willen beschneiden liess (Apg 16,3). Oh, wie hat Gott ihn gedemütigt für seine stolze Attacke auf Petrus. Auch ich beschuldigte andere, nur um mich selbst kurze Zeit später in schwerer Sünde zu finden. Beide, Petrus und Paulus mussten die Demut so weit lernen, bis sie alles verloren. Petrus hing kopfüber am Kreuz und Paulus verlor sprichwörtlich seinen Kopf bei seiner Enthauptung. Auch ich habe in meinem Leben alles verloren und werde letztlich auch meinen Leib verlieren im Tode, wie Paulus und Petrus. Oder Thomas, der Zweifler. Er konnte erst Glauben als er die Wunden Christi berührte. Er fand dadurch den Mut am weitesten von allen Aposteln zu Reisen und zu predigen, bis nach Indien. Frag die Christen dort, wer ihnen das Evangelium brachte. Sie werden es dir sagen. Sie waren schon vor den Portugiesen und den Engländern Christen und bezeugen bis auf den heutigen Tag, dass Thomas sie lehrte. Doch auch er verlor alles und wurde erstochen. Der grösste Zweifler ging am Weitesten für Jesu. Im Krieg verlor auch ich meinen Glauben und fand ihn erst wieder bei der Pflege der Wunden von Freunden. So berühre ich heute jeden