Beschreibung

»Man kann Der amerikanische Investor einfach als herrliche Kiezgeschichte lesen, die mit leicht absurden Einfällen und Spott dem eigenen Erzähler gegenüber, der Bremer recht ähnlich scheint, nicht spart. Man kann sie aber auch verstehen als grundsätzlichen, exakt beobachteten Text über die Schwierigkeiten als Tagträumer, Vater, Ehemann und freischaffender Autor am Rande des Prekariats.« Spiegel online

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JAN PETER BREMER

DERAMERIKANISCHEINVESTOR

Roman

BERLIN VERLAG

Meiner Straße

Der Streit letzte Nacht war heftig gewesen, und als seine Frau am Morgen die Wohnung verlassen hatte, lag er noch wie betäubt in seinem Bett. Nicht einmal ihre morgendlich schweren Schritte hatte er vernommen. Vermutlich war es die seit Wochen anhaltende Hitze, die ihn erschöpfte. Oder hatte ihn dieser Streit doch stärker angegriffen?

Er sah auf die weiße Wand, vor der sein Tisch stand. So schlimm war dieser Streit gar nicht gewesen und auf keinen Fall würde dieser Streit ihn davon abhalten können, sich gleich, mit gesammelter Kraft, in die Arbeit zu stürzen.

Er nickte und schloss die Augen. Den Kopf willensstark nach vorn gestreckt, geduckt, die braungebrannten Füße wie auf das Brett geklebt, so würde er heute mit dem Stift über die Seiten seines Notizbuches reiten, ein Surfer mit stahlblauen Augen in stetem Wirbel zwischen Himmel und Meer.

Wieder sah er auf die nackte Wand. Hatte er dieses Bild nicht schon gestern zur gleichen Stunde vor Augen gehabt und handelte es sich bei diesem Bild nicht sogar um eines der Fotobildchen, die sich sein Sohn vor kurzem aus einer Zeitschrift ausgeschnitten und mit Tesafilm über seinem Bett angebracht hatte? Das gelbe Surfbrett, der straffe und kräftige Körper, die wilde, vom Salzwasser verklebte blonde Mähne.

Er sah auf sein Notizbuch hinab. Heute war nicht gestern. Heute war ein anderer Tag. Heute hatte er doch bereits einen Satz im Kopf gehabt, den er sich unbedingt notieren wollte. Einen fassbaren Satz, der einen tiefen Eindruck in ihm hinterlassen hatte. Nur, wo war dieser Satz jetzt hin und was wurde in ihm erörtert? Hatte er diesen Satz selbst, aus eigener Kraft, geformt oder hatte er ihn aus einem fremden Mund empfangen?