Viola Kern arbeitet in einer Boutique, in der ihre Freundin Bruni Lose Geschäftsführerin ist. Viola lässt sich die Karten legen und das hat ungeahnte Folgen. Mysteriöse Dinge gehen vor, die sie beunruhigen. Dass man ihr nach dem Leben trachtet, hätte sie sich nie gedacht und bringt sie vollends aus der Fassung. Was will der Mann, der täglich vor ihrem Haus steht?
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Seitenzahl: 138
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Silke May
Der angekündigte Tod
München-Krimi
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Impressum neobooks
Etwas komisch war sie schon, ihre neue Arbeitskollegin und dennoch sympathisch. Viola Kern beobachtete Rabea während sie Blusen auf den Bügel hing. Mit ihren langen schwarzen Haaren, die zu einem Pferdeschwanz gebunden waren, stand das dünne, blasse Mädchen, neben dem Blusenständer und füllte diesen auf. Rabea Far war klein und zierlich, sie sah ziemlich gebrechlich aus. Viola hingegen war das pure Gegenteil, sie war groß mit schönen weiblichen Kurven. Sie trug ihr rotes Haar kurz, im Pagenschnitt.
Viola schmunzelte vor sich hin, als Rabea zwischen den hohen Kleiderständern förmlich verschwand.
»Wo ist die kleine Far?«, fragte Bruni Lose, die soeben aus dem Büro kam und die Neue vermisste.
Bruni Lose war die Geschäftsführerin der Boutique-NM, das für Nick Moor dem Inhaber stand. Sie war etwas kleiner als Viola, hatte schulterlanges welliges blondes Haar und ihr Körper war durchtrainiert. Bruni ging im Gegensatz zu ihrer Freundin Viola dreimal wöchentlich zum Fitnesstraining, während Viola hingegen es sich nur einmal die Woche abringen konnte.
Plötzlich bewegte sich der Kleiderständer und Rabea‘s Kopf erschien.
»Hier bin ich!«
»Ach da sind sie ja! Meine Güte, hinter den hohen Ständern sieht man Sie ja überhaupt nicht.« Sie sah zu ihrer Freundin, die hinter dem Tresen stand und Pullover zusammenlegte.
»Viola … machst du die Ständer? Rabea soll dann am Tresen deine Pullover weiter zusammenlegen! Die Kleine verschwindet ja hinter den Ständern.«
Viola war von dieser Anordnung nicht unbedingt begeistert, denn sie bekam von diesen Metallständern, bei deren Berührung, immer einen statischen Schlag.
Beide Frauen wechselten ihre Positionen und arbeiteten wortlos weiter, bis eine Kundin eintrat und Viola sich sofort ihrer annahm.
Der Arbeitstag ging ziemlich schnell vorbei und Rabea lud im Laden auf ein Glas Sekt zum Einstand ein. Sie prosteten sich zu und unterhielten sich sehr angeregt. Sie scherzten und lachten miteinander, bis Bruni Lose zum Aufbruch aufforderte.
»Ich denke wir machen jetzt Schluss, in einer Viertelstunde kommt der Boss, um die Abrechnung zu kontrollieren und den Tagesumsatz abzuholen.«
»Treffen wir uns später im Fitnesscenter?«, wurde Viola von ihrer Freundin gefragt. Viola überlegte kurz, dann zuckte sie mit den Achseln. »Ich weiß nicht … vielleicht, besonders Lust hab ich nicht.«
»Wenn es nach deiner Lust geht, dann zahlst du deinen jährlichen Beitrag umsonst. Also du kommst …, Basta.«
»Nur weil dir daheim langweilig ist, muss ich mich mit dir Abrackern«, brummte Viola vor sich hin.
»Mecker nicht, schließlich gehst du sowieso bloß einmal in der Woche zum Training und das ist dann eben heute.«
»Okay, wenn es sein muss.«
»Ja, es muss sein.«
Rabea sah zwischen beiden Frauen hin und her. »Ich gehe dann …, bis Morgen tschüss!«
»Servus Rabea, wie schaut es aus, gehst du morgen Abend, mit uns in unser Stammlokal „Roma“?, fragte Viola.
»Sehr gerne, das Roma kenne ich, die Pizzen schmecken dort himmlisch.« »Super!«, gab Viola freudig von sich, bevor sie hinter Rabea die Ladentür schloss. »Du kannst schon mal vorgehen, ich komme dann ins Fitnesscenter gleich nach.« Viola sah Bruni fragend an. Wieso vorgehen, ich warte hier, das kann doch nicht solang dauern?«
»Ich möchte aber, dass du vorausgehst, schließlich haben wir noch wegen Rabea etwas zu besprechen und das geht schlecht in deiner Anwesenheit.«
»Meine Güte, was ist das für eine Geheimniskrämerei?«
»Es gibt Dinge, die gehen nur den Chef und mich etwas an, dafür musst du Verständnis haben.«
Viola ging nach dieser Aussage in den Aufenthaltsraum und holte ihre Tasche.
»Also, dann hol ich jetzt von zu Hause meine Fitnesstasche. Wir sehen uns dann später im Center!«, rief sie Bruni zu und verließ das Geschäft.
Während sie an der Ampel wartete, bis diese Grün wurde, sah sie Nick Moor in seinem gelben Cabrio vorfahren. Als er sie sah, winkte er ihr zu und Viola erwiderte mit Handzeichen seinen Gruß.
Toll sieht er schon aus, mit dem würde ich auch lieber allein sein, da kann ich Bruni schon verstehen, dachte sie, während sie die Straße überquerte. Sie hatte schon seit Wochen das Gefühl, dass zwischen den beiden etwas lief.
Daheim angekommen, schlüpfte sie schnell in bequemere Kleidung und verließ gleich wieder das Haus.
Im Fitnesscenter wurde sie von einigen Stammgästen mit einem fröhlichen Hallo begrüßt.
»Wo hast du deine Freundin gelassen?«, fragte Klaus, ihr personell Trainer.
»Bruni muss noch im Laden bleiben, weil der Chef kommt.«
»Aha …, nun gut, dann fangen wir zwei schon einmal allein an«, gab dieser schmunzelnd von sich.
»Also los geht’s mit dem Warm-up.«
Viola folgte Klaus in den Fitnessraum. Dort warf sie ihre Tasche neben die Bank, die an der Wand stand.
»Strecken …, beugen …, strecken und beugen, weiter so und hopp!«
Während Viola bereits ihren Körper auf das Training vorbereitete, hatte Bruni ihrem Chef und Liebhaber die Umsätze gezeigt. Nick Moor sah sich die Umsatzlisten genau an und verglich sie mit den Vorjahreszahlen.
»Die Umsätze müssen aber noch steigen, so können sie nicht bleiben. Schließlich hab ich eine zusätzliche Kraft für dich eingestellt und die muss sich Rechnen, verstanden? Wie macht sich Rabea Far überhaupt, sie hatte doch heute ihren ersten Arbeitstag.«
Bruni Lose schloss die Mappe mit den Umsätzen.
»Die macht sich bis jetzt ganz gut, hoffentlich bleibt es so. Okay und jetzt schieb mal deinen Chef zur Tür hinaus und küss mich«, antwortete Bruni, was sich der blonde Mittdreißiger nicht zweimal sagen ließ. Er umschloss Bruni mit den Armen und küsste sie.
»Übrigens, Viola Kern ist eine sehr adrette Frau«, erwähnte Nick nebenbei.
»Findest du? Na ja, etwas Besonderes ist sie nicht gerade. Sie hat meines erachtens zu starke weibliche Kurven, aber sie ist meine Freundin und ich mag sie.«
»Das ist die Hauptsache. Übrigens finde ich gerade ihr Kurven schön. Hast du heute schon was vor?« Bruni sah Nick überrascht an.
»Ich treffe mich mit Viola im Fitnesscenter, warum?«
»Ansonsten hätte ich dich zum Essen eingeladen und anschließend hätten wir noch einen romantischen Abend verbringen können.«
»Hättest du mir vor einer halben Stunde Bescheid gegeben, aber jetzt habe ich Viola bereits zur Fitness gedrängt und sie reißt mir den Kopf ab, wenn ich jetzt nicht erscheine!«
»Okay, dann nicht. Wie wär es mit Morgen?«
»Abgemacht …, um halb Acht beim Inder?« Nick Moor nickte und gab ihr einen flüchtigen Kuss.
»Bis morgen Abend und sei pünktlich.« Während Bruni bestätigte waren ihre Gedanken bereits beim morgigen Abend.
Wie soll ich das wieder nur Viola beibringen. Schließlich habe ich schon für morgen Abend mit ihr und der Neuen, ein Abendessen im Roma ausgemacht …, dachte sie.
Viola hatte ihr Warm-up hinter sich gebracht und arbeitete bereits am Beinstrecker, als Bruni abgehetzt den Saal betrat. Mit den Armen fuchtelnd ging sie schnellen Schrittes auf Viola zu. »Sorry, es hat leider etwas länger gedauert«, rief sie ihrer Freundin entgegen.
»Ich hätte dich gekillt, wenn du nicht gekommen wärst! Jetzt zieh dich schnell um und dann startest du gleich durch, denn spätestens in einer Stunde möchte ich heim gehen.«
Bereits nach kurzer Zeit nahm Bruni Lose an dem Bauchtrainer der neben Violas Gerät stand Platz und fing mit dem Training an.
»Ohne Warm-up …, du traust dich was.«
»Ich hab einen durchtrainierten Körper, was soll da schon passieren?« »Wenn du Pech hast, holst du dir eine Zerrung oder einen Muskelfaserriss.«
»Dann heb mir die Daumen, dass es nicht passiert. Gehen wir hernach noch etwas Essen?«
Viola sah ihre Freundin prüfend an.
»Anscheinend war der Tag für dich nicht anstrengend genug? Ich möchte hernach nur noch heim und ins Bett.«
»Meine Damen, ihr sollt richtig Atmen und nicht andauernd ratschen«, sagte Klaus ihr Trainer, der sich ihnen genähert hatte. Er verweilte kurze Zeit bei ihnen und gab ihnen kleine Tipps, wie sie ihre Körper unter Kontrolle halten können.
Inzwischen war es mit dem Training später geworden, als sich Viola vorgenommen hatte. Sie stieg vom Bauchtrainer, nachdem sie mit Bruni das Trainingsgerät gewechselt hatte.
»So jetzt ist Schluss, ich mag nicht mehr.« Beide Frauen gingen unter die Dusche und verließen bald darauf das Fitnesscenter.
»Ich bring dich heim oder bist du mit dem Wagen da?«, fragte Bruni. »Nein, ich bin gejoggt.«
Beide stiegen in das Auto von Bruni und fuhren schweigend, die kurze Strecke bis zu Violas Wohnung.
Viola stieg vor ihrem Haus aus und verabschiedete sich von ihrer Freundin, sie betrat ihre Wohnung im Erdgeschoß, aß noch eine Kleinigkeit und ging dann anschließend ins Bett.
Der nächste Tag brachte ihnen viel Arbeit im Geschäft und sie sehnten den gemütlichen Abend in ihrem Stammlokal herbei. Während Rabea und Viola gemeinsam den letzten Karton auspackten, verschwand Bruni im Büro.
»Geschafft, das war heute ein harter Tag. Ich dachte schon, dass wir die ganze Ware nicht unterkriegen.«
»Tja, wir sind halt einfach Genies, ich geh nur noch kurz mir den Schweiß von der Stirn waschen«, gab Rabea lachend von sich und ging zur Toilette. In diesem Moment kam Bruni in den Geschäftsraum zurück.
»Ich muss euch enttäuschen, leider kann ich nicht mitkommen, denn der Boss kommt noch einmal.«
»Schade, aber du kannst ja später nachkommen«, sagte Viola. Bruni zuckte mit den Achseln. »Mal schaun.«
Rabea und Viola verließen das Geschäft und Bruni sperrte die Ladentür hinter ihnen zu.
»Kommt Frau Lose doch nicht mit?«
»Nein, der Boss kommt unerwartet heute noch einmal, sie kommt eventuell später nach. Wir lassen uns den Abend aber nicht vermiesen, uns schmeckt das Essen auch ohne sie.«
»Macht ihr eure Abrechnungen nicht über den Computer?«
»Doch, aber seit Herr Moor eine ganze Jahresabrechnung durch einen Computerdefekt verloren hatte, macht er es zusätzlich auf Altmodisch, in schriftlicher Form. Und dann kommt er regelmäßig zwecks Abgleich.«
»Das war aber auch ein Pech, oder?«, gab Rabea verständnisvoll von sich. »Vor allem ist es doppelte Arbeit, denn er braucht es natürlich im Computer, wegen der Vorausplanung und den Bestellungen.«
Sie stieg mit Viola in dessen Auto ein und sie fuhren los.
»Ich stell den Wagen bei mir daheim ab, von dort sind es nur zehn Minuten Fußweg, dann kann ich auch einen Wein trinken.«
»Das ist gut, du bist eine verantwortungsbewusste Frau«, wurde sie von Rabea gelobt.
Im Restaurant angekommen, bestellten sie sich zuerst den Wein und prosteten sich zu. Nachdem sie beide ihre Pizza ausgesucht hatten unterhielten sie sich sehr gut miteinander.
Rabea erzählte, dass ihr Mutter eine Kartenlegerin ist und auch aus der Hand lesen kann.
»Wow, das finde ich ja Krass. Ob sie mir auch einmal die Karten legt und aus der Hand liest? Gegen Bezahlung natürlich.«
»Bestimmt …, weißt du was, so wie ich es in Erinnerung habe, hat sich für morgen Abend niemand angemeldet. Wie wäre es dann mit dir? Ich würde sie dann gleich anrufen, damit sie dich in ihren Terminkalender einträgt.« »Das wäre toll, denn ich hab schon soviel darüber gelesen, jedoch hatte ich noch nie die Möglichkeit in Betracht gezogen.«
»Warum nicht?«
»Weil ich eigentlich nicht zu fremden Personen in die Wohnung gehe und zu mir in die Wohnung das geht schon gar nicht. Aber jetzt ist es etwas anderes, schließlich arbeiten wir ja zusammen im gleichen Geschäft.« »Weißt du was …, das freut mich jetzt, wir könnten sicherlich echte Freundinnen werden«, gab Rabea von sich.
»Was heißt hier werden … wir sind Freundinnen. Auf unsere Freundschaft«, Viola erhob das Glas und sie stießen auf ihr Freundschaft an.
Der Ober näherte sich mit ihren Pizzen, »Pizza de Mare?«, fragte er und Rabea signalisierte, dieses sei ihre Bestellung. Der Ober bestätigte und stellte sie vor Rabea auf den Tisch.
»Dann ist für die andere junge Frau, die Pizza Diavola mit Mozzarella, scharfe Salami, Peperoni und schwarze Oliven,buon appetito insieme.« Beide Frauen bedankten sich und aßen genüsslich ihre Pizzen.
»Seit wann arbeitest du schon im „NM“?«
»Ich arbeite bereits seit drei Jahren dort, die Inhaberin war bis vor einem halben Jahr seine Mutter. Dann hat der Sohn von Frau Moor das Geschäft übernommen.«
»Ist er nett? Wie sieht er aus?«
»Ob er nett ist, weiß ich nicht. Bisher hatte ich nur wenig Kontakt mit ihm und da war er freundlich und was sein Aussehen angeht, das ist toll. Ich hab ihn gestern erst wieder gesehen. Er scheint mir etwas schüchtern zu sein, denn ich hätte den Eindruck, dass er Frauen so gut wie möglich aus dem Weg geht.«
»Ha, das passt ja … eine Boutique mit Frauen als Angestellte und dann Frauen gegenüber schüchtern sein, das ist ja Super!«, über Rabeas Aussage mussten beide lauthals lachen. Beide Frauen unterhielten sich angeregt und verbrachten noch einen sehr angenehmen Abend zusammen. Bis sie zur späten Stunde das Lokal verließen und Viola ihre neue Freundin, daheim vor der Haustür absetzte.
»Tschau, Viola und danke fürs heimbringen.«
»Nichts zu danken, tschau Rabea bis Morgen.«
Vor sich hin gähnend lenkte Viola ihr Auto heimwärts, dort angekommen legte sie sich sehr bald Schlafen.
Den ganzen Tag über hatte Viola schon an den bevorstehenden Abend gedacht. Je näher der Abend rückte, umso aufgeregter wurde sie.
»Viola …, gehen wir heute Abend zum Pizza essen?«, fragte Bruni.
»Du …, das geht heut nicht, denn ich hab schon etwas vor.«
Bruni sah ihre Freundin fragend an.
»Schau mich nicht so an, ich hab tatsächlich schon etwas vor … ich hab, nämlich einen Termin.«
»Was für einen Termin? Einen Arzttermin?«
»Nein, einfach einen Termin.«
Viola wollte vermeiden das Bruni erfuhr, dass sie zu einer Kartenlegerin ging. Sie kannte ihre Freundin und dessen Einstellung dazu.
»Welche Termine gibt es schon am Abend, außer in einer Praxis und das auch sehr selten?«
Viola sah ihre Freundin genervt an.
»Meine Güte, ich hab einfach einen Termin und jetzt lass mich in Ruhe!« »Das muss ja schon ein sehr eigenartiger Termin sein, dass du ihn mir gegenüber sogar verschweigst«, gab Bruni beleidigt von sich und ging sogleich ins Büro, dabei knallte sie die Tür hinter sich ins Schloss.
»Aber hallo was geht hier denn ab? Was hat sie denn?«, fragte Rabea, die soeben aus dem Aufenthaltsraum, den Verkaufsraum betrat.
»Ach, sie ist nur beleidigt, weil ich ihr nicht erzählt hab, was ich heut Abend vorhab.«
»Warum sagst du es ihr nicht?«
»Weil ich ihre Einstellung gegenüber Handleser und Kartenleger kenne. Sie würde mir den ganzen Tag über bis zum Abend in den Ohren liegen, dass ich nicht hingehen sollte.«
»Sind ihr Kartenleger unheimlich?«
»Nein, das ist für sie Hokuspokus und was sie nicht kennt, das gibt es auch nicht.« Rabea zuckte die Schultern.
»Nun ja, da entgeht ihr etwas Besonderes. Meine Mutter ist eine sehr gute Kartenlegerin. Sie hat mir zum Beispiel vorhergesagt, dass ich mit zwei Frauen zusammen arbeiten werde und eine davon meine Freundin wird. Und wie du siehst, ist das schon einmal eingetroffen.«
»Was hat sie dir noch gesagt?« Rabea schwieg. Viola stupste ihre Freundin an. »Jetzt sag schon.«
»Dass ich einen gutaussehenden Chef bekomme, der mir allerdings nicht besonders gut gesonnen sein wird.«
»Ach so ein Quatsch, der Herr Moor ist sicher schwer in Ordnung, warum soll er gegen dich etwas haben?«
»Ich weiß es nicht, meine Mutter sagte es mir nicht. Sie fand sowieso, dass sie mir schon viel zu viel verraten hat.«
Bruni Lose betrat den Verkaufsraum und sah Viola grimmig an.
»Frau Kern, wenn ihr heute Abend pünktlich heim wollt, dann müsst ihr euch beeilen, denn es warten noch fünf große Kartons darauf, ausgepackt zu werden.«
»Wir beeilen uns, Frau Lose«, antwortete Rabea schnell, noch bevor Viola etwas sagen konnte. Wie eine Windböe verließ Bruni Lose den Raum und verschwand im Lager.
»Ich dachte ihr seid Freundinnen und miteinander per Du?«, fragte Rabea.
»Wenn sie stinkig ist, dann kehrt sie ihren Chef heraus und spricht mich mit „Sie“ an.« Rabea Far grinste vielsagend und riss den nächsten Karton auf. Viola hingegen wollte diese unhöfliche Art ihrer Chefin nicht einfach so hinnehmen und ging zu ihr ins Büro.
Geräuschvoll drückte sie die Klinke herunter und trat ein.
»Sag einmal …, was war das denn für ein Auftritt?«, keifte sie ihre Freundin an.
»Ich bin sauer, weil du vor mir Geheimnisse hast!«
»Hab ich doch gar nicht!« Bruni stand auf und ging um den Schreibtisch herum auf Viola zu. »So …, nicht? Und was soll diese dämliche Antwort …, du hättest einen Termin am Abend …, dass ich nicht Lache!«
»Hab ich auch, aber nicht bei einem Arzt. Ich gehe mit Rabea heim zu ihrer Mutter, die mir die Karten legt. So jetzt weißt du es!«
Bruni sah Viola entgeistert an.
»Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?«
