Sie sind wieder da, die Männer und Frauen vom Polizeirevier im Münchner Süden und die Verbrecher auch. An der Isar verschwindet ein junger Mann, der am Morgen tot aufgefunden wird. Die Badelust der drei jungen Polizisten im Starnberger See wird schnell getrübt, als jemand Evi unter Wasser ziehen wollte und später eine junge Frau nicht mehr aus dem Wasser kam. Während ihrer Heimfahrt vom See, halten sie ein Auto an. Warum hat die Fahrerin blutverschmierte Hände? Sie schweigt.
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Seitenzahl: 210
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Silke May
Tödliche Sommerhitze
Bayern - Krimi
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Tödliche Sommerhitze
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Hinweis
Leseprobe, Mord bei Vollmond
Weitere Romane und Geschichten der Autorin.
Impressum neobooks
Vorwort
Servus, ich bin's, der Alois Gruber vom Polizeirevier im Süden Münchens. Erinnern Sie sich noch an unsere Einsatztruppe? Wir sind alle wieder anwesend.
Das heißt, fast alle. Unsere Putzfrau Babette Hackl, von uns liebevoll Omi genannt ist nicht mehr dabei, deshalb mussten wir uns eine Zeit lang wieder selber verköstigen.
Aber jetzt sind wir wieder gut versorgt, mit unserer neuen Putzfrau und Köchin, Vroni. Sie ist eine hervorragende Köchin, dass ihr das eigene Essen schmeckt, das sieht man ihr auch an. Übrigens ist sie die Tante von unserer Evi und sie ist eine Seele von Mensch, wenn man ihr beim Putzen ned im Weg umgeht. Ihr Apfelstrudel oder die Fleischpflanzerl mit Kartoffelsalat sind genauso gut, wie die von unserer Omi waren. Bald hätte ich es vergessen, die Polizei in München hat inzwischen mächtig aufgestockt, dabei wurde unser Revier auch berücksichtigt.
Emma Sauer heißt unsere neue Kollegin der Schutzpolizisten. Eigentlich hatten wir gehofft wenigstens zwei neue Kollegen zu bekommen, doch des wäre dann wohl zu Mächtig gewesen.
Meine alte Stammgarde ist nach wie vor, Bernd Rau der Hamburger genannt Popeye, weil er so aussieht wie die Trickfigur, er ist immer noch bei uns.
Ludwig Meier, dessen Frau ein Baby bekommen hatte, ist auch immer noch anwesend. Hauptsächlich im Innendienst und meistens in der Frühschicht mit Verspätung, tja Kinder können einen schon den Schlaf rauben.
Rudi Moser unser jüngster Mann im Revier, kommt aus Planegg, arbeitet am liebsten mit der Evi unserem Nesthäkchen zusammen. Bei ihr übernimmt er auch gerne einmal die Beschützerrolle.
Unsere Evi Kramer ist die Jüngste überhaupt in unserem Verein, eine eher zierliche Person, wieselflink und Rennen kann die, sie würde bei der Olympiade glatt eine Goldmedaille holen. Unsere neue Kollegin, Emma Sauer, ist unser weiblicher Schwarzenegger. Sie ist lustig und mit jedem gleich per du. Jede freie Minute verbringt sie im Fitness Center. Gleich am ersten Tag haben sie und Popeye ihre Kräfte mit Armdrücken gemessen. Wenn ich nicht ein Machtwort gesprochen hätte, dann würden sie wahrscheinlich heut noch da sitzen und Arm drücken. Dann sind da noch unsere fleißigen Kollegen in der Tagesschicht, die uns im Revier tatkräftig unterstützen. Kurz und gut, es muss ja jemand da sein, wenn die andern unterwegs sind, was jetzt auch leider immer häufiger vorkommt.
So, nun zu unserer Vroni. Sie ist ein Arbeitstier, das kommt davon, dass sie jahrelang einen eigenen Bauernhof hatte, den sie nach dem Tod ihres Mannes verpachtet hat. Ihre Süßspeisen darf sie nur noch zweimal im Monat ins Revier mitbringen, aus Sparmaßnahmen, sonst muss ich womöglich noch größere Uniformen für die Truppe bestellen, so schlingen die das süße Zeug in sich hinein.
Sonst ist alles fast beim Alten geblieben. Die Einsätze sind mehr geworden aber wir haben ja auch ein erfolgreiches Team, die das mit links meistern. Manchmal geht’s halt ein bisserl hitzig her, bei meinen Leuten, aber anfangen tun immer die Andern, des muss schon einmal gsagt sein. Letztens hatten wir allerdings einen Fall, der hatte es in sich. Weil wir keine Anstrengung und Mühen scheuen, haben wir uns in diesen Kriminalfall hinein gekniet und selbst ermittelt. Dem Kriminaler Georg Schneller aus der Ettstraße, dem haben wir den Fall dann gelöst übergeben, der hat ned schlecht gestaunt. Besser gsagt, der war ganz schön angefressen. Mir blieb aber keine andere Wahl, damit der ja nicht herkommt, denn wo der hinkommt, spielen die Weiber verrückt. Wegen seines Aussehens, wie Richard Gere. Es hat alles gut geklappt, mit dem einen oder anderen Ausrutscher, haben wir den Fall gelöst.
Froh war ich schon, als meine Gruppe wieder gesund und munter, im Revier stand. Meine Truppe hält schon was aus, dennoch ein bisserl gruselig war es ihnen bei diesem Fall schon.
Wie alles begann.
Der Tag war heiß und die Nacht noch dementsprechend warm. Es war eine herrliche Sommernacht.
Die ganze Isar hinunter, ein Grillfeuer nach dem andern und lachende Menschen. Musik und Tanz inbegriffen feierten sie schon seit Nachmittag und bereits auch die halbe Nacht durch.
Eine Gruppe aus jungen Frauen und Männer saßen ziemlich weit entfernt von den übrig gebliebenen Nacht Grillern.
Weit nach Mitternacht, stand plötzlich eine dunkle Gestalt mitten in der Isar und schaute regungslos zu den nur noch wenig feiernden Gruppen ans Ufer.
»Ui schaut's mal, da steht einer im Wasser, ist der gruselig«, gab Carla leicht erschrocken von sich.
»Hat der einen Tauchanzug an und sogar eine Maske vor dem Gesicht?«, fragte Sabine entsetzt. Alle fünf starrten zu dieser dunklen Gestalt die regungslos in der Isar stand.
»Das schaut bloß so aus, der wird bloß so komisch vom Mondlicht angestrahlt«, stellte Ralf fest.
»Der will uns doch hoffentlich nichts tun?«, gab Sabine skeptisch von sich. »Des ist bloß ein Irrer«, erklärte Ralf lapidar.
»Schmarrn schaut's genau hin, der ist das Phantom der Isar«, erklärte Jochen und lachte.
Nachdem sie zuerst bei seinem Erscheinen alarmiert waren, machten sich nun die angetrunkenen Jugendlichen über seine Erscheinung lustig. Sie waren damit so sehr beschäftigt, dass sie nicht einmal merkten, dass er bereits verschwunden war.
Carla sah zwischendurch immer wieder zur Isar, wo er gestanden hatte. »Wo ist er jetzt, der ist weg. Hat einer von euch gesehen, wo er hinging?« Alle schüttelten den Kopf.
»Des ist mir wurscht«, sagte Ralf und stand bereits schwerfällig auf.
»Wo gehst hin? Zum Phantom?«, fragte Jochen. Ralf schüttelte den Kopf. »Nein ins Gebüsch.«
»Geh aber ned zu weit in die Büsche, ned das dort das Phantom, auf dich lauert!«, witzelte Barbara.
»Wir machen inzwischen eine neue Flasche Wein auf, also bleib ned so lang weg, sonst kannst nur noch am Korken riechen«, erklärte Peter. »Was glaubt's ihr eigentlich, was ich dort mach? Ich bin schneller wieder da, als du den Korken aus der Flasche hast«, sagte Ralf und lief zum Uferende, wo viele Büsche aneinandergereiht wuchsen.
Als ihr Freund Ralf, der sich in den Büschen erleichtern wollte, nicht mehr zurückkam, machten sie sich auf die Suche nach ihm, jedoch vergebens. »Was machen wir jetzt?«, fragte Carla.
»Nachdem wir schon seit einer Stunde nach ihm suchen, gehen wir heim«, stellte Jochen fest.
»Okay, aber wir sollten bei ihm daheim vorbei schaun, vielleicht hat er uns in seinem Suff vergessen und ist mit dem Radl heim.«
Die vier Freunde packten ihre Utensilien zusammen und gingen. Sie überquerten den Kanal und gingen zum Stellplatz, wo sie ihre Räder abgestellt hatten.
»Schaut’s sein Radl, ist noch da«, stellte Carla fest.
»Das hätte mich auch gewundert, wenn er mit dem Rausch im Gesicht, noch auf das Rad steigen hätte können«, gab Peter von sich.
»Okay, also dann, fahrn wir los. Und schaun wir bei ihm noch vorbei?« »Das bringt nichts, denn der schläft bestimmt schon und da hört der uns sowieso nicht. Wir nehmen sein Rad mit und gleich heut Vormittag schaun wir nach ihm, schließlich ist jetzt schon drei Uhr.«
»Peter hat recht, also fahrn wir heim«, bestätigte Barbara.
Am Morgen, wurde von zwei Spaziergängern, die mit ihren Hunden über die Brücke vom Kanal gingen ein Toter entdeckt, der sich am Brückenpfeiler anscheinend verhakt hatte.
Im Revier. Das Telefon klingelte im Büro von Alois Gruber, dessen Tür zum Wachraum wie immer offen stand.
»Meier und Rau ihr habt's einen Einsatz an der Isar!«
»Der Meier ist auf der Toilette und das wird länger dauern, denke ich«, erklärte Popeye, während er aufstand und zur offen stehenden Bürotür ging.
»Dann nimmst du den Moser mit, am Kanal hat's eine Leiche angeschwemmt. Schaut's, was los ist und sagt mir dann Bescheid, verstanden?«
»Logisch, Boss. Rudi komm wir müssen an die Isar, da gibt es einen Toten!«
»Wo?«, fragte Rudi.
»An der Isar, in der Nähe vom Tierpark, rechts von der Brücke.«
»Eine Leiche am Ufer, oder im Wasser?«, hakte Rudi nach, während er vom Schreibtischstuhl aufstand.
»Keine Ahnung«, antwortete Popeye und zuckte mit den Schultern.
»Wart, ich hol noch schnell meine Gummistiefel aus dem Spind, falls wir ins Wasser müssen«, erklärte Rudi und ging mit schnellen Schritten in den Umkleideraum.«
»Unser Rudi ist gut ausgerüstet, man könnte denken der kommt von Hamburg, wo Gummistiefel zur Ausrüstung gehören«, stellte Popeye flachsend fest.
»Tja unser Rudi ist ein weitsichtiger Mensch, gell Rudi«, gab Evi an Rudi gerichtet von sich, der soeben den Wachraum wieder betrat.
»Ich weiß zwar ned, um was es geht, aber ich gib dir einfach recht Evi.« Popeye und Rudi stiegen in den Streifenwagen und fuhren los.
Schon von Weitem sahen sie die Menschengruppe auf der Brücke, die sich inzwischen angesammelt hatte.
»Schau dir die Schaulustigen an, so ein blutgieriges Volk und des um sechs Uhr morgens.«
»Tja die sind um diese Zeit schon mit ihren Hunden unterwegs. Die werden wir als Erstes verscheuchen«, sagte Popeye und stieg von der Beifahrerseite aus.
»So Herrschaften, hier gibt es nichts zu sehen, also gehen sie weiter.« »Natürlich gibt's etwas zu sehen, eine Leiche oder sind sie blind?«, sagte einer der Schaulustigen zu Popeye. Dieser näherte sich dem unrasierten Typen und sah ihm direkt in die Augen.
»Schieb ab, bevor ich dir eine Anzeige wegen Behinderung gebe. Also mach die Fliege!«
»Habt ihr das gehört, wie mich der Bulle anspricht!«, sagte dieser Laut. Rudi stellte sich sofort zwischen Popeye und dem Mann.
»Kamerad, jetzt langt's, schwing dich weg, oder bist du ein Zeuge?« Der unrasierte Typ schüttelte den Kopf.
»Also kein Zeuge, dann schleich dich, bevor ich dich wegen Auflehnung gegen die Staatsgewalt festnehme!«
»Ich vordere Verstärkung an, denn so können wir den Toten nicht hochbringen, nicht das uns diese Gaffer auch noch auf die Leiche treten«, sagte Popeye und ging zum Auto.
»Wart, ich komm mit und zieh mir inzwischen die Gummistiefel an. Ich möchte bloß noch ein Foto machen, ned das der Doktor hernach meckert.«
Bis die Kollegen eintrafen, gingen beide Polizisten die Böschung zum Toten im Kanal hinunter.
Ihre Kollegen Evi Kramer und Emma Sauer kamen zur selben Zeit wie der Rechtsmediziner an.
Während der Doktor zum Toten die Böschung hinunterging und beide Polizistinnen die Schaulustigen auf Abstand hielten, indem sie die nähere Umgebung mit einem Band absperrten, hatten Popeye und Rudi den Toten aus dem Wasser gezogen.
Nach einem kurzen Blick und einer Geruchsprobe des Toten stellten Popeye und sein Kollege sofort fest, »der ist betrunken und ertrunken. Der Rechtsmediziner kniete sich neben den Leichnam und sah ihn sich näher an. »War der schon aus dem Wasser oder habt ihr ihn herausgezogen? Ihr wisst schon, dass ich mir dann kein richtiges Bild mehr machen kann.« »Bevor er noch vom Wasser mitgerissen wird, holten wir ihn raus, oder hättest ihm lieber nachschwimmen wollen?«, fragte Rudi spöttisch.
»So sind's die sogenannten Badegäste. Den großen Maxe spielen, indem man mutig von der Brücke springt«, gab Popeye von sich.
»Schmarrn, in der Nacht dürfte der keine Schaulustigen um sich gehabt haben«, erwiderte der Doktor. Popeye schüttelte den Kopf.
»Also kein Angeber, der von der Brücke springt«, stellte Rudi fest. »Dann ist es ein Selbstmörder, auch okay, der Fall ist gelöst, Servus Doktor.«, sagte Rudi und wollte schon gehen.
»Halt ned so schnell, der hat keine Kopfverletzung. Wenn der hier hereingesprungen wäre, dann hätte er garantiert eine. An dieser Stelle ist das Wasser ned so tief, und bei seiner Größe und Gewicht geht das nicht ohne Verletzung ab.« Rudi sah den Rechtsmediziner fragend an.
»Okay, dann war's ein Badeunfall.«
»Des war's auch ned, da bricht man sich ned dabei das Genick«, erklärte der Rechtsmediziner.
»Also, ich fasse einmal zusammen. Er ist nicht von der Brücke gesprungen, weil dann hätte er zumindest eine Verletzung am Kopf, richtig Doktor?«, fragte Popeye.
»Richtig!«
»Ein Badeunfall war es auch nicht, richtig Doktor?«
»Mord war es, was den sonst?«, mischten sich Evi und Emma im Einklang ein.
»Richtig, die beiden Mädels haben es fachgemäß erkannt, seht ihr hier die Flecken am Hals und im Gesicht? Das sind Druckstellen und so wie es ausschaut ist sein Genick gebrochen«, bestätigte der Arzt.
»Näheres kann ich euch erst nach genauer Untersuchung sagen. Habt's den Leichenwagen schon bestellt?«
»Des haben wir vergessen. Evi machst du des?«, gab Rudi von sich. Evi nickte.
»Klar und ich gib dem Gruber auch Bescheid, der wartet sicher schon darauf«, sagte sie, während sie zum Streifenwagen ging.
»Gut, dann werden wir inzwischen die Gaffer befragen«, sagte Popeye leise zum Rudi und der Emma.«
Beide nickten und machten sich auf den Weg zu den Schaulustigen. Nachdem sie alle befragt hatten, gingen sie zu den Streifenwagen und unterhielten sich noch.
»Des is wieder typisch, alle stehen sie da und schaun, aber keiner weiß was«, stellte Rudi fest.
»Also ich hatte Erfolg, ich hatte eine junge Frau, die war gestern Nachmittag an der Isar und die hat mir gesagt, dass der Tote bei einer Gruppe von vier jungen Leuten dabei war, mehr konnte sie aber auch nicht sagen«, stellte Popeye fest.
»Also des hilft uns aber jetzt auch ned wirklich weiter«, gab Emma enttäuscht von sich. »Wieso nicht, immerhin wissen wir, dass mindestens einer von den Vier ihn irgendwann vermissen wird, wir müssen nur abwarten.«
»Stimmt, also warten wir, hoffentlich war's keine flüchtige Bekanntschaft«, sagte Emma zur Evi, die soeben wieder zurückgekommen war.
»Ich hab Hunger«, stellte Evi fest. Popeye sah in die Runde.
»Ich wäre auch nicht von einer Bratwurst abgeneigt und ihr?« Rudi nickte. »Bei uns in der Nähe ist doch der Bratwurststand, dort kaufen wir uns was.«
»Ihr dürft bloß dem Boss nix sagen, sonst mosert er wieder, wenn wir ohne seine Genehmigung von der Tour abweichen«, stellte Evi klar.
»Sag einmal für wie doof hältst du uns eigentlich?«, entrüstete sich Popeye.
Sie stiegen in ihre Streifenwagen und fuhren zum Wurststand. Dort kauften sie sich Bratwurst und Pommes und aßen sie genüsslich, anschließend fuhren sie zum Revier zurück.
In der Wachstube wurden sie bereits vom Revierleiter Gruber erwartet, der sich mit ihrem Kollegen Meier unterhielt. Er unterbrach schlagartig das Gespräch mit Ludwig und sah die ankommende Gruppe mürrisch an.
»Wo kommt's ihr jetzt her?«
»Vom Einsatz an der Isar, von wo sonst?«, gab Rudi von sich.
»Den Schmarrn könnt's jemand anders erzählen!«, stieß Gruber zwischen den Zähnen hervor.
»Von wo sollten wir denn herkommen, wenn nicht vom Tatort?«, fragte Popeye.
»Des weiß ich ned, aber vom Einsatz kommt's ihr jetzt ned, des steht fest. Mit dem Herrn Bauer von der SPUSI hab ich grad telefoniert und der hat gsagt, dass der Rudi seine Gummistiefel am Tatort vergessen hat und dass er sie nach Dienstschluss bei uns vorbeibringt. So schaut's aus meine Herrschaften, außerdem geht von euch nämlich ein Bratwurstgeruch aus.« »Erwischt, wir machen's auch bestimmt ned wieder«, besänftigte Emma. »Ich bin ja kein Unmensch, wenn ihr Hunger habt's, dann sagt's es halt, dafür haben wir ja alle ein Handy. Außerdem hättet ihr uns ja was mitbringen können. Ihr seid, keine feinen Kollegen, des muss ich euch schon sagen. So, und wer von euch erzählt mir jetzt, was los war?«
»Die Emma macht das, denn sie hat von der Brücke aus alles gut beobachtet. Über den Toten und den Tathergang können wir ja sowieso nur spekulieren, bevor wir nicht vom Rechtsmediziner Bescheid haben.« Popeye schob Emma vorwärts, die sich aber mit ganzem Körper dagegen stemmte.
»Jetzt komm Emma, ich beiß ned«, sagte Gruber und hakte sich bei ihr unter.
»Magst ein Glas Cola? Auf die Pommes hast bestimmt einen Durscht.« Emma sah ihn überrascht an.
»Woher wissen's des, dass ich Pommes gegessen hab.« Gruber grinste sie an.
»Weißt Emma, auf meine Nasen ist verlass«, dabei tippte er mit dem Zeigefinger auf seine Nasenspitze und grinste sie an.
»Jetzt komm und erzähl mir alles.«
Während sich die anderen Kollegen an ihre Computer setzten, kam Vroni die Putzfrau aufgepackt zur Tür herein.
»Servus!«, sagte sie und ging auf Evi zu.
»Evi du hast den Haustürschlüssel daheim vergessen, deine Mama hat ihn mir mitgegeben. Wo hast denn dein Hirn, Mädel?«
»Mei,Tante Vroni, ich war geistig schon ganz bei der Arbeit, weil ich den Bericht von gestern noch ned fertig hab.«
Vroni Kramer, legte den Schlüssel auf Evis Schreibtisch und ging zu einem der Fenster und kippte es.
»Da herin riecht's wie in einer Würstlbude. Habt's ihr schon was gegessen?«
»Ja, aber nur eine Kleinigkeit Vroni«, antwortete Popeye schnell. »Also für eine Rohrnudel ist also allemal noch ein Platz, gell Popeye?«
»Immer Vroni, sogar für zwei!«
»Gut, ich stell euch des Bratreindl mit Rohrnudeln und eine Schüssel mit Vanillesoße in den Aufenthaltsraum.«
»Hmm, ich komme gleich mit dir Vroni!«, sagte Popeye und stand sogleich auf und folgte der Vroni in den Nebenraum.
»Typisch für unseren Deichläufer, wenn's ums Essen geht, da ist er immer der Erste!«, stellte Rudi fest.
»Na ja, du bist ned viel besser«, gab Ludwig Meier von sich.
»Na, dir täte ein bisserl mehr Essen auch ned schaden, du brichst ja bald auseinander«, konterte Rudi Moser.
»Meine Claudia mag des so und du bist ja nur neidisch, denn bei dir wölbt sich schon der Bauch ein bisserl. Du musst aufpassen, dass du ned so eine Kugel wie der Gruber kriegst!«
»Ich hab doch keinen Bauch oder Evi?«
»Nie, du bist Rank und schlank Rudi, wie eine Gazelle«, bestätigte Evi und grinste dabei.
»Warum lachst du dabei?«, wurde sie von Rudi gefragt.
»Ich lach doch ned, ich lächle dich nur an.« Die Bürotür wurde aufgerissen und Emma stürmte heraus.
»Ludwig komm wir haben einen Einsatz!«
»Wohin?«
»In die Aidenbachstraße, da hat's gekracht!« Ludwig stand sogleich auf und nahm seine Jacke.
»Hast den Alkomat dabei?«, fragte Rudi leicht spöttisch.
»Logo, der gehört zu meiner Standardausrüstung«, konterte Ludwig. »Jetzt halt keine Volksreden und komm endlich!«, herrschte ihn Emma an, die bereits an der geöffneten Tür auf ihn wartete.
Während Popeye noch im Aufenthaltsraum war und eine Rohrnudel nach der Andern verdrückte, versuchten Evi und Rudi ordentliche Berichte fertig zubekommen.
»Rudi was schreibst du?«
Ihr Kollege, der ihr direkt gegenübersaß, hob den Blick vom Computer und sah sie an.
»Ich weiß ned, ich find keinen Anfang und du?«
»Mir geht’s gleich. Außerdem ist des was wir bis jetzt wissen, ja sowieso ned aussagekräftig.«
»Eigentlich müssten wir den Bericht von der Rechtsmedizin abwarten, oder?«, fragte Evi.
»Der Mann wurde definitiv getötet!«, ertönte Grubers Stimme, der soeben den Raum betrat.
»Schau Rudi, ich hab mir's gleich denkt.«
»Ned nur du Evi, ich war mir auch ziemlich sicher.«
»Wo ist Popeye?«, fragte der Revierleiter. Rudi grinste Gruber an.
»Wo wird er wohl sein, beim Rohrnudel essen.«
»Aha, die Tante ist da«, sagte Gruber an Evi gerichtet. Diese nickte zustimmend. »Dann muss Popeye eingebremst werden, bevor er platzt und ihr zwei lasst euch inzwischen zu unserem weiteren Vorgehen was einfallen!«, sagte er und ging in den Aufenthaltsraum.
»Glaubst du, dass er den Popeye nur Einbremsen will?«, fragte Evi. Rudi schüttelte den Kopf.
»Des brauchst ned glauben, der hat doch nur Angst, dass er keine Rohrnudel mehr kriegt.«
Uschi eine Kollegin von der Tagesschicht betrat den Raum. »Bei mir am Empfang da ist ein junges Paar, dass eine Vermisstenmeldung aufgeben will, das könnte eventuell mit eurem Fall zu tun haben.«
»Schicke sie herein, Uschi«, sagte Evi.
Ein junges Pärchen betrat Hand in Hand das Zimmer. Beide in knielangen Shorts und neonfarbenen Shirts gekleidet, näherten sie sich dem Schreibtisch von Evi.
»Servus, ich bin Evi Kramer und wer seid ihr?«
»Jochen Schros und das ist meine Schwester Carla«
»Aha, setzt euch«, sagte Evi und deutete auf die zwei Stühle neben ihrem Schreibtisch. »Was kann ich für euch tun?«
»Wir vermissen seit gestern Nacht unseren Freund Ralf.«
»Ward's ihr schon bei ihm daheim?« Beide nickten heftig. »Klar«, gab Jochen von sich.
»Okay, jetzt erzählt's einmal, wie es dazu kam.«
Das Pärchen erzählte fast lückenlos, wo sie waren und dass Ralf nach dem Erscheinen des Phantoms verschwunden war.
»Okay und wie schaut dieser Ralf aus?«
Evi gab die Beschreibung im Computer ein, als Rudi der ihr gegenübersaß, bereits nickte. Evi sah Rudi an »stimmt's?«
»Die Beschreibung ist korrekt«, bestätigte er. Evi räusperte sich.
»Also eurer Beschreibung nach, handelt es sich um den jungen Mann, den wir heute früh aus dem Isar- Kanal gefischt haben.«
»Ist er tot?«, fragte Carla erschrocken. Evi nickte und sah beide prüfend an.
»Wie ist er ums Leben gekommen, ertrunken?«, fragte Jochen.
»Ja. Also da können wir noch nichts Genaueres sagen, da müssen wir auf den Bericht vom Rechtsmediziner warten. Einer von euch müsste ihn identifizieren, wer macht des?«
»Ich mache es«, sagte Jochen. »Weißt du, wo die Rechtsmedizin ist?« Jochen schüttelte den Kopf.
»Die ist in der Nussbaumstraße.«
»Die kenne ich.«
»Okay, dann machst für heut Nachmittag einen Besuchstermin aus.«
Sie reichte ihm die Telefonnummer, die Jochen nickend entgegennahm. »Das war's, ihr hört dann von uns.« Carla und Jochen standen auf und gingen.
»So jetzt haben wir wenigstens einen Namen für den Toten«, stellte Evi fest.
»Aber hundert Prozentig erst, wenn er identifiziert ist«, erklärte Rudi.
»Auf jeden Fall müssen wir den Gruber informieren«, sagte Evi und stand auf.
»Bring mir doch eine Rohrnudel mit, bitte.« Evi schüttelte den Kopf.
»Ich schicke den Popeye raus, lang genug war er ja im Aufenthaltsraum, dann kannst du deine Rohrnudeln essen.«
Evi verließ den Raum und ging in Grubers Büro, das aber leer war.
»Aha, der ist auch beim Essen.«
Bereits durch die geschlossene Tür hörte sie Vronis Stimme. Evi ging ins Zimmer.
»Des mag ich. Sag mal Popeye, klebst du am Stuhl?«
»Geh Evi. Lass doch den Buben in Ruh, du siehst doch, dass er mit dem Essen noch ned fertig ist«, ermahnte ihre Tante sie.
»Jetzt reicht's«, sagte Evi, den Blick auf die restlichen Rohrnudeln gerichtet.
»Die schmecken lecker«, gab Popeye kauend von sich.
»Sag mal spinnst du, schau einmal, wie viel Rohrnudeln übrig sind, ganze vier Stück und der Rudi, die Emma der Ludwig und ich, wir haben noch nichts abgekriegt. Also Tante Vroni, des ist schon unfair.«
»Wo ist das Problem, ihr seit zu viert und vier sind übrig«, gab Popeye grinsend von sich. Evi holte tief Luft.
»Bevor du dich hier künstlich aufregst, im Auto hab ich noch ein ganzes Reindl mit Rohrnudeln und eine Vanillesoße hab ich auch noch.«
»Also Evi du kränkst mich, glaubst du im Ernst, ich würde eure Rohrnudeln essen, natürlich wusste ich das die Vroni noch welche dabei hat.«
»Okay und jetzt schleich dich, damit der Rudi auch essen kann, der hat schon Hunger.«
Popeye schob sich den letzten Bissen in den Mund stand auf und klopfte Vroni auf die Schulter.
»Danke Vroni, du bist eine tolle Köchin.«
»Es freut mich, wenn's dir schmeckt.« Evi setzte sich an den Tisch und langte zu.
»Chef, vorhin war ein Pärchen da, das eine Vermisstenanzeige aufgeben wollte, nach ihrer Beschreibung, handelt es sich genau um unseren Toten an der Isar. Sie identifizieren ihn heut Nachmittag und dann wissen wir mehr.«
»Das ist gut, dann sind wir ja schon ein bisserl weiter«, stellte Gruber fest und stand auf.
»Jetzt bleiben's doch noch ein bisserl«, sagte Evi.
»Das geht ned, mein Schreibtisch ruft nach mir.«
»Herr Gruber sagen's uns dann, wie es weiter geht?« Gruber nickte und verließ den Raum.
»Evi, du hättest ned so gemein zum Popeye sein müssen. Du hast es ned nötig, dass du Brot neidisch bist!«, schimpfte ihre Tante mit ihr.
»Des bin ich doch gar ned, aber der sitzt jetzt mindestens schon ein gute halbe Stunde hier.« Vroni ging zur Tür und öffnete sie.
»Wo gehst hin?«
»Des andere Bratreindl holen, bevor du verhungerst.«
»Mei Tante Vroni, jetzt sei ned so «, weiter kam sie nicht, weil der Rudi hereinkam. Sein Blick fiel auf die Rein mit den restlichen Rohrnudeln. »Bevor du meckerst, ich hol gerade den Nachschub«, sagte Vroni und gab dem Rudi einen kleinen Klaps auf den Po, dieser setzte sich neben die Evi und fing zu essen an.
Nach einer Weile öffnete sich die Tür und Emma und Ludwig kamen auch dazu.
»Hmm, fein ich könnte für das gute Essen deiner Tante sterben«, stellte Emma fest.
»Wirf ned so leicht dein Leben weg«, warf Ludwig grinsend ein.
»So, ich bin fertig«, sagte Evi, sie stand auf und streckte sich genüsslich. »Dann schau, dass du an die Arbeit gehst«, sagte Ludwig frech. Evi schüttelte den Kopf.
»Irgendwann erschlag ich ihn«, gab sie nebenbei von sich und ging auf Ludwig zu. Sie schlug ihm mit der flachen Hand auf die Brust, dass dieser zusammenzuckte.
»Aua, he spinnst du, des hat wehgetan.«
»Des soll's ja auch. Ludwig verschluck dich ned beim Essen«, erwähnte sie noch und ging. Emma streichelte über Ludwigs Kopf.
»Armer Ludwig, die Evi war so bös zu dir.«
»Was heißt hier bös, des ist ein ganz rabiates Frauenzimmer.« Vroni betrat den Aufenthaltsraum mit den Rohrnudeln.
»Jetzt setzt euch hin und lasst es euch schmecken, ich geh inzwischen putzen«, erklärte Vroni.
Evi hämmerte in ihren Computer hinein. »Hoffentlich haben wir bald wieder einen Einsatz, mir tut schon der Hintern vom Sitzen weh.«
»Mir ned, aber Zeit wird's trotzdem«, antwortete Rudi.
»Was machst heut Nachmittag?«, fragte sie. Rudi überlegte kurz. »Nix, ich leg mich auf den Balkon und schlaf eine Runde, schließlich sind wir schon seit drei Uhr auf.«
»Magst ned zu mir kommen? Wir könnten uns eine Pizza kaufen und uns dann auf die Terrassen legen?«
