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Helga, eine junge Bankangestellte aus dem Münchner Umland, wohnt bei ihren Eltern auf dem Bauernhof. Ein Weltenbummler, dem sie zufällig begegnet, erweckt in ihr die Reiselust. Während sie sich im Internet nach verschiedenen Ländern informiert, entdeckt sie eine vielversprechende Annonce. Sie nimmt Kontakt auf und unterzeichnet einen Vertrag, der sie zur Millionärin machen wird. Sie ahnt nicht, dass sie damit ein gefährliches Abenteuer eingeht.
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Seitenzahl: 198
Veröffentlichungsjahr: 2023
Silke May
Der Costa Rica Vertrag
Kriminalroman
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Hinweis
Impressum neobooks
Helgaführte ein gemütliches Leben als Single. Sie hatte einen guten Job in einer Bank in München und lebte bei ihren Eltern auf dem Bauernhof, im Münchner Umland. Helga ist ein sportlicher Typ, groß und schlank, mit roten kurzen Haaren. Ihre Freizeit vertreibt sie sich mit joggen und hilft auf dem Hof ihrer Eltern, wenn sie nicht mit ihrer Freundin Karin unterwegs ist. Sie ist eine aufgeschlossene junge Frau, die gerne Spaß hat. Helga schlenderte gerne noch nach Feierabend, um abzuschalten, durch die Münchner Innenstadt, bevor sie heimfuhr.
Eines Tages lernte sie nach ihrer Arbeit Heiko, einen Tramper aus Kiel kennen. Heiko erzählte ihr, dass er inzwischen durch die halbe Welt getrampt sei und jetzt wieder auf dem Weg nach Hause ist. Nachdem sein Flieger erst am Abend gehen würde, wollte er sich nochmals München genauer ansehen. Beide verbrachten mit einem Spaziergang durch München eine unterhaltsame, gemeinsame Zeit. Helga fuhr ihn mit ihrem Auto noch zum Flughafen. Sie tauschten beim Abschied noch ihre Adressen aus. Als Heikos Flieger bereits abgehoben hatte, beobachtete sie die Menschen in der Ankunftshalle. Alle hatten so einen zufriedenen Gesichtsausdruck und Helga überkam Fernweh.
Helga ging nach Hause und wollte sich sofort an den Computer setzen, jedoch ihr Vater, der vor dem Stall mit den Milchkannen hantierte, war anderer Meinung.
»Aha, auch schon da? Helga, ich brauche dich noch. Du musst mir im Stall helfen, die Melkmaschine ist ausgefallen.«
»Na toll!«
»Jetzt ist Handarbeit angesagt. Es dauert auch nicht lang, die meisten Kühe sind ja schon gemolken.«
»Okay, ich ziehe mich nur noch schnell um«, sagte sie und ging ins Haus.
Bereits nach kurzer Zeit konnte sie ihrem Vater zur Hand gehen. Als sie fertig waren, nahmen sie ihr gemeinsames Abendessen zu sich. Helga duschte anschließend noch schnell und ging in ihr Zimmer. Sie setzte sich bereits im Schlafanzug an ihren Computer und loggte sich im Internet ein. Sie sah sich herrliche Bilder über die verschiedensten Länder an, anschließend ziepte sie wahllos durchs Internet. Währenddessen fiel ihr eine kleine Anzeige auf.
„Abenteuerlustige junge Frau gesucht, die sich auch bis in die Wildnis der Welt vorwagt und für vier Wochen, nur auf sich gestellt, leben möchte. Bei Interesse, in der Kanzlei-Zuversicht, melden.“
Helga fand diese Anzeige sehr interessant. Sie war der Auffassung, dass sie Mut genug hatte, um einmal in einem fremden Land ein Abenteuer zu erleben.
Bevor sie sich bei dieser Kanzlei melden würde, wollte sie aber noch mit jemandem darüber sprechen, der sich mit Reisen auskannte. Ihren Eltern würde sie erst Bescheid geben, wenn es sicher sei, dass sie diese Reise antreten wird. Bestimmt gäbe es ein Auswahlverfahren. Nachdem sie sicherlich nicht die Einzige wäre, die sich meldete.
»Wer weiß es besser als ein Tramper?«, murmelte sie vor sich hin. Ein Blick auf ihren Wecker sagte ihr, dass es bereits auf Mitternacht zuging. Helga zögerte kurz, »egal, das ist ein junger Mann, der geht bestimmt nicht mit den Hühnern zu Bett«, murmelte sie vor sich hin. Kurzerhand rief sie Heiko an und unterrichtete ihn über diese Anzeige. Heiko fand diese Möglichkeit ideal, jedoch gab es einiges, auf was sie achten sollte und gab ihr dementsprechende Tipps und wichtige Hinweise zur Reise.
Beflügelt durch seine Worte, hoffte sie bereits innerlich, dass sie den Zuschlag bekommt.
Sie überlegte, ob sie mit ihrer Freundin Karin noch darüber sprechen sollte, bevor sie bei dieser Kanzlei anrief.
»Nein, was soll ich ihr denn sagen? Karin würde es sowieso als Blödsinn oder zu gefährlich abtun. Erst muss ich selbst herausfinden, ob es überhaupt etwas für mich ist. Nicht, dass es womöglich irgend so eine dubiose Angelegenheit ist«, gab sie sich selbst die Antwort.
Helga rief am nächsten Tag bei dieser Kanzlei an, welche der Anbieter im Internet angegeben hatte. Sie erhielt eine Münchner Adresse, bei der sie persönlich vorzusprechen hätte. Gleich nach der Arbeit ging sie zur Kanzlei, die sich in Schwabing befand.
Helga stand vor einem der gut erhaltenen Häuser, aus dem achtzehnten Jahrhundert, einer der reichen oder adligen Familien. Helga klingelte, dann drückte sie mit dem messingfarbenen Türknauf die mahagonifarbene schwere Haustür auf.
Im Treppenhaus roch es nach Bohnerwachs, mit dem die Holztreppen aufgefrischt wurden. Helga stieg die Treppen zum zweiten Stock hinauf und klingelte an der Tür. Die Tür öffnete sich automatisch und sie konnte eintreten. Sie landete direkt im Vorzimmer der Kanzlei.
Eine elegante ältere Dame mit blonden hochgesteckten Haaren saß an einem massiven Schreibtisch und begrüßte sie.
»Frau Poost?«, fragte sie und sah sie über ihren Brillenrand an. Helga bestätigte.
»Nehmen sie doch bitte Platz«, sie deutete auf den Sessel ihr gegenüber.
»Ich bin Julia Braun und ich möchte sie im Namen von Herrn Carawell über die Reise und ihren Zweck informieren. Die Reise geht nach Costa Rica, genau gesagt nach Tamarindo. Von dort geht es mit dem Auto weiter hinein in die Wildnis. Es ist eine schöne, aber auch anstrengende Reise.
Vorab möchte ich erwähnen, dass sie nicht ganz allein die Reise antreten werden. Sie haben einen sogenannten unsichtbaren Begleiter. Herr Vargas, wird sie begleiten und in ihrer Nähe sein, aber nicht direkt bei ihnen. Er kennt sich dort sehr gut aus, er verbrachte seine Kindheit, in der Nähe von Tamarindo.
Sie teilen sich nur den gemeinsamen Flug miteinander. Er bringt sie zum Blockhaus und von da an, sind sie auf sich selbst gestellt, sie verbindet nur noch ein Funkgerät miteinander. Herr Vargas hat genaue Anweisungen und wird sich auch sonst, um alles kümmern.
Dort werden sie zwei Wochen in Abgeschiedenheit verbringen. Das Blockhaus soll veräußert werden und bis zur Hausübergabe an den neuen Besitzer, bei der Herr Vargas anwesend sein wird, werden sie dort wohnen.«
Helga sah sie fragend an.
»Was soll ich dort die ganzen Tage machen?« Frau Braun schmunzelte vor sich hin.
»Jenny, die Tochter des Auftraggebers war leider nicht sehr ordentlich und Herr Carawell befürchtet, dass das Haus in einem Chaos hinterlassen wurde.«
»Ich soll dort putzen?«, gab Helga entsetzt von sich. Sie sollte dort nicht in einem Abenteuer, sondern nur als Reinigungskraft ihre Zeit verbringen, das war für sie sehr enttäuschend.
»Das stimmt nicht ganz, sie sollen dort nur für Ordnung sorgen, nicht putzen. Dafür werden sie aber auch reichlich belohnt. Wer weiß, vielleicht irrt Herr Carawell auch und seine Tochter war dort ordentlicher als daheim.«
»Warum fragt Herr Carawell seine Tochter nicht, sie würde ihm bestimmt Auskunft über den Zustand des Hauses geben, das wäre auch noch billiger?«
Frau Braun faltete ihre Hände auf dem Tisch zusammen, so als wolle sie beten.
»Leider ist das nicht möglich, Jenny ist angeblich ertrunken.« Helga wurde hellhörig. »Wieso angeblich?«
»Es gibt keine klaren Erkenntnisse darüber, man fand nur das führerlose Boot der Carawell's, mit einem Damenschal darin, im Meer treiben. Nachdem man nicht einmal weiß, ob Jenny zuletzt in Costa Rica oder in Nicaragua war, kann man noch nicht genau sagen, ob sie wirklich ertrunken ist.
Auf jeden Fall ist sie nicht auffindbar. Herr Carawell besitzt auch in Nicaragua ein kleines Haus, dorthin würde auch die zweite Reise gehen, falls feststeht, dass sie nicht in Costa Rica war. Aber Genaueres erfahren sie noch, falls dieses wirklich zutreffen sollte.
Besonders wichtig ist, dass sich in einem der Häuser eine Metallkassette befindet, die sie nach auffinden, sofort Herrn Vargas übergeben. Darin sind persönliche Gegenstände.
Sobald sie diese Kassette gefunden haben, ist ihr Auftrag beendet und sie müssen nur noch das Blockhaus in Costa Rica dem neuen Eigentümer übergeben.«
»Müsste ich sonst noch etwas mitbringen?« Frau Braun schüttelte den Kopf.
»Nein, sollten noch Kleider von Jenny dort sein, dann übergeben sie diese, Herrn Vargas, der weiß, was damit geschehen soll. Können sie zufällig Spanisch?« Helga nickte.
»Das ist sehr gut, denn in beiden Ländern wird die Sprache auch gesprochen. Haben sie sonst noch Fragen?«
»Eigentlich nicht.«
Frau Braun reichte ihr den Vertrag über den Tisch.
»Gut, dann schauen sie sich bitte diesen Vertrag an und teilen mir ihre Entscheidung mit. Helga las den Vertrag, der nur aus einer Seite bestand. Bei dem Geldbetrag, der an sie entrichtet werden sollte, wurde sie allerdings stutzig.
»Entschuldigen sie bitte, ich bin ja mit hohen Zahlen sehr vertraut, bedingt meines Berufes, in einer Bank. Doch bei dieser Summe scheint es sich um einen Druckfehler zu handeln, das wären ja eine Million Euro?« Frau Braun lächelte sie an.
»Zugegeben es handelt sich hier, um eine sehr hohe Summe, doch vergessen sie nicht, sie müssen außer ihren Flug, für alle zusätzlichen Kosten selbst aufkommen. Außerdem handelt es sich nicht um einen Spaziergang in Costa Rica, sondern es kommen zwei Wochen erschwertes Leben in einem einsamen Blockhaus auf sie zu, das auch eventuelle Gefahren birgt.
Diese Summe beinhaltet zusätzlich die Reise nach Nicaragua, die nicht ungefährlicher ist, eher sogar das Gegenteil. Wir gehen aber davon aus, dass die Kassette in Costa Rica ist und Nicaragua somit hinfällig wird. Bevor sie unterschreiben, bedenken sie, dass sie eine Einwilligung für beide Länder abgeben und sie nicht mehr zurückkönnen, wenn sie erst einmal unterschrieben haben. Sonst wäre das ein Vertragsbruch mit zehntausend Euro Strafkosten, für sie, an Herrn Carawell.«
Helga hatte nur noch die Million Euro im Kopf. Sie wäre von heute auf morgen eine Millionärin und könnte sich ihren lang gehegten Traum verwirklichen.
Den Hof ihrer Eltern zu modernisieren und zusätzlich eine kleine Pferdezucht aufzubauen. Das Schönste daran wäre, dass sie nicht mehr in der Bank arbeiten müsste, da der Hof dann gutes Kapital einbrachte und mit Pferdezucht zusätzlich gutes Geld verdienen ließe. Außerdem wäre sie zugleich eine große Hilfe für ihre Eltern, schließlich lag die Bewirtschaftung des Hofes bis jetzt überwiegend bei ihnen. »Eine Frage hätte ich noch. Was ist, wenn ich krank werde oder einen Unfall habe und den Auftrag deshalb nicht beenden kann?«
»Sollten sie krank oder wegen eines Unfalls den Vertrag nicht erfüllen können, dann wird ihnen die angemessene Summe der verbrachten Zeit prozentual ausbezahlt. Sollte das Schlimmste eintreten, was wir natürlich nicht hoffen, ihr Tod, dann bekommt die von ihnen benannte Person die gesamte Summe ausbezahlt, das heißt eine Million. Das ist auch im Vertrag vermerkt.«
»Das wären dann also meine Eltern?«
»Wenn sie dieses möchten, müssen sie es nur bei diesem Zusatz ganz am Schluss vermerken, wir würden dann mit ihren Eltern Kontakt aufnehmen.«
»Gut, dann mache ich es«, sagte Helga und unterschrieb. Nachdem sie alles geregelt hatten und sie auch Auskunft über eine empfohlene Impfung bekommen hatte, erhielt Helga einen Durchschlag des Vertrags. »Eigentlich sollte Herr Vargas hier sein, leider kam ihm etwas dazwischen. Er wird mit ihnen aber rechtzeitig in Verbindung treten. Ich wünsche ihnen alles Gute und bleiben sie gesund.«
Beide Frauen verabschiedeten sich mit Handschlag. Ab jetzt stand dem Abenteuer nichts mehr im Weg.
Mit gemischten Gefühlen, zwischen Freude und etwas aufkommende Mutlosigkeit, verließ sie die Kanzlei und fuhr nach Hause. Jetzt musste sie ihren Eltern beibringen, dass sie bereits in einer Woche, wahrscheinlich für vier Wochen weg wäre. Davor hatte sie mehr Angst, als vor der Reise selbst. Bei ihren Eltern würde sie erhebliche Überzeugungskraft einsetzen müssen.
Nach dem Abendessen saßen sie, wie jeden Abend, noch eine Weile zusammen, bis anschließend jeder seinem Hobby nachging. Helga erzählte ihren Eltern, von ihrem Vorhaben. Ihre Mutter sah sie entsetzt an und ihr Vater schüttelte sofort den Kopf.
Helga versuchte ihnen alles so harmlos wie möglich zu erklären und teilte ihnen die hohe Summe mit, die sie erhalten würde.
»Helga, du glaubst doch nicht im Ernst, dass sie dir für den Verkauf der Blockhütte, so eine hohe Summe geben?«, bemerkte ihr Vater energisch.
Helga gelang es, mit viel Überredungskunst, ihre Eltern zu überzeugen und alles so weit wie möglich, zu verharmlosen.
Sie gab ihren Eltern den Vertrag zur Verwahrung und erklärte ihnen, dass er im äußersten Notfall wichtig wäre und sie sich damit, an die angegebene Adresse wenden müssten.
Helga gelang es recht gut, nachdem sie ihnen gesagt hatte, dass sie nicht allein wäre und das böse Wort „Gefährlich“ nicht erwähnt hatte. Das viele Geld erklärte sie damit, dass Herr Carawell sichergehen wollte, dass man das Vorhaben ernst nehmen würde und korrekte Arbeit zusicherte.
Insgeheim hoffte er, dass seine geliebte Tochter wirklich dort war und man sie findet.
Herr Vargas nahm noch am selben Abend, telefonisch Kontakt mit ihr auf. Er gab ihr über die Flugzeit und den Treffpunkt am Flughafen Bescheid. Nachdem sie ihren Gesundheitscheck und die noch empfohlene Impfung, hinter sich gebracht hatte, fing ihre Reise ins Ungewisse an.
»Frau Helga Poost?« Helga blieb stehen und drehte sich in die Richtung, aus der die Stimme kam. Ein attraktiver Mann mit schwarzen Haaren, welche vereinzelt mit silbrigen Haarfäden durchzogen waren, stand neben ihr.
»Ja, das bin ich.«
»Mein Name ist Sergio Vargas, ich bin ihr Begleiter«, sagte er und lächelte sie an. »Sagen sie nur Sergio, und lassen sie sich einfach von mir führen«, gab er von sich und reichte ihr die Hand zum Gruß.
»Sie können mich Helga nennen und ich werde mich gerne von ihnen lotsen lassen.«
»Als Erstes werden wir ihr Gepäck aufgeben und dann können wir noch eine Tasse Kaffee trinken, bevor es in die Luft geht. Sind sie schon einmal eine so lange Strecke geflogen?«
»Wie lange dauert denn der Flug?«
»Also wir haben zwei Stopps in Frankfurt und Newark, insgesamt sind wir fast achtzehn Stunden unterwegs.«
»Nein, so lang war ich noch nicht im Flieger unterwegs. Bisher bin ich nur nach Spanien geflogen.«
»Können sie spanisch?« Helga nickte. »Ja, zwar etwas holprig, aber zum Unterhalten reicht es.«
»Na, das ist doch schön. In Costa Rica spricht man spanisch. Dann werden sie sich gleich etwas wohler fühlen. Wir werden zwar nicht viel Gelegenheit haben, dass ihr Spanisch zum Einsatz kommt, dennoch ist es sehr gut. Es ist auch für mich beruhigend zu wissen, dass sie sprachlich gesehen nicht hilflos sind, man weiß ja nie?« Helga, missfiel dieser Satz und er bereitete ihr kurzes Unwohlsein in der Magengegend. »Sie werden mich doch nicht allein dort lassen?« Sergio zuckte mit den Schultern.
»Normalerweise nicht, aber wer weiß schon, was morgen ist? Auf jeden Fall sind sie, indem Blockhaus allein auf sich gestellt. Wir werden nach unserer Landung in San José, für sie Lebensmittel für eine Woche einkaufen und was sie sonst noch brauchen, für die zweite Woche kaufen wir dann extra, aber in Tamarindo, ich denke, es wäre eine nette Abwechslung nach einer Woche Einsamkeit. In San Jośe fahren wir mit dem Taxi zu einem Freund von mir, der hält für uns einen Hubschrauber bereit und dann haben wir noch ungefähr 45 Minuten Flug nach Tamarindo und von dort noch circa eine halbe Stunde, mit dem Auto bis zu ihrem Blockhaus. Ich wohne in Tamarindo in einem kleinen Hotel, somit bin ich jederzeit bei ihnen.«
»Das ist ja sehr beruhigend. Ich verstehe sowieso nicht, warum ich dort bleiben soll, wenn man bereits in einer halben Stunde Vorort ist. Man braucht ja keine Woche zum Aufräumen.« Sergio zuckte mit den Schultern.
»Der Auftraggeber will es so, dafür dürften sie auch reichlich Kohle bekommen.« Helga schwieg.
»Na ja, was soll es«, antwortete sie kurz.
Nachdem sie ihren Kaffee in einer Coffee Bar getrunken hatten, bezahlte Sergio.
»Ich denke, wir müssen uns jetzt langsam zum Flieger begeben. Im Flieger sollten sie versuchen zu schlafen, damit wird ihnen die Flugzeit um einiges verkürzt, außerdem sollten sie schon etwas ausgeruht sein. In San José werden wir am frühen Vormittag ankommen und dann sofort einkaufen gehen. Anschließend dauert es ungefähr noch eineinhalb Stunden, bis wir am Blockhaus angekommen sind. Das ist eine lange Zeit, wenn man müde ist.«
Helga hatte nach anfänglichen Einschlafschwierigkeiten und einer Schlaftablette, die ihr Sergio gegeben hatte, den größten Teil des Fluges verschlafen. Nachdem sie ihre Einkäufe erledigt hatten, fuhren sie mit einem Taxi etwas außerhalb von San José zu Sergios Freund, bei dem sie noch Kaffee tranken und Kuchen aßen. Bis sie mit dem, für sie extra bereitgestellten Hubschrauber mit einem Piloten, nach Tamarindo flogen. Nach ungefähr 40 Minuten Flug, überflogen sie einen Ort, der im Norden und Süden von mehreren Nationalparks, sowie Sandstränden am Pazifischen Ozean und im Osten, von Bergen umgeben war.
»Ist das Tamarindo und was ist das für ein Fluss, der hier in das Meer fließt?«, fragte Helga.
»Ja, das ist Tamarindo und das ist ein salzwasserhaltiges Mündungsgebiet, in dem Krokodile leben«, erklärte Sergio und deutete nach unten.
»Da vorne ist der Flughafen, auf dem wir landen werden.«
»Für große Flugzeuge ist es hier aber sehr eng«, stellte Helga fest. Ihr Begleiter lachte.
»Der Flugplatz ist nur für Leichtflugzeuge und Hubschrauber zugelassen. Bei dem ich den Hubschrauber persönlich bevorzuge, wegen der Luftströme vom Meer her, der liegt nämlich ruhiger in der Luft.«
Helga war froh, als sie auf dem relativ kurzen Rollfeld landeten. Mit leicht wackeligen Beinen verließ sie den Hubschrauber. Weiter vorne auf dem Rollfeld stand bereits ein Leichtflugzeug, das nur noch auf seine Abfluggenehmigung wartete.
Nachdem sie das Rollfeld verlassen und einen Weg betreten hatten, der durch einen Garten führte, gingen sie zum Flughafengebäude. Dieses ähnelte einem kleinen Einfamilienhaus, mit einer Terrasse und kleinen Garten.
»Zurück fliegen wir dann mit so einem Touristenflieger«, sagte Sergio und deutete schmunzelnd auf dieses Leichtflugzeug, am Ende der Rollbahn. Nachdem er Helga angemerkt hatte, wie froh sie war, wieder Boden unter den Füßen zu haben.
»Normalerweise macht mir fliegen nichts aus, aber es ist schon ein gewaltiger Unterschied, ob man außer Glas, um sich herum fast nichts hat. Es ist schon etwas beängstigend. Bei einem Flieger hat man nicht das Gefühl, dass man im Freien sitzt, weil man eine Hülle um sich hat und nur aus den Fenstern auf die Erde sieht.« Sergio lachte.
»An das hatte ich nicht gedacht, aber ich werde mich bessern, das verspreche ich.«
Sie betraten die Terrasse vom Flughafengebäude. »Ich muss kurz hinein, warten Sie bitte hier.«
»Okay, ich setze mich inzwischen auf diese Bank.« Helga setzte sich auf eine der Bänke, im überdachten Warteraum, der zum Rollfeld hin offen war und eher einer Terrasse glich.
Nach kurzer Zeit kam Sergio Vargas wieder aus dem Gebäude und ging auf sie zu.
»So, von mir aus kann es losgehen«, sagte er und nickte mit dem Kopf zum Parkplatz ganz in der Nähe. Dort stiegen sie in einen Geländewagen und fuhren aus der Stadt.
Bereits nach kurzer Zeit, Tamarindo verlassend, folgten sie einem schmalen holprigen Naturweg, gesäumt von Bäumen, Palmen und dichtem Gestrüpp, der leicht aufwärts zum Blockhaus führte. Nach circa einer halben Stunde, endete der Weg auf einer kleinen Grassandfläche, vor dem Blockhaus, mit einer erhöhten Veranda und einer massiven Holztür, die ins Haus führte. Sergio hielt den Wagen an.
»Das hätten wir. Das ist doch ein nettes Häuschen, oder?«
Helga hielt sich in ihrer Begeisterung etwas zurück, schließlich wirkte dieses Blockhaus auf sie, wie in München die kleinen Hütten in den städtischen Kleingartenanlagen, nur robuster und etwas größer.
»Ja, ganz nett.«
Sergio forderte sie zum Aussteigen auf und betrat eilig, die über fünf Stufen zu erreichende Veranda, auf der eine Holzbank mit einem Holztisch vor den Fenstern stand.
»Kommen sie hoch, diese Aussicht müssen sie sehen. Einfach schön, das Meer, die Palmen, wie in einem Kitschfilm aus Hollywood, herrlich«, schwärmte Sergio.
Helga folgte seiner Aufforderung und musste zugeben, dass diese Aussicht alles andere in den Schatten stellte.
»Stimmt, es ist wirklich wunderschön, ach was, paradiesisch schön.« Sie stand auf der Veranda und konnte ihren Blick nicht vom Meer und den Palmen lassen.
Sergio öffnete die Tür zur Blockhütte und trat ein.
»Ein bisschen Sauerstoff würde der Hütte ganz guttun«, hörte Helga ihn sagen.
»Kommen sie herein«, sagte Sergio, während er eines der zwei Fenster öffnete. »Es ist klein, aber sehr gemütlich.«
Helga betrat das Haus, das aus einem Wohnraum und mit einem Vorhang abgetrennter Schlafnische bestand. Direkt neben der Schlafnische führte eine weitere ziemlich schmale Tür aus dem Zimmer. Sergio öffnete sie kurz.
»Ich dachte es mir schon, das sogenannte stille Örtchen mit Waschgelegenheit, etwas eng, aber es reicht«, sagte er laut vor sich hin. »Übrigens nehmen sie niemals die Insektengitter von den Fenstern, sonst haben sie in kürzester Zeit, alles was fliegt und krabbelt im Haus. Das gilt übrigens auch für die Tür, immer zu machen.« Helga nickte, »ich werde es mir merken, welche Tiere gibt es hier?«
»Frösche, Schlangen, Spinnen und Skorpione. Allerdings ist der Mückenschutz als Vorbeugung gegen Infektionskrankheiten, wesentlich wichtiger, als die Angst vor giftigen Schlangen und Spinnen. Sie kommen zwar vor, Schlangen suchen aber grundsätzliche meist das Weite, wenn sie Schritte wahrnehmen. Auf festes Schuhwerk für draußen sollten sie dennoch achten! Hier an der Pazifikküste gibt es auch Seeschlangen nähe der Küste, mit ihrem Biss, der weder spürbar noch schmerzhaft sein muss, injizieren sie ein Nervengift, das tödlich enden kann. Außerdem wurden vereinzelt, schon Krokodile am Strand gesehen. Also meiden sie am besten den Strand und das Meer.«
»Das klingt ja nicht gerade verlockend und ich dachte mir, dass ich morgens eine gemütliche Runde schwimmen könnte«, gab sie leicht ironisch von sich, schließlich wusste sie, dass der Weg zum Strand zu weit war. Sergio sah sie nachdenklich an.
»Lassen sie das lieber bleiben. Am besten sie bleiben hier beim Haus, sie haben hier ja eine gemütliche Veranda, dann sind sie auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Zudem sind im Kühlschrank, verschiedene Salben und Sprays für eventuelle Stiche. Helgas Blick kreiste durch das Zimmer.
»Oh, ich vergaß, der Kühlschrank ist hier, dabei deutete er auf eine Fußbodenluke. Sie müssen nur aufpassen, die Stufen nach unten sind steil, nicht dass sie hinunterfallen.
Übrigens wird der Strom von einem kleinen Windrad am Strand und einem Strom Aggregator hinter dem Haus erzeugt. Ich empfehle ihnen dennoch am Abend nur Kerzenlicht, das zieht auch nicht die Stechmücken so an. Kerzen gibt es reichlich im Küchenschrank und zwei feuersichere Windlichter dazu.«
»Gibt es auch ausreichend viele Zündhölzer dafür?«
Sergio lachte.
»Natürlich, die liegen bei den Kerzen. Obwohl ich ihnen eigentlich schon zugetraut hätte, dass sie, mit Fingerschnippen, Feuer machen können«, sagte Sergio und grinste sie an.
»Okay«, sagte Helga und vergewisserte sich, ob alles am erwähnten Platz lag, schließlich konnte er ja viel sagen und am Ende fehlte die Hälfte. Sergio beobachtete sie schmunzelnd.
»Und, sind sie nun überzeugt, dass alles stimmt, was ich gesagt habe?« Helga nickte. »Handyempfang gibt es hier keinen, erst in Tamarindo wieder.« Sergio deutete auf ein Funkgerät, das auf einem kleinen Sideboard vor dem Fenster lag.
»Hiermit können sie mich jederzeit kontaktieren. Ich habe es überprüft, es funktioniert bestens. Schauen sie, es ist ganz einfach.« Helga hörte aufmerksam zu und war dann froh, mit der Erkenntnis, dass sie ihn erreichen konnte, falls es nötig wäre.
»Haben sie noch irgendwelche Fragen?«
»Nein, alles ist klar, ich werde jetzt die Lebensmittel einräumen und dann an die Arbeit gehen, obwohl unordentlich schaut es nicht aus. Wenn ich die Kassette finde, kann ich dann zu ihnen ins Hotel ziehen?« »Nein, das geht nicht, die Vereinbarung setzt voraus, dass sie so lange im Haus bleiben, bis es dem neuen Besitzer übergeben wird.«
»So ein Blödsinn, da wird es mir ganz schön langweilig werden. Vielleicht könnten sie mir zwischendurch einen Roman kaufen?«
»Mal sehen, was lesen sie denn so? Wahrscheinlich einen schmalzigen Liebesroman?«
»Von wegen, ich lese nur Krimis und Triller«
»Gut, ich werde sehen, ob es etwas in Deutsch gibt und nicht nur in Spanisch.«
