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Petra und ihr Freund Wolfgang wanderten nach Kanada aus. Wolfgang bekommt einen Job als Wildhüter, er geriet aber schnell auf die schiefe Bahn. Beide kamen unerwartet ins Visier einer Bande, die mit Waffen und Drogen handelten. Mit deren List kamen sie ungewollt in ihre Kreise. Ihr Traum vom romantischen Kanada war vorbei, für sie begann der Kampf ums Überleben.
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Seitenzahl: 178
Veröffentlichungsjahr: 2024
Silke May
Eine falsche Entscheidung
Kriminalroman
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Eine falsche Entscheidung
Die Autorin
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Impressum neobooks
Kriminalroman
Zum Inhalt
Petra und ihr Freund Wolfgang wanderten nach Kanada aus. Wolfgang arbeitet als Wildhüter, er geriet aber schnell auf die schiefe Bahn.
Beide kamen unerwartet ins Visier einer Bande, die mit Waffen und Drogen handelten. Mit deren List kamen sie ungewollt in ihre Kreise. Ihr Traum vom romantischen Kanada war vorbei, für sie begann ein Kampf ums Überleben.
Silke May erlebt während des Schreibens, mit ihren Protagonisten, alle Höhen und Tiefen. Ob in Bayern oder in weiter Ferne der Wildnis, sie liebt jede Herausforderung, des Geschehens. Wie im echten Leben weiß auch sie nicht, was im nächsten Augenblick, in ihren Romanen geschehen wird. Das ist das Geheimnis der Illusionen, das sie am Schreiben so fasziniert. Sie schreibt Liebesromane, Fantasy und Kriminalromane sowie Kindergeschichten.
Im Anschluss, Leseproben:
Mord bei Vollmond
Tödliche Sommerhitze
Der angekündigte Tod
Der Costa Rica Vertrag
„Eine falsche Entscheidung“ ist ein Roman. Ähnlichkeiten mit Personen oder tatsächlichen Ereignissen, wären rein zufällig.
»Vollidiot«, schimpfte Petra leise vor sich hin und knallte die Bürotür ihres Chefs, hinter sich zu.
Alle Augen der Kollegen waren auf die zierliche, blonde junge Frau mit zu einem Knoten hochgesteckten Haaren gerichtet, als sie wieder das Großraumbüro betrat. Ihre unmittelbare Sitznachbarin und Freundin sah sie fragend an.
»Und, was wollte Poole?« Petra zuckte mit den Schultern.
»Ich muss gute Abschlüsse bringen sonst flieg ich raus.«
»Der will dich rausschmeißen, wegen deiner Umsätze? Der spinnt doch. Du schließt doch gute Verträge ab, der kriegt seinen Kragen aber auch nicht mehr voll!«
Petra setzte sich an den Computer und setzte die Ohrhörer auf, dann klickte sie sich in die von ihr zusammengestellte Kundenkartei, von neuen Kunden ein.
Der Rest des Tages verlief wie in letzter Zeit mit einigen Abschlüssen, jedoch auch heute war kein lukrativer Abschluss mit dabei.
Nach Dienstschluss verließ Petra müde und erfolglos das Gebäude der Versicherung. Bedrückt betrat sie das Wohnhaus, indem sie seit drei Jahren wohnte. Seit einem Jahr teilte sie mit ihrem Freund Wolfgang, diese kleine zwei Zimmer Wohnung mit Balkon, in der zweiten Etage.
»Frau Grün, sie schauen heute aber abgekämpft aus, gab es Stress in der Arbeit?« Frau Eckhart die Hausmeisterin, eine große kräftige Frau mit einem freundlichen Gesicht voll Sommersprossen und leicht schriller Stimme, strich ihr tröstend über den Oberarm.
»Jetzt machen sie sich einen entspannten Abend, trinken sie ein Glas Wein und lassen sie den Tag gut ausklingen. Einen schönen Abend.«
Petra nickte.
»Danke Frau Eckhart, das werde ich machen. Ihnen auch einen schönen Abend.«
Als sie ihre Wohnungstür öffnete, kam ihr ein feiner Duft von Gewürzen entgegen. Wolfgang, ihr Freund kam aus der Küche.
Groß und sportlich, mit dunklem fast schulterlangem Haar und einer Schürze um die Taille gebunden, stand er im Korridor und sah Petra prüfend an.
»Du siehst nicht gerade glücklich aus, mein Schatz«, gab er von sich und ging auf sie zu. Er umarmte sie und gab ihr ein Küsschen auf den Mund, dann legte er seinen Arm um ihre Schultern und nahm ihr zugleich die Handtasche ab, die er im Vorbeigehen auf den Spiegelschrank legte. »Jetzt erfrischt du dich erst einmal und ziehst dir etwas Bequemes an. Anschließend essen wir gemütlich und trinken einen Wein, dann kannst du mir erzählen, was dir über die Leber gelaufen ist. In fünfzehn Minuten ist die Pizza fertig, reicht dir die Zeit?«
»Ja, die müsste reichen.«
Petra ging ins Badezimmer und Wolfgang schob das Blech in den Ofen und marinierte inzwischen den Salat, den er zur Pizza reichen würde.
Petra knurrte inzwischen der Magen und sie beeilte sich im Bad.
»Petra bist du bald fertig, denn in fünf Minuten ist die Pizza fertig?«, rief er aus der Küche.
»Ich komme gleich!«, antwortete sie. Als sie aus dem Badezimmer kam, strömte ihr ein verführerischer Pizzaduft entgegen.
Wolfgang hatte den Esstisch im Wohnzimmer gedeckt und servierte die Pizza. Ein Blick darauf zauberte Petra sogar ein Lächeln auf die Lippen und für einen Moment ließ es sie sogar den Ärger vom Tag vergessen.
»So mein Schatz, jetzt trinken wir erst einmal auf uns zwei und auf die Pizza, die dir hoffentlich schmeckt.«
»Deine Pizza ist die Beste der Welt«, bestätigte sie und ließ es sich schmecken. Während des Essens erzählte ihr Wolfgang, was er so den ganzen Tag gemacht hatte, denn über Probleme sprachen sie grundsätzlich erst nach dem Essen.
Nachdem er das Geschirr in den Geschirrspüler geräumt hatte, nahmen sie ihren Wein und machten es sich auf dem Sofa bequem.
»So mein Schatz, jetzt erzähl, was ist passiert?« Petra erzählte ihm, wie das Gespräch mit ihrem Chef verlaufen war, dass sie ihm am liebsten den ganzen Kram vor die Füße werfen und kündigen würde. Wolfgang sah sie an und sah, dass in ihren Augen Tränen hochkamen, er nahm sie fest in die Arme und tröstete sie.
»Was spricht dagegen, das du den Job an den Nagel hängst?«
»Was soll ich denn machen, ich hab das nun einmal gelernt und da sind sie alle gleich, diese raffgierigen Chefs.« Wolfgang überlegte.
»Petra kannst du dich an unseren letzten Urlaub erinnern?«
Petra nickte, »du meinst den Urlaub in Kanada?«
»Genau den meine ich. Weißt du noch, wie toll der war?«
»Klar, den werde ich nie mehr vergessen, wir wollten gar nicht mehr nach Hause fliegen.«
»Mir kam soeben die Idee, was wäre, wenn wir dort für eine Weile leben würden, könntest du dir das vorstellen?«
Petra sah ihn überrascht an.
»Das ist nicht dein Ernst, oder?« Wolfgang nickte.
»Doch, das ist es. Schau Schatz, hier in Deutschland bekomme ich kein Standbein. Die Jobs, die mir Freude bereiten würden, gibt es nicht und so Büroarbeiten, wie du sie machst, liegen mir nicht. Ich möchte nicht ewig im Sommer Fahrräder verkaufen und im Winter, die Stallungen im Tierpark ausmisten müssen.«
»Und was schwebt dir so vor, in Kanada zu tun?«
»Ein Job als Wildhüter wäre toll, denn einen Waffen- und Jagdschein hab ich ja, schließlich war ich zwei Jahre Mitglied in einem Sportschützenverein, und wie du weißt, wäre ich immer schon gerne Förster geworden. Was bis heute nicht geklappt hat, weil sie sozusagen alle ihre Nachfolger bereits an der Hand haben.«
Petra reagierte skeptisch.
»Du denkst, dass du einen Job als Wildhüter bekommst, geht schneller? Vergiss nicht, dass wir dann auch ein Dach über den Kopf brauchen, das ist fast ausgeschlossen. Vergiss es.«
»Lass mich das nur machen, du wirst sehen, das geht ganz schnell. Wir beantragen jetzt das Visum online, und bis es dann mit der Post kommt, suche ich inzwischen einen Job und ein Haus.«
Petra reagierte misstrauisch und schüttelte den Kopf.
»Bitte, bitte, das ist jetzt unsere Chance. Komm lass es war werden, lass uns unseren Traum erfüllen.«
Da war er, der Dackelblick von Wolfgang und Petra konnte wie immer nicht widerstehen.
»Okay, aber die Wohnung hier in München gebe ich nicht auf. Ich möchte eine Wohnmöglichkeit haben, falls wir aufgeben müssen, wenn etwas schief geht.«
»Natürlich. Deine Mutter kann sich ja in deiner Abwesenheit um die Wohnung und deine Post kümmern, oder?«
»Das macht sie bestimmt, aber erst einmal wird sie versuchen, dass sie es mir ausreden kann und das wird nicht leicht werden.«
»Du schaffst es, mein Schatz. Ich freue mich riesig«, gab Wolfgang von sich und küsste sie.
Drei Wochen später überraschte sie Wolfgang, indem er sie von der Arbeit abholte.
»Hey, was ist denn heute los? Du hast mich doch noch nie von der Arbeit abgeholt?« Wolfgang grinste sie an.
»Mein Schatz, heute haben wir unser Visum bekommen und eine Jobzusage habe ich auch schon. Und jetzt halte dich fest, wir haben auch schon eine Wohnmöglichkeit.«
»Petra sah ihn wie vom Blitz getroffen an.«
»Moment mal, ich wiederhole. Unser Visum ist schon da. Du hast bereits eine Jobzusage als was?«
»Vor dir steht der neue Ranger Kanadas.« Petra überlegte. Während sie ihn ansah, sah sie, wie stolz Wolfgang war.
»Okay, und wie war das mit dem Wohnen?«
»Wir haben ein schnuckeliges Haus in einer Traumgegend. Zuhause zeige ich dir die Bilder. Eine herrliche Winteraufnahme vom Haus in einer märchenhaften Gegend. Drei Zimmer mit offenem Kamin, herrlich sage ich dir. Einfach herrlich und wir können sofort einziehen, denn es ist möbliert. Du kannst also schon Morgen kündigen.«
Irgendwie kam sich Petra vor, als wäre sie von einem LKW überrollt worden.
»Um in ein Haus einziehen zu können, muss man erst einen unterschriebenen Mietvertrag haben.«
»Den haben wir mein Schatz, der kam heute Mittag über Email inklusive der Bilder vom Haus. Wir müssen ihn nur noch ausdrucken, unterschreiben und wegschicken.«
Petra sah ihren Freund entgeistert an.
»Du willst aber nicht sagen, das du ohne mit mir gesprochen zu haben, alles fix gemacht hast, oder?« Wolfgang zuckte mit den Schultern.
»Wieso nicht? Wir waren uns doch darüber einig, dass wir nach Kanada gehen würden, oder willst du jetzt einen Rückzieher machen?«
»Nein das nicht, aber irgendwie fühle ich mich übergangen. Das ist schließlich eine wichtige Zukunftsentscheidung und da beharre ich auf mein Mitspracherecht.«
»Schatz verstehe doch, es musste alles schnell gehen, denn es gab nicht nur uns als Bewerber für das Haus und ich hatte doch kurz vorher den Job als Wildhüter erhalten. Stell dir vor, mein Arbeitsbereich befindet sich in der Nähe von unserem Haus. Jetzt lass uns schnell heimgehen.«
»Ja, aber.«
Petra hatte noch Einwendungen, als sie jedoch Wolfgangs freudiges Gesicht sah, brachte sie es nicht mehr über das Herz.
Wolfgang zog sie direkt nach Hause, er konnte es kaum noch erwarten, ihr seine Errungenschaft zu zeigen.
»Komm jetzt schauen wir uns die Bilder an. Ich bin überzeugt, dass es dir gefallen wird.«
Wolfgang führte Petra zum Sofa. Sein Laptop stand aufgeklappt auf dem Wohnzimmertisch.
»Komm setz dich her, ich habe schon alles vorbereitet.«
Wolfgang zeigte ihr schwärmerisch die Fotos und Petra musste zugeben, dass es sich um ein nettes Blockhaus an einem kleinen See, in einer romantischen Umgebung handelte. Wolfgang schwärmte den ganzen Abend davon und von seiner zukünftigen Arbeit als Wildhüter.
»Ja, ja, ja ich bin damit einverstanden, was bleibt mir denn anderes übrig du hast ja schon alles in die Wege geleitet und bestätigt. Lass uns jetzt ins Bett gehen, ich bin Müde und muss morgen früh aus den Federn raus.« »Okay dann buche ich morgen einen Flug. Wann kannst du fliegen?« »Morgen werde ich kündigen, dann habe ich eine vierwöchige Kündigungsfrist, davon gehen aber drei Wochen Urlaubsguthaben weg.« »Gut, also dann buche ich für nächstes Wochenende, bist du damit einverstanden?«
Petra nickte, während sie aufstand. »Wann sagst du es deiner Mutter?« Sie zuckte mit den Schultern.
»In den nächsten Tagen, da muss ich mental gut drauf sein. Sie wird sowieso versuchen, mir Kanada auszureden, dass weiß ich jetzt schon. Räumst du den Tisch ab?«
»Mach ich, gute Nacht mein Schatz.«
»Ich geh dann schon mal ins Bett? Gute Nacht.« Sie gab ihm ein Küsschen und verließ das Zimmer.
Petra hatte eine unruhige Nacht.
Sie träumte, dass sie allein am Straßenrand einem Highway entlang lief, während diese kein Ende nehmen wollte. Zwischendurch sah sie ihre Mutter, die sie mit erhobenem Zeigefinger ermahnte. Plötzlich war eine dunkle Gestallt hinter ihr. Panisch lief sie die Straße entlang sie fror und zitterte am ganzen Leib. Die dunkle Gestalt die ihr hinterher lief, holte auf und war ihr bereits dicht auf den Fersen. Plötzlich umklammerte sein eisiger Griff ihr Handgelenk und Petra schrie auf.
»Petra ich bin's, wach auf, du hast nur geträumt, ganz ruhig.«
Sie öffnete die Augen und sah Wolfgangs Gesicht ganz nah dem ihren. Noch starr vor Schreck sah sie ihn an. Sie wischte sich über die Augen und atmete tief durch.
»Das war furchtbar, ich hatte einen Albtraum. Ich wurde auf einem Highway verfolgt. Ich war zu Fuß und allein unterwegs, ab und zu sah ich meine Mutter und dann packte mich der Verfolger an der Hand. Es war schrecklich.«
Wolfgang nahm sie in den Arm, »alles ist gut, es war heute alles für dich etwas zu viel. Komm Schatz, ich nehme dich in den Arm, dann kannst du ruhig einschlafen. Ich vertreibe deine bösen Träume.«
Petra kuschelte sich an Wolfgang, sie vernahm seinen gleichmäßig ruhigen Herzschlag und schlief ein.
Am nächsten Morgen fühlte sich Petra wie gerädert, so als hätte sie sich die halbe Nacht um die Ohren geschlagen. Wolfgang war schon sehr früh wach und hatte bereits das Frühstück gemacht. Petra setzte sich an den Esstisch und kaute lieblos an einer Marmeladensemmel herum. Eigentlich genoss sie das Frühstück mit Wolfgang immer, schließlich war er nicht jeden Tag hier, er wohnte in einer Männer WG. Allerdings, seit Kanada im Gespräch stand, verbrachte er mehr Zeit bei ihr, als in seiner Wohngemeinschaft mit Hans und Rudi.
»Was ist los mit dir, schmeckt dir die neue Marmelade nicht?«
»Doch sie ist lecker, aber mir graut vor der Arbeit. Ich wäre froh, wenn ich meine Kündigung schon hinter mir hätte.«
»Warum machst du dir solche Gedanken darüber, dein Chef ist doch so eine Dumpfbacke. Du müsstest dich eigentlich freuen, ihm endlich die Kündigung hinwerfen zu können.«
»Du hast leicht reden, schließlich bin ich seit dreizehn Jahren in dieser Versicherung tätig. Hast du vergessen, dass ich dort sogar meine Lehre gemacht habe. Wolfgang, das verbindet irgendwie, aber davon hast du ja keine Ahnung.«
»Stimmt, genau das ist der springende Punkt. Ich bin jetzt dreißig Jahre alt und möchte endlich einen festen Job haben, der mir Spaß macht. Petra, ich möchte mit dir eine Familie gründen, da bleibt uns nicht mehr viel Zeit, du bist ja auch schon siebenundzwanzig.«
»Danke für das Kompliment, ich fühle mich aber in diesem Alter oder drei Jahre später, noch nicht zu alt, um Kinder zu bekommen.«
»Vergiss nicht, wir müssen uns aber erst eine Zukunft aufbauen. Auch wenn wir ein Haus und ich einen Job habe.«
»Tja mein Schatz, das mit deiner Zukunft, hast du ja wohl selbst vergeigt. Ich habe meine Zukunft schon seit Jahren fest im Griff.«
»Du hattest auch Glück, dass du einen Job bekommen hast, der dir gefällt. Aber wie man sieht, hat sich das auch geändert. Was sagt uns das? Dass sich alles ändern kann, also brauchen wir unsere Zeit, um das wirklich Richtige zu bekommen. Ich bin davon überzeugt, dass Kanada unsere Zukunft ist.«
Petra sprang vom Stuhl auf. »Meine Güte, vor lauter Zuhören, habe ich die Zeit vergessen, schau mal auf die Uhr, ich müsste schon seit fünfzehn Minuten weg sein. Das passt ja, zu spät kommen und dann auch noch kündigen, Herr Poole schmeißt mich womöglich gleich raus. Tschau!« Eiligst hatte sie die Wohnung verlassen und lief die Treppen hinunter. Im Erdgeschoss angekommen, öffnete sich die Wohnungstür von Frau Eckhart, der Hausmeisterin.
Auch das noch, dachte sie, als sie schon die schrille Stimme von ihr hörte.
»Frau Grün, haben sie einen Moment?«
»Jetzt nicht Frau Eckhart, ich bin schon spät dran«, sagte sie im Vorbeilaufen und verließ eiligst das Haus. Petra wusste genau, dass die Hausmeisterin nur einen kurzen Ratsch halten wollte, anscheinend hatte sie wieder etwas über einen Mieter im Haus in Erfahrung gebracht. Das war dann auch das Letzte was ihr jetzt noch fehlte, schließlich musste sie heute noch einen Meilenstein für ihre Zukunft in Bewegung setzen. Wenn sie an ihren Chef dachte, wurde ihr ganz flau im Magen.
Ziemlich knapp, aber dennoch Pünktlich erreichte sie das Großraumbüro, dass sie sich mit weiteren neun Kolleginnen teilte. Die Tür zum Vorzimmer des Chefs stand offen. Ihre Freundin sah sie fragend an.
»Wo bleibst du denn, der Boss war schon zweimal hier und sah auf deinen leeren Schreibtischstuhl?«, flüsterte sie vorwurfsvoll.
»Ich bin doch noch pünktlich, was soll das?«
Kaum hatte sie diesen Satz ausgesprochen, hörte sie bereits die dunkle Stimme ihres Chefs.
»Ach, Frau Grün gibt uns doch noch die Ehre, wie nett von ihnen. Legen sie ihre Tasche ab und kommen sie sofort zu mir ins Büro. Ach ja, bringen sie die Unterlagen von ihren gestrigen Abschlüssen mit.«
Petras Stimmung fiel in diesem Moment auf den Nullpunkt. Gestern hatte sie nur wenig Abschlüsse getätigt und die waren auch nur auf das Nötigste beschränkt. »Jetzt gibt es gleich Zoff«, raunte sie ihrer Freundin Anni zu, während sie sich den Aktenordner unter den Arm klemmte und ihren Briefumschlag mit der Kündigung in der Hand hielt. Mit schweißnassen Händen ging sie zum Büro. Petra wollte schon durchstarten, direkt ins Büro zu Herrn Poole als sie Frau Krauter, sein Vorzimmerwachhund abhielt.
»Stop, ich muss sie erst anmelden!« Petra schüttelte den Kopf.
»Nicht nötig, Herr Poole erwartet mich bereits.«
Die Vorzimmerdame rückte ihre Brille zurecht und sah Petra skeptisch an. Sie fuhr sich mit den Fingern durch ihre kurz geschnittenen Haare und räusperte sich.
»Gut, dann gehen sie hinein.«
Als sie das Büro ihres Chefs betrat, schlug ihr das Herz bis zum Hals. »Schließen sie hinter sich die Tür«, sagte Herr Poole und starrte weiter auf seine Unterlagen ohne aufzusehen.
»Setzen sie sich«, gab er lapidar von sich und sah immer noch nicht auf. Petra setzte sich in den Ledersessel vor seinem Schreibtisch. Poole ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und blätterte weiterhin in seinen Unterlagen. Petra kannte dieses Verhalten bereits, damit wollte er sein gegenüber nur mürbe machen.
Von Minute zu Minute kochte in ihr die Wut höher, sie hasste dieses Verhalten, es war so herabsetzend. Sie hatte das Gefühl, jeden Moment vor Wut zu platzen. Als sich nach gefühlten zehn Minuten an seinem Verhalten immer noch nichts geändert hatte, reichte es ihr.
»Ich komme später wieder, wenn sie für mich Zeit haben«, sagte sie und stand auf.
Jetzt reagierte Poole.
»Bleiben sie, ich bin schon fertig. Ich will mich auch ganz kurz fassen. Sie haben bis jetzt in diesem Monat, noch keinen einzigen lukrativen Abschluss getätigt. Haben sie keine Lust oder sind sie dazu nicht in der Lage?«
»Weder das Eine noch das Andere, Herr Poole. Die Menschen sind einfach sparsamer geworden, außerdem haben sie mir ein neues Gebiet gegeben, das nicht gerade mit wohlhabenden Menschen besiedelt ist.«
»Das stimmt, aber das macht doch erst den Reiz an der ganzen Sache. Ich hätte ihnen das zugetraut, aber anscheinend lag ich falsch? Was mache ich jetzt mit ihnen? Einen Gebietswechsel gibt es erst wieder in einem halben Jahr.«
Petra unterbrach ihn, sie schäumte vor Wut.
»Bevor sie sich unnütz den Kopf zerbrechen, hier haben sie meine Kündigung.« Petra schob ihre Kündigung über den Schreibtisch.
»Von der vierwöchigen Kündigungsfrist, ziehen sie drei Wochen von meinem mir zustehenden Urlaub ab, dann bleibt nur noch eine Woche übrig, in der ich arbeiten muss. Das heißt, diesen Freitag ist mein letzter Arbeitstag.«
Poole schnappte nach Luft und sein Gesicht färbte sich so rot wie eine Tomate. Mit einem stechenden Blick sah er Petra an, nahm dann den Umschlag und öffnete ihn. Poole schnaufte laut durch.
»Gut, sie haben es so gewollt. Unter diesen Umständen verzichte ich auf ihre Mitarbeit und stelle sie mit dem heutigen Tag frei. Ihr Gehalt wird ihnen bis zum Monatsende ausbezahlt. Ihre Papiere bekommen sie im Personalbüro. Ich gebe den Damen gleich Bescheid. Alles Gute.« Poole stand auf, reichte ihr die Hand und Petra verließ sein Büro.
Nachdem sie ihre Papiere entgegengenommen hatte, ging sie noch einmal kurz in das Großraumbüro, um sich von ihren Kolleginnen zu verabschieden.
Als sie dann das Gebäude verließ, stiegen ihr doch noch ein paar Tränen in die Augen. Sie wischte sich die Tränen weg und rief bei Wolfgang an.
»Es ist vorbei, jetzt muss ich nur noch meiner Mutter Bescheid geben. Das mache ich am besten jetzt, noch vor dem Mittagessen, dann geht’s in einem Aufwaschen. Vorher kriege ich sowieso nichts runter.«
Petras Mutter war ob dieser Neuigkeit nicht begeistert.
»Petra, du bist ja verrückt!«, rief sie entsetzt aus. »Wolfgang ist ein netter junger Mann, aber äußerst unzuverlässig. Hier in Bayern kannst du ja mit ihm gut zusammenleben, weil du auf ihn nicht angewiesen bist. In einem Land wie Kanada, da seid ihr beide aufeinander angewiesen und du musst dich hundert prozentig auf ihn verlassen können. Das, mein liebes Kind kannst du aber nicht. Er bringt es ja noch nicht einmal zu einem langfristigen Job.«
»Genau das ist aber der Grund, Wolfgang bekommt einen gut bezahlten Posten als Ranger und ein Haus haben wir dann auch gleich.«
Ihre Mutter schüttelte den Kopf.
»Kind, das wird nicht gut gehen. Bleib hier, hier hast du doch alles. Eine hübsche kleine Wohnung und eine gut bezahlte Anstellung bei einer Versicherung, das willst du alles aufgeben, für seinen Traum?«
»Ja, es ist nicht nur sein Traum, sondern auch meiner«, schwindelte sie, schließlich musste sie Wolfgang zu diesem Schritt erst überreden. Ihre Mutter ging auf sie zu und nahm sie in die Arme.
»Hast du dir das ganz genau überlegt?« Petra nickte. Ihre Mutter gab ihr einen Wangenkuss.
»Okay, dann geht und werdet glücklich. Wann macht ihr einen Vertrag und wann kündigst du?«
»Alles schon erledigt, am Samstagabend geht’s los.« Ihre Mutter starrte sie an.
»So schnell, und was ist mit der Wohnung?«
