Die Herrscher der Finsternis - Silke May - E-Book

Die Herrscher der Finsternis E-Book

Silke May

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Beschreibung

Torre reitet zur Burg des Hexenmeisters Waal, um seine Schwester und die Prinzessin Samara zu befreien. Der Hexenmeister ließ beide Frauen entführen, um Samara beim nächsten Vollmond gegen ihren Willen zu heiraten. Tobin hatte am Vorabend mit seinen Freunden eine Wette abgeschlossen. Derjenige, der sich traute, aus der Feuerhöhle im Schattental den roten Feuerkristall zu holen, würde von jedem zehn Taler bekommen. Bastian findet auf einem Feldweg einen seltsamen Stein und fühlt sich auf eigenartige Waise von ihm angezogen. Er steckt ihn ein und damit beginnt für ihn ein gefährliches Abenteuer, denn nicht nur die Moorhexe ist hinter diesem Stein her.

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Seitenzahl: 105

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Silke May

Die Herrscher der Finsternis

Fantasy

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Torre und der Hexenmeister

Feuerkristall

Stein der Macht

Impressum neobooks

Torre und der Hexenmeister

Die Sonne versank am Horizont. Die Steinquader, die aus der kahlen Umgebung emporragten, wirkten noch größer und gespenstischer als bei Tageslicht. Aus der trostlosen Wüste nahte Torre. Er war von Kopf bis Fuß in weiße Tücher gehüllt, nur ein kleiner freier Schlitz vor den Augen ermöglichte ihm die Sicht.

Sein Pferd Feuerwind war ein großes und kräftiges Tier. Während Torre zu den Felsen blickte, stieg er langsam ab. Dabei ließ er die Steinquader nicht aus den Augen. Nur zu gut wusste er, dass hinter diesen große Gefahr lauern konnte. Nichts rührte sich, alles war ruhig. Torre lauschte eine Weile in die Stille. Er streichelte seinem Pferd über den Nacken und flüsterte ihm ins Ohr: »Ich denke, hier können wir übernachten, was meinst du, Feuerwind?«

Torre legte seine weißen Tücher ab. Ein muskulöser junger Mann, dessen Körper von der Sonne tiefbraun war, kam zum Vorschein. Sein Oberkörper war nackt. Er war jetzt nur noch mit einer weißen Leinenhose bekleidet, ein buntes Tuch diente ihm als Gürtel. Sein schwarzes Haar fiel ihm wellig bis zu den Schultern. Er reichte seinem Pferd in einer kleinen Holzschale Wasser und sah ihm zu, wie es trank. Als Nächstes legte er eine Möhre, einen Apfel sowie ein Stück trockenes Brot auf den Boden. Erst danach nahm er auf seiner geknüpften Matte Platz. Nun trank er selbst aus seinem Lederbeutel und aß dazu einen Apfel und etwas Brot. Sein Blick glitt zum Horizont, den er mittlerweile nur noch schemenhaft erkennen konnte. Langsam begann, Torre zu frösteln. Er holte seine Felldecke und hängte sie sich über die Schultern. Auf ein Feuer verzichtete er, weil man es zu weit hätte sehen können. Es dauerte nicht lange und ihm fielen die Augen zu.

Bereits im Halbschlaf flüsterte er seinem Pferd noch zu: »Gute Nacht, Feuerwind«.

Es beruhigte ihn, dass er sich stets auf Feuerwind verlassen konnte. Schließlich hatte er ihn bis jetzt noch vor jeder Gefahr gewarnt, und sie hatten immer rechtzeitig fliehen können.

Am Morgen weckte ihn das Scharren eines Hufs. Torre blinzelte hinüber zu seinem Pferd. Er bemerkte, dass Feuerwind heftig mit dem Kopf nickte, und war sofort hellwach. Worauf wollte er ihn aufmerksam machen?

Er erhob sich und spähte in alle Richtungen, konnte aber nichts Ungewöhnliches entdecken.

Jetzt fing Feuerwind an zu schnauben und nickte immer heftiger mit seinem Kopf. Das Scharren des Hufs wurde ebenfalls energischer. Torre packte schnell seine Habseligkeiten zusammen und schwang sich auf den Pferderücken. Die Fluchtrichtung überließ er Feuerwind; schließlich hatte dieser die Gefahr gewittert und wusste, aus welcher Richtung das Unheil drohte. Das Pferd preschte mit seinem Herrn davon.

Erst als sie eine Landschaft erreicht hatten, in der unzählige Steinquader aufragten, wurde es wieder langsamer. Nach einer Weile blieb Feuerwind stehen und Torre glitt von seinem Rücken. Er linste vorsichtig an einem großen Stein vorbei in die Richtung, wo sich ihr Lager befunden hatte. Dort konnte er zunächst nur eine riesige Staubwolke erkennen. Als diese verweht war, wurde eine Gruppe Reiter sichtbar. Torre war froh zu sehen, dass diese in eine andere Richtung davonritten. Er strich Feuerwind über seine Mähne. Sein Hals war ganz nass, und Torre rieb ihn sanft mit einem Leinensack trocken. Dann trank er gierig ein paar große Schlucke Wasser und hing seinen Gedanken nach, während sein Blick in die Ferne schweifte. Ob es ihm gelingen würde, seine Schwester und Samara zu befreien? Er hatte die Tochter des Sultans nie gesehen, ihr Vater hielt sie vor allen Menschen versteckt. Nur Torres Schwester Jaris kannte ihr Gesicht, denn sie war Samaras persönliche Dienerin. Den Schergen des Hexenmeisters Waal war es dennoch gelungen, beide Frauen hinterlistig zu entführen. Der Hexenmeister würde Samara in der Nacht der Mondfinsternis gegen ihren Willen zu seiner Gemahlin machen.

Viele Tage lang hatten die Soldaten des Sultans nach seiner Tochter und ihrer Dienerin gesucht, doch sie waren erfolglos zurückgekehrt.

Die Traurigkeit des Sultans führte dazu, dass er seine Gemächer nicht mehr verließ. Von nun an wussten seine Soldaten aus lauter Langeweile nichts Besseres, als zu trinken und ihren Übermut am Volk auszulassen.

Als Torre von der Entführung erfuhr, hatte er sofort beschlossen, Jaris und Samara zu befreien. Er wusste aber, dass es gefährlich war, sich in das Reich des Hexenmeisters zu begeben. Denn der Hexenmeister war unberechenbar und ständig von vielen seiner treuen Schergen, die den Kampf nicht scheuten, umgeben. Torre trank noch einen Schluck. Dann packte er seine Utensilien wieder ein und weiter ging es in ein unbekanntes Reich. In der Ferne konnte man tiefhängende schwarze Wolken sehen, der Wind legte an Stärke zu. Torre zog seinen weißen Umhang enger um den Körper und tätschelte den Hals von Feuerwind.

»Leider kann ich es dir nicht ersparen, dass wir durch das Tal der Gewitter müssen.«

Feuerwind trabte schneller. Schon bald peitschten Blitze und scharfer Regen auf den Boden und der Sturm zerrte am Sattel, als wollte er Torre vom Pferd reißen. Torre konnte wegen des Regens kaum noch etwas sehen, er schützte seinen Körper vor dem Sturm, indem er sich ganz fest an sein Pferd drückte. Wie immer verließ er sich vollkommen auf sein Reittier. Er nutzte seine Fähigkeit, mit Feuerwind telepathisch in Verbindung zu treten, und übermittelte ihm so gedanklich die Wegrichtung. Nach einer Weile wurde der Wind schwächer und der starke Regen ließ nach. Torre setzte sich wieder aufrecht auf sein Pferd und betrachtete die Umgebung; es war eine wilde, aber schöne Gegend.

Er befand sich in einem grün überwucherten engen Tal mit mächtigen Felsen. Die starken Baumstämme, die teils schief oder gar entwurzelt am Boden lagen, waren bereits mit Moos bedeckt. Hohes saftiges Gras mit viel Farn wuchs neben dem schmalen steinigen Pfad, den sein Pferd entlangtrottete. Torre sog die Luft, die würzig nach frischem Gras und feuchter Erde roch, tief ein. Es war ein gutes Gefühl, nach fast zwei Tagen in der Wüste wieder Natur zu riechen. Er spürte die Feuchtigkeit der Luft in seiner Nase und fühlte sich sehr wohl. Auch Feuerwind wurde langsamer und schnupperte gelegentlich. Torre stieg ab und führte ihn langsam am Zügel weiter. Immer wieder hielt er an, damit Feuerwind das Gras genießen konnte.

»Ist es hier nicht herrlich?«, sagte er zu seinem Pferd und strich ihm über die lange schwarze Mähne.

Feuerwind gab wie zur Bestätigung ein kurzes Schnauben von sich. Bald kamen sie an eine breite Lichtung, die von einem kleinen Bach durchzogen war.

»Wollen wir hier eine Weile rasten?«

Feuerwind blieb zum Zeichen des Einverständnisses abrupt stehen, also nahm er den Sattel vom Pferderücken und rieb das Fell darunter trocken. Dann überließ er seinen Freund sich selbst. Feuerwind ging als Erstes zum Bach und trank das gute Nass, um sich bald darauf wieder dem saftigen Gras zu widmen. Torre füllte seinen Lederbeutel mit frischem Wasser. Er errichtete eine Feuerstelle und goss dann einen Wassertopf voll, den er darauf platzierte. Anschließend nahm er einige Hände voll aus dem Bach und spürte es kühl die Kehle hinunter rinnen. Er schnupperte unter seinen Achseln.

»Na ja, ein kleines Bad und frische Wäsche könnten nicht schaden, was meinst du? Kommst du mit?«

Er zog sich aus und tauchte seine Kleider in den Bach. Torre erschauerte, als er ebenfalls hineinstieg, dann spritzte er sein Pferd nass und stürzte sich richtig in die Fluten. Immer wieder besprenkelte er sein Pferd, dem das sichtlich gefiel, denn es warf sich einmal sogar seitlich ins Wasser. Beide hatten ihren Spaß, und nebenbei wusch Torre auch gleich seine getragenen Kleider. Nackt, wie er war, lief er zu einem kleinen Baum hinter der Feuerstelle, um sie dort zum Trocknen aufzuhängen. Doch kaum hatte er die Nähe des Baumes erreicht, schoss blitzschnell etwas einer Peitsche Ähnliches aus dem Baum und schlang sich um seine Taille.

Torre schrie fassungslos nach seinem Pferd. »Feuerwind - hilf mir!«

Das Tier trottete langsam zu Feuerstelle. Es machte den Anschein, als würde es sein Rufen nicht hören. Jeglicher Versuch sich zu befreien scheiterte. Der seltsame Baum hielt ihn fest, und Torre überlegte verzweifelt, wie er freikommen könnte. Plötzlich trat Feuerwind mit dem Huf gegen den heißen Wassertopf, und dieser flog mit voller Wucht gegen den unteren Baumstamm. Das heiße Wasser entleerte sich in einem Schwall. Daraufhin hallte ein kurzes Gejohle durch das Tal, denn Torre hatte ein paar heiße Spritzer an den Füßen abbekommen.

Doch gleichzeitig ließ der Druck um seine Hüfte nach und er konnte sich jetzt leicht befreien. Er sprang buchstäblich vom Baum weg und umarmte sein Pferd. Dann zog er hastig die nassen Kleider an und packte seine Utensilien zusammen.

In Windeseile verließen sie ihren Ruheplatz. Frierend, aber froh, ritt Torre davon.

Nach einer Weile kamen sie an einen Abhang. Unter ihnen lagen weite grüne Wiesen und am Horizont konnte man das Meer sehen. Mitten im Grünen stand eine große schwarze Burg. Sie war umgeben von einem dicken Mauerwall.

»Schau, Feuerwind, das muss sie sein, die Festung des Hexenmeisters Waal!«

Torre ritt langsam bergab. Die Hälfte des Weges hatten sie schon hinter sich, als er merkte, dass es jetzt zu gefährlich zum Weiterreiten wurde. Also stieg er vom Pferd und führte Feuerwind vorsichtig den steinigen und steil abschüssigen Pfad entlang. Als der Weg sich wieder verbreiterte, klopfte er seinem Pferd den Hals.

»Das Unangenehmste haben wir hinter uns. Schau, jetzt ist es bis zum Bergende nicht mehr so gefährlich.«

Er war froh, dass sie dieses Stück unbeschadet hinter sich gebracht hatten. Aber Feuerwind nickte unruhig. Das ließ Torre ahnen, dass Gefahr drohte. Er stieg auf sein Pferd und sie ritten in einem schnelleren Galopp. Plötzlich holte sie ein Schatten ein. Torre sah nach oben und erschrak fürchterlich. Ein großer Schwarm kleiner schwarzer Vögel nahm direkten Kurs auf sie. Torre gab Feuerwind die Fersen. »Weg hier!«, schrie er.

Ein paar von den kleinen Biestern hatten sie bereits erreicht und traktierten sie mit Schnabelhieben. Torre versuchte, sein Pferd davor zu schützen, indem er ihm seinen Umhang über den Körper warf.

In der Ferne konnte er einen Wasserfall sehen, auf den er nun eilends zusteuerte. Die blutgierigen Biester hatten ihm schon etliche Wunden zugefügt. Überall um ihn war es schwarz und der Schmerz, den die hackenden Schnäbel verursachten, wurde immer unerträglicher. Er drückte seinen Körper fest an Feuerwind und schützte sein Gesicht und seine Augen so gut es ging vor den Schnabelhieben. Plötzlich spürte er einen Schwall kaltes Wasser auf seinem Körper und die Schnabelhiebe hörten auf. Feuerwind war mitten in den Wasserfall gelaufen. Mit wütendem Kreischen zogen die Vögel davon.

»Ach, mein lieber Feuerwind, wenn ich dich nicht hätte, danke!« Er kraulte die Ohren des Pferdes und umarmte es fest. Dann stieg er ab und überprüfte, ob sein Pferd verletzt worden war. Zum Glück schien es weitgehend unversehrt zu sein, bis auf zwei kleine Wunden. Torre hatten die Vögel allerdings schlimmer erwischt. Er kühlte seine Wunden mit dem klaren Wasser des Wasserfalls.

Nach einer Weile sah es so aus, als sei die Gefahr vorbei, und sie wagten sich wieder heraus. Frierend hielt Torre Ausschau nach einem sicheren Nachtlager. Die Sonne stand schon wieder ziemlich tief am Horizont. Zwischen ein paar Büschen entdeckte er eine kleine Höhle, die nicht sehr tief in den Berg hineinführte.

»Genau das ist der richtige Platz«, sagte er zu seinem Pferd. Er befreite es vom Sattel und versorgte es. Endlich konnte er nun auch seine nassen Kleider zum Trocknen aufhängen. Er legte sich eine Decke um, holte sich etwas zum Essen aus der Satteltasche und setzte sich auf seine Matte. Die Wärme des Feuers ließ ihn immer wieder kurz einnicken. So saß er nun mehrere Stunden, er wurde zwischendurch immer wieder wach und döste aber gleich wieder ein.

Mittlerweile stand der Mond hoch am Himmel. Torre trat vorsichtig aus seinem Versteck und sah in Richtung der Burg. Diese lag vom Mondlicht hell erleuchtet vor ihm.

»Heute Nacht wollen wir nachsehen, ob es einen versteckten Eingang bei der Burg gibt, bist du bereit?«, ermunterte er flüsternd sein Pferd. Feuerwind schnaubte kurz durch die Nüstern. Torre zog seine noch leicht feuchten Kleider an und räumte seine Ausrüstung zusammen, dann füllte er seine Lederbeutel noch einmal mit frischem Quellwasser. Er sattelte sein Pferd. Obwohl er wusste, dass es eine waghalsige Idee war, war er sicher, dass es ihm in der Nacht leichter gelingen würde, unerkannt in die Burg einzudringen.

Schon nach kurzer Zeit schlich Torre leise an der Burgmauer entlang. Er wollte auskundschaften, wie er am besten ungesehen ins Innere kommen konnte. Überrascht stellte er fest, dass die Burg offenbar nicht bewacht wurde.