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Max ist Promifriseur. Und er liebt die Astrologie. In diesem liebevoll gestalteten Buch erzählt er von seinem Anspruch an sich und seine Arbeit und von den Lektionen, die ihm das Leben und der Salon erteilt haben. Aus den Jahren mit Hunderten von Kundinnen hat er sich das Handwerkszeug erarbeitet, schnell und genau zu erfassen, wo eine Kundin astrologisch hingehört und wie er mit ihren Haaren umgehen sollte. Herzstück des Buches bilden demnach die Sternzeichen und die individuellen Frisuren und Pflegehinweise, die Max seinen Kundinnen angedeihen lässt. Mit spannenden Tipps auch für zu Hause!
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Seitenzahl: 240
Veröffentlichungsjahr: 2014
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MAX HÖHN
DER ASTROFRISEUR
Die perfekte Frisur für jedes Sternzeichen
VORWORT
EINLEITUNG
WIDDER
21. März bis 20. April
»Ich will«
STIER
21. April bis 21. Mai
»Sinnlichkeit pur«
ZWILLINGE
22. Mai bis 21. Juni
»Alles neu«
KREBS
22. Juni bis 23. Juli
»Einfach Gefühle«
LÖWE
24. Juli bis 23. August
»Big Hair«
JUNGFRAU
24. August bis 23. September
»Leidenschaftliche Beständigkeit«
WAAGE
24. September bis 23. Oktober
»Spielerisches Drama«
SKORPION
24. Oktober bis 22. November
»Immer absolut«
SCHÜTZE
23. November bis 21. Dezember
»Haare ab!«
STEINBOCK
22. Dezember bis 20. Januar
»Rituale«
WASSERMANN
21. Januar bis 19. Februar
»Visionen«
FISCHE
20. Februar bis 20. März
»Twelve-in-one«
DANKSAGUNG
Für Ronald Marx (1964 –2014)
Als ich Max zum ersten Mal begegnet bin, war eine seiner ersten Fragen an mich die nach meinem Sternzeichen. »Wassermann «, sagte ich – und er beschrieb mir, was ich gern mache, nicht mache, nie machen werde, liebe, verabscheue und vor allem, was das alles für Auswirkungen auf meine Haare habe. Was er sagte, stimmte – nicht alles, aber was die Haare anging, definitiv. Seitdem ist Max der Wächter meiner Haare.
Max und ich sind Freunde geworden. Meinen Töchtern schneidet er auf ganz verschiedene Weise die Haare. Der einen, während sie bei ihm im Laden auf dem Boden spielt. Es wird vor allem viel gelacht, die Haare sind dabei ganz nebensächlich und irgendwann eben kürzer. Der anderen, nachdem sie ganz gewissenhaft auf dem Stuhl Platz genommen hat und sich jede Handbewegung genau einprägt, um später selbst »Max« zu spielen. Hat wohl mit dem Sternzeichen zu tun.
Mir schneidet er dann die Haare, wenn er es für richtig hält. Nachts um zwölf beim Prosecco mit einem Schwung von befreundeten Nachbarn im Laden. Gar nicht, weil die Stimmung gerade nicht passt. Oder aber zum vereinbarten Termin. Frisuren wurschtelt er mir, ganz wie es dem Wassermann gefällt, zwischen Tür und Angel, oder wir nehmen uns irrsinnig viel Zeit. Für meine Hochzeitsfrisur bin ich ihm heute noch dankbar. Er hätte mich und das, wie ich bin, was mich ausmacht und wie ich mich wohlfühle, nicht genauer treffen können.
Das hat vielleicht was mit den Sternzeichen zu tun, aber vor allem mit diesem wunderbaren Menschen Max Höhn.
Lisa Martinek
Kurz vor Beendigung meiner Friseurlehre sprach ich in München an einer Schauspielschule vor. Zur Belohnung für meinen Mut ließ ich mir in einem szenigen Salon die Haare schneiden. Der Friseur fragte mich nach meinem Sternzeichen. Ich antwortete ihm: »Stier.« Er erzählte mir ein paar Dinge: »stur« und »Stiernacken« und so, und ich dachte leicht echauffiert: »Also wirklich, so ein Quatsch!« Aber dann sagte er zu mir: »Ist das nicht was für dich? Frag doch mal alle deine Kunden nach dem Sternzeichen, einfach so nebenbei!« Ich weiß nicht, warum, aber irgendwie blieb das hängen und ich tat genau das: Ich fing an, Menschen nach ihrem Sternzeichen zu fragen. Und ich stellte fest, dass ich viel schneller einen Zugang zu ihnen fand, dass wir leichter ins Gespräch kamen und ich ihnen zeigen konnte, dass ich an ihnen interessiert bin. Meine Neugierde auf die Astrologie war geweckt.
Natürlich gibt es nicht die eine Frisur, die alle Vertreter eines Sternzeichens tragen müssen. Aber mit der Zeit fiel mir auf: Eine Krebsfrau, die Dauerwelle und Löwenmähne trug – alles bombastisch nach oben toupiert – fühlte sich damit eigentlich nicht richtig wohl. Ein entspannter Look passte viel besser zu ihr, er war nicht so »over the top«. Für eine Löwin hingegen war das genau das Richtige, denn sie liebte es, aufzufallen und ihre Mähne zu präsentieren. Wild und lebendig sollte es damals, in den späten achtziger Jahren, für die Löwe-Frauen sein. Und auch Löwe-Männer hatten erstaunlich oft längere Haare.
Jedenfalls fand ich das alles erst mal ganz spannend. Irgendwann kaufte ich mir dann tatsächlich meine ersten Astrologiebücher und fing an, mich immer mehr mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Parallel dazu stellte ich weiter fest, dass es auch bei anderen Sternzeichen typische Frisuren, Haarstrukturen oder Looks gab, die ihnen gut standen oder die ihr inneres Bild, ihre Persönlichkeit stärker nach außen hin unterstützten. Es war ein ganz natürlicher Prozess, der wie nebenbei passierte. Astrologie und Haare – das faszinierte mich und ich verfolgte es, ohne zu wissen, was daraus werden sollte.
Auch sechsundzwanzig Jahre später frage ich Menschen – vor oder beim Haareschneiden, beim ersten, dritten oder sechsten Termin – nach dem Sternzeichen. Und ich habe beobachtet, gelernt und verglichen. Mitte der neunziger Jahre habe ich auch mal eine Astrologieausbildung angefangen, aber das war mir für mein Leben zu dogmatisch. Und man musste Horoskope damals auch noch ohne die Hilfe von Computern selbst ausrechnen. Dann saß man mehrere Nächte an einem Horoskop. Das war spannend, ja, aber für mein Leben letztendlich zu langsam.
Schon während meiner Lehre wollte ich nach Paris reisen, um Alexandre de Paris kennenzulernen, einen berühmten Friseur, der zum Beispiel Grace Kelly, Audrey Hepburn und Romy Schneider die Haare geschnitten hatte. Ich habe tatsächlich die Chance bekommen, ihm über die Schulter zu schauen. Das war in Genf, wo er auch einen Salon führte. Dort habe ich während meiner Ausbildung mehrere Monate gearbeitet.
Später habe ich in den neunziger Jahren noch mehrmals im Ausland Haare geschnitten, jedes Jahr einige Wochen hier und einige Wochen dort. Es waren oft Zufälle, die mich weiterbrachten: Ich habe in London auf der Straße jemanden getroffen, der in der Akademie von Vidal Sassoon gearbeitet hat und mich dorthin mitnahm. Dann kannte ich jemanden bei John Frieda und konnte auch dort etwas lernen und darüber kam ich wiederum nach Los Angeles zu Sally Hershberger. Diese Stationen waren teilweise recht kurz, aber ich habe unheimlich viele Eindrücke sammeln dürfen.
Ich war von Anfang an immer neugierig auf diesen Beruf, auf das Thema Haare, auf die Welt und alles, was es in ihr zu entdecken gibt. Ich hatte eine ganz wunderbare Kindheit und habe eine großartige Familie, ich liebe das Rheinland, aber ich hatte auch immer große Lust auf die Stadt – darauf, ein Reisender zu sein, der ein-, zweimal im Jahr zu seinen Wurzeln zurückkehrt.
Einen eigenen Salon wollte ich eigentlich nie. Ich habe sehr lange dafür gekämpft, mich Schauspieler nennen zu dürfen. Deshalb konnte ich mich davon schlecht lösen und habe immer beides verfolgt: Haare geschnitten und manchmal Theater gespielt. Nebenbei habe ich auch noch viel gejobbt, war kurzzeitig Hausboy in einem Luxushotel, habe eine Ausbildung zum Shiatsu-Therapeuten gemacht, ein Drehbuch geschrieben, in Kneipen und bei einer Mitwohnzentrale gearbeitet, war als Tourbetreuung für Bands unterwegs, habe bei Fernsehproduktionsfirmen gearbeitet und hatte in den neunziger Jahren meine eigene Party in Berlin-Kreuzberg.
Dabei war er in meinem Kopf längst da, mein Salon: Immer wieder habe ich in Gedanken einen Friseurladen in der Schröderstraße in Berlin-Mitte eingerichtet. Eines Tages, im Jahr 2005, ging ich mit einer Freundin an der Immobilie vorbei und da stand das Schild: »Zu vermieten«. Wir liefen schweigend weiter. An der nächsten Straßenecke sagte meine Freundin: »Du musst jetzt sofort diese Telefonnummer in dein Handy tippen, sonst vergesse ich sie. Ruf da an, Max!« Am nächsten Tag traute ich mich. Zwei Monate später eröffnete ich tatsächlich meinen ersten Salon – noch ganz allein, mit zwei Plätzen und einem Waschbecken in eben diesen Räumen.
Ich hatte in den ersten beiden Wochen nach der Eröffnung alle Freunde zum Haareschneiden in den Salon gebeten, es war also immer voll. Ständig kamen fremde Leute von der Straße rein und fragten nach einem Termin. Von Anfang an war ich glücklich mit meiner Entscheidung.
2009 wurde mir zum ersten Mal von der Deutschen Filmakademie angeboten, das Haarstyling beim Deutschen Filmpreis zu übernehmen. Bis heute gehören dazu die Beauty-Lounge im Filmpreis-Hotel, das Pressewochenende vorab, außerdem stylen wir den Prominenten die Haare natürlich auch, direkt bevor sie auf die Bühne gehen. Das war damals eine tolle Chance, die ich natürlich sofort genutzt habe. Beim Filmpreis sieht man, wie wir arbeiten: Nachdem die Gäste bei uns in der Lounge gestylt wurden, stehen sie später auf dem roten Teppich und werden dort fotografiert. Das ist eine aufregende Situation: Sie müssen sich entspannen und zu einhundert Prozent wohlfühlen mit dem, was sie auf dem Kopf tragen. Wir geben ihnen deshalb große Ruhe und Gelassenheit mit auf den Weg in diesen Abend.
Auch hier sprechen wir manchmal über Sternzeichen. Astrologie ist für mich eines der Medien, eines der Werkzeuge, mit dem ich zu dem Menschen, der vor mir sitzt, ein Gefühl der Nähe herstellen kann. Wenn man es schafft, das Gegenüber wahrzunehmen, es zu sehen, dann kommt man im besten Falle in einen Energieaustausch. Der bietet die Basis für eine angenehme Zeit miteinander und damit für einen guten Haarschnitt. Hohe kunsthandwerkliche Qualität ist für mich immer die Basis und natürlich die wichtigste Voraussetzung für einen guten Schnitt, aber die Nähe ist definitiv auch sehr wichtig. Dabei kann die Astrologie ein verbindendes Element sein. Es geht darum, den Gast eine Zeit lang in Obhut zu nehmen, ihn zu sehen, zu erkennen und zu akzeptieren – mit allen Facetten seines Seins.
Zwischen Friseur und Gast entstehen oft Freundschaften. Das kann eine Haarfreundschaft sein, die sich über zehn, zwanzig oder fünfzig Jahre hinzieht. Man macht dann in dieser Zeit alle Lebenszustände und Stimmungen mit – auf beiden Seiten. In manchen Phasen ist man weniger offen für das Gegenüber, wenn sich beispielsweise gerade der Partner getrennt hat oder jemand gestorben ist. Oder aber es sind die ganzen kleinen und mittleren Schicksalsschläge, die das Leben für einen bereithält. Die Astrologie bietet mir in diesem Punkt die Möglichkeit, das Gegenüber stärker da abzuholen, wo es gerade ist. Nicht nur der Gast hat seine Schicksalsschläge, auch der Friseur. Ich kann mich in solch einer Situation, wenn ich das Sternzeichen kenne, anders auf einen Menschen einlassen. Wenn ich weiß, er oder sie ist Steinbock, Krebs, Löwe …, dann gelingt es, mich von meinen eigenen momentanen Situationen abzulenken und mich stärker auf das Gegenüber einzulassen. Astrologie funktioniert eben von mehreren Seiten.
Mein Team arbeitet nicht über Sternzeichen. Ich habe sie alle ausgesucht, damit ich Zeit mit ihnen verbringen darf. Ich habe das Glück, dass ich mit für mich einzigartigen Menschen arbeiten darf und würde es nicht anders wollen. Wichtig ist, dass die Persönlichkeit der Menschen, die für mich arbeiten, im Vordergrund steht und nicht deren Ego. Dieses »kreative Atmen«, das ich zu leben versuche und das ich von meinen Mitarbeitern erwarte, setzt sehr viel Verständnis für sich und eben auch die anderen voraus. Deshalb haben wir unter anderem einen Coach, der immer, wenn da eine kleine Erbse drückt, die Chance bietet, dass man mit solch einem Konflikt nach außen geht und das möglichst schnell klärt. Denn nur wer kreativ atmet, hat die Kapazitäten frei, sich auf einen Gast völlig einzulassen.
Warum soll man Menschen nahe sein, wenn die Chemie nicht stimmt? Die Nähe zwischen Gast und Friseur beträgt bei bestimmten Schneidetechniken manchmal körperlich nur fünf Zentimeter. Das bedeutet, dass sich der Kopf des Gastes etwa an der Stelle vom Solarplexus des Friseurs befindet, also kurz neben der Herzlinie. Diese Nähe müssen wirklich beide wollen und aushalten. Ich behaupte, je mehr man das Gegenüber sieht und versteht, desto kreativer und schöner ist die Zeit, die man miteinander verbringt.
Ich habe mal gelesen, dass der Friseurberuf derjenige ist, der Menschen am glücklichsten macht. Dazu hat wahrscheinlich jeder seine eigene Meinung. Ich kann meinen Beruf nur ausüben, weil ich ihn philosophisch verstehe. Ich möchte alles, was ich tue, mit und am Menschen verstehen und dazu eine Haltung haben. Ich würde das gar nicht anders wollen. Dass ich mit offenen, kreativen Augen durch die Welt gehe, Dinge ausprobiere und Sachen kreiere, setze ich in meinem Beruf als selbstverständlich voraus.
Es ist wahrscheinlich relativ egal, welches Medium Friseure benutzen oder welche Haltung sie haben, um diesen Beruf in allen Facetten zu erfassen und ihn zu leben. Es gibt Friseure, die stoßen gern mit ihren Gästen an und trinken ein Glas Prosecco, um in Stimmung zu kommen. Andere gehen über die Analyse und erfassen es rein intellektuell. Wieder andere brauchen die coolen Vibes, wo die Musikboxen laut dröhnen. Das alles ist ein Teil ihres Lifestyles und Teil ihres persönlichen Werkzeugs. Mein Werkzeug ist eben die Astrologie. Ein anderes ist das Leben.
21. März bis 20. April
Wie viel Kraft kann ein Mensch haben, um mehrere Leben in eins zu packen und immer noch genug Energie für die kleinen Dinge des Alltags aufzubringen? Diese Frage kann wirklich nur ein Widder beantworten. Kein anderes Sternzeichen kann sich vorstellen, wie sich ein Leben mit einem mehr als randvollen Terminkalender – sowohl privat als auch beruflich – anfühlt, auch wenn es trotzdem immer noch die Möglichkeit zulässt, sich kurz in die Sonne zu legen und zu entspannen. Kurz und intensiv durchzuatmen – aber eben auch nur kurz.
Seit Jahren verfolge ich in den Medien die Karriere von Victoria Beckham. Mit den Spice Girls konnte ich nicht viel anfangen, dennoch fiel mir immer wieder dieses eine Mädchen auf, das wesentlich kraftvoller als alle anderen ihre Show durchzog. Sie strahlte eine kultivierte Klasse aus, mit einem Blick, der, absolut nach vorn gerichtet, Spaß verbreitete, das Leben an der Wurzel packte und scheinbar einfach Lust hatte auf alles. Immer mit diesem gewissen Habitus von »Ich zeig’s dir, Welt!«.
Wie wir alle wissen, hat sie sich nicht nur den schärfsten Kerl von allen geangelt und ist auf vielen Gebieten so talentiert, dass andere vor Neid erblassen könnten, sie hat Stil, Geschmack, wunderbare Haare, einen sportlichen, durchtrainierten Body – diese Frau ist ein Widder durch und durch. Ihr leidenschaftliches Feuer brennt für alles, was sie tut. Das war bei den Spice Girls so und hat sich bis heute nicht geändert. Sie wird vielleicht oft missverstanden, weil sie ein bisschen streng guckt. Deshalb wird sie auch schnell für zickig gehalten.
Aber da erkennt man das Absolute der Widder. Gerüchten zufolge lässt sie es offenbar nicht zu, dass es ein Foto gibt, auf dem sie nicht gut aussieht. Vielleicht lächelt sie deshalb so gut wie nie. Möglicherweise ist es ihr aber auch viel zu anstrengend, dauernd zu lächeln. Wer weiß? Oder sie orientiert sich an den großen Filmdiven der zwanziger und dreißiger Jahre, die bekanntlich nie lächelten. Zwar ist sie im besten Sinne selbstbewusst, doch diesem geballten Powerpaket würde ein bisschen mehr sichtbare Lebensfreude ganz gut stehen. Die anderen Widder können es ja auch.
Der Widder hat unglaublich viel Kraft – mehr als die anderen Sternzeichen. Und wenn sich sein geballtes Potenzial an aufgeladener Energie entlädt, dann ähnelt das einem schnellen, unerwarteten Aufbrausen. Für den Widder selbst und seine Feuerzeichengeschwister Löwe und Schütze mag dies nur ein Strohfeuer sein, für alle anderen stellt es eine große Irritation dar. Der Widder versteht nicht, wenn andere Menschen mit seinem Ausbruch nicht umgehen können. Er begreift nicht, dass es Menschen mit einem anderen, langsameren Rhythmus gibt. Begreift er es wirklich nicht? Oder kann er es einfach nur nicht nachvollziehen? Doch, er kann – aber das müsste schon ein ebenbürtiges Gegenüber mit einem ähnlichen Drang zu großen oder kleineren Gefühlsausbrüchen sein. Dann ist der Widder erst mal perplex und tatsächlich, auch er braucht hier ein wenig mehr Zeit, um die Spiegelung zu erfassen.
Diese unerschöpfliche Kraft kann sich jedoch auch gegen deren eigenes Fortkommen richten, und das wird beim Widder deutlicher als bei allen anderen Sternzeichen. Egal ob Männer oder Frauen: Der Widder hat das größte Kraftpotenzial überhaupt. Schließlich wird er vom Planeten Mars regiert. Mehr Stärke, mehr Wollen, ein Mehr an Leidenschaften in alle Richtungen geht nicht. Und hier liegt eben auch die ganz große Lebensaufgabe für den Widder: loszulassen, geschehen lassen, sich auch mal nicht einzumischen und einfach das zu genießen, was er gerade erlebt – ohne Negativbewertung, aber vor allem, ohne dem Ganzen den eigenen Stempel aufzudrücken.
Es geht dem Widder immer um alles, um das große Ganze, aber eben häufig nicht um den direkten, klaren Blick, darum, eine Begebenheit von allen Seiten zu beleuchten, und seine Entscheidung darüber, wie er etwas wahrnimmt, in einem realen positiven Licht zu sehen. Das ist es, was den Widder sein Leben lang begleiten wird.
Der Widder-Satz schlechthin ist: »Ich will!« Der Schütze sagt vielleicht: »Ich bin eigenwillig.« Der Löwe sagt: »Ich bin der König, alles andere interessiert mich eh nicht!« Doch der Widder will einfach handeln, vorwärtsstürmen und natürlich als Erster vor der Konkurrenz am Ziel sein. Und viele denken über den Widder, er sei vielleicht zu viel von allem. Er will zu viel, er ist zu viel. Der Widder sieht das erst mal gar nicht ein. Hat er es aber immer und immer wieder gehört, gibt es für ihn nur zwei Möglichkeiten. Die eine ist, er bleibt in seiner Oppositionshaltung, zunächst gegen alles und jeden zu wettern – das kann er ja am besten. Die andere Möglichkeit ist die, sein enormes Kraftpotenzial für die Sache einzusetzen, für etwas Sinnvolles, für etwas, für das es sich wirklich zu brennen lohnt. Deshalb finden wir so viele Widder bei Greenpeace oder Ärzte ohne Grenzen oder anderen Hilfsorganisationen. Hier wird sein unerschöpfliches Kraftpotenzial wahrlich sinnvoll eingesetzt und wir wissen einmal mehr, warum diese Welt solche wunderbaren, leidenschaftlich brennenden Querdenker braucht. Auch Victoria Beckham hat den Satz »Ich will« wahrscheinlich verinnerlicht. Sonst hätte sie nie so viel in ihrem Leben erreicht: Sie ist Autorin, Songwriterin, Designerin, Mutter von vier Kindern und sie engagiert sich sozial.
Der Widder verbohrt sich gern mit seinen Hörnern in einem Thema und lässt dann nicht mehr davon ab. Das kann vom einen auf den anderen Moment passieren. Dann gibt es nur noch dieses eine Thema, nichts anderes mehr beschäftigt ihn. Aber Gott sei Dank werden wir ja alle ein bisschen älter mit der Zeit – auch der Widder. Und dadurch wird er dann auch etwas weiser und leiser, ruhiger und geduldiger. Die Widder, die ich von früher kenne und zu denen ich heute noch Kontakt habe, strahlen eine angenehme, lässige Reife aus. Vieles, was ihnen in jungen Jahren sehr wichtig schien, haben sie gegen einen entspannteren Lebenswandel eingetauscht. Sie werden aber nicht gleichgültig, sondern wirken gelassen und das auf eine sehr kraftvolle Art. Ihr Feuer wird also nie erlöschen.
Ich lebte einmal in einer WG mit einem Widder zusammen, dem es nicht gut ging. Ihn plagte irgendein Zipperlein. Und ich fragte: »Ich gehe jetzt was essen, kann ich dir was mitbringen? « Ich sagte ihm aber auch, dass es etwas länger dauern könnte, denn ich war in einem Restaurant verabredet. Nach drei Stunden war ich zurück, mit einem Pizzakarton in der Hand. Da war es circa 20.30 Uhr, also wirklich früh genug für ein Essen. Aber ich hatte in unserer Wohnung den eingeschnapptesten Widder überhaupt sitzen. Er war mehr als sauer. Seiner Meinung nach war ich viel zu spät. Und die Wohnung füllte sich mit dieser Frustenergie – es war wirklich unglaublich! Sich hiervon abzugrenzen, ist in meinen Augen gänzlich unmöglich. Das gelingt wahrscheinlich einem Steinbock, der in einer solchen Situation wirklich Kontra geben kann oder aber über allem steht. Ich konnte es nicht und war einfach nur froh, als er sich wieder beruhigt hatte.
Der Widder ist auch derjenige, der dich im Restaurant gern daran erinnert, dass du mit ihm am Tisch sitzt, wenn dein Blick gerade mal auf den Nachbartisch abschweift. »Also entweder sitzt du mit mir hier oder ich geh jetzt!« Das machen eher die Männer als die Frauen. Hier finden wir wieder das Lebensmotto des Widders: »Ich will«. In diesem Fall heißt das: »Ich will, dass du dich um mich kümmerst, dass du mit mir redest, dass du nur mir deine Aufmerksamkeit schenkst, wenn wir uns sehen.«
Das mag jetzt auf den ersten Blick unsympathisch klingen, aber das sind Widder überhaupt nicht! Widder sind absolut genial. Wenn ich einen Widder-Menschen kennenlerne, bin ich sofort Feuer und Flamme. Widder haben so viel Tatendrang. Der Widder arbeitet viel und hat trotzdem noch sieben Tage die Woche irgendeine Verabredung. Ein Widder schafft mühelos vier Dates an einem Abend. Wie macht er das nur?
Widder sind wirklich grandios, denn so, wie sie sich in ein Thema verbeißen, verbeißen sie sich auch in eine Freundschaft. So Ichbezogen wie sie sein können, so selbstlos sind sie, wenn sie ein Gegenüber haben und zuhören. Widder sind nicht hilflos, wenn es einem mal schlecht geht. Luftzeichen haben häufig die Tendenz, dass sie dann zögern, weil sie nicht wissen, was sie tun sollen. Ein Schütze hätte vermutlich anderes um die Ohren. Doch ein Widder würde für einen Freund alles stehen und liegen lassen. Definitiv, denn der Widder brennt ja am meisten.
Widder sind nicht nachtragend. Sie beißen sich zwar fest, reagieren aber selten gekränkt. Das ist ein wunderbarer Charakterzug. Sie verstehen einfach nicht, wenn andere sagen: »Du hast mich da irgendwie vor drei Tagen so sehr verletzt. Ich bin da noch nicht drüber hinweg, ich glaube, ich brauche mehr Zeit …« Das versteht ein Widder nicht. Da ist er schon wieder ganz woanders, mit seiner Kraft und schöpferischen, ausdauernden Energie.
Es ist charismatisch, wenn ein Mensch für etwas Feuer und Flamme ist und dabei zugleich ein soziales Bewusstsein hat. Ein Widder als Richter könnte eine Idealbesetzung sein. Er sorgt mit feuriger Leidenschaft für Gerechtigkeit.
Der Widder brennt in der Regel für das Gute, allerdings nur, wenn das Leben auch gut zu ihm ist. Widder-Menschen können sich aber genauso gut das Leben schwer machen – durch die Umwege, die sie gehen, nicht die Straße entlang, sondern immer mal wieder abseits, durch Büsche und Gestrüpp. Das müsste nicht sein. Dies machen zwar andere Zeichen, wie zum Beispiel der Schütze, auch. Der Widder jedoch tut dies mit einer Absolutheit, die nicht ohne ist. Also, Hut ab vor jedem Widder, der die positiven Umwege in Kauf nimmt und die negativen links liegen lässt.
Widder lieben Extremsportarten: Klettern, Paragliding, Canyoning – yes! Das ist wirklich ihr Ding. Sie sind gemacht für alles Extreme und sie wollen alles ausprobieren. Deshalb macht Urlaub mit einem Widder auch immer wieder wahnsinnigen Spaß – aber nur dann, wenn man ihn nicht allzu sehr reizt.
Ich habe mal vor vielen Jahren einen Urlaub mit einem Widder verbracht. Wir haben ein Auto gemietet und aus irgendeinem Grund setzte ich mich – ganz spontan und an irgendeiner Straße parkend – kurz auf das Dach. Das Auto hatte danach eine kleine Delle, die für mein entspanntes Auge kaum sichtbar war. Für meinen Widder-Freund, könnte man meinen, war es die größte, tiefste und heftigste Delle, die man einem Auto nur antun kann. Und ich war herzlichst froh, als dieser Urlaub sich endlich dem Ende neigte. Denn in dieser angespannten Gefühlsenergie meines Widder-Gegenübers hätten mir danach zwei Wochen Seychellen nochmal richtig gutgetan. Natürlich haben wir das Auto zurückgegeben und nichts wurde bemängelt. Erst dann war mein Widder-Freund auch wieder ruhiger. Und er hat mich zur Versöhnung zu einem grandiosen Essen eingeladen: fünf Gänge im Luxusrestaurant. Ich habe ihm dort meine ungeteilte Aufmerksamkeit geschenkt, denn wir erinnern uns – nur ein entspannter Widder ist ein guter Widder. Und eines muss man dem Widder lassen: Er ist selbstreflektiert und nicht nachtragend. Er vergisst so etwas einfach.
Widder-Frisuren sollten unkompliziert sein. Denn der Widder hat in der Regel keine Zeit. Da gibt es so viele Dinge, die er noch tun muss und dann sind da diese vielen Menschen, die er treffen wird und die unzähligen Freundschaften, die er pflegt, und die vielen Reisen und Partys – das Leben will schließlich exzessiv gefeiert werden. Die Widder gehen so richtig rein und richtig ran. Hier kommt die Mars-Energie voll zum Ausdruck. Viele Widder haben ein aufregendes Nachtleben und irgendwie den Drang, auch die abgründigen, verbotenen Ecken des Lebens kennenzulernen oder auch nur vollkommen vergeistigte und wahnsinnig (un)wichtige Gespräche zu führen. Sie wollen das alles richtig auskosten. Und deshalb sind sie wahrscheinlich auch immer erst mal so furchtbar müde und muffelig in den frühen Morgenstunden und brauchen ihre Zeit zum Wachwerden.
Kurzhaar- und Langhaarfrisuren für den Widder sind dann gut, wenn sie wirklich unkompliziert sind. Widder sind äußerst ehrgeizig, und wenn etwas nicht klappt, sind sie sehr schnell pessimistisch, weil es ihnen nicht sofort gelingt. Unkompliziert ist das wichtigste Stichwort beim Widder, wenn es um Haare geht: Sie halten einen Föhn rein und sind fertig. Wenn sie eine Frisur haben, bei der sie mit Stylingprodukten arbeiten müssen, ist das eigentlich schon zu viel. Sie kriegen das hin, aber einen Widder, der morgens vier Bürsten ins Haar drehen muss, damit die Frisur sitzt, gibt es doch eher selten. Umso wichtiger ist es, dass sie sich auf einen perfekten Haarschnitt komplett verlassen können, denn hier muss man bekanntlich am wenigsten tun.
Kurz oder lang – beides ist möglich, allerdings will der Widder mit dem, was er auf dem Kopf trägt, auffallen. Er will eine Wirkung erzielen. Leider will er immer auch alles gleichzeitig. Und wenn er dann vielleicht lange Haare hat, gibt es häufig ein Problem mit der Pflege: Er lässt sie wachsen, schneidet aber nicht regelmäßig die Spitzen. Dann hat er zwei Jahre lang keinen Friseur gesehen und dann komme ich und sage: »Die Spitzen sind völlig kaputt. Wir müssen die Haare abschneiden.« Da dreht der Widder durch.
Widder-Frauen kann man en masse auf der Straße mit lässig zusammengewurstelten Haaren beobachten. Sie fallen auch immer auf, weil sie einfach großartig aussehen. Häufig haben sie dazu auch noch eine drahtige, durchtrainierte Figur, denn sie sind sehr sportlich: Sie joggen, fahren Rad, schwimmen. Man sieht ihnen ihre ungebremste Aktivität an. Natürlich gibt es auch Widder-Frauen, die fünf Kilo zu viel wiegen: Das sind dann echte Powerfrauen, die überhaupt nichts Puppiges an sich haben. Sie wollen das Leben mit beiden Händen packen und nehmen auch schon mal selbst einen Hammer in die Hand, um ein Bild an die Wand zu nageln. Dass der Hammer dann zwei Jahre lang bei ihnen liegen bleibt, weil sie es als unwichtig empfinden, ihn wegzuräumen, ist dann etwas anderes.
Wenn sie abends ausgehen will, legt die Widder-Frau nur ganz wenig Make-up auf, und auch mit ihren Haaren muss es schnell gehen – da wird nur kurz geföhnt, wenn sie es überhaupt geschafft hat, sie zu waschen. Es sollte schnell gehen, aber das Ergebnis muss natürlich sensationell sein. Den Drang, auffallen zu wollen, haben alle Feuerzeichen an sich.
Leider sind Widder mitunter nicht besonders begabt, was ihre Haare angeht – oder besser: Sie sind ungeduldig. Eine Widder-Frau, die vorm Spiegel steht und sich die Haare stylt, verzweifelt gern und wirft auch schon mal das Handtuch. Ich persönlich verstehe überhaupt nicht, woran das liegt. Man kann es ja auch lernen, und man sollte keine Scheu haben, seinen Friseur zu bitten, dass er einem die wichtigsten Handgriffe zeigt. Wir veranstalten Stylingworkshops und Coachingstunden im Salon, in denen wir den Gästen beibringen, wie sie Rundbürsten benutzen oder ihre Haare hochstecken, mit einem Glätteisen arbeiten oder mit Lockenwicklern. Wir zeigen, wie sie jede Frisur kreieren können, die sie haben wollen, und einen tollen, alltagstauglichen Look in zehn Minuten hinkriegen.
Sarah Jessica Parker hat sehr viel Haar, aber es ist definitiv keine Löwenmähne. Sie ist selbst Widder und mit Matthew Broderick verheiratet, der ebenfalls Widder ist. Widder-Widder-Beziehungen funktionieren unglaublich gut, denn sie kennen die Willensstärke des anderen, sind beide nicht nachtragend und bringen eine geballte Streitlust mit. Wenn man sich Bilder von Sarah Jessica Parker anschaut, dann sieht man relativ viele Frisuren, bei denen man sofort das Gefühl hat: Das sind lange Haare und sie sind perfekt gestylt, haben aber trotzdem immer noch etwas sehr Natürliches. Da ist jemand mal mit den Händen durchgegangen, um das Leben zu fühlen – die Energie, die Kraft, die in den Haaren sitzt. Ich mag das, wenn das Leben sichtbar ist. Und das ist tatsächlich typisch für die Widder-Frauen: Sie haben da einfach ihren Rhythmus, ihren Style.
Das kann man auch bei Mariah Carey beobachten. Bei ihr ist natürlich jedes mal ein Stylist am Werk gewesen, sobald sie nur die Straße betritt. Und trotzdem hat ihr Haar immer eine Spur Natürlichkeit, wenn sie mit ihren Händen einfach durch das frisch gestylte Werk greift. Mariah Carey ist ganz klar auf den Effekt aus, den sie mit ihrem Haar erreichen kann. Ihr sieht man doch ihr Wollen geradezu an – ihr ist das »Ich will« des Widders wahrlich ins Gesicht geschrieben. Sie ist eine leidenschaftliche Frau mit einer bombastischen Stimme, die sich in die Musik, ins Leben und die Liebe hineinwirft – mit Haut und Haaren wie kaum jemand sonst.
Widder-Männer sehe ich in jungen Jahren ja irgendwie immer Skateboard fahren – mit langen, wehenden oder kurzen, praktisch geschnittenen Haaren – so ein kleiner Widder-Nerd und trotzdem nicht isoliert. Widder-Männer leben schon in der Gemeinschaft, aber sie leben ihr ganz spezielles Ding.
Das spiegelt sich auch in ihren Haaren wider. Eigentlich sind ihnen Haare gänzlich egal, könnte man meinen. Sie werden sowieso nicht regelmäßig geschnitten, außer sie sind kurz. Kurze Widder-Haare werden am liebsten alle drei Wochen geschnitten. Klar, es sollte ja immer perfekt aussehen.
