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Lieber Leser, ich möchte Sie einladen, auf den folgenden Seiten etwas über meine persönlichen Erlebnisse zu erfahren. Es ist eine Einladung zum Nachdenken über den Umgang mit Menschen. Es ist eine Geschichte über menschliche Abgründe. Das hier schreibe ich für MICH. Vielleicht wird es mal publiziert, aber das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass hier auch mal gejammert und geheult wird, ebenso gemotzt, gekotzt und gepöbelt, denn es ist meine Geschichte. Sie erzählt von einem Kind der Dunkelheit, auf der Suche nach dem Licht! Es geht nicht um Rache, nur um Wahrheit, einen Arsch voller Schmerzen und Angst. Und Freiheit!
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Seitenzahl: 155
Veröffentlichungsjahr: 2013
www.tredition.de
Wenn dieses Buch auch nur einem Menschen hilft,
habe ich ALLES richtig gemacht!
An dieser Stelle möchte ich mich bei all den Menschen bedanken, die mir geholfen haben meine inneren Dämonen zu erkennen und zu entsorgen.
Meiner Lebensgefährtin und Freundin Ela und ihrer Tochter Jenni gebührt besonderer Dank. Ohne euch gäbe es mich vermutlich nicht mehr.
Ich danke auch meiner Schwester Marina, die mich seit 25 Jahren begleitet und auf ihre ganz persönliche Art mein Anker im Leben ist.
Meinem ältesten Freund Matthias, der immer an meiner Seite blieb, egal wie sehr wir uns zofften.
Meinem Therapeuten Roland Rustemeyer, der „nur“ seinen Job machte. Ich wünschte, es gäbe mehr Menschen wie ihn!
Meiner Körpertherapeutin Jutta Bettighofer, die mir im „Körperwerk Berlin“ einige Blockaden löste und Frieden schenkte.
Natürlich danke ich auch noch ganz vielen anderen Menschen, die ich hier aus Platzmangel nicht erwähnen kann!
DANKE!
Chrille G.
Der barfuß durch
die Hölle
ging …
Schnell mal gelebt,
schnell erzählt …
www.tredition.de
© 2013 Chrille G.
Umschlaggestaltung, Illustration von Chrille G.
Lektorat: www.ghostwriter-berlin.de
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN: 978-3-8495-7373-7
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Schnell mal gelebt,
schnell erzählt …
Lieber Leser,
ich möchte Sie einladen, auf den folgenden Seiten etwas über meine persönlichen Erlebnisse zu erfahren. Es ist eine Einladung zum Nachdenken über den Umgang mit Menschen. Es ist eine Geschichte über menschliche Abgründe. Das hier schreibe ich für MICH. Vielleicht wird es mal publiziert, aber das ist nicht wichtig.
Wichtig ist, dass hier auch mal gejammert und geheult wird, ebenso gemotzt, gekotzt und gepöbelt, denn es ist meine Geschichte. Sie erzählt von einem Kind der Dunkelheit, auf der Suche nach dem Licht! Es geht nicht um Rache, nur um Wahrheit, einen Arsch voller Schmerzen und Angst. Und Freiheit!
Ich hab was verloren
auf meinem Weg hierher.
Ich glaub es wurd mir gestohlen,
jedenfalls fehlt es mir sehr.
Jemand hält es gefangen und ahnt nicht,
von welchem Wert es ist.
Ich muss mich entspannen,
will, dass der Schmerz nachlässt.
(Moses Pelham - Wenn der Schmerz nachlässt - Geteiltes Leid 3)
Gestern war ich ein erfolgreicher IT-Dozent, von seinen Teilnehmern geachtet, Autodidakt und mit schneller Auffassungsgabe „gesegnet“.
Consulting und Projektarbeit, kein Thema. Guter Job, gutes Geld, tolle Frau, tolles Kind, tolle Familie, tolles Leben.
Doch wer hoch fliegt …
Das war gestern. Heute bin ich seit einem Jahr krankgeschrieben: Burnout, Depression. Heute habe ich Angst vor Menschen.
Heute erkenne ich mehr und mehr, dass vieles gar nicht so toll war!
Erfolg ist freiwillig! Na klar! Und der Preis …? Heute schreibe ich: WEIL ICH WIEDER LEBEN WILL! Aber der Hammer kommt erst noch. Das alles musste passieren, damit ich endlich sehe, was ist. Auch wenn ich vieles inszeniert bzw. unterstützt habe, bin ich lediglich dem Drehbuch eines anderen gefolgt. Von wegen selbstbestimmt. Bedingt stimmt das, doch in vielen Bereichen greift die „Programmierung“ der Eltern. Wir reagieren oft genau so, wie es uns vorgelebt wurde. Dabei spielen Nähe und Gefühl von Zugehörigkeit eine große Rolle. Ein Neugeborenes, das keine Zuwendung erhält, kein Gefühl von Annahme und Zugehörigkeit, stirbt in der Regel. Doch was wird aus Neugeborenen, denen unterschwelliger Hass entgegengebracht wird, die nach vier Wochen bereits tagsüber in Obhut gegeben wurden und nach wenigen Monaten in ein anderes Land gingen, ohne die Mutter oder den Vater?
Was wird aus einem Kind, das nach dreieinhalb Jahren aus dem Umfeld seiner Familie gerissen wird, um bei einer Frau zu leben, die es gar nicht kennt?
Voller „Stolz“ erzählt SIE noch heute, wie SIE bereits 4 Wochen nach der Entbindung voll arbeiten war, weil mein Vater SIE mit 15.000 DM Schulden und einer leeren Wohnung sitzen gelassen hat. Oma war mit einem Touristenvisum in Berlin und passte auf mich auf. Mit wenigen Monaten nahm mich meine Oma dann mit nach Jugoslawien, wo ich die nächsten drei Jahre lebte. Die Schwester meiner Mutter war frisch verheiratet und alle im Ort dachten ich wäre ihr Kind. Dort war ich umgeben von meiner Oma, der Mutter meines Onkels, ihrem Lebensgefährten, Onkel, Tanten und auch Kindern in meinem Alter.
Mit dreieinhalb Jahren holte mich meine Mutter wieder nach Deutschland. Ich weiß bis heute nicht, warum. Ich erinnere mich genau daran, dass die Wohnung noch immer größtenteils leer war und die Möbel uralt waren. Die hatte SIE von unserer Hauseigentümerin bekommen, ebenso wie Decken und Sonstiges. Heute gehe ich davon aus, dass es einen Streit gab und SIE mich aus Trotz zurückgeholt hat, um zu beweisen, wer das Sagen hat, denn finanziell und materiell ging es ihr dadurch nicht besser. Wir waren sehr oft bei Bekannten zum Putzen oder Haare machen und ich schlief regelmäßig bei Freunden von IHR, während SIE unterwegs war.
Wie ich so etwas von meiner eigenen Mutter denken kann?
Nun, es passt in IHR Verhaltensmuster und zu IHREM Wesen. Was aus einem Kind mit solchen Erlebnissen wird, weiß ich nicht, aber ich weiß, was aus mir wurde. Meine ersten Bilder im Kopf sind schöne Bilder. Ich spielte in der Küche der Schwiegermutter meiner Tante mit meinem Kipplaster. Kuma (Schwiegermutter wurde von mir so genannt) wuselte durch die Küche. Ihr Lebensgefährte baute mit mir ein Holzschwert und erklärte mir Werkzeuge und die Wichtigkeit von Ordnung in der Werkstatt. Kuma kümmerte sich um meinen verletzten Finger, nachdem mich eine Biene gestochen hatte. An diese Bilder denke ich gerne, denn sie geben mir das Gefühl von Wärme und Geborgenheit. An spätere Bilder erinnere ich mich nicht mehr so gerne. Zum Beispiel an mein blutendes Ohr, nachdem „Mama“ mir eine Ohrfeige gegeben hatte. Blöd nur, dass in ihrer Hand noch das Brotmesser war.
War ja meine Schuld, schließlich hatte sie mir verboten auf den Küchenschränken herumzuklettern. Schmerzen in der Hand, eine Brandblase, Geschrei und das wutverzerrte Gesicht von „Mama“. Woher sollte ich denn wissen, dass aus der Steckdose keine Erdbeeren kommen, wenn man da die Metallachsen seines Kipplasters hineinsteckt? Ich war erst vier! Und ich war schuld. Es war auch meine Schuld, dass ich aufgewacht bin, während SIE irgendwo putzen war und Angst hatte. Welch heldenhafte Leistung es für mich war, durch den dunklen Flur ins Wohnzimmer zu kommen und bei der Polizei anzurufen. Mit dem Polizisten am Telefon gelang es mir, im Flur das Licht anzuschalten. Allein zog ich mich an und wartete auf die Polizei, als SIE nach Hause kam. Ich weiß nur noch, dass der Ärger groß war, nachdem die Polizisten weg waren. Ich war vier und heute erzählt SIE, ich wäre gelangweilt gewesen … AUA!
Nachdem ich SIE mit Kabelbindern an den Stuhl gebunden habe, biege ich mir aus einem Drahtbügel das Wort LÜGNERIN. Glühend heiß presse ich ihn auf IHRE Stirn mit den Worten: Ich mache das nur, weil mir langweilig ist!
Fußnägel schneiden ist für kleine Kinder meist ein Graus. So war das auch für mich. Natürlich tat es nicht weh, aber es war unangenehm und kalt und ich hatte Angst. Natürlich weinte ich und schrie: grundlos, wie SIE fand. Also bekam ich einen Grund, in Form von erzieherischen „Klapsen“. Es gab Affären, doch bekam ich nur eine mit: Jürgen. Einmal nahm SIE mich mit zu ihm, um dort zu übernachten. Ich schlief im Wohnzimmer auf der Couch. Als ich am Morgen erwachte, war mir langweilig. Da die beiden noch schliefen und die Tür zu war, spielte ich Raumschiffpilot an der Stereoanlage. Ja es wurde laut und schmerzhaft. Und da ich ja schuld an dem Streit zwischen den beiden war und somit die Trennung verursachte.
Du hast mein Vertrauen missbraucht, meine Liebe verachtet, meine Seele gequält, mein Ich vernichtet … auf die Hornhaut im Auge tätowiert, auf das SIE es in jedem wachen Moment sehen muss!
Ich hatte schnell Deutsch gelernt und Freunde gefunden. Im Haus lebte eine Freundin. Eine Etage unter uns im Erdgeschoss. Sie lebte dort mit ihrem Vater, und der hatte im Schlafzimmer eine Zwischendecke eingezogen, die stabil genug war, um uns als Spielzimmer zu dienen. Dort war ich gern und oft. Sie zogen weg und ich habe nie wieder von ihr gehört.
Wieder eine Freundin weg …
„Wenn ich groß bin, bringe ich meinen Vater um!“ Und das aus dem Mund eines vier- bis fünfjährigen Kindes. Das sagt alles über die Erzählungen der alleinerziehenden Mutter vom Vater, oder?
Heute will ich nur dein Blut an meinen Händen sehen, liebe Mutter. Aber nicht schnell, sondern ganz langsam sollst du gehen!
Ja, es stimmt! Er hat mich gezeugt und SIE kurze Zeit später verlassen. Er hat IHR sogar 15.000 DM Schulden hinterlassen und die Wohnung leergeräumt. Das hat er alles getan. Mit 22 lernte ich ihn kennen, mit 24 haben wir uns zerstritten. Heute verstehe ich, warum. SIE hat jedoch nie erwähnt, welchen Beitrag SIE geleistet hat, damit in meinem Vater der Wunsch nach Flucht immer stärker wurde.
Ich weiß es, kenne zumindest von beiden Seiten die Wahrnehmung des Vorfalls. Da auch ich vor IHR geflohen bin, kann ich ihn verstehen. Ich wäre auch nicht geblieben. Aber so, wie er es getan hat, wäre ich nicht gegangen. Das war rückgratlos. Aber das ist sein Ding, damit muss er leben. Und dank meiner Mutter ist dies ein Brandzeichen, mit dem ich heute noch leben muss. Ihn konnte SIE ja nicht mehr „bestrafen“, also übertrug SIE ihre Wut auf mich. Und so erbte ich die Sünden meines Vaters und durfte fortan dafür büßen.
Was wird aus jemandem, der mit solchen Erinnerungen leben muss? Was passiert im Kopf, wenn aus Zuneigung und Förderung plötzlich Ablehnung und Forderung werden? Wie reagieren Sie (liebe Leser), wenn alles, was gut und richtig war, plötzlich schlecht und falsch ist? Man wird wütend.
Hey, nicht vergessen, es geht um ein Kleinkind von unter 6 Jahren. Da sind Wut, Bock, Trampelzorn die häufigsten Reaktionen, wenn es etwas nicht versteht oder anders haben will.
Und was passiert, wenn es diese Wut niemals zeigen darf? Wenn auch nur der Ansatz von körperlicher Gewalt unterdrückt wird?
Es kommt die Angst.
Meine Freunde in dieser Zeit waren im Kindergarten. Danach war ich allein mit IHR, oder ich musste SIE zu irgendwelchen Putzjobs oder zum Friseur begleiten. In dieser Zeit musste ich ein bestimmtes Verhalten an den Tag legen, um „liebenswert“ zu sein. Abweichungen bedeuteten, der schlimmste Abschaum zu sein. Der äußerliche Schein war wichtig: „Was wohl die Nachbarn sagen?“
Da beginnt man zu verzweifeln.
„Ich will doch nur nach Hause!“, das war der häufigste Gedanke meines Lebens, gefolgt von: „Aber ich weiß nicht, wo das ist.“ Ich kannte es anders, ich hatte es anders! Doch was war passiert? Warum wurde ich von Gott bestraft? Warum durfte ich nicht mehr Ich sein?
Es gibt noch viele Beispiele aus dieser Zeit, die meine Wut, meine Angst und meine Verzweiflung belegen.
Doch das größte „Geschenk“ war die Einsamkeit. Auch heute fühle ich mich selbst unter Freunden einsam. Auch heute tue ich zu viel dafür, eine „Familie“ zu haben und vergesse dabei mich selbst. Ich stecke zurück, bis ich nicht mehr kann, und baue dann Mist oder laufe weg. Meine Wünsche, Sorgen und Nöte durfte ich nie äußern. Und tat ich es doch, wurden sie als Pillepalle abgetan – was mir lieber war, als für solch „böse“ Gedanken bestraft zu werden. Das habe ich als Basis auf meinen Lebensweg mitbekommen. Damit wurde ich eingeschult.
Und mit der Einschulung zog mein damals bester Freund weg. Klar hatte ich noch andere Freunde, doch das war die zweite Bezugsperson, die innerhalb eines Jahres „verschwand“, so wie damals „meine Familie“. Aber da diese Aussage ja so nicht richtig ist, war sie damals wie heute auch nicht wichtig! Am wichtigsten war immer, der „Mama“ keine Schande zu bereiten. Nur das zählte. Daran habe ich auch immer gedacht – naja, ich hab`s jedenfalls auf dem Weg zum Kindergarten, zur Schule oder auf dem Heimweg versucht. Aber in der Schule oder im Kindergarten war dann wieder alles anders als zu Hause. Da sollte ich wieder forschen und toben und spielen und Fragen stellen. Da war man wieder für mich da, wenn ich mir wehtat oder mich jemand geärgert hatte. Da wurden meine Sorgen plötzlich wieder ernst genommen. Da war wieder meine Familie!
Je weniger ich zu Hause sein musste, desto besser fühlte ich mich. Ich ging sogar nachmittags gerne in die jugoslawische Schule und am Sonntag zum Religionsunterricht. IHR war es recht und wir kamen klar. Die Grande-Dame und ihr wohlerzogenes Kind, mit dem SIE prahlen konnte oder dessen Schandtaten immer Gesprächsstoff lieferten.
Dann kam die Silvesterfeier im Festsaal der kroatischen Gemeindekirche und mit ihr der Mann, der 12 Jahre bei uns wohnen, meine Halbschwester zeugen und unser aller Leben noch mehr zur Hölle machen sollte, als SIE es schon tat. Mit IHM kamen seine beiden Kinder: ein Stiefbruder, der 10 Jahre älter war, und eine Stiefschwester, die 4 Jahre älter war als ich.
Ich war acht Jahre alt und bisher ohne Vater aufgewachsen. In den ersten beiden Jahren bemühte er sich sehr um mich und wurde zu meinem Vertrauten, dachte ich zumindest. Heute sehe ich, dass bereits in den ersten beiden Jahren das Verhalten, welches auch meine Mutter gezeigt hat, sein Antrieb war. Er war nur nicht so schnell beim Zuschlagen und Beleidigen. Doch dies änderte sich als ich 10 war. Plötzlich waren da zwei „Monster“, die ich zu lieben hatte, obwohl tiefer Hass in mir brodelte. Doch was sollte ich machen? Wo sollte ich denn hin? Heute bin ich froh nicht ins Heim geflohen zu sein, wenn ich von Missbrauch lese. Diese Art Missbrauch blieb mir glücklicherweise erspart. Ich war „nur“ ein verbaler physischer Punchingball für zwei Menschen, die mit ihrem eigenen Leben überfordert gewesen sind. Dieser Gedanke kam mir einmal mit 11 oder 12 Jahren, als ich vor dem Spiegel stand und in das Gesicht eines Fremden sah. „Wer bin ich? Ich will doch nur nach Hause!“, dachte ich damals bei mir.
Ein Beispiel: Ich bin 14 und putze im Flur vor der Küche den Kinderwagen meiner Halbschwester. Meine Mutter bereitet in der Küche das Essen zu. Mein Stiefvater ist ebenfalls im Flur und hat keine Einsicht in die Küche. Plötzlich ertönt aus der Küche ein Klirren und SIE zieht ihren Atem zischend zwischen die Zähne. Bevor ich mich umdrehen konnte, stand ER neben mir und schlug und trat auf mich ein. Die Erklärung dafür: Ich war ein regelrechtes Arschlochkind, ein Gangster, ohne Gehorsam, eine Schande für die Familie! Diesen Satz habe ich als Erklärung für den Vorfall hören dürfen. Heute heißt es: „Das stimmt alles nicht! Ist nie passiert!“
Und meine Faust schießt vor und zertrümmert IHRE Nase, während ich SIE anlächel und sage: Wieso schreist du? Ist doch nie passiert!
Wie gesagt, ich war 14, man hatte mich zweimal beim Ladendiebstahl erwischt: mit 10 und mit 11 Jahren. Ich hatte mit dem Taschenmesser ein „YU“ in die Treppe geschnitzt, mir wurden bereits 2 Fahrräder geklaut und ich hatte einmal meinen Schlüssel verloren. Ich wurde mehrfach verprügelt und habe mich auch zweimal in der Schule gewehrt, worauf meine Mutter zur Direktorin musste. Ich kam einmal eine halbe Stunde zu spät (nach den Prügeln nie wieder), hatte mit dem Luftgewehr unser Wohnzimmerfenster zerschossen und mein Tae-Kwon-Do geschwänzt. Dass ich versuchte jede dieser Sünden zu vertuschen, habe ich lange Zeit nicht verstanden. – Heute schon!
Auf der anderen Seite war ich auch ein guter Schüler, setzte mich immer für die Schwächeren ein. Ich half im Haushalt: Abwaschen, Abtrocknen, Müll entsorgen, Einkaufen (mit 12 habe ich 12 Liter Wasser und 12 Liter Milch nebst Einkauf von Aldi nach Hause geschleppt, ohne Hilfsmittel Ich hatte keine Lust dreimal zu laufen), Staubwischen und -saugen, Bügeln, Heizen, Öfen reinigen.
Und im Sommer hieß es immer: Holz machen. Das bedeutete, wenn ER mit Holz von der Baustelle kam, verbrachte ich die nächsten Tage im Keller, um es mit der Kettensäge und der Axt zu zerkleinern und zu stapeln, während meine Klassenkameraden im Schwimmbad waren. Im Winter musste ich Kohlen holen, entweder alle zwei Tage die kleinen Pakete oder zweimal im Monat die großen. Die gab es nur beim Kohlenhändler am Bahnhof, aber mit 12 war ich kräftig genug, um zwei 25-Kilo-Pakete tragen zu können.
Doch obwohl ich meine Pflichten hatte und auch erfüllte, war das für die beiden nie genug. Ich war unzuverlässig, schlampig und faul. Das waren die Aussagen, die ich täglich zu hören bekam.
Natürlich erinnere ich mich auch an andere Taten: Ich liege bereits im Bett und schlafe seit ca. 21 Uhr. Gegen Mitternacht geht das Licht an, ER steht in meinem Zimmer, beginnt die Schränke zu öffnen und mich anzubrüllen, was für eine Drecksau ich sei.
An dem Tag hatte meine Mutter bei der Mappenkontrolle eine faule Stulle gefunden, mich dafür richtig rundgemacht und mir Extraaufgaben aufgebrummt.
Doch dies war IHM offenbar nicht genug, denn meine Schubladen wurden herausgezogen, ausgekippt und mehr als die Hälfte meiner Schränke einfach mit dem Arm leergeräumt und auf dem Boden verstreut. Natürlich durfte ich erst schlafen gehen, wenn alles aufgeräumt war.
Und während meine Eltern schliefen, räumte ich weinend das Schlachtfeld auf. Begründet wurde das z. B. mit der Tatsache, dass ich in den Ferien meine Aufgaben nicht fertig hatte, bevor meine Eltern von der Arbeit kamen. Welches Kind macht das nicht? Ich kannte keinen, der so viel zu tun hatte.
Und selbst wenn jemand aus meinem Umfeld seine Aufgaben erst nachmittags oder abends erledigte, gab es maximal „Mecker“. Bei mir gab es Ohrfeigen!
Ich sollte seinen Wagen für 5 DM die Stunde waschen. Klar wollte ich mir was dazu verdienen, mein Taschengeld für den Monat entsprach dem Taschengeld einer Woche unseres ärmsten Klassenkameraden. Also gab ich mir große Mühe. Ich wusch, polierte und saugte den Wagen. Es war ein Rundumsorglos-Paket. Ich trödelte nicht, doch zum Ende meiner Waschaktion kamen meine Freunde und fragten, wann ich fertig sei. Dabei beging ich den Fehler, mich 15 Minuten mit ihnen zu unterhalten. Es waren exakt 15 Minuten, ich hatte auf die Uhr gesehen. Ich war fast fertig und meinte zu ihnen, dass ich in einer guten Stunde auf dem Spielplatz sei. Leider hatte ich nicht mitbekommen, dass ER uns beobachtet hatte. Als ich nach mehr als drei Stunden fertig war, räumte ich alles auf, reinigte die Schwämme und Lappen und ging zu IHM.
Ich war so fair und sagte, ich hätte zweieinhalb Stunden für`s Waschen & Saugen gebraucht – ich hab nicht mal versucht zu bescheißen.
„Für wie blöd hältst du mich? Ich hab doch gesehen, wie du mit deinen Kumpels geredet hast!“ – PENG! Ohrfeige.
