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Was ist eigentlich aus dem Bergsteigen geworden? Dieser Frage geht Dominik Prantl in seinem Kursbuchbeitrag nach. Seine Antwort: Flacher, breiter, steiler, offener und vor allem demokratischer.
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Seitenzahl: 22
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Dominik Prantl
Der Berg ist flach
Wenig Risiko, viel Spaß – Gipfelstürmer heute
Es wird ein ziemlich großes Fest geben, so viel ist klar. Ist ja auch ein echter Grund zum Feiern, dieses Jubiläum der Matterhorn-Erstbesteigung. Das Bergdorf Zermatt wird gar das ganze Jahr 2015 den Berg und die alpine Tradition hochleben lassen, heißt es auf der Website zu den Matterhorn-Festlichkeiten. Frida, die Ex-Sängerin von ABBA, hat deshalb zusammen mit dem Zermatter Sänger Dan Daniell und Dorfjugendlichen die Matterhorn-Hymne »1865« aufgenommen. Die Schweizer Bekleidungsmarke Mammut wird gleich eine ganze Kollektion für Alpinisten und Outdoor-Aktivisten auflegen. Und die Hörnlihütte wird nach den Renovierungsarbeiten endlich wieder den Betrieb als Ausgangspunkt für Matterhorn-Besteigungen aufnehmen. Es dürften so viele werden wie noch nie in der 150-jährigen Geschichte.
Was aber ist in aller Welt eigentlich aus dem Bergsteigen geworden?
Flacher
Der Deutsche Alpenverein führt jedes Jahr eine Jahrespressekonferenz durch, bei der es außer einem Essen auch eine Diskussion mit den Journalisten geben soll. Das Essen ist – wie bei solchen Pressekonferenzen üblich – meist besser als die Diskussion davor, was erst einmal wenig über die Qualität des Essens aussagt. Wer bei der diesjährigen Jahrespressekonferenz jedoch genau hinhörte und ein wenig Interpretationsgabe besitzt, konnte zwischen den Zeilen etwas für Außenstehende ziemlich Merkwürdiges herauslesen: Bergsteigen findet jetzt auch im Flachland statt.
Wer das nicht glaubt, muss nur in eine der vielen Alpenvereinskletterhallen in Hamburg, München oder Köln gehen. In solchen Kletterhallen ist die Hallendecke der Gipfel, und das lockt nicht nur viele Menschen, sondern unterschiedliche Typen. Da sind große Ungelenke, kleine Drahtige, alte Junggebliebene, und einige kommen in teuren Möchtegernjeeps und tragen an der Kasse einen teuren Anzug unter der genauso teuren Mammut-Jacke. Echte Bergsteiger kommen mit echten Jeeps zum Bergsteigen, und sie tragen natürlich keinen Anzug, höchstens auf der eigenen Hochzeit. Aber weil jeder weiß, dass man es ohnehin schlecht Bergsteigen nennen kann, wenn man an Plastikgriffen einer Hallenwand rumhangelt, gibt es dafür einen neuen Begriff: Bergsport.
