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Kommen Sie an Bord der "Josephine" und nehmen Sie teil an den amüsanten Erlebnissen aus dem Bootsleben des Autors und seiner Familie. Die kurzweiligen Geschichten sprechen nicht nur Menschen an, die vom Bootsbazillus befallen sind, d.h. eine besondere Liebe zum Wassersport hegen, sondern alle Leser, die sich ein wenig unterhalten lassen wollen. Mit ihrer „Josephine“ haben der Autor, Hans-Joachim Ulbrecht, kurz Hanjo genannt, und seine kleine Familiencrew schon viele schöne Reisen unternommen. Mit an Bord ist auch Karl, der Klabautermann, der zwar unsichtbar bleibt, ihnen aber manchen frechen Streich spielt und für einige Aufregung an Bord sorgt. Nicht zu vergessen sind auch die Bordhunde, die in einigen Geschichten eine Hauptrolle spielen. Der Inhalt der Geschichten reicht vom Kampf mit den Streichen des Klabautermanns bis hin zu dem Versuch, die Ursachen des Bootsenthusiasmus zu erklären. Im Mittelpunkt stehen jedoch die vielfältigen Erlebnisse des Autors und seiner Crew. Pleiten, Pech und Pannen an Bord, mit meist glücklichem Ausgang, werden ebenso geschildert wie Geschichten, die die Familiencrew auf ihren Landgängen erlebt hat. Humorvoll, und immer mit einem Sinn für die Komik der Situation sowie dem Gespür für das Besondere, bietet der Autor seinen Lesern ein Kaleidoskop von Ereignissen rund ums Bootsleben. Ein Kritiker fand, dass sein lockerer Stil an den Engländer Peter Mayle erinnert, der mit seinen Büchern der Provence eine Liebeserklärung machte. Mit seinen Kurzgeschichten ist es Hans-Joachim Ulbrecht gelungen, die besondere Stimmung rund um das Leben auf einem Boot einzufangen. Die amüsanten Episoden und Erlebnisse aus seinem Bootsleben sind nicht nur für eingefleischte Bootsenthusiasten geschrieben. Sie sollen auch Landratten einen Einblick in die Welt der „Boatpeople“ gewähren und vielleicht die Sehnsucht nach einem „Traumschiffurlaub“ auf eigenem oder gechartertem Kiel wecken. Die Erzählungen reichen von dem Versuch die Leidenschaft für den Wassersport zu erklären, über die Erlebnisse bei den verschiedenen Versuchen sich ein eigenes Boot zuzulegen bis hin zu den Schilderungen über das Leben an Bord. Natürlich kommen auch die Erlebnisse auf den vielen Törns, die die Familiencrew im Laufe der Jahre auf den Gewässern Deutschlands, der Niederlande, Belgiens und Frankreichs durchgestanden hat nicht zu kurz.
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Seitenzahl: 249
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Vorwort
Namensfindung
Bootsbazillus
Brötchen aus Durgerdam
Das Mari(n)timklo
Die Morgentoilette
Neues Schiff – Neues Glück?
Vater und Sohn in der Schleuse
Frühjahrsputz
Big ship is coming
Jungfernfahrt
Die Kanurolle
Die Wasserkatze
Stammtischkapitäne
„Hallo, hier Lehmann!“
Fehlstart
Tonne 37
Unruhige Nächte
Die Lokomotive auf dem Wasser
Besanschot an
Rückwärtsegeln
Der Männerquilt
Odysseus oder Ein Schaf wird kommen
Mutterkorn
Straßenblockade
Antwerpener Nummerken
Bootsfahrerjahr
eclusa a la portuuês - Portugiesisches Schleusen
Bella Italia - Die Liebesgondel
Der Fischquäler
Brückenwärter
„Mach Du erst mal den Führerschein!“
Petit Rhône
Die Nacht auf der Sandbank
Fährfahrt
Happy Birthday
Griechische Trilogie
Schleuse in the dark
Schnitzeljagd
Feuchte Ankunft
Die Brücke von Emden
Das Chorschiff
Gin Rummy* auf dem Achterdeck
Butterdosen
Volle Fahrt voraus
Schweiz Ahoi!
Flaggenfülle
Der Fußballstar
Kaffeeflirt
Jazz in Navytown
Langes Wochenende
Brückenshow
Kreiselkompass
Teuer gespart
Kulinarische Katastrophen
Das Wasserfahrzeug
Werners Kalender
Traumurlaub
Nachtfahrt
Disconight
Irische Nächte sind lang
Winter an Bord
Der Beulendoktor
Der Mörderhund
Der Grimbergenmönch
Zahnlos
Paul – Der Nutria
Halt doch mal an!
Kurs hart Backbord? Oder Kurs an Bord
In hoc signo navigamus
El Mecanico
Der Hubbel vorm Paradies
Tricolore
Das Olivenmonster
Walkman – Waterman
Maikäfer flieg….
Der Grußhut
Der Bootskauf
Abendidylle
Impressum
Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erleben. Insbesondere Bootsreisen haben immer wieder einen hohen Erlebniswert. Im Laufe unserer Jahre auf dem Wasser sind wir auf vielen Gewässern unterwegs gewesen und haben rund um unser Bootsleben viele amüsante, kleine Alltagsgeschichten erlebt, an die wir uns gerne erinnern. Diese Geschichten habe ich aber nicht nur für Bootsbegeisterte aufgeschrieben, sondern für alle Menschen, die neugierig auf die Erlebnisse Anderer sind und gern mal ein wenig schmunzeln oder lachen möchten.
Ich möchte sie, meine Leser, mitnehmen in die Welt der ‚Boatpeople‘. Begleiten sie uns in Gedanken und erleben sie, wie schön und unterhaltsam unsere Erlebnisse waren. Wir, das sind unser Schiff, „Josephine“, meine Frau, die an Bord nicht nur in Pantry eine besondere Rolle spielt, unser Enkelkind Marie, unsere Tochter und last but not least unser Bordhund, sowie Freunde, die uns immer mal wieder auf unseren Reisen ein Stück weit begleitet haben. Zehn Stundenkilometer sind für uns mit unserer Josephine das Maß aller Dinge und so entschleunigt, schärft sich der Blick für die Ereignisse, die man im sonst bisweilen hektischen Alltag kaum wahrnimmt.
Mark Twain hat die Anekdote folgendermaßen definiert:
„Für eine Anekdote braucht man drei Dinge: eine Pointe, einen Erzähler und Menschlichkeit“.
In diesem Sinne wünsche ich meinen Lesern viel Spaß beim Lesen und hoffe bisweilen ein kleines Schmunzeln auf ihren Gesichtern hervorrufen zu können.
Jedes Kind muss einen Namen haben… und Schiffe oder Boote natürlich auch.
Schon bald nachdem ich im März den Bootsführerschein gemacht hatte, kam der Wunsch nach einem eigenen Boot. Je besser das Wetter wurde, desto dringlicher wurde er. Die Lust auf Freizeit und Abenteuer auf dem Wasser war nicht mehr zu bremsen. Gemeinsam mit der zukünftigen Bordfrau wurden Anzeigen in den einschlägigen Fachzeitschriften studiert und gute Ratschläge von erfahrenen Bootsbesitzern eingeholt.
Fragen über Fragen waren zu beantworten und stürzten uns in arge Verlegenheit. Wo wollen wir mit dem Boot fahren? Binnen oder in küstennahen Gewässern? Wie geräumig soll es sein? Wie komfortabel soll das Boot sein? Was muss an Ausrüstung an Bord sein?
Die wichtigste Frage war jedoch: Was darf es kosten?
Schließlich meinten wir, die richtigen Antworten gefunden zu haben. Das Boot sollte vor allem trailerbar sein und uns im Urlaub an der Mittelmeerküste Tagesausflüge und Wasserskilaufen ermöglichen. So wollten wir erst einmal Erfahrungen sammeln und feststellen, ob der Bootssport uns wirklich das erhoffte Vergnügen bereiten würde.
Nun ging die Suche von vorn los und bald war ein günstiges Angebot gefunden. Ein offenes Sportboot auf einem Trailer – leider fehlte der notwendige Außenbordmotor. Aber den würden wir auch noch finden, waren wir uns sicher.
Als das neuerworbene Gespann vor unserem Haus stand, wurde es noch einmal von allen Seiten mit strahlenden Augen begutachtet und voller Stolz stellten wir fest, dass wir nun wohl ein richtiges kleines Traumschiff besaßen. Es war nur namenslos. Der Familienrat tagte und es wurden die tollsten Vorschläge für die Namensgebung gemacht und diskutiert. Der künftige Kapitän des Bötchens bestand darauf, dass es auf jeden Fall ein weiblicher Name sein müsse. Das erfordere die Tradition der christlichen Seefahrt. So entfielen schon mal so phantasievolle Namen wie „Traumschiff“ (bei 4,80 m Länge ohnehin etwas anmaßend), „Glücksfall“ oder „Seeschwalbe“. Nun wurden Frauennamen geprüft. Sollte es der Vorname der Ehefrau sein? Wurde von ihr massiv abgelehnt! Ein Büchlein mit ostfriesischen Vornamen half auch nicht weiter, obwohl dort viele nette Namen auftauchten, aber keiner der den Rumpf unseres kleinen Bootes zieren konnte.
Auch unsere Autos hatten schon immer Namen gehabt und da hatten wir uns gar nicht so schwer mit der Namensfindung getan. Ein Mercedes-Diesel, -behäbig, zuverlässig und recht konservativ-, den wir mal besaßen, hatte den Namen „Bismark“ erhalten. Der rote Renault den wir zurzeit fuhren, war als kleiner agiler Franzose auf den Namen „Napoleon“ getauft worden. Das war die Lösung! Unser Boot hing doch auf dem Trailer hinter „Napoleon“ und sollte von diesem durch die Lande gezogen werden. Was lag da näher als der Name „Josephine“! Mit ein paar Spritzern Sekt, - eine stilechte Taufe mit zerschellen der Flasche am Bug hätte der Plastikrumpf wohl nicht so gut überstanden -, wurde die Taufe vollzogen. Die künftige Crew trank den größeren Teil und hoffte auf viel Spaß mit „Josephine“!
Traditionsbewusst wie wir sind, erhielten seitdem alle unsere Boote diesen Namen.
Bazillen sind Mikroorganismen, die bei Säugetieren die verschiedensten Krankheiten hervorrufen. Und da der Mensch bekanntlich auch zu dieser Gattung gehört, wird er im Laufe seines Lebens von den verschiedensten Krankheiten geplagt, die diese kleinen Viecher übertragen. Mal ist es eine Grippe, die uns an das Bett fesselt, mal ein Magen/Darmvirus, der uns auf das stille Örtchen verbannt.
Ein ganz besonderer Bazillus ist der Bootsbazillus (lat. Bacillus navicula). Er befällt die Menschen völlig überraschend und löst bei ihnen eine große Sehnsucht nach einem Boot aus, mit dem man sich auf dem Meer, an der Küste und auf Binnengewässern bewegen kann. Art und Größe des Wasserfahrzeugs sind dabei unerheblich.
Neuere Forschungsergebnisse gehen sogar davon aus, dass dieser Bootsbazillus auch vererbbar ist und bisweilen im Generationensprung von Großeltern auf Enkelkinder übergeht. Er kann auch jahrelang unerkannt in einem schlummern und sich erst bei einem konkreten Erlebnis bemerkbar machen. Trotz intensiver Forschung ist es bisher nicht gelungen eine medikamentöse Therapie zu entwickeln. Die Krankheit lässt sich nur durch Bootserlebnisse auf dem Wasser temporär kanalisieren. Es ist dabei unerheblich, ob dies mit einem eigenen oder einem zeitlich befristet angemieteten Boot geschieht. Heimtückisch wie der Bootsbazillus jedoch nun mal ist, weckt er die Sehnsucht nach Bootstörns nicht nur während der Sommersaison. Man kann z.B. während der Bootsmesse in Düsseldorf im Januar jährlich Hundertausende Menschen erleben, die von diesem Bazillus befallen sind.
Der Krankheitsverlauf, in der Intensität bei den befallenen Menschen unterschiedlich ausgeprägt, stellt sich wie folgt dar:
Beim Anblick von Booten, sowohl im Fernsehen, in einschlägigen Zeitschriften oder in natura, bekommt der „Kranke“ einen leicht verklärten Blick und fängt an ein wenig zu träumen. In dieser Phase sollte er nicht angesprochen werden, denn das abrupte Ende seiner Phantasievorstellungen kann erhebliche traumatische Folgen haben. Ein anderes Symptom ist der dringende Wunsch, die häusliche Umgebung mit allerlei maritimen Schnick-Schnack auszustaffieren. Dies verschafft den Infizierten eine gewisse Erleichterung und sollte von seinen Mitmenschen unter therapeutischen Aspekten mit großer Toleranz ertragen werden.
Auch wenn keine wirkliche Heilung möglich ist, kann der Krankheitsverlauf deutlich durch den Kauf eines eigenen Bootes abgemildert werden. Allerdings treten dann häufig Folgebeschwerden auf, wie das Verlangen nach einer besseren Bootsausstattung oder bei besonders schweren Fällen, der Wunsch nach einem größeren, schöneren Boot.
Die Befragung ihres Arztes oder Apothekers zu Risiken und Nebenwirkungen ist bei dieser Therapie im Allgemeinen zwecklos. Es sei denn man hat einen Hausarzt, der selbst Bootsbesitzer ist. Allerdings ist noch kein Fall bekannt, in dem eine Krankenkasse die Anschaffung eines Bootes finanziell unterstützt oder zumindest das Chartern als Kur anerkannt hat.
Das Fahren mit einem typischen Verdränger ist eine Art des Bootfahrens, die einen sehr schnell dazu bringt, alles mit einer gewissen Gelassenheit und Ruhe zu betrachten. Wenn 10 km/h das Maß aller Dinge werden, vergisst man bald die Hektik des sonst so geschäftigen Alltags.
Bisweilen kann dabei aber auch mal Wesentliches auf der Strecke bleiben.
Der Skipper hatte beschlossen nach der Fahrt durch Amsterdam den kleinen Hafen von Durgerdam anzulaufen, um dann am nächsten Tag von dort aus über Markermeer und Ijsselmeer gen Heimat zu dampfen.
Während der Fahrt durch Amsterdam scherte aus unserem Konvoi, der sich an der Oranje-Schleuse vor der Fahrt durch die Stadt der Grachten gebildet hatte, ein Segler aus und machte am Kanalufer vor einem Supermarkt fest, um dort einzukaufen. Dies veranlasste die Bordfrau, kurz darauf hinzuweisen, dass wir auch noch einkaufen müssten; insbesondere Brot !
Da es zu den Eigenheiten meiner Frau gehört beim Bäcker häufig erst unmittelbar vor Geschäftsschluss aufzutauchen und wir deswegen schon alle Varianten von Ladenhütern des Backwarenfacheinzelhandels genossen haben, überschlug ich kurz, wann wir Durgerdam erreichen würden; - wahrscheinlich am frühen Nachmittag. Also genug Zeit zum Einkaufen!
In Durgerdam angekommen, schnappten wir uns den Bordhund und setzten mit einer kleinen Seilzugfähre von der Steganlage zum Ufer über. Bei den pittoresk auf dem Deich gelegenen Häusern suchten wir allerdings vergeblich nach einer Einkaufsmöglichkeit; außer zwei Gaststätten war da nichts. Vom Hafenmeister erfuhren wir, dass unsere Idee, in Durgerdam einkaufen zu wollen, nicht besonders toll war. Durgerdam würde von einem fahrenden Lebensmittelhändler versorgt und der käme erst übermorgen wieder hier vorbei. Wat nu???
Zurück an Bord kramte die Bordfrau die eisernen Reserven raus und meinte mit Blick auf das nicht gerade üppige Angebot, dass es wohl zum Überleben reichen würde.
Plötzlich ein jubelnder Aufschrei: Auf dem Deich war der Verkaufswagen eines Bäckers angekommen. - Runter vom Schiff; hin zur Seilfähre; im Akkord zum Ufer; den Deich hochgerannt und …….der freundliche junge Mann, der zu dem Wagen gehörte, machte sein Auto auf und wir guckten in gähnende Leere. Er erklärte uns, dass er nur seine Mutter besuchen wolle und leider kein Brot mehr zu verkaufen hätte.
Also doch Reste-Essen.
Enttäuscht gingen wir zu der Fähre zurück und kurbelten uns - nun mit deutlich weniger Schwung -zurück in Richtung Steg, als der junge Mann den Deich herunterlief, hinter uns herrief und bedeutete, dass wir noch mal zurückkommen sollten.
Zurück am Ufer übergab er uns eine prall gefüllte Tüte mit Brötchen, die seine Mutter aus der Tiefkühltruhe geholt hatte, nachdem sie von unserer Pleite gehört hatte und wünschte uns „Guten Appetit“. Von einer Bezahlung wollte er absolut nichts wissen, sondern drehte sich lächelnd um und fuhr mit seinem leeren Bäckerauto davon.
Die Brötchen haben uns köstlich geschmeckt und wir werden Durgerdam und den knusprigen Beitrag zur Völkerverständigung in bester Erinnerung behalten.
Es müssen also nicht immer Tulpen aus Amsterdam sein, Brötchen aus Durgerdam können bisweilen sehr viel mehr Freude machen.
Für den richtigen Bootsfahrer ist die Zeit, die er nicht an Bord verbringen kann, eine schlimme Zeit. Besonders im Herbst und Winter, wenn das Boot eingemottet auf dem Trockenen liegt, ist das Warten auf die nächste Saison schon eine arge Geduldsprüfung.
Das Lesen einschlägiger Literatur ist da zwar eine Hilfe, kann aber natürlich nicht das maritime Ambiente eines Bootes mit allem was so dazugehört ersetzen.
Um diese Belastung in Grenzen zu halten, liegt es nahe, sich auch Zuhause eine maritim gestylte Umgebung zu schaffen, in der man nicht nur von schönen Törns träumen kann, sondern alles was das Skipperherz erfreut auch direkt vor Augen hat.
Als der Skipper beim sonntäglichen Mittagessen diese Gedanken das erste Mal beiläufig erwähnte, zog die Hausfrau (im Sommer die - [fast] - alles ertragende Bootsfrau) in Vorahnung hausverschönernder Maßnahmen die Stirn kraus und erklärte erst einmal: „Nur über meine Leiche!“
Wie es bei allen Verhandlungen zu weltbewegenden Veränderungen üblich ist, setzten nun die Sondierungsgespräche ein und es wurden sachliche Argumente ausgetauscht, wie z.B., dass maritime Kostbarkeiten wie alte Flaggen oder ähnliches unser Haus ungemein schmücken würden, contra der Feststellung, dass aus unserem Haus keine Bildermolle werden solle. Oder der Hinweis auf einschlägige Museen, mit hohem kulturellen Wert, die auch prächtig anzusehen seien, wurde ganz einfach damit gekontert, dass Museen zwar schön seien, aber nur einen sehr eingeschränkten Wohnwert hätten.
Am Ende der Diskussionen dann der Kompromiss:
Der Skipper und Hausherr darf das Gästeklo maritim ausschmücken. Das Mari(n)timklo ward geboren.
Seitdem hängen auf unserem (ehemaligen) Gästeklo die niederländischen Provinzflaggen an den Wänden, die der Skipper gekauft hatte, sobald wir dort auf eigenem Kiel gefahren waren. Unter der Decke ist eine arg zerschlissene Deutschlandflagge angebracht, die unser erstes Schiff zierte und die manch kräftigen frischen Wind zu überstehen hatte. (Im Mari(n)timklo ist der Wind bisweilen auch recht kräftig, aber frisch…???) Ein ausrangierter Kompass zeigt, wo’s lang geht und, mit einem Nebelhorn können im Bedarfsfall Notsignale gegeben werden (ein kurz, ein lang = Klopapier ist alle!) und auf einem extra installierten Sims ist der gesammelte maritime Schnick-Schnack vergangener Törns zu bewundern. Neben dem Klo liegt ein Stapel Bootszeitschriften und Ausrüstungskataloge, so dass einem nie langweilig wird.
Und wenn wir Besuch haben, bereichert es die Unterhaltung, wenn man feststellt, dass einer der Gäste schon längere Zeit als vermisst gilt, weil die durchschnittliche Sitzungszeit (auch bei nicht schiffsbegeisterten Gästen) seit der Umgestaltung deutlich zugenommen hat.
Erst als der Skipper die grandiose Idee hatte noch eine Spieluhr installieren zu wollen, die bei Belastung der Toilettenbrille „La Paloma“ spielen sollte und er für die vorweihnachtliche Stimmung einen kleinen Tannenbaum mit Buddelschiffen aufstellen wollte, drohte die schon arg belastete Bord-/Ehefrau mit Liebesentzug und Flucht auf landgebundene Fahrzeuge.
Um die eingespielte Crew nicht zu sprengen und in Erinnerung an manch schönen gemeinsamen Törn hat der Skipper auf Musik und Stimmung verzichtet.
Selber singen ist aber gestattet.
Unsere Freunde hatten sich nach langem Suchen endlich ein eigenes Schiff zugelegt, das durch den Vorbesitzer in Eigenregie ausgebaut worden war. Das Schiff war erst vor kurzem fertig geworden und der Vorbesitzer hatte noch darauf hingewiesen, dass er noch nicht alle Funktionen so recht durchgeprüft hätte. Aber ‘eingefahren’ wäre es schon.
Die kurze Überführungsfahrt verlief auch ohne Probleme und wir freuten uns schon auf gemeinsame Fahrten mit unseren Familien.
Auf dem ersten gemeinsamen Törn kamen wir mit unseren beiden Schiffen in ein kleines, malerisches Dorf mitten in den Niederlanden. Die Dorfkade bot nur wenig Platz, aber wir hatten Glück und konnten mit unseren beiden Schiffen noch zwischen einem Engländer und einem Niederländer anlegen. Der anschließende Landgang endete in der Dorfschänke, wo wir auch unseren Liegeplatznachbarn von der Insel etwas näher kennenlernten. Bei einigen (?!) lekker Biertje und dem einen oder anderen Genever wurden Erfahrungen getauscht, Tipps gegeben und je später der Abend, desto mehr Seemannsgarn gesponnen.
Als wir wieder an Bord gingen herrschte in dem Dörfchen schon allgemeine Nachtruhe und wir bemühten uns, möglichst geräuschlos an Bord und in die Kojen zu kommen. Ein leise gezischtes „Good night“ von Bord zu Bord und wir lagen in Morpheus Armen.Irgendwie träumte ich gerade von einem wunderschönen Törn durch das Wattenmeer, als sich in diesen Traum ein Geräusch einschlich, das dort überhaupt keinen Platz hatte. Es hörte sich an wie ein Preßlufthammer, der mit heftigem Stakkato einen Felsen bearbeitet; im Wattenmeer?!! - Aus den Tiefen meines Traumes gerissen erkannte ich aber, dass wohl irgendjemand mit einem Schlüssel an unsere Bordwand trommelte und nun auch noch laut forderte, ich solle wach werden.
Gardine zur Seite, ein Blick mit noch nicht so ganz offenen Augen durch das Fenster und Gardine gleich wieder zu. Draußen auf der Dorfkade stand ein Gespenst; kreidebleich mit dünnen weißen Keksbeinen, die aus flatternden Boxershorts, die mit Weihnachtsmännern (es war übrigens Mitte Juni) verziert waren, herauskamen. Da das Gespenst nun immer lauter wurde und meinen Namen rief, riskierte ich einen zweiten Blick und erkannte meinen Freund.
An Deck geklettert hörte ich nun auch noch ein hässliches Brummen, das die nächtliche Ruhe störte. Mein Freund erklärte mir mit leicht panischem Blick, dass er doch nur ein menschliches Bedürfnis verspürt habe und in Ermangelung einer Toilette an Land, das elektrische Bordklo seines Schiffes benutzt habe. Und dies Sch..ßklo liefe nun immer weiter und mache Krach wie eine Höllenmaschine.
Rundum gingen die ersten Fenster auf und auch bei unserem englischen Freund rührte sich was.
Das Klo schlürfte und ratterte weiter.
Mein Freund hüpfte hilflos und hektisch zwischen mir und seinem Schiff hin und her und fragte immer nur, was er denn tun solle.
„Oh boy, perhaps I can help you!, übernahm der Engländer die Initiative, kletterte an Bord, suchte in der Toilette den elektrischen Anschluss der Zerhackerpumpe, ein kurzer heftiger Ruck, das Kabel zerriss und…..es herrschte wieder himmlische Ruhe.
Die Niederländer schlossen leicht schmunzelnd ob des ‘Weihnachtsmanngespentes’ wieder die Fenster und nachdem eine Stunde später der Bäcker seinen Laden öffnete, bedankte sich unser Freund bei den Beteiligten mit einem ausgiebigen ‘Continental Breakfast’
Thank you, Thank you, Thank you !!!
Unsere Freunde Ursula und Günther waren so nach und nach auch vom Bootsbazillus befallen worden und so wurde in den langen Wintermonaten, wo so manche Bootsgeschichte aus der Erinnerungskiste hervorgeholt wurde, der Wunsch nach einem eigenen Schiff immer stärker.
Chartern war ja auch eine Möglichkeit den Bootsbazillus zu bekämpfen, aber die Freiheit sich auch mal sehr kurzfristig für ein Wochenende aufs Wasser zu begeben, war dabei deutlich eingeschränkt. Im Sommer war kurzfristig kaum ein freies Boot zu finden, zudem ziemlich teuer und dann musste man immer wieder seine sieben Sachen an Bord schleppen.
Also! Ein eigenes Boot musste her! Intensiv wurden die einschlägigen Zeitschriften studiert, Annoncen ausgewertet und auch ein paar Schiffsmakler aufgesucht. Aber die Angebote die den Vorstellungen unserer Freunde entsprachen, sprengten deren finanziellen Rahmen und was finanzierbar war, war zu klein, miserabel ausgestattet oder ziemlich abgewrackt.
Aber dann, als die Tage schon wieder länger wurden und die Skipper von der Vorsaison-Unruhe erfasst wurden, erhielt Günther ein interessantes Angebot. Ein ehemaliger Kapitän der Handelsmarine, Jan de Vries, den wir über eine Annonce kennengelernt hatten, war fündig geworden.
Oben an der Nordseeküste lag ein Schiff, das den Vorstellungen unserer Freunde entsprach. Ein Stahlverdränger von 11m Länge und sehr gut ausgestattet. Der Preis war akzeptabel und bei der Besichtigung vor Ort wurde man sich schnell handelseinig. Allerdings war das Schiff, zwar von einem Fachmann, in Eigenarbeit ausgebaut worden, jedoch aufgrund des tödlichen Unfalls des Mannes nicht ganz fertig gewor den. Die Witwe versicherte meinem Freund, dass bei einer Probefahrt alles funktioniert hätte und die Technik einwandfrei sei. Nachdem für die noch fehlende letzte Lackierung ein günstiges Angebot gefunden wurde, war der Kauf perfekt.
Das Schiff musste nun nur noch nach zu dem bereits vorhandenen Liegeplatz bei einem Ferienhaus in Lemmer gebracht werden. Haken an der Sache; es war über die langwierige Suche Ende Oktober geworden und entsprechend war das Wetter in der deutschen Bucht. Wenig tauglich für einen schönen Bootstörn. Aber was soll’s! Wahre Bootsenthusiasten kann auch mieses Wetter nicht abschrecken.
Vier Wochen später war es dann so weit. Günther konnte das Schiff übernehmen und nach Holland überführen. Da mein Freund (noch) keinen Bootsführerschein besaß, bat er mich ihn zu begleiten und zumindest den ersten Teil des Törns zu übernehmen. Ich hatte noch meine Tochter Nadine als Decksmatrose und Smutje engagiert. Die Familie des Jungschiffbesitzers Günther sollte dann unterwegs an Bord genommen werden und bei der Gelegenheit sollte das Schiff zünftig getauft werden.
Dann hieß es nach der Übernahme des Bootes und einem letzten Check der Technik „Leinen los“ und rüber über die Ems nach Delfzijl. Das Wetter war ganz passabel, wenn auch ein wenig kühl. In der Emsmündung zeigte sich das neue Schiff ganz in seinem Element und bestätigte uns, dass die Entscheidung es zu kaufen wohl gut gewesen war. – Der Neu-Skipper war hellauf begeistert und plante bereits jede Menge Törns mit seinem Schiff.
Es wurde schon dunkel als wir in dem zu dieser Jahreszeit fast leeren Yachthafen, der noch im Winterschlaf lag, ankamen, und dort an einem der Stege festmachten. Dort hatten wir uns mit Ursula verabredet, die mit Kai und Fay, ihren Kindern, an Bord kom men wollte, um dort eine erste Nacht auf ihrem Traumschiff zu verbringen.
Die Heizung hatte unter Deck für eine wohlige Wärme gesorgt und Ursula hatte in ihren diversen Taschen allerlei Snacks und natürlich eine Flasche Sekt für den ersten Aufenthalt an Bord mitgebracht. Wir saßen alle gemeinsam um den großen runden Tisch im Vorschiff und waren guter Dinge, träumten von künftigen Fahrten und Ursula und Günther suchten nach einem Namen für ihr Schiff, als plötzlich das Licht ausging und auch die Heizung ihre Arbeit einstellte. Günther schaute mich etwas hilflos an und fragte, was denn da wohl passiert sei. Ein Blick in den Sicherungskasten und der Fehler war ausgemacht; die Hauptsicherung war herausgesprungen. Ich versuchte vergeblich den Sicherungsschalter wieder umzulegen, aber er sprang jedes Mal sofort wieder heraus. Irgendwo in der Elektrik musste es einen massiven Kurzschluss geben. Alle Suche danach blieb erfolglos und mittlerweile waren auch die Batterien fast leer. Wir unterbrachen die Stromversorgung am Batteriehauptschalter um weitere Schäden zu verhindern. Ein telefonischer Hilferuf bei Kapitän de Vries, der in der Nähe wohnte, brachte wenigstens eine Lösung für die Nacht. Da die Stromanschlüsse auf den Stegen des Yachthafens schon abgeschaltet waren, brachte er uns ein kleines Notstromaggregat vorbei, mit dem wir wenigstens die Heizung wieder betreiben konnten, denn mittlerweile war es unter Deck schon recht kühl und ungemütlich geworden. Am nächsten Morgen sollte dann ein Techniker von der Firma, die die Elektrik an Bord installiert hatte, vorbeikommen und den Fehler suchen und hoffentlich beheben.
Ursula verabschiedete sich ziemlich enttäuscht mit Kai und Fay, um wieder nach Lemmer zu fahren.
So hatten sie sich die erste Nacht auf ihrem Schiff nicht vorgestellt.
Der Elektrikfachmann kam wie versprochen am nächsten Morgen und nach einigem Suchen fand er auch den Fehler. Bei jedem Startversuch der Maschine erstrahlte der Motorraum in einem überirdischen Glanz und kleine goldene Funken flogen wie Sternschnuppen durch die Gegend. Ein Kabel am Anlasser hatte sich gelöst und am Gehäuse des Anlassers den Kurzschluss verursacht. Der Schaden war dann rasch repariert und wir konnten unsere Fahrt, wenn auch mit deutlicher Verzögerung fortsetzen.
Sommer… und selbst in den Niederlanden strahlt die Sonne von einem strahlendblauen Himmel herunter. Es sind Ferien und die Gewässer unseres Nachbarlandes sind voll von sonnenhungrigen Urlaubern und auf den Gewässern tummeln sich Boote und Schiffe aller Größenordnung. Viele, in den langen Wintermonaten sorgfältig geplante Törns werden nun in die Tat umgesetzt. Die Freiheit auf dem Wasser ist fast grenzenlos, wenn da nicht die Schleusen wären. Sie erfordern nicht nur ein Minimum an Geschick im Umgang mit dem schiffbaren Untersatz, sondern sie kosten auch Zeit. Die haben aber wohl nicht alle Freizeitkapitäne einkalkuliert. Vor den Schleusen bauen sich immer wieder Staus auf und so nimmt es nicht Wunder, dass einige Skipper, die es offensichtlich besonders eilig haben, versuchen sich vorzudrängeln.
Wir waren auf dem Weg vom niederländischen Friesland zum Grevelingen Meer bei Rotterdam unterwegs und hatten schon etliche Schleusen hinter uns und dabei immer wieder feststellen müssen, dass es Drängler und Raser nicht auf den Straßen gibt.
Vor der Volkerakschleuse westlich von Willemstad hatte sich an diesem Morgen schon eine beachtliche Menge von Freizeitbooten eingefunden, die an den Wartesegen festgemacht hatten und darauf warteten, geschleust zu werden. Nach über einer Stunde Wartezeit waren wir in der Warteschlange soweit aufgerückt, dass wir damit rechnen konnten bei der nächsten Schleusung dabei zu sein. Das Tor ging auf und wir reihten uns in die Schlange der langsam in die Schleuse einlaufenden Schiffe ein. Der Schleusenmeister stand oben auf der Kante und wies per Megaphon den Schiffen einen Platz zu.
Wir hatten gerade fest gemacht, als hinter uns ein heftiges Gebrülle einsetzte. Ein Segelboot, mit Motor fahrend, kam von ganz hinten mit ziemlich viel Fahrt angeschossen, fuhr an der Warteschlange vorbei und in die Schleuse hinein. Am Ruder stand ein junger Mann, den das Protestgeschrei der anderen Skipper und die energische Anweisung des Schleusenmeisters die Schleuse sofort wieder zu verlassen anscheinend überhaupt nicht interessierten. Er verminderte zwar seine Geschwindigkeit etwas, für ein sauberes Anlegemanöver in der schon halbwegs gefüllten Schleuse war er aber immer noch zu schnell. Und so kam was kommen musste! Er krachte erst mal gegen die Bordwand eines anderen Schiffes und dann noch leicht gegen das Heck seines Vordermannes. Da alle Boote gut mit Fendern bestückt waren gab es keine ernsthaften Schäden, aber dennoch gingen wüste Beschimpfungen über ihn nieder und er versuchte sich nun im Rückwärtsfahren. Auch wieder mit zu viel Geschwindigkeit, was zu einer weiteren Kollision führte. Durch den Krach und das Anbumsen war wohl seine Crew unter Deck wachgerüttelt worden. Leicht verschlafen erschien ein etwas älteres Paar, wohl Vater und Mutter des Mannes am Ruder, an Deck und warf leicht geblendet von der Sonne, einen Blick auf das Chaos. Der junge Mann am Ruder hatte es mittlerweile geschafft sein Segelboot quer zwischen die anderen Schiffe zu manövrieren. Das ging nun gar nicht. Der Schleusenmeister tobte. Jetzt übernahm der Vater das Ruder, nicht ohne seinem Sohn lautstark klar zu machen, dass er sich ziemlich dämlich angestellt habe. Auf den Schiffen rundherum war ein allgemeines Grinsen oder Schmunzeln zu sehen.
Der Vater gab Gas und krachte erst mit dem Bug und dann mit dem Heck gegen die Schiffe die vor bzw. hinter ihm lagen. Im zweiten Anlauf schaffte er es dann das Segelboot wieder in Fahrtrichtung zu drehen. Nun musste er nur noch an einem anderen Schiff längsseits gehen und dort festmachen. Mit viel Schwung warf er eine Leine zum Nachbarn. Der fing sie auch sofort und zog sie weiter zu sich heran. Vater und Sohn standen auf ihrem Segler und schauten interessiert zu, wie Meter um Meter der Leine auf dem anderen Boot verschwanden. Schließich kam das Ende der Leine und verschwand auch beim Nachbarn. Vater und Sohn hatten vergessen dies Ende bei sich zu befestigen und so dümpelte ihr Segelboot vor sich hin und trieb wieder in Richtung Schleusenmitte. Der Schleusenmeister hatte mittlerweile die Geduld verloren und dirigierte andere Boote auf die freien Plätze und wies sie an das Segelboot einfach zur Seite zu schieben. Mit viel Hallo und unter Einsatz aller verfügbaren Fender bugsierten sie Vater und Sohn an die Seite des Schiffes, an dem sie festmachen sollten.
Nachdem sie dies Manöver endlich abgeschlossen hatten, beschimpfte nun der Sohn noch den Vater ein wenig und meinte, dass der auch nicht besser fahren würde als er.
Bevor alle weiterfahren konnten, wurden noch Visitenkarten ausgetauscht, denn ein paar Kratzer hatte es schon gegeben.
Dann öffneten sich die Schleusentore und eine Schleusung mit hohem Unterhaltungswert war geschafft.
Frühjahr ! In dieser Jahreszeit wurden die Hausfrauen früher von einem Bazillus befallen, der sich Frühjahrsputz nannte. Mit viel Wasser und Putzmitteln wurde Haus oder Wohnung auf Hochglanz gebracht und der schmuddelige graue Winter mit all seinem Dreck und Unrat vertrieben. Der Industrie ist es jedoch gelungen, dies Putzfieber erfolgreich zu bekämpfen und es bricht heute bei weitem nicht mehr so heftig aus. Denn wenn man der Werbung glaubt, muss man nur noch mal eben mit dem Feudel durchwischen und schon ist alles so sauber, dass man sich im Glanz der Fußböden spiegeln kann.
Allerdings grassiert das Putzfieber immer noch heftigst unter den Besitzern von Booten und Schiffen aller Größen, egal wie alt diese sind. Wenn im Frühjahr Petrus Bäche und Seen vom Eise befreit hat, drängt es die Skipper mit Macht ihre schiffbaren Untersätze von Schmutz und Patina des Winterlagers zu befreien.
Auch wir waren mal wieder vom Frühjahrsputzfimmel befallen und zogen mit diversen Dosen, Flaschen Schrubber, Bürsten, Schwämmen und Unmengen von Putzlappen an Bord. Das Boot sollte mal so richtig gründlich gesäubert und auf Hochglanz gebracht werden!
Um den Kauf der nicht ganz billigen Essenzen und Cremes für die Bootskosmetik zu rechtfertigen, begann ich voller Energie mit der Arbeit. - Nach einer Stunde war ich geschafft; aber das Boot noch lange nicht! Die Bordfrau hatte unter Deck nicht nur deutlich mehr geschafft, sondern auch noch einen herrlichen Ostfriesentee zubereitet. Während die Kluntjes in der Tasse klingelten und die Sahnewölkchen ankündigten, dass dieser Genuss mir bald neue Kräfte für den Rest des mühseligen Reinigens geben würde, fragte mich meine erfahrene Hausfrau augenzwinkernd, ob ich wirklich überzeugt sei, dass meine teuren Bootspflegemittel so viel besser seien, als ihre normalen Haushaltsreiniger. So recht konnte ich ihr nicht Paroli bieten, aber um das Gesicht nicht ganz zu verlieren, wollte ich nur noch ‘mal eben‘ an unserem Beiboot demonstrieren wie gut mein tollen Putzmitteln waren.
Also Beiboot zu Wasser und weiter ging‘s. Praktischerweise konnte ich jetzt meinen Schwamm direkt im Hafenwasser auswaschen. Schnell wie es gehen sollte, guckte ich mir schon den nächsten Abschnitt an, den ich säubern wollte, während ich den Schwamm ausspülte. Irgendwie muss da wohl ein Wassergeist an dem Schwamm gezogen haben, denn plötzlich war ich im Wasser; das Beiboot kieloben neben mir. Meine Wasserspiele hatten nicht nur die Bordfrau alarmiert, sondern auch die Besatzungen der umliegenden Boote aufmerksam gemacht, die nun verhalten grinsend zusahen, wie ich mich an der Kaimauer hochhangelte. Triefnass, wie ein begossener Pudel stand ich da, das Wasser triefte aus den Klamotten und in den Schuhen quatschte der Schlamm vom Kanalgrund. Das Beiboot war bis zum Rand voll mit Wasser und Schlamm und sah gar nicht mehr sauber aus. Und meine tollen Putzmittel? - Die waren im Hafenbecken versunken. Naja, auch Wassergeister wollen wohl mal saubermachen.
