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Der Darm – ein Wunderwerk, das unseren Körper ernährt, schützt und viel mehr zu Gesundheit und Krankheiten beiträgt, als uns oftmals bewusst ist. Dieses Buch von Eva Untersmayr-Elsenhuber und Monika Ferlitsch (beide von der Medizinischen Universität Wien) gibt einen Überblick über den Aufbau und die Funktion des Darms und erklärt, weshalb der Darm für unsere Gesundheit so wichtig ist.
Welche Darmerkrankungen lebensbedrohlich werden können und welche vollkommen harmlos sind, erfahren Sie in diesem Buch.
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Veröffentlichungsjahr: 2021
Der Darm
DER DARM
Warum er so wichtig ist und wie er gesund bleibt
von
Eva Untersmayr-Elsenhuber und Monika Ferlitsch
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Sämtliche Angaben in diesem Werk erfolgen trotz sorgfältiger Bearbeitung ohne Gewähr; eine Haftung der Autorinnen sowie des Verlages ist ausgeschlossen.
Soweit im Folgenden personenbezogene Bezeichnungen nur in männlicher Form angeführt sind, beziehen sie sich auf Frauen und Männer in gleicher Weise (generisches Maskulin).
Stand des Wissens: Mai 2021
ISBN Print: 978-3-214-02196-2
ISBN E-Book: 978-3-214-02198-6
© 2021 MANZ’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung GmbH, Wien
Telefon: (01) 531 61-0
E-Mail: [email protected]
www.manz.at
Layout und Satz: www.petryundschwamb.com
Druck: FINIDR, s.r.o., Český Těšín
INHALT
Die Autorinnen
DER DARM – EIN WUNDERWERK IN UNSEREM KÖRPER
Verdauungs-, Aufnahme-, Produktions-, Immun- und Ausscheidungsorgan
Aufbau und Funktionen des Dünndarms
Aufbau und Funktionen des Dickdarms
Die Verdauung
Der Mund: Wo die Verdauung beginnt
Der Magen: Speicher, Mischmaschine und wichtiges Verdauungsorgan
Der Darm: Abschluss der Verdauung und Nährstoffaufnahme, Abtransport der Stoffwechselreste
Produktionsstätte Darm
DIE DARMBARRIERE: VIEL MEHR ALS EIN EINFACHER SCHUTZ DES KÖRPERS
Die Gemeinschaft der Mikroorganismen im Darm
Welche Funktionen erfüllen die Darmmikroorganismen?
Wie und wann erfolgt die Besiedelung des Darms?
Weitere Einflussfaktoren für die Zusammensetzung unserer Darmmikroorganismen
Die Schleimschicht
Die Zellen der Darmschleimhaut
Das intestinale Immunsystem
Die Funktion des Magen-Darm-Traktes als Teil der Darmbarriere
Was ist eine intakte Darmbarriere und wann trifft der Ausdruck„leaky gut“zu?
Was kann ich tun, um meine Darmbarriere zu unterstützen?
DER EINFLUSS DER ERNÄHRUNG AUF DIE DARMGESUNDHEIT
Vitamine
Vitamin A
B-Vitamine
Vitamin C
Vitamin D
Vitamin K
Spurenelemente und Mineralstoffe
Zink
Selen
Eisen
Fette
Fettsäuren
Triglyzeride
Sphingolipide
Eiweiße und Aminosäuren
Glutamin
Arginin
Tryptophan
Peptide
Intakte Eiweiße
Andere wichtige Nahrungsbestandteile
Polyphenole
Ballaststoffe
Verschiedene Ernährungsmuster
Essenspausen und Fasten
Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme
Autophagie
Unterstützende Diäten
DER EINFLUSS VON BEWEGUNG AUF DIE DARMGESUNDHEIT
Körperliches Training beeinflusst die guten Darmbakterien
Die Rolle der Darmgesundheit im Leistungssport
Körperliche Anstrengung bei Darmkrankheiten
DER DARM KOMMUNIZIERT MIT ANDEREN ORGANEN
Die Darm-Leber-Achse
Die Kommunikationswege zwischen Darm und Leber
Darmmikroorganismen: Entscheidende Faktoren in der Kommunikation zwischen Darm und Leber
Der Einfluss von Bewegung auf die Darm-Leber-Kommunikation
Die Darm-Hirn-Achse
Wie der Bauch mit dem Kopf spricht
Darmmikroorganismen beeinflussen unsere Gefühle
Übergewicht und die Darm-Hirn-Achse
Stress: Ein Feind für unsere Darmgesundheit
Die Darm-Lungen-Achse
Die Darm-Haut-Achse
Kommunikation der Darmmikroorganismen mit weiteren Organen
DARMKRIMI 1: TÖDLICHE NAHRUNGSMITTEL?
Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Allergien und Intoleranzen
Was ist eine Nahrungsmittelallergie?
Kreuzreaktion und Kreuzallergie
Was ist eine Nahrungsmittelintoleranz?
Hilfe, ich vertrage keinen Weizen!
Weizenallergie
Zöliakie
Glutensensitivität
Warum habe ich eine Nahrungsmittelunverträglichkeit?
Wie häufig sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten?
Ich habe Beschwerden nach dem Essen. Was kann dagegen getan werden?
Abklärung und Therapie einer Nahrungsmittelallergie
Abklärung und Therapie einer Nahrungsmittelintoleranz
Kann die Entstehung einer Nahrungsmittelunverträglichkeit verhindert werden?
DARMKRIMI 2: DARMERKRANKUNGEN UND IHRE HÄUFIGSTEN SYMPTOME
Zöliakie
Reizdarm
Ursachen des Reizdarmsyndroms
Symptome und klinischer Befund
Therapie
Dünndarmfehlbesiedlung
Blähungen
Durchfall und Verstopfung
Durchfall (Diarrhoe)
Verstopfung (Obstipation)
Hämorrhoiden
Ursachen für Probleme mit Hämorrhoiden
Symptome
Therapie
Einmal Hämorrhoiden – immer Hämorrhoiden?
Prävention
COVID-19 und der Darm
Entzündliche Darmerkrankungen
Colitis ulcerosa
Morbus Crohn
Mikrozytäre Colitis
Divertikel
DARMKRIMI 3: AKUTES ODER CHRONISCHES GESCHEHEN?
DARMKRIMI 4: DARMKREBS UND KOLOSKOPIE
Symptome
Risikofaktoren
Diagnose
Therapie
Darmkrebsvorsorge
Pathophysiologische Grundlagen
Einteilung der Polypen
Koloskopie ist nicht gleich Koloskopie
Alternativen zur Koloskopie
DARMUNTERSUCHUNGEN, VORBEREITUNG UND PRAKTISCHE HINWEISE
Digitale rektale Untersuchung
Koloskopie
Optimale Darmvorbereitung
Mögliche Komplikationen
Anamnese – was Ihr behandelnder Arzt wissen sollte
Dünndarmuntersuchungen
Kapselendoskopie
Enteroskopie
Enterographie
Nichtinvasive Untersuchungen des Darms
Blutuntersuchungen
Stuhluntersuchungen
Atemtests
Vorbereitung des Atemtests
Darmultraschall
Virtuelle Koloskopie
Literaturangaben
Bildnachweis
Stichwortverzeichnis
DIE AUTORINNEN
Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Eva Untersmayr-Elsenhuber
Seit 2011 ist Eva Untersmayr-Elsenhuber als Fachärztin für klinische Immunologie und als Assoziierte Professorin am Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der Medizinischen Universität Wien tätig. Sie ist Autorin zahlreicher in renommierten internationalen Fachzeitschriften publizierter Artikel, wurde mehrfach für ihre wissenschaftliche Tätigkeit ausgezeichnet und leitet seit 2005 Forschungsprojekte zum Thema Nahrungsmittelallergie, gastrointestinale Immunologie und Onkologie.
ao. Univ.-Prof. Dr. Monika Ferlitsch
Monika Ferlitsch ist Internistin, Gastroenterologin und Hepatologin und seit 2000 an der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der Medizinischen Universität Wien (Universitätsklinik für Innere Medizin [VG] III) tätig. Seit 2007 leitet sie das österreichweite Projekt „Qualitätszertifikat Darmkrebsvorsorge“. Darüber hinaus ist sie Endoskopikerin und führt täglich mehrere Magenspiegelungen und Darmspiegelungen mit Polypenabtragungen durch.
DER DARM – EIN WUNDERWERK IN UNSEREM KÖRPER
„Der gesunde Darm ist die Wurzel aller Gesundheit.“
Hippokrates, griechischer Arzt, 300 v. Chr.
Unser Darm ist ein faszinierendes Organ, das ganz entscheidend unsere körperliche, aber auch psychische Gesundheit beeinflusst. Der Darm erfüllt eine Vielzahl von Aufgaben, die für unseren Körper und unsere Gesundheit von großer Bedeutung sind: Im Verdauungssystem wird die Nahrung abgebaut und über den Darm in den Organismus aufgenommen. Die meisten lebenswichtigen Nährstoffe müssen dem Körper über die Nahrung zugeführt werden, nur in Einzelfällen können diese auch aus bereits im Körper vorhandenen Stoffen – wie beispielsweise aus Fetten – hergestellt werden. Im Darm werden von den Zellen der Darmoberfläche wichtige Verdauungsenzyme gebildet, die den Abbau der Nährstoffe übernehmen. Zusätzlich bilden die Zellen verschiedene Transporter-Moleküle, die mit verschiedenen Mineralstoffen im Austausch stehen und die Aufnahme der Nahrungsbestandteile in den Körper aktiv durchführen. Um eine möglichst große Aufnahmefläche zu bilden, ist die Darmoberfläche in unzählige Falten gelegt, die aus Zellen gebildet werden, die an der Oberfläche kleine Borsten zur weiteren Vergrößerung der Aufnahmeoberfläche besitzen.
VERDAUUNGS-, AUFNAHME-, PRODUKTIONS-, IMMUN- UND AUSSCHEIDUNGSORGAN
Neben der Verdauung und der Nährstoffaufnahme übernimmt der Darm als wichtiges Ausscheidungsorgan die Aufgabe, den Körper von schädlichen Stoffen zu befreien. Zu diesem Zweck erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit der Leber, die für den Körper schädliche Stoffe aus dem Blut filtert, um diese über die Galle in den Darminnenraum abzugeben. Erst dieses Zusammenwirken ermöglicht die Ausscheidung von Schadstoffen über den Stuhl.
Zusätzlich werden im Darm essenzielle Botenstoffe gebildet, die für eine gesunde Funktion des Körpers entscheidend sind und die gesamte Verdauungsfunktion regeln.
Durch die große Darmoberfläche, die gegen Krankheitserreger geschützt werden muss, ist der Darm außerdem eines der wichtigsten Immunorgane. Rund 80 % der körpereigenen Immunzellen sind im Darm einzeln unter den Darmoberflächenzellen oder in organisierten Immunstrukturen zu finden.
Und was auch nicht vergessen werden darf: Unser Darm ist Heimat der mit Abstand größten Anzahl von Kleinstlebewesen in unserem Körper, den sogenannten Mikroorganismen. Zu diesen Mikroorganismen, die in und an unserem Körper leben, gehören nicht nur die Bakterien, sondern auch Pilze, Viren sowie einzellige Lebewesen, die Protozoen (früher auch Urtierchen genannt) und auch die Archaeen, die früher auch Urbakterien genannt wurden. Sie alle übernehmen eine wichtige Rolle in dieser Gemeinschaft der Mikroorganismen und sind damit wichtige Bestandteile unserer Mikrobiota, wie die Gemeinschaft dieser Mikroorganismen auch genannt wird.
Die vielfältigen Aufgaben des Darms:
• Verdauung und Aufnahme von Nährstoffen
• Produktion von Botenstoffen, welche die Verdauung beeinflussen
• eines der wichtigsten Immunorgane unseres Körpers
• Lebensraum für unsere Darmmitbewohner, die Mikroorganismen, auch Mikrobiota des Darms genannt
• Ausscheidung der Abfallprodukte, die im Rahmen der Verdauung anfallen
Abb. 1: Funktionen des Darms schematisch dargestellt
Doch wie kann ein einziges Organ all diese Aufgaben erfüllen? Welche Rolle spielt dabei der Organaufbau und wie wird dadurch die Organfunktion beeinflusst? Nur durch ein besseres Verständnis des gesunden Darms und seiner einzelnen Teile lässt sich erklären, welche Faktoren unseren Darm gesund halten und wie es zu Krankheiten kommen kann.
AUFBAU UND FUNKTIONEN DES DÜNNDARMS
Der Dünndarm schließt direkt an den Magen an. Er besteht aus drei Hauptabschnitten:
• dem Zwölffingerdarm (Duodenum),
• dem Leerdarm (Jejunum) und
• dem Krummdarm (Ileum).
Die Hauptfunktionen des Dünndarms sind die abschließende Verdauung und die Aufnahme von Nährstoffen. Aus diesem Grund ist für die Organfunktion die große Oberfläche des Dünndarms entscheidend. Da diese große Oberfläche geschützt werden muss und viele verschiedene Bestandteile im Darminnenraum zu finden sind, sind Immunzellen ein wichtiger Bestandteil des Dünndarms. Unser Immunsystem hat im Darm die Aufgabe, gefährliche Substanzen zu erkennen, Krankheitserreger abzuwehren und Nahrungsbestandteile als ungefährlich zu akzeptieren.
Die Funktionen der verschiedenen Zellen des Dünndarms:
• Verdauung und Aufnahme von Nährstoffen
• Produktion von Botenstoffen, welche die Verdauung beeinflussen
• Produktion einer Schleimschicht, welche die Darmoberfläche schützt und für die geregelte Immunantwort wichtig ist
• Produktion von Substanzen, welche die Darmmikroorganismen unter Kontrolle halten
• Aufnahme von „Proben“ aus dem Darminnenraum, um diese den Immunzellen zur Verfügung zu stellen Der Dünndarm trägt seinen Namen aufgrund seines verglichen mit dem Dickdarm (rund 6 cm) geringeren Durchmessers (rund 2,5 cm). Er ist mit rund sechs Metern der längste Teil des Verdauungstraktes. Sein erster Abschnitt, der Zwölffingerdarm, erhält am Pylorus – dem Übergang zum Magen – in kleinen Portionen den vorverdauten Speisebrei aus dem Magen. Nach Verdauung und Aufnahme der Nahrungsbestandteile im Leerdarm und Krummdarm gelangen die auszuscheidenden Reste über die Bauhin-Klappe (auch Ileozäkalklappe genannt) vom letzten Teil des Krummdarms (dem terminalen Ileum) in den Dickdarm.
Abb. 2: Der Dünndarm besteht aus drei Abschnitten.
Im Dünndarm besteht die Oberfläche zum Darminnenraum, dem Darmlumen, aus einer einzelnen Zellschicht. Wäre es möglich, die gesamte Oberfläche auszubreiten, dann nähme diese eine Gesamtfläche von 200 bis 400 m2 – also bis zu zwei Tennisfelder! – ein, wobei die exakte Fläche vom Alter und Geschlecht abhängt. Damit diese große Oberfläche in unserem Dünndarm Platz finden kann, ist sie mehrfach gefaltet und bildet außerdem fingerförmige Ausstülpungen – sogenannte Villi – und Einstülpungen, die Krypten genannt werden. Zusätzlich haben die Zellen an ihrer Oberfläche kleine Bürsten, um die Aufnahmeoberfläche weiter zu vergrößern. Die verschiedenen Zelltypen dieser Oberfläche übernehmen unterschiedliche Funktionen des Dünndarms:
Die Dünndarmepithelzellen sind für die letzten Schritte der Verdauung der Nährstoffe und für deren Aufnahme verantwortlich.
Die Becherzellen (auch Gobletzellen genannt) bilden eine Schleimschicht, die sich schützend über die Darmepithelzellen legt. Bildlich kann man sich diese Schleimschicht wie einen Filter vorstellen, der verhindert, dass Krankheitserreger, aber auch die natürlichen Mitbewohner unseres Darms an der Epithelzellschicht anhaften können. Zusätzlich verhindert die Schicht, dass große, unverdaute Bestandteile des Darminhalts mit den Epithelzellen interagieren können. Wenn das passiert, kann eine Immunreaktion in Gang gesetzt werden und können Entzündungen entstehen.
Weiters besteht die Zellschicht aus spezialisierten Zellen, den endokrinen Zellen, die Botenstoffe für den geregelten Ablauf der Körperfunktionen bilden. Zu ihnen zählen die Serotonin-produzierenden Zellen (die sogenannten enterochromaffinen Zellen). Man weiß heute, dass 95 % des gesamten Serotonins des Körpers im Darm gebildet wird. Man kennt Serotonin als „Glückshormon“; umgekehrt spielt sein Mangel eine ganz entscheidende Rolle bei Depressionen. Serotonin wirkt aber auch auf die Muskelzellen im Darm und ist bedeutsam für die geregelten Bewegungen dieses Verdauungsorgans. Dies spielt eine entscheidende Rolle für den Weitertransport der Stoffwechselreste. Andere endokrine Zellen (im Dünndarm sind die D-, S-, L- und K-Zellen zu finden, siehe Tabelle 1, Seite 29) produzieren Botenstoffe, welche die Funktion des gesamten Verdauungstraktes koordinieren, die Darmbewegungen aktivieren oder reduzieren und die Produktion und Freisetzung von Verdauungssäften regeln. Ohne die Freisetzung dieser Botenstoffe würde die Verdauung der Nahrung nicht funktionieren, die Stoffwechselreste würden nicht weitertransportiert und letztendlich nicht als Stuhl ausgeschieden.
Es gibt aber noch weitere spezialisierte Zellen, die für die Kommunikation mit dem Abwehrsystem und die Kontrolle der Darmmikroorganismen wichtig sind:
Die birnenförmigen sogenannten Tuft-Zellen beispielsweise sind im gesunden Darm nur sehr selten zu finden und wurden erst vor rund zehn Jahren entdeckt und zum ersten Mal beschrieben. Diese Zellen verfügen über büschelförmige Bürsten (Mikrovilli), die als Sensor für Bestandteile im Darminnenraum dienen. Wenn die Zellen gefährliche Bestandteile aufspüren, beispielsweise bei einer Wurminfektion, dann produzieren sie Botenstoffe, die das Immunsystem in Gang setzen und dadurch die Abwehrreaktion einleiten.
Abb. 3: Schematische Darstellung der Dünndarm-Schleimhautzellen
Am Boden der Dünndarmkrypten wiederum sind die Körnerzellen, die sogenannten Panethzellen, zu finden. Panethzellen produzieren wichtige Substanzen, die die Mikroorganismen im Darminnenraum unter Kontrolle halten. Der Grund, warum die Körnerzellen dort zu finden sind und warum hier keine Mikroorganismen erwünscht sind, sind die neben den Panethzellen liegenden Stammzellen, aus denen alle anderen Zellformen gebildet werden. Diese Stammzellen sind für die Darmgesundheit so entscheidend, dass sie mit den Panethzellen über eigene „Bodyguards“ – also Wächterzellen – verfügen, die sie vor Infektionen durch Mikroorganismen schützen. Die durch die Panethzellen freigesetzten antimikrobiellen Bestandteile hemmen die Mikroorganismen nicht nur in der Nähe der Stammzellen, sondern auch im Darminnenraum und sind daher besonders wichtig für die individuelle Zusammensetzung unserer Darmmikroorganismen. Wie wichtig dies für die Darmgesundheit ist, lesen Sie im Kapitel „Die Gemeinschaft der Mikroorganismen im Darm“.
Abb. 4: Schematische Darstellung von M-Zellen innerhalb der Dünndarmschleimhaut mit darunterliegendem Lymphfollikel
