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Innovatives Coaching für ein herzgesundes Leben Kardiologe Dr. Stefan Waller alias Youtuber Dr. Heart wendet sich in diesem Ratgeber sowohl an Menschen nach erlittenem Herzinfarkt als auch an Patienten mit koronarer Herzkrankheit und an alle, die wissen, dass sie zur Herz-Risikogruppe gehören. Er erklärt verständlich, wie und warum es zur koronaren Herzkrankheit kommt, und motiviert zu den entscheidenden Schritten für ein herzgesundes, langes Leben. Mit dem praktischen Herz-Coaching von Dr. Heart kommen Betroffene und Gefährdete in den Genuss eines umfassenden Pools von auf sie zugeschnittenen Hilfestellungen. Ein 5-Punkte-Plan zeigt, wo die Weichen in Richtung Herzgesundheit zu stellen sind: von Ernährung, Aktivität und Fitness, über Entspannung und Achtsamkeit bis hin zur allgemeinen Lebensplanung und wichtigen Themen wie Raucherentwöhnung. In den begleitenden Videos der AR-App unterstreicht Dr. Heart die wichtigsten Botschaften aus dem Buch noch einmal persönlich.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 221
Veröffentlichungsjahr: 2017
Unsere eBooks werden auf kindle paperwhite, iBooks (iPad) und tolino vision 3 HD optimiert. Auf anderen Lesegeräten bzw. in anderen Lese-Softwares und -Apps kann es zu Verschiebungen in der Darstellung von Textelementen und Tabellen kommen, die leider nicht zu vermeiden sind. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Dieses Buch begleitet Sie auf Ihrem Weg in ein neues, herzgesundes Leben und steht Ihnen mit Wissen, Tipps und Motivation zur Seite.
Sie lernen die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen kennen – sowie die Maßnahmen, mit denen Sie sie unter Kontrolle bekommen können. Ein Aktionsplan hilft Ihnen bei der Umsetzung aller wichtigen Schritte, und Autor Dr. Waller begleitet Sie dabei mit fünf maßgeschneiderten Videobotschaften.
Auch wenn das Programm in diesem Buch Sie das ein oder andere Mal aus Ihrer Komfortzone locken muss: In einigen Wochen bis Monaten werden Sie wahrscheinlich erstaunt feststellen: Mensch, mein Leben fühlt sich eigentlich viel besser an als vorher!
Ergreifen Sie die Chance, Ihr Herz nicht nur im organischen Sinne zu stabilisieren, sondern darüber hinaus vielleicht sogar Heilung auf höherer, ganzheitlicher Ebene zu erfahren.
Ich kann Sie schon verstehen. Wahrscheinlich wurde bei Ihnen vor Kurzem eine Herzerkrankung festgestellt, Sie oder Ihr Partner haben womöglich sogar einen Herzinfarkt erlitten, oder aber Ihr Hausarzt hat Ihnen einfach nur ins Gewissen geredet, sich mehr um Ihre Herzgesundheit zu kümmern, Blutdruck und Cholesterin in den Griff zu bekommen … Und nun stehen Sie im Buchladen, haben gerade dieses Buch aus dem Regal gezogen – rechts und links davon viele weitere kluge Ratgeberbücher –, und nun fragen Sie sich zu Recht: Warum soll ich mir jetzt ausgerechnet diesen Herzcoach-Ratgeber kaufen?
Ganz einfach. Mit diesem Buch möchte ich Ihnen als aufrechter und ehrlicher Coach und Berater zur Seite stehen und Ihnen in einfachen und klaren Worten genau die Informationen an die Hand geben, von denen ich aus meiner persönlichen Erfahrung als Arzt ehrlich überzeugt bin und sagen kann, dass Sie sie wirklich brauchen, um Ihre Herzgesundheit dauerhaft wieder in den Griff zu bekommen.
Leider sind wir, was einen gesunden Lebensstil angeht, von einem Idealzustand Lichtjahre entfernt, und durch einen ungesunden Lebensstil verursachte Erkrankungen breiten sich in unserer Bevölkerung mit rasanter Geschwindigkeit aus. Nach Hochrechnungen des Robert Koch-Instituts greifen die »Volksseuchen« Übergewicht und Fettsucht (Adipositas) immer mehr um sich, sodass heute schon weit mehr als 20 Prozent der Frauen und Männer in Deutschland an Fettsucht leiden und lediglich ein Drittel der Männer und etwas weniger als die Hälfte der deutschen Frauen noch Normalgewicht haben. Mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland leiden laut einer Untersuchung der Deutschen Diabetes Gesellschaft aus dem Jahr 2015 bereits an einer Zuckerkrankheit (mit leider stark ansteigender Tendenz), über 20 Millionen Deutsche haben Bluthochdruck. Und Bewegungsmangel und Fehlernährung sind heute eher die Regel als die Ausnahme: 60 Prozent der Menschen in Deutschland bewegen sich täglich weniger als 30 Minuten! Gleichzeitig wird immer mehr fett- und kalorienreiches, meist »ultraverarbeitetes«, industriell gefertigtes, ungesundes Essen »genossen«. Als ob das nicht alles schon mehr als genug wäre, ist es um das seelisch-geistige Wohl vieler Menschen in unserem Land auch nicht viel besser bestellt. Chronischer Stress mit all seinen Folgeerkrankungen und Komplikationen ist zu einer der größten Belastungen der Volksgesundheit geworden.
Die Quittung hierfür – und das belegen zahlreiche Studien – ist der rasante Vormarsch von sogenannten »Wohlstandserkrankungen«. Hierzu zählen neben der Fettsucht und der Zuckerkrankheit (Diabetes) vor allem auch die durch Arteriosklerose, also die beschleunigte Verhärtung, Verengung und Verkalkung der Blutgefäße hervorgerufenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Herzschwäche und Schlaganfall. Um diese ganz großen Killer unserer Bevölkerung geht es – neben anderen Erkrankungen – in diesem Buch.
Im Jahr 2004 zeigte beispielsweise die INTERHEART-Studie eindrucksvoll, dass 90 Prozent der Herzinfarkte auf unseren Lebensstil zurückzuführen sind. Und da kommen Sie ins Spiel! Denn so gern ich dazu in der Lage wäre, auch ich kann Sie nicht gesund machen. Ich kann auch nicht verhindern, dass Ihre Erkrankung voranschreitet. Und ich kann auch nicht beeinflussen, ob Sie eine Herzerkrankung bekommen werden oder nicht. Das kann letztlich nur eine einzige Person auf dieser Welt: Sie!
Mit dem Buch, das Sie gerade in der Hand halten, versetze ich Sie jedoch in die Lage, dass Sie auf der Basis einiger grundlegender Informationen die für Sie wirklich wichtigen Entscheidungen zu Ihrer weiteren Lebensführung und Lebensplanung ganz bewusst treffen können. Wenn Sie das Buch fertig gelesen haben, können Sie die freie Entscheidung fällen, regelmäßig ein paar Tabletten einzunehmen und ansonsten genauso wie zuvor weiterzuleben. Das sollte dann aber Ihre bewusste Entscheidung unter Kenntnis der möglichen Folgen und vor allem der verpassten Chancen für ein letztlich gesünderes und schöneres Leben sein. Sie können sich aber auch dafür entscheiden, Ihre Lebenssituation – sei es aufgrund eines erlittenen Herzinfarktes, aufgrund der Diagnose einer Koronaren Herzkrankheit oder auch wegen eines anderen einschneidenden Lebensereignisses – als Chance für eine tiefgreifende Veränderung zum Besseren zu sehen. Die Tatsache, dass Sie diese Zeilen lesen, spricht ja bereits dafür, dass zumindest ein Teil von Ihnen dazu bereit ist, sich auf einen neuen, spannenden und hoffnungsvollen Weg zu begeben.
Ich werde Ihnen in diesem Buch nichts vorschreiben. Ich werde Sie auch nicht unter Druck setzen, indem ich Ihnen sage, dass Sie um jeden Preis Ihr ganzes Leben umkrempeln und dies oder jenes unbedingt tun oder sein lassen müssen. Denn – das musste ich als junger Arzt bereits wiederholt feststellen – es funktioniert (leider) nicht. Zwang kollidiert mit dem uns allen innewohnenden Freiheitsdrang und unserem innersten Wunsch nach Autonomie und Unabhängigkeit. Das ist sicherlich auch einer der Gründe, warum die Anweisungen des Arztes auf Dauer allenfalls zur Hälfte von den Patienten umgesetzt werden.
Das Einzige, was ich von Ihnen verlange, ist Unvoreingenommenheit. Bleiben Sie offen für die unterschiedlichen Argumente, übertragen Sie diese auf Ihre eigene Lebenswelt, seien Sie kritisch, informieren Sie sich rechts und links. Und dann entscheiden Sie, wie Sie mit den Informationen, die ich Ihnen an die Hand gebe, umgehen wollen.
»Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.«
Johann Wolfgang von Goethe
Gute Frage! Lassen Sie sie mich aus meiner persönlichen Perspektive beantworten. Ich arbeite jetzt schon eine ganze Weile als Kardiologe, zunächst viele Jahre im Krankenhausbetrieb und nun in der ambulanten Versorgung in einer großen kardiologischen Praxis im Herzen Berlins. Gleichzeitig bin ich als »Dr. Heart«, als »Internetarzt« damit beschäftigt, Menschen in möglichst einfachen Worten auf Augenhöhe ihre Herzerkrankung zu erklären und Hilfestellung zu einem (herz-)gesünderen Lebensstil zu geben. Denn obwohl es immer mehr, auch digital bereitgestellte Gesundheitsinformationen gibt, kommen diese aus verschiedensten Gründen oftmals nicht beim Patienten an, werden nicht verstanden oder lösen sogar mehr Verwirrung aus, als dass sie zur Klärung bestimmter Fragen beitragen. Bestimmt kennen Sie das »Dr.-Google-Syndrom« …
Viele »herkömmliche« Ratgeber kommen oftmals etwas »trocken« daher und werden dann schlicht nicht gelesen.
Mit dem Herzcoach-Programm versuche ich hier, eine Brücke zu schlagen und Ihnen in einfachen Worten, informativ, aber durchaus auch unterhaltsam, einen umfassenden Überblick zu geben über das, was Sie in Ihrem neuen »herzgesunden Leben« erwartet und was Sie wirklich wissen müssen, um Ihre Erkrankung und Ihre Risikofaktoren in den Griff zu bekommen. Vielleicht sind Sie auch noch gar nicht krank und wollen einfach nur lernen, wie Sie so leben können, dass Sie möglichst gar nicht erst krank werden? Umso besser!
Nachdem ich Ihnen in den ersten Teilen dieses Buches hierfür das notwendige Wissen an die Hand gebe, sind dann Sie an der Reihe! Mithilfe vieler praktischer Anregungen gestalten Sie Ihr neues »herzgesundes Leben«, und zwar individuell auf Sie, Ihre Lebenswelt und Ihre Wünsche und Abneigungen zugeschnitten. Denn die »One size fits all«-Patentlösung, die alle gleichermaßen glücklich macht, die gibt es leider nicht. Daher ist es so wichtig, dass Sie selber, quasi von innen heraus und nicht durch Verbote von außen »ferngesteuert«, aus dem breiten Spektrum der Möglichkeiten einen Lebensstil für sich entwerfen, hinter dem Sie stehen, der sich für Sie vor allem besser anfühlt und der es Ihnen ermöglicht, im Einklang mit Ihrem Körper bewusster, besser und länger zu leben. Wenn Sie selber verstehen und vor allem auch ganz praktisch erfahren, dass Sie mehr Lebensfreude und Lebensqualität durch Ihren Lebenswandel dazugewinnen, als Sie Dinge opfern müssen, wird sich Ihr Lebenswandel für Sie richtig und gut anfühlen und daher von Dauer sein.
Abgerundet wird das Herzcoach-Programm durch exklusive begleitende Videoclips, mit denen ich Sie auf Ihrem neuen Lebensweg mit meiner Motivation und einigen Tipps unterstützen möchte. An den entsprechenden Stellen weise ich Sie im Buch darauf hin.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf Ihrem neuen, spannenden Weg!
Ihr
Das Wichtigste über Aufbau und Funktion unseres außergewöhnlichen Lebensmotors in aller Kürze – entwickeln Sie etwas Dankbarkeit!
Ich weiß, natürlich wollen Sie sich lieber gleich voll in die Thematik stürzen, anstatt sich mit Herzgrundlagen auseinanderzusetzen. Deshalb verspreche ich Ihnen: Ich werde mich möglichst kurz fassen. Aber es wird Ihnen mit Sicherheit viel leichter fallen, vieles von dem, was Sie auf den folgenden Seiten über das Herz und die Koronare Herzkrankheit erfahren werden, besser einordnen und behalten zu können, wenn Sie zuvor ein paar wichtige Grundlagen über den Aufbau und die Funktion unseres Lebensmotors Herz verstanden haben. Darüber hinaus (so ging es zumindest mir persönlich) kann man auch eine gewisse Dankbarkeit für dieses unglaubliche Organ entwickeln, welches unermüdlich, in der Regel ohne zu murren und noch dazu meist völlig unbemerkt 24 Stunden rund um die Uhr, unser gesamtes Leben lang Tag und Nacht Sauerstoff und Nährstoffe zu jeder noch so abgelegenen Zelle in unserem Körper pumpt und somit unser Leben überhaupt erst möglich macht.
Besprechen wir also zunächst das Wichtigste zum Aufbau unseres Herzens und unseres Blutkreislaufs: Das Herz ist ein sogenannter Hohlmuskel, der aus vier Herzkammern aufgebaut ist. Dabei unterteilt sich das Herz in zwei Hälften, nämlich das rechte und das linke Herz, die jeweils aus einer Vorkammer, dem Vorhof, und einer Hauptkammer, dem Ventrikel, bestehen. Die Herzvorhöfe pumpen das Blut synchron, also zeitgleich, in die Herzkammern, die sich zu diesem Zeitpunkt in der Erschlaffungsphase, medizinisch Diastole, befinden und somit das Blut aus den Herzvorhöfen aufnehmen können. Etwas zeitversetzt ziehen sich dann die Herzkammern zusammen und pumpen so das Blut in den Lungenkreislauf (das übernimmt die rechte Herzkammer) beziehungsweise in den großen Körperkreislauf (das übernimmt die linke Herzkammer).
Rechtes und linkes Herz arbeiten dabei synchron, funktionell betrachtet in Reihe geschaltet. Das »verbrauchte« sauerstoffarme Blut aus dem Körperkreislauf sammelt sich im rechten Herzvorhof und gelangt dann über die sogenannte Trikuspidalherzklappe in die rechte Herzkammer. Die rechte Herzkammer pumpt das sauerstoffarme Blut in den Lungenkreislauf, wo es wieder mit Sauerstoff angereichert wird und gleichzeitig im Stoffwechsel entstandenes Kohlendioxid (CO2) abgibt. Weil im Lungenkreislauf ein sehr viel geringerer Blutdruck als im Körperkreislauf herrscht, ist die rechte Herzkammer sehr viel weniger muskelstark, und sie ist auch deutlich kleiner als die linke Herzkammer.
Das in der Lunge mit Sauerstoff beladene Blut sammelt sich über die Lungenvenen im linken Herzvorhof und gelangt über die Mitralherzklappe in die linke Herzkammer, die schließlich das Blut durch die Aortenherzklappe und die Aorta, also die Hauptschlagader, in die Arterien pumpt. Die Arterien verzweigen sich immer weiter, bis letztlich jede noch so abgelegene Zelle unseres Körpers erreicht und mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird – eine immense Leistung, ohne die unser Stoffwechsel nicht funktionieren würde, und letztlich die Voraussetzung dafür, dass wir leben.
Im Normalfall, also etwa dann, wenn wir in Ruhe auf der Couch sitzen und an nichts Aufregendes denken, zieht sich unser Herz in jeder Minute 50- bis 100-mal zusammen. Pro Stunde befördert unser Herz so die Menge von fast zwei vollen Badewannen an Blut durch den Körper. Dabei muss das Herz bei jedem Zusammenziehen, man sagt dazu auch Kontraktion, Druck aufbauen, um das Blut gegen den in der Hauptschlagader bestehenden Druck in den Körper pumpen zu können. Dieser Druck ist unmittelbar nach dem Zusammenziehen des Herzmuskels am höchsten und entspricht dem sogenannten systolischen Blutdruck, also dem Wert, der beim Messen des Blutdrucks immer zuerst genannt wird.
In der darauffolgenden Phase der Erschlaffung, in der die Herzkammer wieder mit Blut gefüllt wird, der sogenannten Diastole, fällt der Blutdruck ab. Durch die elastische Wand der Aorta und durch die wie ein Ventil arbeitende Aortenherzklappe wird aber sichergestellt, dass das Blut weiterhin nur nach vorne in die richtige Richtung fließt. Der Wert, den wir in dieser Phase des Herzzyklus messen können, entspricht dem diastolischen Blutdruckwert, also dem zweiten Wert bei der Blutdruckmessung.
Pro Minute pumpt das Herz etwa fünf Liter Blut durch unseren Körper. Dies bezeichnen wir Ärzte als »Herzminutenvolumen«.
1. Sauerstoffarmes Blut kommt aus dem Körper
2. Sauerstoffreiches Blut wird in den Körper gepumpt
3. Sauerstoffarmes Blut wird in die Lunge gepumpt
4. Sauerstoffreiches Blut kommt aus der Lunge
5. Linker Vorhof
6. Linke Herzkammer
7. Rechte Herzkammer
8. Rechter Vorhof
Stofftransport in der Zelle
9. Das Blut versorgt die Zellen mit Nährstoffen und Sauerstoff.
10. Das Blut entsorgt Stoffwechselnebenprodukte und Kohlendioxid aus den Zellen.
11. Zellen
Ergibt eine Blutdruckmessung bei Ihnen den Wert von 120 / 80 mmHg, heißt das, dass Ihr Herz durch das Zusammenziehen der linken Herzkammer einen Druck von 120 mmHg aufbaut, der während der Erschlaffungsphase des Herzens auf 80 mmHg abfällt, bis der Blutdruck dann beim nächsten Herzschlag erneut auf den Wert von 120 mmHg ansteigt und anschließend wieder auf 80 mmHg abfällt. (Was die Maßeinheit »mmHg« bedeutet, lesen Sie im Kasten auf >.) Ohne Pause steigt und fällt der Druck immer im Wechsel. Umso höher unser Blutdruck ist, der maßgeblich durch die Muskelspannung in unseren Arterien mitbestimmt wird, desto mehr Arbeit muss unsere große linke Herzkammer leisten, um das sauerstoffreiche Blut gegen diesen Druck in den Körper zu pumpen.
Später (ab >) werden wir noch genauer über die Rolle des Blutdrucks und vor allem über den Bluthochdruck als wichtigen Risikofaktor und weltweit größten Killer überhaupt reden!
Rechtes und linkes Herz pumpen gleichzeitig. Dabei garantieren unsere Herzklappen, dass das Blut immer in die richtige Richtung fließt. Sie funktionieren wie Ventile, die sowohl zwischen den Herzvorhöfen und den Herzkammern als auch zwischen den Herzkammern und der Lungenarterie beziehungsweise der Hauptschlagader dafür sorgen, dass das Blut nur nach vorne und nicht zurück fließt. So weit alles klar?
Ein so fleißig und rund um die Uhr unaufhörlich arbeitendes Organ wie das Herz muss natürlich auch selbst ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden, und das ist die Aufgabe unserer Herzkranzarterien, die im Mittelpunkt der weiteren Betrachtungen stehen werden.
Im wahrsten Sinne des Wortes Lebensadern sind unsere Herzkranzarterien, die unser Herz ständig mit Blut und dadurch mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Das Herz ist eines der am besten durchbluteten Organe überhaupt: In Ruhe, wenn unser Körper keiner besonderen Belastung ausgesetzt ist, fließt ein viertel Liter Blut pro Minute durch unsere Herzkranzarterien in unseren Herzmuskel. Wenn wir uns körperlich belasten, also beispielsweise Sport treiben, und das Herz entsprechend mehr Blut pumpen und somit mehr Arbeit leisten muss, kann die Herzdurchblutung um ein Vielfaches gesteigert werden.
1. Die Herzvorhöfe füllen sich mit Blut aus dem Körperkreislauf (rechter Vorhof) bzw. aus dem Lungenkreislauf (linker Vorhof).
2. Während der Diastole fließt das Blut aus den Vorhöfen in die Herzkammern.
3. Die Herzkammern pumpen während der Systole das Blut in den Lungenkreislauf (rechte Herzkammer) und den Körperkreislauf (linke Herzkammer).
Pro Minute zieht sich das Herz 50- bis 100-mal zusammen.
Pro Stunde befördert das Herz die Menge von fast zwei vollen Badewannen mit Blut durch den Körper.
Das Herz pumpt pro Minute ca. fünf Liter Blut durch den Körper.
Da es ja ein rechtes und ein linkes Herz gibt, gibt es auch eine rechte und eine linke Herzkranzarterie, die beide direkt an der Wurzel der Hauptschlagader, dem Aortenbulbus, entspringen und sich im weiteren Verlauf immer weiter verästeln, bis über kleinste Blutgefäße, die Kapillaren, auch die letzte Herzmuskelzelle erreicht und mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird.
Dabei versorgt die kräftige linke Herzkranzarterie den Großteil der linken Herzkammer mit sauerstoffreichem Blut, während die meist kleiner angelegte rechte Herzkranzarterie vornehmlich die rechte Herzkammer (sowie außerdem einen unterschiedlich großen Anteil bestimmter Bereiche der linken Herzkammer) mit Blut versorgt.
Nicht nur äußerlich gleicht kein Mensch 100-prozentig dem anderen, sondern auch innerlich. Das gilt auch für unsere Herzkranzarterien, die jeweils von Mensch zu Mensch unterschiedlich kräftig ausgeprägt sein können. So unterscheidet man einen Links- von einem Rechtsversorgungstyp oder einem ausgeglichenen Versorgungstyp, je nachdem welche der beiden Herzkranzarterien kräftiger angelegt ist und somit den Löwenanteil des Herzens mit Blut versorgt. Das kann bei einem Herzinfarkt ganz entscheidende Konsequenzen für uns haben. Kommt es zu einem kompletten Verschluss der rechten Herzkranzarterie, kann das bei einem Rechtsversorgungstyp, bei dem ein sehr großer Anteil des Herzens über die rechte Herzkranzarterie versorgt wird, viel verheerendere Folgen haben als bei einem Linksversorgungstyp. Denn bei einem Linksversorgungstyp ist die rechte Herzkranzarterie oft nur sehr klein angelegt und spielt daher für die Gesamtblutversorgung des Herzens eine viel geringere Rolle.
Die linke Herzkranzarterie besteht aus dem sogenannten Hauptstamm, der sich in zwei kräftige Äste zur Versorgung von Vorder- und Seitenwand der linken Herzkammer verzweigt. Der erste kräftige Ast läuft vorne im Bereich der Herzscheidewand zwischen rechter und linker Herzkammer in Richtung Herzspitze und wird daher auch als »Ramus interventricularis anterior« bezeichnet, also als Ast, der vorne zwischen den beiden Herzkammern liegt, abgekürzt RIVA. Im Englischen heißt er auch »left anterior descending« (LAD), also »vorderer, zur Herzspitze herabsteigender Ast der linken Herzkranzarterie«.
Der zweite Ast, der aus dem Hauptstamm der linken Herzkranzarterie hervorgeht, zieht zunächst im Bereich zwischen linker Herzvorkammer und linker Herzkammer nach hinten, um dann ebenfalls in Richtung Herzspitze herabzusteigen und einen je nach Versorgungstyp unterschiedlich großen Anteil der Seiten- und Hinterwand der linken Herzkammer mit Blut zu versorgen. Er wird als »Ramus circumflexus«, also »der herumziehende Ast«, abgekürzt RCX, bezeichnet.
Wenn Sie jetzt also in Ihrem Befund oder Arztbrief demnächst diese Abkürzungen lesen, können Sie damit schon etwas anfangen, und es hört sich für Sie nicht mehr ganz so chinesisch an.
Im wahrsten Sinne des Wortes »Lebensadern« sind unsere Herzkranzgefäße, die das Herz ständig mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen.
1. Aortenbulbus
2. Hauptstamm der linken Herzkranzarterie
3. Ramus circumflexus (RCX)
4. Ramus interventricularis anterior (RIVA, auch: LAD)
5. Rechte Herzkranzarterie
Je näher man im Bereich der Herzkranzarterien in die Richtung ihrer Mündungsstelle an der Hauptschlagader, also quasi »nach vorne« rückt, desto größer wird natürlich auch der Bereich des von diesem Blutgefäß versorgten Teils des Herzens. Klingt für Sie jetzt vielleicht erst mal etwas langweilig, kann bei einem Herzinfarkt aber über Leben und Tod entscheiden. Denn: Tritt ein kompletter Verschluss der Herzkranzarterie »weit hinten« – wir Mediziner sagen auch »peripher« – im Verlauf der Herzkranzarterie auf, dann ist naturgemäß auch nur ein sehr viel kleinerer Anteil des Herzmuskels von der Blutversorgung abgeschnitten, als wenn es zu einem Verschluss nahe der Mündungsstelle der Arterie kommt. Der absolute Super-GAU ist demnach ein Verschluss im Bereich des Hauptstammes der linken Herzkranzarterie, da der davon abhängige Bereich des Herzens so groß ist, dass ein andauernder Verschluss hier meist nicht überlebt wird.
Aus diesem Grund wurden Engstellen, sogenannte Stenosen, im Bereich dieses Hauptstammes lange Zeit nur im Rahmen einer Bypass-Operation und nicht über Herzkathetertechnik versorgt. Denn eine Komplikation in diesem Bereich der Arterie, wie etwa ein durch die Manipulation mit dem Herzkatheter hervorgerufenes Aufreißen der Arterie oder ein plötzlicher Verschluss im Bereich des eingesetzten Stents, sind absolut lebensgefährlich.
Mittlerweile ist die Herzkathetertechnik immer weiter fortgeschritten, und die Kardiologen sind immer erfahrener im Umgang mit dieser Technik geworden. Deshalb können unter gewissen Umständen und nach genauem Abwägen von Vor- und Nachteilen auch »Hauptstammstenosen«, also Verengungen in diesem »delikaten« Bereich der linken Herzkranzarterie, in geeigneten Fällen von mutigen und erfahrenen Kardiologen mit einem Stent versorgt werden.
Problematisch wird es, wenn sich unsere Lebensadern, also unsere Herzkranzarterien, durch Gefäßverkalkung, die sogenannte Arteriosklerose, zunehmend entzünden, verengen und verhärten oder sogar komplett verschließen, ein Prozess, der als Koronare Herzkrankheit bezeichnet wird (und der wahrscheinlich der Grund ist, weshalb Sie nun dieses Buch in den Händen halten). Aber: Wir können diesen Prozess effektiv aufhalten. Wie? Lesen Sie weiter …
Weitere Informationen:
http://dr-heart.de/project/grundlagen/
Unser ständig arbeitendes Herz muss selbst auch mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Dies ist Aufgabe unserer Herzkranzarterien. Verengungen an diesen lebenswichtigen Blutgefäßen führen zur Koronaren Herzkrankheit.
Was haben Bill Clinton, David Letterman, Burt Reynolds, Zsa Zsa Gabor und David Bowie miteinander – und aller Wahrscheinlichkeit auch mit Ihnen – gemeinsam? Sie alle leiden oder litten an der häufigsten Herzerkrankung überhaupt, quasi dem Blockbuster unter den Herzerkrankungen, der Koronaren Herzkrankheit. Sie bezeichnet die zunehmende Entzündung, Verhärtung und Verkalkung der Herzkranzarterien mit nachfolgender gestörter Durchblutung unseres Herzens. Obwohl diese Erkrankung seit langer Zeit sämtliche Statistiken über Todesursachen anführt, wird ihre Bedeutung in unserer Bevölkerung immer noch deutlich unterschätzt, Krebserkrankungen werden weitaus mehr gefürchtet.
Wenn Sie nun also diese Zeilen lesen, weil Sie bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, eine Koronare Herzkrankheit bei Ihnen festgestellt wurde oder aber Ihre Ehefrau einfach nur besorgt ist, es könnte Sie vielleicht auch bald erwischen, dann kann ich Ihnen schon mal eines versichern: Sie sind absolut nicht allein, sondern Teil einer riesigen Gemeinschaft von Menschen!
Allein in Deutschland leiden laut Institut für Herzinfarktforschung sechs Millionen Menschen (2,5 Millionen Frauen und 3,5 Millionen Männer) an der Koronaren Herzkrankheit, jedes Jahr erleiden in Deutschland etwa 300 000 Menschen einen Herzinfarkt, und fast jeder Sechste überlebt diesen nicht (48 181 Menschen im Jahr 2015 laut Herzbericht). Über eine halbe Million Patienten werden jährlich aufgrund von Beschwerden, die durch die Koronare Herzkrankheit bedingt sind, stationär in ein Krankenhaus aufgenommen. Und jeder Fünfte von uns stirbt früher oder später an den Folgen dieser Erkrankung. Die hohe Dunkelziffer mit eingerechnet, entwickelt Schätzungen zufolge fast jeder zweite Mann im Laufe seines Lebens eine Koronare Herzkrankheit, für Frauen beträgt dieses Risiko fast ein Drittel.
Immerhin: Während vor vielen Jahren noch jeder zweite Patient an seinem ersten Herzinfarkt verstorben ist, überleben heute mehr als acht von zehn Patienten das erste Jahr nach ihrem Infarkt. Dies ist vor allem den massiven Fortschritten in der medizinischen Behandlung zu verdanken. Heute haben wir beispielsweise die Möglichkeit, eine verschlossene Herzkranzarterie mithilfe von kleinen Ballons und Gefäßstützen (Stents) rasch wieder zu eröffnen, bevor ein großer Teil des Herzmuskels unwiederbringlich abgestorben ist.
Entscheidend sind aber vor allem die Erkenntnisse über Ursachen, Entstehung und Verlauf dieser Erkrankung, sodass Sie heutzutage – ganz im Gegensatz zu vielen unserer Vorfahren, die diese Erkrankung mehr oder weniger schicksalhaft hinnehmen mussten – in der glücklichen Situation sind, durch eine kluge Umstellung Ihrer Lebensweise und, wenn vom Arzt empfohlen, die Einnahme einiger hochwirksamer Herzmedikamente das Fortschreiten Ihrer Erkrankung beziehungsweise die Entstehung einer Koronaren Herzkrankheit effektiv aufhalten oder sogar verhindern können.
Wie wir das ganz praktisch anstellen, besprechen wir ab > dieses Buches. Vorher möchte ich Ihnen aber noch ein bisschen mehr unverzichtbares Wissen mit auf den Weg geben.
Das »starke Geschlecht« (ja, damit meine ich uns Männer) ist frühzeitiger von einer Koronaren Herzkrankheit betroffen als das »schwache Geschlecht«. Durchschnittlich wird bei Männern die Diagnose einer Koronaren Herzkrankheit mit 62 Jahren gestellt, während Frauen aufgrund der Schutzwirkung ihrer weiblichen Geschlechtshormone im Durchschnitt zehn Jahre älter sind, wenn die Erkrankung erstmals bei ihnen nachgewiesen wird.
Menschen in Deutschland pro Jahr erleiden einen Herzinfarkt, jeder Sechste überlebt diesen nicht
Zahl der von der Koronaren Herzkrankheit (KHK) betroffenen Menschen in Deutschland
Mit ca. 20 Prozent ist die KHK die häufigste Todesursache in der westlichen Welt
Patienten werden jährlich mit KHK-bedingten Beschwerden stationär in ein Krankenhaus aufgenommen und betreut
könnten durch einen gesunden Lebensstil verhindert werden
starke Schmerzen, Druck- oder Engegefühl im Brustbereich
mit oder ohne Ausstrahlung in Arme, Hals, Kiefer oder Oberbauch
möglicherweise begleitet von Atemnot, Angst, kaltem Schweiß oder Brechreiz
Die Arteriosklerose, im Volksmund auch als Arterienverkalkung bekannt, bezeichnet die im Laufe unseres Lebens zunehmende Verhärtung, Verkalkung und Verengung unserer Arterien. Sie ist die Ursache der großen Volkskrankheiten wie Herzinfarkt, Herzschwäche, Schlaganfall, der Schaufensterkrankheit (Periphere arterielle Verschlusskrankheit), vieler Fälle von Impotenz, Nierenversagen und vielen weiteren mehr. Letztlich kann fast jedes Organ unseres Körpers durch eine infolge Arteriosklerose verminderte Durchblutung geschädigt werden. Damit stellt sie die in unseren Breiten mit Abstand häufigste Todesursache dar. Etwas überspitzt formuliert, könnte man auch sagen: Wenn wir nicht vorher vom Auto überfahren werden oder an Krebs sterben, dann versterben wir irgendwann an der Arteriosklerose und ihren Folgen. Aber: Die Geschwindigkeit, mit der die Arterienverkalkung voranschreitet, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch sehr stark.
Ich kann Ihnen aus meiner Erfahrung als Arzt sagen, dass ich bei vielen Herzkatheteruntersuchungen verblüfft feststellen konnte, dass so manche 80-jährige Dame, die ihr Leben lang gesund gelebt hat, noch wunderschöne glatte Herzkranzarterien hatte, während so mancher 45-jährige Kettenraucher bereits mit einem akuten Herzinfarkt eingeliefert wurde und die Herzkranzarterien dann oftmals eher wie eine zerklüftete Kraterlandschaft auf Fuerteventura aussahen. Die Geschwindigkeit, mit der unsere Blutgefäße »altern«, können wir also in ganz entscheidendem Ausmaß durch unseren Lebensstil selbst mitbestimmen. Bei den Inuit, zumindest bei denen, die ihren ursprünglichen Lebensstil beibehalten haben, sind Herzinfarkte überhaupt kein Thema und fast unbekannt. Daher lohnt es sich zu verstehen, was da eigentlich genau passiert in unseren Arterien auf dem langen Weg von den quasi jungfräulichen Blutgefäßen, mit denen wir geboren werden, bis zu dem Fall, dass etwa ein kompletter Verschluss einer Herzkranzarterie zu einem Herzinfarkt führt. Wenn wir das verstanden haben, fällt es uns auch leichter, diesen Prozess durch geeignete Gegenmaßnahmen aufzuhalten. Schauen wir uns das also mal etwas genauer an …
Die Arteriosklerose bezeichnet die zunehmende Verengung und Verkalkung unserer Arterien und ist die Ursache unserer großen Volkserkrankungen wie Herzinfarkt, der meisten Fälle von Herzschwäche, Schlaganfall und vielen, vielen mehr und somit die mit Abstand häufigste Todesursache. An unserem Herzen verursacht sie die Koronare Herzkrankheit.
Auslöser der Entwicklung einer Arterio-sklerose ist eine Verletzung der innersten, unsere Arterien von innen auskleidenden Zellschicht, einer Schutzschicht, die von uns Medizinern auch als »Endothel« bezeichnet wird (Bild 1). Dieses Endothel ist von he-rausragender Bedeutung, denn von seiner Schutzfunktion hängt es ab, ob sich schädliche Stoffe in der Arterienwand einlagern können. Zu einer Verletzung der Endothel-Zellschicht kann es durch verschiedenste Faktoren kommen, etwa durch Verwirbelungen der Blutströmung oder erhöhten Blutdruck, aber vor allem auch durch verschiedenste Giftstoffe, zum Beispiel aggressive Stoffe, sogenannte freie Radikale, aus dem Zigarettenrauch. Ist die Endothel-Schutzschicht erst einmal verletzt, können sich nun Blutfette, insbesondere das »böse« LDL-Cholesterin, in die Arterienwand einlagern, wo sie von Entzündungszellen »aufgefressen« (phagozytiert) werden.
