Der Fluss in mir - Anja Grosse Wortmann - E-Book

Der Fluss in mir E-Book

Anja Grosse Wortmann

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Beschreibung

Immer mehr Menschen sind durch die gesellschaftlichen Normen und Vorgaben abgeschnitten von sich selbst und dem allergrößten Wunder: ihrem eigenen Körper. Dieser wird in der Regel nur noch auf die Figur, also dessen Form reduziert. Dabei ist es doch so viel mehr, was Sie ausmacht! Dieses Buch bringt Sie wieder in einen wertschätzenden Kontakt mit sich und Ihren natürlichen Bedürfnissen wie Atmen, Schlafen, Entspannen sowie Essen und Trinken. Einfache Übungen zur Selbstwahrnehmung helfen Ihnen, das Bewusstsein für sich selbst zu schärfen. Sie sind eingeladen, eine spannende Reise zu beginnen. Eine Reise zu dem Fluss in Ihnen!

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Seitenzahl: 178

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Für meine Kinder, die mir gezeigt haben, worum es im Leben wirklich geht

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Einleitung

Kapitel I

Sie sind ein Wunder!

Unser persönlicher Atemrhythmus

Das Spiel von Anspannung und Entspannung

Lebensnotwendiges Schlafen und Aufwachen

Ernährung oder doch lieber Essen und Trinken?

Kapitel II

Die Kunst der Verdauung

Die Melodie des Stoffwechsel-Flusses

Lebensmittel sind die Mittel zum Leben

Immer etwas Besonderes: unsere Mahlzeiten

Der Weg durch unseren Körper

Kapitel III

Hunger und Sättigung

Ganzheitlicher Hunger

Ganzheitliche Sättigung

Die Macht der Gesellschaft

Magische Worte

Kapitel IV

Selbstbestimmtes Essen

Die Bedeutung von Diät

Wohlfühlfigur oder die eigene Balance

Unsere Lieblingsspeisen und ihre Wirkung

Die Kleidung der Achtsamen

Nachwort

Danke

Literaturverzeichnis

prolog

Ein leises Gurgeln da inmitten des dichten Grüns des Waldes und unter dem lauten Gezwitscher der Vögel kaum zu vernehmen. Und doch ist es da.

Ein vorsichtiges Herantasten ans Geplätscher auf weichem Grund. Und da: Das klare, kühle Nass sucht sich kraftvoll und unaufhaltsam einen Weg nach oben in die sichtbare Welt. Was für ein Ereignis, die Geburt eines Baches oder gar eines Flusses?

Langsam formt sich das Rinnsal seinen schmalen Weg, wird mit jedem Meter kräftiger in seinem Puls und umfließt das, was sich störend in seinen Weg stellt. Schließt es doch mit ein, nimmt es mit auf seinen Weg in die Ebene, in die Freiheit.

Das Tempo nimmt zu, je mehr Wasser fließt. Es hat es eilig an seinen Bestimmungsort zu kommen, wo auch immer das sein mag. Bedeutungslos, nur weiter mit Tempo.

Huch ... Was ist das? Ein Boden unter den Füssen verlieren, ein Sturz, ein kraftvolles Tosen, ein Auf-kommen. Yeah, was für ein Spaß! Einmal schütteln und weiter geht es zwischen den Steinen entlang, die auf eine ganz besondere Art das Tempo erhöhen und für Spaß sorgen.

Und jetzt wird es doch ruhiger, stetig und unaufhaltsam zieht der inzwischen breite Strom in seinem natürlichen Bett dahin, trägt Güter auf großen Frachtern, hat feiernde Zaungäste an seinem Ufer, bietet den Vögeln eine Nahrungsquelle und den Fischen und Pflanzen des Ufers ein Zuhause.

Einleitung

Lieber Leser, liebe Leserin,

von Herzen heiße ich Sie willkommen und möchte Sie auf eine kleine Reise zu einem großen Wunder einladen. Wie Sie noch feststellen werden, sind dieses große Wunder Sie selbst.

In unseren Zeiten verstehen wir unter Wunder oft etwas Unerreichbares und Großes, selten jedoch als so naheliegend. Genau darauf möchte ich jedoch meinen Blick mit Ihnen richten. Lassen Sie uns in eine Welt eintauchen, in der auch Sie selbst sich als Wunder erkennen und sehen. Eine Welt, so nah und doch so fern außerhalb unserer Gedanken und unserer bisherigen Erfahrungen. Eine Welt, die in uns liegt und der wir täglich begegnen.

Die äußere Welt stellt uns immer wieder vor Herausforderungen, denen wir mit großer Aufmerksamkeit folgen und die wir lösen möchten. Nicht selten werden diese zum Kampf auf allen Fronten, bei dem wir uns nur zu oft selbst aus den Augen verlieren. Dieses spiegelt sich in vielen Facetten unseres Lebens wider: In unserem Essen und Trinken, in unserer Figur, in unserem Schlaf, in unserem Auftreten, in unserem Wortschatz, ja, sogar in unserer Selbstwertschätzung.

Daher möchte ich mich mit Ihnen auf eine Reise zurück zu sich selbst begeben. Den Teil aus Kindertagen wiederentdecken, der das Leben von der schönen Seite betrachtet und auch genießen kann. Der den Herausforderungen nicht mit Ohnmacht, sondern mit der Kreativität des eigenen Wissens begegnet. Der uns durch das Bewusstmachen wieder handlungsfähig macht.

Dafür lade ich Sie immer wieder zum Innehalten ein, indem Ihre Gedanken und eigenen Muster Platz finden. So ist ein Überdenken erst möglich und neue Haltungen und Handlungsweisen können neu entdeckt werden. Sie kommen wieder in die Situation selbst zu entscheiden, was Ihnen gut tut und wenn Sie möchten, können Sie genau das dann in Ihrem Alltag langsam Schritt für Schritt umsetzen.

Ich lade Sie ein, zu Ihrer ureigenen Weisheit zurück zu finden und sie mit in Ihrem Leben zu berücksichtigen. Sich wieder mit Ihrer eigenen Quelle zu verbinden, um wieder in den Fluss zu kommen. Zurück in Ihr eigenes wahrhaftiges Flussbett, ohne dabei die Grenzen Ihrer Mitmenschen zu überschreiten.

Kapitel I

Sie sind ein Wunder!

100 000 000 000 000

Oder

100 Billionen.

Was für eine gigantische Zahl! Lassen wir sie uns einmal auf der Zunge zergehen. Einmal wenigstens kurz auf uns wirken. Warum diese Zahl so wichtig ist? Weil aus genau so vielen Zellen UNSER Körper besteht.

Das fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Vor allem, wenn wir uns dann noch dazu überlegen, dass es zwischen all den Zellen ein friedliches Miteinander und Fürsorge gibt. Dass dieses Zusammenspiel dafür sorgt, dass wir jeden Morgen wieder aufwachen dürfen, um Gestalter unseres Tages zu werden

Dass dem so ist, dafür sorgen nicht nur diese vielen Zellen, die sich alle tatsächlich aus einer einzigen Zelle entwickeln. Es spezialisieren sich daraus auch noch um die 200 unterschiedliche Untergruppen wie zum Beispiel Epithel-, Muskel- oder Nervenzellen. Sie alle haben ihre festen Aufgaben im Körper zu erfüllen, indem sie beispielsweise Organe im Körper bilden oder bestimmte Funktionen wie als Nervenfaser Impulse weiterzuleiten.

Was für ein Wunder!

Dabei können wir uns jede Zelle vorstellen wie eine Stadt. Nehmen wir einmal Hamburg, Frankfurt oder Gütersloh als Beispiel. In diesen Städten, so unterschiedlich sie auch sind, gibt es alles, was eine Stadt so braucht: Stadtverwaltung, Krankensystem, Polizei, Handel, Versorgungssystem mit Lebensmitteln, Frischwasser, Abwasser, Elektrizität usw. 100 Billionen Mal und alle sind im harmonischen Einklang miteinander.

Um diese fürsorgliche Leistung aufrechtzuerhalten, brauchen die Zellen Nahrung in Form von Sauerstoff über das Atmen und in Form von Essen und Trinken alle anderen Nährstoffe.

Damit die Zellen mit den vielen Nährstoffen arbeiten können, benötigen sie einen Körper, der genügend Entspannung im Laufe des Tages und Schlaf im Laufe der Nacht erhält.

Unser persönlicher Atemrhythmus

Jeder weiß, dass wir ohne frische Atemluft nach wenigen Minuten sterben würden. Die Lunge, die sich paarig flügelartig gut geschützt durch die Rippen und Zwerchfell im Brustkorb befindet hat, je nach Größe und Alter, ein Volumen von 2-5 Litern. So wird unsere Lunge täglich mit bis zu 15.000 Litern Luft durchströmt. Damit die Lunge sich mit jedem Atem-zug ausdehnen kann, ist sie von einer sehr dünnen Flüssigkeitsschicht umgeben. Mit jedem Einatmen dehnt sich nun der Brustkorb aus und das Zwerchfell schiebt sich nach unten. Es ist ein aktiver Prozess, bei dem sowohl die Brustkorbmuskulatur als auch der Zwerchfellmuskel eingesetzt wird. Beim Ausatmen erschlaffen diese Muskeln und wir atmen wieder automatisiert aus.

Mit jedem neuen Atemzug versorgen wir unseren Körper also mit frischer Atemluft und damit mit neuem Sauerstoff, den wir, genau wie ein Verbrennungsmotor, zur Verbrennung der aufgenommenen Energie durch Lebensmittel benötigen. Da die meisten Zellen nicht direkt neben der Lunge liegen, wird der Sauerstoff über die Lungenbläschen an die Blutbahn gegeben. Dafür hat sich unser Körper den wunderbaren Mechanismus des Transportes über das Hämoglobin als roten Blutfarbstoff und in den Blutkörperchen, den Erythrozyten, ausgedacht. Sie transportieren den Sauerstoff über die Blutbahn bis zur letzten Zelle, in der dann ein Stoffaustausch stattfindet. Der Sauerstoff wird an die Zelle abgegeben und das bei der Verbrennung entstandene Kohlendioxid wird praktischerweise zurück mit zur Lunge genommen, von wo er dann mit dem nächsten Ausatmen an die Außenluft abgegeben wird. Jeder von uns benötigt circa 300 ml Sauerstoff pro Minute, der von der unglaublichen Anzahl von circa fünf Millionen Erythrozyten transportiert wird.

Damit die Lunge nicht mit jedem Atemzug in sich zusammenfällt, verbleibt immer ein wenig Luft in den Lungenflügeln, mit der sich dann die Frischluft wiederum mischt. Unter normalen Umständen atmet ein Erwachsener so circa 14 x pro Minute ein und aus, was sich natürlich unter körperlicher Anstrengung wie beispielsweise Bewegung oder Sport erhöht. Das bedeutet, dass wir circa 7 Liter Luft pro Minute einatmen. Säuglinge und Kinder atmen wegen ihrer kleinen Lungen häufiger, das bedeutet, dass sie bis zu 40 x in der Minute atmen.

Nun kennt aber jeder auch die Situationen, in denen es uns den Atem raubt. In diesen Momenten verändert sich der Atemrhythmus und wir vergessen, Luft zu holen. Der Sauerstoffgehalt sinkt und der Kohlendioxidgehalt steigt. Andererseits gibt es aber auch die angespannten Situationen, in denen sich unsere Atemfrequenz erhöht und der Atem verflacht. Ein verflachter Atem belüftet unsere Lunge jedoch nur noch zu einem Drittel und kann das Gehirn und Herz als wichtigste Sauerstoffabnehmer nicht mehr ausreichend versorgen. Selbst wenn wir Sprechen oder Singen, Schlucken oder Husten oder auch bei körperlicher Anstrengung verändert sich unser Atemrhythmus. Um leistungsfähig zu bleiben, sollten wir in diesen Momenten tief atmen. Das Ausatmen sollte dabei 1,5 x so lange dauern wie das Einatmen.

Nehmen Sie sich doch in diesem Moment eine Minute Zeit, um einmal hinzuspüren. In welcher Atmung befinden Sie sich gerade? Bewegt sich Ihr Bauch beim Atmen? Prima, dann sind Sie in der Bauchatmung. Wenn nicht, probieren Sie doch einmal bis in den Bauch zu atmen, damit Sie genügend Sauerstoff pro Atemzug bekommen. Vielleicht klappt es ja sofort, ansonsten viel Spaß beim Üben, damit auch Sie wieder in die ursprüngliche Atmung kommen.

Das bedeutet, dass die Atmung keineswegs statisch ist, sondern vom Atemzentrum reguliert wird, welches im Hirnstamm, einem Teil des Gehirns liegt. Dazu kommt zusätzlich, dass wir auch auf bewusster Ebene unsere Atemfrequenz steuern können, wie es viele von uns als Vorbereitung auf das Tauchen im Schwimmunterricht kennengelernt haben. Wir sollten uns täglich die Zeit nehmen tief zu atmen, um die Stoffwechselprozesse in unserem Körper wieder ins Lot zu rücken. Ein ruhiger und tiefer Atem ist das Geheimnis für ein gesundes, entspanntes und langes Leben.

Das Spiel von Anspannung und Entspannung

Das Merkmal einer jeden Lebendigkeit ist der Wechsel zwischen Entspannung und Anspannung. Diese beiden gegensätzlichen Pole bilden wie bei einem Magneten eine Einheit. Dieses Prinzip können wir nicht nur bei der Atmung beobachten, sondern es gilt auch für den Herzschlag oder jede Form der Bewegung mit und durch unseren Körper. Bei der Entspannung wird Energie aufgenommen und bei der Anspannung wird diese verbraucht.

Aber was sind Entspannung und Anspannung bis hin zum Stress denn nun genau? Während wir bei Ersterem gedanklich loslassen dürfen von allem „muss" und „sollte", fordert die Anspannung uns dazu auf, uns zu erheben, um einem bestimmten Ziel zu folgen, uns also zu bewegen. Das eine Prinzip kommt ohne das Andere nicht aus. Beim Entspannen geht es um ein Ankommen ganz bei sich selbst und in seinem Körper. Ein Bewusstwerden aller Anspannung, die noch im Körper ist und diese wertfrei wahrzunehmen. Es ist nicht das Wegdriften und Besäuseln lassen von externen Medien damit gemeint, die heutzutage gerne genutzt werden. Entspannung hat auch nichts damit zu tun, dass wir nichts tun dürfen. Es ist das Ankommen in der Situation, wie bei jedem Hobby, bei jeder „Arbeit" wie beispielsweise dem Kochen, den Mahlzeiten in fröhlicher Runde, Beschäftigung mit den Kindern, Gartenarbeit, die Hunderunde, Ausflüge in die Umgebung, sportliche Aktivitäten oder sonstiger Tätigkeit geschehen kann. Wir sind eins mit uns und dem, womit wir uns gerade beschäftigen und lassen auch oft jedes Zeitgefühl hinter uns.

In vielen der angebotenen Programme wie Lach-Yoga, Progressiver Muskelentspannung, Chi Gong oder ähnlichen Kursen wird diese Entspannung, die nur noch so selten in unserem Alltag zu finden ist, durch Atemübungen eingeübt und eintrainiert. Nur zu oft passiert es allerdings, dass wir sie eben nicht mit in unseren Alltag nehmen. Dabei genießen wir diese Kurse als Oasen doch so sehr. Wir dürfen uns erlauben dieses wohlige Gefühl in unser Leben zu integrieren, denn damit können viele stressbedingte Beschwerden im Alltag gemildert werden. Die Anspannung bekommt einen ebenbürtigen Partner. Indem die Entspannung zu einer besseren Körperwahrnehmung führt, steigt zum Beispiel auch durch unsere Körperverbundenheit die bewusstere Selbstwahrnehmung und damit der Selbstwert, ebenso wie die geistige Leistungsfähigkeit. Es kommt zu mehr Ruhe und Gelassenheit im Leben und damit zu mehr Wohlbefinden und Lebensqualität.

Überlegen Sie bitte einmal, wann Sie das letzte Mal so richtig entspannt waren:

Bitte nutzen Sie zur Bearbeitung der Aufgabe ein extra Blatt Papier

War es als Sie mit ihren Freunden/Freundinnen bei einer Tasse Kakao oder einem Glas Wein herrlich gelacht haben? Oder bei einem Spaziergang am Meer oder in den Bergen? In der Badewanne oder unter der Dusche? Am offenen Fenster oder im Garten als Sie den Vögeln gelauscht haben? Als Sie Ihren Kindern eine Gute-Nacht-Geschichte vorlasen? Auf der letzten Fahrradtour mit anschließendem Picknick im Grünen? Beim Tanzen nach Ihrer Lieblingsmusik?

Entspannung bedeutet die Wahrnehmung nach innen zu richten, ohne Ablenkung von außen. Es bedeutet Sammlung und Zentrierung in sich selbst. Vielen Menschen fällt es nicht leicht, ihre wirklichen Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen und liebevoll mit sich selbst zu sein, weil eine innere Unruhe und kreisende Gedanken sie davon abhalten. Entspannung bedeutet Wahrnehmung ohne Anstrengung. Letztere wird einerseits vom Verstand gesteuert, wie beispielsweise bei der Suche nach Lösungen, oder bei der Herausforderung, etwas zu schaffen. Andererseits gibt es aber auch die passive und gedankenloslassende Aufmerksamkeit, sozusagen die Tagträumerei, die zu einer körperlichen Entspanntheit trotz geistiger Aktivität führt. Diese Form können wir auf alles, was wir gerne tun oder auch nicht, übertragen und wir werden uns nicht mehr so erschöpft fühlen, obwohl wir die gleiche Tätigkeit ausüben. In diesen Momenten der Entspanntheit regeneriert sich unser Körper, jede Zelle tankt neu auf, um für die nächste Anspannung bereit zu sein.

Die Anstrengung, sich endlich entspannen zu sollen oder auch Termindruck sind übrigens gute Mittel, um die Entspannung endgültig aus dem Berufs- oder Privatleben zu vertreiben. Die Atmung wird flacher und wir sind getrennt von unserem wirklichen Potenzial als Menschen. Warum das so ist, werden wir noch in einem späteren Kapitel sehen. Laden wir allerdings die Entspannung in unser Leben ein, atmen tiefer, indem wir das Leben wieder in seiner Vielfalt wahrnehmen, gehen wir dabei gleichzeitig fürsorglicher mit uns selbst sowie unseren 100 Billionen Körperzel-len um, die in jeder Sekunde dafür sorgen möchten, dass wir uns gut fühlen. Dass wir tun und lassen können, was wir wollen.

Die Entspannung, die allzu oft als wertlos angesehen wird, wird gerne unseren Alltag bereichern, wenn wir es zulassen. Das dauert manchmal seine Zeit, aber letztlich ist die Qualität echter Entspannung genauso trainierbar wie ein Muskel. Das werden Sie im Folgenden mehr und mehr an sich selbst bemerken.

Lebensnotwendiges Schlafen und Aufwachen

In der heutigen Zeit wird der Schlaf oft als zeitaufwändiger Zeiträuber angesehen. Warum dem nicht so ist, das möchte ich Ihnen an dieser Stelle aufzeigen. Aber vorweg: Ähnlich wie die Entspannung mag der Schlaf keinen Stress, er wird immer davor flüchten. Dagegen heißt eine entspannte Ich-Zeit ihn willkommen. Dies bedeutet so ganz in seinem eigenen und selbstbestimmten Rhythmus zu sein, sich mal ganz ohne Zeitgefühl treiben zu lassen und das am besten abends, bevor es in die wohlverdiente Nachtruhe geht.

Wann ist das bei Ihnen das letzte Mal vorgekommen?

Vielleicht beim abendlichen Vollbad, beim kleinen Verdauungsspaziergang in der stillen Natur, beim entspannten Plausch mit Freunden, beim geselligen Gesellschaftsspiel mit der Familie bei dem viel gelacht wurde oder einfach auf der Yogamatte oder in einer Meditation, bei der das Gedankenkreisen endete?

Beim Schlaf handelt es sich um einen aktiven Prozess, bei dem unser Gehirn auf Hochtouren läuft und für alle Regenerationsprozesse und Reparaturprogramme im Körper zuständig ist. Wer ausgeschlafen ist hat gute Laune, ist leistungsfähig, besitzt ein besseres Immunsystem und eine stärkere Wundheilung, entgiftet den Körper intensiver und sorgt für ausgeglichenere Bewegungsabläufe. All diese Prozesse laufen unbemerkt im Hintergrund ab. Im Allgemeinen wird daher eine Schlafdauer von 6-8 Stunden für Erwachsene von der Wissenschaft empfohlen. Kinder haben im ersten Lebensjahr sogar ein Schlafbedürfnis von 11-14 Stunden, um sich gut zu entwickeln. Frauen brauchen aufgrund verschiedenster Mechanismen mehr Schlaf als Männer. Dieser Bedarf kann auch durch noch so viel Training, also beispielsweise durch regelmäßigen Schlafentzug, nicht abtrainiert werden.

Der Schlaf-Wach-Rhythmus ist über die lange Evolutionsgeschichte tief in den Genen verankert. Wir Menschen müssen nachts schlafen. Dabei durchläuft jeder Schläfer hintereinander 5 Phasen, die sich jede Nacht 4-6 x wiederholen. Dies ist zum einen der Wachzustand, in dem unbewusst immer wieder kurz die Umgebung wahrgenommen wird, um sich zu vergewissern, dass keine Gefahr droht. Dann folgt ein Zustand zwischen Wachen und Schlafen, in dem wir langsam das Bewusstsein verlieren und unser Denken nicht mehr den logischen Regeln folgt. Nun gleiten wir in den tiefen Schlaf bis wir in die nächste Phase des Tiefschlafes fallen. Hier kommt uns das Bewusstsein komplett abhanden und die Arbeit des Gehirns mit den Aufräum- und Reparaturarbeiten beginnt. Darauf folgt die Traumphase, auch REM-Phase genannt. Auch wenn wir uns an die Träume, die jeglicher Logik entsagen, später nicht mehr erinnern können, sind sie in dieser Phase sehr lebhaft vorhanden. Die Erinnerung an die Träume kann übrigens genauso wie ein Muskel trainiert werden. Nach 4-6 Wiederholungen dieser Schlafphasen ist unser Akku wieder aufgeladen und wir fühlen uns frisch und ausgeschlafen.

Schlafen wir diese Rhythmen bedingt durch Schlafentzug nicht zu gegebener Zeit, meldet sich der Körper zunächst mit schlechter Laune und Gereiztheit, dann kommen Stimmungsschwankungen, eine veränderte Körperwahrnehmung, eine veränderte Reaktionszeit, verminderte Aufmerksamkeit und schlechte Merkfähigkeit, bis hin zu fehlendem Tastsinn, Koordinationsstörungen, nachlassender Muskelkraft, Wahrnehmungsstörungen und Halluzinationen hinzu.

Neben dem Bedürfnis erholsam zu schlafen, um ausgeschlafen zu sein, gibt es aber auch verschiedene Schlaftypen. Da ist zum Beispiel der Mensch, der morgens mit den Hühnern aufsteht, putzmunter unter der Dusche schon die ersten Liedchen trällert, dafür aber auch mit dem Dunkelwerden wieder in den Federn verschwindet. Dieser Typus wird auch Lerche genannt. Er macht lediglich einen kleinen Teil der Bevölkerung aus, doch bestimmt dieser Rhythmus in der Regel das gesellschaftliche Leben wie Arbeitsoder Schulbeginn.

Der überwiegende Teil der Bevölkerung setzt sich aus den sogenannten Eulen- und Mischtypen zusammen. Die Eulen liegen, wenn es nach ihnen geht, bis in die Puppen im Bett und kommen abends nicht wieder hinein. Eine ganz typische Bevölkerungsgruppe stellen da die Jugendlichen dar. Sie haben einen ganz anderen Wach-Schlaf-Rhythmus, der allerdings, man glaubt es kaum, nichts mit einem Lotterleben oder mit Willensschwäche zu tun hat, sondern als ureigener Rhythmus fest in den Genen verankert ist. Dazwischen gibt es aber auch noch den dritten Typus, der sich aus Lerche und Eule mischt und in der Regel zwischen den Zeiten wacht beziehungsweise schläft. Ihm fällt es nicht so schwer wie der Eule sich an den Lerchenrhythmus anzupassen.

Die Eule hingegen kann damit große Schwierigkeiten bekommen, was zu einem chronischen Schlafdefizit führen und damit zu den oben angesprochenen Folgen führen kann. Was das mit dem Thema Essen und Trinken zu tun hat, werden Sie zu einem späteren Zeitpunkt sehen. Sie können sich an dieser Stelle einmal überlegen, ob Sie eher als Frühaufsteher gerne schon morgens früh aus dem Bett springen und früh-stücken oder als Langschläfer lieber erst etwas später frühstücken und den ganzen Tag danach ausrichten.

Ich bin Typ:

Beziehungsweise, die noch viel wichtigere Frage:

Wann leben Sie überhaupt nach Ihrem eigenen Rhythmus?

Wenn jede Nacht etwas Schlaf fehlt, kann es zu einem chronischen Schlafdefizit kommen. Dies kann zu einer erhöhten Infektanfälligkeit führen, aber auch in eine depressive Verstimmung bis hin zur Depression und die Anfälligkeit für verschiedene schwerwiegende Erkrankungen wie beispielsweise Entzündungen im Körper oder Depressionen steigen lassen. Dabei kann gesagt werden, dass auch ein zu viel an Schlaf zu den gleichen Folgen führen kann wie ein zu wenig Schlaf. Die Wissenschaft kann inzwischen 50 verschiedene Schlafstörungen diagnostizieren, die bekanntesten sind sicherlich die Einschlaf- und Durchschlafstörungen, Alpträume oder das Schlafwandeln.

Woher weiß denn nun unser Körper, wann er wie-viel Schlaf braucht? Es befindet sich ein harmonisches Zusammenspiel einer Vielzahl von Botenstoffen, auch Hormone genannt, im Körper. Da uns einige dieser Botenstoffe noch weiter begleiten werden, möchte ich sie an dieser Stelle schon einmal vorstellen.

Der Schlafdruck, so nennt die Wissenschaft den Punkt, wenn wir einfach bloß noch ins Bett wollen, stellt sich mit der Zunahme von dem Schlafbotenstoff Melatonin ein, auch als Grübelhormon bekannt. Mit der zunehmenden Dunkelheit bekommt die Zirbeldrüse über den Sehnerv nicht mehr genügend Helligkeit und setzt so das Schlafbedürfnis in Gang. Die Melatoninproduktion steigt und die Blutgefäße unter der Haut weiten sich, so dass die Körperkerntemperatur ganz leicht fällt: Das Einschlafsignal ertönt. Melatonin fördert nun die Ausschüttung des Wachstumshormons, stärkt das Immunsystem und zellschädigende Sauerstoffradikale werden unschädlich gemacht. Gleichzeitig sorgt eine steigende Melatoninkonzentration dafür, dass die Botenstoffe Leptin und Somatrophin in großen Mengen ausgeschüttet werden.

Leptin wird im Magen hergestellt und sorgt insofern für einen angenehmen Schlafrhythmus, da er das Hungersignal zurückschraubt. Der Appetit vergeht uns zum Glück, sonst wäre spätestens nach 4-5 Stunden die Nacht zuende.

Somatrophin ist das Wachstumshormon, welches für Längen- und Organwachstum in Kindheit und Jugend, und Reparatur und Erneuerung aber auch Wundheilung der Zellen im ganzen Leben zuständig ist. Daher auch der Volksmund: „Schlaf dich gesund!" Kommt es dagegen aufgrund von zu wenig Schlaf zum Mangel dieses Hormons, wird der Muskelabbau und der Depotaufbau gefördert, der unsere Silhouette verändert.

Kündigt sich das Ende der Nacht durch vermehrte Helligkeit an, aktiviert unser Körper das Weckhormon Kortisol und das Melatonin verlässt nun fluchtartig das Geschehen. Das Kortisol, auch als Stresshormon bekannt, schiebt den Kreislauf an, die Muskeln werden wieder besser durchblutet, der Blutdruck steigt und aktiviert den Eiweiß- und Zuckerstoffwechsel. Neben der Hemmung des Wachstumshormons hemmt es auch das Immunsystem. Ist der gesamte Kortisolspiegel stressbedingt zu hoch, bleibt der Schlaf oberflächlich und ist kaum erholsam.