Der freie Wille war 'ne Scheißidee - Patrick Stark - E-Book

Der freie Wille war 'ne Scheißidee E-Book

Patrick Stark

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Beschreibung

Der freie Wille war ’ne Scheißidee Was passiert, wenn Gott mal wieder persönlich nach dem Rechten sehen will – und niemand ihn erkennt? Wenn Jesus lieber Wein trinkt als Wunder wirkt, Maria die Welt mit Tee und Augenrollen regiert, und Erzengel Gabriel neuerdings auf seine Work-Life-Balance achtet? Richtig. Es wird chaotisch. Gott hat den freien Willen einst für eine bahnbrechende Idee gehalten – inzwischen würde er ihn am liebsten zurückrufen. In einer Welt voller Influencer, Bürokratie, Pizza mit Schwein und Menschen, die mehr auf ihre Smartphones hören als auf den Allmächtigen selbst, stößt selbst ein Schöpfer an seine Grenzen. Diese göttlich-absurde Reise führt von Himmelsbürokratie über göttliche Therapiesitzungen bis zu einem ernsthaften Versuch, Imker zu werden. Und nein – das ist kein Gleichnis. Ein Roman für alle, die glauben, dass Religion auch mal Spaß machen darf. Oder für jene, die beim Gedanken an göttliche Erhabenheit gerne mit den Augen rollen. Lesen auf eigene Gefahr. Es könnte passieren, dass du lachst. Oder denkst. Oder beides. Triggerwarnung Oder: Warum Sie dieses Buch vielleicht besser nicht lesen sollten. Liebe Leserin, lieber Leser, liebe alle dazwischen und darüber hinaus, wenn Sie zu den Menschen gehören, die religiöse Themen ausschließlich in Andacht, Demut und Weihrauchnebel genießen wollen – legen Sie dieses Buch besser gleich wieder weg. Wirklich. Kein Witz. Denn was Sie hier erwartet, ist keine heilige Schrift, kein theologisches Fachwerk, keine spirituelle Erbauung. Es ist ein leicht chaotisches, manchmal schwarzhumoriges, oft respektloses, aber nie bösartiges Gedankenspiel: Was wäre, wenn Gott wirklich nochmal auf die Erde käme – und einfach so gar nicht mehr mitkäme? Dieses Buch enthält: Fluchende Gottheiten, die mit der Technik kämpfen (und verlieren). Himmlische Familienverhältnisse, wie sie auch aus einer Sitcom stammen könnten. Menschen, die Schwein auf Brot für eine göttliche Idee halten. Und ja – die eine oder andere Szene, bei der man nicht weiß, ob man lachen, weinen oder eine Beschwerde an den Vatikan schicken soll. Falls Sie also Humor haben – auch dann, wenn es ums große Ganze geht – sind Sie hier goldrichtig. Falls nicht: Vielleicht hat der Himmel ja gerade eine Wiederholung von Bares für Rares im Programm. In jedem Fall: Möge der Blitz Sie beim Lesen nicht treffen. (Es sei denn, er trifft die Pointe.) Amen und viel Spaß.

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Der freie Wille war ne Scheißidee

Hinweis zum Urheberrecht & Haftungsausschluss

Alle Rechte vorbehalten. Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Das Werk (einschließlich aller Texte, Dialoge, Ideen, Figuren und Konzepte) darf ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Autors weder ganz noch in Auszügen kopiert, vervielfältigt, verbreitet oder in irgendeiner Form weiterverwendet werden – auch nicht, wenn man behauptet, man sei „von ganz oben“ geschickt worden.

Ähnlichkeiten mit existierenden Religionen, Gottheiten oder realen Personen (tot, lebendig oder irgendwo dazwischen) sind rein zufällig. Oder vielleicht auch nicht. Wer weiß das schon? Jedenfalls war’s keine Absicht. Wahrscheinlich.

Haftungsausschluss: Dieses Buch ist satirisch gemeint. Wer darin eine theologische Anleitung oder gar eine göttliche Offenbarung sucht, sollte sich vielleicht mal kurz hinlegen. Oder einen Tee trinken. Oder beides.

Verantwortlich für sämtliche göttlichen Eskapaden: Der Autor. Und vielleicht ein bisschen der freie Wille. Dieser Bastard.

TriggerwarnungOder: Warum Sie dieses Buch vielleicht besser nicht lesen sollten.

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe alle dazwischen und darüber hinaus,

wenn Sie zu den Menschen gehören, die religiöse Themen ausschließlich in Andacht, Demut und Weihrauchnebel genießen wollen – legen Sie dieses Buch besser gleich wieder weg. Wirklich. Kein Witz.

Denn was Sie hier erwartet, ist keine heilige Schrift, kein theologisches Fachwerk, keine spirituelle Erbauung. Es ist ein leicht chaotisches, manchmal schwarzhumoriges, oft respektloses, aber nie bösartiges Schauspiel: Was wäre, wenn Gott wirklich nochmal auf die Erde käme – und einfach so gar nicht mehr mitkäme?

Dieses Buch enthält:

Fluchende Gottheiten, die mit der Technik kämpfen (und verlieren).

Himmlische Familienverhältnisse, wie sie auch aus einer Sitcom stammen könnten.

Menschen, die Fleisch aus Erbsen für eine göttliche Idee halten.

Und ja – die eine oder andere Szene, bei der man nicht weiß, ob man lachen, weinen oder eine Beschwerde an den Vatikan schicken soll.

Falls Sie also Humor haben – auch dann, wenn es ums große Ganze geht – sind Sie hier goldrichtig. Falls nicht: Vielleicht hat der Himmel ja gerade eine Wiederholung von Bares für Rares im Programm.

In jedem Fall: Möge der Blitz Sie beim Lesen nicht treffen. (Es sei denn, er trifft die Pointe.)

Amen und viel Spaß.

Für die Unwissenden

Kapitel 1 – Abendbrot im Himmel

Wenn man dreißig Leute fragt, wie es wohl im Himmel aussieht, bekommt man dreißig verschiedene Antworten. Von „Kein Plan“ über „Mit der Harfe auf Wolken tanzen“ bis hin zu einer grundsätzlichen Diskussion über das Leben, das Universum und den ganzen Rest, ist alles dabei. Aber in Wirklichkeit sieht es im Himmel ganz anders aus, als Sie, lieber Leser, es sich vorstellen. Gott lebt nämlich in einem ganz normalen Vorstadthäuschen. Ja, wirklich. Kein Palast aus Gold, keine fliegenden Tempel, keine majestätischen Wolkentürme. Stattdessen ein einstöckiges Haus mit weiß getünchten Wänden, blauen Fensterläden und einem kleinbürgerlichen Charme, der eher an eine biedere Reihenhaussiedlung erinnert als an den Sitz des allmächtigen Schöpfers. Warum das so ist? Na, weil Gott es eben so will. Er ist halt, wie soll man sagen, bodenständig geblieben, nicht abgehoben. Vor dem Haus erstreckt sich ein penibel gepflegter Garten. Die Hecken sind exakt gestutzt, die Blumenbeete in perfekter Symmetrie angelegt. In einer kleinen, akkurat gezogenen Reihe stehen Tomatenpflanzen, daneben duftet es nach frischem Basilikum und Rosmarin. Ein kleiner Zierbrunnen plätschert leise, und irgendwo zirpen Grillen – oder was auch immer das himmlische Äquivalent davon ist. Auf der Veranda hängt eine Schaukelbank, die sanft hin und her wiegt, als hätte der Wind gerade noch mit ihr gespielt. Das Innere des Hauses ist genau das, was man erwarten würde, wenn ein älterer Herr, der es gern gemütlich hat, sich eine Wohnung einrichtet. Holzmöbel, wohin das Auge blickt. Die Küche ist klein, aber ordentlich, mit einer altmodischen Anrichte aus dunklem Eichenholz, einer robusten Steinarbeitsplatte und einem massiven Esstisch, der so aussieht, als hätte er mindestens die letzten zweitausend Jahre überlebt. An den Wänden hängen altmodische Kuckucksuhren und Bilderrahmen mit uralten Gemälden von Landschaften, die es so vermutlich gar nicht mehr gibt. Ein Geschirrschrank aus Kirschholz beherbergt tadellos polierte Weingläser und Teller mit kunstvollen Mustern – viele davon handbemalt von Engelshand oder bekannten Künstlern die in den Himmel gekommen sind. Es riecht nach frisch gebackenem Brot, nach Olivenöl und ein wenig nach Weihrauch. Und genau an diesem Tisch saßen nun drei der bekanntesten Persönlichkeiten der westlichen Geschichte und aßen Abendbrot.

Gott saß am Kopfende des Tisches, ein etwas in die Jahre gekommener, leicht untersetzter Mann mit breiten Schultern, einem vollen, grauen Bart und wachen, tiefblauen Augen, die trotz ihres göttlichen Glanzes oft eher die Müdigkeit eines Vaters ausstrahlten, der zu viele Kinder hatte, die ständig Blödsinn anstellten. Im Laufe der Jahre hatte sich sein Haupthaar etwas zurückgezogen und eine Halbglatze freigelegt, die von seinen nun kurzen grauen Haaren eingerahmt wurde. Er trug eine einfache Leinenrobe, die leicht zerknittert war – was daran lag, dass er sich ums Bügeln einfach nicht kümmerte. Seine linke Hand ruhte auf dem Tisch, während er mit der Rechten den Weinkelch hob und nachdenklich schwenkte. Maria, eine Frau von ruhiger Eleganz, saß ihm gegenüber. Ihre dunklen Haare waren unter einem einfachen, hellblauen Kopftuch verborgen, und ihre braunen Augen musterten Jesus mit dieser unverwechselbaren Mischung aus Geduld und liebevoller Strenge, die nur eine Mutter haben konnte. Sie trug eine ebenso schlichte Robe, doch ihre Hände waren fleißig – sie tunkte Brot in Olivenöl, reichte Schüsseln weiter und hielt das Gespräch am Laufen. Und dann war da eben noch Jesus, der lässig am Tisch saß, barfuß, mit leicht zerzaustem Haar und einem breiten Grinsen, als hätte er gerade den besten Witz der Welt gehört. Er trug ein locker sitzendes, weißes Hemd, dessen Ärmel hochgekrempelt waren, und eine dunkle Stoffhose. Sein Weinkelch war nur noch halbvoll, und er kaute genüsslich auf einem Stück Brot herum, während er mit seinem typischen verschmitzten Lächeln seinen Vater beobachtete. Das Essen war einfach, aber köstlich – frisches Brot, gegrillter Fisch mit Rosmarin und Zitronenscheiben, dazu verschiedene kleine Schälchen mit Oliven, getrockneten Feigen und Schafskäse. Gott griff nach dem Salzstreuer und würzte mit großer Geste sein Essen. „Erzähl doch mal! Wie war das Bienenseminar?“, fragte Jesus mit vollem Mund. Gott lehnte sich zurück und nahm einen tiefen Schluck Wein. „Echt toll. Ich hab gelernt, dass Bienen die Welt zusammenhalten. Ohne sie wär alles am Arsch. Wegen dem Bestäuben, wisst ihr. Wenn die das nicht machen wächst keine Pflanze mehr. Vorbei mit Hopfen und Malz. Das hatte ich bei der Schöpfung gar nicht bedacht. Also hab ich mir überlegt, mir ein paar eigene Völker zuzulegen. Hier für den Garten. Imker sein, weißt du? Etwas Ruhiges.“ Jesus grinste. „Ruhig ist gut. Du bist ja sonst nicht gerade der Typ für Gelassenheit.“ „Was soll das heißen?“ Gott hob den strengen Blick. „Ich hab mich ja wohl in letzter Zeit bemüht!“ Maria lachte leise und tunkte ihr Brot in Olivenöl. „Ach bitte, wir erinnern uns doch alle an die Sache mit Sodom und Gomorra. Da hat einer schief geschaut, und zack – Schwefelregen. Ruhig ist da was anderes.“ Gott verdrehte die Augen. „Das war ein moralisches Statement.“ „Ein moralisches Statement mit Flammenwerfer“, sagte Jesus trocken. „Und du erinnerst dich an die Nummer mit der Arche? Du wolltest eigentlich nur den Zoo erweitern, und plötzlich stand alles unter Wasser.“ „Ja“, murmelte Maria, „und als das Baby in Ägypten mal wieder durchschlief, hast du gleich eine ganze Generation von Erstgeborenen ausradiert. Nur so zur Sicherheit.“ „Oh bitte!“ Gott hob abwehrend die Hände.„Hört auf euch über mich lustig zu machen. Das war eine Phase. Ich war jung, zornig, es war heiß, und dieser nervtötende Wüstensand immer und überall. Und außerdem hatte der Pharao es wirklich verdient!“ Jesus schob sich ein Stück Feta in den Mund. „Und was war mit dem Turmbau? Die meinten das nicht mal böse. Die wollten einfach mal was Großes schaffen. Und du? Sprachverwirrung deluxe.“ „Das war... künstlerische Intervention! Die hätten sonst nie die Vielfalt der Dialekte kennengelernt.“ Maria schmunzelte. „Du hast halt nie so ganz rausgehabt, wann sanftes Eingreifen reicht und wann du gleich die ganze Menschheit rücksetzen musst.“ „Jetzt fangt nicht schon wieder damit an!“ Gott fuchtelte mit der Gabel in der Luft, sein Blick halb empört, halb ertappt. Dann seufzte er und schob den Teller von sich. „Aber gut, ihr habt ja Recht. Ich will ja entspannter werden. Ich geh regelmäßig zu meiner Therapie. Und Honig will ich machen! Das Imkerseminar war da echt inspirierend. Ich glaube, das ist genau das Richtige für mich zum Ausspannen.“ Jesus lehnte sich zurück und streckte sich. „Was ist denn eigentlich mit der Erde? Alles in Ordnung da unten?“ Gott zuckte mit den Schultern. „Ach, wird schon laufen.“ Maria sah ihn skeptisch an. „Wann hast du denn das letzte Mal nachgeschaut?“ Gott runzelte die Stirn und dachte nach. „Hmm…kurz bevor ich zum Seminar bin.“ „Das ist eine Woche her.“ „Ja und? Eine Woche ist doch—“ Gott stockte. Jesus grinste noch breiter. „Das sind tausend Jahre auf der Erde, Paps.“ Gott hob die Hände in die Luft und rief: „HERRGOTT NOCHMAL! Wieso kannst du nicht mal nachsehen, wenn ich nicht da bin!?“ Er zeigte mit der Gabel auf seinen Sohn. „Halt mich da raus, lief beim letzten Mal ja auch nicht so gut wo ich unten war.“ Jesus hob abwehrend die Hände und formte mit den Fingern ein Kreuz.. Maria schüttelte den Kopf. „Du bist der Schöpfer und da muss man sich halt kümmern.“ sagte sie bestimmt und setzte ihren strengen Blick auf, den Gott so fürchtete. „Na toll, na schön, ICH SCHAU JA NACH!“ Gott fuchtelte mit den Armen. Er fluchte leise vor sich hin und schnippte mit den Fingern. Mit einem Plopp erschien auf dem Tisch ein gewaltiger Stapel Pergamente. Die Blätter waren so vergilbt und brüchig, dass bei jeder Berührung kleine Papierfetzen zu Boden rieselten. Eine Staubwolke stieg auf, ließ Jesus husten und Maria mit zusammengekniffenen Augen zur Seite rücken. Gott zog eine Augenbraue hoch. „Na wunderbar. Da haben wir doch einen kleinen Überblick über die letzten tausend Jahre.“ Er blätterte durch die zerfledderten Dokumente, wobei einige Seiten unter seinen Fingern zu Staub zerfielen. „Bericht über den Fortschritt der Menschheit, Jahr 327… Bericht über die Viehzuchtentwicklung, Jahr 802… Ah, hier: Stand der Moral – 1256! Perfekt, topaktuell.“ Jesus lehnte sich vor und versuchte, einen Blick auf die Texte zu werfen. „Äh, Paps, ich glaub, das ist schon ein bisschen veraltet. Alleine in den letzten 150 Jahren hat sich die Menschheit enorm weiterentwickelt. Technologische Fortschritte und gesellschaftliche Veränderungen. Da ist so viel passiert!“ Maria schüttelte den Kopf. „Hast du wirklich seit dem Mittelalter nicht mehr nachgesehen?“ Gott runzelte die Stirn. „Hör mal, ich hatte zu tun! Das Bienen-Seminar, dann meine therapeutischen Sitzungen… Und, du weißt doch, ich hab angefangen, Brot selbst zu backen! Da kann man nicht immer alles gleichzeitig machen.“ Maria seufzte und begann bereits, die Teller abzuräumen. „Ich weiß nicht, ob brotbacken Vorrang vor der Verwaltung der Schöpfung haben sollte, aber gut, ist ja deine Sache. Ich denke halt nur: wenn du dir eine Schöpfung zulegst, dann musst du dich auch kümmern und Verantwortung übernehmen. Das ist wie wenn du ein Haustier hast. Das musst du ja auch füttern und pflegen, mal den Dreck wegmachen oder mit kuscheln.“ Jesus versuchte, sein Grinsen zu unterdrücken. Die Schöpfung mit einem Kaninchen im Käfig zu vergleichen wäre ihm jetzt nicht in den Sinn gekommen, aber irgendwie fand er die Metapher belustigend. Gott ließ sich dadurch nicht beirren, er blätterte frustriert weiter: durchschnittliche Regenwurmlängen in subtropischen Lebensräumen und ihre Auswirkungen auf die Population von bodendeckenden Grünpflanzen? Wer hat denn solche bescheuerten Berichte verfasst? Er schlug mit der Faust auf den Tisch. „Ach, das ist doch völliger Mist! Gabriel! GABRIEL!!“ Ein lauter Plopp ertönte, und Erzengel Gabriel erschien neben dem Esstisch. Sein Gewand war zerknittert, und in der Hand hielt er eine dampfende Tasse mit der Aufschrift „Ich bin fast wie Jesus: Ich kann Wasser zu Kaffee machen.“ Seufzend nahm er einen tiefen Schluck. „Ja, Chef?“ fragte er dann mit müden Augen. Gott machte eine ausladende Geste mit den Händen. „Hast du die aktuellen Berichte über die Erde?“ Gabriel nahm einen bedächtigen Schluck aus seiner Tasse und überlegte. „Ähm… also… die Zahlen für dieses Quartal hab ich doch immer erst im nächsten Monat fertig.“ Gott schnaufte. „Wie ein Monat?! DAS SIND 4000 JAHRE DA UNTEN, GABRIEL! DIE ZEIT LÄUFT DOCH ANDERS HIER!“ Die donnernde Stimme Gottes hallte durch das Haus. Keiner der Anwesenden schien allerdings auch nur ein bisschen beeindruckt. Gabriel zuckte mit den Schultern. „Hm, ja, schon Boss, ich weiß, aber meine Work-Life-Balance… Ich mach doch jetzt nur noch halbtags, vier Tage Woche. Man muss ja auch mal abschalten. Dieser ganze Stress immer.“ er nahm einen weiteren Schluck aus seiner Tasse. Gott wurde rot im Gesicht. Er holte tief Luft, dann massierte er sich die Schläfen. Jesus biss sich auf die Lippe, um nicht laut loszulachen, konnte es aber nicht ganz unterdrücken. Maria warf ihm einen warnenden Blick zu. Gott sprach mit aufgesetzter Ruhe und betonnt langsam: „Vier-Tage-Woche? Work-Life-Balance? Hätte ich eine Vier-Tage-Woche während der Schöpfung gehabt, gäbe es nicht mal Tiere, geschweigeden Menschen. Wir haben hier einen Notfall! Es könnte da unten überall brennen! Die Menschen könnten in Chaos versinken! “ Gabriel nahm einen weiteren Schluck Kaffee und nickte verständnisvoll. „Jep, das tun sie auch so ziemlich. Hab gestern kurz reingeschaut. Ist echt übel, Boss. Die sind alle bekloppt geworden!“ Gott riss die Augen auf. „UND WARUM SAGST DU MIR DAS NICHT?!“ Gabriel zuckte erneut mit den Schultern. „Naja, ich dachte, du willst deine Ruhe. Ich wollte dich nicht bei deinem Bienchenkurs stören, und das Brot das du gebacken hattest war wirklich lecker. Ich dachte halt du konzentrierst dich jetzt eher aufs Hausmann sein.“ Gott rieb sich das Gesicht.

Kapitel 2 – Wolkenfernseher

„Oh, ihr macht mich fertig… Ich schau mir das selber mal an.“ Er schnippte mit den Fingern. Eine große Wolke erschien mitten über dem Esstisch, kräuselte sich für einen Moment und öffnete sich dann zu einem klaren Fenster mit direktem Blick auf die Erde. Alle beugten sich nach vorne und betrachteten das Spektakel. Gott betrachtete für genau fünf Sekunden die Szene. Dann legte er die Gabel langsam zur Seite, ohne seinen Blick von der Wolke zu nehmen. Seine Stirn zog sich in tiefe Falten, sein Blick wurde misstrauisch, dann verwirrt, dann… leicht verstört. „Was zur Hölle… ist DAS?“ Maria räumte weiter beiläufig den Tisch ab. Ihr Gesicht zeigte keinerlei Überraschung. „Ach, ich glaube, die Menschen haben sich halt weiterentwickelt.“ „WEITERENTWICKELT?!“ Gott sprang so abrupt auf, dass sein Stuhl laut über den Boden kratzte. Mit energischen Schritten umrundete er den Tisch und lehnte sich über die Wolke. Sein Blick wanderte hektisch hin und her, als könne er gar nicht fassen, was er da sah. „Die kloppen sich ja schlimmer als zu meinen besten Zeiten! Das da – ist das ein Krieg?!“ Jesus, der sich inzwischen auch über die Wolke gelehnt hatte, kaute noch auf einem Stück Brot herum und sprach mit vollem Mund. „Nee, das ist eine Fußball-WM.“ Gott runzelte die Stirn. „Fuß… Ball…?“ Jesus schluckte und nickte. „Zwei Mannschaften, ein Ball, zwei Tore. Wer die meisten Tore macht, gewinnt. Fußball. Ein ziemlich populärer Sport.“ Gott beugte sich noch weiter über die Wolke. Die winzigen Menschen in bunten Trikots rannten wie verrückt über ein grünes Feld mit weißen Strichen. Ein Mann sprintete mit dem Ball am Fuß auf das gegnerische Tor zu, während ein anderer mit einem waghalsigen Hechtsprung versuchte, ihn zu stoppen. Kaum hatten sie sich berührt, flog der erste plötzlich theatralisch durch die Luft, als hätte ihn ein göttlicher Blitz getroffen. Gott blinzelte. „Hat der sich gerade zum Sterben hingeworfen?“ Jesus nickte. „Jep. Das nennt sich Schwalbe.“ Gott sah ihn an, als hätte er sich verhört. „Schwalbe?“ „Ja, wenn ein Spieler so tut, als wäre er brutal gefoult worden, um einen Freistoß oder Elfmeter rauszuholen.“ Gott schüttelte fassungslos den Kopf. „Der tut nur so? Also… er lügt um sich einen Vorteil zu verschaffen?“ „So könnte man es nennen, mehr oder weniger. Da ist halt auch Schauspielerei mit drin.“ „Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen. Das achte Gebot! INTERESSIERT DAS DENN KEINEN MEHR?“ Gott zeigte wieder auf die Wolke. Der Schiedsrichter hatte gerade eine kleine Karte aus seiner Tasche gezogen und hielt sie dem vermeintlichen Übeltäter vor die Nase. Der Mann brüllte empört auf, fuchtelte wild in der Luft herum, als hätte man ihm sein Erstgeborenes genommen. Der andere Spieler, der sich eben noch vor Schmerzen gewunden hatte, stand plötzlich wieder, rieb sich das Knie und grinste siegesgewiss. Langsam, sehr langsam, wanderte Gottes Blick zu Jesus. „Was ist das für eine Scheiße? Das ist eine gottverdammte Farce!“ Jesus zuckte mit den Schultern. „Macht eigentlich wirklich Spaß zu gucken. Kann ganz spannend sein.“ Maria seufzte und stellte eine frisch gefüllte Weinkaraffe auf den Tisch. „Die Engel haben sich das auch mal angesehen und fanden es ganz unterhaltsam. Ein paar wollten vielleicht eine eigene Mannschaft gründen.“ Gott brummte genervt und richtete sich wieder auf. Sein Blick huschte weiter über die Wolke. „Und DAS?! Ist das ein Krieg?!“ Jesus folgte Gottes ausgestrecktem Finger und verzog das Gesicht. „Äh… nein. Das ist eine Reality-Show.“ Die Szene auf der Wolke zoomte näher heran. Nun war ein riesiges Haus zu sehen, vollgestopft mit jungen Menschen in übertrieben modischen Klamotten. Einer saß auf einer Couch und zupfte sich gedankenverloren die Augenbrauen. Zwei Frauen mit absurd langen Wimpern und knallbunten Kleidern standen in der Küche und unterhielten sich in schrillem Tonfall über etwas, das offenbar von existenzieller Bedeutung war. Plötzlich schnappte eine von Ihnen laut nach Luft, riss die Augen weit auf und rief: „Hast du mich gerade wirklich FALSCH genannt?!“ Der junge Mann mit den gezupften Augenbrauen ließ den Kamm sinken. Ein anderer, der sich gerade eine proteinreiche Mahlzeit in den Mund schob, hörte auf zu kauen. „Oh nein“, murmelte Jesus. „Jetzt geht’s los.“ Maria sah missbilligend auf die Wolke. „Das ist doch albern.“ Die Frau mit den langen Wimpern stemmte die Hände in die Hüften. „Ich habe dich nicht falsch genannt! Ich habe nur gesagt, dass du manchmal vielleicht so tust, als ob du nett wärst!“ „Ohhhh“, riefen mehrere Mitbewohner gleichzeitig. Gott runzelte die Stirn. „Was zum Teufel ist das für ein Schwachsinn?“ fragte er ohne den Blick abzuwenden. Gabriel, der bisher still geblieben war, räusperte sich. „Nun ja, Herr… das ist eine Sendung, in der Menschen in ein Haus gesperrt werden und dann dabei gefilmt werden, wie sie sich streiten.“ Gott starrte ihn an. „Und das findet jemand unterhaltsam?“ Gabriel zuckte mit den Schultern. „Offenbar.“ In der Show eskalierte die Situation weiter. Eine der Frauen hatte nun einen Drink genommen und schüttete ihn dramatisch dem jungen Mann mit den gezupften Augenbrauen ins Gesicht. Dieser sprang auf, warf sein Glas zu Boden und brüllte: „DU BIST SO FALSCH WIE DIE NÄGEL AN DEINEN FINGERN!“ Gott hatte mit offenem Mund die Szenerie verfolgt. „Das kann doch nicht ihr Ernst sein! Ich halte mich EINMAL aus der Weltgeschichte raus, und das ist, was sie mit ihrer Zeit anfangen?!“ Jesus grinste schief. „Joa. Aber es gibt auch ganz nette Shows.“ Maria schüttelte langsam den Kopf. „Ich verstehe wirklich nicht, warum sich jemand sowas freiwillig ansieht.“ Gabriel trat unsicher einen Schritt zur Seite. „Also… ich meine… man könnte sagen, das ist eine Art moderner Brot-und-Spiele-Ersatz. Die Leute lieben es, sich über andere Leute aufzuregen.“ Gott fuhr sich mit einer Hand durchs Gesicht. „Und das nennen sie Fortschritt?“ Er seufzte tief, nahm einen großen Schluck Wein und blickte wieder auf die Wolke. Zunächst schien es nur eine weitere Stadt zu sein – doch dann bemerkte Gott die Details. Ruinen. Gebäude, deren Fassaden von dunklem Rauch geschwärzt waren, manche nur noch ausgebrannte Skelette. Straßenzüge, die nicht mehr als solche zu erkennen waren, weil tiefe Krater den Asphalt aufgerissen hatten. Trümmerhaufen, unter denen sich ab und zu etwas regte – Menschen, die versuchten, sich daraus zu befreien. Überall lagen zerborstene Fensterscheiben, verkohlte Autowracks, umgestürzte Strommasten. Eine Statue, die einmal eine wichtige Persönlichkeit gewesen sein musste, lag kopfüber im Staub, ihr Kopf vom Rumpf getrennt. Zwischen all dem rannten Menschen umher. Dreckverschmiert, die Kleidung in Fetzen. Manche hielten weinende Kinder im Arm, andere schleppten Taschen voller Habseligkeiten mit sich, als könnten sie sich damit vor dem Unausweichlichen retten. Dann krachte es. Eine Explosion riss eine ganze Häuserzeile auseinander. Eine Druckwelle fegte durch die Straße, schleuderte Trümmer in die Luft, ließ Fenster in den wenigen verbliebenen Gebäuden bersten. Menschen schrien. Manche versuchten, sich flach auf den Boden zu werfen, andere rannten noch schneller, als sie es ohnehin schon taten. Hinter einem umgestürzten LKW verschanzt, lagen Männer in seltsamen Uniformen mit schweren Westen, die an ihrer Brust prangten. Sie hielten längliche Gegenstände in den Händen – Schusswaffen, wie Gott mit einem Stirnrunzeln erkannte. Ein weiterer Knall ertönte, diesmal heller, metallischer. Dann ein Aufschrei. Einer der Männer fiel nach hinten, ein dunkler Fleck breitete sich auf seiner Kleidung aus. Gott hob eine Augenbraue. „Und das?“ Er deutete auf die Szene. „Ist das auch wieder so eine absurde Show oder ein Spiel?“ Jesus betrachtete das Bild eine Weile, während Maria mit angespannter Miene weiter den Tisch abräumte. Dann zuckte er mit den Schultern und sagte ruhig: „Nee, das ist jetzt echt Krieg.“ Gott ließ den Blick über das Chaos schweifen, über die brennenden Gebäude, die verängstigten Menschen, die Explosionen am Horizont. Die Menschen hatten sich doch weiterentwickelt, oder nicht? Hatten sie nicht mittlerweile genug Wissen, um Kriege zu vermeiden? Gabriel blickte zu Boden und gab Gott mit leiser Stimme die aktuellen Zahlen durch: „Also, momentan haben wir vier große Kriege. Gleichzeitig. Und das sind nur die mit offizieller Presseerklärung. Es gibt noch über hundert kleinere Konflikte. Rebellengruppen, Grenzscharmützel, Milizen, Terrozellen...“ Gott hob die Hand. „Warum machen die das? Hat da Luzifer was mit zu tun?“ Er blickte die Anwesenden mit aufgerissenen Augen an. Jesus lehnte sich nachdenklich auf die Ellenbogen und betrachtete die Szene auf der Wolke. „Na ja“, begann er langsam, „es gibt verschiedene Gründe. Religion, Territorium, Macht, Geld, Ressourcen … manchmal wissen sie selbst nicht so genau, warum sie kämpfen. Aber Luzifer hat sich nicht eingemischt.“ Gott verzog das Gesicht. „Warte, Religion?“ Er zeigte mit dem Finger auf eine Gruppe von Männern, die inmitten der Trümmer standen. Einer hob die Hände gen Himmel, murmelte etwas und dann machten sich die anderen bereit, mit ihren Waffen in eine andere Richtung zu stürmen. „Gegen wen kämpfen die?“ Jesus folgte seinem Blick. „Gegen die da drüben.“ Gott drehte den Kopf. Ein paar Straßen weiter stand eine andere Gruppe, ebenfalls schwer bewaffnet. Auch hier hob jemand die Hände zum Himmel, sprach Worte, die Gott zwar nicht hören konnte, aber er kannte diese Gesten. Es war mit absoluter Sicherheit ein Gebet „Moment.“ Gott hob beide Hände. „Also beten die Einen zu mir, bevor sie versuchen die Anderen umzubringen?“ Jesus nickte. „Und die Anderen beten auch zu mir, bevor sie sich verteidigen und dann versuchen wiederrum auch die Anderen umzubringen?“ Maria legte gerade ein benutztes Messer in das Spülbecken und seufzte leise. „So ist es leider oft.“ Gott schüttelte den Kopf, als wäre das Ganze ein schlechter Scherz. „Sind die den vollkommen verblödet? Ich meine... also was erwarten die von mir? Dass ich entscheide, wer gewinnt? Dass ich mich auf eine Seite stelle? Ich bin doch nicht … nicht …äh...“ Jesus zuckte mit den Schultern. „Viele glauben, du wärst genau das. Einer, der Partei ergreift. Natürlich immer für die Seite auf der sie sind. Viele kämpfen in deinem Namen.“ Gott rieb sich die Schläfen. „Oh Herr lass Hirn regnen! Ich habe ihnen doch klare Regeln gegeben! ‘Du sollst nicht töten!’ Steht das nicht ziemlich weit oben auf der Liste?!“

---ENDE DER LESEPROBE---