Der Freiheit auf der Spur - Jo Moe - E-Book

Der Freiheit auf der Spur E-Book

Jo Moe

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Beschreibung

Zeitreisen und Einblicke in mein Leben aus dem Koffer Ich liebe Bewegung, im Inneren wie im Äußeren. In diesem Buch beschreibe ich, wie ich mich in meiner kostbaren Lebenszeit von wahrer Lebendigkeit mitreißen lasse. Ohne echtes, eigenes Dach über dem Kopf gelingt das noch auf ganz anderen Ebenen. Aber es geht nicht nur um mich und so nehme ich Euch mit auf unterschiedlichste Pfade zahlreicher unter den Teppich gekehrter, unbequemer Wahrheiten in die Welt da draußen. Wobei ich mir bei all meinem Dasein, stets und ständig, die für mich größte aller Fragen stelle: Was ist wirklich Freiheit? Seid dabei auf einer ereignisreichen, sehr lehrreichen Reise zur Zeit meines Buchschreibens selbst und taucht ein in viele der vergrabenen Blickwinkel-Schätze unserer Weltgeschichte.

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EPUB
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Seitenzahl: 628

Veröffentlichungsjahr: 2020

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„Glaube denen,die die Wahrheit suchen,und zweifle an denen,die sie gefunden haben.“

André Gide

Jo Moe

Der Freiheit auf der Spur

© 2020 Jo Moe1. Auflage

Herausgeber: Jo Moe

Autor: Jo Moe

Umschlaggestaltung und Satz: Josefine Söllner

Lektorat, Korrektorat: Anne Schönemann

Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN

 

978-3-347-21241-1

(Paperback)

978-3-347-21242-8

(Hardcover)

978-3-347-21243-5

(e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Teil I

Kapitel 1 Heißer Wein

Kapitel 2 Perspektivwechsel

Kapitel 3 In die Tiefe gehen

Kapitel 4 Letzte Heimatsprünge an Berliner Luft

Kapitel 5 Stichpunktzettel

Kapitel 6 Richtungswechsel — Freiheit?

Kapitel 7 Eine Geschichte Deutschlands

Kapitel 8 Adé Dresden

Kapitel 9 Ohne Schneckenhaus weiter in östliche Richtung

9.1 Maloche oder nicht?

9.2 Verschärfter Kontrast in der Visualität

Kapitel 10 Ein mulmiges Gefühl

Teil II

Kapitel 11 Neutralität bitte

Kapitel 12 Warum sind die Amerikaner so wie sie sind?

Kapitel 13 Aus der Geschichte lernen?

Kapitel 14 Weltmacht USA

Kapitel 15 Die schattigen Treppchen der Macht

15.1 Der Fall Mosadegh

15.2 Nine Eleven - Terroranschläge am 11.09.2001

Kapitel 16 Wahrheit vs. Klarheit

Kapitel 17 Lenker, Gelenkter oder Denker, Andersdenker

Kapitel 18 Eins plus eins ist gleich zwei

Kapitel 19 Ich musste etwas rechnen

Kapitel 20 Ein paar Zahlen

Kapitel 21 Wahrheit vs. Fakten

Kapitel 22 Globalisierung schon vor Jahrtausenden?

Kapitel 23 Und immer wieder die Gier nach der Macht

Kapitel 24 Puzzleteile

Kapitel 25 Die Welt als Karte

Kapitel 26 Unter der Oberfläche

Kapitel 27 Das Ende auf neutralem Boden

Kapitel 28 Auf die Insel, wo der höchste Berg Spaniens thront

Kapitel 29 Mensch plus Atmosphäre gleich Klima?

Kapitel 30 Deutschland und wieder zurück in die neue Heimat

Kapitel 31 Wirrwarr Europa

Kapitel 32 Freiheit — eine Voraussetzung für Demokratie

32.1 Informationsträger

32.2 Die Wurzeln der Demokratie

32.3 Fantasiegebilde

32.4 Energie

32.5 Modernes Sprachrohr

32.6 Fantastische Lösungsansätze

32.7 Denkpause — weißen Tee trinken

32.8 Wir-wollen-jeden-alles-recht-machen-Rolle

32.9 Leise rieselt der Schnee

Teil III

Kapitel 33 Eine E-Mail von Sherab

Kapitel 34 Aus- und Einblicke in die Zukunft

Kapitel 35 Abschluss

Extra PS Teil

Danksagung

Anhang Quellenverweise

  Weiterführende Literatur

  Weiterführende Links

  Weiterführende Videos

Vorwort

Eigentlich wollte ich nur schreiben und den zweiten Teil meines Buches so gestalten, dass ich den Leser auf meinem Weg mit dem Kugelschreiber in der Hand einfach mitnehme auf meine Reise des Schreibens sozusagen – meines gegenwärtigen Lebens, meiner Vorstellung von Freiheit und vielerlei Geschichten, die mich beschäftigen und die allesamt etwas zum Thema Freiheit beitragen. Und so entfaltete sich der Inhalt, wurde von Zeit zu Zeit immer gewaltiger und schien mir sogar beinah über meinen Kopf zu wachsen. Natürlich lag das auch daran, weil ich den Versuch ins Leben rief, zwischen meiner eigenen Geschichte die große, abenteuerliche Weltgeschichte zu „verbasteln“. Ja und durch all jene Verschachtelungen sowie mit der Intention, zwischen diesem Gefüge einen Zusammenhang herzustellen, gelangte ich kurz vor dem Ende meines Gesamtwerkes verstärkt zu der Überzeugung, dass ich aus dem zweiten Teil doch auch ein eigenes Buch formen könnte, was abermals dazu beitrug einiges durcheinander zu fegen.

Doch wie war es dazu gekommen? Zunächst bestand mein unvollendetes Werk noch aus vielen, vielen ungeordneten Gedanken und Ideen, die ich am liebsten an irgendeinem gemütlichen Plätzchen am Meer sitzend ordnen wollte. Doch durch eine Notlandung auf dem Weg zum ersehnten Zielort sollte dann alles ganz anders kommen. Und so hockte ich nicht etwa am Strand, sondern in einem anderen, fernen Land täglich brav auf einer Holzbank in einer Gesamtschule. Schnell war ich fasziniert von all dem Wissen, das mir vermittelt wurde, was ja bei weitem interessanteres Know-how war, als das, welches mir jemals zuvor zugetragen worden war. Deshalb wollte ich von dort auch eigentlich gar nicht so schnell wieder weg und zudem war ich äußerst überrascht, wie immens der Schulbesuch meinen Horizont erweiterte und welch neue Perspektiven er mir eröffnete für mein Buch, aber noch vielmehr für mich selbst. Jaund so geschah es, dass ich bei der darauffolgenden Rückkehr ins Heimatland glaubte, mich nach dem freiwilligem Schulbankgehocke nun der Sesshaftigkeit durch den Zusammenzug mit meiner Freundin hingeben zu müssen. Müssen und Glauben, ja irgendwie passte da etwas doch nicht recht zusammen und so sollte dann alles ganz anders kommen. Das anschließende Sinnen nach aufblühender Freiheit trieb mich schließlich dazu, einen Haken an ein Heim zu machen. In der Folge fragte ich mich: „Ist mein bisher gegangener Weg etwa genauso vorherbestimmt, dass ich letzten Endes in der Wohnungslosigkeit mein echtes Zuhause finden sollte? Bin ich erst jetzt wirklich frei?“

Neben diesen und ähnlichen Fragen, die mich immer mehr beschäftigten, bin ich in meinem Werk natürlich in erster Linie auf der Suche nach meinem ganz persönlichen unabhängigen Weg, wobei mich dabei gleichwohl das Verlangen überkam, mich nicht mehr nur mit meiner eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Also machte ich mich in die Spur nach neuen, noch offeneren Blickpunkten und versuchte, hierbei auch hinter die manipulierenden Kulissen unserer Welt zu schauen, wenngleich ich einige unter den Teppich gekehrte Geschichten wieder an die Oberfläche schaufelte und nach der Entdeckung jener verborgenen Schätze unsere wahrscheinlich wirklichen Pfade der Menschheitsgeschichte zu erkennen glaubte.

Mein Buch wuchs und wuchs … Es wuchs über sich hinaus und ich entdeckte, dass jener schmale Wahrheitspfad zwischen meine Zeilen eingebunden werden muss. Es ging einfach nicht mehr anders. Neben all dem Wortbasteleien versuchte ich meine abenteuerliche Zeitreise des Buchschreibens selber miteinzubauen und erkannte nach einigen holprigen Erkundungen vergangener wie aktueller Geschichten, die ich außerdem zwischen meine eigens erlebten Zeilen einordnete, auch immer wieder tiefgreifendere Beziehungen untereinander.

Bei meiner eigenen Geschichte aber offenbare ich die Einzigartigkeit all der Zufälle, die aus einem Leben ohne Heim entstehen können. Bis ich eines Tages eine sehr brisante E-Mail, die ich von einem Schüler aus meinem Lieblingsland erhalten hatte, mich wieder mal komplett ins Wanken brachte, woraufhin ich begann noch intensiver zu grübeln: „Wo und was ist eigentlich meine Heimat?“ Ja, diese E-Mail war ein Auslöser für eine erneut ausgedehnte Spurensuche nach heimatlichen Puzzleteilen – nach Wahrheit und Wirklichkeit.

„In Freiheit in Kaponga“, meinem ersten Buch, berichte ich, wie aus einem Indianerfan ein Weltenbummler wurde, dass ich schon seit vielen Jahren ein Suchender nach Momenten und keiner jener Superreisender bin – also keiner, der durch die Südsee geschwommen ist oder einen der vierzehn Achttausender bestiegen hat. In jenem Buch beschreibe ich viele dieser Augenblicke, die eben entstehen, wenn man sich fallen lässt – kleine Momente, die Großes in mir ausgelöst und mir enthüllend erzählt haben, dass ich einen anderen Weg zu gehen habe als jener, der mir in der Heimat förmlich aufs Butterbrot geschmiert wurde. Ich erzähle davon, dass ich in keiner Weise diesen „Höher, Schneller, Weiter“-Gedanken verfolge und mich auch nicht mit jeder berühmten Sehenswürdigkeit ablichten muss, um diese dann à la Selfie-Kultur prahlsüchtig allen anderen Zuhausegebliebenen durch die scheinheilige virtuelle Welt zu jagen. Neben all jenen Reisegeschichten, verrate ich auch zahlreiche Geschehnisse des Heimkehrens, welch abenteuerliche Reise es ist, wenn ich mich durch meine Heimat bewege, dass ich, – wenn ich zurück in Deutschland bin – immer wieder in einen Zwiespalt zwischen Fernweh und der Suche nach meinem Heimatgefühl schlittere und zeige, wie ich mir bei jeder Heimkehr auch immer mehr die Frage stelle, ob es vielleicht doch besser wäre, endlich sesshaft zu werden. All meine Texte setzen sich aus diversen kleinen Anekdoten meines Lebens auf Reisen und in der Heimat zusammen. Ich zeige, wie mein Blick gerade beim „auf Achse sein“ für mehr Offenheit, Verständnis, Toleranz für fremde Kulturen, Meinungen und Glaubensrichtungen, aber auch im Hinblick auf mich selbst, geschult wird. Beide Bücher dieser Reihe kann man aber auch unabhängig voneinander lesen. Man muss nicht zwangsläufig „Freiheit in Kaponga“ zuerst gelesen haben, um das Buch „Der Freiheit auf der Spur“ zu verstehen. Beide Bücher sind genau das Richtige, wenn man ein Geschichts- und Geschichtenliebhaber, sowie Freund von Tiefgründigem ist und es liebt, sich auf innere und äußere Reisen zu begeben.

Teil I

Kapitel 1

Heißer Wein

Viel Zeit zum Nachdenken und zum Grübeln darüber, wie es weitergehen sollte mit meinem vom Zwang befreiten Leben blieb mir in jenen Tagen nach der Landung von meiner Mongolei-China-Indien-Reise am 18.11.14 allerdings keine. Zudem brauchte ich mir nach jener Heimkehr auch ausnahmsweise mal keine Sorgen zu machen, auf welche Weise ich das Loch in meinem leeren Geldbeutel erneut stopfen würde. In ein paar Tagen bin ich schon wieder in dieser vollkommen anderen Welt.

Schuld an dieser bequemen Gefühlsmatratze – also an meiner schwerelosen Unbekümmertheit – war der Gedanke an den kommenden Weihnachtsmarkt. Nur vier Tage später war es dann schließlich so weit und ich durfte mal wieder eintauchen in ein Deutschland, das sich wohl zu einem der ansehnlichsten Industriestaaten der Welt entwickelt hat. Derart empfand ich diese Situation in meinen ersten Rückkehrmomenten natürlich nicht nur wegen all dem Glitzer, den bunt blinkenden Lämpchen und manchmal übertrieben künstlich beschmückten Weihnachtsbäumen in den deutschen Städten. Nein, generell und überhaupt kam ich mir vor, als wäre ich raus aus dem Chaos und plötzlich mitten drin in dieser weichgebügelten Puppenstubenwelt. Dort, wo alles in geregelten, ordentlichen Bahnen abläuft sowie abzulaufen hat und doch eigentlich niemand auf der Straße verhungern muss. Ja, das wurde mir erstmal so richtig wahrhaftig vor meine Augen geführt, da ich durch die zugemüllten, verarmten Chaoten-Straßen von Mumbai oder Neu-Delhi gelaufen bin. Und ich bekam diese Tatsache dann so richtig bewusst ins Hirn getrichtert, als ich wieder zurück in meinem Heimatland war und durch dessen Wohlstandsgassen schlendern durfte. Ein Land also, in welchem die materiellen Bedürfnisse doch eigentlich gedeckt sein dürften. Und aus jener kühlen Betrachtung heraus behaupten sehr gerne einige Wissenschaftler, dass andere Werte wie die Selbstverwirklichung, die Rücksichtnahme in Bezug auf die Umwelt und demokratische Rechte verbunden mit mehr Meinungsfreiheit immer mehr in den Fokus rücken würden. Das Thema der Rücksichtnahme auf unsere Umwelt dürfte größtenteils in manch Bereichen wohl so stimmen, denn den gegenteiligen Grund für diese Annahme hatte ich ja erst leibhaftig bei meiner gesamten Reise durch Indien erlebt und kann nun auch nach einigen anderen Ausflügen durch ähnliche weniger gut betuchte Länder genau diesen Punkt nochmal komplett unterstreichen.

Dass nämlich dann, wenn noch viele andere Probleme – wie jene der gerechten Verteilung des Geldes – zudem noch ungerechter verteilt sind als in den fortschrittlicheren Industrienationen, sodass dadurch in erster Linie die Mutter Natur die Leidtragende ist. Die Menschen machen sich alsbald dort über ihre Umwelt weniger Gedanken, weil sie eben von anderen Sorgen und Nöten verfolgt werden und werfen deshalb achtlos ihren Müll überall hin, wo sie nur können. Ein Übel, das außerdem parallel zu den Schandtaten der reichen Länder, die ihren Müll auch noch in den ärmeren abladen, passiert.

Welch ein Kontrast das dann also wieder war, als ich plötzlich im Wintermantel eben jene andere reichere Welt betrat, die für mich zwischen dem „Goldenen Reiter“ und dem Albertplatz in der schönen Stadt Dresden auf dem Weihnachtsmarkt lag. Ja, ich war sehr dankbar dafür, dass ich mal wieder den Wohlstandsmenschen heißen Wein einschenken durfte sowie dabei hin und wieder einigen nörgelnden „Durstigen“ nahelegen konnte, wie glücklich sie sich doch schätzen können. Doch auch gerade in diesen Momenten überschütteten sie mich mit den uterschiedlichsten Themen zu unserem Land. Darunter wurden mir zahlreiche aktuelle Geschehnisse an den Kopf geknallt, von denen ich in der anderen Welt überhaupt nichts mitbekommen hatte. Dies waren unter anderem Gespräche über eine Versammlung, die seit wenigen Wochen immer wieder montags im Herzen Dresdens ihr Unwesen treiben sollte. Der Name jener neuen Bewegung sei Pegida, berichtete mir ein (wissens) durstiger Kunde, lehnte sich in diesen Augenblicken seiner Erzählungen über den Tresen, bestellte sich zunächst einen Brennnesseltee und berichtete: „Das ist eine Organisation, die mancherlei Menschen anzuziehen vermag, welche ihre Ängste gegenüber der gegenwärtigen Einwanderungs- und Asylpolitik Deutschlands lautstark kundtun müssen. Ich kenne auch ein paar Menschen, die dort hinströmen und sie erzählen mir, dass ihre Beweggründe die Angst vor äußeren Einflüssen jeglicher Art wären sowie die Sorge, dass ihr geliebtes Land daran zu Grunde gehen könnte. Durch die großspurige Öffnung aller Grenzen würden ihre ohnehin schon geringen Lebensgrundlagen noch mehr gefährdet werden, behaupten sie. Ich finde, dass es eine Schande für Dresden ist, dass diese Menschen auch noch vor den Toren der Semperoper ihren Groll verbreiten dürfen. Einfach unmöglich. In meinen Augen bringen diese Menschen doch bloß ihre persönliche Unzufriedenheit zum Ausdruck.“

Und noch bevor der entrüstete Schlipsträger den letzten Schluck aus seiner Tasse genippt hatte und sich womöglich anschließend wieder von dannen schleichen würde, versuchte ich meine seltene Neugierde um eine oberflächliche Frage zu stillen, indem ich den Verständnislosen fragte, welchen Beruf er doch ausüben würde. „Das kann ich Ihnen verraten, junger Mann. Ich arbeite hier gleich um die Ecke beim Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr und muss jetzt auch wieder los. Termine. Na dann. Schönen Tag.“ Anschließend zappelte er äußerst ruckartig mit seinem Ellenbogen über dem Tresen, schnappte sich seinen silbernen Aktenkoffer und schenkte dem letzten Tropfen Brennnesseltee, der noch in der Tasse schlummerte, keinerlei Beachtung. Zu diesem Zeitpunkt war der Staatsmann mal wieder einer von den Leuten, welcher sich schnell als ein Widersacher der Demonstrierenden zu erkennen gab. Dennoch hielt sich bis zu diesem Gespräch der Balken noch relativ in der Waage, was die Gegner sowie die Befürworter von Pegida anbelangte – zumindest bei uns am Tresen. Denn dort versammelten sich beide Parteien, tranken auch hin und wieder gemeinsam ihren Wein und diskutierten lautstark zu „Oh Tannebaum“ sowie „Leise rieselt der Schnee“.

Somit war für mich schon zu Beginn der vorweihnachtlichen Zeit klar, dass dies garantiert das Thema Nummer 1 für die kommenden besinnlichen Tage sein würde. Zweifelsohne eine Thematik, welche die Menschen noch mehr bewegen sollte, als es manch einer der Gäste durch einen belustigenden Tanz mit vier Gläsern Glühwein intus vor meinen Augen zu veranstalten wusste. Dabei sahen wir Verkäufer uns nicht selten gleich einer Garnison aus Schieds- und Friedensrichtern. Ganz besonders betroffen fühlte ich mich in der Rolle eines Streitschlichters an einem Montagnachmittag. Es war etwa gegen sechzehn Uhr und vor unserem Stand hatten sich nur wenige Gäste verirrt. Aber somit war viel Raum für eine etwas ausführliche Gesprächsrunde geschaffen. An dem dann folgend im Quartett geführten Dialog war ich allerdings selbst schuld. Da ich es mal wieder nicht sein lassen konnte und an jenem Tag der Demo, die in diesem Moment drei einzigen Gäste nach einigen Minuten des Vorstellens und Herantastens schließlich befragte, ob sie denn zu Pegida pilgern würden. Und kaum hatte ich jene prägnante Frage von mir gelassen, flogen mir auch schon reichlich harte Fakten um meine roten Ohren. Die dafür verantwortlichen Akteure waren ein Mathelehrer aus Dresden, der mit Pegida zwar sympathisiert, sich aber klar distanziert vom „Rechten Flügel“, ein Maler aus Meißen, der jener Bewegung gar nichts Positives abgewinnen konnte und ein Versicherungsvertreter aus Essen, der vor zwei Jahren nach Dresden umgezogen war und großer Befürworter der neuen Proteste ist.

Somit war also für reichlich Zündstoff gesorgt. Ich als Schlichter begann nach den kurzzeitig auf mich einprasselnden zusammenhanglosen Sätzen mit ein paar Ausführungen, die ich mir aus einigen Gesprächen verschiedener Menschenkinder der vergangenen Tage in meinem Köpfchen gesichert hatte. Natürlich wollte ich nicht ganz blauäugig vor den dreien dastehen und schon gar nicht wie bedröppelt von meiner Kanzel – der Höhenabstand vom Käuferauge zum Verkäuferkinn beträgt mindestens einen Meter – herunterschauen. „Ich kann euch sagen, dass ich in den letzten Tagen schon die verschiedensten Meinungen zu Pegida gehört habe und natürlich interessieren mich ganz besonders jene Silben der Menschen, welche zu den Demos strömen. Dabei hörte ich schon folgendes zu Hauf. Dass eine ganz besonders große Angst vor einer Islamisierung unseres noch friedlichen Landes besteht. In diesem Zusammenhang fallen dann auch des Öfteren einige Argumente zu bestimmten Vorschlägen von manch entrücktem Politiker, wie die, dass von denen tatsächlich darüber nachgedacht wird, den Weihnachtsmarkt in Wintermarkt umzutaufen.“

Daraufhin unterbrach mich ganz aufgeregt der zugezogene Essener und sprach: „Ich habe schon davon gehört, dass darüber diskutiert wird, ob es extra Öffnungszeiten für Muslime in einigen Schwimmbädern geben sollte. Und zu diesen Zeiten werden wir dann wohl ganz einfach ausgegrenzt und müssen zuschauen, wie sie mit ihren Schleiern in die Becken hüpfen. Das ist doch völlig geschmacklos, oder?“

„Naja, wer weiß denn, ob es so kommen wird und ob diese Info, die du da – wer weiß von wem – zugeflüstert bekommen hast, überhaupt der Wahrheit entspricht“, sagte der Meißner müde. Und in der darauffolgenden kurzen Trinkpause ergriff ich wieder das Wort: „Die Wahrheit, wer kennt die denn schon? Klar ist für mich aber, dass das Bild von Dresden in der Öffentlichkeit durch die Medienwelt in nahender Zukunft wieder grau eingefärbt werden wird.“

Der Lehrer: „Ganz genau. Dazu werde ich gleich noch was sagen. Vorher möchte ich aber noch loswerden, dass ich tagtäglich aus den besorgten Mündern meiner Schüler zu hören bekomme, dass nicht nur sie, sondern hauptsächlich ihre Eltern sowie ihre Großeltern Angst vor dem Fremden haben, gepaart mit allgemeinen Existenzängsten und Ängsten um die nationale Sicherheit. Und wegen dem eben zuletzt genannten Grund finde ich es nicht verkehrt, dass man in Frankreich bereits den ersten Schritt in die richtige Richtung gegangen ist, indem man dort den Muslimas das Verbot aussprach, sich im öffentlichen Raum unter ihren NiqabsA zu verstecken. Eben gerade wegen der berechtigten Bedenken um die Sicherheit.

Der Essener: „Ich kann absolut die Ängste der Menschen verstehen. Natürlich gehen sie in erster Linie auf die Straße, da sie sich von den Politik machenden Marionetten im Stich gelassen fühlen, sich von den Medien nicht neutral behandelt sehen oder aber immer deutlicher erkennen, wie die Verbreitung von Unwahrheiten an der Tagesordnung ist. Ganz besonders kann ich auch die Reaktionen der Leute hier im Osten nachvollziehen. Wie schon gesagt, habe ich viele Jahre im Ruhrpott gelebt, die letzten Jahre davon in Essen und ich kann euch sagen, dass man dort teilweise schreckliche Zustände vorfindet. Es wird von Jahr zu Jahr immer schlimmer. In einigen Winkeln fühle ich mich bei Weitem nicht mehr so, als sei ich auf deutschem Boden. Die Wahrheit ist, dass ich mich fremd im eigenen Land fühle. Dass in einigen Ecken die Kriminalität so hoch ist, dass die Polizei schon Angst hat, dort für Recht und Ordnung zu sorgen. Ich habe einen Kumpel, den ich zu meinem engeren Freundeskreis dazu zählen darf, der mittlerweile nicht mehr aktiv bei der Kriminalpolizei ist und was ich von ihm für Geschichten zu Ohren bekommen habe, ist echt der Wahnsinn. Er sagt zum Beispiel, dass es weder Zeit noch Mittel in Deutschland gäbe, um alle Kriminalitätsfelder sowie deren täglich anfallende Fälle nachzugehen und zu bekämpfen. Und er behauptet, dass die Versäumnisse ganz eindeutig den treibenden Kräften in der Staatschefetage zuzuschreiben sind. Das heißt, dass dort ein gewisses Budget für verschiedene Abteilungen jeweils einmal im Jahr festgelegt wird und somit sehr limitiert ist. Und was passiert, wenn das Budget aufgebraucht ist? Klar, dann werden die Verfahren eingestellt. Und das passiert meistens mit den Fällen, bei denen man hohe Summen benötigt, um dem Übel auf den Grund zu gehen. Darunter fallen nicht nur die Mächtigsten der kriminellen Verbrecher, sondern auch hochkarätige Fälle in der Wirtschaftskriminalität.1 Er erzählte mir, dass es in Deutschland arabische Großclans in einigen Städten wie Berlin, Duisburg oder auch gerade in Bremen gäbe, die ganze Stadtteile quasi autonom für sich verwalten, wo niemand von der Staatsgewalt gehindert wird. Das muss man sich mal vorstellen und das alles passiert hierin unserem Land – unserem nach außen propagiert sicherem Land. Es gibt quasi Parallelgesellschaften in unserer Bevölkerung, die mehr oder weniger vom Staat geduldet werden. Davon hat doch die breite Masse der Öffentlichkeit überhaupt keine Ahnung. Und mit diesem Wissen aus erster Hand, dass die Strafverfolgung in Deutschland in vielen Fällen einfach keinen Sinn macht, ja, das macht mir natürlich große Angst, in einer solchen Region meine Kinder großzuziehen. Was sollen das bloß noch für Verhältnisse in Zukunft werden? Auf der anderen Seite wird es selbstverständlich auch so sein, dass der Staat große Fehler zum Thema Integration vollbracht hat. Trotzdem denke ich, dass eben die Menschen im Osten unseres Landes solche inzwischen mafiotisch autonomen Ghettozustände à la ‚Wilder Westen‘ nicht möchten. Zum Glück gibt es diese hier auch noch nicht und deshalb bin ich mit meiner Familie nach Dresden gezogen. Der nächste Punkt, warum ich auf die Straße gehe, ist der Fakt, dass ich der Zukunft – vor allem jener, wo es um unsere eigene Rente geht – mit großer Besorgnis entgegensehe. Seit Jahren versprechen uns die Politiker ‚die Rente ist sicher‘, aber schon heute wissen wir, dass das die größte Lüge überhaupt war. Denn sie ist alles andere als das, bei dem stattfindendem demografischem Wandel. Und wird garantiert auch nicht besser bezahlt werden, wenn der Staat noch mehr Geld für Neuankömmlinge ausgeben wird, die allesamt nichts einzahlen.“

„Ihre Rechnung stimmt definitiv“, sagte der Mathelehrer und fuhr fort: „Deshalb ist es wirklich wichtig, genau jetzt ein Zeichen zu setzen. Friedlich miteinander zu demonstrieren und das ohne den rechten Mob. Aber wird das funktionieren? Natürlich werden sich auch immer ein paar Rechte unter das Volk mischen und somit leider das gesamte Bild der Bürgerbewegung zerstören. Vielleicht aber sind diese Leute auch allesamt V-Männer des Verfassungsschutzes, welche die dadurch größer werdenden Menschenansammlungen verhindern sollen. Klar ist doch, dass die Regierung Angst davor hat, wenn noch mehr aufgebrachte Bürger auf die Straßen gehen und ihren Unmut über das bestehende System äußern. Doch noch bevor es zu mehr Massenaufläufen kommen wird, werden schnell von den falschen Leuten ein paar obszöne ausländerfeindliche Plakate in den Himmel gehoben und alle Pegida-Anhänger bekommen dadurch den rechten Stempel auf die Stirn gedrückt. Und was passiert dann? Schlagartig werden die Medien für das übrige Leid sorgen und die meisten Menschen werden dann dieser legitimen Bürgerbewegung wieder den Rücken zukehren. Dafür werden sie es sich lieber wieder zu Hause auf ihren bequemen Sofas gemütlich machen und die falschen Nachrichten schauen. Somit wird jene Art der freien Meinungsäußerung im Sumpf stecken bleiben und das deutsche Volk wird weiterhin bei falscher ‚Laune‘ gehalten. Eine echte Opposition wird es daher nicht geben. Sie kann sich auch erst gar nicht entfalten, denn sie wird durch unsere undemokratische Regierung im Keim erstickt werden. Und dann ist das Ziel erreicht und mal wieder der Masterplan des Staates aufgegangen. Dennoch werde ich weiterhin auf die Straße gehen, um ein Zeichen zu setzen. ‚Viva la Revolución‘!“

Der Essener: „Wie war das doch gleich bei den Demos von 1989?“

Der Meißner: „Naja, das kann man doch gar nicht miteinander vergleichen. Bei diesen Montagsdemos ging es vorrangig um das Ende der SED-Herrschaft.“

Der Lehrer: „Nicht nur. Es ging hauptsächlich um die gesamten asozialen politischen Verhältnisse, um Reisefreiheit sowie die Abschaffung der Stasi. Also schon im Grunde darum, der Politik zu zeigen, dass der eigentliche Hammer im Volk hängt und nicht, wie in der ehemaligen Flagge dieses roten Kommunistenlandes, noch etwas weiter östlich. Die Menschen wollten eine Neuordnung herbeirufen, sich nicht mehr alles gefallen lassen. Also gab es schon in etwa ähnliche Hilferufe wie heutzutage.“

Der Meißner: „Aber ist schon echt erstaunlich. Wie gut es den Menschen heutzutage im Vergleich zu früher geht. Die Grenzen sind nun offen, so wie sich dass die meisten Menschen erhofften und trotzdem schmeckt ihnen gerade dieser Zustand wohl heute nicht mehr.“

Und wieder entstand eine knappe Trinkpause, in welcher ich mal wieder das Wort ergreifen konnte. „Ich finde es auch überhaupt nicht verkehrt, wenn Leute auf die Straße gehen. Friedlich. Denn demonstrieren gehen zu dürfen, ist doch ein großes Wohl unserer Demokratie.“

Der Essener: „Demokratie! Das ich nicht lache. Eine Bewegung wie Pegida wäre doch wahrscheinlich nie entstanden, wenn der Staat einer volksnahen Politik nachgegangen wäre. Einer, die im Einklang mit dem wirklichen Wählerwillen steht. Uns ist doch mittlerweile allen bekannt, dass direkt vor den Neuwahlen seit Jahrzehnten riesige Versprechungen gepredigt werden, welche, die bislang von keiner der in der Vergangenheit regierenden Regierung eingehalten worden ist. So werden aller Wahrscheinlichkeit nach auch jene Probleme dieser neuen Kundgebungen von unseren Politikern ignoriert werden. Ich würde das gerne mit einer scheinbar leichten Erkrankung vergleichen, welche man gern unterschätzt, die aber eine von den Krankheiten ist, die sich bei zu später Behandlung als sehr böse zu erkennen geben wird. Aber dann werden die Zeiger nicht bloß bei fünf vor zwölf stehen geblieben sein. Nämlich dann wird das tiefer liegende Übel, das sich wohl entwickeln konnte, da man nur die oberflächlichen Symptome bekämpft hat, ans Tageslicht treten … Ob das aber reichen wird, um eine neue Revolution auszulösen? Ich weiß es nicht, viel eher denke ich, dass uns ein größerer Zusammenbruch heimsuchen wird. Es ist doch klar, dass anhand solch eben beschriebener hausärztlicher Symptombekämpfungsstrategien ein Staat niemals gesunden kann, was meiner Meinung nach von Nöten ist und einen tiefen Schnitt bedeutet. Zu diesem ist erstens kein Hausarzt befähigt, geschweige denn, dazu in der Lage. Doch ist es überhaupt das Ziel des deutschen Staates, einer wirklichen Heilung nachzugehen und sich in die Hände mehrerer ‚Chirurgen‘ zu begeben? Und irgendwann, da bin ich sicher, wird es zumindest zu einem ähnlichen Knall kommen wie jenen, der die DDR zum Stürzen gebracht hatte. Die Politiker hätten sich vor einigen Jahren schon um die Ursachen von Flucht und Vertreibung ärmerer Menschen auf der Welt kümmern müssen. Man hätte dazu einen Dialog mit den Bürgern suchen müssen, wie man mit diesen und anderen Problemen umgehen könnte, ohne dabei die eigenen Bürger zu vernachlässigen. Das ist doch klar, dass nun großer Unmut entsteht, da dem eben nicht so war. Und wozu kommt es zudem immer wieder? Doch leider wohl eher dazu, dass die Menschen bloß mit Lügen gefüttert werden, anstatt sie ehrlich aufzuklären und mit ihnen zusammen nach Lösungen zu suchen. Aber ob das in einem Staat mit falschen Demokratiegedanken funktionieren kann, wird sogar der größte Narr bezweifeln dürfen. Nur so viel sei dazu noch gesagt: Mein Bruder ist Journalist bei einem bekanntem Blatt und was der mir verraten hat, ist unglaublich. Denn in seinem Arbeitsvertrag musste er eine Passage unterschreiben, worin ihm maßgeblich verboten wird, sich zu einigen Themen äußern zu dürfen. Ist das nicht der blanke Wahnsinn und was hat das bitteschön mit Pressefreiheit zu tun?“

Und plötzlich ergriff der bis dahin wortkarge, stille Beobachter aus Meißen das Wort und sagte: „Ja, das stimmt und nicht nur das. Zudem dürfen wir auch nicht all die uns gläsern machenden Ausspionierpraktiken vergessen, die im Prinzip noch um Längen hinterhältiger sind wie jene in der DDR. Aber zurück zum Thema: Also ich würde gerne mal wissen, wozu es überhaupt eine UNO gibt.

Sollte es nicht deren Aufgabe sein, sich um solche Belange zu kümmern? Um die Einhaltung des Völkerrechts und vor allem sollten die sich doch um den Schutz der Menschenrechte kümmern. Was machen die denn jetzt im aktuellen Fall mit der Ukraine? Nichts. Ich kann euch auch das Warum verraten: Ganz einfach, weil die G20, die Weltbank und der Internationale Währungsfonds das Kommando übernommen haben. In diesem Fall sind für mich auch nicht, wie überall in den Medien dargestellt wird, die Russen die Sündenböcke, sondern in erster Linie die Amerikaner die Basis-Verursacher. Die stecken doch überall ihre blassen Nasen hinein, wo sie nur können. Meine Meinung ist, dass die Amerikaner auch dafür verantwortlich gemacht werden müssten, was in Syrien zum Beispiel los ist. Ich bin davon überzeugt, dass aus diesem Land noch viel mehr Flüchtlinge nach Europa strömen werden. Flüchtlinge, denen wir Deutsche Obdach gewähren sollten, denn auch wir sind Schuld an dem Übel. Nämlich ganz einfach deshalb, da wir Deutschen es sind, die die Kriegstüchtigen mit Waffen ausstatten. Ich habe einen Freund, der bei einer gewissenlosen Behörde beschäftigt ist und von dem weiß ich, dass der deutsche Staat mit Summen um 2 Milliarden Euro an Steuergeldern in Rüstungsgeschäften mit Israel verwickelt ist. Das muss man sich mal vorstellen: Wir finanzieren den Krieg im Gazastreifen mit. Was hat das mit Demokratie zu tun, dass diese Politikidioten darüber bestimmen, was mit unseren Geldern gemacht wird. Ich denke, dass all diese Flut, die da aus dem Osten nach Europa strömen wird, von den Amerikanern beabsichtigt ist, damit dadurch Europa geschwächt wird. Dies geschehe allein aus der Angst heraus, dass Europa zu mächtig werden könnte und es damit nicht mehr in der Rolle als Weltmacht Numero Uno dastehen würde.“

Um nicht völlig vom Thema abzukommen, ergriff ich nach einer weiteren Trinkpause noch einmal das Wort: „Seit ein paar Tagen bin ich von einer Reise aus Indien zurück und wirklich sehr froh, wieder hier sein zu dürfen. Ja, uns geht’s wirklich gut. Das ist mir in den vergangenen Tagen wieder so richtig bewusst geworden. Während ich euch so zugehört habe, hüpfte mir ständig die Frage durch meinen Kopf, ob es auch in Indien solch eine Bewegung wie Pegida geben könnte? Wahrscheinlich in nächster Zukunft wohl eher nicht, aber vielleicht irgendwann mal, nämlich dann, wenn auch dort der materielle Durst gestillt sein könnte. Was man aber jetzt schon weiß, ist der Punkt, dass es in Indien nicht nur eine starke Religion gibt. Dort leben viele Muslime – sehr viele – inzwischen um die 170 Millionen. Aber klar, die Geschichte Indiens ist eben auch eine völlig andere und nicht mit unserer eigenen zu vergleichen. Geschichte kann man lesen, selbst miterleben, sie vielleicht mitgestalten, aber sie vergleichen? Dafür sollte man sie auf jeden Fall verstehen. Doch ob das wirklich jeder kann, bloß weil er sich belesen hat? Und wenn er nicht mal dazu imstande ist? Was dann?“

Der Maler: „Is doch ganz klar. Dann ist er nur ein Mitläufer. So wie die meisten bei Pegida.“

Der Mathelehrer: „Erzähl mal jetzt keinen Quatsch, ja.“

Und dann meldete ich mich schnell wieder zu Wort, bevor es noch zu sinnlosen Streitereien vor dem Tresen kommen würde: „Stoppt mal Männers, ich war noch nicht ganz fertig. Also was ich sagen will, ist, dass der Mensch es sich doch gern allzu einfach macht, mit erhobenen Zeigefinger von sich zeigt und dabei völlig simpel handelt.“

Erneut ergriff der Mathelehrer das Wort: „Ganz genau. Alle Menschen handeln nämlich nach bestimmten Algorithmen.“

Ich: „Er handelt, weil er erlebt hat. Auch wenn er eine Geschichte in einem Buch liest, erlebt er auf gewisse Art und Weise. Und so wird er dann auch all die Sätze, die er mit dem Zeigefinger gelesen hat, verstehen. Aber auch dies Tun wird ihn wahrscheinlich wenig beeinflussen, denn meistens hat er sich schon vor dem Text seine kleine Welt zurechtgelegt. Meiner Meinung nach hilft als erstes gegen solche Automatismen, sich zunächst selbst zu kennen. Am besten geschieht dies beim Reisen. Jedenfalls habe ich diese Erfahrung gemacht. Denn dann verändert sich der Blickwinkel und natürlich wird auch der Horizont ganz anders beleuchtet. Es werden fest verankerte Denkweisen verändert und ohne dass man es selbst bemerkt hat, hat man an seinem Selbst gefeilt. Das ist doch großartig, oder?“

Doch keiner von den dreien wollte dazu etwas sagen und so knüpfte ich mir wieder meine eigenen Gedanken vor: „Vielleicht werden sogar beim Reisen mehrere Synapsen, die vorher in keinem Verhältnis miteinander standen, in eine neue Verbindung gebracht? Mit Sicherheit wird man aber ganz anders mit Geschichten umgehen. Ob man sie dabei selbst erlebt hat, von einem Erzähler zu Ohren bekommen hat oder aber ob man diese gelesen hat. Ja, ich denke, dass man dann auf jeden Fall querlesen wird und sich nicht einfach mit dem im Augenblick bestehendem Zustand, der in der Vergangenheit in irgendeiner Form irgendwo hineingemeißelt wurde, zufrieden geben wird. In meinen Augen schadet eine gesunde Skepsis keinem. Nicht nur gegenüber der eigenen Geschichte, sondern auch gerade der durch die Schulbücher verbreiteten. Ich handhabe es zum Beispiel so, dass ich, wenn ich erstmals ein Land betrete, erst vor Ort, nachdem ich ein paar eigene Eindrücke gesammelt habe und wirklich erst dann, etwas über das Land lese.“

Der Versicherungsvertreter: „Warum?“

Ich: „Ja, weil ich am liebsten unvoreingenommen einkehren will. Deshalb meide ich auch, dass sich vor dem Antritt einer Reise irgendwelche Bilder hinter meine Linse einbrennen können. Seit den Einblicken in meine wenig besuchten Länder dieser Welt, ja seither interessiere ich mich noch viel stärker für Geschichte. Ich lese quer und verstehe es irgendwann etwas besser, warum das Heute eben das Heute ist. Und weil ich mich natürlich auch ein bisschen mit der Geschichte Indiens auseinandergesetzt habe, weiß ich, dass der Islam unter anderem viel zum kulturellen sowie sozialen Leben in Indien beigetragen hat. Vielleicht könnte das ja auch auf eine ähnliche Art und Weise in Deutschland geschehen? Ein anderer Fakt, der mir beim Lesen unter die Lupe kam und welchen man auch nicht außer Acht lassen darf, ist jener, dass in der Vergangenheit zahlreiche Konflikte die Hindus und Muslime beherrschten. Bis es schließlich zur Teilung kam. Denn wegen dieser Auseinandersetzungen wurde das muslimische Gebiet im Norden zum souveränen Staat Pakistan erklärt. Und vielleicht haben ja die Menschen hier in unserem Lande ganz einfach Angst vor einer erneuten Spaltung der Nation, wohlwissend, dass das nicht heute oder morgen geschehen wird, aber ihnen reicht vielleicht auch schon allein die Vorstellung davon. Weiß jemand von euch, wie groß eigentlich der Anteil der Muslime in unserer Bevölkerung ist?“

Der Maler: „Es sollen wohl gerade einmal um die 4 Millionen Menschen sein, also gerade mal um die 5 % der Gesamtbevölkerung. Also keine Panik Leute.“

Der Mathelehrer: „Wer da wie und was gerechnet hat, das weiß doch keiner so recht. Ganz ehrlich, für mich sind die Zahlen völlig unreal und wartet nur mal noch ein paar Jahre ab, wie dann die Gleichung aussehen wird.“

Bis zum letzten Verkaufstag, der einen Tag vor dem Heiligen Abend lag, wurde mir unentwegt die Thematik um Pegida herum vor meine inzwischen sehr schläfrigen Löffel geschmissen und so war ich heilfroh, als ich dann am 24. Dezember bei meinen Eltern in Erfurt unter dem Weihnachtsbaum im Schneidersitz hocken durfte. In den darauffolgenden Tagen genoss ich die dortige Stille und träumte mich in vielen der wortkargen Minuten auf dem Sofa in die Fremde. Doch auch so verging die Zeit wieder viel zu beschwingt und deshalb war es kein Wunder, als die Jahreswende schon bald wieder eine knappe Woche in der Vergangenheit lag, ich erneut zurück in Berlin war und meine Verreisewünsche immer mehr Gestalt annehmen sollten. Dabei schwebte ein Land durch meinen Geist, das mir Deissy – meine ehemalige Deutschschülerin, die im Behördendeutschland nicht willkommen war – vor einiger Zeit wärmstens empfohlen hatte. „Guck du dir doch mal Kolumbien an, du wirst es lieben.“ Ja, diese Worte bimmelten in diesen Tagen öfters in meinem inneren Gehör umher. Doch nur nach Kolumbien?

Und während ich noch darüber grübelte, in welches Land ich neben Kolumbien meine Füße noch setzen könnte, geschah an einem dieser Tage, am 07.01.15, ein dreckiger Angriff auf die Freiheit und riss mich vorerst aus meinen bewegenden Träumen. Mit diesem von islamistischen Terroristen organisiertem Terroranschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris wuchs auch in mir eine größer werdende Sorge um meine geliebte Freiheit. Zudem ließen mich die Stimmen aus Radio und Co. aufhorchen, als es um neue Ideen zur allgemeinen Sicherheit ging. Jener Terrorakt war nicht nur in den öffentlichen Augen ein Anschlag auf die Rede- sowie Pressefreiheit, sondern ganz besonders auch ein Feldzug gegen unsere im Westen gelebte Demokratie. Solch ein kaltblütiger Überfall und das ausgerechnet in dem Land, in dem die Demokratie durch die Französische Revolution im Jahre 1789 unter dem Motto „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ einst ins Leben gerufen wurde; dort, wo man den gleichen Wert eines jeden einzelnen Menschen und die Menschenrechte in den Vordergrund gestellt hatte. Ja, genau diese antimonarchischen Gedanken sorgten nicht nur in Frankreich, sondern auch in all seinen Nachbarländern zu einem wichtigen Umbruch in der Gesellschaft. Mit dieser Revolution griff erstmals das Volk nach der Macht und verdrängte Adel sowie Klerus. In dieser Folge löste die Industrie die Feudalgesellschaft ab, was aber ein sehr langwieriger und harter Kampf war und sich bis weit ins 20. Jahrhundert erstreckte. Sollte nun etwa die Zeit einer erneuten Neuordnung gekommen sein, ausgelöst durch diesen Anschlag, der vielleicht ein perfider Plan jener lebensverachtenden Terrorristen gewesen sein könnte, um dadurch große Risse in der Demokratie entstehen zu lassen? Jene und ähnliche Fragen überrollten regelrecht meine eigentlichen Träumereien. Zusätzlich blitzten hin und wieder ein paar gedankliche Dialoge in mein Hirn, bei denen ich den Mathelehrer mit seinen Kumpels am Tresen in einer Kneipe sitzen sah und alle Mann an Deck neuen Zündstoff gegen das Fremde befeuerten. Zudem entfalteten sich in mir völlig neue Fragen: Wird der Anschlag vielleicht doch noch mehr Leute auf die Straßen bewegen? Hoffentlich wird durch den Terror kein Sicherheitswahn ausgelöst, der unsere Freiheit massiv einschränken wird? In welche Richtung wird sich Deutschland oder Europa sowie die restlichen Kontinente des Planeten entwickeln?

Und während sich in diesen Augenblicken mindestens fünf größere Falten auf meiner Stirn gebildet hatten und sich noch etwas tiefer in meine Haut vergraben wollten, ging ich lieber auf die Straße, schnappte mir mein Moped und rollte zum Reisebüro meines Vertrauens. Denn von all den negativen Gedanken wollte ich mich nicht anstecken sowie mich damit schon gar nicht in meiner persönlichen Freiheit einschränken lassen und buchte gleich mehrere Flüge.

A ein ähnliches Verschleierungsgewand wie eine Burka

Kapitel 2

Perspektivwechsel

Im Februar 2015 durchquerte ich Kolumbien – angefangen von Bogotá über Medellín sowie weitere Landschaften im Inneren des Landes, bis hin zu verschiedenen Küstenregionen Kolumbiens. Im Anschluss bewegte ich mich nach Costa Rica und San José über die Stadt La Fortuna und dessen dort wunderschön gelegenen Vulkan zum Pazifik, wo ich es mir auch mal wieder auf einem Surfbrett bequem machte. Bis ich schließlich nach einigen Wochen des Sonnenscheins im etwas trüben New York landete. Und in jener vielleicht multi-kultigsten Metropole unseres Planeten passierte etwas, was mich noch für viele Jahre in seinen Bann ziehen würde, so glaubte ich. Der Auslöser dafür waren eigentlich nur wenige gedankliche Sekunden, die mir – nachdem ich eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten erblickt hatte – den entscheidenden Impuls bescherten, dass sich meine ab diesem Zeitpunkt noch kommenden Erdentage in eine neue und ungeahnte Richtung bewegen sollten. Das Kuriose daran ist, dass diese neue Epoche ausgerechnet durch das Antlitz einer Sehenswürdigkeit in mir eingeläutet wurde.

Als ich am frühen Nachmittag des zweiten Tags meines Aufenthaltes in jener aufregenden Stadt an der Reling einer Fähre stand sowie in Richtung „Liberty Island“ schipperte und dann die Facetten der Statue jener Insel immer größer vor meine Linsen rückten, geschah es. Denn in den wenigen Minuten, da ich von dem Fährschiff aus die Frau Freiheitsstatue unter die Lupe nahm, schossen gleich mehrere Freudenblitze durch meinen kompletten Körper. In diesen Augenblicken entflammte in mir der aufregende Gedanke: Ja, ich schreibe ein Buch! Die Flammen loderten noch für weitere Sekunden in mir und gaben meinen Fingern einen Impuls, sodass sie sich noch fester um die Reling krallten. Gleichzeitig hüpften sämtliche Länder, die ich bereist hatte, durch meinen Schädel und spornten meine restlichen unaktiven Synapsen dazu an, sich eifrig ein Reisebuch im Gedankengeflecht zurechtzuspinnen. Ein seltsam aufgeregtes Gefühl raste mir in diesen Momenten zusätzlich meinen Rücken hinunter und veranlasste mich dazu, dass ich mir schon über die Gestaltung des Buches Gedanken machte. In jenen Zukunftsausblicken grübelte ich bereits über den Anfang sowie darüber nach, wie ich das Ende des Buches konstruieren könnte. Dabei kristallisierte sich das Ende als das leichtere Unterfangen heraus. Denn, wie ich das Buch beenden würde, erschien mir bereits munter in meinen Träumereien. Mir schwebte vor, mein Reiseberichtsbuch und dessen letzte Sätze eben genau mit diesem Ort zu beenden, wo die knapp fünfzig Meter hohe Figur der Freiheitsstatue ihre Heimat gefunden hatte.

Der erste Schritt für den Startschuss mit dem Kuli in der Hand erfolgte nur wenige Tage später, als ich wieder zurück in Berlin in meiner kleinen Einraumwohnung am Frühstückstisch hockte, mich von der Reise ausreichend erholt fühlte sowie einige Gedanken in geordnete Bahnen gelenkt hatte. Mit gefülltem Bauch fühlte ich mich bereit und befreite einen leeren Notizblock aus einer etwas zugemüllten Schublade, setzte mich dann – wie mir einst in den ersten Schuljahren vom Klassenlehrer immer befohlen – kerzengerade an meinen Holztisch und freute mich nur wenige Augenblicke später über meine ersten vollbrachten Sätze. Als dies geschah, stand der Mai 2015 noch in seinen Kinderschuhen und ich war froh, dass das gedankliche Blitzlichtgewitter, das mich glücklicherweise an der Freiheitsstatue umgeben hatte, nicht einfach achtlos an mir vorbeigezogen war so wie mancher Traum, den man so hat.

Ich freute mich über mich selbst sowie darüber, dass jene Zukunftsvision, die in der Nähe der Statue in mir aufgeblitzt war, tatsächlich Wirklichkeit wurde und ich beinah täglich den Füller zur Hand nahm, dranblieb und nicht aufgab. Bis zum 06.05.17 blieb das auch genau so und ich wusste bis dahin immer, wie es weitergehen sollte, bis mir plötzlich mein Füller nicht mehr folgen wollte und ich ihn erstmal nicht mehr anrühren konnte. Ja, ich musste dies tun, weil ich nicht wusste, wie es weitergehen soll. Das war das erste Mal in den beiden vergangenen Jahren, dass ich mir darüber nicht im Klaren war, mit welchen weiteren Worten ich mein Buch schmücken könnte.

Doch bevor ich den Grund für das Gedankenloch benennen werde, möchte ich vorher wenige Silben zu meinen Erlebnissen der letzten zwei Jahre beschreiben. Auch in dieser Zeit kam es vor, dass ich meinen Stift etwas länger als nur ein paar Tage nicht angerührt hatte. Freilich waren jene Male beabsichtigt, denn auf den vier Reisen — eigentlich waren es drei Reisen, da ich die fünf Tage in Ägypten im November 2015 und den Versuch, mich mit dem Tauchen anzufreunden, nicht als Reise ansehe – in die ich mich dann stürzte, ließ ich den Schreiber gern allein zu Hause. Ganze sechs Wochen musste sich dieser – ohne bewegt zu werden – mit dem Holztisch abfinden, während ich mich planlos auf einer abenteuerlichen, grandiosen Reise von Malaysia über die Philippinen nach Taiwan und schließlich bis hin zu den vielen bezaubernden Kirschblütenbäumen nach Japan im Jahr 2016 bewegte. Eine Woche blieb der Stift deshalb zurück, da ich Lust auf die verregneten Highlands in Schottland hatte, wo ich all die Nächte eingepfercht in einem Fiat 500 verbrachte und runde vier Wochen waren es, als ich viele Kilometer im März diesen Jahres durch das sonnenverwöhnte Mexiko turnte.

Das waren die Momente, bei denen sich meine drei Schreibfinger mal ausruhen konnten, da sie ansonsten täglich bis zu neun Stunden zwischen dem Sonnenauf- und -untergang den Stift festzuhalten hatten. Gleichwohl schafften es meine Gedanken in diesen Zeiten des Verreisens nicht, sich auch mal von meinen geschriebenen Zeilen sowie den damit verbundenen neuen Ideen für mein Buch zu lösen. Somit aber musste ich nach keinen der drei Auszeiten eine hohe Hürde überwinden, als ich von den zahlreichen besonderen Erlebnissen wieder zurück war und zwischen meinen vier Betonwänden am Schreibtisch saß. Und so schafften es meine ums Buchdreh-Gedanken nahezu nahtlos durch meinen Geist sowie darauffolgend in meine Hand zu strömen, um den Stift erneut zum Leben zu erwecken und diesen achtsam durch die leeren Seiten zum Schwingen zu bringen. So ähnlich war es auch beim Buchstartschuss: ich würde sagen, dass es Liebe auf den ersten Blick war. Denn seit diesem Zeitpunkt, als ich die erste leere Seite mit meinen eigenen Worten gebastelt hatte, wusste ich, dass dies Tun mit dem Füller in der Hand meine künftigen Tage ausschmücken und meine freie Zeit bereichern wird. Ja, dass diese Beschäftigung von diesem Tag an mein eigentlich wirklicher Job sein würde.

Endlich hatte ich eine vernünftige Tätigkeit gefunden – eine, die mir wirklich Spaß macht und meinen Tag nicht nur füllt, sondern mich in vielerlei Hinsicht erfüllt. Aber bis mich endlich diese fantastischen Schreibmomente zu fesseln wussten, hatte ich einige Landschaften nach Inspirationen abzugrasen und mich während dieser vielen Jahre den Grübeleien hinzugeben, um dann zu wissen, dass ich genau nach solch einer Beschäftigung schon lange auf der Suche war. Doch nie zuvor übermannte es mich, auch mal in jene literarische Richtung Ausschau zu halten. Nicht einmal ein komischer Traum hätte mich wahrscheinlich in jenen Tagen darauf gebracht, in meinem Leben irgendwann einmal ein Buch zu schreiben, bis dann urplötzlich an der Statue ein neuer Wille in meinen Geist geschossen war und ich meine zahlreichen Gedanken sowie Ideen, die ich über Jahre hinweg achtlos und ungeordnet in mir trug, nun endlich aus mir heraussprudeln lassen konnte, ohne dabei aber sinnlos Energie zu verschwenden. Ja, dieser neue Weg stimmte mich auf vielen Ebenen glücklich, da ich meine wertvolle Zeit nicht irgendeinem komischen profitgierigem Arbeitgeber überlassen muss, wobei ich bei vielen Tätigkeiten, die ich tat, aber genauso empfand. Zudem habe ich sehr oft das Gefühl – bei den meisten Verrichtungen, denen wir Menschen so selbstverständlich jeden Tag hinterherhetzen – gerade unserer Umwelt keinen Gefallen tun, sondern dass wir diesen einzigen Lebensraum, den wir im Universum bevölkert haben, durch die zu viel geschaffenen Produkte völlig verunglimpfen und vielleicht damit aus seiner Bahn werfen. Nein, mit solch überflüssigen Jobs möchte ich mich keineswegs identifizieren und sitze deshalb viel lieber kerzengerade am Schreibtisch – denkend und schreibend. Und genau das macht es für mich auch so spannend: dass ich etwas zu tun habe, worin sich zuvor meine Gedanken in keiner Form zufällig verirrt hatten. Endlich hat die manchmal lästig werdende Jobsuche zumindest vorerst ein Ende gefunden und endlich beschäftige ich mich mit etwas wirklich Besonderem. Ich wäre garantiert nie zum Schreiben gekommen, wenn ich einer normalen vierzig Stunden Tätigkeit meine frei verfügbare Lebenszeit geschenkt hätte. Dann hätte ich mich mit Sicherheit nicht so frei in irgendeine meiner Reisen stürzen können und wäre womöglich nie auf die Idee gekommen, meine Erlebnisse in einem Buch festzuhalten.

Doch wenn es aber passieren sollte, dass ich in ein Arbeitnehmer-Gefängnis-Dilemma durch irgendetwas Fremdbestimmendes in Zukunft hineinfallen werde, dann müsste ich machtlos zusehen, wie meine Zeit dahinsiechend verfließt und sich dabei meine Gesichtszüge immer gläserner einer schrägen Marionette anpassen würden. Und damit meine und rede ich nur von mir!

Garantiert und unbemerkt würden auch dann irgendwann meine immer klappriger werdenden Schritte im Gleichschritt der wenigen Lebenstage voranschreiten. Natürlich hüpfe ich aber lieber genau diesem Unterfangen aus dem Weg, denk mich weg von dem Gezappel der unruhigen Beine unter den vielen Tischen der Großraumkantinen und dessen Fertigfraßgerichten, schalte lieber das Radio ein und suche nach Musik. Doch auch in diesen Augenblicken der Musikrecherche ertappe ich mich nicht selten dabei – in meiner Küche am Kochtopf stehend – dass mir zwischen den Liedern jenes Geschwafel einiger Radiomoderatoren etlicher UKW-Sender gehörig auf die Nerven geht. Nein, eigentlich erklimmt bei diesem Geseier unterdessen immer mehr ein Gefühl von Mitleid meinen Geist, wenn die Sprecher schon an manch einem Mittwochvormittag lobpreisend wie herbeisehnend den Countdown zum Wochenende den Zuhörern eifrig ins Mikro brüllen müssen. Dann schalte ich die doofe Kiste einfach ab und zerdenke mich manchmal für wenige Sekunden in eine Festanstellung hinein, bei der es mir vielleicht ähnlich ergehen würde und auch ich einer von den Fiebrigen wäre, der die Stunden bis zum erlösenden Freitagfeierabendgong zählen müsste … durchatmen …

Und dabei überkommt mich schnell das Glücksgefühl, dass ich meinen Kochlöffel noch selber schwingen kann, egal wie lange und mit welch Umdrehungen, einfach wann immer mir danach ist. Ich weiß ganz genau, dass, wenn ich seit einigen Jahren in einem der zahlreichen dem Wochenende-entgegen-zählenden-Jobs hätte drinnen stecken müssen, ich womöglich schon längst in dieser schmierigen Suppe untergegangen wäre. Mir fällt es wirklich schwer zu verstehen, warum es Menschen gibt, die ständig dem Freitagfeierabendgong entgegenlauern. Wie eben jene Leute ihr kostbar sehr begrenztes Erdendasein mit dem dauernden Erwarten verschwenden, also dem, dass irgendein Abschnitt möglichst schnell dem Ende entgegenmarschiert. Dieser irrsinnige Gedanke des Zukunft-Herbeisehnens. Schon als Knirps verstand ich nichts davon, wie die anderen Kinder öfters den absurden Wunsch des endlich Erwachsenwerdens herbeizaubern wollten. In diesen eigentlich kindlichen, wundervollen sorglosen Zeiten des Träumens knallten sich zudem all jene Kreischhälse ihre Berufswünsche, die sie sich wahrscheinlich von ihren Eltern in die Ohren pflanzen ließen, zwischen Pittiplatsch und Co. gegenseitig durch den Spieleraum an die Köpfe. Doch wie schnell ist man rausgeschlüpft aus den Kindermützen, schon möchte man ganz bald ziemlich weit oben auf der Karriereleiter, am liebsten schon mit 33 Jahren, angekommen sein. Aber wie viele vergessen dabei, einen Helm zu tragen? Denn auch ans Fallen, daran denkt dann keiner mehr.

Vermutlich sind diese Leute zu selten oder jedoch auch nie, als sie noch kleiner waren, auf Bäumen herumgeklettert. Klar, dass man dadurch das mögliche Herunterfallen nicht selbst hat spüren können und somit in Zukunft keinen Gedanken daran verschwenden wird. Doch schafft man es irgendwie und irgendwann — mit welch schmierigen Mitteln auch immer – als älteres Menschenkind mit oder ohne Helm ganz oben angekommen zu sein, schon wird sich wahrscheinlich manch einer dieser Leute jene Tage herbeisehnen, bei denen man alle Viere auf einer 200 Quadratmeter großen Veranda gemütlich auf der Krokodilledercouch von sich strecken und dabei dem funkferngesteuerten Rasenmäher beim Rasenmähen des englischen Vorzeige-Rasens beim Abgrasen zuschauen kann. Um aber solch ein Ziel realisieren zu können, irgendwann mal nichts mehr tun zu müssen und andere für sich arbeiten zu lassen sowie gleichermaßen auszunutzen, wird ohne wenn und aber auf dem meist sehr egoistischen Weg dorthin die gesamte eigene Energie vollkommen verbraten sein. Und flugs könnten somit auf dieser selbstsüchtigen Strecke dreißig Jahre der Vergangenheit angehören.

Man vergräbt sich noch nicht im Sarge, aber eben auf der fetten Terrassentrage und schaut missmutig den Rasen beim Wachsen zu, erfreut sich dann immer wieder von Neuem am automatischen Abgegrase und wahrscheinlich kommt man nach dem tausendfachen Beobachten der einzelnen Halme auf den Gedanken, wie schön es doch wäre, nochmal wachsen zu können, ja eben wie ein solcher Halm es kann. Doch Marionetten wachsen nicht.

Da wird dann auch das sich Begießen mit reichlichen Litern von mehreren 1957er „Bowmore Vintage“-Whiskeyflaschen nichts mehr nützen. Und ruckzuck zieht man nicht mehr im Zickzack mit ’nem noblen Wagen durch die Straßen, sondern vermag nur noch mit Hilfe des Rollators vor den Füßen sich durch die Villa von Couch zu Kühlschrank zu plagen. Was soll dieser Quatsch des Herbeisehnens? Entschuldigung. Ich blicke viel lieber in völlig andere Richtungen. Aber selbst ich schau nun zum wiederholten Mal verdutzt zurück und kann es noch immer nicht fassen, dass tatsächlich erneut zwei volle Jahre der Vergangenheit angehören. Zwei Jahre, in denen ich meine schon längst vergangenen Geschichten auch für mich selbst wieder neu zum Leben erweckt habe. Zunächst möchte ich an dieser Stelle nochmals auf mein Gedankenloch zurückkommen, dass ich bereits angesprochen hatte. Also eigentlich handelt es sich dabei vielmehr um eine Lücke und auch schon die zweite dieser Sorte. Ich bin mir darüber durchaus im Klaren, dass diese Zeilen etwas kompliziert klingen mögen, doch kann ich mir auch gut vorstellen, dass sich dies womöglich des Öfteren in Bezug auf die Wahrheit genauso verhalten wird. Als ich am 13.06.17 glaubte, mich nach dem fünf-wöchigen Gedankenloch sowie drei gelesenen Büchern und anderen Grübeleien endlich wieder voll und ganz dem Schreiben hingeben zu können, fiel ich nach der Frage „Was soll dieser Quatsch des Herbeisehnens?“ in das nächste Loch. Und als dieses zweite Zeittief plötzlich im Raum wie eine unüberwindbare Grube immer weiter aufzureißen drohte, fiel mir natürlich dessen Überqueren noch um einiges schwerer als bei der ersten Mulde. Aber als ich an jenem Moment angelangt war, wurde mir eines jedoch glasklar: dass ich nicht mehr so weiterschreiben sollte, wie ich es bis zu diesem Zeitpunkt getan hatte. Natürlich beunruhigte mich dieser Gedanke auch ein wenig. Gleichzeitig spürte ich allerdings, dass ich etwas Neues wagen sollte. Mir wurde träumerisch vors Auge geführt, dass mein Buch – das doch hoffentlich mal einige Leser erreichen wird – eine Wende braucht; einen völlig neuen Abschnitt. Oder sollte ich doch lieber wieder von einer folgenden Reise und meinen täglichen Erlebnissen berichten? Davon, ob mir zum Beispiel Kolumbien gefallen hat, in welche Notsituationen ich dort geraten bin oder welche Freuden mich an diesem Ort überkamen? Sollte ich beschreiben, dass mir die Landschaft in Costa Rica ausgesprochen gut gefallen hat und welche Bekanntschaften ich dort gemacht hatte? Sollte ich folgende Fragen beantworten: Was beeindruckte mich in New York – neben dem Erlebnis an der Freiheitsstatue – noch? Was geschah bei der tollen Reise von Malaysia zu den Philippinen über Taiwan bis nach Japan und durch welches dieser Länder hat mir das Reisen am meisten Spaß gemacht, was hat mich berührt oder auch verärgert? Oder sollte ich davon berichten, dass mir in Malaysia die schier endlosen Weiten monokulturalistischer Palmenplantagen irgendwie einen sehr sauren Anblick einjagten oder darüber, dass genau solche Ereignisse plötzlich immer mehr in meinen Fokus gerieten?

Doch würden all jene Geschichten nicht wieder nur meine persönlichen Eindrücke, Sichtweisen und Wahrheiten zum Ausdruck bringen? Erzählungen, die letztendlich natürlich sehr subjektiv sind, allenfalls langweilen könnten oder den ein oder anderen sogar müde gähnen lassen? Was wäre eine der naheliegendsten Folgen solch eines „Schwächeanfalls“? Ja, dann würden die ausgelaugten Leser mein Buch einfach zuklappen und es kopfüber an den äußeren Rand, ganz unten, wo es ja keiner zu Gesicht bekommt, ins Bücherregal stopfen. Doch dieser Gedanke, dass es meinem Werk in der Zukunft genauso ergehen könnte, stimmt mich natürlich alles andere als fröhlich. Nach wie vor habe ich riesigen Spaß am Schreiben und möchte auf keinen Fall meinem Buch verfrüht ein Ende bereiten. Und darum will ich noch viel mehr Tinte ins Papier hineinfließen lassen und diese Zeilen bis zum endgültigen Schlusspunktsetzens mit reichlich nützlichem Wissen füllen. Zudem mag ich weitere, ganz andere Blicke wagen, da ich mir gegenwärtig — mit dem mir selbst angeeigneten Know-how im Gepäck — sehr grün darüber bin, dass man unsere komplexe aktuelle Zeit noch besser begreift, wenn man sich nicht nur mit den Geschichten aus der Vergangenheit auseinandersetzt, welche uns auf verschiedenen Wegen ans Knie genagelt wurden. Ja, dieser letzte Satz ist eine in mir gewachsene Überzeugung, die natürlich nicht einfach so aus dem Nichts entstanden ist, sondern sich im Laufe der vergangenen Wochen zwischen meinen beiden Hirnhälften mit Hilfe der schlauen Bücher, die ich lesen durfte, mehr und mehr verankert hat.

Obendrein beeinflusst er mein Handeln und ich mag durch ihn einige der wichtigsten Gegebenheiten jener Druckwerke in mein Werk einfließen lassen, eben darum, weil ich viele Menschen kenne, deren Alltag maßgeblich von rar begrenzter freier Zeit bestimmt ist und sich deshalb verständlicherweise die Wenigsten davon in diesen gezählten sanduhrähnlichen Minuten mit dicken Büchern und deren „schweren“ Fakten auseinandersetzen möchten. Ein Grund, warum sich in den letzten Tagen die Erkenntnis in mich schlich, mein Buch in zwei Teile aufzuteilen, da es sich eben nicht mehr nur um meine eigenen Geschichten, Erlebnisse und Sichtweisen dreht, sondern es ebenso von den Anschauungen, Erkenntnissen und Auffassungen anderer Köpfe handeln wird; also nicht mehr wie bisher einzig von meinem persönlichen Treiben, das mich hin und wieder sogar an diese bescheuerte Werbung mit den „Besitztümerkarten-auf-den-Tisch-klopfen“ erinnern lässt. Zu all dem hab ich durch einige Begegnungen mit den verschiedensten Menschen herauslesen können, dass allzu oft deren beklemmender Alltag das Erfahren der komplexen Wahrheit behindert und eben dann die wichtigen Dinge, mit denen wir uns besser auseinandersetzen sollten, durch all den täglich geschaffenen ich-bezogenen Stress nicht mehr wirklich wahrzunehmen sind. Somit fällt es mir beinah schwer, jenen Menschenkindern die Nichterkenntnis darüber, dass sie durch dieses Übersehen der Wahrheit nicht unbedingt Vorteile entgegenfliegen werden, übel zu nehmen. Das Leben ist dann weniger ein an-sich-selbst-Reifeprozess, sondern vielmehr ein achtloseinfach-hinnehmen-Dasein. Und so wie ich versucht habe, über diesen Punkt ernsthaft nachzudenken, hüpften mir ziemlich zeitgleich ein paar kindlich klingende Fragen vor diese Gedanken und klangen bereits lebhaft in meinen glühenden Ohren: Was will uns eigentlich der StinoB erzählen? Hat der denn eine Professur in Geschichte, Philosophie, Psychologie oder sonst irgendeinen Schriebs in jener Richtung nachzuweisen?

Mein Gedankenloch, für das ich es vor Kurzem noch hielt – wobei ich nicht mehr wusste, wie meine eigene Geschichte weitergehen sollte – war mit Sicherheit keines dieser dunklen Löcher; sondern jene Leere schuf neue Bewegungen zwischen vielen meiner grauen Zellen, in etwa vergleichbar mit jenen Tagen des munteren Drauflosschreibens. Ja, in dieser Pause entdeckte ich, dass diese Untriebsamkeit doch vielmehr eine Bereicherung darstellt und sozusagen einen Neuanfang – in Folge eines speziellen Tiefgangs – in mir hervorgerufen hatte … Eine Angelegenheit, bei der ich mir selbst und die bisherige Schreibzeit über immer einen dicken Riegel vors Gestirn geschoben hatte. Denn es widerstrebte mir, für den Zeitraum des Schreibens in anderen Schriften zu stöbern und dabei Geschichten zu lesen, die in irgendeiner Form mit Ideen und Geschehnissen meines eigenen Buches zu vergleichen wären. Der Grund dafür war ein beklemmendes Gefühl, was sich in mir breitgemacht hatte, wobei andere Veröffentlichungen und deren Zeilen mich vielleicht zu sehr in meinem individuellen Schreibfluss beeinflussen könnten. Ich wollte etwas völlig Eigenes schaffen und gänzlich frei beim Schreiben mit meinen persönlichen Gedanken sein. Vom ersten Tag an, als ich noch etwas aufgeregt meinen Stift zwischen Daumen und Zeigefinger zusammengepresst hatte, war genau dies mein Credo. Dieses festigte sich besonders in jenen Augenblicken, in denen ich auf einigen Berliner Litfaßsäulen eine aufdringliche Werbung bemerkte, die ähnlich Schreibwillige wie mich dazu auffordern sollte, dass man das kreative Schreiben doch am besten bei einem Schreibkurs erlernen könne. Trainiert man sich dort etwa eine uniforme Form des Schriftstellertums an? Wie soll dabei das Individuelle gefördert werden? Oder soll genau das verhindert werden? Oder maße ich mir gar mit diesen naiven Gedanken irgendetwas an? Denn sicherlich ist ein autobiografischer Text etwas anderes als ein völlig frei erfundener Roman.

Und dennoch wollte ich von Anfang an meinen eigenen Weg verfolgen. Doch habe ich dazugelernt, mich weiterentwickelt und ein klein wenig auch für manche Einstellungen neue Weichen gestellt. Der Beginn dazu war eigentlich gar nicht so schwer. Dazu genügten zunächst nur ein paar Griffe in das Bücherregal meiner Freundin und schon hielt ich wahre Schätze in meinen Händen, die mich tatsächlich sehr lange davon abhielten, meinen Stift erneut aus der Reserve zu locken. Und auch die unterhaltsame Runde mit den drei Herren auf dem Weihnachtsmarkt hatte mich noch wacher gerüttelt und veranlasste mich dazu, dass ich mich mit einigen Themen unseres Gesprächs nochmals ausführlicher beschäftigte.

„Darf ich die alle mitnehmen?“

„Klar“, sagte meine Freundin und packte sie mir auf einen Stapel neben die Leiter zum Hochbett. Ich hingegen wurde ab diesem Moment von einer starken Lesewelle gepackt und sie steuerte mich in die reale Welt der mitunter finsteren Tatsachen sowie Zukunftsblicke. Und siehe da: Plötzlich waren meine eigenen Geschichten weit in den Hintergrund gerückt und doch war genau dieses Ereignis für eine bestimmte Zeit meine Absicht gewesen. Ganze vier Monate lang hielten mich diese teilweise beängstigenden Realitäten einiger dieser fremden Zeilen gefesselt, bis ich das letzte Buch zu Ende gelesen hatte und ich mich im Anschluss daran doch erst so richtig für den zweiten Teil meines Buches gewappnet fühlte. Aber bevor ich auf ein paar dieser sehr interessanten Geschichten jener Schriften, in die ich meine Nase stecken durfte, eingehe, möchte ich ein letztes Mal etwas ausführlicher von einer Reise erzählen – von einem Trip, der mir noch viel mehr gab und bei welchem ich in noch größerem Umfang dazugelernt habe als in allen Büchern, die ich lesen durfte – ja, und davon, dass jener Ausflug, obwohl ich meine neugierigen Füße nur in ein einziges Land setzte, trotzdem die lehrreichste Erfahrung bisher überhaupt gewesen ist. Und aus diesem Grund werde ich dieses Mal nicht nur aus meiner Sicht berichten.

B stink normale Typ

Kapitel 3

In die Tiefe gehen