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Exzellent – das ist er im wahrsten Sinne des Wortes: einzigartig, schlagfertig und natürlich auch unangenehm schlagfähig. Wer ihn unterschätzt, hat schon verloren. Sein Regenschirm ist nicht nur sein Markenzeichen, sondern auch die beste Waffe der Welt. Seinem Charisma, Witz und Charme kann keiner widerstehen. Der exzellente Butler Parker ist seinen Gegnern, den übelsten Ganoven, auch geistig meilenweit überlegen. In seiner auffallend unscheinbaren Tarnung löst er jeden Fall. Bravourös, brillant, effektiv – spannendere und zugleich humorvollere Krimis gibt es nicht! Nur die Augen waren zu sehen. In ihnen spiegelte sich das zuckende Licht der bunten Neonreklamen. Sie glühten rot auf, färbten sich gefährlich grün und wurden gelb wie die Augen einer mordgierigen Katze. Diese Augen beobachteten den Seiteneingang zu einem Schnellimbiß in der Aberdeen Street. Durch die halbgeöffnete Tür konnte der Beobachter in das Innere der Küche sehen. Vor einem rechteckigen Herd hantierten zwei Frauen. Sie waren in Kochschwaden und Dampf gehüllt. Sie brieten Steaks und Spiegeleier, füllten Teller mit Pommes frites und Bohnen. Der aufdringliche Geruch verbrannten Fetts und ausgelassener Zwiebeln wehte nach draußen. Der starke Nebel lud sich mit diesen Gerüchen auf und hielt sie am Boden fest. Nach einem herrlichen Sonnentag über Chikago war der Nebel vom Michigan-See hereingebrochen. Wie dicke Watte stand er in den engen Straßen des Loop. Der Verkehr in den Straßenschluchten dieses berühmt-berüchtigten Zentrums von Chikago bewegte sich nur noch zögernd. Von Minute zu Minute hatten die Lichtreklamen es immer schwerer, sich gegen diese unheimlichen Schwaden durchzusetzen. Es war kühl geworden. Ein staubfeiner Regen näßte die Asphaltstraßen. Den Mann unter der Feuerleiter störte das alles nicht. Unbeweglich stand er hart an der Brandmauer. Er trug einen weiten, dunklen Stoffmantel, hatte sich den Hut tief in die Stirn gezogen und die Hände in die Manteltaschen gesteckt. Es konnte nur noch wenige Minuten dauern, bis die Ablösung durch die Küchentür kam.
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Seitenzahl: 131
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Nur die Augen waren zu sehen.
In ihnen spiegelte sich das zuckende Licht der bunten Neonreklamen. Sie glühten rot auf, färbten sich gefährlich grün und wurden gelb wie die Augen einer mordgierigen Katze.
Diese Augen beobachteten den Seiteneingang zu einem Schnellimbiß in der Aberdeen Street. Durch die halbgeöffnete Tür konnte der Beobachter in das Innere der Küche sehen. Vor einem rechteckigen Herd hantierten zwei Frauen. Sie waren in Kochschwaden und Dampf gehüllt. Sie brieten Steaks und Spiegeleier, füllten Teller mit Pommes frites und Bohnen.
Der aufdringliche Geruch verbrannten Fetts und ausgelassener Zwiebeln wehte nach draußen. Der starke Nebel lud sich mit diesen Gerüchen auf und hielt sie am Boden fest. Nach einem herrlichen Sonnentag über Chikago war der Nebel vom Michigan-See hereingebrochen. Wie dicke Watte stand er in den engen Straßen des Loop. Der Verkehr in den Straßenschluchten dieses berühmt-berüchtigten Zentrums von Chikago bewegte sich nur noch zögernd. Von Minute zu Minute hatten die Lichtreklamen es immer schwerer, sich gegen diese unheimlichen Schwaden durchzusetzen. Es war kühl geworden. Ein staubfeiner Regen näßte die Asphaltstraßen.
Den Mann unter der Feuerleiter störte das alles nicht. Unbeweglich stand er hart an der Brandmauer. Er trug einen weiten, dunklen Stoffmantel, hatte sich den Hut tief in die Stirn gezogen und die Hände in die Manteltaschen gesteckt.
Es konnte nur noch wenige Minuten dauern, bis die Ablösung durch die Küchentür kam. Drei Frauen würden es sein, die jetzt Dienstschluß hatten. Er kannte sie alle, wußte, wie sie aussahen und wo sie wohnten. Seit Tagen hatte er sich mit ihren Gewohnheiten vertraut gemacht. Sein Interesse galt jetzt nur noch einer dieser drei Frauen. Sie stand auf seiner ganz privaten Liste. Es war eine Liste des Todes. Sie enthielt mehrere Namen. Zwei davon hatte er bereits abgehakt. In dieser Nacht sollte auch der dritte Name erledigt werden.
Wenige Minuten nach Mitternacht tauchten die drei Frauen hinter der Küchentür auf. Sie riefen den beiden Köchinnen Scherzworte zu, blieben in der Tür stehen und schimpften leise auf das Wetter. Eine von ihnen schlug den Mantelkragen hoch, verabschiedete sich flüchtig und lief durch den dunklen Gang hinüber zur helleren Straße.
Der Beobachter verließ sofort seinen Beobachtungsposten. Er folgte der Frau zur Straße und brauchte nicht zu befürchten, entdeckt zu werden. Dazu war es zu dunkel, dazu bewegte er sich zu leise und zu schnell.
Er lief vorbei an den viereckigen Müllkästen, passierte einen kleinen Lieferwagen, der hart an der Straßenausfahrt stand, und heftete sich an die Fersen der ahnungslosen Frau.
Seine an sich schon leisen Schritte wurden vom Nebel verschluckt. Er hielt so viel Abstand zu der Frau, daß er sie nicht plötzlich aus den Augen verlor.
Sie ahnte nichts.
Mit schnellen, trippelnden Schritten eilte sie die Straße hinunter. Sie war nicht mehr jung, vielleicht 38 Jahre alt oder auch ein paar Jahre älter. Auf kurzen, stämmigen Beinen saß ein gedrungener Körper. Das Gesicht war breit und flächig. Das schlechte Make-up konnte die tiefen Falten im Gesicht nicht verdecken.
Die Frau überquerte die Straße und hielt auf eine schmale Seitenstraße zu.
Nun schien sie zum erstenmal so etwas wie Bedenken oder Angst zu verspüren. Sie blieb plötzlich stehen und zögerte, die dunkle, enge Straße zu betreten. Ja, sie drehte sich sogar um und versuchte, im Nebel etwas zu erkennen.
Der Verfolger mit den seltsamen Augen reagierte augenblicklich. Auch er blieb sofort stehen, drückte sich gegen die Wand eines Mietshauses und schien mit ihr zu verschmelzen. Seine Augen ruhten auf der Frau. Sie waren jetzt farb- und glanzlos.
Die Frau entschloß sich nach wenigen Sekunden, nun doch die schmale Straße zu benutzen. Sie ging aber schneller, als fühlte sie, daß sie verfolgt wurde.
Der Beobachter löste sich von der Hauswand, nahm die Verfolgung auf. Er war sich seiner Sache vollkommen sicher. Er wußte im voraus, daß auch dieses Unternehmen gelang.
In der engen Straße holte er auf. Er schob sich von Sekunde zu Sekunde immer näher an die Frau heran. Seine Schritte waren unhörbar. Wie ein Raubtier bewegte er sich, schnell, geschmeidig und kraftvoll. Nur noch zwanzig Schritte trennten ihn von seinem Opfer.
Zu beiden Seiten der Straße erhoben sich die rauchgeschwärzten Mauern von Lagerhäusern und Fabriken. Vom Chikago River kam das dumpfe Heulen einer Schiffssirene. Unheilvoll kämpfte sich dieses Geräusch durch den dichten Nebel.
Die Frau wurde noch schneller.
Den Verfolger hatte sie noch nicht bemerkt, doch ihr Instinkt trieb sie an. Sie fühlte die drohende Gefahr, hätte am liebsten laut geschrien und sich bemerkbar gemacht. Doch in dieser schmalen Straße hätte sie vielleicht kein Mensch gehört …
Der Verfolger ging in einen schnellen Lauf über. Bevor er die Frau erreichte, schrie sie plötzlich gellend auf. Sie hatte sich umgedreht und sah den Schatten, der schnell auf sie zukam. Bevor sie Einzelheiten unterscheiden konnte, legten sich stahlharte Finger um ihren Hals.
Sie wehrte sich verzweifelt. Sie versuchte, das Gesicht des Angreifers zu zerkratzen. Doch schnell erlahmten ihre Bewegungen. Ihr wurde schwarz vor Augen. Die Beine gaben nach, sie fiel gegen eine Mauer und stürzte dann zu Boden.
Der Mörder blieb breitbeinig vor ihr stehen und griff in seine linke Manteltasche. Mit schnellen Bewegungen legte er der Toten einen Strick um den Hals.
Bevor er die Schlinge aber zuziehen konnte, hörte er das Geräusch eines Wagens. Kurz danach bohrten sich Scheinwerfer durch die dicke Nebelsuppe.
Der Mörder ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.
Er lief ein paar Meter zurück, überquerte hinter dem Wagen die Straße und verschwand in der Dunkelheit. Langsam ging er zurück in die Aberdeen Street, holte seinen Wagen vom Parkplatz, setzte sich ans Steuer und fuhr los.
Am Grant Park angekommen, steuerte er den Wagen in die Tiefgarage eines modernen, wolkenkratzerhohen Apartment-Hauses. Gelassen stieg er aus, fuhr mit dem Lift hinauf in das Haus und betrat die große Wohnflucht.
Sie war luxuriös eingerichtet und zeigte deutlich, daß der Mann zumindest wohlhabend sein mußte. Teure Teppiche bedeckten den Boden. Die Couches und Sessel mußten kleine Vermögen gekostet haben. Chinesisches Porzellan und Speckstein-Figuren aus Asien in Vitrinen und Wandnischen zeigten an, daß dieser Mann kostspieligen Sammlerneigungen frönte.
Der Mörder streifte sich in der Diele den Mantel ab, ging durch den großen Salon und schaltete das Fernsehgerät ein. Nach wenigen Sekunden zuckte das bläuliche Licht auf und verdichtete sich dann zu einem klaren Bild.
Eine tiefgekühlte Blondine kündigte den »Thriller nach Mitternacht« an. Nervenaufpeitschende, unheimlich klingende Musik begleitete den kurzen Vorspann des Films. Der Mörder ging an die Hausbar und goß sich einen Drink ein. Dann ließ er sich in den Liegesessel fallen und widmete sich der Bildscheibe.
Die Serie »Der Henker von Chikago« begann mit einem neuen Kriminalfall. Im Mittelpunkt dieser Serie stand ein geheimnisvoller Mörder, der seinen Opfern einen Henkerstrick umlegte …!
*
»Nur ein Mann wie Parker kann uns aus der Patsche helfen«, sagte Leutnant Trunks von der Mordkommission. Der etwa 45jährige, untersetzte, breitschultrige Mann setzte behutsam sein Glas ab und sah Anwalt Mike Rander erwartungsvoll an. Trunks, der an einen behäbigen und bedächtigen Farmer vom Land erinnerte, war alles andere als schwerfällig. Er gehörte zu den Assen der Detektivabteilung und hatte in der Vergangenheit schon verzwickte und schwierige Fälle geschickt gelöst. Mike Rander wußte die Zeichen zu deuten, daß Trunks um Hilfe bat.
»Natürlich bin ich einverstanden, daß Parker sich einschaltet«, antwortete der junge, sympathisch aussehende Strafverteidiger. »Die letzte Zustimmung hängt natürlich von ihm selbst ab, Trunks. Sie wissen doch, wie eigensinnig Parker ist. Er befaßt sich nur mit Fällen, die ihn besonders interessieren.«
»Dieser Fall muß ihn reizen.« Leutnant Trunks griff nach dem Glas und nahm einen kräftigen Schluck. »Drei Opfer hat es bisher gegeben. Die Morde verliefen alle nach einem Schema. Die drei Frauen wurden zuerst erwürgt, dann bekamen sie einen Henkerstrick um den Hals gelegt. Sie werden’s ja im Radio gehört haben, daß in der vergangenen Nacht die dritte Frau ermordet wurde.«
»Und ob ich es gehört habe! Diese Serienmorde wachsen sich zu einer üblen Sensation aus.«
»Und wir von der Polizei bekommen es von allen Seiten knüppeldick. Man erwartet Wunder von uns. Und dabei haben wir nicht den geringsten Anhaltspunkt. Diese drei Morde sind ohne jeden inneren Zusammenhang.«
»Ist das sicher?« Mike Rander stand auf und blieb neben dem Kamin der Dachgartenwohnung stehen. »Haben Sie sich bereits mit dem Vorleben dieser drei Opfer befaßt?«
»Selbstverständlich, Rander. Alle drei Frauen sind nachträglich durchleuchtet worden. Es dürfte kaum Geheimnisse geben.«
»Gibt es einen gemeinsamen Nenner, Trunks?«
»Davon haben wir nichts gemerkt. Falls ja, sind wir noch nicht über ihn gestolpert.«
»Soweit ich orientiert bin, haben alle drei Frauen entweder als Dienstmädchen, Köchin oder Sekretärin gearbeitet, nicht wahr?«
»Das ist richtig. Und zwar in ganz verschiedenen Städten der Staaten. Sie dürften sich untereinander nie gesehen oder gesprochen haben. Doch das ist natürlich vorerst nur eine reine Vermutung.«
»Sind Spuren entdeckt worden?«
»Nein, alle drei Opfer müssen ganz überraschend angefallen und erwürgt worden sein. Die Henkerstricke wurden eigentlich als eine Art Erkennungszeichen zurückgelassen. Sie haben mit dem eigentlichen Mord nichts zu tun.«
»Verrückte Geschichte, Trunks. In Ihrer Haut möchte ich nicht stecken.«
»Sie treffen den Nagel auf den Kopf, Rander. Und deswegen bin ich ja hier. Ich möchte Ihren Butler interessieren. Er denkt kraus, verstehen Sie? Vielleicht gehen wir Polizeidetektive zu logisch und zu routinemäßig an solch einen Fall heran.«
»Ich denke, wir werden uns mal mit Parker unterhalten«, schlug Mike Rander vor.
»Oh, er ist im Haus?«
»In seiner Bastler-Werkstatt, Trunks. Wie ich ihn kenne, tüftelt er neue Überraschungen und Spielereien aus. Sein Steckenpferd.«
»Tatsächlich, für Überraschungen ist er immer gut.« Trunks lächelte müde und goß sich einen neuen Drink ein. »Diese geheimnisvolle Mordserie müßte ihm liegen. Wissen Sie, Rander, ich persönlich möchte wetten, daß wir es mit einem geisteskranken Täter zu tun haben. Dieser Mörder hat sich doch bisher an diese verdammte TV-Kriminalserie ›Der Henker von Chikago‹ gehalten. Darin bekommen die Opfer auch einen Strick umgelegt.«
»Sie sollten diese Serie absetzen lassen, Trunks.«
»Ist bereits geschehen. Ich habe mit der TV-Direktion gesprochen. Sie hatten volles Verständnis für unsere Bitte.«
»Wie lange wollen sie die Sendungen einstellen?«
»Na ja, man gab uns zwei Wochen Frist. Dann soll sie wieder anlaufen. Gesetzlich haben wir keine Möglichkeit, sie zu verbieten. Die Leutchen in der TV-Station wissen natürlich, daß wir ungewollt Reklame für sie machen. Wir sitzen in ’ner Zwangsjacke, Rander.«
»Schön, hören wir, was Parker zu sagen hat.«
Mike Rander drückte auf eine Klingel und sah zur Tür. Als habe Parker im Korridor gewartet, so schnell wurde die Tür geöffnet. Herein trat Josuah Parker, der Amateurdetektiv aus Leidenschaft, der sagenhafte Gangsterschreck und skurrile Einzelgänger!
*
Butler Parker verbeugte sich gemessen und blieb abwartend stehen. Er war etwa 1,75 m groß, schlank und trug einen einfachen, schwarzen Anzug. Beherrschend in dem fast faltenlosen, glatten Pokergesicht waren die grauen, prüfenden Augen. Die rosigen Wangen standen in einem seltsamen Kontrast zu der kräftigen Nase und dem schmalen Mund. Er hatte sich einen hohen, weißen Eckkragen umgelegt und trug dazu eine dunkelgraue Krawatte. Die Hände staken in weißen Handschuhen.
Er war der hochherrschaftliche Butler, wie man ihn eigentlich nur noch aus englischen Gesellschaftsfilmen und von der Bühne her kennt. Korrektheit, Verschwiegenheit, Höflichkeit und Würde zeichneten ihn aus.
»Sie haben geläutet, Sir?« fragte er mit höflicher Stimme.
»Leutnant Trunks möchte ein paar Worte mit Ihnen sprechen, Parker.«
»Gewiß wegen der drei Frauenmorde, Sir.«
Mike Rander grinste und nickte.
Leutnant Trunks stutzte und kniff die Augen prüfend zusammen.
»Falls meine Vermutungen zutreffen, Sir, möchte ich bereits im voraus erklären, daß ich durchaus geneigt bin, der Polizei zur Hand zu gehen.«
Parker konnte sich einfach nicht kurz und knapp ausdrücken. Das widersprach seinem Sinn für Anstand und für Höflichkeit. Er liebte die mehr als barocken Redewendungen. Selbst in Momenten der höchsten Gefahr ging er von seiner Ausdrucksweise niemals ab. Mike Rander, der zusammen mit Parker schon viele gefährliche Kriminalfälle gelöst hatte, kannte das aus Erfahrung und hatte deswegen schon oft Blut und Wasser geschwitzt.
»Sagen Sie, Parker, woher, zum Teufel, wissen Sie eigentlich, was ich von Ihnen will?« Leutnant Trunks erhob sich nun auch und schüttelte leicht den Kopf.
»Nun, Sir, ich möchte in aller Bescheidenheit darauf hinweisen, daß diese Mordserie aus dem Rahmen des Üblichen fällt. Dieser Fall braucht besondere Methoden, deswegen interessierte ich mich bereits und traf einige Vorbereitungen.«
»Soll das heißen, daß Sie sich bereits mit dem Mörder beschäftigen?«
»Das trifft zu, Sir. Meiner bescheidenen Meinung nach haben wir es entweder mit einem Psychopathen zu tun, der die TV-Morde nachahmt, oder aber wir müssen uns mit einem raffinierten Täter auseinandersetzen, der den Psychopathen nur spielt, um die Polizei in die Irre zu führen.«
»Schön, soweit haben wir auch gedacht, Parker.« Trunks grinste.
»Um dem Mörder beizukommen, Sir, müßte ich in Erfahrung bringen, wer diese drei Frauen sind, was sie getan haben und wie sie lebten.«
»Die bisherigen Ermittlungsunterlagen habe ich gleich mitgebracht, Parker. Sie würden uns also helfen?«
»Sir, es ist mir eine wirkliche Ehre«, behauptete Josuah Parker. »Ich werde mich bemühen, Ihre Hoffnungen nicht zu enttäuschen.«
»Gott sei Dank.« Trunks atmete erleichtert auf. »Sie werden von uns natürlich jede Unterstützung bekommen. Sie brauchen nur zu verfügen, Parker.«
»Ich werde, wenn notwendig, auf dieses Anerbieten zurückkommen«, erwiderte der Butler gemessen und verbeugte sich andeutungsweise. »Ich möchte Ihnen aber im vorhinein mitteilen, daß meiner bescheidenen Meinung nach noch weitere Morde nach dem bekannten Schema passieren werden.«
»Malen Sie bloß nicht den Teufel an die Wand«, rief Leutnant Trunks entsetzt aus.
»Parkers Prophezeiungen dürften sich erfüllen«, pflichtete der Anwalt seinem Butler bei. »Falls wir es tatsächlich mit einem Psychopathen zu tun haben, wüßte ich nicht, warum solch ein Geisteskranker plötzlich aufhören sollte. Er würde doch wahrscheinlich so lange und so oft morden, bis er gefaßt worden ist. Haben wir es mit einem Mörder zu tun, der sich als Psychopath tarnt, dürften diese drei Morde zu einem raffinierten Plan gehören, den wir noch nicht durchschauen können. Vergessen wir doch nicht, daß die bisherigen drei Morde kein Schema erkennen lassen.«
»Sir, ich möchte mich bei Ihnen bedanken«, schaltete Josuah Parker sich würdevoll ein. »Sie kleiden das in Worte, was ich denke. Ob Psychopath oder nicht, der Mörder benutzt die TV-Serie, um Verwirrung und Unruhe zu stiften.«
»Mir schwebt eine andere Lösung vor«, sagte Leutnant Trunks.
»Sie haben sich bereits eine Theorie gebildet?« wollte Mike Rander wissen.
»Es könnte durchaus sein, daß wir es mit drei verschiedenen Tätern zu tun haben, Rander. Und jeder dieser Einzeltäter versteckt sich hinter der TV-Serie.«
»Was meinen Sie dazu?« Mike Rander wandte sich an seinen Butler, der aufmerksam zugehört hatte.
»Durchaus möglich, Sir«, räumte der Butler ein. »Wenn Sie erlauben, möchte ich den Fall nun studieren. Ich bin der zuversichtlichen Hoffnung, Ihnen bald die ersten Ergebnisse meiner Nachforschungen mitteilen zu können.«
Josuah Parker nahm die Unterlagen an sich, die Leutnant Trunks mitgebracht hatte. Er verbeugte sich steif vor den beiden Männern, drehte sich um und verließ gemessenen Schrittes den großen Wohnraum.
»Mir fällt ein Stein vom Herzen«, sagte Leutnant Trunks und atmete scharf durch. »Parker wird die Sache schon schaukeln. Und sollte er wieder mal mit ungewöhnlichen Methoden arbeiten, werde ich ihn decken.«
»Ich kann Sie schon jetzt auf Überraschungen vorbereiten«, antwortete Anwalt Mike Rander und lächelte verschmitzt. »Sie wissen doch, wenn Parker ermittelt und einen Kriminalfall löst, dann bleibt meist kein Auge trocken.«
»Ich hoffe, Sie werden mitmachen, Rander.«
»Selbstverständlich, Trunks, falls Parker mich natürlich einweiht. Sie wissen doch, daß er ziemlich selbstherrlich ist. Er stellt mich meist vor vollendete Tatsachen. Doch bisher hat’s sich eigentlich immer gelohnt. Parker weiß, wie man Gangster fängt!«
*
Der gesuchte Mörder, um den sich alles drehte, saß am anderen Tag in seinem Privatbüro in der Innenstadt von Chikago. Die Post war ihm auf den Tisch gelegt worden. Am liebsten hätte er sie sofort nach einem ganz bestimmten Briefumschlag durchsucht. Er wußte, wie dieses bewußte Schreiben aussah.
