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Ganz die irdische Fülle zu genießen und offen zu sein für das, was das Göttliche an Überraschungen für uns bereit hält, ist die spirituelle Ausrichtung des Jasagers. Der Jasager lebt sein Ja in der Polarität von Leben und Tod, im Selbersein, im Miteinander, in der Öffnung für das Größere, in den Wechselfällen des Lebens, im Feiern und im Üben. Es wird beschrieben, wie der Jasager in diesen sieben Bereichen seinen Zugang zum großen Ja des Seins findet. Der Jasager übt sich darin, sich selber und seinen Ort im großen Wirken des geheimnisvollen, überraschenden Gottes anzunehmen. Der Jasager erfreut sich an der Fülle des Irdischen, so wie es für ihn in jedem Moment erfahrbar ist. Dem Jasager liegt daran, die Weisheit seines Herzens mit dem Denken in Einklang zu bringen.
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Seitenzahl: 76
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Der Jasager verbindet sich in seinem Herzen und seiner gesamten Vitalkraft mit dem spielenden Kind.
Er hat Lust, schöpferisch zu sein.
Das Motto: Einfach Ja
Polarität
Selber-Sein
Miteinander
Im Größeren
Wechselfälle
Eselsfeste
Üben
Der Knoten ist geplatzt. Wie entfesselt bewegen sie sie sich. Nichts kann sie aufhalten. Beflügelt tanzen sie auf dem Platz. Das ist jetzt keine Arbeit mehr, das ist ein Fest.
Fußball als ein Bild für die Feier des Lebens! Die spielerische, tanzende Bewegung versinnbildlicht das Lebensja. Das Lebensja, das nicht nur im Sport unerwartet und überraschend auftaucht. Bei aller Anstrengung und Routine, die wir aufbringen, um das Leben zu meistern, gibt es Momente, in denen wir unser Hineingenommensein in das Lebensja besonders intensiv spüren.
Der Jasager übt sich darin, das ihm begegnende Lebensja in sich wirken zu lassen. Der Jasager ist ein Haus von Wirksamkeiten des Ja. Das kleine, persönliche Ja des Jasagers ist Teil des großen, überspersönlichen Lebensja. Der Jasager weiß, dass das Lebensja nicht angepackt werden kann wie das Herstellen von Autos oder Computern. Das Lebensja zeigt sich erst dann, wenn wir offen dafür sind, mehr zu sein als Produzenten. Das Lebensja kann nicht wie ein Schild an die Tür geschraubt werden auf dem zu lesen ist: Hier ist das Lebensja! Nur ein Verbohrter oder ein Spaßvogel könnte so handeln. Das Lebensja kann nur erfahren werden wie ein fliegender Vogel oder eine sich dem Zugriff entziehende Schlange. Der Jasager macht die scheinbar eigentümliche Erfahrung, dass Vogel und Schlange und noch viel mehr in ihm leben.
Der Jasager ist kein schleimiger Anpasser oder Duckmäuser. Er ist jemand, der den Mut hat, die spirituelle Scham zu überwinden, die nur heimlich und allenfalls in nächtlichen Träumen das Ja erahnt. Der Jasager erfährt, dass er letztlich nicht überlegen kann, ob er vielleicht Ja sagen möchte. Er merkt, dass solch eine Überlegung dazu beiträgt, die Offenheit für das Wirken des Jas zu verspielen. Die Leidenschaft des Jasagers möchte alle Zellen seines Körpers ergreifen.
Jasagen geschieht immer ganz individuell. Es kommt von Herzen und aus den Gedärmen. Allerdings nicht kopflos! Das sinnende Denken ist eine große Kraft auf diesem Weg. Der Jasager ist unterwegs. Er überquert viele Brücken. Er ringt, sucht und findet.
In einem Logbuch wird in der Schifffahrt aufgezeichnet, welche Vorkommnisse auf einer Route von Bedeutung sind. Ein Logbuch hilft, den Fahrtweg sicher zu meistern. Die vorliegende Schrift ist ein Logbuch für Jasager. Dieses Logbuch ist auch ein Lockbuch. Ein Buch, das locken, also einladen möchte.
Jedes Finden des Lebensja macht den Jasager glücklich. Gleichzeitig bleibt er offen für neue, überraschende Erfahrungen. Das gilt besonders für gestandene Jasager. Die Reise von Jasagern ist niemals abgeschlossen.
Im Folgenden geht es um sieben Bereiche, in denen auf jeweils unterschiedliche Weise das Ja zum Ja erfahren werden kann.
Das
Ja zum Leben
entfaltet seine kräftige Wirkung in der Polarität von Sein und Nichtsein. In der Spannung von Stirb und Werde erfährt der Jasager die Übermacht des Ja zum Leben.
Das
Ja zum Selber-Sein
offenbart verschiedene persönliche Gesichter. Im Hören nach Innen kann für den Jasager das Ja zum persönlichen, einzigartigen Geschick hervortreten.
Das
Ja im Miteinander
ist für den Jasager eine große Bereicherung. Er findet eine Balance zwischen dem „Eremiten“ und dem „geselligen“ Wesen. Der Jasager nimmt dankbar an, was ihm im gemeinsamen Schwingen an Öffnung für das Ja geschenkt wird.
Im
Ja zum Sein im Größeren
ereignet sich die Verbundenheit mit dem, was uns trägt. Eine Einladung für die Offenheit des Seins mit allem, was sich göttlich und engelhaft ereignen möchte. Im Jetzt. Alle Zellen des Jasagers öffnen sich dafür.
Wechselfälle fordern unser
Ja zum Wandel
heraus. An ihnen lernen Jasager, dass das Sein immer in Bewegung ist.
Eselsfeste sind dazu da, um Lust und Freude zu bejahen. Sie sind die Motoren des Seins. Jasager sind meisterlich in der Hingabe an das
Ja zu Lust und Freude.
Das
Ja zum Üben
lädt ein, immer wieder bewusst ja zu sagen. Freude, Güte, Humor und Liebe können sich im Jasager wie von alleine entfalten.
Der Jasager bewegt sich auf einem über dem Abgrund gespanntem Seil. Achtsam setzt er einen Fuß vor den anderen. Jeder Schritt hat mit Beginn, Vorübergehen und Ende seine eigene Form und Zeit.
Der geübte Lebensakrobat bewegt sich mit scheinbarer Leichtigkeit. Auf seinem Gesicht meistens ein Lächeln. Die Stimmung heiter.
Er scheint schwindelfrei. Hat er Angst? Zu sehen ist sie nicht. Mancher, der zu ihm schaut, erblickt eher einen Bodenturner als einen Seilartisten. Der geübte Akrobat wirkt wie ein Unverletzlicher. Doch, das täuscht. Auch er hat seine Achillesferse. Eines Tages wird er fallen.
Der Jasager speichert alle artistischen Schritte in seinem Gehirn. So kann seine Kunst immer vollkommener werden.
Er freut sich.
„Fest auf dem Boden musst Du stehen“, hört der Jasager die soliden Menschen sagen. „Bodenhaftung nicht verlieren! Du sollst nicht abheben!“ Ein fester Grund verspricht Sicherheit. Was für eine Sicherheit? Für einen, der mit dem Gefühl lebt, auf dem Seil zu balancieren, ist Sicherheit ein trügerisches Versprechen.
Der Jasager weiß, dass jeder Schritt, jede Bewegung, jedes Wort, jedes Lachen und Weinen die letzte Lebensäußerung sein kann. Manchmal entgleitet ihm dieses Wissen.
Der Jasager spürt, dass es ihn verändert, wenn er merkt, dass sein Leben in der Spannung zur eigenen Aufhebung verströmt.
Der Jasager hält inne. Seine Anspannung steigt. Er ist wachsam wie eine Wildkatze, die nachts durch den Busch schleicht. Das Leben ist aufregend.
Der Puls beschleunigt sich.
Solange das Leben nicht in seiner Polarität von Sein und Nichtsein geschaut wird, ist es voller unzähliger Möglichkeiten. Unbegrenzt. Ewig. Das Leben hat einen unendlich weiten Horizont. Es schenkt aus einem unerschöpflichen Krug, der mit allerbestem Wein gefüllt ist. Der Blick nach vorne eröffnet eine immerwährende Zukunft. Das Leben ist wie ein sich selbst überbietender Superlativ. Eine beflügelnde Feier.
Sorglos kann sein, wer seine Endlichkeit ignoriert. Jedes Nicht-Gelingen ist kein Zeitverlust.
Verlieren gibt es nicht. Einfach eine neue Chance ergreifen. Das ist absolut selbstverständlich. Die jugendliche Lebensenergie trägt das Motto: The winner takes it all.
Der Jasager hat gekostet von der traumhaften Götterspeise der niemals endenden Chance. Sein Gaumen erinnert sie. Ihm verlangt danach. Dieses Begehren lässt ihn aufrecht gehen, den Blick nach vorne.
Er spürt das Verlangen nach glücklicher Größe.
Die Gruben der Anderen konfrontieren den Jasager im Laufe seines Lebens mit seiner Endlichkeit. Es braucht etliche Gruben, bis die Erkenntnis der Polarität von Sein und Nichtsein zu einem Aufwachen führt.
Siddhartha, so wird erzählt, wurde ferngehalten von den Gruben der Anderen. Er erlebt Kindheit, Jugend und Beginn des Erwachsenseins wie in einem Paradies. Er konfrontiert sich jedoch mit der Realität außerhalb seines heilen Biotops. Er ist tief erschüttert über den Anblick vom Tod und seinen Verwandten Alter, Krankheit und Schmerz. Buddhas Weg beginnt mit dem Anblick der Gruben der Anderen.
Der gefühlte Gedanke, dass die Grubenerfahrung nicht nur Andere, sondern auch ihn selbst treffen wird, wühlt den Jasager auf.
Seine Gedanken flattern wie ein Vogel, der seine Orientierung zurückgewinnen will.
Sterben findet der Jasager wenig attraktiv.
Ihm sträuben sich alle Nackenhaare, wenn er daran denkt, dass es eines Tages heißt: „Das war es. Weitere Chancen gibt es nicht. Du kannst nichts mehr tun.“ Nicht nur das Leben ist ihm unverzichtbar, sondern auch das Gefühl, selber zu bestimmen, wo es lang geht.
Den Jasager beunruhigt der Gedanke, dass er entscheidet, ob er sein Leben weiter leben oder beenden will. „Ist die Selbsttötung nun Freiheit oder Feigheit?“, fragt er sich des Öfteren.
In dunklen Stunden revoltiert der Jasager: „Wenn ich schon nicht sicher weiß, wie ich in diese Welt gekommen bin, so will ich doch wissen, wie ich hinauskomme. Und: Dann lebt er weiter.
Kämpferisch wie ein Prometheus fühlt er sich.
Heroismus kennen nur denkende Sterbliche. Nur sie können ein Risiko eingehen, alles unwiederbringlich zu verlieren. Nur sie können von dem Gedanken ergriffen werden, dass es keine neue Chance für sie gibt. „Also, ihr Götter, wirklichen Mut können nur Sterbliche unter Beweis stellen!“, ruft der Jasager. Dieser pathetische Heroismus frischt ihn auf. Seine Muskeln spannen sich an. Er sucht Aufgaben, die ihn herausfordern. Unvermeidlich ist es für ihn, an all die Krieger zu denken, die sich als Helden beweisen. Alle ihre Chancen werfen sie in die Waagschale des unbekannten Schicksals. Nach einer Weile dämmert ihm, dass er wahrscheinlich kein Hektor oder Achill ist. Er zweifelt an der Lebensbejahung der Kriegshelden. Sie scheinen ihm eher Verbündete des Todes zu sein. Sind solche Krieger nicht verkappte Selbsttöter?
Fragend und suchend läuft der Jasager durch die Straßen.
Kann ich wirklich frei Ja und Nein sagen? Das Ja zum Leben ist schon gesprochen. Geboren bin ich. Ich bin da. Die Pflanze ist gepflanzt. Das Menschentier mit den göttlichen Träumen lebt. Auch in diesem Moment. Das Ja zu diesem Leben ist bereits vollzogen. Der Jasager überlegt: Ich kann versuchen, dieses Ja zu stoppen. Ich kann mich dagegen wehren. Er wird durchgeschüttelt von der Kraft des Ja. Blitzartig wird ihm klar:
