Der italienische Verführer - Helen Bianchin - E-Book

Der italienische Verführer E-Book

Helen Bianchin

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Beschreibung

Nie wieder Liebe! Das hat Maggie sich nach einer Enttäuschung geschworen. Doch ihr Vorsatz gerät ins Wanken, als sie in Italien Alessandro del Marco kennenlernt. Der geborene Verführer, der weiß, was er will - nämlich sie …

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IMPRESSUM

Der italienische Verführer erscheint in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH, Hamburg

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Katja Berger, Jürgen WelteLeitung:Miran Bilic (v. i. S. d. P.)Produktion:Christina SeegerGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2011 by Helen Bianchin Originaltitel: „Alessandro’s Prize“ erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe JULIA EXTRA, Band 340 Übersetzung: Elke Schuller-Wannagat

Umschlagsmotive: GettyImages / Jeremy Maude, kunst-mp

Veröffentlicht im ePub Format in 08/2021

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783751519908

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BACCARA, BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

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1. KAPITEL

Alessandro parkte seinen Sportwagen neben der eindrucksvollen Villa am Comer See, die seinem väterlichen Freund und Gönner Giuseppe dalla Silvestri gehört hatte. Seit dessen Tod lebte seine Witwe Sophia – vom Personal abgesehen – allein hier und widmete sich hingebungsvoll karitativen Aufgaben. Ganz besonders lag ihr dabei das Wohlergehen von Kindern am Herzen. Sie und Giuseppe hatten keine gehabt.

Dankbar dachte Alessandro an Giuseppe, der ihn vor Jahren in den Straßen Mailands sozusagen aufgelesen hatte. Seine leibliche Mutter hatte ihn lieblosen Pflegeltern überlassen, die sich um ihn kaum kümmerten. Das Jugendamt hatte es auch nicht getan. So hatte er lernen müssen, selbst für sich zu sorgen. Glücklicherweise war er gewitzt und flink genug gewesen, um sich in dem nicht ganz ungefährlichen Milieu zu behaupten.

Zu Giuseppe hatte er nur allmählich und widerstrebend Vertrauen gefasst. Der erkannte sein Talent für alles, was mit Computern zusammenhing und lenkte es in legale Bahnen. Er sorgte für seine Ausbildung, und nach dem Studienabschluss stellte er ihn in seiner Firma ein.

Nachdem Alessandro die Tricks und Kniffe des Geschäfts gelernt hatte, gründete er, mit Giuseppes finanzieller Unterstützung, seine eigene Firma ‚Del Marco Industries‘. Die erwies sich als Goldgrube und erlaubte ihm ein äußerst luxuriöses Leben.

Er besaß eine Villa in den Bergen am Comer See, ein Apartment in Mailand sowie diverse Immobilien in verschiedenen Metropolen der Welt. Außerdem gehörten ihm ein Privatjet und eine kleine Flotte teurer Autos. Ja, er hatte es wahrlich zu einem beachtlichen Reichtum gebracht.

Ein angenehmer Nebeneffekt davon war, dass sich die schönsten Frauen buchstäblich um ihn rissen. Trotzdem hatte es noch keine geschafft, ihn länger als ein paar Wochen emotional zu binden.

War er gleichgültig geworden? Vielleicht. Nicht, dass ihn Frauen wirklich langweilten, aber er war es doch ein bisschen leid, wie sehr sie sich um ihn bemühten. Sie spielten ihm etwas vor, von dem sie glaubten, es würde ihm gefallen. Sie waren schöne und charmante Begleiterinnen, vorzeigbar, intelligent, perfekt anzusehen … und doch nur Schauspielerinnen auf der Bühne des Lebens.

Seine Jugendjahre hatten ihn hart und misstrauisch gemacht. Wenn sein Gegenüber die Hand aus der Tasche zog, hatte er sich immer fragen müssen, ob darin ein Messer oder einige Münzen für ihn bereitgehalten wurden.

Er hatte stets um alles kämpfen müssen. Verlieren kam dabei nicht infrage.

Giuseppe hatte er es zu verdanken, dass er nun ein erfolgreicher Geschäftsmann war. Sophia hatte ihm gesellschaftlichen Schliff verpasst. Sie hatte ihn geduldig und liebevoll angeleitet, und sie war ihm ein echtes Vorbild gewesen.

Diesen beiden großartigen Menschen, die ihn unter ihre Fittiche genommen hatten, verdankte er außerdem sein gesundes Selbstbewusstsein. Er wusste jetzt, dass er anderen völlig ebenbürtig war. Wie Giuseppe ihm geraten hatte, vergaß er nicht, woher er stammte und maß daran ab, wie weit er es im Leben gebracht hatte.

Ich schulde den beiden unendlich viel, auch wenn sie es immer abgestritten haben, dachte Alessandro dankbar. Giuseppe hatte ihm den Vater ersetzt, und Sophia … Für sie würde er alles tun, worum sie ihn bat.

Zu einem Abendessen zu erscheinen, um ihre Nichte aus Australien willkommen zu heißen, war da wirklich nur eine Kleinigkeit! Vor allem, da er Maggie Parisi von einem früheren Besuch her kannte, als sie Giuseppe und Sophia mit ihren Eltern zusammen besucht hatte.

Sie war ein eher ernsthaftes junges Mädchen mit schokoladenbraunen Augen und dunklen Haaren gewesen, die sie meistens zu einem dicken Zopf geflochten hatte. Ihr Lächeln und ihre Natürlichkeit waren bezaubernd gewesen, und es hatte sie noch liebenswerter gemacht, dass sie sich ihrer Vorzüge nicht bewusst zu sein schien.

Inzwischen hatte sie sich natürlich verändert, wie er von den Fotos her wusste, die Sophia ihm gelegentlich gezeigt hatte. Maggie hatte viel Schweres durchgemacht. Als ihre Eltern einige Jahre zuvor bei einem Unfall ums Leben gekommen waren, hatte sie deren gut gehendes Restaurant übernehmen müssen … und es erfolgreich weitergeführt. Dann hatte sie sich verlobt, allerdings war die Hochzeit kurz vor dem Trauungstermin plötzlich abgesagt worden.

Voller Mitgefühl hatte Sophia ihre Nichte eingeladen, sie in Italien zu besuchen, so lange sie wolle. Maggie hatte dankend angenommen.

Nun war sie also hier, und das sollte mit einer kleinen Party gefeiert werden.

Alessandro stieg aus und atmete tief die klare Abendluft ein. Er mochte den späten Februar, wenn sich in die Frische des Winters eine Ahnung des kommenden Frühlings mischte.

Da es leider nach Regen aussah, beeilte er sich, zur Tür zu gelangen, einem prachtvollen Stück aus reich geschnitzter Eiche.

Kaum hatte er geklingelt, schwangen die Flügel auf. Dahinter stand Carlo, Sophias treuer Gehilfe. Das hieß, er war zugleich Butler, Sekretär, Chauffeur und überhaupt Mann für alles. Auch er verdankte ihr so viel, dass er bereit war, alles für sie zu tun. Niemand hätte ihr auch nur ein Haar krümmen dürfen, ohne es mit ihm zu tun zu bekommen.

„Guten Abend, Alessandro“, grüßte er. „Schön, dich zu sehen.“

Da sie ungefähr gleich alt waren, nämlich Ende Dreißig, sich seit Jahren kannten und bis zu einem gewissen Grad dieselben Erfahrungen gemacht hatten, waren sie Freunde, oder zumindest gute Bekannte. Sie schüttelten sich herzlich die Hände.

„Hallo, Carlo! Wie geht es Sophia?“

„Gut. Sie ist glücklich über Maggies Besuch. Die Gäste sind im Salon. Du findest ja allein hin, oder?“

„Dumme Frage!“, erwiderte Alessandro gut gelaunt.

Immerhin hatte er das prachtvolle Haus – das diskret und geschmackvoll Zeugnis von Giuseppes Reichtum ablegte – einige Jahre lang sein Zuhause nennen dürfen. Hier hatte er gelernt, das Beste aus sich und seinen Fähigkeiten zu machen und, dank Giuseppe und Sophia, den Grundstein für seinen Erfolg gelegt.

Nun ging er durch die großzügige Eingangshalle mit dem Marmorboden und dem kostbaren alten Kronleuchter, an deren Ende eine Doppeltreppe in elegantem Bogen in den ersten Stock führte.

„Alessandro! Da bist du ja.“ Sophia kam ihm lächelnd entgegen.

Er legte ihr die Hände auf die Schultern und küsste sie auf die Wangen. „Geht es dir gut?“, erkundigte er sich liebevoll.

„Natürlich! Wie lieb von dir, heute Abend zum Essen zu kommen.“

„Du hast doch nicht etwa geglaubt, ich würde die Einladung ausschlagen, oder?“

„Nein, nein“, beruhigte sie ihn und hakte ihn unter. „Und nun komm. Die anderen sind schon da.“

Es waren sechs Gäste, die er alle kannte. Alessandro begrüßte sie, dann führte Sophia ihn zu einer zierlichen jungen Frau mit dunklem Haar, schokoladenbraunen Augen und golden schimmernder Haut.

Sie war nicht klassisch schön, aber sehr attraktiv. Vor allem besaß sie eine ganz eigene Ausstrahlung, die sie noch anziehender machte. Man merkte ihr sofort an, dass sie Charakterstärke besaß, und das war etwas, was er zutiefst bewunderte.

„Guten Abend, Maggie“, begrüßte er sie und küsste auch sie auf beide Wangen.

Einen Augenblick lang verspannte sie sich spürbar. Dann fing sie sich wieder.

„Guten Abend, Alessandro“, erwiderte sie und lächelte höflich.

Wie kühl und beherrscht sie ist, dachte er. Unwillkürlich fragte er sich, was er tun musste, um sie leidenschaftlich zu erleben … Nein, das waren dumme Gedanken! Maggie war Sophias Nichte und somit fast auch seine Verwandte.

Trotzdem brachte sie etwas in ihm zum Klingen, und er hätte gern herausgefunden, woran das lag. Es faszinierte ihn, dass er sie auf den ersten Blick hin erotisch anziehend fand und versucht war, ihre vollen Lippen zu küssen. Das ging ihm nur noch selten so, wenn er eine Frau traf. Nur gehörte diese hier praktisch zu seiner Familie …

„Gefällt es dir hier bei Sophia?“, erkundigte Alessandro sich.

Nicht nur, um zu plaudern. Es interessierte ihn wirklich. Und er wollte sie länger neben sich haben, denn ihr Parfüm reizte seine Sinne. Es war ein zugleich holzig würziger und subtil blumiger Duft, schwer zu beschreiben … und schwer zu vergessen. Aber zum Glück nicht schwer im eigentlichen Sinn.

Am liebsten hätte er sich näher zu ihr geneigt, um herauszufinden, ob sie es nur auf den Hals und die Handgelenke getupft oder es als Lotion auf dem ganzen Körper verteilt hatte.

„Meine Tante ist wirklich sehr großzügig“, antwortete Maggie unverbindlich.

„Ja, dafür ist sie bekannt. Dein Besuch wird ihr viel Freude machen“, versicherte er ihr.

Sie lächelte leicht, und in ihrer Wange erschien ein Grübchen. „Bitte, fühl dich nicht zu höflicher Konversation mit mir verpflichtet.“

„Du glaubst, ich wäre bloß höflich, Maggie?“

„Etwa nicht?“ Das klang herausfordernd.

„Nein!“

„Warum bloß kann ich dir das nur schwer glauben?“, überlegte sie laut.

Er zog spöttisch die Brauen hoch. „Vielleicht, weil es dir an genügend Selbstbewusstsein fehlt?“

Das könnte momentan stimmen, dachte Maggie und ermahnte sich, nicht in Selbstmitleid zu versinken.

Erst vor drei Tagen war sie in Mailand gelandet, der Heimatstadt ihrer Eltern, um sich von ihrer jüngsten persönlichen Katastrophe zu erholen. Die Eltern durch einen Autounfall zu verlieren war ein schrecklicher Schock gewesen. Drei Jahre waren seither vergangen. Mit der Zeit hatte sie gelernt, mit dem Verlust zu leben. Die Arbeit hatte ihr dabei geholfen. Es war ihr Lebensinhalt geworden, das Familienrestaurant namens Parisi in Sydney erfolgreich weiterzuführen. Als ausgebildete Köchin mit Lehrjahren bei diversen berühmten Küchenchefs in Europa war sie dafür bestens geeignet.

Vor einem Jahr hatte sie dann James kennengelernt und sich in ihn verliebt. Seinen Heiratsantrag hatte sie beglückt angenommen. Sie hatte den großen Tag bereits festgelegt und bis in die Einzelheiten geplant, als ihr Traum wie ein Kartenhaus einstürzte. Zwei Wochen vor dem Trauungstermin kam sie früher als erwartet und unangemeldet nach Hause, wo sie James mit einer sexy Blondine im Bett erwischte. Er gab zu, mit der Frau schon seit Längerem eine Affäre zu haben.

Noch immer dachte Maggie mit einer gewissen Befriedigung an das verdutzte Gesicht, das er gemacht hatte, als sie ihn kurzerhand hinauswarf und ihm den Koffer vor die Tür stellte. Den Verlobungsring schickte sie ihm per Kurier zurück.

Es war wirklich lieb von ihrer Tante gewesen, sie prompt hierher nach Italien einzuladen, sobald sie diese benachrichtigt hatte, dass die Hochzeit abgesagt war! Auch wenn sie sich nur selten gesehen hatten, weil die Entfernung zwischen Sydney und Mailand doch ein bisschen sehr groß war, verstand sie sich mit Sophia großartig.

Die Einladung hatte Maggie mit Freuden angenommen. Für das Restaurant hatte sie einen zuverlässigen Stellvertreter gefunden, ihr Apartment hatte sie untervermietet. Dann hatte sie die Koffer gepackt und war an den Comer See gereist.

Die prachtvolle Villa, eingebettet in die herrliche Landschaft, war ein wunderbarer Zufluchtsort, und Sophias liebevolle Fürsorge tat ein Übriges, den Kummer über James und seinen Verrat zu lindern.

Drei Tage hatten genügt, um sich von der Reise und dem Jetlag zu erholen. Deshalb fand heute die Begrüßungsparty statt. Dazu hatte Sophia einige alte Freunde eingeladen, die Maggie von ihrem Besuch von vor zehn Jahren her kannte.

Vor allem an Alessandro erinnerte sie sich noch genau. Als Teenager war sie sehr beeindruckt von ihm gewesen. Sie fand seine schwarzen Haare und die dunklen Augen äußerst attraktiv, außerdem besaß er eine sinnliche Ausstrahlung, die sie trotz ihrer Unerfahrenheit spürte.

Seine wilden Jugendjahre machten ihn erst recht interessant. Er wirkte trotz seiner guten Umgangsformen irgendwie ungezähmt und wild. Wie Edelstahl, der unter der polierten Oberfläche hart und unnachgiebig war.

Ja, sie war von ihm fasziniert gewesen und hatte sich mehr als ein Mal ausgemalt, wie es wäre, seine Lippen auf ihren zu spüren.

Und nicht nur dort …

Ob er das gewusst hat? fragte Maggie sich nun.

Hoffentlich nicht!

„Hast du schon Pläne gemacht?“, erkundigte Alessandro sich nun.

„Außer dem, Sophias Gastfreundschaft zu genießen?“, hakte sie nach.

„Ja.“

„Ich habe tatsächlich daran gedacht, länger hier zu bleiben“, gestand sie. „Mir ein Apartment in der Stadt zu mieten und in einem Restaurant zu arbeiten.“

„Im Ernst?“

„Ja.“ Einige Monate, vielleicht ein Jahr im Ausland würden ihr neue Perspektiven verschaffen.

Um ihr Lokal in Sydney und um ihre finanzielle Lage brauchte sie sich keine Sorgen zu machen. Sie war also frei, etwa Neues auszuprobieren. Womöglich hielt das Leben doch noch etwas Schönes für sie bereit.

Abgesehen von einer Ehe, denn ihr Vertrauen in die Männer hatte einen herben Schlag erlitten.

Ansonsten war es Zeit für Veränderungen.

„Möchtest du noch einen Aperitif?“, fragte Alessandro höflich.

„Nein danke. Zum Essen gibt es ja noch Wein.“

„Aha, und du willst einen klaren Kopf behalten.“

„Richtig.“ Maggie lächelte zurückhaltend.

Doch auch mit einem klaren Kopf, wusste Maggie, konnte man leicht sein Herz verlieren …

Beim Essen saß sie Alessandro gegenüber, was sie nicht nur von den köstlichen Speisen ablenkte, sondern auch von den Gesprächen bei Tisch. Das Einzige, das sie überdeutlich wahrnahm, war seine unmittelbare Nähe.

„Sie werden Sophia also nächste Woche begleiten“, sagte die Frau, die neben Alessandro saß.

„Ja, gern. Ich freue mich schon drauf“, antwortete Maggie ins Blaue hinein, denn sie hatte keine Ahnung, worum es ging.

„Die Fashion Week in Mailand ist ja auch ein großartiges Ereignis“, meinte Alessandro und sah sie leicht belustigt an. „Sophia hat für einige Modeschauen Karten in der ersten Reihe ergattert.“

Hatte er gemerkt, dass sie in Gedanken ganz woanders gewesen war?

„Oh, toll!“, sagte sie, ehrlich begeistert und dankbar, dass er ihr aus der Patsche geholfen hatte. „Was könnte es für einen Modefan wie mich Schöneres geben?“

„Gutes Essen vielleicht?“, vermutete Alessandros Nachbarin humorvoll. „Ich habe gehört, Sie haben ein eigenes Restaurant.“

„Ja, es gehörte meinen Eltern, und ich habe von klein auf in der Küche helfen dürfen. Schon als Kind wollte ich unbedingt Köchin werden, besser gesagt, Küchenchefin.“

„Wo haben Sie Ihre Ausbildung gemacht, Signorina Parisi?“

„Zuerst in Rom, dann in Paris“, antwortete Maggie bereitwillig.

Ach, das waren herrliche Zeiten gewesen! Sie hatte nicht nur Kochen gelernt, sondern auch Italienisch und Französisch fließend zu sprechen. Während ihrer Studienjahre hatte sie als „zahlender Gast“ bei Familien gelebt und von ihren Vermieterinnen mindesten ebenso viele wertvolle Kochtipps erhalten wie von ihren Lehrern.

„Und dann sind Sie zurück nach Australien gegangen“, bemerkte ein anderer Gast.

„Ja, weil doch meine Eltern dort waren“, berichtete sie. „Und meine Freunde. Es ist schließlich meine Heimat.“

Außerdem hatte sie vor, ihre Eltern im Restaurant zu unterstützen, das einen ausgezeichneten Ruf genoss, für den sie sehr hart gearbeitet hatten.

Seit es ihr nun allein gehörte, hatte sie nur wenig verändert. Die Speisekarte wurde natürlich jede Saison neu gestaltet, auch die Einrichtung war ein bisschen modernisiert worden, aber ansonsten war alles so geblieben, wie die treuen Kunden es schätzten.

Es gab ausgezeichnetes Essen in einem angenehmen Ambiente, freundliches Personal und war nicht übertrieben teuer.

Noch vor einem Jahr hatte sie sich ihre Zukunft in den schönsten Farben ausgemalt: Sie liebte ihren Beruf, ihr Lokal – und James.

Zum Glück hatte sie rechtzeitig entdeckt, dass er ihr nicht treu war!

Maggie schauderte, wenn sie daran dachte, wie knapp sie einer Katastrophe entronnen war. Und sie war wütend auf sich, weil sie nicht gleich erkannt hatte, was für ein Mensch James wirklich war. Seine guten Eigenschaften waren nur Fassade gewesen! Und sie war darauf hereingefallen.

„Jetzt sind sie also wieder zurück in Italien“, meinte Alessandros Nachbarin. „Sophia wird begeistert sein, mit Ihnen shoppen zu gehen und Ihnen unsere schöne Stadt zu zeigen.“

Die Bemerkung riss Maggie aus ihren trüben Gedanken. „Ich freue mich auch schon darauf“, erwiderte sie höflich.

Alessandro betrachtete sie aufmerksam. Ob er ahnte, woran sie gerade gedacht hatte? Das wäre ihr gar nicht recht! Aber warum eigentlich nicht?

Das konnte sie selber nicht sagen.

Jedenfalls gefiel es ihr nicht, dass sie seine Blicke förmlich spüren konnte. Nach dem Fiasko mit James wollte sie nur noch ihre Ruhe. Vor allem vor Männern.

Ganz besonders vor Männern wie Alessandro del Marco, der das Gegenteil von Ruhe verhieß!

Allerdings betrachtete Sophia ihn beinahe wie einen Sohn, was sicher bedeutete, dass sie ihn häufiger einlud. Es würde also gemeinsame Unternehmungen geben, aber das ließ sich nun mal nicht vermeiden.

Maggie seufzte insgeheim. Es wird schon gut gehen, redete sie sich ein.

Sie hatte sich ja fest vorgenommen, einen klaren Kopf zu behalten! Das konnte doch nicht so schwierig sein, oder?

Der Abend verlief weiterhin sehr angenehm, und schließlich verabschiedeten sich die Gäste.

Alessandro ging als Letzter. „Danke für den schönen Abend und das hervorragende Essen, Sophia“, sagte er freundlich und küsste sie auf beide Wangen.

Dann wandte er sich Maggie zu und wollte sich auf dieselbe Weise von ihr verabschieden, doch sie drehte unwillkürlich leicht den Kopf beiseite, und seine Lippen trafen ihre.

Nur ganz flüchtig, aber es genügte, um ihr Herz schneller schlagen zu lassen.

Und was noch schlimmer war: Sie wünschte sich mehr als diese leichte Berührung!

Hitze durchströmte sie, während sie hastig einen Schritt zurücktrat. Beinah wäre sie gestolpert, da sie mörderisch hohe Absätze trug, und sie musste sich an Alessandro festhalten, um das Gleichgewicht zu bewahren.

Zumindest das äußere …

„Alles in Ordnung?“, erkundigte Sophia sich besorgt.

„Aber ja“, versicherte Maggie.

Das war gelogen, denn sie fand es gar nicht in Ordnung, wie ihr Puls zu rasen und ihre Haut zu prickeln begann.

Ich wollte doch nicht mehr so auf einen Mann reagieren, dachte Maggie, insgeheim stöhnend.

Schon gar nicht auf Alessandro del Marco.

Sie mochte ihn ja nicht einmal!

Falsch, sagte eine innere Stimme ihr, du hast bloß Angst davor, welche Gefühle er in dir wecken könnte.

Und das zu Recht, konterte Maggie. Sie war fest entschlossen, sich nicht mit Alessandro einzulassen.

Trotzdem hatte sie das unangenehme Gefühl, ihr Aufenthalt in Mailand würde nicht so verlaufen, wie sie ihn plante.

2. KAPITEL

Der Tag, an dem Maggie mit ihrer Tante die Modenschauen besuchen wollte, war regnerisch und kalt. Sie zog schwarze Leggings, schwarze Stiefeletten und ein elegantes, sehr kurzes schwarzes Strickkleid an. Um die Schultern legte sie sich einen leuchtend roten Kaschmirschal, zum einen als Farbtupfer, zum anderen, um sich warm zu halten.

In den späten Wintermonaten war es hier in Norditalien empfindlich kalt, ganz anders als in Maggies australischer Heimat, wo gerade Sommer war.

Sophia hatte ihr gesagt, dass sie nach der Schau zu einer Party gehen und dann in Alessandros Apartment übernachten würden, weil sie ja am nächsten Tag in der Stadt shoppen wollten.

Maggie wusste nicht, was überwog, die Freude aufs Einkaufen, oder die Bedenken, Alessandros Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen?

Dann ermahnte sie sich, nicht albern zu sein. Sophia würde ja auch in der Wohnung übernachten, und sie würden ihren Gastgeber wahrscheinlich nur beim Frühstück sehen, da er ein viel beschäftigter Mann war.

Außerdem ist er beinahe so etwas wie dein Cousin, also besteht kein Grund zur Besorgnis, sagte Maggie sich und begann, ihren kleinen Koffer zu packen. Für die Party wählte sie eine elegante rote Seidenhose mit dazu passendem Top, schwarze High Heels und eine schwarze Abendtasche.

Dann fehlten nur noch ein Pyjama und diverse Kosmetikartikel, und sie war bereit zum Aufbruch.

Carlo, der ja auch als Chauffeur fungierte, fuhr sie in einer bequemen Limousine in die Stadt. Auf den Straßen herrschte das typisch italienische Verkehrschaos, und Maggie war froh, nicht selber fahren zu müssen.

„Da sind wir ja schon“, verkündete Sophia erfreut als das Auto anhielt. Ein roter Teppich, von einer Markise überdeckt, führte in ein nobles Gebäude.

Sofort stürmten die Pressefotografen heran und versuchten auszumachen, wer sich im Auto befand. Blitzlichter zuckten.