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»Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wichtigste ist für die Augen unsichtbar.« Im Jahr 1942 kritzelte Antoine de Saint-Exupéry erste Entwürfe des kleinen Prinzen auf eine New Yorker Restaurantserviette. Später wurde seine magische und geheimnisvolle Geschichte zum Jahrhundertwerk, über 80 Millionen Mal verkauft und in 180 Sprachen übersetzt. Der König, dem die Sterne gehorchen, die widersprüchliche Blume, der gezähmte Fuchs und die Erkenntnis, dass Erwachsene seltsam sind: ›Der kleine Prinz‹ wurde poetisch und kunstvoll einfach vom brillanten Erzähler Peter Stamm ins Deutsche übertragen.
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Antoine de Saint-Exupéry
(Fischer Taschenbibliothek)
Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wichtigste ist für die Augen unsichtbar.
Im Jahr 1942 kritzelte Antoine de Saint-Exupéry erste Entwürfe des kleinen Prinzen auf eine New Yorker Restaurantserviette. Kurz darauf wurde seine magische und geheimnisvolle Geschichte zum Jahrhundertwerk, über 80 Millionen mal verkauft und in 180 Sprachen übersetzt.
Der König, dem die Sterne gehorchen, die widersprüchliche Blume, der gezähmte Fuchs und die Erkenntnis, dass Erwachsene seltsam sind: Der kleine Prinz wurde poetisch und kunstvoll einfach vom brillanten Erzähler Peter Stamm ins Deutsche übertragen.
Mit Zeichnungen von Antoine de Saint-Exupéry.
Weitere Informationen finden Sie auf www.fischerverlage.de
Antoine de Saint-Exupéry, geboren am 29. Juni 1900 in Lyon, entstammt einem alten französischen Adelsgeschlecht. Mit 21 Jahren trat er in den zivilen Luftdienst ein und emigrierte im Zweiten Weltkrieg in die USA. 1928 debütierte er mit dem Roman Südkurier, der wie die nachfolgenden Werke vor allem auf eigene Erlebnisse zurückgreift. Weltberühmt wurde Antoine de Saint-Exupéry durch Der kleine Prinz. Am 31. Juli 1944 wurde sein Flugzeug über dem Mittelmeer abgeschossen, von ihm blieb über 50 Jahre keine Spur.
Peter Stamm, geboren 1963, studierte einige Semester Anglistik, Psychologie und Psychopatho-logie und übte verschiedene Berufe aus, u. a. in Paris und New York. Er lebt in der Schweiz. Seit 1990 arbeitet er als freier Autor. Er schrieb mehr als ein Dutzend Hörspiele. Seit seinem Romandebüt Agnes 1998 erschienen vier weitere Romane, vier Erzählungssammlungen und ein Band mit Theaterstücken. Zuletzt erschienen der Roman Nacht ist der Tag und unter dem Titel Die Vertreibung aus dem Paradies seine Bamberger Poetikvorlesungen.
Weitere Informationen, auch zu E-Book-Ausgaben, finden Sie bei www.fischerverlage.de
Abbildung: Antoine de Saint-Exupéry
Erschienen bei FISCHER E-BOOKS
© S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main, Mai 2015
Die Originalausgabe erschien erstmals 1943 unter dem Titel Le Petit Prince bei Reynal&Hitchcock, New York
Für die Übersetzung:
© Peter Stamm 2015
Für diese Ausgabe:
© S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2015
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Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.
ISBN 978-3-10-403311-2
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Für Léon Werth
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
12. Kapitel
13. Kapitel
14. Kapitel
15. Kapitel
16. Kapitel
17. Kapitel
18. Kapitel
19. Kapitel
20. Kapitel
21. Kapitel
22. Kapitel
23. Kapitel
24. Kapitel
25. Kapitel
26. Kapitel
27. Kapitel
Für Léon Werth
Ich bitte alle Kinder um Verzeihung, dass ich dieses Buch einem Erwachsenen gewidmet habe. Es gibt dafür aber einen ernstzunehmenden Grund: Dieser Erwachsene ist mein bester Freund auf der ganzen Welt. Ich habe noch einen anderen Grund: Dieser Erwachsene versteht alles, sogar Kinderbücher. Und schließlich habe ich einen dritten Grund: Dieser Erwachsene lebt im von den Nazis besetzten Frankreich, wo er Hunger und Kälte leidet. Er hat es nötig, getröstet zu werden. Wenn all diese Entschuldigungen nicht reichen, dann widme ich das Buch dem Kind, das dieser Erwachsene einmal gewesen ist. Alle Erwachsenen waren ja einmal Kinder. (Aber die wenigsten wollen sich daran erinnern.) Ich korrigiere also meine Widmung:
Für Léon Werth,
als er ein kleiner Junge war.
Eaton’s Neck, Long Island, 1942
Antoine de Saint-Exupéry
Als ich sechs Jahre alt war, sah ich einmal ein wunderbares Bild in einem Buch über den Urwald, das »Erlebte Geschichten« hieß. Darauf war eine Boa zu sehen, eine Riesenschlange, die ein Raubtier verschlang. Hier eine Kopie jener Zeichnung:
Im Buch stand: »Boas verschlingen ihre Beute in einem Stück, ohne zu kauen. Danach können sie sich nicht mehr bewegen und schlafen sechs Monate lang, bis sie ihr Essen verdaut haben.«
Ich dachte danach oft über Abenteuer im Dschungel nach und machte mit einem Farbstift meine erste Zeichnung, meine Zeichnung Nr. 1. So sah sie aus:
Ich zeigte mein Meisterwerk den Erwachsenen und fragte sie, ob die Zeichnung ihnen Angst mache.
»Warum sollten wir uns vor einem Hut fürchten?«, sagten sie.
Meine Zeichnung zeigte aber keinen Hut, sie zeigte eine Boa, die einen Elefanten verdaute. Ich zeichnete dann das Innere der Schlange, damit die Erwachsenen es sehen konnten. Man muss ihnen immer alles erklären. Meine Zeichnung Nr. 2 sah so aus:
Die Erwachsenen sagten, ich solle aufhören, Zeichnungen von offenen und geschlossenen Boas zu machen und stattdessen Geographie, Geschichte, Rechnen und Grammatik lernen. So brach ich mit sechs Jahren eine großartige Karriere als Maler ab. Ich war entmutigt worden durch den Misserfolg meiner Zeichnung Nr. 1 und meiner Zeichnung Nr. 2. Die Erwachsenen verstehen nie etwas, und es ist für Kinder ermüdend, ihnen immer alles erklären zu müssen.
Ich musste mich also für einen anderen Beruf entscheiden und wählte den des Piloten. Ich bin seither so ziemlich überall auf der Welt herumgeflogen. Und meine Geographiekenntnisse haben mir dabei tatsächlich viel geholfen. Ich kann auf den ersten Blick China von Arizona unterscheiden. Das ist sehr praktisch, wenn man sich in der Nacht verflogen hat.
Ich traf in meinem Leben viele ernsthafte Leute. Ich wohnte oft bei Erwachsenen und konnte sie von sehr nah beobachten. Das hat mein Urteil über sie nicht gerade verbessert.
Wenn ich einen Erwachsenen getroffen habe, der mir einigermaßen schlau zu sein schien, machte ich mit ihm den Test mit meiner Zeichnung Nr. 1, die ich behalten hatte. Ich wollte herausfinden, ob er wirklich Verstand hatte. Aber jedesmal kam die Antwort: »Das ist ein Hut.« Also sagte ich nichts über Boas oder über den Urwald oder die Sterne. Stattdessen sprach ich mit dem Erwachsenen über Dinge, die er verstand, über Bridge, über Golf, über Politik und Krawatten. Und er war zufrieden, jemand so Vernünftigen wie mich kennengelernt zu haben …
So lebte ich lange allein, ohne mit irgendjemandem über die wirklich wichtigen Dinge reden zu können, bis ich vor sechs Jahren über der Wüste Sahara einen Motorschaden hatte und notlanden musste. Etwas in der Maschine war zerbrochen, und da ich keinen Mechaniker dabei hatte, versuchte ich, die schwierige Reparatur selbst hinzukriegen. Es ging um Leben und Tod. Ich hatte kaum genug Trinkwasser für eine Woche.
Als es Abend wurde, legte ich mich auf dem Boden schlafen, tausend Meilen vom nächsten Haus entfernt. Ich kam mir verlassener vor als ein Schiffbrüchiger, der auf einem Floß im Ozean treibt. Ihr könnt euch wohl vorstellen, wie verwundert ich war, als mich im Morgengrauen eine lustige, kleine Stimme weckte. Sie sagte:
»Bitte … zeichne mir ein Schaf!«
»Was?«
»Zeichne mir ein Schaf.«
Wie vom Blitz getroffen sprang ich auf die Beine. Ich rieb mir die Augen, da sah ich ein ganz außergewöhnliches kleines Männchen, das mich mit ernster Miene betrachtete.
Hier die beste Zeichnung, die mir später von ihm gelungen ist. Sie ist natürlich viel weniger entzückend als das Männchen selbst. Ich bin nicht schuld daran. Als ich sechs Jahre alt war, hatte man mir von der Kunst abgeraten, und ich hatte nie etwas anderes zeichnen gelernt als geschlossene und offene Boas.
Staunend schaute ich mir die Erscheinung an. Ihr dürft nicht vergessen, dass ich tausend Meilen von der nächsten Siedlung entfernt war. Und mein kleiner Mann sah nicht aus, als hätte er sich verlaufen. Er schien weder unter Hunger noch unter Durst zu leiden, weder müde zu sein noch Angst zu haben. Er sah nicht aus wie ein Kind, das sich in der Wüste verirrt hat. Als ich endlich die Sprache wiederfand, sagte ich:
»Was machst du hier?«
Er aber sagte noch einmal ganz leise, als sei es eine sehr wichtige Angelegenheit:
»Bitte … zeichne mir ein Schaf.«
