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"Kurt Klefisch! Ich habe meinen Namen nie gemocht. Weder den Vor- noch den Nachnamen. Schon in der Grundschule wussten alle, dass es zwar Goldfische gibt, aber keine Kleefische. Sie kreischten und feixten, nicht wissend, dass mein Nachname nur mit einem e geschrieben wird." In der Kurzgeschichten-Sammlung "Der letzte Augenblick der Idylle" erzählt Georg von Hammelstein treffend und mit viel Humor Geschehnisse aus dem Leben des Kurt Klefisch. Egal um welche Stadt es sich handelt, immer wieder landet Klefisch (selbst mit seinem zwei-jährigen Enkel), im Rotlichtbezirk. Bei einem Schachspiel um die Freundin seines Kollegen, hätte er diesen fast erschossen. An einem Heiligabend stiehlt er aus einem Polizeiwagen eine Dienstwaffe, die er Jahre später am "Bahnhof Zoo" verscherbeln will und dabei verhaftet wird. Kurt Klefisch, ein Mann, der aus dem Fenster knurrt und bellt, um das Fremdsprachen-korrespondentenfräulein von Gegenüber zu erschrecken – der einen Bettler bewundert und ihn zum Essen einladen will, und im Wasserstaub eines Rasensprengers ein erotisches Erlebnis träumt. Alle Geschichten sind ausgesprochen lebendig, komisch, manchmal auch absurd – aber immer literarisch. Carl-Friedrich Hinterhand
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Seitenzahl: 258
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Georg Von Hammelstein
Der letzte Augenblick der Idylle
(Kurt-Geschichten)
Das Hotel „Divani Caravel“S. 4
Der letzte Augenblick der IdylleS. 14
Die Geschichte von den PerlentaucherinnenS. 35
Die tief stehende SonneS. 42
Nachdem Kurts Vater, 50jährig, verstorben warS. 52
Du bist wahnsinnig gewordenS. 55
Es war HeiligabendS. 61
SilvestergedankenS. 69
GegenüberS. 83
Café MorgentauS. 106
Egal um welche Stadt es sich handeltS. 116
Die kurze Geschichte vom kleinen MannS. 132
Beim FriseurS. 145
In der NachtS. 177
An einem vorhersehbaren PunktS. 181
1960 sang Catharina ValenteS. 187
Notizen aus GeorgienS. 195
Drei ChansonsS. 227
hat 5 Sterne und wurde 1973 erbaut. Just in dem Jahr, in dem am 17. November die Militärjunta in Athen die städtische Beleuchtung ausschaltete und mit Panzern das Gelände des „Polytechnions“ erstürmte, auf dem sich Studenten in einem Proteststreik gegen die Militärdiktatur verschanzt hatten. 1973, auch das Jahr, in dem Kurt Klefisch am Stadttheater den „Romeo“ gab und ein fliegender Gyrosspieß sein Leben fast beendet hätte. Wie viele Menschen beim Aufstand am 17. November 1973 getötet wurden, ist nie völlig geklärt worden.
„Klassische Eleganz vergangener Tage kombiniert mit modernsten Annehmlichkeiten erwartet Sie im Divani Caravel Hotel, Mitglied der Leading Hotels of the World. Jedes Zimmer besticht mit klassischem Wohlfühlcharme. Genießen Sie erinnerungswürdige Gerichte im exquisiten Amalia Restaurant oder erleben Sie Entspannung pur im Wellnessbereich.“
So wirbt das „Divani“ im Internet und in Prospekten. Flankiert von einem Kofferträger betrat Kurt mit seinem Freund Werner die Eingangshalle des Hotels. Die Lounge erinnerte ihn an die ehemalige Empfangshalle des Flughafens Scheremetjewo. In beiden Hallen, in Athen wie auch in Moskau, stachen von der Decke fast nahtlos aneinander gefügte, faustbreite hohle Stahlzylinder unterschiedlicher Länge ins Auge des Betrachters. Aufmarschierte, entseelte schwarze Löcher. Eine stählerne Weizenfeldwoge. Wolf Biermann erinnerte die Decke von Scheremetjewo an die Essnäpfe der in Sibirien umgekommenen Deportierten. Ob in Athen und Moskau ein und derselbe Architekt am Werk war? Kurts Blick verlor sich in den zirka sechs Meter hohen und drei Meter breiten Lüster mit 10 000 verschiedenen, bis zu 30 Zentimeter langen Murano-Glas-Prismen aus gleichseitigen Dreiecken, der wie ein geometrischer Riesentropfen mit sechs kleineren Nebentropfen aus der Deckenkonstruktion herauswuchs. Die Vorstellung, dass dieses ungefähr 2,5 Tonnen wiegende Glasungeheuer auf ihn herunterfallen könnte, ließ ihn fünf Schritte nach links zu Seite gehen, heraus aus der möglichen Aufprallzone, und dann noch einmal sieben geradeaus, dachte er doch an die beim Aufschlag möglicherweise zerschellenden, wie Granatsplitter umherfliegenden Glasprismen. Ehe er dieses Szenario eines möglichen Lüsterabsturzes und die Konsequenzen weiterfantasieren konnte, forderte ihn sein Freund Werner zum Einchecken auf.
und die für Kurt allein. „Das wäre nicht nötig gewesen!“, hätte Werner im umgekehrten Fall gesagt. Aber so war er: immer großzügig. Auch wenn es für ihn eine Unbequemlichkeit bedeutete, zog er die Straßenbahn dem Taxi vor. Für seine Freunde jedoch war ihm nichts zu teuer. Und Kurt war sein Freund.
Der krumme Zimmerboy, eher ein Zimmergreis, mit von Sorgen und Alkohol zerfälteter Stirn stand da und scharrte mit den Füßen. Kurt gab ihm fünf Euro, damit er aufhöre. Er hörte auf. Mit seinen gichtigen Händen zupfte er noch einmal an der aufgeschlagenen Bettdecke und verschwand, sich mehrfach verbeugend, rückwärts aus dem Schlafraum, einen freundlichen Satz auf Griechisch hinterlassend, der unübersetzt im Raum schwebte und beim Schließen der Tür auf das Antilopenfell vor dem Bett fiel. Beide, Antilope wie Zimmergreis, hatten sicherlich schon bessere Zeiten gesehen; Zeiten, in denen die Antilope noch durch die Savanne strich und der heutige Zimmergreis, damals noch Boy, die Suite im Vorwärtsgang verließ.
Kurt ging zurück in den Wohnraum. Auf dem Boden vor dem flachen Tisch aus rohem, geöltem Holz lag ein schon etwas dünn getretenes, staubiges Zebrafell. Erschießt man Zebras, Antilopen, Löwen, Bären und andere Tiere deshalb, damit man ihnen das Fell über die Ohren zieht und Zuhause oder in Hotelsuiten den Fußboden damit schmückt und darauf herumtrampelt?
Alles in den Räumen war in verschiedenen Brauntönen gehalten. Die schwere Sesselgarnitur mit Sofa, deren Umrandungen aus einem sichtbar wertvollen, hellbraunen Holz bestanden, ließen das dunkle glatte Leder gut zur Wirkung kommen.. Bis auf die Seidentapeten war alles mehr oder weniger aus Leder. Die dunkelbraune Schreibmappe mit dem hellgelben Büttenpapier; die Kunstobjekte, scheinbar afrikanischen Ursprungs; selbst ein kleines genopptes Kästchen mit einem Schlitz, aus dem (weiße!) Tissues herausschauten. Auf einer Art Vestibül stand ein großes silbernes Tablett mit einer Schale voller Obst, daneben ein Sektkühler mit schwimmenden Eiswürfeln, einer Flasche Weißwein und Mineralwasser. An den zwei Trinkgläsern der besseren Qualität, die mit einer Abdeckung versehen waren, höchstwahrscheinlich damit sie nicht einstaubten, lehnte ein Willkommen-Schreiben. Davor zwei mittelgroße Teller mit Stoffservietten aus Damast, darauf zwei Obstmesser mit Bambusgriff. Zu erwähnen wären noch zwei Bäder (eins mit, eins ohne Badewanne) mit venezianischen Kacheln in grün, die in Hüfthöhe von einer weiß-grauen, ornamentierten Kachelleiste abgefangen wurden. Darüber setzte hellgelber, glatter Marmor ein. Kurt staunte. In solch einem Hotel war er noch nie abgestiegen. Aber es fröstelte ihn auch ein wenig. Das war nicht seine Preisklasse. Nicht, dass er Luxus nicht zu schätzen wusste, aber mit so viel Luxus wusste er nicht umzugehen. Im Gegensatz zu dem Globalplayer Werner, der bei seinen diversen Geschäftsreisen durch die ganze Welt überwiegend in solchen Hotels nächtigte und das als eine Selbstverständlichkeit empfand.
Kurt zog die schweren Vorhänge beiseite, sah die Akropolis und war enttäuscht. Obwohl sie vielleicht nur zwei Kilometer Luftlinie entfernt lag, kam sie ihm fast mickrig vor. Nicht wie auf Darstellungen des Malers Leo von Krenze, aus dem Jahr 1846, oder auf den diversen Ansichtskarten des vergangenen Jahrhunderts. In Kurts Augen eher einem Überraschungs-Ei entsprungen. So, als hätte vor zweieinhalbtausend Jahren das Kind eines Riesen die Überraschung aus dem Ei enttäuscht weggeworfen, weil sie so ganz und gar nicht in dessen Vorstellung einer erträumten Schwarzwälder-Märklin-Eisenbahn-Landschaft passte. Dabei war diese Überraschungs-Ei-Akropolis auf einem Hügel gelandet, kaputt gegangen und heute reparierte man immer noch daran. Und dieser eingerüstete Steinhaufen, von zwei Kränen flankiert, sollte mal der Sitz der Götter gewesen sein? Das Telefon klingelte. Werner wollte wissen, ob man heute noch auf die Akropolis …, oder morgen in der Früh, bevor man mit dem Auto weiter Richtung Peleponnes führe. Da Kurt schon immer der Meinung war, dass nur Toren die Sehenswürdigkeiten fremder Länder besichtigten, Weise aber in die Tavernen gingen und Werner mit einer ähnlichen Antwort gerechnet haben musste, verabredete man sich in einem Restaurant, das laut Werner Kulinarisches versprach.
benannt nach der Mani, einem Landstrich auf dem südlichen Peleponnes, liegt versteckt in einer kleinen Seitenstraße, einen Steinwurf von der Akropolis entfernt. Aus der Mani stammt der Besitzer dieses kleinen Restaurants wie auch der vor vierzig Jahren Gyrosspieße schleudernde Vassilios. Wenn man so will, eine kulinarische Dependance der Mani in der griechischen Hauptstadt und, wie Werner meinte, genau die richtige Gaumeneinstimmung auf das Urlaubsziel. Das schmale Treppenhaus in der neoklassizistischen Residenz gab im zweiten Stockwerk den Blick in eine helle, ehemalige Wohnung frei, die zu einem kleinen Restaurant umgestaltet worden war. Überall dezente Grüntöne; Wandsockel, in der Farbe von wildem Spargel, einfache weiße Stühle, Tische mit hauchdünnem Tuch gedeckt, die hohen Fenster mit hellgrünen, im unteren Drittel gerafften Vorhangschals drapiert. Kaum Dekor. Mal hier ein Stückchen Flickenteppich, eine schöne Glas-Vase dort, an der Wand ein modernes Bild. Später, am Urlaubsort, erinnerte Kurt die farbliche Übereinstimmung dieser Mani-Landschaft mit dem Erscheinungsbild des Restaurants: einfach und pur. Die alten Männer auf hellen Stühlen vor noch älterem Haus im Hafen von Agios Dimitrios hätten auch im Mani-Mani sitzen können. Die Kellnerin schien Kurt wie von einem Laufsteg enteilt. Dieser Mund! Ob man von diesem auf ihren zweiten schließen durfte? Kurt senkte seinen Blick in die Speisekarte. Als er sich schließlich zu bestellen entschloss, war er sichtbar bemüht seine Augen oberhalb ihres Mundes zu fokussieren. Der empfahl „Siglino“, eine „Mani-Spezialität“. Wie sie erklärte, eine Wurst von im frühen Winter geschlachteten Schweinen. Das Fleisch wird sechs Tage ausgehärtet, anschließend mit Salbei geräuchert und später in Wein mit Öl oder Schweinefett zusammen gekocht und mit Orangenschalen in Tonkrügen gelagert. Sie hatte den Mund nicht zu voll genommen. Diese „Siglino“ – eine Entdeckung! Auch die gegrillten Fleischbällchen auf Pitabrot mit gebratenen Auberginen und Joghurt-Cream waren vorzüglich und der Oktopus von einer Zartheit, wie ihn Kurt noch nie genossen hatte. Keine Spur von der zähen Ledrigkeit deutscher Tintenfischgerichte, sondern beim Zubiss, ein kleiner, kaum spürbarer, aber vorhandener Widerstand, eine nachgebende, aber verhalten-trotzige Härte. Kurt fantasierte, dass sich im Gaumen von Frauen beim Verzehr von Oktopus ein Gefühl einstellen müsse, als kauten sie auf einem Schwanz. Aber das war Fantasie! Und überhaupt, welche Frau kaut schon auf Schwänzen? Überdies auch kein Gedanke, der die Welt verändern würde, aber einer, der Kurt verfolgte, seit er vor gut vierzig Jahren bei Vassilos und Ewa seinen ersten Tintenfisch gegessen hatte.
Der Mund brachte neuen Wein. Aus Lakonien. Dessen Qualität, lakonisch ausgedrückt: Ehrlich! Aus einem Weingut nahe der Stadt Monemvasia, das für seine hervorragende Pflege seiner Weinberge auf trockenem Boden in der Nähe des Meeres bekannt ist.
„Still more wine?“, wollte sie wissen. Sie lächelte ihn an. Er sah einen Wimpernschlag lang ihre Zungenspitze im halbgeöffneten Lippenspalt. Die Zähne makellos. Ein Passepartout aus weißem Schmelz für den dahinter liegenden, in seinem wahren Ausmaß nicht sichtbaren, rosaroten Schlund. Aus dem Kunstunterricht fiel Kurt ein, dass Passepartouts dazu dienen, den Blick des Betrachters vom Rahmen abzulenken und auf das Kunstwerk zu fokussieren. Wie gern wäre er jetzt eine Erdbeere und ließe sich von ihren feingliedrigen Fingern zum Mund führen, um dort, hinter blendend weißem Zahnpassepartout zu verschwinden. Aber was wäre, wenn sie eine Allergie gegen Erdbeeren hätte?
„Si – per favore“. Seine Antwort auf ihre Frage, ob er noch etwas Wein möge, kam etwas spät, das „per favore“ noch später, noch dazu mit einem leichten Tremolo im etwas zu lang gehaltenen „o“ und dem anschließend übertrieben gerollten „r“. „favooorrrä“. Kein großes Kino, ganz schlechte Oper!
Der Kurt ist jemand – schrieb Kurt später in seinem Buch „Franz“ – der Kurt ist jemand, der in anderen Ländern nie die Landessprache spricht, sondern immer eine andere. Obwohl auf Grund seiner mangelnden Sprachkenntnisse von „Sprechen“ nicht im Entferntesten die Rede sein kann, streut Kurt Brocken, Bröckchen aus einer anderen Sprache. In England verstreut er französische Bröckchen, in Frankreich wahlweise italienische oder englische, in Italien spanische und so weiter. Aber diese Bröckchen weiß er manchmal für Sekunden mit der ihm eigenen Chuzpe so zu platzieren, als sei er ein Globalplayer. In Wahrheit beherrscht Kurt keine einzige Fremdsprache, obwohl er glaubt, dass er die Musikalität für fast alle Sprachen der Welt besitze. Über diesen Glauben ist er aber nie hinausgekommen. Davor stand immer wieder der Fremdsprachenschweinehund, der jeden Kurt’schen Lernwillen zerkläffte. Eigentlich war es auch nicht nur der eine Fremdsprachenschweinehund – es handelte sich um eine ganze Meute von Fremdsprachenschweinehunden. Da hatte Kurt keine Chance. Manchmal fand er es selbst beschämend, dass ihm nicht einmal der ein oder andere Schlüsselsatz zur Verfügung stand. Wenn‘s hochkam, waren es Schlüsselbröckchen. Aber selbst mit denen hatte er häufig Schiffbruch erlitten. Über Jahre immer wieder in der Bretagne, immer wieder bei dem Fischer und seiner Frau und bei der Abreise immer wieder das Versprechen „L’année prochaine ...“ Den Rest des Satzes, der zum Ausdruck bringen sollte, dass er im nächsten Jahr mit guten Französischkenntnissen wiederkommen werde, verschluckte er in einem gebrabbelten Kauderwelsch mit englischem Akzent. Der Fischer und seine Frau verstünden schon, dachte Kurt. In einem Jahr, es mag das vierte oder fünfte gewesen sein, Kurt stand mit dem Fischer und seiner Frau im Vorgarten, wies er mit theatralischer Handbewegung auf den wieder einmal wolkenverhangenen bretonischen Himmel und versuchte mit dem Satz „Et le timbre demain?“ (Und die Briefmarke morgen?) das Wetter für den nächsten Tag zu erfragen. Die Blicke des Fischers und seiner Frau wurden nur noch von dem der Französin getoppt, die Kurt auf dem Markt versehentlich anrempelte und sich mit den Worten „Excusez-moi“ entschuldigte, worauf er leichthin mit „N’est-ce pas“ (Oder etwa nicht?) antwortete – damit „macht nichts!“ meinte, aber mit dieser Antwort sehr allein in der Welt stand.
Werner hatte ob des „per favore“ die Augen verdreht. Kurt hatte es bemerkt. Den Hinweis auf das ihm angeborene Sexualvibrato seiner Stimme quittierte Werner mit einem Lachen nach Großgrundbesitzerart – wie immer viel zu laut. Natia, seine Frau, quietschte dazu, angetrunken heftig, und die Kellnerin warf einen irritierten Blick auf das Trio. In der eintretenden Stille bemerkte Werner, zwar nicht übermäßig laut, aber durch eine Gesprächsflaute im Lokal wahrscheinlich überall hörbar, dass der Mund schon exorbitant sei, worauf Natia ihn brutal in den Oberarm kniff. Ein “Aua“ explodierte in der Stille des Raumes.
In der Nacht träumte Kurt über sich den Himmel, und aus Mundwolken stahlen sich rote Samtflecken, die, schnitzelspitz, tief zwischen sein Lippenpaar drangen.
Der letzte Augenblick der Idylle
Seit zwei Wochen weilte ich schon in Agios Nikolaos, um an einem Text zu arbeiten, den ich nach den Ferien in der Redaktion einer Wochenzeitschrift abzugeben hatte. Bislang lief auch alles nach Plan, aber das Schlusskapitel bereitete mir Schwierigkeiten und als mich an einem späten Vormittag Intuition und Verstand gleichermaßen im Stich ließen, beschloss, ich nach Trachila zu fahren, einem Ort der Stille, um dort in einer kleinen Taverne, bei Efgenia und ihrem Sohn Panagiotis, mein Mittagessen einzunehmen.
Trachila ist ein ehemaliges Kapitänsdorf, das ungefähr zehn Kilometer südöstlich von Agios Nikolaos in der westlichen Mani liegt und nur über eine schmale und kurvige Küstenstraße zu erreichen ist. Linkerhand stechen zerklüftete Ausläufer des Taygetos-Gebirges ihre Felsfinger bis zu zweihundert Metern in den blauen Himmel und rechts stürzt der Fels tief hinab in das türkisfarbene Wasser des Golfes von Messenien. Um dort nicht zu landen, hat man in einigen besonders unübersichtlichen Kurven rotweiße Baken angebracht oder einen dort zufällig liegenden Stein in denselben Farben angemalt. An eher ungefährlichen Streckenabschnitten zeugen verrostete Leitplanken vom guten Willen, aber fehlenden Verstand griechischer Straßenbauexperten. Ich weiß nicht, wie viele Rückspiegel schon an den Felsen geschreddert wurden, wie viele Autos ins Meer gestürzt sind, aber ich nehme an, dass da einiges zusammenkommt. Die Vegetation besteht überwiegend aus staubgrüner Macchia und Frigana, dornigen Polstergewächsen, die, ineinander verwachsen, zum Teil mannshoch die Landschaft prägen. Zwischendurch ein paar verkrüppelte Bäume und riesige Kakteen, in Wurzelnähe verholzt, dem Fels trotzend. Darunter jede Menge Kaktusfeigen, angesichts derer ich mir immer wieder die Frage stellte, woher sie ihre Nahrung beziehen. Bei meinen bisherigen Fahrten nach Trachila kam mir regelmäßig der Gedanke, dass ich irgendwann beim Passieren des ein oder anderen überhängenden Felsens von einem tonnenschwere Felsbrocken erschlagen werde oder ich auf der anderen Seite direkt ins Meer oder in das etwas flacher abfallende Macchia-Gebüsch stürze, woraus es in der Regel kein Entkommen gibt. Für Menschen und größere Tiere ist dieses in sich verflochtene Buschwerk unüberwindbar. Beide Vorstellungen haben mein inneres Gleichgewicht bei Fahrten nach Trachila immer wieder ins Wanken gebracht und Puls wie auch Auto, beschleunigt. Jogi, ein seit dreißig Jahren in der Mani lebender deutscher Arzt und Olivenöl-Bauer, beruhigte mich auf seine Art und Weise: Wenn Du Glück hast, erwischt dich der Steinschlag, wenn Du Pech hast, landest Du im Macchia-Gestrüpp. Immer wieder komme es vor, wusste er zu berichten, dass Touristen mit dem Auto ins Taygetos-Gebirge fahren und, aus welchen Gründen auch immer, von der Straße abkommen, einen Hang hinunterstürzen und vom Macchia-Buschwerk verschluckt werden. In der Regel findet man sie nicht, da man nicht weiß, wo man sie suchen soll. Sie gelten als vermisst. Auch wenn sie sich aus dem Wrack befreien könnten, kämen sie ohne Hilfsmittel wie einer Motorsäge oder Machete nicht aus dem Teufelsgebüsch heraus. Aber wer nimmt schon eine Motorsäge oder eine Machete mit auf einen Tagesausflug? Und vor allem: Was nützen die beiden Gerätschaften, wenn sie im Kofferraum liegen und man selbst hinter dem Steuer eingeklemmt in einem Autowrack sitzt? Erst im vorigen Jahr, erzählte Jogi, habe man durch Zufall in den Bergen ein Auto mit drei skelettierten Leichen entdeckt – vermisst seit über sechs Jahren.
Bevor man nach Trachila hineinfährt passiert man auf der linken Seite eine Müllhalde, dahinter links der Abzweig zum Friedhof. Rückseitig ein weiterer Weg, eher Pfad, der steil bergan (vielleicht achthundert Höhenmeter) nach Thalames führt, einem kleinen Dorf, dessen Mittelpunkt eine riesige Platane ziert, die älter aussieht als sie ist. Etwa hundert Meter nach dem handgemalten Schild mit spielenden Kindern verengt sich die Zufahrtsstraße nochmals, sodass keine zwei Autos aneinander vorbeikommen. Dann, ab dem Punkt, wo die nur mehr als Gasse zu bezeichnende Straße den Blick des Ankömmlings auf die Hafenbucht frei gibt, gabelt sich diese. Der eine Teil führt über den kleinen Kirchvorplatz zur Hafenmole, der andere noch etwa sechshundert Meter geradeaus, wo er in einer Art Wendehammer endet. Eine Sackgasse. Zwar nicht das Ende der Welt, aber das Ende des Dorfes, was aufs Gleiche hinausläuft.
Ich habe weder die Häuser noch die Einwohner von Trachila gezählt, aber ich schätze an die vierzig bis fünfzig Häuser, eher Häuschen, davon zwei Tavernen, die sich an der Uferkante, nur durch die schmale Hauptstraße vom Wasser getrennt, wie eine Perlenkette aneinanderreihen. Über dem Hafenbecken, hinter der Kirche, ein paar größere Bauten, wahrscheinlich das „Reichenviertel“, wo die Oberkapitäne wohnen, die die größeren Fischerboote besitzen oder gar zwei oder drei ihr Eigen nennen. Auffallend bei meinen mehrmaligen Besuchen, dass ich nur Kinder und überwiegend alte Frauen gesehen habe. Von letzteren vielleicht eine Hand voll, von ersteren zwei. Dazu kommen in der Saison, über den Tag verteilt, vielleicht noch ein Dutzend Touristen. Nur einmal, ich erinnere einen Abend an einem Wochenende im vorigen Jahr, war der Kirchplatz mit mehr als einer Handvoll Einwohnern gefüllt. Kinder und Jugendliche saßen auf der Kaimauer oder auf dem sommerlich warmen Pflaster, um sie herum, wahllos verstreut, Mountainbikes und Fahrräder. Ein paar alte Frauen hatten sich auf Plastikstühlen niedergelassen, wiegten Kleinkinder auf ihrem Schoß und man schaute einen Film, der auf eine weiße Plane, die an der Front der Kirche befestigt war, projiziert wurde. Man sah Mr. Hulot’s Holiday in Schwarzweiß mit griechischen Untertiteln.
Ich parkte meinen Wagen an der Kaimauer und lief die paar Schritte zur Taverne von Efgenia und Panagiotis zurück. Es war sehr heiß. Wie erwartet und im Vorüberfahren schon gesehen, waren die fünf Tische unter den ausladenden Kronen der zwei Laubbäume nicht besetzt. Der Laden von der Konkurrenz, hundertfünfzig Meter weiter, läuft besser, hatte mir Jogi gesagt und hinzugefügt, dass es da auch besser schmecke. Ich jedoch, aus Gewohnheit oder Solidarität, blieb der Mutter-Sohn-Taverne treu. Entgegen meinen Erwartungen saß neben dem Eingang, an dem Tischchen mit dem immer dudelnden Kofferradio, nicht wie üblicherweise die Mutter, sondern der Sohn. Halb versteckt hinter den in der leichten Meerbrise immer und ewig schaukelnden Weinlaubrispen, eingerahmt von Hibiskus und den berstenden Blüten der pinkfarbenen Bougainvillea saß er dort und hörte griechischen Kinderfunk. Er hört immer Kinderfunk, erzählte mir Jogi, der es wiederum von Evangelos wusste. Als ich auf Panagiotis zuging, erhob er sich, kam mir mit einem hellen „Hello“ entgegen (sein Hello war immer hell, wenn er Gäste begrüßte) und da er mich auf halben Weg erkannte, beschleunigte er das Tempo, legte den Rest der Strecke in dem ihm eigenen Trippel-Laufschritt zurück und schüttelte mir mit einem freudigen „How do you do, Kot?“ die Hand. „Fine!“, antwortete ich und wunderte mich, dass er vom letzten Jahr noch meinen Namen behalten hatte, wenn er ihn auch, wie im Jahr zuvor, falsch aussprach. Ich mochte das „Kot“ aus seinem Munde, es war mir fast lieber als ein korrekt ausgesprochener Kurt. – Kurt! Kurt Klefisch! Ich habe meinen Namen nie gemocht. Weder den Vor- noch den Nachnamen. Schon in der Grundschule wussten alle, dass es zwar Goldfische gab, aber keine Kleefische. Sie kreischten und feixten, nicht wissend, dass mein Nachname nur mit einem e geschrieben wurde.
Panagiotis hatte sich nicht groß verändert, außer dass sein Bauch noch an Fülle gewonnen hatte, somit die silberne Gürtelschnalle halb verdeckte. An den nackten Füßen trug er braune Plastiksandalen, die ich meinte schon im letzten Jahr wahrgenommen zu haben. Auch die verwaschene, ehemals schwarze Jeans kam mir nicht unbekannt vor. Schließlich das eingelaufene, von der Farbe Rot ins Rosa gewaschene T-Shirt mit dem Schriftzug „Wild Waves“ auf hellem Untergrund. Darunter zwei Palmen, neben denen ein muskulöser Surfer zu sehen war, der, sein Surfbrett unter dem Arm, gerade aus dem Meer stieg. Das Bild eines modernen Poseidon. Vielleicht wäre Panagiotis auch gern ein moderner Poseidon, anstatt mit seiner Mutter eine saisonale Taverne für Touristen zu bewirtschaften – dachte ich. Aber in seinen braunen Augen, die freundlich und traurig zugleich blickten, war ein solches Bedürfnis nicht zu erkennen. Sein glattes, fleischiges Gesicht strahlte etwas Zurückgebliebenes aus und machte auf mich den Eindruck, als sei es im aufregendsten Moment seiner Jugend stehen geblieben. Ich fragte mich, was das für ein Moment gewesen sein mochte. Auch in diesem Jahr staunte ich über das Mannkind mit ständig verschwitztem Oberlippen-Milchbubi-Bart und einer Ponyfrisur, die schon mit weißen Haarfäden durchsetzt war. Die Unterlippe hing wulstig herab, wie eine vom Starkregen verbogene Dachrinne. Auch eine verbogene Dachrinne kann traurig aussehen, dachte ich. Schon beim ersten Zusammentreffen vor vier Jahren kam mir der Gedanke, dass er möglicherweise behindert sei, wenn ich ihn mit seinen merkwürdigen Trippelschritten laufen sah. Er lief so, als säße ihm etwas im Nacken. Vielleicht der Teufel, vielleicht die Mutter oder beide – fantasierte ich. Auch seine Sätze hatten etwas Gehetztes. Sie überschlugen sich, liefen ihm weg, so, als würden sie von etwas verfolgt. Verfolgt von Seelenpein, Fantasien, Unerlöstem. Den Sitz seiner Stimme siedelte ich im oberen Bereich der Stirnmaske an. Die Stimmlage, dementsprechend hoch, fast eine Fistelstimme zu nennen, verlieh ihm etwas Eunuchenhaftes. Sie tönte wie etwas, das aus dem letzten Loch pfeift, ein kaputter Dudelsack zum Beispiel. Auch eine weggeworfene Blockflöte konnte ich mir vorstellen, die auf einem Mäuerchen liegt und durch die der Wind streicht. Wie in den Jahren zuvor leierte er in einer affenartigen Geschwindigkeit die Speisekarte herunter und wie in den Jahren zuvor verstand ich nur die Hälfte. Und obwohl sein Englisch besser als meins war, klang es, dass es einer Sau grausen musste, obwohl ich mit diesem Urteil, was mir erst später auffiel, zurückhaltender hätte sein sollen. Ich bestellte einen griechischen Salat, dazu zwei Souvlaki und ein Quart of white wine. Panagiotis zog sich mit einem mehrfachen, eher gemurmelten denn gesagten „It’s a pleasure for me, to see you“ zurück, so, als rede er mit sich selbst, als müsse er sich seine Freude mehrfach bestätigen, um sich ihrer sicher zu sein. Dann verschwand er durch die immer und ewig schaukelnden Weinlaubrispen im dunklen Loch des Hauseinganges. Als hätten die bis dato in Mauernischen, Hauseingängen und im Schatten eines aufgebockten Bootes dösenden Katzen meine Bestellung verstanden, kamen gleich vier, fünf und versuchten sich im Vorfeld des Mittagsmahles meine Gunst zu erschleichen. Gegen die faulen, fetten deutschen Katzen und Kater glichen die griechischen eher kenianischen Marathonläufern.
Die Stille dieses Dorfes tat mir gut. Mit zusammengekniffenen Augen schaute ich über das Meer sah an der Mole griechische Kinder auf Luftmatratzen und einem großen, schwarzen LKW-Reifen-Schlauch toben, durch dessen riesiges Loch sie sich immer wieder ins Wasser schubsten. Und dann, plötzlich, erinnerte ich mich an meinen Vater, wie er auf einer Luftmatratze liegend mir, dem Achtjährigen immer wieder zurief „Weiter so! Weiter so! Ich will, dass du ein guter Schwimmer wirst! Du bist gut! Du kannst das! Schwimm!“, ich jedoch, hektisch mit den Armen rudernd, in höchster Not rief, „Vati! Vati! Nein! Nein! Nein! Ich will kein guter Schwimmer werden. Ich kann nicht! Bitte, bitte hilf mir, Vati!“, woraufhin der Vati schließlich von der Luftmatratze ins Wasser glitt, um mir zu helfen, in dem Moment aber bemerkte, dass dieses teure Ding von Dunlop sich selbstständig machte und über das Wehr den Wasserfall hinunterschoss. Ich werde nie vergessen, wie mein Vater die Luftmatratze noch festhalten wollte, hinter der Wasserabrisskante des Wehrs verschwand und ich allein auf dieselbe zutrieb, Arm- und Beinbewegung nicht mehr zu koordinieren vermochte, an Atem verlor und in gefühlter Todesnot um Hilfe schrie. Ein anderer Schwimmer kraulte auf mich zu, beruhigte mich, machte mir Mut, schwamm mit mir bis zur Wehrkante und forderte mich auf, diese zum Hinsetzen zu benutzen, denn dort ströme das Wasser nur leicht und habe weniger Kraft. Er half mir auf den Wasserrist, setzte sich neben mich, hatte mit seiner Behauptung Recht und in mir stellte sich ein Quäntchen Ruhe ein. Ob es Tränen, Wasser oder beides war – durch einen Schleier nahm ich den Vater wahr, der ein Stück flussab mit der Luftmatratze kämpfte und später mit zerschundenem Brustkorb, einem schlechten Gewissen und dem mittlerweile schlaffen Gummiding unterm Arm am Ufer stand.
Ich glaubte, die Geschichte schon längst vergessen zu haben, als Panagiotis wie ein Waldschrat aus dem Weinlaub auftauchte, unterm Arm die unvermeidliche braune Papiertischdecke, die er mit Plastikklammern an den runden Tisch heftete, dabei Unverständliches murmelte, das Tablett mit dem Wein abstellte und in seinem unnachahmlichen Gang wieder verschwand. Ich hasste diese Papiertischdecken, weil sie bei sommerlichen Temperaturen an üblicherweise verschwitzten, auf den Tisch gestützten Unterarmen kleben bleiben. Auch wenn man diese schlechte Angewohnheit, die Unterarme auf den Tisch zu legen, unterlässt, stellen sich bei dem obligaten Glas Wasser, das die Griechen stets gratis zu Tisch bringen, die ersten Schwitzwasserringe ein, und bei einer Mahlzeit zu dritt löst sich spätestens nach dem zweiten Gang dieser Papierfetzen unter dem Einfluss verspritzter Olivenkernen, der von Gabeln abgefallenen roten Zwiebel-, Gurken- oder Tomatenstückchen, Patatasresten oder einem Öl-Essig-Wasser-Weingemisch derart auf, dass mich dieser unappetitliche Papier-Scheiß immer wieder in Rage versetzte. Ich trank einen Schluck von dem kühlen Wein, trat gegen eine aufdringliche Katze, die sich schnell verdrückte, schaute über die vier Häuser des „Reichenviertels“ auf den dahinter gelegenen Felssattel, der wie ein unbeugsamer Nacken aussah und, wie ich von Jogi erfuhr, Trachila auch den Namen gegeben hatte. Das Kap, dass sich meerseits vor den Hafen schiebt und diesem als Schutz dient, erinnert in seiner Form an einen Nacken, was auf Griechisch Trachilos heißt. Mein Blick wanderte, ja, er wanderte gemächlich vom Nacken links übers Meer, wurde von einer flachen Felszunge, die kurz vorm Ende des Dorfes in das Hafenrund ragte, gestoppt, auf deren Spitze drei Sonnenschirme aufgestellt waren, in deren Schatten sich drei Körper auf Liegen sonnten. Ich ließ meinen Blick weitergleiten, zählte bei Panagiotis‘ Konkurrenten drei besetzte Tische und landete schließlich auf dem Weinlaubvorhang von Panagiotis‘ Taverne, wobei mir auffiel, dass der Käfig mit den beiden Papageien nicht mehr vorhanden war, die im letzten Jahr noch von der Unterseite der Veranda herabhing. Ehe ich daraus einen weiterführenden Gedanken zu entwickeln vermochte, erschien Panagiotis, servierte mir die Speisen, holte tief Luft und sagte „Gutan Appatit, Kot“. Drei schlichte Worte auf Deutsch. Dabei strahlte er mich an wie ein Kind, das sich in diesem Moment ganz sicher ist, dass eins und eins zwei macht. Ich war berührt und da ich nicht nur nah am Wasser saß, sondern auch – wie man so sagt – nah am Wasser gebaut habe, schossen mir für einen Augenblick Tränen in die Augen. Ich fing mich aber schnell und fragte ihn nach dem Käfig mit den beiden Papageien, der im letzten Jahr noch dort hing, und machte mit dem Arm eine vage Bewegung Richtung Haus. Er schaute mich still an und sagte nach zwei Atemzügen, dass sich die beiden Papageien gegenseitig umgebracht hätten, aber er nicht wisse warum. „I don’t know why“, wiederholte er noch einmal murmelnd, dann schwieg er. Sein Blick glitt über den Hafen, am Felsnacken vorbei übers Meer und schließlich sagte er mit einem leisen Tremolo in der Stimme: “I will buy no more parrots, they live in a cage, they have a beautiful view of the sea, but I think, that is not enough so that they forget that they live in prison.” Er wendete sich ab und ging. Ich rief ihm noch eine Weinbestellung hinterher, die er, ohne sich umzudrehen, mit einer Handbewegung quittierte, und bewunderte seinen klugen Gedanken und die Tatsache, dass er diesen in einem so guten Englisch auszudrücken vermochte. Gleichzeitig konnte ich mich des Gedankens nicht erwehren, dass er mit dem „prison“ auch seine Situation gemeint haben könnte.
