Der letzte Booster - Ludwig Wolf - E-Book

Der letzte Booster E-Book

Ludwig Wolf

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Beschreibung

Eine neue Plage: Corona. Ein neues Virus: SARS-CoV-2. Ein schnell entwickelter Impfstoff. Eine radikale Nebenwirkung. Eine die tötet. Eine wilde Aprés-Ski-Party gerät völlig außer Kontrolle. Und die zweite weltweite Katastrophe folgt nahtlos auf die erste …

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Seitenzahl: 137

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Ludwig Wolf

Der letzte Booster

Eine kleine Rachegeschichte

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Ludwig Wolf

1. Der erste Morgen

2. Die Maßnahmen schützen

3. Die fast einsam gelegene Hütte am Berg

4. Après Ski im Kuhloch

5. Die Hütte 02

6. Die Hütte 03

7. Après Ski im Kuhloch 02

8. Die Hütte 05

9. Die furchtsamen Ungeimpften

10. Jacques und Anna; ahnungslos

11. Im Keller

12. Neue Erkenntnisse

13. Die Blut Hirn Schranke - und alles was dazu gehört

14. Kraut und Rüben

15. Finale

DER AUTOR

Impressum neobooks

Ludwig Wolf

Der letzte Booster

Eine kleine Rachegeschichte

1. Der erste Morgen

Wolfgang war ein ernährungsphysiologisches Paradebeispiel dafür wie man sich nicht ernähren sollte. Seine Mutter gab seinen Impulsen von klein auf jedes mal nach. Kaum verlangte er nach dem Doppelburger eines bekannten Lebensmittelverstümmlers, flog der auch schon ein. King size. War manchmal schon vor der Bestellung da. Mutter kannte ihren Jungen, wusste genau was ihm gut tat. Eine Portion Fritten noch dazu. Und Mayonnaise. Brav auf den Schnabel Bubi und rein damit. So konnten Trans-fette, Zucker und allerlei Zusatzstoffe im Verein mit dem ständigen Nahrungsüberangebot ihren Dienst sehr pflichtbewusst verrichten. Wolfgang wurde zu einem akzentlosen, bleichen Leib, teigig und in jungen Jahren schon mit Brüsten wie ein Mädchen behangen. Also schon noch kleinen. Brüsten. Sahen eher wie Tüten aus. Halt nicht so wie eine Männerbrust. Wuchsen auch keine Haare drauf. Auf der Brust. Einen Bauch hatte Wolfgang nicht direkt. Vielmehr wirkte alles an ihm einfach aufgeschwemmt. Formlos. Desgleichen sein Gesicht. Eine faltenfreie Fläche ohne viel Ausdruck. Braune Augen hinter denen etwas falsches zu erkennen war, wenn man länger in sie schaute. Etwas verschlagenes, das sich feige etwas weiter hinten versteckte. Ein eher dünner, hellbrauner Haarschopf auf dem Kopf komplettierte die Durchschnittserscheinung eines adipösen Weichlings.Und dieses verwöhnte Wohlstandskind wurde nun viel zu früh von seinen kalten Füßen geweckt. Eigenmächtig standen sie, die Haxen, nackt wie sie waren, aus dem billigen Sperrholzbett, das er bei einem Möbeldiscounter gekauft hatte, heraus. Das Bett war eben billig gewesen, quasi siebenundsiebzig Prozent billiger als normal. Dabei war der Normalpreis schon nicht mehr normal, weil normal schon so günstig. Wolfgang bewegte seine kalten Zehen, schaute zu wie sie schlecht durchblutet und bleich aneinander rieben, davon aber auch nicht wärmer wurden. Und das Bett war nicht nur billig gewesen, es war ebenso zu kurz. Wenn man die Beine nicht anwinkelte standen die Füße praktisch immer raus. Bequem war anders. Das Bettgestell knarzte auch schon unangenehm wenn man sich umdrehte. Die Befestigungen mussten alle paar Tage nachgeschraubt werden, sie wurden schnell wieder locker. Und dann knarzte es, wackelte es trotzdem. Wolfgang hatte das Bett übereilt gekauft nachdem ihn seine Frau überraschend vor die Tür gesetzt hatte. Vor eigentlich seine Tür. Als vorweihnachtliche Überraschung hatte sie Wolfgang vor die Tür gesetzt. Er verstand das überhaupt nicht. Bis dahin hatte sie immer getan was er gewollt hatte. Und dann plötzlich das. Aus heiterem Himmel. Als schnelle Lösung war ihm die leerstehende Wohnung unterm Dach eingefallen, die Mansarde die er seinem Vater abgeluchst hatte. Aus Rache. Dummerweise hatte sein Vater aber nicht nur alle Möbel mitgenommen als er ausgezogen war, sondern tatsächlich alles von Wert was sich irgendwie bewegen und ohne Beschädigung abmontieren ließ. Damit hatte Wolfgang nicht gerechnet. Er hatte seinen Alten für zu alt gehalten, als dass der sich noch einmal einen Totalumzug antun würde. Aber da hatte er sich gründlich getäuscht. Sein Vater hatte sogar die mattschwarze Closchüssel und das gleichfarbige Pissbecken demontiert. Matt weil Lotoseffekt. Da perlte alles ab. Fast alles. Es waren teure Designerstücke gewesen, die er seinem missratenem Sohn nicht einfach so überlassen wollte. Er wollte ihm kein gemachtes Nest hinterlassen, nicht für das was er ihm seiner Meinung nach angetan hatte. Sein Vater allein war schuld, dass er jetzt kein Clo hatte und umständlich in das Loch in der Wand pissen musste. Größere Geschäfte erledigte er morgens jeweils auf die Zeitung von gestern. Die bemooste Schnappschildkröte sah ihm dabei manchmal zu. Die ganze Bescherung warf er anschließend auf den Kompost hinter dem Schuppen. Warum hatte ihn seine Frau eigentlich vor die Tür gesetzt? Wie hatte sie gesagt? Sie könne nicht länger mit einem Egomanen wie er einer sei unter einem Dach zusammen leben. Ja, das hatte sie tatsächlich gemeint. Er und ein Egomane! Lächerlich! Im Gegenteil. Alles hatte er für sie getan, hatte ihr sogar ein Kind gemacht als sie unbedingt eins wollte. Sofort. Und obwohl er keins wollte. Einfach gemacht. Und dann das. Jetzt lebten sie zwar unter einem Dach, aber eben in getrennten Wohnungen. Sie im ersten Stock und er unter dem Dach. Die Gedanken an seinen Vater überkamen ihn wieder ohne Vorwarnung. Diesem war es ähnlich wie ihm selbst ergangen, als seine Mutter sich damals mit einem Türken; oder einem Kurden, der schmierige Typ hatte das selbst nicht so genau gewusst; eingelassen hatte. Seine Nationalität hatte der mehr so nach Bedarf verwendet, ja das war es eher, je nach Bedarf, nach den Erfordernissen des jeweiligen Amtes, eben bedürfnisangepaßt. Mal bekam man als Kurde mehr Unterstützung, mal als Türke. Das kam ganz aufs Amt an. Wie konnte man nicht wissen wer man war, woher man kam? Das war vom Türkenkurden alles genau berechnet. Eine One-Man-Show für den ahnungslosen Bestbieter. Dazu versuchte der arme Flüchtling mit sämtlichen Freundinnen seiner Mutter ins Bett zu gehen. Mister Superstecher. Mit welcher wäre ihm egal gewesen, Hauptsache er könnte heiraten, hierbleiben, würde nicht abgeschoben. Aber nur Wolfgangs Mutter war damals so dumm gewesen sich darauf einzulassen. Angeblich hatte er sie vergewaltigt. Das hatte seine Mutter aber weder angezeigt, noch hatte es sie daran gehindert sich weiterhin mit ihm zu treffen. Zum Schäferstündchen. In einem geheimen Liebesnest bei einer der Freundinnen aus ihrem Bibelkreis. Ganz romantisch. Seine Mutter war schon eine merkwürdige Frau. Sie war danach auch mit einem seiner Freunde ins Bett gegangen, obwohl der etwas einfältige Bursch runde fünfundzwanzig Jahre jünger war als sie. Wolfgang war das egal solange seine Mutter tat was er wollte und er alles bekam was er wollte. Nur darauf kam es an. Nun, jedenfalls musste sich sein Vater damals den Dachboden erst ausbauen, aus dem er ihn dann vor vier Jahren hinausgeworfen hatte. Mittels einer Gerichtsverhandlung. Weil der sture Alte keine Miete zahlen wollte. Weil er nicht von selbst gehen wollte. Dabei hatte er ihn provoziert wo er nur konnte. Sein Alter war einfach nicht so schlau gewesen wie er, Wolfgang, der gewusst hatte, dass sein Vater ohne Unterschrift, die seine Kosten und Arbeit bestätigt hätte, ohne Chance war Recht zu bekommen. Und der Richter war auch auf Wolfgangs Seite gewesen und ziemlich faul noch dazu. In der beruflichen Sackgasse angekommen, kein Weiterkommen mehr, Bezirksrichter auf ewig. Frust garantiert. Der hatte sich nicht einen der fünf Ordner voller Rechnungen angesehen die sein Vater über den ganzen Ausbau angelegt hatte. Der Richter hatte sämtliche Rechnungen, Kostenvoranschläge, Kreditrückzahlungen, Bausparer, Altbauförderungen einfach ignoriert. Hatte nicht einmal Wolfgangs Vorschlag, das Problem eines undichten Fensters durch einfaches zubetonieren zu lösen, merkwürdig gefunden. Zubetonieren des einzigen Fensters im betreffenden Raum. Das Berufsethos dieses Richters war in jedem Fall bemerkenswert. Wolfgang jedenfalls kam es zugute. Er wollte endlich einfach tun und lassen können was er wollte, und das vierundzwanzig Stunden lang. Ungestört jedes Wochenende mit seinen Freunden feiern, unter der Woche auf der Playstation spielen so lange er wollte und sonst nichts. Das war sein gutes Recht. Ego-shooting bis spät in die Nacht. Doom it up! Counter strike. Yeah! Und Kopfhörer mochte Wolfgang nicht. Schließlich war er kein Dj. Und was konnte er dafür, dass sein Alter um halb fünf aus den Federn musste um in die Arbeit zu kommen? Was ging es ihn an wenn der permanente Lärmpegel von unten seinem Vater oben den letzten Nerv kostete? Er musste ja nicht ausgerechnet über ihm wohnen. Konnte doch einfach gehen und ihn in Ruhe lassen. Und als seine Mutter Wolfgang die Haushälfte geschenkt hatte, da hatte er die Gelegenheit eben ergriffen und seinen lästigen Vater hinausbugsiert aus seinem Leben. Jahrelang hatte er das schon vorgehabt. Seit damals als ihm der Alte keinen eigenen Fernseher ins Kinderzimmer stellen wollte, als er, Wolfgang, noch ein kleiner Junge war. Aus erzieherischen Gründen, wie der Alte meinte. Kein Fernseher im Kinderzimmer. Erzieherische Gründe. Welches Kind interessierte sich schon für erzieherische Gründe? Er jedenfalls nicht. Gut, als sich seine Eltern dann trennten, kaufte ihm seine Mutter endlich den eigenen Fernseher. Flachbild. Fünfundfünfzig Zoll. Binnen einer Woche wurde das Ding angeschafft. Wie gesagt war seine Mutter gottseidank ziemlich dämlich und tat alles was er von ihr wollte. Er war damals gerade vierzehn gewesen, was sie nicht hinderte ihm das Bier bis in sein Zimmer zu liefern. An die Couch. Und die Burger von MacFriss dazu! Oder war es Burgerrino? Egal. Seine Mutter war quasi der Vorläufer der Lebensmittelzusteller. Ein echtes Start up! Und wenn sie einmal nicht spurte, konnte Wolfgang durchaus schon mal eine härtere Tonart anschlagen, schimpfte sie faule Sau oder Schlampe, und schon sprang sie wieder. Funktionierte bestens. Und als sie dann ihren neuen Stecher kennenlernte, zog sie zu diesem und Wolfgang hatte täglich sturmfreie Bude. Und vor allem nächtlich. Nachdem Mutter alles angeliefert hatte, selbstverständlich. Und sein dummer Alter im oberen Stock konnte sich wichtig machen wie er wollte, es war Wolfgang wurscht. Ach es war eine herrliche Zeit damals! Aber jetzt hockte er am Dachboden. Seine Frau konnte ihn nicht rausschmeißen, weil ihm die Bude ja gehörte. Er hatte die entsprechenden Unterschriften. Aber Unterhalt würde seine Frau verlangen, eine Menge Unterhalt. Alimente für das Kind, das Balg das ihm eh nie gepasst hatte. Er hatte es ihr nur gemacht damit sie Ruhe gab. Ruhe gab seine Frau dann schon, dafür das Gör nicht. Jetzt hörte er seine Tochter öfters unten nach ihrem Papperl schreien. Oder nach ihrem Schnuller. Oder was wusste er nach was. Nein, rausschmeißen konnte er seine ungeliebt gewordene Familie nicht. Das ginge leider nicht so reibungslos wie bei seinem Vater. Das würde ihn nur noch mehr kosten, käme die jeweilige Miete ja noch dazu. Oben drauf. Als Sahnehäubchen gewissermaßen. Als Sahnehäubchen das ihm auch noch die letzte Butter vom Brot nehmen würde. Die letzten knusprigen Hühnernuggets von der Zunge stehlen. Kein Geld mehr für den neuesten Ego-shooter. Es war einfach nur beschissen. Wie konnte ein Mensch nur so berechnend sein? Seufzend schwang Wolfgang endlich die kalten Beine aus dem Bett, was die Schnappschildkröte im Aquarium veranlasste mit offenem Maul wild gegen die Glasscheibe zu hämmern. Dieses Biest wollte in alles beißen, egal was oder wer es war. Auch in die Hand die es fütterte. Aufgrund des Artenschutzes war der Besitz des Panzertieres zwar illegal, aber das hatte seine Mutter nicht daran gehindert ihm die Schildkröte zu besorgen. So wie alles was er wollte. „Beruhige dich“, sagte Wolfgang sanft zu Schnappi, „du wirst dein Fressen schon noch kriegen“, und zog sich eine lange Unterhose an. Sorgfältig schob er seinen morgens immer halbsteifen Schwanz in die Tasche des Eingriffs. Das gab ihm ein angenehm erregendes Gefühl. Ein Gefühl das bis in seine Hoden kroch und sie ein wenig anhob. Er ging ins Clo, wo er seinen Schwanz herausholte und mit kräftigem Strahl lospisste. Nachdem er in das Loch in der Clowand uriniert hatte packte er seinen Pimmel schnell wieder weg um nicht auf dessen Geilheit zu reagieren. Wolfgang befüllte die Kaffeemaschine mit Kaffeepulver und Wasser. Rasch drückte er den Startknopf der orange zu blinken begann, zog den überquellenden Kompostkübel unter der Spüle hervor. Der Biomüll stank erbärmlich. Wahrscheinlich die Fleischreste vom letzten Wochenendgelage. Knochen, Kruspeln, Fett und ja, Fleisch das nicht mehr gegessen wurde von seinen verwöhnten Freunden. Ganze Hühnerkarkassen, schlecht abgenagt, dunsteten in dem Plastikeimer vor sich hin. Dazwischen zu labbrige Hühnerhaut. Die Antithese zur Knusprigkeit. Ketchupreste über den Eimerrand geschmiert. In diesem Gestank konnte er nicht frühstücken. Auf keinen Fall. Der Kübel musste vorher raus.„Dreckskübel!“ Wolfgang, missmutig den Kompostkübel in der Rechten, zog wie immer morgens den Vorhang vor der Glastür zur Seite, sah dass es in der Nacht ausnahmsweise einmal nicht geschneit hatte, und öffnete die Wohnungstür. Kälte schlug ihm jäh wie ein frischer Schneeball gegen die Brust. Die gegitterte Stahlstiege, die von der Dachwohnung direkt in den Garten hinunter führte, war schneefrei und der Gang, den er durch den Schnee ausgetreten hatte, ebenfalls. Jedenfalls frei von frischem Schnee. Die Schneewände links und rechts des Gehweges waren gut eineinhalb Meter hoch und Wolfgang hatte schon einige Zeit Probleme damit den Schnee aus dem Weg zu räumen. Es war einfach kein Platz mehr da wo man das weiße Zeug hinschaufeln konnte. Und der Winter war keineswegs gewillt nachzulassen. Er war sehr schneereich dieses Jahr. Andererseits war es gut, dass der Schnee wenigstens im Winter den völlig verwahrlosten Garten zudeckte. So sah man ihn wenigstens nicht. Nichts hasste Wolfgang mehr als Gartenarbeit. Das Scheißgras wuchs eh immer wieder nach und die Stauden detto. Seinetwegen konnte seine aufsässige Ex das übernehmen. Die Luft roch sehr sauber und frisch, wie sie eben in Wintern roch, in denen aller Schmutz unter reinem Weiß begraben war. Wolfgang atmete tief durch. Dann stieg er langsam die Stiege hinunter, hörte das raschelnd kratzende Geräusch wieder, das ihn die letzten Nächte öfters im Schlaf gestört hatte. Irgendein Tier hatte sich bei ihm eingenistet, ein Tier das zweifellos intelligent war, denn es gelang Wolfgang trotz mehrerer Versuche nicht es zu erwischen. Vorsichtig stellte er den stinkenden Bioabfalleimer in den Schnee und horchte. Die Geräusche kamen vom kleinen Schuppen hinten her, dem alten Schuppen in dem die Gartengeräte lagerten, dem zu alten Schuppen in dem der Boden schon zu einem guten Viertel durchgebrochen war. Durchaus möglich, dass sich das Tier in dem Hohlraum darunter versteckte, vielleicht sogar nistete, gar vor hatte eine lärmende Familie zu gründen. Schon länger gab es in der Nachbarschaft Gerede darüber, dass jemandem ein illegal gehaltener Waschbär entkommen war und dieser sich jetzt in der Gegend herumtrieb. Oder es war ein Marder? Die konnten auch ganz schön Lärm machen. Egal. Jedenfalls brauchte Wolfgang etwas um das Tier dingfest zu machen. Langsam, lautlos; der weiche Schnee half dabei, ging Wolfgang zurück nach oben in die Dachwohnung und zog die Decke vom Bett. Im Winter brauchte er die Decke zusätzlich um nicht völlig zu erfrieren. Dann wieder hinaus, sich langsam vorarbeiten, lautlos bis hin zum kleinen Schuppen. Bei der Zirbe die, von enormen Schneemassen bedeckt, aussah wie ein extraterrestrischer Schneemann, hielt Wolfgang inne. Das Geräusch war noch da, hatte jetzt etwas Schleifendes. Am unteren Ende des Schuppens, dort wo der Komposthaufen lag, oder besser morsch auseinanderbrach, da konnte Wolfgang eine in den Schnee gegrabene Rinne erkennen die tatsächlich unter der Holzwand des Schuppens endete. Wie eine Biberrutsche im Schnee. Behutsam stopfte er das Loch mit Schnee zu der ja reichlich vorhanden war. Wolfgang trat den Schnee ordentlich fest bevor er den großen Vorreiber an der Schuppentür langsam nach links drehte. Das Geräusch im Schuppen verstummte. Wolfgang spannte die Decke mit beiden Händen auf, öffnete langsam die Tür mit dem rechten Fuß. Das Blut in seinen Adern schoss schneller durch seinen Körper, die Aufregung pflanzte sich in jede Zelle fort, wärmte und schärfte sie. Er war auf der Jagd, alles in seinem Körper war angespannt und bereit zuzuschlagen. Es gab kein Licht in dem Schuppen und in dem morgendlichen Dunkel schälten sich erst ein Heurechen, dann zwei Schaufeln und drei Mistgabeln aus dem Dämmerlicht, ehe Wolfgang meinte im hinteren Eck, neben der eingewinterten Regentonne, etwas kauern zu sehen. Es war viel zu groß für einen Marder, auch noch zu groß für einen Waschbären. Was war das? Womöglich einer der unerwünschten Wölfe? Oder ein Bär? Die streiften in letzter Zeit auch öfter durchs Land. Nein. Ein Bär fiel aus. Die schliefen ja um diese Jahreszeit. Ein Bär wär auch zu fett. Würde sicher nicht durch das kleine Loch hinten am Schuppen passen. Und ein Wolf wäre sicher nicht so ruhig. War es ein Mensch, ein Obdachloser? Ein dürrer, halbverhungerter Säufer? Hier? In dieser Gegend? Das Bündel begann sich zu bewegen. Wolfgang betrat den Schuppen, die Decke immer noch bereit haltend. Eine Hand kam aus dem Schatten, eine Hand von grauslich blauroten, schorfigen Linien gezeichnet.