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Eine Tragödie spielt sich im Eden Palace ab. Die Fluglinienchefin Sheryl Andersen will sich an ihrem untreuen Ehemann Pete rächen. Sie lädt Pete und seine schwangere Freundin Emily unabhängig voneinander ins Eden Palace ein. Während der Pilot Pete glaubt, seine Ehefrau scheue keine Kosten und Mühen, um ihn zu sehen, glaubt die naive Emily an einen romantischen Heiratsantrag ihres Freundes, von dessen Ehe sie nichts weiß. Sie ahnen nicht, dass Sheryl plant, beide im Restaurant des Eden Palace in aller Öffentlichkeit bloßzustellen und zu demütigen. Die gesellschaftlichen Folgen für sie selbst sind Sheryl gleichgültig. Ihr Schwager Ben, der sie in das Doppelleben seines Bruders einweihte, versucht die Betrogene von ihrem Plan abzubringen. Doch die erfolgreiche Geschäftsfrau bleibt stur. Erst Bens Geständnis, Sheryl hingebungsvoll zu lieben, lässt die harte Fassade des schönen Racheengels bröckeln. Doch dann taucht eine weitere Geliebte von Pete Andersen im Eden Palace auf. Die Ereignisse überschlagen sich. »This is Lancaster Gate. This is a Central Line train to Epping. The next station is Marble Arch.« Die Zugdurchsage des Londoner Undergrounds schreckte Luzie Linders auf. Seit nunmehr sechs Monaten fuhr die junge Deutsche mit der Central Line von Notting Hill, wo sie sich ein gemütliches Häuschen mit Dachterrasse in dem Londoner In-Viertel gekauft hatte, zu Kensington Gardens. Aber immer noch verlor sie sich regelmäßig darin, die anderen Mitfahrenden in der Londoner U-Bahn zu beobachten. Hier, in der Hauptschlagader Londons, kamen die verschiedensten Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensentwürfen zusammen. Luzie betrachtete die Menschen nicht nur, sie versank regelrecht in ihren Beobachtungsobjekten und stellte sich dabei vor, was für ein Leben sie wohl führten. Fast hätte sie es deswegen wieder versäumt an ihrer Station Lancaster Gate auszusteigen. Dieses Mal war Luzie ganz gefangen von dem Anblick einer sehr alten Frau. Ihre Hände erzählten von einem Leben voll harter Arbeit, und ihre aufrechte Haltung strahlte eine Würde aus, die Luzie tief berührte. Der Blick der Frau ließ Luzie vermuten, dass ihre von vielen kleinen Falten umrahmten Augen im Leben viel gesehen hatten. Einem Leben voller Höhen, aber auch Tiefen, wie Luzie vermutete. Irgendwie hatte die alte Frau es geschafft, nicht nur ihre Würde zu bewahren, sondern auch innere Zufriedenheit zu erlangen. Das jedenfalls glaubte Luzie zu spüren, als sich ihre Blicke trafen. Ob die Frau Kinder hatte, einen Mann, den sie liebte. Nur schwer gelang es Luzie sich von ihrer faszinierenden Aura zu lösen. Aber ihr voller Terminkalender für den heutigen Tag erlaubte es nicht eine Station zu weit zu fahren. Flink bändigte Luzie ihre blonde Lockenmähne mit einem Haargummi und sprang von dem harten U-Bahn-Sitz auf. Sie erwiderte das Lächeln der alten Frau und gelangte mit einem großen Schritt im letzten Moment noch auf den Bahnsteig.
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Seitenzahl: 217
Veröffentlichungsjahr: 2021
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»This is Lancaster Gate. This is a Central Line train to Epping. The next station is Marble Arch.«
Die Zugdurchsage des Londoner Undergrounds schreckte Luzie Linders auf. Seit nunmehr sechs Monaten fuhr die junge Deutsche mit der Central Line von Notting Hill, wo sie sich ein gemütliches Häuschen mit Dachterrasse in dem Londoner In-Viertel gekauft hatte, zu Kensington Gardens. Aber immer noch verlor sie sich regelmäßig darin, die anderen Mitfahrenden in der Londoner U-Bahn zu beobachten. Hier, in der Hauptschlagader Londons, kamen die verschiedensten Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensentwürfen zusammen. Luzie betrachtete die Menschen nicht nur, sie versank regelrecht in ihren Beobachtungsobjekten und stellte sich dabei vor, was für ein Leben sie wohl führten. Fast hätte sie es deswegen wieder versäumt an ihrer Station Lancaster Gate auszusteigen. Dieses Mal war Luzie ganz gefangen von dem Anblick einer sehr alten Frau. Ihre Hände erzählten von einem Leben voll harter Arbeit, und ihre aufrechte Haltung strahlte eine Würde aus, die Luzie tief berührte. Der Blick der Frau ließ Luzie vermuten, dass ihre von vielen kleinen Falten umrahmten Augen im Leben viel gesehen hatten. Einem Leben voller Höhen, aber auch Tiefen, wie Luzie vermutete. Irgendwie hatte die alte Frau es geschafft, nicht nur ihre Würde zu bewahren, sondern auch innere Zufriedenheit zu erlangen. Das jedenfalls glaubte Luzie zu spüren, als sich ihre Blicke trafen. Ob die Frau Kinder hatte, einen Mann, den sie liebte. Nur schwer gelang es Luzie sich von ihrer faszinierenden Aura zu lösen. Aber ihr voller Terminkalender für den heutigen Tag erlaubte es nicht eine Station zu weit zu fahren. Flink bändigte Luzie ihre blonde Lockenmähne mit einem Haargummi und sprang von dem harten U-Bahn-Sitz auf. Sie erwiderte das Lächeln der alten Frau und gelangte mit einem großen Schritt im letzten Moment noch auf den Bahnsteig. Luzie folgte dem Strom der ans Tageslicht strebenden Menschenmenge auf die Rolltreppe der U-Bahn-Station. Was wohl das Geheimnis dieser Frau war? Wie hatte sie es geschafft bei all den Schicksalsschlägen, die das Leben für sie bereithielt, derart in sich zu ruhen? Luzie hätte gerne noch weiter ihren Gedanken nachgehangen. Doch da hatte sie die Lancaster Gate Station schon hinter sich gelassen und befand sich mitten im quirligen Leben der britischen Metropole London. Die Besitzerin des Londoner Luxushotels Eden Palace schaute auf ihre Uhr und erschrak leicht. Sie war viel zu spät dran. Gestern Abend hatten ihre Freunde, der Bellboy Ajit, der Jungkoch Nick Saunders, seine frisch angetraute Ehefrau Lady Patricia Walmoden und der Popstar Gloria Glory sie vor ihrem Büro abgefangen, um ihr etwas auf Ajits Laptop zu zeigen. Dabei hatte sich das Quartett eher kryptisch ausgedrückt. Sie hätten sowohl wichtige Informationen als auch viel zu lachen für Luzie. Aber der gestrige Tag hatte Luzie dermaßen erschöpft, dass sie die Freunde auf heute vertröstet hatte. Da Nick und Patty noch irgendetwas Wichtiges unternehmen wollte, hatte die Hotelerbin dem frühen Termin zugestimmt. Luzie nutzte die Gelegenheit und überquerte die stark befahrene Bayswater Road, als sich eine kleine Lücke im Verkehr auftat. Mit eiligen Schritten hastete sie den Fußweg zum Marlborough Gate entlang, um ihren allmorgendlichen Arbeitsweg durch Kensington Gardens anzutreten. Sie würde die gewohnte Strecke entlang ihren Lieblingsorten des königlichen Parks abkürzen müssen, wenn sie zu ihrem Termin mit den Freunden nicht heillos zu spät kommen wollte. Das war bedauerlich, denn auf ihrem morgendlichen Parcours schöpfte Luzie die Kraft für den anstrengenden Hotelalltag. Aber die junge Deutsche verabscheute es unpünktlich zu sein. Am Marlborough Gate angekommen betrat Luzie Kensington Gardens und schlug sogleich den schnellsten, den Park diagonal durchquerenden Weg ein. Auf ihr allmorgendliches Stracciatella-Eis beim originellen Rolls-Royce-Eiswagen vor Italian Gardens verzichtete sie schweren Herzens. Sogar von einem Besuch ihrer geliebten Peter Pan Statue sah sie mit einem tiefen Seufzer ab. Ajit, Nick, Patricia und Gloria warteten bestimmt schon. Eigentlich hatte Luzie nach dem Streit mit Sebastian ihr Büro für ein paar Tage meiden wollen. Aber vielleicht war es besser mit der Erinnerung an Sebastians harsche Worte konfrontiert zu werden als mit ihm selbst. In ihr Büro würde der Mann, dem sie erst vor Kurzem ihr Herz geöffnet hatte, ganz sicher nicht kommen. Jedenfalls nicht, seit er annahm, Luzie habe etwas mit Reto Schübli. Sebastian bezichtigte Luzie tatsächlich, sich von dem steinreichen Hotelkettenbesitzer aushalten zu lassen. Eine absurde Behauptung. Der Mittsechziger Reto war zwar immer noch attraktiv, aber Luzie war keine Frau, die sich von einer verlorenen Liebe wie mit Sebastian in irgendeine Affäre flüchtete. Außerdem war Luzie, seitdem sie von ihrem ihr bis dahin unbekannten Vater Arthur Fitzroy das Eden Palace mitsamt mehrerer Millionen Pfund geerbt hatte, eine der vermögendsten Frauen Londons. Die Hotelerbin hatte es weiß Gott nicht nötig, sich aushalten zu lassen. Das hatte sie noch nie in ihrem ganzen Leben getan. Selbst zu Zeiten, als es ihr finanziell eher schlecht gegangen war. Und Sebastian vergaß anscheinend, dass er es gewesen war, der sie ausgerechnet an ihre testamentarisch unkündbare Hotelmanagerin Clarissa Darlington verraten hatte. Aber das war wohl der Preis dafür, wenn man sich auf den Assistenten der Erzfeindin einließ. Tapfer kämpfte Luzie gegen ihre aufkommenden Gefühle von Verletzung und Demütigung an. Die junge Frau holte ein Taschentuch aus ihrer Paco Rabanne Handtasche und wischte sich eine Träne fort. Da war noch ein anderes Gefühl, mit dem sie zu kämpfen hatte. Eines aus der Tiefe ihres Herzens. Es war ein Fluch. Sie liebte diesen Schuft Sebastian Porter immer noch. Aber Luzie war ebenso wild entschlossen, die Sehnsucht nach Sebastians Lächeln, seinen melancholischen Augen und seinen zärtlichen Lippen in sich auszulöschen. Die Morgensonne im Rücken betrachtete Luzie ihren Schatten. Die Umrisse ihres Marc-Jacobs-Wickelkleides bewegten sich beschwingt um ihre schlanken Schenkel. Das sommerliche Blumenmuster, das schmeichelhaft ihre zierliche Figur umspielte, zeigte ihr Schatten nicht. Die junge Frau wusste, wie gut sie heute aussah. Sie hatte ganz zielsicher ihr Lieblingskleid angezogen. Irgendwann am heutigen Tage würde ihr Sebastian unvermeidlich über den Weg laufen, und dann sollte er sehen, was für eine Frau er durch seinen Verrat an ihr verloren hatte. Luzie hatte erst ein kurzes Stück ihres Weges hinter sich gelassen, als ein Rikscha-Fahrer unmittelbar vor ihren Füßen stoppte.
»Kann ich dich ein Stück mitnehmen?«
Luzie Linders fuhr erschrocken zusammen. Gedankenverloren wäre sie fast in das Fahrradtaxi hineingelaufen.
»Nael«, lächelte sie den sportlichen jungen Kunststudenten an. »Willst du mich umbringen?«
»Wo bist du mit deinen Gedanken?«, lachte Nael auf. »Kannst du es nicht erwarten, bis du Sebastian wiedersiehst?«
»Falsches Thema«, gab sich Luzie unbewegt.
»Okay«, wunderte sich Luzies Bekannter. »Gestern, als ihr beide bei mir in der Rikscha gesessen habt, da dachte ich …«
»Ich möchte nicht darüber reden«, unterbrach die junge Hotelierin Nael und nahm in seiner Rikscha Platz. »Aber dein Angebot nehme ich gerne an. Genaugenommen schickt dich der Himmel. Ich bin spät dran.«
»Ich dachte, ihr Deutschen seid immer so pünktlich«, scherzte Nael.
»Wir bemühen uns«, lächelte Luzie. »Aber so sehr ich London auch liebe, diese verrückte Stadt macht Pünktlichkeit nahezu unmöglich.«
»Dann bleibt dir wohl nichts anderes übrig, als dich in Gelassenheit zu üben«, trat der Rikscha-Fahrer lachend in das Pedal. »Oder du musst das Eden Palace verkaufen und aufs Land ziehen.«
Luzie grinste schief. Nael hatte es heute wirklich gut raus, ihre wunden Punkte anzupiksen. Sie hatte schon wieder bis tief in die Nacht wach gelegen und überlegt, ob sie Reto Schüblis Angebot, das Eden Palace für eine stolze Summe zu kaufen, vielleicht doch annehmen sollte. Das Versprechen des Hotelkettenbesitzers, ihre Widersacherin Clarissa Darlington aus dem Eden Palace zu vertreiben und Luzie an deren Stelle als Hotelmanagerin einzustellen, war schon verführerisch. Luzie konnte es sich nicht erklären, aber tief in ihrem Inneren gab es eine Stimme, die sie eindringlich davor warnte, Reto Schübli zu trauen. Wenn Reto sie über den Tisch zog, dann verlor Luzie das Eden Palace, an dem sie sehr hing. Aber so sehr es die Hotelerbin schmerzen würde, so sicher würde sie wieder aufstehen, den Staub abschütteln und sich ein neues Hotel kaufen. Das Geld dazu hatte sie.
Nur was würde aus all den lieben Menschen im Eden Palace, die ihr im Laufe der letzten Monate ans Herz gewachsen waren und für deren Wohlergehen sie sich verantwortlich fühlte.
»Nael, darf ich dir eine Frage stellen?«, lehnte sich Luzie im Rikschasitz nachdenklich nach vorn.
»Klar«, antwortete der Kunststudent gut gelaunt. »Was willst du wissen?«
»Stell dir vor, du bist ein erfolgreicher Künstler und verdienst einen Haufen Geld.«
»Das ist eine sehr schöne Vorstellung«, seufzte Nael.
»Du hast ein Haus gekauft, in dem deine ganze Familie wohnt«, fuhr Luzie fort.
»Weißt du, wie groß meine Familie ist?«, machte Nael große Augen.
»Bitte, es ist wichtig, Nael«, insistierte Luzie.
Der Kunststudent nickte, hielt seine Rikscha am Palace Gate, dem Parkausgang zum Eden Palace, und drehte sich zu ihr um.
»Du hast also dieses große, wunderschöne Haus, und ein noch reicherer Mann bietet dir eine stolze Summe dafür. Er verspricht dir, dass du und deine Familie dort wohnen bleiben dürft und er nur deine verhasste Tante herausschmeißen wird.«
»Ein verlockendes Angebot«, gab Nael zu.
»Es gibt aber einen Haken«, zog Luzie ihre Stirn in grüblerische Falten.
»Wie bei jedem verlockenden Angebot.«
Luzie musste über Naels Bemerkung schmunzeln.
»Der Haken ist, du traust diesem reichen Mann nicht«, wurde Luzie gleich wieder ernst.
»Aus welchem Grund?«, erkundigte sich Nael.
»Nur so ein Gefühl«, zuckte Luzie mit den Schultern. »Würdest du das Haus verkaufen?«
»Niemals«, antwortete Nael überzeugt. »Mein Name bedeutet der Sohn des Löwen, und der schafft alles. Meine Familie glaubt an mich. Sie unterstützen mich, wo sie nur können. Auch, wenn wir manchmal streiten oder unterschiedlicher Meinung sind. Sie verstehen nicht, warum ich Maler sein will. Aber sie sind trotzdem sehr stolz auf mich, weil ich liebe, was ich tue. Für meine Familie würde ich alles tun, aber ich würde sie niemals in Gefahr bringen. Für kein Geld der Welt. Obwohl ich zugeben muss, dass der Gedanke, Tante Asifa loszuwerden, sehr reizvoll ist.«
Luzie seufzte. Eine Familie wie Naels hatte sie sich als Kind immer gewünscht.
»Was ist mit deiner Familie, Luzie?«
»Ich habe keine Familie«, sagte Luzie leise. »Ich bin im Heim aufgewachsen.«
»Das tut mir leid«, bedauerte Nael aufrichtig. »Aber sprechen wir nicht von der Familie dort drüben in deinem Hotel?«
»Du bist ein sehr schlauer Löwe«, küsste Luzie Nael auf die Wange und stieg aus der Rikscha.
»Was bedeutet dein Name?«, erkundigte sich Luzies Bekannter, während er den Fahrpreis von ihr entgegennahm.
»Die Leuchtende«, erwiderte Luzie überrascht von der Frage.
Nael drückte Luzie zum Abschied die Hände.
»Dann leuchte für die Menschen in deinem Hotel und bring sie nicht in Gefahr.«
*
Vor Luzie Linders’ Büro unter dem Dach des Eden Palace traten Nick Saunders und Lady Patricia unruhig von einem Fuß auf den anderen.
»Wo bleibst du denn?«, zeigte Patricia ungehalten auf ihre zierliche Armbanduhr, als Gloria Glory den Gang entlang auf sie zuhastete.
»Ich habe gleich gesagt, dass ich es unmöglich schaffe so früh aufzustehen«, war sich Gloria keiner Schuld bewusst.
»Unser Flieger nach Bora Bora geht in drei Stunden. Du hast ihn selbst gebucht«, schmunzelte Nick.
»Schuldig im Sinne der Anklage«, hob die Sängerin entwaffnend die Hände. »Ich habe euch eine Hochzeitsreise geschenkt, ich Teufelin.«
»Das war sehr lieb von dir«, musste sich Patricia ein Grinsen verkneifen. »Ich rede allerdings von deiner chronischen Unpünktlichkeit.«
Gloria deutete auf den menschenleeren Flur des Dachgeschosses.
»Aber wie ich sehe, bin ich nicht die Letzte. Wo sind Ajit und Luzie?«
»Keine Ahnung«, erklärte Patricia unruhig. »Luzie hat geschrieben, dass sie auf dem Weg ist. Und Ajit konnte sich von der Arbeit noch nicht losmachen.«
»Nach der Abmahnung von Miss Darlington ist er natürlich vorsichtig«, ergänzte Nick. »Ich hoffe, er kommt gleich mit dem Video.«
Trotz ihrer Anspannung mussten die Freunde bei dem Gedanken an das Video lachen. Ajit, der sich als Mitglied der Computerhackergruppe Robin Hack geoutet hatte, war es gelungen, sich Zugriff auf das Computersystem von Clarissa Darlingtons vollautomatisierter Privatsuite im Eden Palace zu verschaffen. Die Hotelmanagerin hatte jedem aus diesem Quartett übel mitgespielt. Dafür hatten sich die Freunde während ihres Interviews mit dem Wirtschafts-Journalisten Rob Parks mit einem derben Streich an ihr gerächt und das Ergebnis auf Video mitgeschnitten.
»Ich hoffe auch, dass Luzie und Ajit gleich hier aufschlagen. Ich muss heute noch nach Wales. Ich habe eine Fotosession für mein neues Album.«
Patricia und Nick schüttelten kichernd den Kopf über die Dreistigkeit der ständig zu spät kommenden guten Freundin.
»Ist Miss Luzie noch nicht da?«, stieß Ajit außer Atem zu dem Trio. »Ich muss in spätestens zwanzig Minuten wieder unten in der Lobby sein. Mister Fox hat ein scharfes Auge auf mich.«
»Sie kommt gleich«, antwortete Nick. »Na, die wird Augen machen.«
»Das glaube ich auch«, stimmte ihm Gloria zu. »Ich dachte schon, es wäre krass, dass die Darlington mich eine Stunde auf der Toilette eingesperrt hat. Aber was sie sich in dem Interview mit dem Schreiberling von diesem Manager-Magazin erlaubt hat, schießt den Vogel ab.«
»Und wie dir sicherlich aufgefallen ist, habe ich das Eden Palace aufwendig modernisieren lassen in den letzten Wochen«, äffte Patricia die verhasste Hotelmanagerin nach. »Die Darlington hat diesem Rob Parks nur Lügen aufgetischt.«
»Keinen Handschlag hat sie getan. Die Modernisierung war allein Miss Linders’ Verdienst«, ergänzte Ajit mit düsterem Blick.
»Aber dafür haben wir unsere Hotelmanagerin ganz schon aufgescheucht«, lachte Nick schadenfroh. »Die wusste gar nicht mehr, wie ihr geschah.«
»Allerdings«, kicherte Gloria, schaute dann aber ernst in die Runde. »Ich fand auch diesen Journalisten so krass, oder? Erpresst der die Darlington zum Sex.«
»Dass sie sich darauf eingelassen hat, hätte ich selbst von der gänzlich moralbefreiten Clarissa nicht erwartet«, ergänzte Nick ungläubig. »Hat die Frau denn gar keine Selbstachtung?«
»Ihr Image ist Miss Kaa halt am wichtigsten«, hob Ajit mitleidlos die Schultern.
»Miss Kaa?«, erkundigte sich Patricia mit fragendem Blick. »Du meinst die Schlange im Dschungelbuch?«
»Ja«, grinste Ajit breit. »Marcel nennt die Darlington immer so, wenn sie nicht dabei ist.«
Schallendes Gelächter drang über den Flur im Dachgeschoss. Der Hotelflorist des Eden Palace, Marcel de Beausoir, war im Kollegium nicht umsonst für seine spitze Zunge bekannt.
»Hast du den USB-Stick dabei?«, lenkte Nick die Unterhaltung wieder auf das ursprüngliche Anliegen der Freunde.
»Natürlich«, strahlte Ajit und präsentierte das Speichermedium. »Die ganze Clarissa Darlington Show. Von Anfang bis Ende.«
»Bis auf den Teil, den wir nicht aufnehmen wollten«, hakte Lady Patricia misstrauisch nach.
Ajit schaute mit leicht gequältem Blick zu Gloria, die sich betont unbeteiligt eine stahlblaue Haarsträhne aus dem Gesicht strich.
»Habe ich es doch geahnt«, sagte Patricia verärgert. »Ich dachte, wir wären uns einig gewesen, den Sex von Clarissa und Rob Parks nicht aufzunehmen.«
»Nein, du warst die Einzige, die das nicht wollte«, korrigierte sie Gloria. »Ich und Ajit waren dafür. Und Nick zählt nicht. Der ist viel zu sehr verliebt in dich, um dir zu widersprechen.«
Nick setzte an zu protestieren, doch Patricia hielt ihn zurück. Gloria und Ajit glucksten amüsiert.
»Das könnt ihr nicht machen«, empörte sich Patricia.
»Und ob wir das können«, widersprach Gloria Glory. »Diese Frau geht über Leichen. Gegen solche Leute musst du mit ihren eigenen Waffen kämpfen. Glaub mir, ich begegne genügend Typen von dieser Sorte in meinem Business.«
»Außerdem ist es das perfekte Druckmittel für Miss Luzie«, sprang Ajit Gloria bei.
»Luzie darf das nicht sehen«, appellierte Patty eindringlich, als die Hotelerbin wie aus dem Nichts vor dem Freundesquartett auftauchte. Luzie Linders registrierte die ertappten Blicke sofort.
»Was darf ich nicht sehen?«, erkundigte sie sich neugierig. »Bin ich jetzt etwa umsonst so früh aufgestanden? Ich dachte, es sei so dringend.«
*
Nur in ein Handtuch gehüllt, betätigte Clarissa Darlington vorsichtig die Fernbedienung ihrer Privatsuite, um die matten Metalltüren ihres Kleiderschranks zu öffnen. Seit ihre vollautomatisierte Suite bei dem Interview mit Rob Parks vollkommen verrückt gespielt und sie sich bis auf die Knochen blamiert hatte, traute sie der Technik nicht mehr. Zwar hatte, nachdem Rob gegangen war, alles wieder einwandfrei funktioniert, aber bis der Fehler im System gefunden war, hatte Clarissa beschlossen, nur die notwendigsten Funktionen ihrer High-Tech-Suite zu nutzen. Nur leider öffnete sich der Kleiderschrank ausschließlich per Knopfdruck. Als die Schranktüren ohne Probleme auseinanderfuhren, atmete die Hotelmanagerin erleichtert auf. Clarissas Blick fiel auf ihr zerwühltes Bett. Das Bild des stöhnenden und keuchenden Rob über ihr erschien augenblicklich vor ihrem inneren Auge. Es war nicht das erste Mal gewesen, dass Clarissa ihren Körper für ihre Karriere eingesetzt hatte. Auch war der Geschlechtsverkehr, den sie regelmäßig mit Luzies altem Vater Arthur Fitzroy hatte vollziehen müssen, weitaus unangenehmer gewesen als der mit Rob Parks. Aber dass sie mit einem aus dem Leim gegangenen Journalisten schlafen musste, während ihr attraktiver heimlicher Geliebter Reto Schübli seit zwei Tagen ihre Anrufe ignorierte, hatte ihr extrem zu schaffen gemacht. Clarissa konzentrierte sich jetzt wieder auf das Angebot ihres Kleiderschranks.
»Staub abschütteln, Krone richten«, ermahnte sich Clarissa wieder in die Gegenwart zurückzukehren. Was geschehen war, war geschehen. Sie musste nach vorne blicken und das perfekte Outfit für die heutige Fashion Show von Rocco London im Eden Palace finden. Von dem aufstrebenden Stardesigner selbst besaß Clarissa nichts. Viel zu verspielt erschienen ihr seine Kreationen. Nach kurzer Inspektion ihrer elegantesten Designerstücke entschied sich Clarissa für einen Klassiker. In dem ärmellosen Jumpsuite von Prada würde sie fantastisch aussehen und gleichzeitig aus der Masse des Publikums herausstechen. Die weitgeschnittenen Beine aus mitternachtsblauem Crêpe passten zudem perfekt zu ihren Manolos.
Während Clarissa elegant in den Jumpsuite schlüpfte, klingelte ihr Handy. Es war Rob Parks. Ausgerechnet er. Clarissa schüttelte sich kurz, um ihre Anspannung loszuwerden und setzte ihr souveränes Business-Gesicht auf.
»Und?«, begrüßte sie Rob fast teilnahmslos. »Was kannst du mir berichten?«
»Herzlichen Glückwunsch, Miss Darlington. Sie sind die neue Titelstory auf dem nächsten Leaders Magazine. Der Chefredakteur war begeistert von meinem Artikel.«
»Und das Cover?«, hakte Clarissa zackig nach.
»Es ist die Titelstory, also bist du auch auf dem Cover«, amüsierte sich Rob Parks.
»Welches Foto?«
»Das, wo du schaust wie eine Königspython, umgeben von sündhaft teurem Geschmeide«, spottete der Journalist.
»Dann hat sich die erbärmliche Nummer mit dir wenigstens gelohnt«, feuerte Clarissa einen giftigen Pfeil auf Rob Parks.
»Wenn du meinst, Baby«, konterte Rob sarkastisch. »Ich hoffe doch, der Sex mit mir war nicht so erbärmlich wie die Figur, die du abgegeben hast, als dich deine eigene Zimmerbar durch die Suite gejagt hat.«
Rob Parks brach in schallendes Gelächter aus.
»Ich werde niemals vergessen, wie die wildgewordene Bar Eiswürfel auf dich geschossen hat«, prustete der Journalist. »Was hast du der Bar nur angetan? Ich dachte immer, du quälst nur Menschen.«
»Sagen wir es mal so«, erwiderte Clarissa Darlington herablassend. »Meine Zimmerbar besitzt deutlich mehr Leidenschaft als du. Und auch die Eiswürfel waren heißer als deine jämmerlichen Versuche, mich zu befriedigen.«
Für einen kurzen Moment war es am anderen Ende der Leitung still.
»Übertreib es nicht, Clarissa«, brach Rob ernst das Schweigen. »Der Artikel ist noch nicht gedruckt und ich kann immer noch über deine Blamage berichten. Wie würde dir das gefallen?«
»Verstanden, Rob. Ich reiß mich zusammen«, erklärte Clarissa kühl. »Aber was erwartest du von mir, wenn du mich erpresst mit dir zu schlafen?«
»Hast du nicht vor Jahren das gleiche mit mir getan, Clarissa? Und ist nicht meine damalige Beziehung daran zerbrochen? Aber um deine Frage zu beantworten: Ich erwarte gar nichts von dir. Du bist eiskalt. Wenn ich nicht sehr dringend eine Top Story gebraucht hätte, wäre ich nicht einmal auf die Idee gekommen, dich anzurufen. Doch zumindest sind wir jetzt quitt.«
Clarissa Darlington wollte noch etwas entgegnen, doch Rob Parks hatte ohne ein Wort der Verabschiedung aufgelegt.
»Und da sage noch einer, Frauen wären sensibel«, verdrehte Clarissa die Augen.
Die Hotelmanagerin setzte sich an ihren Schminktisch und bürstete zufrieden ihr zu einer asymmetrischen Pagenfrisur geschnittenes blauschwarzes Haar. In ein paar Tagen würde ihr Bild auf dem wichtigsten Managermagazin in ganz Großbritannien zu sehen sein. Als dritte Frau in der langen Geschichte des Magazins überhaupt. Aber, was noch wichtiger war, für jeden im Business würde sie fortan das Gesicht des Eden Palace sein. Sie allein.
Das Klopfen an der Tür riss Clarissa aus ihrem Tagtraum, und Sebastian Porter betrat die Suite mit einem ungewohnt freundlichen Gesicht.
»Sebastian, was verschafft mir so früh die Ehre? Und dann noch in meinen Gemächern«, begrüßte die Hotelmanagerin ihren Assistenten ironisch.
Sebastian lächelte höflich.
»Unser Empfangschef Mister Fox hat mir von ihrem Software-Problem berichtet. Er meinte, sie hatten einen Totalausfall des Systems.«
»Das stimmt«, ließ sich Clarissa keinerlei Gefühlsregung anmerken. »Aber ich habe diese Angelegenheit an Mister Fox übergeben. Sie brauchen sich nicht darum zu kümmern.«
»Ich habe mich bereits gekümmert«, informierte Sebastian seine Chefin. »Mister Fox hatte mit der anreisenden Crew von Rocco London alle Hände voll zu tun. Also habe ich mich um eine verlässliche Firma bemüht, die das Problem löst und das System auf mögliche Schwachstellen überprüft. Sie werden in etwa einer Stunde hier sein.«
Clarissa pfiff anerkennend.
»Alle Achtung, Sebastian. Sie überraschen mich. Aber was sagt denn ihr Liebchen Luzie dazu, dass sie sich so fürsorglich um meine Belange kümmern?«
Es war weniger Clarissa Darlingtons Spott, der Sebastian einen Stich versetzte, als vielmehr die Erwähnung des Namens seiner Traumfrau, die ihn so herzlos gegen einen anderen ausgetauscht hatte.
»Miss Linders war ein Irrtum«, erwiderte Sebastian mit ungerührter Miene.
»Seit wann das?«, hakte die Hotelmanagerin wissbegierig nach.
»Von Anfang an«, ließ sich Sebastian nicht ins Herz schauen.
»Natürlich«, lachte Clarissa. »Die Frau war schon immer eine Katastrophe. Meine Frage lautete allerdings, wann Sie es begriffen haben?«
Clarissa beobachtete Sebastian genau. Sie war selbst überrascht, wie zügig ihre Intrige gewirkt hatte.
»Das ist meine Privatsache«, gab sich Sebastian zugeknöpft.
Er war zutiefst enttäuscht von Luzie. Sie hatte etwas in ihm zerstört. Sebastian hätte gegen den Rest der Welt mit ihr gekämpft. Aber Luzie hatte sich lieber in die Arme dieses superreichen Schnösels geworfen. Sollte sie doch darin umkommen. Dennoch, trotz aller Wut auf Luzie Linders, hatte er wenig Lust, Clarissa den Triumph zu gönnen, sich an seinem Leid zu weiden.
»Wie Sie wollen, Sebastian.«
Clarissa legte sich ihr Haar zurecht, stand von ihrem Schminktisch auf und trat zu ihrem Assistenten. »Aber sie müssen zugeben, dass ich Sie gleich gewarnt hatte.«
»Durchaus«, antwortete Sebastian verkniffen.
»Ach, Schwamm drüber. Wissen Sie was? Wir starten noch mal neu. Ich bin auch gerne bereit, Ihnen Ihre Illoyalität zu verzeihen. Wir machen alle unsere Fehler. Oder zumindest die meisten von uns.«
Sebastian ertrug Clarissas Gerede nur schwer. Trotz seiner bitteren Enttäuschung über Luzie verachtete er Clarissa Darlington nicht weniger als zuvor. Aber die Hotelmanagerin hatte ihn immer noch in der Hand. Ihm wurde fast schwindelig, wenn er daran dachte, in welche Gefahr er sich für Luzie Linders gebracht hatte. Und Clarissa ließ es sich nicht nehmen, auf genau diese Tatsache noch einmal genüsslich hinzuweisen.
»Um ehrlich zu sein, war ich kurz davor, Ihre kriminelle Vergangenheit auffliegen zu lassen. Es wäre ein Leichtes gewesen, Ihre neue Identität an Ihren mafiösen Familienclan zu verraten. Sie haben mir ganz schön zugesetzt und mich schwer enttäuscht, Sebastian.«
Clarissa blitzte ihren Assistenten bedrohlich an, setzte dann aber ihr zuckersüßestes Lächeln auf.
»Aber jetzt, wo sie begriffen haben, dass Sie mit mir viel besser fahren, will ich noch einmal Gnade vor Recht ergehen lassen. Ich bin ja kein Unmensch.«
Am liebsten hätte Sebastian Clarissa all seine Verachtung vor die Füße gespuckt und seiner Chefin gesagt, dass er sie für eine hinterhältige und verabscheuungswürdige Intrigantin hielt. Doch Sebastian riss sich zusammen und ließ sich seinen Ekel nicht anmerken.
»Haben Sie noch Wünsche oder Aufgaben wegen Rocco Londons Fashion Show für mich?«, erkundigte er sich höflich.
»Und wenn ich diese Modenschau nun sabotieren wollte?«, sah Clarissa Sebastian prüfend an.
»Dann würden wir diese Modenschau sabotieren«, antwortete Sebastian ehrlich.
Die Hotelmanagerin warf ihm einen skeptischen Blick zu. Konnte sie ihrem Assistenten trauen? Oder spielte er nur ein Spiel mit ihr, dass er sich gemeinsam mit ihrer Rivalin Luzie Linders ausgedacht hatte?
»Ich würde Ihre Loyalität allzu gerne überprüfen. Aber leider passt es mir nicht in den Kram, wenn bei Rocco Londons Fashion Show heute Probleme auftreten.«
Sebastian sah sie verwundert an.
»Wissen Sie«, erklärte Clarissa selbstverliebt, »ich werde bald in aller Munde sein, und da kann ich es mir nicht leisten, wenn das Eden Palace negativ in die Schlagzeilen gerät. Lassen wir also der kleinen Miss Linders einen ihrer letzten Triumphe.«
Sebastian wurde aus dem Gesagten nicht schlau. Da er aber davon ausging, dass Clarissa ihn nicht vertrauensvoll in ihre Pläne einweihen würde, nickte er stumm zum Abschied und machte sich auf, die Suite zu verlassen.
»Sebastian!« hielt Clarissa ihn zurück. »Was ist passiert?«
Clarissa Darlington trat an ihn heran und legte ihre Hand auf seine Schulter. Sebastian verbarg, wie sehr ihn ihre Berührung anwiderte.
»Ich weiß, Sie können mich nicht leiden, Sebastian. Aber ich kann Ihnen helfen, wenn Miss Linders Sie verletzt hat. Und so wie Sie in diese Frau vernarrt waren, hat sie Ihnen verdammt weh getan. Glauben Sie mir, Rache kann sehr befriedigend sein.«
Zwei Gefühle kämpften in Sebastians Brust miteinander. Einerseits lag ihm nichts ferner, als ausgerechnet Clarissa Darlington Einblick in seine Gefühlswelt zu gewähren. Schon gar nicht, sie an seinen Verletzungen teilhaben zu lassen. Diese Frau nutzte jede noch so kleine Information stets für ihre eigenen egoistischen Zwecke. Andererseits verspürte er ein inniges Bedürfnis, das Unrecht, das Luzie ihm angetan hatte, auszusprechen. Er hatte niemanden, dem er sich mitteilen konnte, da sein guter Freund und Beichtvater Reverend Scott zurzeit zu einer Besprechung beim Bischof war. Und wer konnte seinen Hass auf Luzie besser verstehen als Clarissa. Allein die Tatsache, dass er das, was zwischen ihnen vorgefallen war, Clarissa erzählte, würde Luzie schwer treffen.
»Sie hat einen anderen«, sagte er schließlich. Sebastian war selbst überrascht von seiner Entscheidung zu reden. Gerade noch hatte Clarissa ihm mit seiner Mafiafamilie gedroht, was seinen Tod bedeuten könnte. Aber irgendwie musste es raus. »Einen reichen Mann, der ihr mehr bieten kann als ich«, verbarg er seinen wahren Schmerz hinter einer versteinerten Miene. »Ich dachte, sie wäre anders. Aber da habe ich mich wohl getäuscht. Sie hat mich nur ausgenutzt, um Ihnen zu schaden. Nur leider habe ich es zu spät gemerkt.«
»Wer ist das?«, hakte Clarissa amüsiert nach.
»Reto Schübli von Schübli Hotels«, verzog Sebastian angewidert das Gesicht und ging.
