Verlag: EDITION digital Kategorie: Für Kinder und Jugendliche Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2012

Der Löwe aus dem Ei E-Book

Klaus Möckel

4.94444444444444 (18)
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E-Book-Beschreibung Der Löwe aus dem Ei - Klaus Möckel

Was für eine unglaubliche Geschichte! Nicht nur, dass Florian sich gegen zwei Rabauken zur Wehr setzen muss, die ihm sein Taschengeld abnehmen wollen, er wird plötzlich auch noch von einem Löwen verfolgt. In der Tat, der Schrecken könnte nicht größer sein. Erst nach und nach begreift der Junge, dass es sich bei dem Tier um einen Zauberlöwen handelt, der sprechen kann, aus einem Plastik-Ei stammt und auf Befehl wieder darin verschwindet. Dieses große Geheimnis kann Florian niemandem außer seiner Freundin Mareike anvertrauen. Schon bald werden die drei zu einer verschworenen Gemeinschaft. Doch dann bringt ein Gauner das Ei an sich, und spektakuläre Raubüberfälle finden statt. Dem gefährlichen Treiben kann nur ein Ende gesetzt werden, wenn es den Kindern gelingt, den Löwen zurückzuholen. Ein Buch, das voller Spannung ist und mit vielen lustigen Begebenheiten aufwartet. INHALT: Ein sonderbarer Vorfall Florian in Nöten Ein feuchter Fleck Der Löwe kehrt zurück Ein turbulenter Nachmittag Rex als Beschützer Florian wird übermütig Ein Streit mit Mareike Sven hat einen Verdacht Ein neuer Freund Mitch entpuppt sich Der Überfall Unter Verdacht Ein Besuch bei Mareike Auf Beobachtungsposten Nichts als Missverständnisse Die Verfolgung In Gefangenschaft Mitch entdeckt den Schwindel Ein glücklicher Rex Rex entzieht sich der Verhaftung Was noch zu berichten ist

Meinungen über das E-Book Der Löwe aus dem Ei - Klaus Möckel

E-Book-Leseprobe Der Löwe aus dem Ei - Klaus Möckel

Impressum

Klaus Möckel

Der Löwe aus dem Ei

Abenteuer Zauberlöwe, Teil 1

ISBN 978-3-86394-834-4 (E-Book)

Gestaltung des Titelbildes: Ernst Franta

© 2012 EDITION digital®Pekrul & Sohn GbR Alte Dorfstraße 2 b 19065 Godern Tel.: 03860-505 788 E-Mail: verlag@edition-digital.com Internet: http://www.ddrautoren.de

Ein sonderbarer Vorfall

Florian verließ die Küche, wo er ein großes Glas Cola getrunken hatte. Er näherte sich seinem Zimmer und wollte gerade die Tür aufstoßen, als von drinnen ein lang gezogenes Gähnen ertönte. Das verblüffte und erschreckte ihn zugleich, denn er war an diesem Nachmittag allein zu Hause. Die Mutter war einkaufen, der Vater zur Arbeit und Geschwister hatte er nicht. Auch keinen Besuch - niemand war gekommen, seit er aus der Schule zurück war.

Doch das Gähnen wiederholte sich, wenngleich es nicht sehr laut war und irgendwie fremd klang. Ein Dieb, dachte Florian, der kurz vorher noch in dem Raum gewesen war, Schularbeiten gemacht und sich mit seinem Tamagotchi beschäftigt hatte. Er muss gerade erst übers Dach durchs Fenster eingestiegen sein. Er hielt den Atem an und überlegte, ob er ausreißen sollte. Raus aus der Wohnung und die Nachbarn um Hilfe bitten. Aber alles blieb ruhig und es war ja auch sehr ungewöhnlich, dass ein Dieb eingedrungen war, bloß um hier herumzugähnen.

Deshalb überwog Florians Neugier. Vorsichtig drückte er die Tür auf und riskierte einen Blick in das Zimmer. Was er sah, ließ ihn zurückfahren. Ihm genau gegenüber, auf seiner Liege mit dem verstellbaren Kopfteil, streckte sich ein Löwe aus.

Er war klein, dieser Löwe, kein Baby zwar, aber nur halb so groß wie die schönen gelben Raubkatzen, die Florian kürzlich im Zoo gesehen hatte. Hätte er sich nicht gereckt und die Pfoten mit den Krallen ausgestreckt, man hätte ihn für ein Plüschtier halten können.

Für eine mächtige, samtweiche Kuschelkatze.

Florian wollte schreien, doch kein Laut kam von seinen Lippen. Er wollte - nun schon zum zweiten Mal - davonrennen, aber seine Beine gehorchten ihm nicht. Und dann geschah das nächste Wunder: Der Löwe löste sich in Luft auf. Er verschwand so geheimnisvoll aus dem Zimmer, wie er aufgetaucht war.

Eine ganze Weile stand Florian da und starrte auf die Stelle, wo soeben noch das Raubtier gelegen hatte. Er ließ seinen Blick durchs Zimmer gleiten, in alle Ecken, ob sich dort vielleicht etwas bewegte. Vergeblich! Schließlich trat er einen Schritt vor, wagte sich an die Liege heran. Ganz vorsichtig tastete er sie ab, bereit, aus dem Zimmer zu stürzen, wenn seine Finger etwas berühren sollten, was sich wie ein Fell anfühlte. Aber nichts dergleichen geschah. Es gab keinen Löwen mehr, auch keinen unsichtbaren.

Was war das, dachte Florian, ich hab ihn doch mit eigenen Augen gesehen. Die Mähne, die Schnauze, der ganze Körper, das kann einfach keine Täuschung gewesen sein. Und gegähnt hat er auch so herzhaft wie ein Raubtier.

Florian musste sein Erlebnis jemandem mitteilen. Aber abgesehen davon, dass er ja allein war, würden ihm die Erwachsenen diese Geschichte auch nicht glauben. Sie würden alles für Spinnerei halten, für einen Unfug, den er sich ausgedacht hatte, um sie zu veralbern. Und in diesem Fall konnte er es ihnen noch nicht einmal übel nehmen. Höchstens mit Mareike konnte er darüber reden ...

Mareike war wie Florian neun Jahre alt und ging in seine Klasse. Sie wusste viele praktische Dinge, war gewitzt und half ihm bei den Hausaufgaben. Aber sie hatten sich nicht aus diesem Grund miteinander angefreundet, sondern weil es ihn fast als Einzigen nicht störte, dass sie oft sonderbare Geschichten erfand. Zum Beispiel erzählte sie, die Stein- und Blechfiguren im Atelier ihrer Mutter wären verzaubert. Die Mutter war nämlich Künstlerin und Mareike wohnte mit ihr in einem Haus am Stadtgraben. Anfangs hatte Florian ziemliche Scheu vor der großen blonden Frau im weißen Arbeitskittel gehabt und lieber einen Bogen um ihre Gestalten gemacht. Aber sie hatte die Kinder beim Arbeiten zuschauen lassen und falls sie eine Zauberin war, dann bestimmt eine gute. Ihre Figuren hatten nichts Bedrohliches an sich. Sie wurden ganz normal aus mächtigen Steinen herausgemeißelt oder aus glänzenden Eisenstücken zusammengeschweißt. Wenn sie erst einmal fertig waren, veränderten sie sich nicht mehr.

Florian hatte gemerkt, dass sich Mareike eine Menge zusammenspann, sie aber trotzdem nicht ausgelacht. Sie würde nachts fliegen oder mit ihrer Mutter in einer weißen Gondel fahren, behauptete sie. Die anderen Kinder tippten sich an die Stirn und riefen:

„Die ist ja doof!"

Florian dagegen fragte:

„Und wo bist du hingeflogen?"

„Direkt in den Himmel", erwiderte Mareike und zeigte nach oben auf die Wolken.

Manchmal trug Mareike ihre Märchen so überzeugend vor, dass er den Eindruck hatte, sie würde selbst daran glauben. Und jetzt, wo ihm das mit dem Löwen passiert war, würde sie ihn bestimmt verstehen. Deshalb ging Florian ans Telefon und wählte die Nummer ihrer Mutter. Die war auch sofort dran.

„Mareike ist im Moment nicht da, Flori", sagte sie, „kann ich ihr was ausrichten?"

„Nein, das heißt, ja. Wenn sie nachher schnell mal bei mir vorbeigucken könnte?"

„Schnell? Wo brennt's denn?"

„Das kann ich am Telefon schlecht erklären", druckste Florian herum.

„Na ja, ich weiß nicht, wann Mareike nach Hause kommt", antwortete die Frau, „aber ich werd's ihr sagen."

Kaum hatte Florian aufgelegt, bereute er es. Das war doch alles Unsinn, er hatte sich die Geschichte nur eingebildet. Nirgendwo in seinem Zimmer und in der Wohnung trieb sich ein Löwe herum, wo sollte er auch herkommen? Und als Mareike dann tatsächlich vor der Tür stand, gespannt wie ein Flitzbogen, traute er sich nicht, von seinem Erlebnis zu berichten. Er faselte etwas von einer Hausaufgabe, die er nicht lösen könne. Mareike war enttäuscht, blieb aber. Dabei hätte er ihre Hilfe bei dieser Aufgabe wirklich nicht gebraucht.

Florian in Nöten

Am nächsten Tag dachte Florian zunächst nicht an die Geschichte mit dem Löwen. Als jedoch im Erdkundeunterricht Frau Buchsbaum, eine junge Lehrerin, ausgerechnet etwas über Afrika erzählte, wurde er daran erinnert. Er hörte nicht mehr richtig zu, sondern überlegte, was er machen würde, wenn er in der Wüste wäre und wirklich so ein Raubtier vor sich hätte. Das wäre bestimmt nicht lustig.

Nach der Schule unterhielt er sich mit Mareike darüber. Er fragte sie, ob sie es für möglich halten würde, dass hier unvermutet ein Löwe auftauchte.

„Was denn, hier auf der Straße?", erkundigte sie sich.

„Auf der Straße oder im Haus, in eurer Wohnung."

„Möglich wäre es schon", erklärte Mareike ernsthaft. „Er könnte ja aus dem Zoo weggelaufen sein. Oder aus einem Zirkus."

„Und was würdest du dann tun?"

„Ich denke, er hätte Hunger und man müsste ihm was zu fressen geben", erwiderte sie.

„Vielleicht hast du Recht, aber erst mal was zu fressen haben", sagte Florian seufzend.

Nach diesem Gespräch trennten sich die beiden - sie mussten in verschiedene Richtungen weiter. Leider war Florian so in Gedanken, dass er nicht auf seine Umgebung achtete. Er lief Sven und Kevin in die Arme, zwei älteren Jungs, die kleinere Schüler gern schikanierten. Sie verprügelten sie und nahmen ihnen ihre Sachen weg. Wahrscheinlich hatten sie an diesem Torbogen auf ihn gelauert.

Es war zu spät, um die Kurve zu kratzen, Sven pflanzte sich vor ihm auf und sein Freund schnitt Florian seitlich den Weg ab. Zurück konnte er aber auch nicht, denn sie drängten ihn an eine Hauswand.

„Nanu, wen treffen wir denn da?", fragte Sven höhnisch.

„Was wollt ihr von mir, lasst mich durch", wehrte sich Florian.

„Er weiß nicht, was wir wollen? Hör dir bloß den an", sagte Sven.

„Soll ich's ihm beibringen?" Kevin gab Florian einen Schubs, so dass er gegen Sven prallte. Der stieß ihn heftig zurück.

„Hört auf, ich hab euch nichts getan", bat Florian.

Doch die beiden hatten ihren Spaß an diesem Spiel. Sie traktierten ihn mit Boxhieben, schubsten ihn hin und her. Schließlich sagte Sven:

„Wir haben eine Abmachung, hast du das vergessen?"

„Ich hab das Geld noch nicht." Florian wusste durchaus, worauf sie hinaus wollten. Kürzlich hatten sie von ihm verlangt, pro Woche zehn Mark zu bezahlen, dann stände er angeblich unter ihrem Schutz. Er hatte so getan, als ginge er darauf ein, was sollte er sonst machen. Dabei waren's ja gerade sie, vor denen er sich in Acht nehmen musste.

„Wenn du denkst, du kannst uns übers Ohr hauen, hast du dich geirrt", blaffte Sven. „Die Woche ist längst um. Los, leer deine Taschen aus."

Florian gehorchte. Zwei zerknitterte Papiertaschentücher kamen zum Vorschein, ein schwarzer Würfel aus Glas und eine leere Bonbontüte. An Geld lediglich drei Zehnpfennigstücke.

Sven nahm den Würfel und die drei Groschen an sich. Mit einem Ratsch zerriss er die Zellophantüte.

„So ist das also. Statt deine Schulden zu bezahlen, verfrisst du unser Geld."

„Die Bonbons hat mir meine Oma geschenkt", protestierte Florian schwach.

„Die Oma, na großartig. Und wann kriegen wir unsre Knete?", rief nun Kevin.

„Nächste Woche. Ich meine ... in drei Tagen", stotterte Florian. „Ich bekomme doch nicht so oft Taschengeld."

Sven packte ihn am Pullover.

„Mir kommt's so vor, als verstehst du uns nicht richtig", murmelte er böse. „Ich glaub, wir müssen dir erst eine Tracht Prügel verpassen." Er holte mit der freien Hand aus und gab Florian einen schmerzhaften Hieb in die Seite. Auch Kevin schlug zu. Zweimal, mit einer harten Faust.

Florian begann zu heulen. Eine Frau, die vorbeikam, sagte:

„Was macht ihr denn mit dem Kleinen?"

„Das ist unser Bruder, es geht um Familienangelegenheiten", erwiderte Sven frech.

„Ich bin nicht ihr Bruder, helfen Sie mir!", rief Florian.

Kevin gab ihm einen Tritt ans Bein, so dass er verstummte. Zu der Frau sagte er:

„Glauben Sie ihm bloß nicht, der lügt wie gedruckt."

Die Frau wusste nicht recht, wie sie sich verhalten sollte. Sie war klein und zierlich und hatte wohl keine Lust, sich stärker einzumischen. Sie wandte noch ein:

„Trotzdem, ihr zwei großen Bengel solltet den Kleinen nicht so schlagen." Dann meinte sie, ihre Pflicht getan zu haben und schickte sich an, weiterzugehen.

Immerhin hatte sie damit erreicht, dass Sven Florian losließ. Da auch sein Kumpel für einen Augenblick abgelenkt war, nutzte der seine Chance. Er schoss gewissermaßen aus dem Stand los, durch den Torbogen in einen engen Hof hinein. Sein Glück war, dass ihm zwei Männer entgegenkamen, die ihn zwar verblüfft vorbeiließen, jedoch seinen Verfolgern den Weg versperrten.

„He, das ist kein Spielplatz, was saust ihr hier herum?"

Svens Antwort kriegte Florian nicht mehr mit. Er sah eine Tür, rannte durch einen Hausflur und von dort auf die nächste Straße. Ein Bus kam. Er benutzte ihn sonst nie, weil es nur zwei oder drei Stationen bis nach Hause waren und seine Schülerkarte auf dieser Linie nicht galt. Jetzt aber stieg er hastig ein und es störte ihn überhaupt nicht, dass er schwarz fuhr. Hauptsache weg.

Inzwischen waren Sven und Kevin an der Haustür angelangt, durch die er gerade gekommen war. Sie entdeckten ihn, konnten aber nichts mehr ausrichten, denn der Bus fuhr schon ab. Sie drohten ihm nur noch mit den Fäusten.

Für heute war Florian gerettet, er atmete erleichtert auf. Dennoch war er keineswegs zu beneiden. Schon morgen konnten ihm die zwei wieder auflauern und nur wenn er ihnen das Geld gab, würden sie ihn für eine Weile in Ruhe lassen. Das bedeutete, er musste sein Sparschwein schlachten, ohne dass die Eltern etwas merkten. Ihnen den Grund zu nennen, traute er sich nämlich nicht, das würde seine Lage gegenüber den beiden nur verschlimmern. Wenn es hart auf hart ging, waren die Erwachsenen ja doch nicht dabei.

Ein feuchter Fleck

Am Nachmittag versuchte sich Florian mit seinem Tamagotchi abzulenken. Tante Anja hatte ihm das rote Plastik-Ei mit dem Fensterchen in der Mitte vor einiger Zeit geschenkt und er war anfangs alles andere als begeistert darüber gewesen. Nach seiner Meinung war so ein Spielzeug höchstens etwas für Mädchen und eigentlich schon gar nicht mehr in. Lieber als das winzige Tier auf dem Display hätte er einen richtigen, lebendigen Hund gehabt. Mit dem konnte man herumtollen und er würde einen beschützen. Das wäre was, wenn er Sven ins Bein beißen oder Kevin die Zähne in den Hintern schlagen würde. Dann müssten ihn die beiden endlich in Ruhe lassen.

Doch von einem Hund wollten die Eltern absolut nichts wissen. Vor allem der Vater war dagegen. Er behauptete, die Wohnung sei zu klein und es würden auch so schon genug Köter in der Gegend herumlaufen. Nachdem Florian eine Zeit lang vergeblich gebettelt und gedrängt hatte, gab er es auf. Die Tante aber, die von seinem Wunsch wusste, brachte ihm eines Tages das Tamagotchi mit. „Ein kleiner Ersatz", flüsterte sie ihm zu - sie hatte immer so komische Ideen.

Zuerst hatte Florian das Ding gar nicht angerührt, später jedoch war sein technisches Interesse erwacht. Er hatte die Knöpfe ausprobiert, die Funktionen wie Füttern, Schlafen legen und Duschen überprüft. Wenn der kleine Vierbeiner im Fenster Hunger hatte, machte er ein klägliches Gesicht; wenn er satt war, schaute er sehr vergnügt in die Welt. An sein Fiepen und Schwanzwedeln konnte man sich direkt gewöhnen.

Nachdem Florian alles getan hatte, um sein Spielzeugtier zufrieden zu stellen, holte er zögernd sein Sparschwein aus dem Schrank und einen Hammer aus dem Werkzeugkasten. Falls er das Schwein schlachten wollte, musste er es jetzt tun, solange der Vater noch zur Arbeit und die Mutter bei der Oma war. So bald würden sie nicht merken, dass es verschwunden war, und wenn, konnte er immer noch behaupten, es sei ihm heruntergefallen und zerbrochen. Er seufzte, schlug dann jedoch kräftig zu. Was sein musste, musste sein.

Achtundzwanzig Mark sechsunddreißig war nicht gerade viel, würde aber für zwei Wochen reichen. Florian zählte zehn Mark ab und steckte sie in die Tasche seiner Jeansjacke. Das übrige Geld verstaute er ganz hinten in seiner Schublade. Er kehrte die Scherben zusammen und brachte sie gleich noch mit dem Müll nach unten. Dass er den Abfalleimer geleert hatte, würde ihm von der Mutter zudem ein Lob einbringen.

Etwas beruhigt ging Florian an diesem Abend zu Bett. Trotzdem träumte er allerhand wirres Zeug, wurde von größeren Jungs verfolgt und rannte endlos lange vergeblich hinter einem Bus her. Mitten in der Nacht schreckte ihn dann ein ungewohntes Geräusch auf. Es war, als ob jemand auf weichen tapsenden Pfoten durchs Zimmer schlich. Florian tastete schlaftrunken nach dem Lichtschalter, schaffte es aber nicht mehr, die Nachttischlampe anzumachen, denn plötzlich legte sich eine Tatze auf seine Hand. Er stieß einen gellenden Schrei aus und war endgültig wach.

Da der Mond zum Fenster hereinschien, war es einigermaßen hell im Raum. Ein Schatten huschte vom Bett weg zum Regal und verschwand im Nichts. Gleichzeitig näherten sich draußen im Korridor schnelle Schritte. Die Mutter hatte seinen Schrei gehört und wollte wissen, was los sei.

„Ein Tier", murmelte Florian, „es hat mir seine Tatze auf die Hand gelegt."

„Was für ein Tier? Hier ist keins. Du hast schlecht geträumt", sagte die Mutter.

„Aber ich hab's gehört und auch seinen Schatten gesehen."

Die Mutter ging zum Fenster. Es stand einen Spalt offen und sie schaute nach draußen auf den Balkon. Doch auch dort war nichts Ungewöhnliches zu entdecken.

„Du hast bloß geträumt", wiederholte sie. „Vielleicht weil der Mond so hell scheint. Wir ziehen jetzt die Gardine vor und du versuchst weiterzuschlafen. Ich lass die Türen offen, dann kannst du mich rufen, wenn du noch was hörst."

Sie schloss das Fenster und zog die Gardine vor. Florian glaubte inzwischen selber, dass er nur geträumt hätte. Er lief schnell zur Toilette, danach legte er sich wieder hin. Eine Weile horchte er in die Dunkelheit hinein, die nun um ihn herum herrschte, dann schlief er ein. Bis zum Morgen träumte er nichts mehr.

Als der Wecker klingelte, war Florian gleich wach, hatte aber trotzdem keine Lust, aufzustehen. Zweimal musste die Mutter rufen, ehe er sich aus dem Bett schob. Er überlegte sogar, ob er sich krank stellen und die Schule schwänzen sollte. Doch er hatte kein Talent zum Schwindeln. Die Mutter würde es merken und sich weigern, ihm eine Entschuldigung zu schreiben.

Ihm fiel ein, dass er für Sven und Kevin die zehn Mark in der Tasche hatte, deshalb raffte er sich schließlich ins Bad auf. Doch sofort blieb er wieder stehen, denn ein unangenehm scharfer Geruch stieg ihm in die Nase. Gleich darauf bemerkte er den feuchten Fleck auf dem Bodenbelag. Nein, das gab es nicht, da hatte einer unter den Tisch gepinkelt!

Florian rannte in die Küche, wo die Mutter das Frühstück bereitete.

„Und ich hatte doch Recht", rief er, „heute Nacht war irgendein Vieh in meinem Zimmer."

„Wieso denn? Das ist ganz unmöglich. Ich hab ja selber nachgeguckt."

„Trotzdem. Es hat eine Pfütze unter den Tisch gemacht."

Die Mutter sah ihn an, als hätte er nicht alle Tassen im Schrank.

„Eine Pfütze? Bist du verrückt?"

„Ich bin nicht verrückt, schau es dir doch an", protestierte Florian.

Sie liefen in sein Zimmer zurück und die Mutter war für Sekunden sprachlos. Auch wenn der Bodenbelag nicht mehr ganz neu war, es blieb eine Schweinerei. Für einen Augenblick nahm sie sogar an, Florian selbst sei dafür verantwortlich.

„Ich kann's nicht glauben, aber vielleicht bist du mondsüchtig und dachtest, du wärst auf Toilette", vermutete sie.

Florian widersprach energisch.

„Was denn noch alles, ich verwechsle doch nicht mein Zimmer mit dem Klo!" Auch er konnte sich die Sache nicht erklären, aber mit ihm hatte das nichts zu tun. „Es muss passiert sein, als das Fenster auf war", fügte er etwas ruhiger hinzu, „wir haben's nur nicht gemerkt."

Inzwischen war es schon spät und er musste sich beeilen, wenn er rechtzeitig in der Schule sein wollte. Während die Mutter mit Eimer und Lappen hantierte, um den Fleck zu beseitigen, wusch er sich im Schnellverfahren, schlang eine Stulle hinunter und trank eine Tasse Malzkaffee. Dann schnappte er den Schulranzen und das Tamagotchi, denn er war natürlich nicht dazu gekommen, es zu versorgen. Er würde das in der ersten Pause tun.

Florian erreichte sein Klassenzimmer beim letzten Klingelzeichen, er hatte nicht einmal mehr Zeit, Mareike zu begrüßen. Die Geschichte mit dem feuchten Fleck unterm Tisch beschäftigte ihn noch und er sagte sich, dass es eine Katze gewesen sein musste. In Gedanken malte er mehrere Katzen in sein Rechenheft und wurde zweimal von der Lehrerin ermahnt. Er war froh, als die Stunde endlich vorbei war.

Sein Tamagotchi meldete sich. Er drückte die verschiedenen Knöpfe, um den Vierbeiner da drin zu füttern, zu duschen und ihm zu trinken zu geben. Bevor er es wieder in die Tasche steckte, schaute er sich das kleine Tier auf dem Display einige Augenblicke lang an und prüfte, ob es gewachsen war. Tatsächlich fiel ihm eine Veränderung auf. Bisher hatte er nicht daran gezweifelt, dass es sich bei dem Geschenk der Tante um ein Hündchen im Plastik-Ei handelte. Die runde Schnauze, die vier Pfötchen, der kurze Schwanz, das war eine lustige Promenadenmischung. Aber nun war der Schwanz länger geworden, der Körper hatte sich gestreckt, das Tier hatte auf einmal eine Mähne. Florian hielt sein Tamagotchi Mareike hin und fragte:

„Wofür würdest du das halten? Für einen Hund?"

„Nö", erwiderte Mareike. „Du hast zwar immer gesagt, du hättest ein Hundegotchi, aber das ist keins. Eher ein Tiger."

„Ein Tiger hat doch Streifen und keine Mähne."

„Stimmt. Dann ist's wohl ein Löwe."

Genau so war's, Florian hatte es sich nur nicht eingestehen wollen. Ihm wurde plötzlich ganz flau.

„Das kann es doch gar nicht geben", murmelte er.

„Warum denn nicht", sagte Mareike. „Es gibt Hühner, Enten und Katzen als Tamagotchi. Auch Drachen und Dinos. Weshalb dann keinen Löwen?"

„Das hab ich nicht gemeint", flüsterte Florian und blickte sich scheu um.

Doch keinerlei Raubtier tauchte am Ende des Korridors auf und da die Pause zu Ende war, kehrten sie in den Klassenraum zurück, ohne weiter darüber zu sprechen. In Florians Kopf allerdings jagten sich wirre Gedanken. Der Löwe auf dem Display glich aufs Haar dem, der sich in seinem Zimmer gereckt und gestreckt hatte.

Der Löwe kehrt zurück