Der Medicus des Kaisers - Tessa Korber - E-Book
Beschreibung

Die Zukunft des römischen Weltreiches liegt in seinen Händen. Rom, 180 n. Chr. In der Nacht, in der der Kaiser Marc Aurel ermordet werden soll, zieht Claudios Galenos Bilanz. Er ist einer der berühmtesten Wissenschaftler seiner Zeit, Leibarzt der Kaiser ebenso wie der Medicus der Gladiatoren und Sklaven. Blutige Kämpfe und tödliche Intrigen am Hof bestimmten sein Leben. Drei Frauen entfachten seine Leidenschaft. Doch keine vermochte ihn so zu bezaubern wie Lucilla, die Tochter des Kaisers Marc Aurel, die jetzt eine Entscheidung von ihm verlangt, von der die Zukunft des römischen Weltreichs abhängt ... Tessa Korbers epischer Roman über das gefährliche und wechselvolle Leben eines Medicus zwischen Intrigen und Wissenschaft in der furchtbaren und großartigen Welt des römischen Reiches - jetzt als eBook lesen.

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Seitenzahl:745

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Inhalt

Cover

Über dieses Buch

Über die Autorin

Titel

Impressum

Teil I Alexandria

Teil II Pergamon

Teil III Rom

Teil IV Antiochia

Teil V Germanien

Teil VI Colonia Commodiana

Glossar

Über dieses Buch

Die Zukunft des römischen Weltreiches liegt in seinen Händen

Rom, 180 n. Chr. In der Nacht, in der der Kaiser Marc Aurel ermordet werden soll, zieht Claudios Galenos Bilanz. Er ist einer der berühmtesten Wissenschaftler seiner Zeit, Leibarzt der Kaiser ebenso wie der Medicus der Gladiatoren und Sklaven. Blutige Kämpfe und tödliche Intrigen am Hof bestimmten sein Leben. Drei Frauen entfachten seine Leidenschaft. Doch keine vermochte ihn so zu bezaubern wie Lucilla, die Tochter des Kaisers Marc Aurel, die jetzt eine Entscheidung von ihm verlangt, von der die Zukunft des römischen Weltreichs abhängt …

Tessa Korbers epischer Roman über das gefährliche und wechselvolle Leben eines Medicus zwischen Intrigen und Wissenschaft in der furchtbaren und großartigen Welt des römischen Reiches.

Über die Autorin

Tessa Korber, geb. 1966 in der Pfalz, ist promovierte Germanistin und Historikerin. Seit ihrem ersten Romanerfolg „Die Karawanenkönigin“ hat sie über zwanzig Romane geschrieben, einige davon unter Pseudonym, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Sie lebt heute als freie Schriftstellerin in der Nähe von Erlangen.

Tessa Korber

Der Medicus des Kaisers

Historischer Roman

BASTEI ENTERTAINMENT

Digitale Neuausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Copyright © 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln

Der Roman erschien erstmals im Pendo Verlag, Zürich, 2001.

Covergestaltung: © Guter Punkt, München | www.guter-punkt.de unter Verwendung folgender Bilder: thinkstock: cosmin4000; shutterstock: Sandra IMA Louro

E-Book-Erstellung: Konrad Triltsch Print und digitale Medien GmbH, Ochsenfurt

ISBN 978-3-7325-2998-8

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

TeilIAlexandria

Pergamon muss man an einem Herbsttag sehen, wenn der Himmel dunkelblau ist und die weien Wolkenbnke so schnell ber den Pindasos heranziehen, dass Licht und Schatten auf dem Marmor der Treppen und Terrassen ohne Unterlass wechseln. So schnell streift Hell auf Dunkel die Dcher und Sulen, dass man meinen knnte, es wren die Wolken, die stillstehen, und Pergamon auf seinem Berg wrde sich bewegen, vom Wind vorangetrieben wie ein Schiff mit blendenden Segeln.

So kommt es einem vor, vor allem dann, wenn man sich auf die Brstung der Theater-Terrasse geschwungen hat, die Fe in den Abgrund baumeln lsst und weit ber den glitzernden Selinus und das grne Tal dahinter blickt, denselben lachenden Wind um die Stirn, der drunten das Laub der Olivenbume in silbernem Flirren bewegt und die Eichenwlder rauschen lsst.

Als Junge balancierte ich oft dort herum, gleich hinter dem Dionysos-Tempel, und sah hinunter auf die Sttzmauern mit ihren Streben, die einen in die Tiefe zu saugen schienen. Hier und da kam der raue Fels zwischen dem glatten Mauerwerk hervor, lste es ab und unterbrach es, kleine, klammernde Pinienschsslinge auf seinen Buckeln tragend. An denen hielt sich mein Blick fest, wenn ich meinte zu schwindeln und zu fallen und zwei Terrassen tiefer blutig zwischen den Marmorstatuen aufzuschlagen. Trotzdem habe ich die Mutprobe meinen Freunden immer wieder vorgefhrt, freihndig, johlend, Claudios, das verrckte Wunderkind.

Spter dann schlenderte ich abends manchmal mit einem Mdchen hier vorbei und zog die gleiche Nummer ab, damit es heie Wangen und einen fliegenden Atem bekme und sich dann von mir kssen liee. Doch, doch, das klappte erstaunlich oft. Aber die Momente davor allein auf der Brstung, im Angesicht der zitternden Sterne und der dunklen Gebirgszge im Mondlicht, schwarz vor der tieferen Schwrze der Nacht, sie waren wie Rausch und Flug, oft besser als alles, was danach kam.

Heute wrde ich nicht mehr dort sitzen wollen. Nicht weil ich den Tod nicht herausfordern wollte, das habe ich als Arzt mein Leben lang getan, das ist mein Beruf. Nein, ich habe nur zu viele gesehen in den Arenen, die so mit ihm getndelt haben: lachend, wie ich, mit strmenden Pulsen, berauscht von seiner Nhe, und die er mitnahm, trotz ihres Lachens, ihrer Jugend, ihres Mutes und ihrer strotzenden Lebenskraft, genauso beilufig und umstandslos wie jeden beliebigen anderen auch. Aus prchtigen Helden in Purpurroben wurden sie zu schmutzigen Fleischklumpen, und sie haben nichts zum Ausgleich dafr bekommen.

Auch Lucilla wird, als die Mrder kamen, mit demselben wtenden Mut ihrem Schicksal entgegengesehen haben, mit dem sie ihr ganzes Leben betrachtete. Und was bewirkte es? Nichts als dass wir uns nie wieder in den Armen liegen werden. Sie hing erdrosselt, wie man mir sagte, zwischen den Sulen einer Terrasse ber dem Meer, dessen Brandung an diesem Tag ungewhnlich friedlich gewesen sein soll, trkisfarbene Teiche, die Buchten unter dem Thymianduft der Hgel, und ihr stolzer Trotz, der Welt ihr Glck abzuverlangen, war Vergessenheit.

Und der Kaiser, dem ich nicht helfen konnte? Er spuckte Blut, verzieh selbst dem Wetter, starb wie ein echter Philosoph und war doch hinterher nichts als tot.

Ich htte es eigentlich besser wissen mssen, als jetzt, alter Narr, der ich bin, noch einmal das groe Spiel zu wagen. Ave Csar, die Todgeweihten gren dich! Tritt in die Arena, du hast es doch zu Lebzeiten so gerne getan, und miss dich mit meiner Hinterlist! Falls ich verliere ... nun, ich werde sie klopfen hren, die Prtorianer, und der Becher steht hier neben mir bereit. Schau, ohne festhalten, ohne festhalten? So rief ich damals und wedelte mit den Hnden. Ihr Gtter, war der Himmel ber Pergamon weit!

Nein, das Mdchen, das mir damals als Lohn fr mein Kunststck statt der erwarteten Umarmung eine Ohrfeige gab, die meine Wange brennen lie, hatte schon recht gehabt. Dennoch kann ich mich einfach nicht an ihren Namen erinnern.

Dabei sollte mir dieser Name unvergesslich sein; es war nmlich die letzte Nacht in meiner Heimat, als ich sie ausfhrte. Meine Ausbildung als Arzt war beendet, meine Lehrer lobten mich als seltene Begabung: Die Nachbarsburschen, die mir, dem Stubenhocker und Gelehrten, die Kindheit sauer gemacht hatten, sie waren jetzt schlichte Handwerker und Familienvter und verbeugten sich ehrerbietig, wenn ich ihre Lden betrat und etwa spezielle Messer fr meine Operationen bei ihnen bestellte. Fr sie, dachte ich manchmal, wenn ich sie sah, war das Beste bereits vorbei, ihre Jugend, in der sie die Knige der Strae gewesen waren. Fr mich, da war ich sicher, sollte das Beste noch kommen. Und beinahe schmte ich mich dafr, dass es so war, und ich fragte mich, ob sie es auch so empfnden wie ich und ob ihre Demut mir und ihrem eigenen Leben gegenber mit Wehmut oder gar Bitterkeit gemischt war. Hatten sie damals, als sie mich johlend ber die steilen Treppen der Unterstadt hetzten, schon gewusst, dass ich unweigerlich der Herr sein wrde und sie die Knechte? Dass der Spa nur kurz whren wrde?

Nun, mein Spa sollte damals gerade erst beginnen! Morgen wrde mich ein Wagenzug voller Pergament, dessen Herstellung meine Heimatstadt ihren Namen verdankte, an die Kste nach Elaia bringen, und von dort wrden die Hute und ich uns ein Schiff nach Alexandria teilen, wo der berhmte Arzt Numisian lehrte. Ich hatte ihn in Korinth nicht angetroffen, aber in gypten wrde ich ihn finden, sein Meisterschler werden und seinen und meinen Ruhm in alle Welt tragen, dazu war ich fest entschlossen, auch wenn weder er noch die Welt etwas von ihrem kommenden Glck ahnten.

Mein Vater hie meine Wahl gut; ein Arzt, der von sich sagen konnte, in Alexandria studiert zu haben, dem standen die Tren der vornehmen Welt offen. Noch einmal wiederholte er seine Mahnung, mich nicht zum Anhnger einer Schule zu machen, sondern kritisch meinen Geist zu bemhen allen Schulmeinungen gegenber, woher sie auch kmen. Ich versprach ihm das mit vllig ruhigem Gewissen, hatte ich doch erst wenige Wochen vorher dem wandernden Arzt, der in der Sulenhalle des groen Gymnasions einen Vortrag hielt, krftig und vor allen Leuten die Meinung gesagt. Allein die Bildtafeln, die er zur Demonstration ber die Natur des Uterus dabeihatte, bewiesen, dass der Kerl noch nie mit eigenen Augen einen prparierten Unterleib gesehen hatte! Eine einzige Sektion htte ihm verraten, dass die linke und die rechte Hlfte nicht unterschiedlich stark durchblutet waren und es also unsinnig war, aus der Platzierung des Ftus er hielt die auf der strker durchbluteten Seite fr durchweg mnnlich auf sein knftiges Geschlecht zu schlieen. Die hinfhrenden Arterien nmlich ... aber ich will nicht abschweifen. Ich sprang also auf das Rednerpodium, drehte eine der Tafeln um und skizzierte mit wenigen Strichen, wie sich die Sache eigentlich verhielt. Der Mann ist noch am selben Tage abgereist.

Ich dagegen schrieb rasch ein Buch ber das Thema und widmete es obwohl sie nicht lesen konnte meiner Amme Alkestis, ehe ich es spter unserer berhmten Bibliothek bergeben lie. Alkestis weinte Trnen ber dieses Geschenk, die ich damals fr Freudentrnen hielt. Heute bin ich mir nicht mehr so sicher.

Alkestis war die Amme unseres Stadtviertels. Und obwohl sie seine Sklavin war, lie mein Vater sie frei schalten und erlaubte ihr auch, einen Teil des so verdienten Geldes fr ihren Freikauf zu behalten. Obwohl ich mir nie vorstellen konnte, dass Alkestis uns freiwillig verlassen wrde, sie war doch einzig fr mich auf der Welt! Selbst als Mutter noch lebte, hielt ich mich lieber bei ihr in der Kche auf und folgte ihr berallhin auf ihren Geschftsgngen in die Huser der Frauen. Dort sa ich dann in den Vorzimmern der Gebrenden, im Kreis all der Nachbarinnen, die zu dem Anlass zusammengekommen waren, und lauschte ihren leisen Unterhaltungen ber Frauenleiden und die Affren der Abwesenden, ber Liebestrnke und Erntezauber, um den sie Alkestis baten. Denn auch darauf verstand sich meine Amme. Wenn Vater stolz darauf war, dass seine Dienerin stets in bltenweien Gewndern herumlief und so seinen eigenen Sinn fr Reinlichkeit und Ordnung nach drauen trug, so htte ich ihn leicht eines Besseren belehren knnen. Alkestis trug Wei, wie alle Zauberinnen, nur weies Leinen, weil Tieropfer wie Wolle oder Leder ihr nicht erlaubt waren. Sie bte ihr Amt barfu aus, wie es sein musste, und ohne irgendeinen Knoten in Gewand oder Haar, der ihren Zauber htte binden knnen. Und ich war ihr kleiner Gehilfe.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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