Beschreibung

Kommissarin Jeannette Dürer wird zu einem Mordfall gerufen: Eine junge Frau ist tot in ihrer Wohnung gefunden worden. So wie es scheint, muß sie den Mörder gekannt oder zumindest freiwillig hereingelassen haben. Ihr Exfreund kann seine Verbitterung über die kürzlich gelöste Verlobung kaum verhehlen und ihre Mutter hat den Tatort für One-Night-Stands mit Internetbekanntschaften genutzt, was den Kreis der Verdächtigen nicht gerade eingrenzt. Eher zufällig findet Jeannette die erste wirklich heiße Spur: Eine Kontaktanzeige mit dem Gesicht ihres Mordopfers. Damit beginnt ein Wettlauf um Leben und Tod, denn nicht nur sie selbst steht plötzlich im Fokus des Mörders... "Tessa Korbers Krimis um die attraktive Kommissarin Jeannette Dürer gehören zum besten, was man im Krimi-Genre findet - rasant und witzig geschrieben, auch im internationalen Vergleich." Nürnberger Nachrichten.

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Seitenzahl: 251

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Tessa Korber

Kalte Herzen

Ein Jeannette Dürer Krimi

Inhaltsübersicht

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Danksagung

Informationen zum Buch

Über Tessa Korber

Impressum

Wem dieses Buch gefallen hat, der liest auch gerne …

Aus allen Dschungelnischen: Seufzer, Schreie.

Er hebt den Fetisch. Dir entfällt das Wort.

Die süßen Hölzer rühren dunkle Trommeln.

Du blickst gebannt auf deinen Todesort.

Ingeborg Bachmann »Liebe: Dunkler Erdteil«

Gutsituierter Unternehmer, 52, 1,82, Nichtraucher,

sucht sehr hübsche junge Sie zum Verwöhnen.

Kontaktanzeige

Wohl um den Umstand wissend, daß die Art Frau, von der ich mir wünschte,

daß sie auf diese armselige kleine Kontaktanzeige antwortete,

dies a priori nicht tut,

harre ich doch in naivem Optimismus der Antworten,

die da ausbleiben werden.

Kontaktanzeige

1

»Partnervermittlung Dürer, guten Tag?« Jeannette klemmte sich das Handy zwischen Schulter und Kinn und schaltete einen Gang hinunter.

»Oh, Entschuldigung«, sagte sie, als sie die Stimme der Sekretärin ihres Chefs Paumgartner erkannte, und sie lachte leise. »Ich dachte, es wäre eine Freundin.« Vorsichtig lenkte sie durch den lebhaften Verkehr auf dem Plärrer. Zu ihrer Linken glitt die Stadtmauer vorbei. »Nein, ich bin nicht deshalb nicht beim Gerichtstermin, weil ich eine neue berufliche Zukunft anstrebe.« Sie setzte den Blinker und bog ab in Richtung Germanisches Nationalmuseum. »Zametzer vertritt mich, weil wir übereingekommen sind, daß meine umwerfend blonde Mädchenschönheit nicht den prozeßnotwendigen Eindruck polizeilicher Kompetenz vermittelt.« Sie ließ der Sekretärin Zeit, den Satz zu entschlüsseln, während sie sich einordnete, um in die enge Gasse einzubiegen, die zum Parkhaus unter dem Maximum führte.

»Übereingekommen, ha!« kam ein trockenes Bellen aus dem Handy. Den folgenden Kommentar quittierte Jeannette mit einem stummen Lächeln. »Na, dann haben Sie eben Glück«, kam die Sekretärin rasch zurück zum Geschäftlichen, »und dürfen sich statt dessen um eine Leiche kümmern, die in der Brosamer Straße gefunden wurde.« Sie beschrieb die Lage der Wohnung. »Das ist gleich bei dem Kino«, ergänzte sie.

»Casablanca.« Jeannette nickte. Sie fuhr an der Einfahrt zur Tiefgarage vorbei und bog rechts ab.

»Dachte mir doch, daß Sie das wissen.«

Jeannette verabschiedete sich mit einem Seufzer. Da war das Tor zur Straße der Menschenrechte, dort die Sushi-Bar, in der sie ihre heiße Wut über Zametzers diskriminierendes Verhalten mit ein paar Reisröllchen hatte abkühlen wollen. Am meisten ärgerte sie, daß sie ihn damit hatte durchkommen lassen. Daß sie resigniert hatte, teils weil sie ohnehin nicht gerne vor Gericht auftrat, teils weil sie gemerkt hatte, daß Paumgartner geneigt war, Zametzer zuzustimmen, nachdem sie das letztemal mit dem Richter aneinandergeraten war. Sie habe seinen Gerichtshof als ironiefreie Zone zu betrachten! Jeannette schnaubte noch bei der Erinnerung an die Zurechtweisung. Nur weil sie zu bedenken gegeben hatte, daß es sich bei der Art, wie ihre Ermittlungsergebnisse aufgenommen wurden, vielleicht eher um Wahrheitsneuerfindung statt um Wahrheitsfindung gehandelt hätte. Heftig schüttelte sie den Kopf mit dem blonden Zopf. Sie hätten nicht nachgeben dürfen. Und das würde sie Paumgartner auch noch einmal in einem Gespräch unter vier Augen zu verstehen geben.

Das Handy klingelte erneut, als sie sich mit wachsendem Ärger durch den dichten Verkehr wühlte.

»Ja!« schnappte sie knapp.

»Jeannette?« So perfekt französisch und perfekt vorwurfsvoll betonte nur eine ihren Namen. Jeannette spürte ihre Wut abrupt zu einem Resignationswölkchen zusammenpuffen. »Ja, Mutter?«

»Meldest du dich immer so unhöflich, wenn du im Dienst bist?« fragte die tadelnde Stimme in leicht beleidigtem Ton.

»Um was geht es, Mutter?« Verdammt, daß sie sich auch nie merken konnte, welche Straße zum Kopernikusplatz führte. Immer bog sie entweder eine zu früh oder eine zu spät ab.

Frau Dürer beschloß, den ersten Anklagepunkt kommentarlos fallenzulassen. »Es geht um deine Schwester«, erklärte sie.

»Du meinst jene nun bald vierzigjährige, berufstätige Frau, die mit ihren drei Kindern ihr eigenes Leben lebt und es bestens im Griff hat?« fragte Jeannette routinemäßig zurück. Diesmal war sie zu früh abgebogen.

Ihre Mutter hielt sich nicht einmal mit einem Seufzer auf. »Sie trifft sich mit einem Mann.« Ihre Stimme fiel in Grabestiefen.

»Wäre es dir lieber, sie träfe eine Frau?« Jeannette grinste. Sie wußte sehr gut, wie ungern ihre Mutter es sah, daß Tanja ins Haus ihres Kollegen Martin Knauer und seines Lebensgefährten Joseph gezogen war. Selbst wenn sie laut nicht einmal mehr den Einwand wagte, es könnte einen schlechten Einfluß auf die Kinder haben. Auch jetzt quittierte sie Jeannettes Provokation lediglich mit einem Schnauben.

»Wir kennen diesen Menschen doch gar nicht«, erwiderte sie statt dessen nur. »Es ist ein völlig wildfremder Mann. Und deine Schwester hat ihn noch mit keinem Ton erwähnt.«

Jeannette seufzte. Dazu gäbe es dermaßen viel zu sagen, daß sie gar nicht wußte, wo sie anfangen sollte. »Mama«, setzte sie schließlich an.

Aber Frau Dürer kam ihr zuvor. Sie ließ sich lange über das Unglück in der Liebe ihrer älteren Tochter, über ihre Scheidung und ihre ausgesprochen unglückliche Hand bei der Wahl ihrer Männer aus. Jeannette verkniff es sich einzuwerfen, daß zumindest die Heirat damals Tanja von den Eltern mehr oder weniger aufgezwungen worden war. Davor hatte es ihres Wissens keinen anderen Mann gegeben, danach nur einen. Falls der einen Nachfolger gefunden haben sollte, durfte sie Tanja dazu nur gratulieren und ihrer Mutter raten, sich endlich aus dem Leben ihrer Töchter herauszuhalten. Aber sie konnte nicht gleichzeitig streiten und sich durch die engen Wohnstraßen zwängen.

»Du bist doch bei der Polizei«, schloß ihre Mutter schließlich den Vortrag.

Jeannette schnaubte. »Soll ich dir eines von unseren Plakaten mitbringen? Steigt nicht zu fremden Männern ins Auto? Die Kollegen von der Sitte haben da noch ein paar aus ihrer Kindergarten-Aktion.« Sie bemühte sich, möglichst spöttisch zu klingen.

»Nein, ich meine …« Frau Dürer kam erstmals ein wenig ins Stocken. »Ihr habt doch diese Computer im Büro«, begann sie schließlich. »Könntest du da nicht nachschauen, ob irgend etwas gegen ihn vorliegt. Nur damit man ruhiger wäre.«

»Nein, Mama.« Es sollte abschließend klingen. Sicher würde sie sich nicht noch einmal so weit vergessen, daß sie ihrer Schwester hinterherspionierte. Der Reinfall mit Tanjas letztem Liebhaber hatte ihr genügt. Sie hatte ihn für einen Serienkiller gehalten, dabei waren ein bißchen Haschkonsum und ein wenig Promiskuität alles, was man ihm vorwerfen konnte. Über beides war Tanja informiert gewesen. Und vom Eifer ihrer kleinen Schwester überhaupt nicht erbaut. Heftig schüttelte Jeannette den Kopf. »Das ist illegal.«

»Aber wenn wir wenigstens wüßten, ob er vorbestraft ist …«

Jeannette nahm das Handy vom Ohr und lockerte ihre vom Telefonieren steif gewordene Schulter. Sie sah jetzt die Fassade des Kinos vor sich. Trotz des fortgeschrittenen Herbstes saßen ein paar Leute an Bistrotischen davor und musterten interessiert die Schutzpolizisten, die sich an einem Hauseingang schräg gegenüber zu schaffen machten. Die Stimme ihrer Mutter klang nur noch als undeutliches Hintergrundrauschen aus dem Gerät. »… allein du bist schuld …«, hörte sie es undeutlich. Entschlossen hob sie es erneut ans Ohr. »Mama?« sprach sie noch einmal hinein und fügte brutal hinzu: »Ich muß jetzt in eine Wohnung, in der ein Mädchen mit eingeschlagenem Schädel liegt.«

Frau Dürer legte auf.

Jeannette parkte ihren Wagen, begrüßte die Kollegen, die ihr mitteilten, daß Martin Knauer bereits oben auf sie wartete, und wandte sich, ehe sie hineinging, noch einmal kurz um, um das Kino gegenüber zu betrachten. Wie oft war sie hier als Jugendliche gewesen. Ihre Familie hatte damals eine Weile in der Südstadt gewohnt, und der Besuch des Casablanca zählte zu ihren ersten Kinoerlebnissen überhaupt, zu den ersten selbständigen Ausgeh-Abenden, mit Taschengeld im Portemonnaie, dem Hausschlüssel um den Hals, der sorgsam eingebleuten Heimkehrzeit und dem noch sorgsamer ausgewählten T-Shirt zur engen Jeans, von dem man mit klopfendem Herzen hoffte, daß es ausreichend cool war. So cool, als zöge man jeden Abend los und kenne sich hier bestens aus. So cool, daß es zu den schwarzen Wänden paßte, die Jeannettes Mädchenpuls jedesmal in die Höhe getrieben hatten, signalisierten sie doch, daß sie hier einen Raum betrat, der vom bürgerlichen Pastell ihres Zuhauses so radikal verschieden war wie nur irgend vorstellbar und in dem eben deswegen das Unmögliche möglich schien. Es war dieses Kinoschwarz, das langsam abgefärbt hatte auf all ihre Klamotten, ihren Kajal, ihre Fingernägel und ihre Accessoires, um auf diese Weise den Ablösungsprozeß von zu Hause einzuläuten. Als ihre Mutter sagte, sie liefe rum wie zu ihrer eigenen Beerdigung, war Jeannette tief zufrieden gewesen.

Dasselbe Lächeln umspielte jetzt wieder ihre Züge, als sie das alte Kino betrachtete. Vielleicht, überlegte sie, wäre es gar keine so üble Idee, die Wände ihrer kahlen Wohnung schwarz zu streichen. Sie hatte sich vor einigen Monaten des WG-Gerümpels in ihrer Altbauwohnung entledigt, bereit, einen neuen Anfang zu machen und endlich erwachsen zu werden. Aber ihr adoleszenter Schwung war seither ein wenig erlahmt. Genaugenommen war es jetzt, wenn sie so darüber nachdachte, schon über ein Jahr her, daß sie ihre Wohnung ausgemistet und gestrichen hatte. Und noch immer starrte sie auf makellos gekalkte Wände und eine Leere, die jedem Zen-Kloster Ehre gemacht hätte. Wenn man von den Zonen absah, die Regine nach ihrem Einzug mit Beschlag belegt hatte.

Jeannette seufzte. Statt den geplanten Schritt in ein neues Leben zu tun, war sie um einen zurückgetreten und hatte ihre alte Studenten-Wohngemeinschaft mit ihrer Freundin Regine neu belebt. Warum dann also nicht weiter regredieren in pubertäres Schwarz? Ob Regine fände, daß es gut zu ihrem pinkfarbenen Ledersofa passe?

Über ihr ging quietschend ein Fenster auf. »Jeannette?« klang es fragend. »Kommst du endlich?« Es war Martin Knauer, der bereits nach ihr Ausschau gehalten hatte. Die Arbeit rief.

Sie antwortete nicht und wandte sich von dem Kino ab, dessen Fassadenfarbe stark abblätterte und die Gesichter der Filmidole von einst verblassen ließ. Der Zauber hatte nachgelassen. Und welche Farbe sie auch immer für ihr Refugium wählte, nichts trüge sie hinaus aus dieser Welt, in der ihr Alltag stattfand. Und soweit sie sich erinnern konnte, war in den schwarzen Räumen mit den Spiegeln und glitzernden Flaschen hinter der Bar, mit den Rauchschwaden, die durch das Scheinwerferlicht waberten, und den fremden Körpern, die sich dicht an dicht murmelnd zwischen den Barhockern drängten, auch nie etwas geschehen. Etwas Aufregendes, Unglaubliches, alles Veränderndes. Irgend etwas. Kein Kontakt zwischen ihrem hoffnungsvoll klopfenden Herzen drinnen und der Welt draußen. Aber das Schwarz hatte das verhüllt.

2

Jeannette erkannte ihr Ziel auf den ersten Blick, die einzige der drei Wohnungstüren auf diesem Stockwerk, die offenstand. Ohne Flur oder Garderobe, führte sie direkt in ein vollgestopftes Wohnzimmer. Ikearegale an den Wänden ringsum, dicht bepackt mit Büchern, dazwischen waren Kunstpostkarten aufgestellt, standen buntbeklebte Kartons mit Krimskrams, getrocknete Blumen, Fotografien, die Miniaturausgabe einer Nana von Niki de Saint Phalle, ein nicht zu Ende geschnitzter Speckstein, der undeutlich einen Frauentorso zeigte.

Die metallisch-silbern schimmernden Kissen auf dem Schlafsofa sahen selbstgenäht aus, der Brokat wie ein Erbstück, ein Vorhang aus Großmutters Zeiten, originell verarbeitet. Ein ähnlich prunkvolles Stück Stoff war über das wacklige Rattantischchen geworfen, das als Eßtisch diente, und verlieh dieser Ecke einen Hauch von Harem. In der Küchenecke standen ebenfalls Ikearegale, verhängt mit leuchtend pinkfarbenem Tüll, um die Töpfe mehr zu verfremden als zu verbergen. Daran festgeklipst Moosgummiblumen und Stoffbienen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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