Der Ruf der Hexe - Tammy Mattausch-Nisar - E-Book

Der Ruf der Hexe E-Book

Tammy Mattausch-Nisar

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Beschreibung

Finde die Hexe in dir! Lass dich von tammymor.e einladen auf eine Reise zu den Wurzeln deiner Spiritualität. Sie zeigt dir eine freie, moderne Hexenkunst – fernab von Dogmen, starren Regeln und Klischees. Worum geht's? Du erfährst, wie du Magie als natürliche Kraft in deinem Alltag spürst und sie als Antwort auf Sinnsuche und Entfremdung nutzt. Entdecke einfache Rituale und Impulse, die Intuition und Naturverbundenheit stärken – offen für alle, unabhängig von Identität. Lerne, deine innere Kraft zu entfalten, Selbstbestimmung und Unabhängigkeit zu leben und dich mutig auf deinen eigenen spirituellen Weg einzulassen. Statt starrer Regeln bekommst du praktische Inspirationen, persönliche Zauber und neue Achtsamkeit im Rhythmus der Natur. Alles auf einen Blick: - Magie und Rituale für deinen Alltag - Spirituelle Freiheit ohne Dogmen - Impulse für mehr Intuition und Naturverbundenheit - Moderne Hexenkunst: Feministische und queere Perspektiven Schimmerndes Plus: Der hochwertige und edle Einband macht das magische Werk zum perfekten Geschenk und ist ein Highlight in jedem Bücherregal. Bestelle jetzt und entdecke die Magie, die schon immer in dir geschlummert hat!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 269

Veröffentlichungsjahr: 2026

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tammymore

Der Ruf der Hexe

Folge deinem Weg zu wahrer Selbstermächtigung, Intuition und Naturmagie

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen National­bibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.de abrufbar.

 

 

Für Fragen und [email protected]

 

Wichtiger Hinweis

Ausschließlich zum Zweck der besseren Lesbarkeit wurde auf eine genderspezifische Schreibweise sowie eine Mehrfachbezeichnung verzichtet. Alle personenbezogenen Bezeichnungen sind somit geschlechtsneutral zu verstehen.

 

Originalausgabe

1. Auflage 2026

© 2026 by mvg Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH

Türkenstraße 89

80799 MünchenTel.: 089 651285–0

 

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Wir behalten uns die Nutzung unserer Inhalte für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich vor.

 

 

Redaktion: Petra Holzmann

Umschlaggestaltung: Manuela Amode

Umschlagabbildung: Adobe Stock/Dmitry Remesov

Layout: Manuela Amode

Satz: inpunkt[w]o, Wilnsdorf (www.inpunktwo.de)eBook: ePUBoo.com

 

ISBN Print 978-3-7474-0750-9

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-98922-156-7

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.mvg-verlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter www.m-vg.de

Inhalt

Vorwort

Einleitung: Der Ruf der Hexe

Zurück zu den Wurzeln: Eine Erinnerung, die dich wachruft

Magie als Antwort auf eine entfremdete Welt

Mein Weg zur modernen Hexenkunst

Was ­bedeutet es heute, eine Hexe zu sein?

Eine kurze Geschichte der Magie und Hexenkunst

Warum der Begriff »Hexe« heute wieder kraftvoll ist

Die Essenz der modernen Hexe

Magie entmystifizieren

Magie im Alltag leben

Die Bedeutung von Ritualen im modernen Leben

Intention als Kern der magischen Praxis

Die Werkzeuge der Hexe

Einfache Rituale für den Anfang

Zyklen und Natur­verbindung

Die Natur als Spiegel der Seele

Leben im Jahreskreis

Große und kleine Rhythmen: Sternenmuster, Mond und weiblicher Zyklus

Dein eigener Weg

Wie du deine eigene magische Praxis entwickelst

Der Zauber der Selbstverantwortung

Dein Weg geht weiter: Greife nach den Sternen!

Quellen191

Ich widme dieses Buch meinem Mann Till

und meiner besten Freundin Hanna,

die meine Magie selbst an den dunkelsten Tagen

zum Leuchten bringen.

Vorwort

Hallo kleine Hexe, willkommen in meinem Buch. Ich hoffe, es ist okay, dass ich dich so nenne, denn wenn dir dieses Buch in die Hände gefallen ist und du die erste Seite aufgeschlagen hast, ist das schon ein ziemlich deutliches Zeichen dafür, dass auch du den Ruf der Hexe in dir hörst. Vielleicht hast du schon einige Etappen auf deiner spirituellen Reise zurückgelegt und bist mit ein paar Themen des Buches vertraut, vielleicht weißt du aber auch noch gar nichts über Hexenkunst, außer dass sie dich auf eine noch unerklärliche Weise anzieht. So oder so freue ich mich, dass dieses Buch seinen Weg zu dir gefunden hat, um dich auf deiner ganz eigenen Suche nach Spuren der Magie zu begleiten. Im besten Fall wird es dich bestärken, dir neue Perspektiven eröffnen und dir dabei helfen, ein tiefgreifend magisches Leben zu führen, in dem du ganz du selbst sein kannst.

Obwohl ich in jedem Kapitel versucht habe, eine möglichst offene Sichtweise auf moderne Hexenkunst zu vermitteln, sind die Seiten natürlich trotzdem von meiner ganz persönlichen Perspektive auf das Thema und von meinen eigenen Erfahrungen als Hexe geprägt. Es ist völlig in Ordnung, wenn wir an manchen Stellen nicht derselben Meinung sind oder du andere Erfahrungen gemacht hast. Auch für mich ist dieses Buch eine Momentaufnahme. Es kann nur einfangen, was ich jetzt gerade denke, fühle und weiß. Schon während jeder Korrektur habe ich gemerkt, wie Gedanken gewachsen oder neue Erkenntnisse dazugekommen sind. Deshalb bitte ich dich, dieses Buch ebenfalls als Momentum zu verstehen, als ein Buch einer Hexe Anfang dreißig, die seit vielen Jahren intuitiv lernt und praktiziert, aber längst nicht alles weiß, was sie gerne wissen würde. Ich schreibe quasi aus der Mitte meines eigenen Weges und möchte auch nicht den Eindruck vermitteln, ich wäre an irgendeinem Ziel angekommen. Also mach es dir gemütlich und nimm mit, was du gebrauchen kannst.

Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern über Hexenkunst ist dieses hier kein Nachschlagewerk und kein Sammelsurium aus Rezepten, Zutatenlisten und Entsprechungstabellen. Natürlich wirst du Inspiration finden, Hinweise auf Materialien, Werkzeuge, kleine Rituale und Symbole bekommen, die du ausprobieren kannst. Aber all das steht nicht im Mittelpunkt. In diesem Buch geht es weniger um das »Was«, sondern viel mehr um das »Warum« und das »Wie«. Warum überhaupt Hexe sein? Und wie lässt sich Hexenkunst heute leben? Ich möchte dir keine Regeln und genaue Vorgaben aufdrücken, sondern Wege eröffnen, die dich dazu einladen, tiefer zu fühlen, bewusster zu handeln und dich selbst immer wieder neu zu entdecken.

Oft spreche ich in diesem Buch von und über Frauen, weil Hexenkunst für mich eng mit weiblichem Erleben, Körperwissen und dem Zurückholen verdrängter Kräfte verbunden ist. Deshalb nutze ich in meinen Texten meist die weibliche Form oder gendere die Worte. Aber natürlich ist Hexenkunst keinem Geschlecht vorbehalten. Wenn du also ein Mann bist und hier meist weibliche Formen liest, fühl dich bitte mitgemeint. Und an alle, die sich zwischen oder außerhalb der Kategorien von männlich und weiblich bewegen: Ihr seid genauso Teil dieser Geschichte. Hexenkunst war schon immer ein Zuhause für diejenigen, die sich abseits der gesellschaftlichen Norm wohlfühlen.

Sollte dir beim Lesen auffallen, dass ich manche Gedanken im Laufe des Buches wiederhole, dann liegt das natürlich nicht daran, dass ich vergessen habe, was ich dreißig Seiten zuvor geschrieben habe (das ist mein erstes Buch, da darf das doch wohl mal passieren, oder?). Lass uns solche Momente einfach nutzen, um den Gedanken zu festigen. Ideen, die nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen verstanden werden sollen, brauchen Wiederholung.

Ich bin gespannt, wie dieses Buch in dir nachklingt, welche Gefühle es weckt und welche Wege du weitergehst. Wenn du mehr über mich wissen möchtest oder mir von deinem Erlebnis mit dem Ruf der Hexe erzählen willst, findest du mich auf Social Media und auf tammymore.de. Vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja noch einmal – irgendwo zwischen Wurzeln und Sternen.

Einleitung:Der Ruf der Hexe

Zurück zu den Wurzeln: Eine Erinnerung, die dich wachruft

Das Licht fällt bereits tief durch das dichte Grün des Waldes. Goldene Pollen tanzen vor mir in der Abendsonne, wie kleine Elfen, die sich an den letzten warmen Sonnenstrahlen des Tages erfreuen. Ein leises Knarren zieht durch die alten Bäume, während der Wind ihre dichten Kronen sanft hin und herwiegt. Vertraut neigen sie ihre Köpfe zueinander, als würden sie sich Geschichten zuflüstern. Geschichten von längst vergangenen Zeiten und geheimen Träumen, von Erinnerungen an Seelen, die einst hier wandelten, und von verborgenen Wünschen, die noch immer zwischen den Wurzeln schlummern.

Nachdem mich meine Schuhe sicher durch den Morast getragen haben, streife ich sie ab, um den warmen Waldboden unter meinen Fußsohlen zu spüren. Ich strecke die Zehen aus und atme tief ein. Es duftet nach Erde, Holz und Harz, und in mir steigt ein Gefühl auf, das ich nicht richtig greifen kann. Und doch ist es da. Flüchtig, wie ein Traumbild, das kurz vor dem inneren Auge aufflammt, nur um dann direkt wieder zu verblassen. Dieses Gefühl zieht seine Spuren durch den Wald und dehnt sich immer weiter aus. Ich rieche es im moosigen Atem des Unterholzes, schmecke es in der diesigen, feuchten Luft, die meine Lippen benetzt. Ich höre es im Knacken der dünnen Zweige, sobald ein Vogel auf ihnen landet, und sehe es im Spiel des Lichts, das die Schatten des Blätterdachs über die verschlungenen Wurzeln tanzen lässt. Ich fühle es, wenn ich meine Finger über das rissige Holz eines Baumstammes streifen lasse. Und plötzlich wird dieses Gefühl, das eben noch so verschwommen war, ganz klar, und ich weiß es mit jeder Faser meines Seins: Wir sind eins. Der Wald, ich und die ganze natürliche Welt. Alles atmet im gleichen Rhythmus. Und für einen Augenblick verschwinden die Grenzen zwischen mir und dem, was mich umgibt.

Es ist einer von vielen Momenten, in denen ich eine alles durchdringende, ­alles umspannende Magie spüre. Eine Verbundenheit, die sich gar nicht so einfach beschreiben lässt. Aber vielleicht muss ich das auch gar nicht, denn du kennst diese Momente selbst. Du hast sie erlebt. Du hast sie gefühlt. Deshalb hältst du gerade dieses Buch in der Hand und liest diese Zeilen mit ­pochendem Herzen. Du und ich gehören zu den Menschen, die nach wie vor (oder langsam wieder) spüren, wie durchzogen unsere Welt von Magie und Mystik ist. Und dass es Dinge gibt, die wir zwar mit dem Herzen fühlen, aber mit dem Verstand noch nicht erklären können oder gar wollen.

Doch was ist passiert, dass nur noch wenige Menschen diese magischen Begegnungen mit dem Leben überhaupt als solche wahrnehmen? Warum schieben so viele von uns Magie meist als sentimentale Regung oder alberne Spinnerei beiseite, wenn sie sich doch einmal zaghaft in unser Bewusstsein drängt? Als wäre sie etwas, das in einem ernsten, durchgetakteten Alltag keinen Platz verdient hat. Etwas, dem wir nicht einmal erlauben, uns ein kurzes Lächeln zu entlocken. Haben wir als Menschen etwa verlernt, was es heißt, wirklich zu staunen?

Ja. Was ist passiert? In diesem Buch gehen wir dieser Frage genauer auf den Grund. Wir werfen einen Blick in unsere Kristallkugel, um zu verstehen, wie wir die Sprache der Magie im Laufe der letzten Jahrhunderte aus unserem Wortschatz verbannt haben. Wir werden ergründen, warum es nur wenige Generationen gebraucht hat, bis wir vollständig verlernt haben, ihre Zeichen zu deuten und ihre Botschaften zwischen den Zeilen zu lesen. Aber wir werden bestenfalls auch verstehen, wie wir uns diese Kraft zurückholen und sogar ausweiten können. Wie wir Magie in unsere moderne Welt übertragen und unsere spirituelle Seite mit all ihren Facetten ausdrücken können, ohne sie in einen Rahmen zu zwängen, der ihr letztendlich gar nicht gerecht wird. (Yes, I’m looking at you, religion.)

Wenn wir zurückblicken, sehen wir: Für die meiste Zeit der Menschheitsgeschichte war es für uns Menschen selbstverständlich, eine göttliche Präsenz in der Natur mit all ihren zerstörerischen und schöpferischen Kräften zu erkennen und unser Leben an den Bewegungen von Sonne, Mond und Sternen auszurichten. Die Sprache, in der sich die Welt offenbarte, war uns so vertraut wie der eigene Herzschlag. Wir mussten sie nicht erlernen. Sie war von Anfang an ein Teil unseres Wesens, geboren mit uns, so alt wie die Menschheit selbst. Erst vor Kurzem haben wir uns von ihr abgetrennt. In dem Irrglauben, wir hätten diesen ursprünglichen, intuitiven, rituellen Teil nicht mehr nötig, ließen wir ihn nach und nach verkümmern. Mit Beginn des 18. Jahrhunderts, dem Zeitalter der Aufklärung, gefolgt von der industriellen und später auch der ­digitalen Revolution, entfremdeten wir uns in immer schnellerem Tempo vom naturspirituellen Leben. Was zuvor selbstverständlich ineinanderfloss – Wissenschaft, Spiritualität, Religion, Medizin, Natur – wurde in einzelne Schubladen gepresst, und wir mussten uns entscheiden, welche dieser Schubladen wir in unserem Alltag noch öffnen möchten und welche lieber verschlossen bleiben. Heute ist alles sauber voneinander getrennt und mit klaren Labeln versehen, fast so, als ob es keine Berührungspunkte zwischen den einzelnen Kategorien gäbe. Unser Wissen über ihr Zusammenspiel ist verschüttet, überlagert vom Lärm, von der Schnelllebigkeit, vom endlosen Strom dessen, was uns wichtig ist oder scheint. Und doch, in den Augenblicken, in denen das Leben seine ganze Schönheit offenbart und wir das Glück haben, sie zu erkennen, flammt es wieder auf: ein uraltes Verständnis dafür, dass wir mit einem unsichtbaren Netz verwoben sind, dass wir dazugehören und angebunden sind und dass wir die Stimme unserer Erde wieder verstehen und sie durch uns erklingen lassen können.

Die Natur kennt die Sprache der Magie noch. Sie spricht sie ohne Anstrengung. Durch Wind, Wasser, Erde und Licht. Jeden Tag, jede Nacht, Woche für Woche, Jahrhundert um Jahrhundert. Dabei sagt sie nicht viel und erzählt uns doch alles. Ihre Rhythmen, Zyklen, Muster und Strukturen halten eine Botschaft für uns bereit. Sie können zum Sinnbild, Spiegel oder Symbol werden und uns zurückführen zu einem Glauben, der nicht aus Büchern stammt, sondern den natürlichen Kreisläufen der Erde folgt. Die natürliche, magische Welt existiert also noch. Haben wir vielleicht nur verlernt, in ihr zu leben?

Wir können diese Momente, in denen die Natur ihre mütterlichen Arme um uns legt und wir in ihrem Schoß eine Zugehörigkeit spüren, die weit über unsere eigene Spezies hinausgeht, viel öfter erleben, als wir glauben. Sie sind mitten in unserem Alltag. Und je mehr Raum und Bedeutung wir ihnen schenken, desto stärker spüren wir, wie sich eine Erinnerung in uns Bahn bricht. Etwas in uns wird wach. Es zieht uns in die Tiefen unseres Selbst, tief hinunter bis zu den feinsten Härchen unserer Wurzeln und zu den dunkelsten Erinnerungen unserer Seele. Aus dieser Tiefe steigt eine gewaltige Kraft in uns auf, packt uns an den Flügeln und trägt uns hinauf, durch die Wolken bis zu den Sternen. So weit, bis der Wind durch unsere Ohren pfeift, sich der Schleier von unseren Augen hebt und wir es endlich ganz deutlich hören. Es ist der Ruf der Hexe, der uns an unseren Ursprung erinnert. Und ja, er ruft auch dich. Und er fordert dich auf, dein Erbe als Vermittlerin zwischen den Welten anzutreten und die Weisheit der Vergangenheit, die durch die Zeit bis zu dir geflossen ist, in dein modernes Leben zu integrieren.

Der Ruf der Hexe hat viele Stimmen. Manchmal beginnt er als kaum hörbares Flüstern, das sich durch die Ritzen deines Alltags stiehlt, sanft und unaufdringlich wie ein Windhauch unter der Kleidung an einem warmen Sommertag. Ein kleines »Darüber möchte ich gern mehr erfahren«, vielleicht in Form eines Buches, das du nicht mehr aus der Hand legen kannst, oder eines neuen Hobbys, das dich ganz in seinen Bann zieht. Mitunter kann die Stimme geduldig warten, Jahre, sogar Jahrzehnte, bis sie plötzlich ungeduldig und fordernd anklopft, weil du sie zu lange überhört hast. Dann trifft sie dich wie ein scharfer Impuls nach einem Schicksalsschlag, wie eine dringende Erinnerung daran, dass es so nicht weitergehen kann. Und manchmal bricht sie mit voller Wucht aus dir heraus, wie ein wütender Aufschrei, eine Klarheit, die sich nicht mehr zurückdrängen lässt. Dann verwandelt sie sich in ein kompromissloses »Bis hierhin und keinen Schritt weiter!«, das rasant anschwillt und sich vor dir aufbaut wie eine grollende Flut, die alles mitreißt, was du nicht mehr bist oder vielleicht nie warst. So oder so. Der Ruf der Hexe macht sich bemerkbar, bis du ihn nicht länger ignorieren kannst. Er sagt: »Schau hin!« Tiefer. Noch tiefer. Er lockt dich an die Schwelle, dorthin, wo das Rohe, Wilde und Echte beginnt. Er lädt dich ein, alle Schichten des Lebens zu erkennen, zu durchschreiten und zu bewohnen. Mit Haut und Haar und Herzblut. Mit deinem ganzen Wesen.

Dieser Ruf ist die Erinnerung daran, dass deine Spiritualität nicht weit weg ist. Du musst sie nicht in fremden Lehren, nicht in heiligen Hallen und auch nicht in unerreichbaren Höhen suchen. Sie beginnt genau hier bei dir: mit deinem Atem, in deinem Körper und in den Rhythmen der Natur, die dich umgeben. Dieses Buch möchte dich dorthin zurückführen – zu einer Spiritualität, die intuitiv und lebendig ist. Eine, die schon immer in dir geschlummert hat und der wir durch die moderne Hexenkunst lediglich einen Namen verleihen. Es geht darum, dich zu erinnern, was längst in dir und in deinem direkten Umfeld verwurzelt ist, und dir Wege zu zeigen, wie du deine Spiritualität authentisch entfalten kannst. So entsteht spirituelle Selbstermächtigung: nicht durch etwas, das dir gegeben wird, sondern durch das, was du dir selbst zurückholst.

Wir sprechen hier nicht über ein Privileg für Auserwählte. Ich bin fest davon überzeugt, dass dieses innere Verlangen in uns allen schlummert. Die Entscheidung aber liegt bei dir: Bleibst du im seichten Wasser stehen, wo alles vertraut und ungefährlich ist, oder erlaubst du deiner Spiritualität, dich in unbekannte Tiefen zu führen, auch, wenn du den Weg noch nicht kennst? Wenn du mutig bist und dich entscheidest, deiner inneren Stimme zu vertrauen und ihr zu folgen, dann kann sie dich zur Schwellenreiterin, zur »Auf-der-Hecke-Sitzenden«, zur Hagazussa, zur Hexe machen. Dann kehrst du zurück zu jenem uralten Bild der Frau, die zwischen den Welten sitzt und Grenzen überschreitet. Zurück zu dem Teil in dir, der mit einem Fuß in der Gegenwart verweilt, während der andere längst in den alten Pfaden des Wissens wandert. Dieses Wissen, uralt und zugleich lebendig, wartet nur darauf, durch dich wieder Form anzunehmen und mit dir unsere Zukunft zu gestalten.

Und da du bis hierher gelesen hast und jede Zeile nicht nur mit den Augen, sondern auch mit dem Herzen aufgenommen hast, bin ich mir sicher: Du bist bereit. Und deine Initiation hat längst begonnen.

Magie als Antwort auf eine entfremdete Welt

Vielleicht fragst du dich: Warum jetzt? Warum wird der Ruf der Hexe gerade heutzutage so laut und eindringlich, in einer Zeit, in der wir mit unserem Smartphone jederzeit auf das gesamte Wissen der Welt zugreifen können? Ist der Glaube an Hexerei nicht etwas, das wir mit der Aufklärung ein für alle Mal hinter uns gelassen haben? Gehört die Hexe nicht ins Reich der Mythen, der Märchen und Fantasyromane? Ist das Hexe-Sein längst aus der Zeit gefallen, ein Anachronismus in einer Welt, die Fakten liebt?

Nein, keineswegs. Ich denke, es ist vor allem unsere Gegenwart, die diesen magischen Weckruf so dringend braucht. Denn wir leben in einer Zeit, die uns oft mehr abverlangt, als wir geben können. Wir funktionieren. Wir leisten. Wir rasen. Dabei verlieren wir nicht nur uns selbst, sondern auch das, was uns trägt, schützt und Kraft spendet. Das merken wir daran, dass sich in vielen von uns eine stille, unbestimmbare Sehnsucht nach Mehr bemerkbar macht. Ein namenloses Verlangen, das sich nicht durch Besitz, Leistung oder Unterhaltung stillen lässt, auch wenn es sich für einen flüchtigen Moment so anfühlen mag. Es ist ein inneres Ziehen, das uns nicht weiter fort-, sondern zurückführen will: zurück zu etwas Ursprünglichem und vor allem zurück zu uns selbst.

Diese Sehnsucht entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie ist die natürliche Reaktion auf eine Welt, die uns zunehmend von der Natur und somit auch von uns selbst sowie jeglicher spiritueller Lebensweise entfremdet hat. Bereits im frühen 20. Jahrhundert sprach der Soziologe Max Weber mit der »Entzauberung der Welt« von einer Entwicklung, in der alles Lebendige in Zahlen, Systeme und Funktionen übersetzt wird. Was früher als heilig, beseelt oder geheimnisvoll galt, wurde seit der Epoche der Aufklärung analysiert, klassifiziert und rationalisiert. Dadurch wurde es zwar begreifbar, studierbar und kontrollierbar, aber es verlor auch seine Tiefe und seine spirituelle Bedeutung.1 Je genauer wir die Welt erklärten, desto mehr verlernten wir, sie zu ehren. Denn wenn wir die Natur nur noch als Ressource betrachten, als etwas, das uns unterworfen ist, verlieren wir nicht nur den Respekt vor ihr, sondern auch das Gefühl, selbst Teil dieses natürlichen Systems zu sein.

Diese Abspaltung hat weitreichende Folgen: Psychologisch erleben viele Menschen heutzutage ein wachsendes Gefühl von Sinnlosigkeit, Isolation und innerer Leere. Was uns fehlt, ist nicht nur Halt, sondern auch Bedeutung. Wir sehnen uns nach echten Verbindungen, Vertrauen und Gemeinschaft, stoßen gesellschaftlich aber doch eher auf Struktur, Konkurrenz, Hierarchie und Funktionalität. Ökologisch spiegelt sich unsere Entfremdung in der Zerstörung unseres Planeten wider. Was wir nicht als Teil von uns empfinden, erachten wir nicht als schützenswert. Doch eine wahre Verbindung zur Natur ist überlebenswichtig – nicht für die Erde (die käme viel besser ohne uns Menschen klar), sondern für uns.

Doch am Horizont der drohenden Apokalypse gibt es auch einige Hoffnungsschimmer: Aus dem Frust über das »Immer weiter, immer schneller, immer höher« wächst der Wunsch nach authentischen Veränderungen. Viele spüren instinktiv: »So, wie es ist, kann es nicht bleiben.« Es braucht einen anderen Blickwinkel auf das Leben, eine Perspektive, die über Zahlen, Ziele und To-do-Listen hinausgeht.

Ist es also Zufall, dass gerade jetzt Magie und Hexenkunst eine Renaissance erleben? Insbesondere Frauen, die queere Community und junge Menschen scheinen in diesen Praktiken eine Antwort auf das zu finden, was ihnen in der Gegenwart fehlt: Sinn. Tiefe. Zugehörigkeit. Und Erfahrungen, die verbinden, statt zu spalten.

Moderne Hexenkunst kann ein Gegenmittel zum Gefühl der Entfremdung sein. Sie steht für die Wiederverzauberung der Welt. Sie bringt Magie, Staunen und Bedeutung zurück in einen Alltag, der allzu oft ausschließlich vom Zweck­denken dominiert wird.

Dabei ist sie weder eine Flucht in die Vergangenheit noch eine Ablehnung wissenschaftlicher Errungenschaften. Vielmehr ist sie eine bewusste Rückbesinnung auf zyklische, naturverbundene und intuitive Prozesse als Ausgleich zur linearen, beschleunigten Logik unserer Zeit und damit auch eine (noch) kleine Rebellion gegen ein System, das alles kontrollierbar machen will.

Also Zauberstäbe raus, Hexenhut auf und los geht‘s? Nur zu, worauf wartest du? Aber bitte sei nicht enttäuscht, wenn sich keine bahnbrechende Erleuchtung mit Spezialeffekten einstellt. Magie ist kein Spektakel, wie wir es aus Film und Fernsehen kennen, kein Quick Fix für alle Probleme des Lebens, und auch nichts, was man mal eben »schnell zwischendurch« macht. Hexen­kunst ist ein Lebensweg. Magisch zu leben, bedeutet, bewusst zu leben: zu erwachen, zu wachsen, zu blühen, zu ernten, zu zerfallen, nur um dann wiedergeboren zu werden. Magie ist Rhythmus. Wandel. Hingabe. Sie ist das Opfern und Empfangen, das Ruhen und Handeln, das Werden und Sein. Sie fordert uns auf, eine echte Beziehung zum Leben zu pflegen. Nicht aus Pflichtgefühl oder Verlangen, sondern aus einem tiefen inneren Bedürfnis nach Verbindung heraus.

Anders als bei vielen monotheistischen Religionen, in denen Gläubige dazu angehalten sind, ihre Sorgen und Entscheidungen in die Hände eines allmächtigen Gottes oder ihres Kirchenoberhaupts zu legen, erfordert die Hexenkunst als spirituelle Praxis eine große Portion Eigenverantwortung für unsere Gefühle, unsere Gedanken und unser Handeln. Während monotheistische Systeme oft von festen Regeln und Hierarchien geprägt sind, ist die Hexenkunst ein flexibler, individueller und zutiefst bestärkender spiritueller Weg. Und genau das macht diese Praxis so zeitgemäß und zugänglich.

Doch darin liegt auch eine Herausforderung. Denn wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, müssen wir uns eingestehen, dass es uns oft schwerfällt, die volle Verantwortung für unsere spirituelle Selbstfürsorge zu übernehmen. Für das Außenleben tun wir das wie selbstverständlich: Wir kümmern uns um Familie, Freunde, Kinder und die Karriere. Da verstaubt das Thema Seelenpflege gern mal für einige Zeit im hintersten Eckchen der Besenkammer, vergessen zwischen all den wichtigen Dingen des Alltags. Verantwortung übernehmen? Für das, was wir spüren, glauben und leben wollen? Ugh, das klingt unbequem, anstrengend und vielleicht sogar riskant. Was ist, wenn ich es falsch mache? Was, wenn ich mich irre? Was, wenn ich anecke? Lieber nichts riskieren! Also lassen wir die Schublade lieber verschlossen. Statt uns selbst zu vertrauen, suchen wir nach Erlaubnis: bei Pfarrerinnen und Priestern, bei Coaches und Selbstoptimierungsgurus, bei Schamanen aus fremden Kulturen oder bei Menschen, die angeblich besser wissen, was uns guttut.

Doch genau damit macht die Hexenkunst endlich Schluss. Denn sie hilft uns, unsere eigene Kraft zu erkennen und zu nutzen. Sie schenkt uns die Freiheit, nicht länger um Erlaubnis fragen zu müssen. Sie bringt uns an den Punkt, an dem wir andere Menschen nicht mehr auf ein Podest stellen wollen, um uns hinter ihnen zu verstecken. Sie lehrt uns, die Macht über unser eigenes Leben einzufordern und zu behalten.

Aber bevor jetzt jemand die Stirn runzelt oder die Augen verdreht, muss ich an dieser Stelle einen kleinen, aber wichtigen Hinweis einfügen: Hexenkunst ist kein Ersatz für eine Therapie, keine Abkürzung durch Schmerz und auch kein Allheilmittel für alles, was uns das Leben vor die Füße liegt. Sie kann nicht jede Wunde schließen oder jedes Leid ungeschehen machen. Hexenkunst ist vielmehr eine Begleiterin, ein zusätzlicher Blickwinkel, der unseren Alltag bereichern kann. Es geht darum, die Sinne für Magie zu öffnen, ohne dabei die Augen vor der Realität zu verschließen. Dieses Buch ist eine Einladung, den Zauber im Gewöhnlichen zu entdecken, Kraft in Ritualen zu finden und uns selbst zu vertrauen.

Hexenkunst ist einer von vielen spirituellen Wegen, die ein Mensch gehen kann. Ich behaupte auch nicht, dass sie für alle passt und auch nicht, dass sie die einzige Antwort auf die großen Fragen des Lebens ist. Es kann sein, dass ein anderer Weg für den einen oder anderen stimmiger ist, und das ist völlig in Ordnung. Aber wenn du zu ihr findest, kann sie ein Anker und eine starke Begleiterin auf dem Weg zur Selbsterkenntnis sein. Denn statt einfach nur Antworten von anderen zu übernehmen, ermutigt sie uns, eigene Fragen zu stellen und eigene Wahrheiten zu finden. Ohne Dogma oder festes Regelwerk. Sie ruft uns zurück in eine Haltung des Mitfühlens und Mitwirkens, die uns nicht aus der Welt herausführt, sondern tiefer in sie hinein. So habe ich es auch selbst erlebt.

Mein Weg zur modernen Hexenkunst

Ich hatte das große Glück, in einem Umfeld aufzuwachsen, das spirituellen Themen grundsätzlich offen gegenüberstand. Zwar erinnere ich mich noch gut daran, wie mein Vater oft die Augen verdrehte, wenn meine Mutter und meine Tanten beim Kaffee von ihren Erlebnissen mit Geistern, Energien oder vergleichbaren Phänomenen erzählten, aber es lässt sich nur schwer leugnen, dass auch er irgendwann ins Grübeln kam. War es wirklich nur das alte Holz unseres Fachwerkhauses, das nachts knackte? Oder hörte er da etwa Schritte im ehemaligen Kinderzimmer? Nun steht es mir nicht zu, von den Geschichten und Fähigkeiten meiner mütterlichen Familienlinie zu erzählen, aber so viel sei gesagt: Berührungsängste mit dem Thema Spiritualität und Geistwesen hatte ich definitiv nie.

In meiner Kindheit und frühen Jugend war es neben meiner Familie vor ­allem meine beste Freundin Hanna, die großen Einfluss auf meine ersten »spirituellen« Erfahrungswerte hatte. Wir waren schon mit fünf Jahren unzertrennlich. Neben dem Brauen unserer ersten Zaubertränke aus allem, was uns das Landleben zur Verfügung stellte (Pferdemist war ganz vorne mit dabei!) und dem Performen des Cats-Musicals in den Wohnzimmern unserer Eltern, weckte vor allem ein großes Astrologiebuch mit blauem Einband unser Interesse. Stundenlang blätterten wir darin, studierten unsere Sternzeichen und versuchten, unsere angeblichen Stärken und Schwächen zu deuten. Und obwohl wir noch nicht wirklich viel davon verstanden, haben unsere Augen vor Begeisterung geleuchtet.

Dann kam eine Phase, in der andere Dinge wichtiger wurden: Partys, Schule, Beziehungen. Zwischen Freundeskreisen, Liebeskummer und unbeschwerter Teenagerzeit hatte ich kaum einen Blick für das, was sonst noch in der Welt schlummerte. Aber ich erinnere mich gut daran, wie ich trotz meiner großen Clique oft das Gefühl hatte, dass mir etwas fehlt. Ich sehnte mich nach einer gewissen Tiefe. Einer anderen Art, die Welt zu begreifen. Doch ich hatte keine Ahnung, wo und wie ich sie finden sollte, und so schob ich diese Sehnsucht immer wieder beiseite und dachte: Naja, das kommt vielleicht irgendwann im Erwachsenenalter. Wenn das Leben ruhiger wird, wenn man angekommen ist und weiß, wer man ist.

Nach dem Abitur wollte ich ganz schnell ganz weit weg. Also habe ich ein klassisches Auslandsjahr in Neuseeland gemacht (weiter weg ging nicht!), und das hat meinen Horizont tatsächlich ziemlich schnell wieder ziemlich weit geöffnet.

Ich habe dort gelernt, wie unterschiedlich Lebensstile, Denkweisen und Zugänge zum Leben sein können und durch neue Erfahrungen entdeckt, was alles möglich ist, wenn man sich wirklich auf das Leben einlässt. Es war, als ob meine Seele aufatmete. Zum ersten Mal erwachte eine leise Ahnung davon, wer ich bin und was ich auf diesem Planeten zu tun habe. Ich war das Küken, das endlich aus dem Ei schlüpfte. Das Ei war die Welt, so wie ich sie bis dahin gekannt hatte: vertraut, aber begrenzt. Aber nun stand ich plötzlich mit wackligen Beinen und schnell schlagendem Herzen in einer neuen Wirklichkeit – und ich hatte den festen Willen, über mich hinauszuwachsen.

Durch meine Zeit in Neuseeland wurde mir klar: Ich kann Herausforderungen auch allein meistern. Ich kann von vorn anfangen, egal wo. Und ich finde die nötige Kraft und Sicherheit in mir selbst, wenn ich will oder wenn ich muss.

Nach meinem Auslandsjahr wollte ich eigentlich nur noch eins: weiterziehen. Am liebsten mit dem Auto quer durch Europa. Doch zurück in der alten Heimat, in der sich augenscheinlich nichts verändert hatte, spürte ich, dass ich während meiner Reise doch etwas entbehrt hatte. Diese Erkenntnis kam ganz überraschend für mich, denn in den vielen Monaten meiner Auslandszeit hatte ich kaum mit Heimweh zu kämpfen gehabt. Aber dann, wieder umgeben von meinen Freunden, traf es mich wie eine warme Welle: Wie sehr hatte ich sie vermisst. Wie sehr hatte mir genau diese Nähe gefehlt. Ich genoss die Gespräche, die sofort wieder flossen, als hätte es keine Pause gegeben. Und die Art, wie wir lachten, so, wie man nur mit Menschen lacht, die einen schon durch mehrere Versionen des eigenen Selbst begleitet ­haben.

Also warf ich meine Pläne kurzerhand über den Haufen. Statt weiterzuziehen, suchte ich mir einen Studiengang, für den ich keinen NC brauchte, der sich aber trotzdem irgendwie richtig anfühlte. Ich zog in die nächstgelegene Stadt, nur einen Steinwurf entfernt von den Wohnungen meiner besten Freunde.

Während meines gesamten Studiums versuchte ich, mich selbst besser kennenzulernen und eine Balance zwischen wilden Partys, pflichtbewusstem Studium, ersten Job-Erfahrungen, unbeständigen Beziehungen und der großen Suche nach dem undefinierbaren »Mehr« zu finden. Neuseeland hatte etwas in mir wachgerüttelt, das sich nicht mehr zurück in den Dornröschenschlaf schicken ließ. Aber es war gar nicht so leicht, dieses Etwas mit in meinen Alltag zu nehmen.

Ich suchte. Unaufhörlich. Ich durchlebte eine Krise nach der anderen. So, wie es sich in den Zwanzigern vermutlich gehört. Immer wieder dachte ich, ich hätte den vollen Durchblick, doch jedes Mal wurde ich eines Besseren belehrt. So oft fühlte ich mich festgefahren, erschöpft, unzufrieden und irgendwie nicht richtig angekommen.

Heute weiß ich: All das war Teil meines Entwicklungsprozesses. Ich bahnte mir einen Weg zu mir selbst. Schritt für Schritt. Mal tastend, mal stolpernd, mal stürmisch. Mit Rückschritten. Aber alles war dienlich: jedes Kapitel, jede Herausforderung, jede Schleife, die ich drehte.

So auch die gescheiterten Beziehungen. Der furchtbare Nebenjob, in dem ich mich selbst kaum wiedererkannte. Die durchtanzten Nächte, von denen ich manche am nächsten Morgen kurz bereute. Zoff mit der Familie, die oft ganz anders tickte als ich. All das hat mich geformt, wie krachende Wellen, die den Sandstein schleifen.

Doch ich erinnere mich auch an lange Gespräche auf dem Balkon, an laue Nächte, in denen der Wein längst warm geworden war und uns die Zigaretten langsam ausgingen. Dieselben Freund*innen wie früher, aber inzwischen alle mit ganz neuen Fragen im Gepäck. Wer bin ich? Wofür bin ich hier? Was liegt eigentlich unter dieser glatt gebügelten Lebensschicht, die wir uns mit Studiengängen, ersten Jobs und Beziehungen so langsam aufbauten und die auf dem Papier so vernünftig klangen? Jetzt, mit etwas Abstand, glaube ich: Die Zwanziger sind zum Suchen da. Zum Ausprobieren, zum Sammeln, zum Ranziehen und auch zum Loslassen. Zum Lieben und zum Verlieren. Zum Hinfallen und Aufstehen. Damit man irgendwann – vielleicht mit Anfang, vielleicht mit Ende dreißig – wenigstens ein paar eigene Antworten im Gepäck hat. Oder zumindest Frieden mit der Suche selbst findet.

In dieser Zeit begann ich, mich mit spirituellen Praktiken auseinanderzusetzen. Zunächst ganz sanft und im Sinne der New-Age-Spiritualität. Ich probierte die typischen Dinge aus: Las Bücher großer Gurus, machte hier eine Meditation, sprach dort mal ein Mantra, ging samstags zum Yoga und lauschte abends Podcast-Folgen darüber, wie man glücklich, heilig und selbstbewusst wird. All das war schön und irgendwie wohltuend, aber es kratzte nur an der Oberfläche. Mein Skorpion-Aszendent, wie ich heute sagen würde, wollte nicht über den Dingen schweben, sondern sich tief in die Erde graben und wissen, was unter den schönen, vielversprechenden Worten lag.

Auch wenn vieles davon damals eher einer Experimentierphase glich, fand im Hintergrund bereits eine stille, aber bedeutsame Veränderung statt. Ich fing an, Entscheidungen nicht mehr nur aus dem Kopf heraus zu treffen, und lernte, meine Intuition ernster zu nehmen, auch wenn ich sie nicht immer erklären konnte. Oft war sie schneller als mein Verstand. Klarer. Eindeutiger. Und meistens hatte sie recht. Doch um sie zu nutzen, musste ich sie erst mal wieder freilegen. Ich entdeckte die Arbeit mit Chakren, den Energiezentren in unserem Körper. Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Versuche, mit ihnen zu meditieren: wie ich Solfeggio-Frequenzen hörte, mich auf einzelne Regionen meines Körpers konzentrierte und irgendwann auch spürte, wie dort tatsächlich etwas in Bewegung kam. Dazu klebte ich mir kleine Zettel an den Spiegel, Affirmationen, die zu den einzelnen Chakren passten und die mich im Alltag begleiteten. Sie erinnerten mich daran, auch in schweren Momenten Vertrauen zu fassen: »Ich bin verbunden. Ich spreche meine Wahrheit. Ich vertraue meiner Intuition.«

Dieses neue Vertrauen in mein inneres Gespür war für mich ein wichtiger Schritt zurück zu einer Art von Magie. Ein Fundament, auf dem ich später aufbauen konnte.