Der »sanfte« John - John F. Beck - E-Book

Der »sanfte« John E-Book

John F. Beck

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Beschreibung

Hank Wilburn, der eine kleine Ranch in der Snakeline-Senke besitzt, weigert sich vehement, diese an den Groß-Ranger Floyd Prayne zu verkaufen, der eigene Pläne für das Anwesen verfolgt. Zeitgleich wird die Postkutsche, in der dessen Nichte auf dem Weg zu ihm ist, überfallen, doch dieser Überfall kann von John Cumberland, der auch den Namen Blizzard John trägt, vereitelt werden, und er bringt die Postkutsche sicher an ihr Ziel.
Nicht nur aus reiner Dankbarkeit bietet Prayne ihm daraufhin einen sehr verlockenden Job an, einen Job, den Cumberland unmöglich ablehnen kann, denn Floyd Prayne erzählt ihm Dinge über Wilburn, die verheerende Folgen für die ganze Gegend haben würden: Er erhält den Auftrag Hank Wilburn zu töten! Hier wurde jedoch in der Rechnung zum Erfolg ein entscheidender Punkt nicht berücksichtigt und dieser Punkt bestimmt über Sieg oder Niederlage …

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John F. Beck

 

 

Der »sanfte« John 

 

 

 

 

Western

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Impressum

 

 

Copyright © by Authors/Bärenklau Exklusiv 

Cover: © by Tony Masero mit Bärenklau Exklusiv, 2023

Korrektorat: Marlies Linnemann

 

Verlag: Bärenklau Exklusiv. Jörg Martin Munsonius (Verleger), Koalabärweg 2, 16727 Bärenklau. Kerstin Peschel (Verlegerin), Am Wald 67, 14656 Brieselang

 

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

 

Alle Rechte vorbehalten

 

 

Inhaltsverzeichnis

Impressum 

Das Buch 

1. Kapitel 

2. Kapitel 

3. Kapitel 

4. Kapitel 

5. Kapitel 

6. Kapitel 

7. Kapitel 

8. Kapitel 

9. Kapitel 

10. Kapitel 

11. Kapitel 

12. Kapitel 

13. Kapitel 

14. Kapitel 

15. Kapitel 

16. Kapitel 

17. Kapitel 

18. Kapitel 

19. Kapitel 

20. Kapitel 

21. Kapitel 

22. Kapitel 

23. Kapitel 

24. Kapitel 

Der Autor John F. Beck 

Eine kleine Auswahl der bereits veröffentlichten Western-Romane des Autors John F. Beck 

 

Das Buch

 

 

 

Hank Wilburn, der eine kleine Ranch in der Snakeline-Senke besitzt, weigert sich vehement, diese an den Groß-Ranger Floyd Prayne zu verkaufen, der eigene Pläne für das Anwesen verfolgt. Zeitgleich wird die Postkutsche, in der dessen Nichte auf dem Weg zu ihm ist, überfallen, doch dieser Überfall kann von John Cumberland, der auch den Namen Blizzard John trägt, vereitelt werden, und er bringt die Postkutsche sicher an ihr Ziel.

Nicht nur aus reiner Dankbarkeit bietet Prayne ihm daraufhin einen sehr verlockenden Job an, einen Job, den Cumberland unmöglich ablehnen kann, denn Floyd Prayne erzählt ihm Dinge über Wilburn, die verheerende Folgen für die ganze Gegend haben würden: Er erhält den Auftrag Hank Wilburn zu töten!

Hier wurde jedoch in der Rechnung zum Erfolg ein entscheidender Punkt nicht berücksichtigt und dieser Punk bestimmt über Sieg oder Niederlage …

 

 

***

 

 

1. Kapitel

 

Schwankend biegt die Postkutsche um den schlanken, hohen Felsturm, der das Ende des Lasso-Canyons bezeichnet.

Knirschend drehen sich die Räder im gelben Sand. Der spröde, gelbe Lack auf dem rauen, rissigen Holz leuchtet grell in der Sonne.

»Schätze, wir haben es geschafft, Miss Prayne!«

Der schwarzbärtige, stämmige Mann auf dem Kutschbock hat sich umgedreht. Ein erleichtertes Grinsen zieht über sein verwittertes Gesicht.

Das Mädchen beugt lächelnd den Kopf aus dem Wagenschlag.

»Wie weit ist es noch bis Yellow Point?«

»Noch knappe zwei Stunden, Miss Prayne!«, antwortet der Kutscher eifrig und wendet sich wieder den Pferden zu. Der Lasso-Canyon bleibt rasch hinter ihnen zurück. Und mit ihm die grelle Hitze zwischen den roten, steilen Felswänden und die Gefahr, die diese unübersichtliche Wegstrecke in sich birgt. Die Straße nach Yellow Point läuft jetzt fast schnurgerade durch offenes, leicht welliges Land. Noch nie hat Buck Oaktree, der Kutscher, erlebt, dass Wegelagerer versuchten, die Post auf diesem Abschnitt zu überfallen. Und die Erleichterung strafft seine zusammengesunkene Gestalt. Er wischt sich den Schweiß von der Stirn, fasst die langen Zügel fester in die Rechte und hebt mit der Linken die dicke Peitsche.

Doch der zu erwartende Knall bleibt aus. Die Hand mit der Peitsche sinkt schlaff herab. »Brrrhh!«, stößt Buck Oaktree rau hervor, und müde bleiben die beiden mageren Gäule stehen.

Das schmale, von dunklem Haar umrahmte Gesicht des Mädchens zeigt sich wieder im offenen Fenster des Wagenschlages.

»Was ist los, Mr. Oaktree?« Ein besorgter Ausdruck zeigt sich in ihren haselnussbraunen Augen.

Buck Oaktree ist inzwischen hastig vom Kutschbock gestiegen und hat die Zügel lose um ein Wagenrad geschlungen. Sein breiter Mund ist verkniffen. Er streicht sich über den wirren, schwarzen Vollbart und deutet knurrend an den Rand der Straße.

Und die klaren, haselnussbraunen Augen des Mädchens, das als einziger Passagier im Innern der Kutsche sitzt, werden groß und entsetzt.

Halb verdeckt von einem dürren Salbeistrauch liegt eine reglose Gestalt am Wegrand. Es ist ein Mann mit einem bunten Cowboyhemd und dunkelbraunen, staubigen Chaps über der blauen Hose. Er liegt auf dem Gesicht und hat beide Arme weit von sich gestreckt.

Buck Oaktree legt die rechte Hand an den Ledergürtel, schaut mit schmalen Lippen auf den Toten und lässt dann seine Blicke spähend umherwandern.

Nirgends ist ein menschliches Wesen zu entdecken. Nur eine grüne, kleine Eidechse sonnt sich in der Nähe auf einem heißen, flachen Stein.

Das Gelände beiderseits der Straße ist sanft hügelig und von spärlichen, niederen Salbeisträuchern bedeckt. Vereinzelte Agaven und Kakteen stoßen grau aus dem sandigen Boden hervor. »Keine Angst, Miss Prayne«, brummt der bärtige Kutscher beschwichtigend. »Der tut uns bestimmt nichts mehr.«

Und er geht langsam, die rechte Hand noch immer am Gürtel, auf die reglose Gestalt am Straßenrand zu.

Gleich darauf weiß er, wie sehr er sich mit seinen Worten geirrt hat.

Als er kaum mehr fünf Schritte von dem vermeintlichen Toten entfernt ist, setzt sich der plötzlich auf, Buck Oaktree sieht deutlich das höhnische, mit hellen Bartstoppeln bedeckte Gesicht vor sich.

Mit einem Fluch springt der Kutscher zur Seite. Seine Rechte will zur Hüfte fahren. Aber dann bleibt er bewegungslos stehen und hebt langsam die Arme hoch.

»So ist’s brav!«, sagt der Mann am Wegrand hämisch. Der Revolver in seiner braunen Faust zeigt unbeirrbar mitten auf Buck Oaktrees Brust.

Der breite Mund des Kutschers verzerrt sich zu einer wütenden Grimasse. Der wirre, schwarze Bart zuckt. »Auf diesen Trick falle ich bestimmt nicht mehr herein!«, knirscht er zornig.

»Diese Erkenntnis dürfte für jetzt zu spät sein, Mister Schwarzbart!«, grinst der Mann mit dem Revolver höhnisch. Es ist ein junger, blondhaariger Bursche mit hellen, gefährlichen Augen. Gelassen bückt er sich nach seinem breitrandigen Sombrero, der neben ihm im Sand liegt. Er lässt jedoch dabei den Kutscher nicht aus den Augen. Und Buck Oaktree ist klug genug, um zu erkennen, dass er ein toter Mann sein wird, wenn er jetzt versucht, zu ziehen.

In diesem Augenblick wird der Kutschenschlag aufgestoßen. Leichtfüßig springt das dunkelhaarige, schlanke Mädchen ins Freie. Die anfängliche Furcht ist aus ihren Augen geschwunden. Ein zorniges Blitzen sprüht in ihrem Blick.

Der junge Bandit und Buck Oaktree ziehen beide überrascht die Augenbrauen hoch. Denn in der kleinen, weißen Faust des Mädchens schimmert der bläuliche Lauf eines Browning.

»Ich drücke ab, wenn Sie nicht sofort Ihre Waffe fallen lassen!«

Ihre Stimme klingt fest und bebt kein bisschen.

»Oh, Madam!« Der junge, blondhaarige Desperado bemüht sich um einen freundlichen Ton. »Sie machen sicher bloß Spaß. Ich werde Ihnen sagen, dass …«

Er bricht ab.

Buck Oaktrees Augen werden rund.

»Vorsicht, Miss Prayne!«, schreit er.

Aber der Warnruf kommt zu spät.

Zwei kräftige Arme haben das Mädchen von hinten umschlungen. Der kleine Browning klatscht in den gelben Staub der Straße. Ein heiseres Lachen zerreißt die jähe Stille.

Dann lassen die muskulösen Arme die schlanke Gestalt los.

Mit bleichem Gesicht lehnt das Mädchen am warmen Holz der Kutsche und starrt auf den zweiten Banditen, der von der gegenüberliegenden Straßenseite herangekommen und sich in Deckung der Postkutsche nähergeschlichen hat.

Es ist ein ebenfalls junger Mann in Cowboykleidung.

»Gut gemacht, Billy!«, lobt der blondhaarige Räuber lachend. »Die kleine Lady hätte beinahe noch Schwierigkeiten gemacht.«

Der mit Billy angeredete Bandit hebt jetzt den Browning auf und schiebt ihn in den Gürtel.

Er macht eine übertriebene Verbeugung vor dem Mädchen.

»Sie gestatten, Madam! Ich nehme ihn bloß als kleines Andenken an diese fröhliche Stunde zu mir.«

Er grinst breit. Dann wendet er sich an den Blonden, der weiterhin den schwarzbärtigen Kutscher in Schach hält.

»Behalte du inzwischen die Herrschaften im Auge, Ritch. Ich kümmere mich einstweilen um die Kutsche.«

Er reißt den Wagenschlag auf und verschwindet im Innern des Fahrzeugs. Gleich darauf fliegen ein paar Stofffetzen ins Freie. Ein Seidenschal, der dem Mädchen gehört, folgt. Das schrille Geräusch von zerreißendem Leder ist zu hören. Dann kommt der Mann wieder auf die Straße.

»Ich hab ihn Ritch!«, lacht er und schwenkt den prall gefüllten Postsack in der Linken.

Der Blondhaarige nickt zufrieden.

»Gut! Lass ihn liegen und hole die Pferde. Ich warte inzwischen hier.«

Es dauert keine Minute, bis Billy die beiden hochbeinigen, braunen Gäule zur Stelle hat. Mit dem Revolver in der Faust tritt Ritch an den Kutscher heran, zieht ihm den Colt aus dem Holster und schleudert ihn weit ins Gesträuch.

»Meine Herrschaften, ich habe mich sehr gefreut, Ihre nette Bekanntschaft zu machen!«

Der Blonde zieht den Sombrero in einer übermütigen Geste.

»Aber leider müssen wir uns jetzt verabschieden. Ich wünsche Ihnen deshalb …«

»Achtung!«

Der Alarmruf seines Gefährten, der bereits im Sattel sitzt, unterbricht ihn.

Donnerndes Hufgetrappel fegt vom Lasso-Canyon heran.

Mit einem Fluch springt Ritch auf den Rücken seines Braunen. Die beiden Pferde tänzeln unruhig. Die beiden jungen Banditen halten die Zügel straff und starren unschlüssig auf den Reiter, der tief geduckt auf der Straße heranprescht. Jeder der Desperados hält einen Revolver in der rechten Faust. Sie schauen einander mit zusammengebissenen Zähnen an.

»Verflucht!«, knirscht der Blonde. »Der Kerl schneidet uns den Rückzug ab. In die andere Richtung können wir nicht reiten. Dort liegt Yellow Point und die Ranchen am Snakeline-Creek.«

Buck Oaktree und das dunkelhaarige Mädchen stehen völlig reglos und starren auf die beiden Banditen und dann auf den Reiter, der in unvermindertem Tempo herangaloppiert.

»Es ist ein einzelner Mann!«, sagt jetzt der Gefährte des Blonden bedeutungsvoll und hebt den Revolver in Augenhöhe. Der Blonde beißt sich auf die Lippen.

»Es wäre das erste Mal, dass wir einen Mann erschießen, Billy!«, sagt er heiser. Der andere sieht ihn spöttisch an.

»Du willst wohl warten, bis er dich aus dem Sattel schießt?«

Gleich darauf kracht der Schuss. Dicht vor den Hufen des galoppierenden Pferdes schlägt die Kugel in den Sand. Die Banditen setzen jetzt ihre Pferde in Bewegung und reiten von der Straße weg in die Hügel hinein. Der Reiter ändert ebenfalls seine Richtung und kommt direkt auf sie zu. Er ist schon ziemlich nahe, und die Desperados können erkennen, dass es ein großer, breitschultriger Mann mit einem harten, kantigen Gesicht ist.

»Halt, Boys!«, schneidet die kalte Stimme des Fremden durch die heiße Luft. »Haltet an und macht keine Dummheiten, sonst werdet ihr es bereuen!«

Zur Warnung pfeift eine Kugel dicht über den Köpfen der Postkutschenräuber hinweg.

Hemmungslose Wut steigt in dem einen der beiden auf. Es ist der Gefährte des Blonden. Und mit verzerrtem Gesicht und schussbereitem Revolver treibt er seinen hochbeinigen Braunen direkt auf den heran jagenden Reiter zu.

»Zurück, Billy!«, warnt der andere. »Der Kerl …«

Die weiteren Worte gehen in dem rasenden Trommelfeuer unter, das Billy auf den Fremden abgibt.

Und dann ist der fremde Reiter plötzlich aus dem Sattel verschwunden.

»Mein Gott! Er hat ihn erwischt!«, keucht Buck Oaktree, der von der Kutsche aus die Szene beobachtet.

Billy stößt einen schrillen Triumphschrei aus, und nun folgt ihm auch der Blonde.

Das Pferd des Fremden, ein schlanker Falbe mit schmalen Fesseln und breiter Brust, ist langsamer geworden und bleibt nun stehen.

Die Banditen halten noch immer die Waffen in den Fäusten.

»Wo liegt er denn? Ich sehe ihn nicht!«

Dann geht alles blitzschnell!

Plötzlich sitzt der Reiter wieder auf dem Rücken seines Falben. Und in dem Moment, da die beiden Desperados begreifen, dass sie der Fremde getäuscht hat und die ganze Zeit über nach Indianerart seitwärts am Pferdeleib hing, bellen die Revolver auf.

Es sind drei Revolver, die krachen. Und die Detonationen vermischen sich zu einem hallenden Donner.

Der junge Blondhaarige greift sich mit einem Schmerzensschrei an die linke Schulter. Sein Brauner bäumt sich schrill wiehernd auf, und er hat Mühe, sich im Sattel zu halten. Der zweite Bandit ist mit einem wilden Ruck aus dem Sattel gestürzt und liegt steif und reglos im Sand. Sein Gaul hetzt in langen Sprüngen davon und verschwindet hinter einem hohen Hügel.

Als der Blonde sein Pferd wieder in Gewalt hat, ist der fremde Reiter schon neben ihm. Flinke Hände lösen den Waffengürtel des Banditen, von dessen linker Schulter ein dünner Blutstrom rieselt.

Zwei kühle, graue Augen schauen dem jungen Desperado ins Gesicht.

»Wie heißt du?«

»Ritch Chucker!«, stöhnt der Bandit grimmig.

Dann schaut er auf die starre Gestalt seines Gefährten.

»Was ist mit ihm?«, fragt er stockend.

»Schätze, er wird keine Postkutsche mehr überfallen können!«, erklärt der Fremde hart.

Hass glimmt in den hellen Augen des Verwundeten auf. Er will etwas sagen, schweigt aber dann.

»Komm, Boy!«, fordert ihn der Fremde auf. »Reiten wir zur Kutsche. Wir werden dort erwartet. Deine Schulter werde ich anschließend gleich verarzten.«

Ritch Chucker blickt auf seinen Waffengürtel und seinen Revolver, die im Sande liegen. Dann schaut er in die grauen Augen des Fremden.

Mit knirschenden Zähnen lenkt er seinen Braunen herum und reitet, dicht gefolgt von seinem Besieger, der den Colt bereits ins Holster zurückgeschoben hat, auf die gelbe Postkutsche zu, die einsam und verloren auf der heißen Straße steht.

Das Mädchen und der schwarzbärtige Kutscher kommen ihnen entgegen.

»Hallo Stranger!«, ruft Buck Oaktree mit zuckendem Bart. »Das nenne ich eine harte, rasche Arbeit!«

»Hallo!«, erwidert der Fremde lässig den Gruß. Vor dem Mädchen zieht er mit einer leichten Verbeugung und einem kurzen, freundlichen Lächeln den Hut. Dann schwingt er sich geschmeidig aus dem Sattel. Er überragt den Kutscher fast um Kopfeslänge. Trotz seiner Größe macht er jedoch keinen wuchtigen Eindruck, sondern wirkt geschmeidig und wendig wie eine große Raubkatze.

»Sie sind gerade im rechten Augenblick gekommen«, sagt das Mädchen und streckt ihm die Hand entgegen. Für einen Augenblick scheint es so, als könne er seinen Blick nicht losreißen von ihrem schmalen, hübschen Gesicht.

»Cumberland, John Cumberland ist mein Name!«, stellt er sich vor.

»Ich bin Maureen Prayne«, entgegnet das dunkelhaarige Mädchen. »Und das hier ist Mr. Oaktree. Sind Sie auch nach Yellow Point unterwegs.«

Der Fremde, der sich John Cumberland nennt, zuckt die Schultern.

»Ich bin auf dem Weg nach Süden. Wenn wir an Yellow Point vorüberkommen, so haben wir die gleiche Richtung.«

»Es wird mir ein Vergnügen sein, mit Ihnen zu reisen, Sir!«, brummt Buck Oaktree, und seine rauen Worte stellen ein großes Kompliment für diesen gewissen John Cumberland dar, der eben auf rasche, harte Art einen Postraub verhinderte.

»Ganz meinerseits!«, gibt Cumberland lächelnd zurück. »Aber zuerst muss ich mich wohl um diesen Gent hier kümmern, der ein Stück heißes Blei eingefangen hat.«

Und mit langen, wiegenden Schritten geht er auf den jungen, blondhaarigen Ritch Chucker zu, der mit fahlem, hasserfülltem Gesicht noch immer im Sattel seines hochbeinigen Braunen sitzt.

 

 

2. Kapitel

 

Als Hank Wilburn aus dem Snake Saloon tritt, sticht das grelle Sonnenlicht scharf in seine blauen Augen. Zögernd bleibt er auf den Verandastufen stehen und legt die rechte Hand über die buschigen, hellen Brauen. Sein breites, sonnengebräuntes Gesicht wendet sich ruhig und gleichmütig den Häusern von Yellow Point zu.

Es sind im Ganzen fünf Häuser, denn Yellow Point ist die kleinste Siedlung auf dem Postkutschenweg zwischen Phoenix und Tucson. Diese fünf Häuser mit den dazugehörigen Ställen und Schuppen sind in einem Halbkreis gebaut. An der offenen Seite dieses Halbkreises läuft die gelbe Straße nach Süden vorüber. In der Mitte des freien Sandplatzes zwischen den Gebäuden wächst eine breitästige Akazie empor. Um ihren rissigen Stamm ist in einem Viereck ein Haltegeländer gebaut worden, vor dessen Holmen gefüllte Wassertröge stehen. Der Snake-Saloon, auf dessen Verandastufen der große, breite, kraftvolle Mann steht, bildet den Mittelpunkt der kleinen Siedlung. Je zwei weitere Gebäude liegen zu seinen Seiten. Links erheben sich die Postkutschenstation und der Store, rechts stehen die Schmiede und das Haus des Sattlers. Einen Sheriff oder Marshal gibt es nicht in Yellow Point.

Als Hank Wilburns Blick das Haltegeländer im Schatten der hohen Akazie erreicht, kneift er die Augen zusammen. Zwei Pferde sind an die Holme gebunden.

Und er kennt diese Pferde zur Genüge. Sein ruhiges, breites Gesicht mit den klaren, blauen Augen und dem Büschel Flachshaar in der Stirn verdüstert sich.

Die scheckige Pintostute gehört Ned Slocum, dem Vormann der Prayne-Ranch, und der Rotfuchs daneben ist Floyd Praynes Pferd.

Hank Wilburn stemmt beide Fäuste in die Seiten und lässt seinen Blick weiterwandern.

Und gleich darauf sieht er die beiden Männer, die an der Ecke des Stores lehnen und nach Norden die Straße hinaufblicken. Einer von ihnen, ein mittelgroßer, schlanker, dunkelgekleideter Mann, zieht eben eine glitzernde Taschenuhr aus der Rocktasche, schaut auf das Zifferblatt und steckt die schwere Uhr wieder in die Tasche zurück. Dieser Mann ist Floyd Prayne. Ned Slocum sein Vormann, ist etwas größer als der Rancher, hager und dunkelwirkend.

Während Hank Wilburn die letzten Stufen der Veranda hinabgeht, denkt er, dass die beiden Männer anscheinend auf das Eintreffen der Postkutsche warten.

Noch einmal wirft er einen finsteren Blick auf die beiden Gestalten, dann geht er zu seinem Pferd, das im Schatten neben dem Saloon steht und den langen, schmalen Kopf auf den Boden hängen lässt.

Eben als er in den Sattel steigt, bemerkt er, dass Ned Slocum den Kopf gewandt hat, kurz zu ihm herschaut und dann hastig und leise auf den Rancher einredet.

Hank Wilburn will seinen Gaul antreiben, um Yellow Point wieder zu verlassen, als Prayne und Slocum mit langen Schritten auf ihn zukommen.

Prayne winkt gebieterisch mit der erhobenen Hand.

---ENDE DER LESEPROBE---