Der Spirit Südindiens - Petra Dalquen - E-Book

Der Spirit Südindiens E-Book

Petra Dalquen

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Beschreibung

Wenn aus Fiktion Wirklichkeit wird. Mit dem himmelblauen, bunt bemalten Reisebus durch die faszinierende, geheimnisvolle und exotische Welt der Tempel und Götter Südindiens. Dieses sehr persönliche Reisetagebuch von 2006 hat die Autorin zu ihrem Roman "Küssen Inder anders?" inspiriert, mit dem sie eine unglaubliche Geschichte verbindet. Durch einen Leserbrief erfuhr sie, dass das frei erfundene Hilfsprojekt, das sie im Roman am Fuße des heiligen Berges Arunachala angesiedelt hatte, tatsächlich mittlerweile existiert. Gegründet von einer jungen Deutschen und zwar genau an diesem Ort. Seitdem wuchs die Idee, dieses Reisebüchlein herauszugeben und den Reinerlös dem wunderbaren Projekt "Heartkids e.V." zur Verfügung zu stellen.

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Seitenzahl: 82

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Petra Dalquen

Der Spirit Südindiens

Mit dem himmelblauen Reisebus durch Tamil Nadu

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Reisetagebuch einer Yogalehrerin

Indien 2006 – Träume einer Yogalehrerin

Champagner und Tränen

Erwacht im Paradies

Yoginis unter sich

Mahabalipuram, die kleine Händlerstadt

Jenseits von Raum, Zeit und Begehren

Tapfere Schneiderlein, Silberschmiede und ein Nusskuchen

Glückliche Kühe und Vishnu auf der Weltenschlange

Missratene Shorts - oder wie ich mich in einen Elefanten verliebte

Der himmelblaue Bus - Pinkelpause auf dem Friedhof - der Besitz von schönen Dingen

Duschen unter dem Elefantenrüssel oder der göttliche Tanz Shivas

Die Affen sind los - wir erblicken die Tür zum Paradies

Unterwegs sein in Südindien

Erwacht am Fuße des Arunachala

Abschied von Tamil Nadu

Die Autorin

Impressum neobooks

Reisetagebuch einer Yogalehrerin

Petra Dalquen

DER

SPIRIT

SÜDINDIENS

Mit dem himmelblauen Reisebus

unterwegs in Tamil Nadu

Siva verbarg Seine blendend helle Gestalt und manifestierte Sich stattdessen als der Berg Arunachala. Er erklärte: „Wie der Mond sein Licht von der Sonne bezieht, so sollen andere heilige Orte ihre Heiligkeit vom Arunachala beziehen. Dies ist der einzige Ort, wo ich diese Gestalt angenommen habe, zum Nutzen derer, die mich verehren und Erleuchtung erlangen wollen. Arunachala ist OM. Ich werde jedes Jahr zu Kartigai auf dem Gipfel dieses Berges in Gestalt eines friedensbringenden Leuchtfeuers erscheinen.“

http://www.sriramanamaharshi.org/de/der-berg-arunachala/

Dieser unscheinbare Stein auf meinem Schreibtisch erinnert mich immer wieder an eine Tempelrundreise durch Südindien im Januar 2006. Er erinnert mich vor allem an den Heiligen Berg Arunachala, von dem er stammt und der mich nachhaltig beeindruckt hat. Das tiefe Gefühl, dass der Berg immer noch in mir ist nach all den Jahren, veranlasste mich 2014, einen Roman zu schreiben, der 2016 veröffentlicht wurde. Der Roman handelt von der Kraft der Freundschaft und dem Zauber einer außergewöhnlichen Liebe vor der exotischen Kulisse Südindiens.

Eine unglaubliche Geschichte

Kurz nach der Veröffentlichung des Romans Küssen Inder anders? erfuhr ich durch eine Leserin, dass es das Hilfsprojekt am Fuße des Arunachala, das ich in meinem Roman frei erfunden habe, dort seit 2008 tatsächlich gibt, und zwar genau dort, wo ich es im Buch beschrieben habe, in unmittelbarer Nähe der Stadt Tiruvannamalai.

Ich nahm Kontakt zu Judith Retz, der Gründerin des gemeinnützigen Vereins auf und so wuchs die Idee, meinen persönlichen Reisebericht, der die Grundlage für den Roman war, zu veröffentlichen und einen Großteil des Erlöses aus diesem Büchlein dem Projekt Heartkids in Tiruvannamalai zur Verfügung zu stellen.

Danke für den Kauf dieses E-Books, Sie unterstützen damit dieses wunderbare Projekt

www.heartkids.de

„As long as I have eyes to see the misery in this world, as long as I have ears to hear of the poverty, as long as I have a heart to feel the pervasive suffering, I cannot stop to strive for making the world more just.” (Judith Retz)

Dieser Reisebericht ist die Wiedergabe meiner ganz persönlichen, subjektiven Eindrücke einer Reise im Jahre 2006, er erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Eventuelle Fehlinformationen oder Fehlinterpretationen liegen allein in meiner Verantwortung. Die Namen der Teilnehmer wurden geändert, die Namen der beiden Referentinnen, die unsere Reise zu einem so unvergleichlichen Erlebnis werden ließen, sind real.

Indien 2006 – Träume einer Yogalehrerin

Jasminblüten, Muskat, Nelken, Chili, Sternanis, Curcuma, Zimt, Curryblätter…

Frauen in Saris, Tuctucs, Turbane, heilige Kühe, dunkelhäutige Männer in Dhotis, Seidentücher, Silberreifen, Tempel, Elefanten…

Kornblumenblau, safrangelb, lila, pink, türkis…

Ein Feuerwerk betörender Düfte, Farben und Bilder explodierte in meinem Kopf.

Dabei hatte ich lediglich im Yoga-Forum, der Zeitschrift meines Yogaverbandes, die Anzeige von Anna gesehen. Anna Trökes, eine von mir sehr geschätzte Kollegin, die ich von meiner Ausbildung her kannte und die in der Yoga-Szene Karriere gemacht hatte.

YES! Ich ballte eine Faust und hüpfte durchs Haus. Es war so weit! Ich hatte die Bilder vor Augen, den Duft in der Nase und ich spürte das Prickeln und die schwülwarme Luft auf meiner Haut, spürte ihn, den Spirit of South-India!

„Yoga-Ferien am Golf von Bengalen – Ein Workshop über die Mythologie Indiens mit anschließender Tempelrundreise“.

Seit mehr als 20 Jahren praktizierte und unterrichtete ich Yoga und genau so lange träumte ich von einer Reise nach Indien. Doch irgendeine innere Instanz gab mir die Gewissheit, irgendwann kommt der richtige Zeitpunkt – und jetzt war er da, mein lange gehegter Wunsch ging endlich in Erfüllung. Und Anna als Referentin, das war das Sahnehäubchen, die Krönung der Reise, besser konnte es nicht sein. Yippiee!! Indien – ich komme

Meine Freundin Dietlinde war schnell zu begeistern, zu zweit würde die Reise noch mehr Spaß machen. Dietlinde war zwar begeisterte Teilnehmerin meiner Yogakurse, dennoch kamen mir gelegentlich leise Zweifel. Konnte ich ihr das zumuten? Stundenlange Meditationen, ausgiebige Yoga-Sessions mit lauter Profis? Für mich war das schon eine große Herausforderung, ich war 57. Dietlinde fast 10 Jahre älter. Ach was, sie schafft das schon, sie ist superehrgeizig, argumentierte ich im Geiste. Der Altersdurchschnitt von Annas Teilnehmern würde allerdings durch uns zwei alte Schachteln einen rasanten Sprung nach oben machen.

Ich nahm allen Mut zusammen, meldete uns an und es klappte. Diese Freude. Ich konnte es kaum glauben – ich würde Anna wiedersehen.

Kaum war die Sache in trockenen Tüchern, betrachtete ich mich mit Argusaugen in jedem Schaufenster, in jedem Spiegel, an dem ich vorüberging. Hatte ich inatte Deutschland noch ein volles Unterrichtsprogramm gehabt, so liefen in Portugal, wo ich seit einigen Jahren lebte, solche Dinge ganz anders. Die mangelnde Disziplin meiner Teilnehmer war ansteckend und so manche Unterrichtseinheit fand dann gemütlich am Strand bei einem Cafesinho statt. Anna war sicher superschlank geblieben, bei dem asanabewegten Leben, das sie führte. Mein entschleunigtes Aussteigerleben im Süden Portugals dagegen hatte Spuren in Form von prallen Fettpölsterchen auf meinem Körper hinterlassen, die in der Lage wären, einigen anhaltenden Dürreperioden zu trotzen. Denen musste ich unbedingt noch zu Leibe rücken, bevor es losging.

Nachts träumte ich von exotischen, scharfen Currys, von milden Raitas und von traditionell zubereitetem Chai, nicht diesem dürren Abklatsch in Teebeuteln. Schweißgebadet wachte ich eines Nachts auf und rüttelte meinen Claus wach. Wie er die zwei Wochen ohne mich überleben sollte - keine Sekunde hatte ich darüber nachgedacht. Doch er lachte nur, er war in Deutschland daran gewöhnt gewesen, dass ich regelmäßig Aus- und Fortbildungsseminare besuchte. Er würde schon nicht verhungern, versicherte er mir grinsend. Ich sah es ihm an, er war froh, dass des Dietlinde getroffen hatte, dass er nicht auf die Matte musste. Aus seinen Augen blinkerten mich imaginäre Restaurantteller mit überlappenden Schnitzeln in allen Variationen an. Zum Kochen am heimischen Herd würde er auf Kartoffelbrei aus dem Alubeutel zurückgreifen! Erleichtert und voller Vorfreude schlief ich wieder ein.

Meine Übungspraxis wurde wieder disziplinierter, die üppigen Kurven schmolzen, weniger sicht-, aber dennoch fühlbar. Der Energiepegel stieg. Ich war wieder im Yoga-Flow.

Die letzten Tage vor der Reise habe ich wie in einem Kokon verbracht. Die üblichen Feste im Freundeskreis - wie Filmsequenzen ließ ich sie an mir vorbeirauschen. Ich war schon nicht mehr wirklich anwesend, war auf mich selbst reduziert. Ich machte noch längere Strandwanderungen als sonst, schuf Abstand zu meinem gewohnten Alltag – mentale Reisevorbereitung auf meine Art!

Champagner und Tränen

Endlich ist es soweit, Diethilde und ich sitzen im Flieger Richtung Frankfurt. Ich spüre den Schub der Maschinen während des Starts und mit leichtem Flimmern im Bauchraum beobachte ich, wie die Villen und die Pools der Reichen und der Schönen, wie die Inselchen rund um den Naturpark des Ria Formosa kleiner und immer kleiner werden. Wir sind superpünktlich gestartet bei strahlendem Sonnenschein in Faro. Es wird ein schöner Tag werden für unsere beiden Männer, die als Strohwitwer zurückbleiben an der Algarve. Im Auto zum Flughafen waren wir alle vier noch ziemlich aufgekratzt und giggelig. Dann vor dem Check-in-Schalter - zwei in die Jahre gekommene Ehepaare. Wortkarg und abschiedswehmütig, was sicher nicht unbedingt mit der Dauer unserer Reise zusammenhängt. Die große Entfernung, ein anderer Kontinent, es geht um Sicherheit, Risikobereitschaft. Es fehlt die Unbekümmertheit der jungen Jahre, mit denen man Menschen, Hunde, Dinge leichter los- oder zurücklässt.

Vor dem Weiterflug in Frankfurt große Überraschung – wir werden in die Business upgegraded. Die Mädels am Gate sind rührend bemüht um uns old boxes. Wahrscheinlich sehen sie es uns an, wie nudelfertig wir jetzt schon sind, nachdem wir den automatischen Check-in bewältigt und gefühlte tausend Mal den Inhalt unseres Handgepäcks ein-und wieder ausgeräumt haben.

Dietlinde musste unbedingt im Duty-free Whisky einkaufen. Etwas von oben herab teilte ich ihr mit, dass das für mich nicht infrage kommt. Was weiß denn Dietlinde schon von Yogaseminaren. Diese lang ersehnte Zeit in Indien ist mir zu heilig, ich werde mich vegetarisch ernähren, viel meditieren und meine innere Achtsamkeit und die Askese weiter entwickeln. Sie wird schon sehen, was sie davon hat. Whisky! Schnapsidee! Ich jedenfalls werde gertenschlank und spirituell weit fortgeschritten von diesem Trip in die exotische Welt der Götter und der Tempel Südindiens zurückkehren. Die Exotik ist bereits jetzt schon zum Greifen nah. Hier am Gate im Frankfurter Flughafen sind sie nun, die dunkelhäutigen Männer mit ihren Turbanen, die hübschen Frauen in prächtigen Saris. Meine swingende Gelassenheit, die mir irgendwo unterwegs vor lauter Abschiedsgefühlen vorübergehend verlorengegangen war und meine Vorfreude kommen zurück. Ich kann es kaum abwarten, dass es jetzt endlich losgeht.

Es beginnt mit Champagner nach dem Einsteigen in den Businessbereich, setzt sich fort mit jeweils einem wunderbaren Sterne-Menu zum Mittag- und zum Abendessen, so verlockend, dass ich die ketzerischen Gedanken an Askese blitzschnell und ohne schlechtes Gewissen sausen lasse.

Eine merkwürdige Stimmung in dieser Lounge, alles ist so bequem, alles ist so gedämpft, nur das leise Klirren der Gläser ist zu hören. Wieder so ein Kokon, in den man sich behaglich einkuscheln kann. In jeder Armlehne ein Bildschirm, die Möglichkeit, Filme am laufenden Band anzusehen, dazu ein wunderbares Musikprogramm.