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Der standhafte Zinnsoldat in neuem Gewand. Eine Steampunk Märchenadaption mit Tiefgang. Was macht der Krieg aus den Menschen und wie sieht es im Herzen des standhaften Blechsoldaten aus? Wird er seine Tänzerin aus Papier retten können vor dem grausamen Schachtelkaspar? Ein altes Märchen mal ganz anders und doch mit derselben Melancholie, die zu Herzen geht.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Der standhafte Blechsoldat
Von Jacqueline Thies
Texte, Cover und Layout:
© Copyright by Jacqueline Thies
1. Auflage, Februar 2024
© 2024 Alle Rechte vorbehalten.
Selfpublisher:
Jacqueline Thies
Horather Straße 161
42111 Wuppertal
Germany
Druck:
epubli - ein Service der neopubli GmbH, Berlin
Der standhafte Blechsoldat
eine Kurzgeschichte
Von
Jacqueline Thies
Der standhafte Blechsoldat
Eigentlich sind doch alle Soldaten gleich. Das Gewehr halten sie im Arm und das Gesicht geradeaus. Geradeso als gäbe es nichts zu dem sie aufzusehen hätten. Und in ihren herrlich roten und blauen Uniformen sind sie geschmückter als der eitle Pfau mit seinem Rade. Doch sind auch sie nichts anderes als Männer, denen man ein Gewehr und eine Marke gegeben hat. Männer voll Blut und Schmerz. Ich weiß es, war ich doch einer von ihnen. So wie sie und doch nicht. Nicht mehr.
Das wurde mir wieder klar, als ich die kleine Spelunke im Dorfzentrum betrat. Fragt nicht, wie das Dorf nun hieß. Es war eins von vielen, durch die wir zogen von einem Schlachtfeld zum anderen. Orte, in denen mehr Soldaten als Männer hausierten und den Frauen nachstellten, die nicht klug genug waren, sich in ihren Kuhställen zu verschanzen. Die Vaterlandsverteidiger sammelten sich in Scharen dort, wo sie ihre Gedanken mit Bier und Wein ertränken konnten. So vergaßen sie das Blut, das an ihren Bajonetten und Gewehren klebte.
Auch ich wollte vergessen. Den Schmerz in meinen Gedanken. In meinem Bein, dass metallisch und scheppernd an mir hing. Ein Fremdkörper, den ich hasste und dem ich es doch verdankte, überhaupt noch auf eigenen Beinen eine Kneipe betreten zu können.
»Wieder einer dieser Blechmänner«, raunte jemand rechts von mir, als ich mir durch das schummerige Licht der Kneipe einen Weg zum Tresen suchte. Ich schenkte ihm keinen Blick. Nicht ihm und nicht seinen lachenden Kameraden. Vor wenigen Monaten noch habe ich nicht viel anders geklungen. Selbstsicher und voller Abscheu für die mechanischen Ersatzteillager, wie wir die Soldaten nannten, denen man Arme und Beine durch rostige Rohre und Zahnräder ersetzte.
